Augsburgs Partnerstadt in Israel

October 29, 2013

Augsburg Davidstern Partnerschaft Israelصداقة friendship ידידות amitié дружба cairdeas φιλία

Quizfrage: Wie heißt Augsburgs Partnerstadt in Israel?

Quizantwort: Es gibt sie nicht.

Thema fertig? Wahrscheinlich. Oder ..?

Augsburg Grottenau BrunnenGrottenau Brunnen, Augsburg

Seit 1947 gibt es Städtepartnerschaften. Sie folgen oft einer eigenen Logik, etwa weil beide Partnerstädte Hafenstädte sind, von der Automobilbranche dominiert werden (oder mal wurden), den gleichen Namen tragen, im Gebirge liegen, Universitätsstädte sind oder eine teilweise ähnliche Geschichte haben, einander helfen wollen und dergleichen mehr. Oft sind es aber auch nur eher profane Wirtschaftsbeziehungen, besonders ausgeprägt in den relativ geschichtslosen Beziehungen zwischen deutschen und chinesischen Städten der letzten Jahre. Der Umstand, dass die Stadt Augsburg beispielsweise inzwischen gleich zwei japanische und eine chinesische Partnerstädte besitzt, hat sich auf die Augsburger Bevölkerung nicht ausgewirkt. Selbst gebildete Augsburger (von denen es bekanntlich überreilich viele gibt) kennen in der Regel nicht mal die Namen der Städte, geschweige denn, dass jemand etwas über die Geschichte, Kultur und dergleichen was sagen könnte. Und das, obwohl der Umstand, dass es sich bei Jinan etwa um eine Millionstadt in der Größe Berlins handelt, Augsburg eigentlich schmeicheln müsste. Jedoch fühlen sich viele Augsburger schon von der benachbarten Millionenstadt in der Regel eher nicht als Partner ernst genommen, deren Sprache sie wenigstens noch halbwegs verstehen.

1977 wurde die von Wuppertal und Beerschewa die erste Partnerschaft zwischen einer deutschen und einer israelischen Stadt oder Gemeinde geschlossen. Von den hundert größten israelischen Städten – mit einer Einwohnerzahl über 10.000 – haben alle Partner in aller Welt. 42 von ihnen haben auch eine deutsche Partnerstadt, manche mehrere, weshalb es auf der anderen Seite 67 deutsche Partner für die auserwählten 42 israelischen Städte gibt. Tel Aviv-Jaffo hat mit Köln, Frankfurt am Main, Bonn und Essen gleich vier deutsche Partnerstädte und die drittgrößte Stadt Israels Haifa kommt sogar auf fünf: Bremen, Mainz, Düsseldorf, Mannheim und Erfurt. Die letzten beiden Partner kamen 2005 hinzu. Der Rekord liegt jedoch bei sechs deutschen Partnerstädten: Alzey, Darmstadt, Paderborn, Berlin-Tempelhof, Bielefeld und Offenbach am Main. Wer nun als israelische Partnerstadt an Jerusalem denkt, liegt jedoch falsch, denn die vielleicht berühmteste Stadt der Welt kommt aus welchen Gründen auch immer ohne deutsche Partnerstadt aus.

 Zu den Partnerstädten der israelischen Hauptstadt zählen u.a. Prag, New York City, Marseille oder Buenos Aires. Unter Israels Großstädten ist ansonsten nur noch das von charedischen Orthodoxen geprägte Bne Brak ohne deutschen Partner, obwohl die Stadt immerhin bereits 170 Tausend Einwohner hat. Im Gegenzug findet das eigentlich aus drei kleinen Siedlungen bestehende israelische Kaff Kirjat Tiwon, das allenfalls wegen des benachbarten Nationalparks meist zufällige Beachtung findet im mit etwa 245.000 Einwohnern ungleich größeren niedersächsischen Braunschweig den eher überraschenden Partner. In der 1986 geschlossenen Partnerschaft zwischen Tiberias (40.000 Einwohner) und dem doppelt so bevölkerungsreichen Worms kann man angesichts der jeweiligen, für das Judentum insgesamt bedeutenden Vergangenheit einen gewissen Sinn erkennen. Ebenso verhält es sich wohl zwischen Jawne und Speyer. 

