Judengasse in Noerdlingen

May 13, 2010

Juden sind in der Stadtgeschichte von Nördlingen seit dem 13. Jahrhundert überliefert. Die tatsächliche Ansiedlung dürfte aber weit früher gewesen sein. Ende des 14. Jahrhundert ist eine “Judengasse” erfasst, wo auch die mittelalterliche Synagoge war. Wie in anderen Städten gab es auch in der Freien Reichsstadt Nördlingen Pogromme Ausweisungen, Wiederansiedlungen. Die letzte Ausweisung erfolgte 1506. Erst um 1860 entstand wieder eine neue Gemeinde. Nach einem Betsaal in derKreuzgasse wurde 1886 die stattliche Synagoge eingeweiht. Um 1900 lebten fast 500 Juden in der Stadt. Der mittelalterliche Friedhof ist längst verschwunden, der neuzeitliche 1877 entstandene hat ca. 300 Gräber. Mit der Nazi-Herrschaft fand die jüdische Gemeinde in Nördlingen ihr Ende – bis heute.

Die hebräische Inschrift lautet זכור “sachor” also “gedenke” oder “erinnere”, darunter steht auf Deutsch:

“Zur Erinnerung an die jüdischen Bürger der Stadt die hier lebten” (“In memory of the Jewish citizens of the city who lived here”) Etwas eigenartig sind jedoch die beiden bidlichen Darstellungen und Inschriften im oberen kupfernen Teil des Denkmals:

 Die eine Inschrift verkündet “Handel und Gewerbe”, die andere lautet “David preist Gott”. Ob damit wirklich “die Juden” in Noerdlingens Geschichte vollumfänglich charakterisiert werden, kann bezweifelt werden.


“Begegnung mit bemerkenswerten Menschen” in Nördlingen

May 12, 2010

Begegnung mit bemerkenswerten MenschenLebensbilder jüdischer Persönlichkeiten von einst” – unter diesem Titel eröffnete am gestrigen Dienstag abend im Stadtmuseum von Nördlingen im Reihl Haus die Ausstellung von Rolf Hofmann aus Stuttgart. Sie zeigt auf 60 Tafeln die Lebensläufe fast vollständig in Vergessenheit geratener Juden aus der Rieser Region mit zahlreichen alten Photographien und interessanten biographischen Notizen, Grabsteinen und Erinnerungen. Unter anderem findet man hier den jüdischen Steinmetz Max (Mordechai ben Josef) Koppel aus Kleinerdlingen, dessen Grabsteine man fast “überall” in der Region, aber auch in München, Augsburg und offenbar auch in Stuttgart finden kann. In Nördlingen besaß er den Angaben von Herrn Hofmann gemäß eine Werkstatt am Löpsinger Tor wo er Marmor aus Italien bearbeitete. Michael Reese ist in Chicago zu Ruhm gelangt durch das nach ihm benannte Hospital. Er war 1835 nach Amerika ausgewandert und machte während des Goldrausches in Kalifornien sein Vermögen. Als er 1878 das Grab seiner Eltern in der alten Heimat besuchen wollte, erlitt er einen Schlaganfall und verstarb, weshalb sein wuchtiges Grabmonument sich heute auf dem jüdischen Friedhof von Wallerstein befindet. Beachtlich ist auch die Biographie von Willi Rosenstein, Kampfpilot im Ersten Weltkrieg in der Flugstaffel des späteren Nazi-Fürsten Hermann Göring, der ihm später zur Ausreise nach Südafrika “verhalf”. Neben vielen anderen Personen werden von Rolf Hofmann, der sich eingehend mit der Geschichte der Rabbinate in Oettingen-Wallerstein befasst hat, auch die Rabbiner Ascher Loew Wallerstein, Moses und David Weisskopf entsprechend gewürdigt, wie auch Farbphotographien von hebräischen Grabsteinen zu sehen, die im Rahmen von Herrn Hofmanns zwei Jahrzehnte umfassenden Arbeit an seinem international beachteten “Harburg Project” entstanden sind. In der Begleitschrift zur Ausstellung heißt es dazu “Damit bleibt wenigstens bildhaft der ursprüngliche Eindruck dieser Grabinschriften für die Nachwelt erhalten, nachdem sie inzwischen vor Ort so nicht mehr lesbar sind. Der Verfall schreitet witterungsbedingt leider unaufhaltsam voran. Irgendwann sind die Grabinschriften unwiderruflich verloren.” (S. 92)

Der Ausstellung voran ging in der Gewölbehalle des Stadtmuseum eine Eröffnungsveranstaltung mit zahlreichen regionalen Ehrengästen wie etwa Prof. Herbert Immenkötter oder der Landtagsabgeordnete Christiane Kamm aus Augsburg und Festrednern, darunter Siegrid Atzmon und Gernot Römer, unterbrochen von musikalischen Darbietungen des Duos Norma and Richard Mayer aus Kalifornien. Letzterer hat familäre Wurzeln in der Region.

"Es waren gute Deutsche und wertvolle Menschen"

"Eine solche Arbeit bedarf erfahrungsgemäß Unterstützung, Engagement und Mut"

Rolf Hofmanns Ausstellung ermöglicht dem Besucher eine “Begegnung mit bemerkenswerten Menschen” und zeigt, was er von sich weisen würde, dass er selbst ein solcher Mensch ist. Die Ausstellung ist noch bis zum 30 Mai im Reihl-Haus neben dem Stadtmuseum, Vordere Gerbergasse in der wunderschönen Altstadt von Nördlingen (die alleine den Besuch bereits lohnt) im Rahmen der Rieser Kulturtage 2010 zu sehen. Dort ist auch die kompakte mit der Stadt Nördlingen und dem “Freundeskreis Synagoge Hainsfarth e.V.” herausgegebene Begleitschrift mit den wesentlichsten Teilen der Ausstellung erhältlich.


Synagoge Noerdlingen

July 10, 2009

Die nach Augenzeugenberichten ebenso beeindruckende wie kunstvolle Synagoge in Nördlingens Kreuzgasse wurde am 19. Cheschwan 5647 (=  17. November 1886) eingeweiht. Sie diente einer zeitweilig bis zu 500 Mitglieder umfassenden Gemeinde. Die Synagoge wurde am 10. November 1938 erheblich beschädigt.  1955 wurden die beiden Türme abgebrochen und das Gebäude ganz anderweitig benutzt, u.a. als Kirche, Kino und Arbeitsamt. Auch diese Überreste wurden 1998 abgebrochen und stattdessen ein Altenheim errichtet.

Painting by Chana Tausendfels zum 120. Jahrestag der Einweihung
Painting by Chana Tausendfels zum 120. Jahrestag der Einweihung

 (oil on canvas, 80 x 60 cm)

    בית הכנסת נערדלינגן בנוי תרמ”ז

 

The impressive as elaborate Synagogue of Noerdlingen was inaugurated on Wednesday 19th of Cheschwan 5647 (i.e. 17 th November, 1886). It served an up to 500-member congregation. The building was significantly damaged on 10th of November 1938 as so many others in Nazi-Germany, but however not destroyed.

Anyway in 1955, the two towers were demolished and the building converted for quite other purposes (church, job center, movie theater). The remaining structure finally in 1998 was eradicated and replaced by a new one serving as retirement home.