Wer war Oberst Gerstle ..?

February 19, 2009

Nicht nur hebräische Inschriften sind mancherorts nur schwer zu lesen, mitunter bereiten auch lateinische Großbuchstaben Probleme. Auf der Webseite des Haus der Bayerischen Geschichte  (http://www.hdbg.de ) etwa erinnerte vor einiger Zeit noch unter der Rubrik „Für das Vaterland starben“ noch ein Eintrag an ein Grabmal am Jüdischen Friedhof in Kriegshaber. Dieses wurde dem „ranghöchsten jüdischen Offizier der königlich-bayerischen Armee, OBERST GERSTE s.A.“ gewidmet.

Niemand weiß, wer dieser Oberst Gerstle war und vermutlich existierte er auch nie. Die abgebildete Grabplatte jedenfalls gehört ohne jeden Zweifel Carl von Obermayer, der für sich beanspruchen kann, was jenem ominösen Oberst Gerstle zugesprochen wurde, war er doch in Augsburg Kommandant der Bayerischen Landwehr.

Das Haus der Bayerischen Geschichte hat inzwischen reagiert, und den Irrtum auf seiner Webseite behoben.

Richtig bleibt natürlich der Appell die mehrfach zerschlagene Grabplatte zu restaurieren und das Andenken an Oberst von Obermayer zu bewahren.

Dafür werben wir auch weiterhin um Unterstützung.

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Not only Hebrew inscriptions are sometimes difficult to read, even Latin capital letters occasionally may cause some problems. On the website of the Haus der Bayerischen Geschichte (House of Bavarian History) some time ago in the category “Died for the fatherland” was an entry about a tomb at the Jewish cemetery of Kriegshaber. It was a dedication to the “highest-ranking Jewish Officer of the Royal Bavarian Army, Colonel Gerstle, of blessed memory”.

 

Nobody knows who this Colonel Gerstle actually was and probably there never was one. The shown memorial plate however belongs without any doubt to Carl von Obermayer who answers to the description, because he in fact was the Commandant of the Bavarian Landwehr (Territorial Army) stationed in Augsburg.

 

The House of Bavarian History reacted to this “News” and corrected the error on its website.

 

Unaffected remains of course the appeal to restore the several times broken memorial plate and to commemorate Colonel Carl von Obermayer as well as his family.

 

And of course we continue to ask for your support on that account.

 

 

 


Militärische Ehre für Oberst Carl von Obermayer

December 15, 2008

Im Rahmen unserer Bemühungen zur Erhaltung und Restauration des Jüdischen Friedhofs in Kriegshaber erhielten wir am 24. November hohen militärischen Besuch: Brigadegeneral Johann Berger, stellvertretender Befehlshaber der Deutschen Bundeswehr im Wehrbereich Süd erwies Oberst Carl von Obermayer die Ehre seines Besuches und zeigte sich bestürzt über den jämmerlichen Zustand der stark beschädigten Grabplatte, wie auch des desolaten Zustandes des Friedhofs Kriegshaber im Allgemeinen.

 

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Carl von Obermayer (1811 – 1889) gilt als der ranghöchste jüdische Soldat der Bayerischen Armee und kommandierte von 1862 bis 1869 die Augsburger Landwehr. Wie bereits sein Vater Isidor und sein Großvater Jakob Obermayer ist er am jüdischen Friedhof im heutigen Augsburger Stadtteil Kriegshaber begraben. Wie sie war auch er Bankier. Im Jahre 1803 gehörten die Obermayer neben dem Haus Westheimer & Straßburger und den in Kriegshaber altansässigen Ullmann zu den drei jüdischen Häusern, die nach der Gewährung gewaltiger Kreditsummen an die hoch verschuldete und die um ihre Unabhängigkeit gegenüber Bayern kämpfende Freie Reichsstadt Augsburg, dort ein bleibendes Aufenthaltsrecht erhielten. Freilich gegen massive Widerstände in der Augsburger Bürgerschaft, insbesondere der Kaufleute und unter absurd anmutenden Auflagen.  Dazu gehörte beispielsweise, dass sich die drei Bankierfamilien verpflichten mussten, „unter keinem Vorwand … sich mit anderen kaufmännischen Geschäften zu befassen, als mit dem Wechselverkehr, dem Juwelenhandel und der Handlung im Großen, deswegen es ihnen nicht erlaubt ist, einen offenen Laden zu halten“. Anders als etwa im mittelalterlichen Augsburger Stadtrecht von 1276 und all seinen späteren Zusätzen wurde den Juden nun jeder andere als der Gelderwerb in der Stadt verboten. Die Ausübung ihrer Religion erlaubte der Magistrat hingegen, „wenn sie ihre Religionsübungen innerhalb ihrer Wohnungen etc. halten wollen“. Das erste Wohnhaus der Obermayer war am Obstmarkt wo im Mittelalter auch ein jüdische Wohnviertel bestand. Dort richteten die Obermayer später auch das erste inoffizielle Bethaus der Neuzeit ein, ehe in den 1860er Jahren ein Haus in der Wintergasse für diesen Zweck angekauft und umgebaut wurde.

Carl wurde 1811 als Sohn von Isidor Obermayer, einem Mitbegründer der 1834 auf Initiative König Ludwig I. ins Leben gerufenen Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank (heue Bayerische Hypo- und Vereinsbank), in Augsburg geboren. Ab 1846 war Carl Obermayer Konsul der Vereinigten Staaten von Amerika in Augsburg. Von 1853 bis 1867 war er der Vorsitzender der langsam aber stetig wachsenden Jüdischen Gemeinde und somit auch erster Vorsitzender der 1861 formal gegründeten Israelitischen Kultusgemeinde in Augsburg. Seiner weiteren sozialen Verantwortung in Augsburg kam er als Mitbegründer einer Suppenküche für Bedürftige und eines Vereins zur Integration von Strafentlassen wie auch der Etablierung der ersten Freiwilligen Feuerwehr in Bayern. Da ihm im Gegenzug untersagt wurde, den 1869 vom württembergischen König Karl I. verliehenen Adelstitel „von“ auch in Bayern zu führen, verlegte Carl von Obermayer seinen Wohnort nach Wien, wo er am 13. Januar 1889 verstarb. Seine Beisetzung fand jedoch Jüdischen Friedhof Kriegshaber im Obermayer‘schen Familienensemble statt. Die meisten Gräber des Ensembles, dass wir erst im letzten Oktober mühsam und sorgfältig freigelegt hatten, sind heute freilich zerstört oder grob beschädigt. Vom Grabmal Jakob Obermayers ist nur noch der Grundstein erhalten, von Isidor Obermayers Grabmonument ist nur eine kleine, kaum noch lesbare Platte erhalten, während die Grabplatte von Oberst Obermayer mehrfach zerschlagen ist.

 

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(General Berger, Hr. u. Fr. Delles, Margit Hummel, Yehuda Schenef)

Wir hoffen sehr, dass es uns mit vereinten Anstrengungen gelingen wird, dass Andenken an diese herausragenden Persönlichkeiten der Augsburger Stadtgeschichte zu bewahren und die Grabmale der Obermayer zu restaurieren.

 

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Wir bedanken uns deshalb sehr herzlich bei Herrn General Berger für seinen Besuch und seine Bereitschaft, unsere Anliegen zu unterstützen. Unserer besonderer Dank gilt auch Herrn und Frau Delles, die den hohen militärischen Besuch im winterlichen Kriegshaber ermöglichten.

 

(Photos: (c) JHVA: Jakow Samoylovych, Yehuda Schenef)