Doch was verbindet eigentlich Kirjat Schmona, das allenfalls als Ziel von Scud-Raketenangriffen in den Schlagzeilen landet mit dem schwäbischen Memmingen im Allgäu? Was Nürnberg mit Chadera oder Berlin-Mitte mit der trendigen Weltstadt Cholon?  Wer das erklären kann, hat sicher auch kein Problem mit der Verbindung zwischen Leverkusen und dem oberen (jüdischen) Nazareth Ilit (das etwa gleich große arabische, alte Nazareth hat sich mit dem Städtchen Neubrandenburg verpartnert. Welche Seite profitiert schließlich und endlich von einem Austausch zwischen dem wonnigen Akko am Mittelmeer und Recklinghausen, das es im Bereich der vererblichen Neurofibromatosen immerhin zu einem eigenem Krankheitssymptom gebracht hat und ansonsten nur einem Szenepublikum für seine Kabarettisten Hape Kerkeling und Renate Künast bekannt ist.  

Die meisten deutschen Partner hat übrigens das trotzdem weitgehend unbekannte Naharija mit gerademal 50.000 Einwohnern nördlich von Haifa, wo immerhin 2 Eisenbahnlinien halten, … fast täglich.

Jehuda Loeb Ulmo Grabstein Kriegshaber Pfersee 1719 memorial of Yehuda Loeb Ulmo (1719) Pfersee

Wie dem auch immer sei. Augsburg zählt zu den wenigen deutschen Großstädten, die keine Partnerstadt in Israel haben. Wahrscheinlich wurde eine solche auch noch nicht ernsthaft erwogen. Aber wenn das westfälische Münster sich mit Rischon LeZion verbrüdern kann und Wiesbaden mit Kfar Saba und weder Heidelberg Berührungsängste vor Rechovot noch Dortmund vor Netanja hat, was spräche dagegen, dass Augsburg sich nicht um auch eine Partnerschaft in Israel bemüht? Naharija, Haifa und Tel Aviv könnten es sicher verschmerzen nicht noch eine weitere deutsche Partnerstadt zu bekommen.

Dem eigenem Ansehen als umworbene „Friedensstadt“ mit kulturellen und religiösem Anstrich würde ggf. aber mit Jerusalem oder dem von Deutschen noch nicht belegten Safed in Galiläa genügen. Oder vielleicht doch lieber Ben Brak?

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Believe it or not: Augsburg although it has a rich Jewish history like no other city has no twin town or sister city in Israel.

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Gibt es jüdische Gemeinden in Augsburgs Partnerstädten?

August 5, 2011

Die Stadt Augsburg, die am kommenden Montag, den 8. August wieder ihren einzigartigen (oder: eigenartigen ?) Friedenfest – Feiertag (jüngst auch als „City of Peace“ vermarktet – in einer Welt voller Unruhen könnte „Frieden“ Touristen bringen) hat beginnend mit den 1950er Jahren eine Reihe von Städtepartnerschaften. Seit 1956 das schottische Inverness, am Fluss Ness, unweit vom durch sein legendäres „Ungeheuer“ ungleich berühmteren Loch Ness, wo im 11. Jahrhundert der zumindest durch Shakespeare bekannte Macbeth in einer Burg residiert haben soll, um nur zwei allseits bekannte Begriffe zu nennen. 1959 folgte 長浜市 Nagahama, was englisch als „Long Beach“ übersetzt wird und analog zu Augsburg für seine mittelalterliche Produktion von Gewehren (Arkebusen) und Kanonen bekannt ist. Im selben Jahr bekam Augsburg mit der Industriestadt 尼崎市 Amagasaki sogleich einen zweiten japanischen Partner. 1964 folgte Dayton in Ohio, 1967 das zentralfranzösische Bourges, im Jahr 2001 das nordtschechische Liberec (das Deutsch Reichenberg hieß) und im Jahr 2004 ging Augsburg mit  濟南市Jinan erstmals eine eingetragene Lebenspartnerschaft mit einer chinesischen Stadt ein, deren Geschichte bis in die Han-Dynasty zurückreicht. Eine Partnerschaft mit einer israelischen Stadt gibt es (noch) nicht und ist vielleicht auch nicht geplant, obwohl die Bezüge in einer stattlichen Anzahl lokaler Kirchen an für sich Jerusalem nahelegen würden. Leider findet sich im „world wide web“ auch kaum etwas zu den genannten Städtepartnerschaften, wobei zweisprachige, aus jeweils bedien Städten betreute Webseiten mit grundlegenden und aktuellen Infos heute allgemein keine große Schwierigkeit darstellen.

