Der Zahn der Zeit

September 23, 2016

Der Zahn der Zeit …. ein Gedicht, geschrieben nach 2 Jahren Aufenthalt in Deutschland im Jahr 1999, some moments before the total sun ecplipse in August on the steps of Augsburg’s city theater

der-zahn-der-zeit(yehuda shenef)

der zahn der zeit

der zahn

der zeit

nagt an

uns

seit

ewigkeit

bei jeder

sich bietenden

gelegenheit

und bringt

über uns

nichts

als leid

sollen wir fliehen

oder den zahn nur ziehen?

nach

all

der

zeit

weiß

keiner

bescheid

(yehuda, 1999)

taken from:

Übertretungen: zeitgenössische Gedichte Augsburger Juden

von Yakiv Samoylovych (Autor), Yehuda Shenef (Autor), Chana Tausendfels (Autor)

mit Illustrationen von Yakiv Samoylovych

72 Seiten, 5 .- Euro

ISBN: 978-3848-204-519

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“Übertretungen: zeitgenössische Gedichte Augsburger Juden”

June 24, 2016

Übertretungen: zeitgenössische Gedichte Augsburger Juden

von Yakiv Samoylovych (Autor), Yehuda Shenef (Autor), Chana Tausendfels (Autor)

mit Illustrationen von Yakiv Samoylovych

72 Seiten, 5 .- Euro

ISBN: 978-3848-204-519

Übertretungen Gedichte Augsburger Juden Samoylovych Shenef Tausendfels 2016

„Übertreten“ heißt in der Regel eine Grenze verletzen, eine Seite oder gar Religion zu wechseln, eine starre Linie oder Meinung herauszufordern, zu hinterfragen. Von Rechtschaffenen und jenen, die ihre festen Prinzipien und unabänderlichen Positionen haben, sind Übertreter, Seitenwechsler, selten gerne gesehen.

Erleben ist immer die ureigene Geschichte, gleich ob man nun lieblichen Melodien folgt, nach echtem Kaffee sucht, seine Lanze an der Tür des Sozialamts abbricht, routinemäßig im Niemandsland unterwegs ist, nie repräsentativ befragt wird, das Gras flüstern hört, zornige Träume hat, sich wie ein entschwundener Fisch aus der Tiefe erhebt oder sich als finaler Zweck und Bester begreift.
Menschliches Streben widersetzt sich gedachten Grenzen. Darin liegt unser aller Wesen. Der Blick ans andere Ufer lohnt sich.

Immer.


“Unsere jüdische Dichtung in diesen Tagen”

January 6, 2016

Und jeden Morgen …

Und jeden Morgen schnürst du deine Schuh,
Gehst still dem Tagwerk zu.

Und Regen rauscht an deine Fensterscheiben,
Du bist froh und weißt,
Vom Gestern wird nichts bleiben
Und nicht vom Morgen, das dir entgegen kreist.

Und Stund um Stund geht die Uhr,
Die Monde wechseln stumm in Gottes Namen;
Vielleicht wächst Neues einst aus deinem Samen,
Vielleicht lässt keiner deiner Schritte eine Spur.

Ein kleiner Wind lässt dich erschauern,
ein wenig Regen lässt dich taglang trauern
und jeden Abend bist du arbeitsmüd;

Nachtfalter sind dir Einsamen Genossen
Und eh du denkst ist alles dies verflossen
Wie ein von irgendwo gesungenes Lied …

Oh sei gelassen im Gewölk und hab Geduld,
Fühl deine Gnade tiefer noch als deine Schuld,
Wie alle, die wie du berufen sind

Zu horchen auf den grauen Schicksalswind,
zu wachen, wenn aus dumpf befangenem Schlaf
Die anderen stöhnen, weil ein Traum sie traf.

 

* * *

Jacob Picard (1883-1967), Schriftsteller und Dichter, bekannt geworden für seine bewegenden Erzählungen zu schwäbischen Juden seiner Heimat, der Bodensee-Region, die über Jahrhunderte hinweg enge (familiäre) Verbindungen zu den Juden im Raum Augsburg hatten.

Das Gedicht „Und jeden Morgen“ wurde vor genau achtzig Jahren in der Neujahrsausgabe der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung vom 1. Januar 1936 auf Seite 5 abgedruckt im Rahmen eines von Jakob Picard selbstverfassten Artikels über „Unsere jüdische Dichtung in diesen Tagen“.