Wie dem nun auch sei, abgesehen davon, dass die übergroße Mehrzahl der heutigen Augsburger Juden Zuwanderer sind und ihre eigenen „Partnerstädte“ im Kopf und in der Biographie haben, ist es für unsere primär jüdischen Perspektive, auch interessant, ob es eine entsprechende Geschichte und/oder Gegenwart in den offiziellen Augsburger Partnerstädten gibt. In den beiden japanischen wie auch in der der chinesischen Stadt, wird diese Suche absehbar nicht ergiebig sein – schon die allgemeinen deutschen Wikipedia – Artikel zu den Orten fallen sehr mager aus. Aus dem tschechischen Liberec ist zumindest die Existenz der alten um 1889 fertiggestellten Synagoge von Reichenberg bekannt:

 

 Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Synagoga_Liberec_3.jpg

 Das, wie es heißt, im Neo-Renaissance-Stil errichtete Gebäude, wurde während der deutschen Besatzung freilich zerstört. 1930 lebten immerhin etwa 1400 Juden in der überwiegend katholischen Kleinstadt mit weniger als insgesamt 40.000 Einwohnern. 1939 war die Zahl bereits auf bloße 41 Juden „reduziert“. Erst im Jahr 2000 wurde in Liberec eine neue Synagoge, freilich im modernen Stil, errichtet. Über die frühere Geschichte der Reichenberger Juden, ist, von bloßen Strukturdaten auf Anhieb nicht viel zu finden. Das verwundert angesichts der schwierigen Geschichte nicht, doch wie so oft bedarf es für Antworten zunächst der Frage.

In der einzigen Stadt in den schottischen Highlands, mit gegenwärtig etwa 50.000 Einwohnern lebten zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts bereits etwa zwanzig jüdische Familien, die eine kleine Gemeinde bildeten. 1906 wurde ein eigener Friedhof errichtet, auf dem sich insgesamt etwa 20 Gräber befinden sollen (http://www.iajgsjewishcemeteryproject.org//scotland/inverness.html), zuvor mussten Tote mühsam im 300 km südlich gelegene Glasgow bestattet werden. Trotzdem Lehrer angestellt wurden, um hebräischen Unterricht zu gewährleisten, wanderten in den folgenden Jahren immer mehr Juden in die größeren Städte oder ins südlich England ab. Der Jewish Chronicle stellte im Jahr 1973 fest, dass es nur noch sechs jüdische Familien in Inverness gab. Heute ist die Gemeinde erloschen.

Eine jüdische Gemeinde gibt es dem Anschein nach auch nicht im französischen Bourges im Department Cher, jedoch kann die 70.000 Einwohner Stadt, über eine mittelalterliche jüdische Geschichte zurückblicken. In keltischer Zeit hieß der Ort Avaric (oder Avaricum bei den Römern) und in der berühmten Schlacht um Avaricum soll Julius Caesar vor etwa 2060 Jahren die Gallier unter der Führung von Vercingoterix (82-46 ante) besiegt haben. Berichte über Juden in Bourges gehen in das sechste Jahrhundert zurück, überliefert in dem Bemühen, sie zum Christentum zu bekehren. Ob das gelungen ist, weiß man nicht, jedenfalls tauchen Juden in erhaltenen Urkunden erst wieder im 11. Und 12. Jahrhundert in Bourges oder als von Bourges stammend auf. Wie in der Folgezeit stammen die Informationen hauptsächlich aus lückenhaften städtischen oder gräflichen Steuerlisten, die wie wir wissen freilich nur marginale Erkenntnisse über eine jüdische Ortsgeschichte geben können. In der Jewish Encyclopedia heißt es vor etwa hundert Jahren, dass keine Nachrichten über jüdische Gelehrte aus Bourges vorlägen. Lediglich ein Tosafist namens אליהו בן שלמה מבורגוש, der eine Randbermkung zu ראש השנה (24b) verfasst hat, sei ggf. identifizierbar.

Ganz anders sieht es freilich aus im Fall von Augsburgers US-amerikanischer Partnerstadt Dayton/Ohio, der Heimatstadt der Gebrüder Orville und Wilbur Wright, wo es seit den 1840er Jahren eine stetig wachsende jüdische Gemeinschaft mit aktuell fünf Synagogen gibt, darunter auch ein Chabad-Center, wovon alleine der Reform-Gemeinde „Temple Israel“ über 800 Familien angehören.

 http://en.wikipedia.org/wiki/Temple_Israel_(Dayton,_Ohio) 

Augsburg has a number of sister-city arrangements. Time to ask about their particular Jewish history if there is or was one in the twin city.