* * *

Jacob Picard 1883-1967(badener zeitung)

Nach bald drei Jahren Hitler-Regierung in Deutschland, wenige Wochen nach der Verkündung der sog. „Nürnberger Gesetze“ spürt man das drohende Unheil aus den Worten des Dichters, auch wenn noch Beobachtungen und Leitsätze im Blickpunkt stehen, die wir  in unserer Zeit ebenso auch auf uns selbst beziehen könnten (vielleicht auch sollten):

Worum geht es in unserer allgemeinen Situation? Es geht darum, eine Gefahr zu beseitigen, die sehr drängend ist, nämlich die, dass unser künstlerisches Schaffen durch die Zeitverhältnisse aus stofflichen und persönlichen Gründen an Niveau verliere und banalisiert werde, weil einerseits die Schaffenden fehlen, die den rechten Maßstab vertragen, und weil oft die persönliche Umgebung derer, die sich berufen halten, sie nur darum bejaht, weil sie Ihresgleichen sind und überhaupt etwas von sich geben. Auf diese Gefahr hinzuweisen, heißt schon, sie zu bannen.“

.
Aber es braucht auch keineswegs einer tragischen Zeit, wie wir sie jetzt durchleben, nun zwangsläufig als ein Dichter geboren zu werden, der sie gestaltet und gerade ihren Menschen Erhebung und Trost geben kann; Gnade und Schicksal wäre es. In einer ereignislosen, gelassenen Zeit könnte einer ebenso gut, nein, viel eher kommen, der die große Tragik der Jahrhunderte gestaltet, weil durch die Ferne Verklärung des Geschehens uns wird, und Kunst auch dieses bedeutet: während andererseits in Zeiten, da das Grauen über die Erde geht, schon die Distanzlosigkeit des Erlebnisses den Zeitgenossen hemmt, es zu gestalten.“

Lo tirzach don t kill töte nicht Nürnberg Straße der Menschenrechte HebräischBiblisches Gebot “Töte nicht” in Nürnberg, Straße der Menschenrechte

Warum sollte es nicht auch unter uns …, vom engeren oder weiteren Bekanntenkreis liebenswürdig gepflegten Kitsch geben, der bekämpft werden muss! Und selbst durch die schwerste Judengesetzgebung wird einer nicht zum Dichter, wenn er es nicht zuvor gewesen ist.

Wir können zum Schicksal den Dichter nicht fordern, der uns nottut, sondern müssen geduldig warten, dass die Vorsehung uns einen schickt, der das kündet, was wir fühlen, der unser Mund sei, zugleich mit unserer Klage und Aussprache unser Trost.“

lindauer tor wangenLindauer Tor in Wangen / Allgäu


“Epistel an die Augsburger”

October 6, 2015

Nicht zur passend zur Jahreszeit und auch nicht so ganz im Wortlaut,

Aber: Hebräisch & Deutsch und: schon mehr Brecht als schlecht:

 

Und als dann kam der Monat Mai

War ein tausendjährig‘s Reich vorbei

 

Die Geschäfte blühten. Die Dinge schwiegen betroffen.

Die Türen waren geschlossen, die Dächer standen offen.“

 

Im wesentlichen geschrieben von Bert Brecht, irgendwann, irgendwo als „Epistel an die Augsburger

Weilheim (broken home in Weilheim)

And now a Hebrew translation:

 ואז היעגה חודש אייר

מלכות שנאה פי אלף רק גמר

השדות היו מלאים בנים ובנות

והרוצחים שקטים

איגרת אל אוגסבורגערים

הגגות היו פתוחים

 

 

נכתב על ידי ברטולד ברכט

“איגרת אל אוגסבורגערים“

לא ממש, אבל כל כך דומה

יהודה שנף באוגסבורג


So raise your eye, Braunau ..!

September 20, 2012

*

So raise your eye brow now

And look out for what has changed

Where once a baby began to cow

Until precious lusters clanked

*

There’s nothing left to vow

Neither revenge, humility nor silence

Or what else in phase of defiance

Common decency will allow

*

No, there was no magic place

Also no other human race

Just the same soil to plow

So raise your eye brow now

*

Erhebe dein Auge Braunau. Nun zieh mal deine Augenbraue hoch, und schau nach was sich verändert hat. Wo einst ein Baby anfing einzuschüchtern, bis kostbare Kronleuchter klirrten, ist nichts mehr zu geloben, weder Rache, Demut noch Schweigen, oder was in einer Trotzphase die üblichen Gepflogenheiten sonst noch erlauben. Nein, da war kein magischer Ort, auch keine andere Menschheit, nur die selbe Erde zu pflügen. Nun zieh mal deine Augenbraue hoch …

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שתי דקות לפני הסתיו

September 3, 2012

נכון, לקח כמה זמן

כדי להפוך את מה שנכתב כאן

על האבן הזאת

נכון, צריכתי לחשוב על זה קצת

כדי לקרוא את המילים האלה

מילים עתיקות מאוד

יותר עתיק שכל ספר

נכתב בו שם

שהאדם הראשון

היה בשטעפפאך כמה פעמים

הוא הכה בחלונות

אז הגשם הראשון

הבתים שהריקים

שתי דקות לפני הסתיו

גרם לדאוג הנחש

(יהודה שנף)

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