Juden im schwäbischen Mindelheim

August 31, 2011

Der jüdische Anteil an der Geschichte der mittelschwäbischen Kreisstadt im Bezirk Unterallgäu ist sozusagen überschaubar. Augsburger Steuerbücher des Mittelalters verzeichnen jedoch eine kleine Anzahl von Juden, die unter dem Toponym als Steuerzahler in der Reichsstadt wohnten – andere Personen wurden nicht erfasst. Zum einem ist es Eberlin von Mindelheim, der zwischen 1355 und 1367 mehrfach genannt wird, zum anderen aber ist dies Pendit von Mindelheim und mit ihm sein Sohn Elias, dessen Frau, sowie die beiden Schwiegersöhne Feidel und Isaak, letzter wird auch mit dem Zusatz „Mollin dedit“ (hat gegeben) notiert, was durchaus bemerkenswert eine Verwandtschaft zum Augsburger Rabbiner dieser Zeit nahelegt. In den folgenden Jahrhunderten gibt es nur sporadische kleine Notizen, etwa aus dem Jahre 1532 über einen (christlichen) Bürger, der sich über das Verbot seines Stadtherren Frundsberg zu Mindelheim hinwegsetzte und „selbst wucherische und jüdische Käufe betreiben“ habe. 1546 klagt ein namentlich nicht genannter Jude aus Schwaighausen gegen Einwohner von Mindelheim, die ihm offenbar ihre Schulden nicht zurückzahlten und wurde dabei durch einen Anwalt vertreten. Und dergleichen mehr. 1768 ist ein „Judenzoll“ der Stadt Mindelheim erwähnt. Erst in der Neuzeit scheinen wieder Juden am Ort selbst gewohnt zu haben, aus dessen Mittelalter freilich nichts erhalten blieb. Ihre Anzahl bewegte sich freilich auch nur im Bereich von etwa 10, weshalb sich die Mindelheimer Juden der Gemeinde im ca. 30 km westlich gelegenen Memmingen anschlossen, was für Besuche der Synagoge beinahe nicht praktikabel erscheint. Vermutlich wird es im privaten Rahmen zumindest einen Betraum gegeben haben. Namentlich präsent durch eine Widmungstafel an der Außenmauer der kleinen „Gruftkapelle“ in Mindelheim ist Jakob Liebschütz und seine Familie. Dem Vernehmen nach war Herr Liebschütz ein in Mindelheim ansässiger Textilhändler. Mit ihm gedenkt die Tafel der „Stadt Mindelheim“, umschrieben von „R.I.P.“ und „Schalom“ desweiteren noch (ggf. etwas pauschal?) „aller Opfer der Gewalt“. Die auf der Tafel abgelegten Steine lassen den Schluss zu, dass manche Zeitgenossen entweder die Tafel selbst, oder aber die Kapelle an deren Wand sie befestigt wurde, für eine Grabstätte halten.

Nennenswert zur Ortsgeschichte ist der Umstand, dass nach der Schlacht von Blenheim John Churchill, Duke of Marlboro, vom Kaiser zum Fürsten über das  eigens geschaffene „Fürstentum Mindelheim“ ernannt wurde, über das der Urahn von Winston Churchill von 1705 bis 1714 herrschte, ehe der Ort hernach wieder bayerisch wurde.

In einer Mindelheim Kirche fand sich diese eigentümlich und goldumrandete Darstellung eines Kohen:

Im Mindelheimer Stadtmuseum sind eine Reihe alter Trachten zu sehen, die so leider nicht mehr im Stadtbild zu finden sind:


Rabbiner von Augsburg: der Maharil

July 14, 2009

Rabbi Jakob ben Mosche Ha-Levi wurde 1365 geboren und war in Mainz Schüler seines Vaters Rabbi Mosche Molin, der in zumindest in der Zeit zwischen 1364 und 1368 Rabbiner in Augsburg war und dort in den städtischen Steuerlisten als “Meister Molin” verzeichnet ist. Es ist deshalb plausibel anzunehmen, dass sein Sohn nicht wie allgemein vermutet in Mainz, sondern in Augsburg geboren wurde. Rabbi Jakob lernte auch bei Rabbi Schalom ben Jitzchak in Wien Neustadt und war selbst in den Jahren 1412-1414 wie bereits sein Vater als Rabbiner in Augsburg, wo er als “Rabbi Jakob” verzeichnet ist.

Bekannt ist er unter dem Akronym maharil, was abgekürzt steht für “morenu haraw raw jakow levi” (unser Lehrer der verehrte Rabbiner Jakob Levi”) und für sein Hauptwerk “Sefer Minhagim” (Buch der Bräuche), das gelegentlich nach ihm auch “Sefer ha Maharil” genannt wurde, welches eine wesentliche und oft zitierte Grundlage für den Kommentar “HaMapa” von Mosche Isserles zum “Schulchan Aruch” des Josef Caro bildete. Der Maharil gilt als einer der herausragendsten jüdischen Gelehrten des ausgehenden Mittelalters und wurde auch als Chazan (Vorsänger) berühmt. Eine Anzahl heute noch gebräuchlicher Melodien aus dem Gottesdienst geht auf ihn zurück. Allgemein volkstümlich geworden ist sein Beharren, die bestehenden Ordnungen in Mainz unverändert zu lassen: “Mainz bleibt Mainz“.

Der bedeutendste der zahlreichen Schüler des Maharil war Rabbi Jakob ben Jehuda Weil (MaHaRiW), der ihm nachfolgte und Augsburgs letzter bedeutender Rabbiner war.

Rabbi Mosche ben Jakow Ha-Levi Molin, der MaHaRIL

Rabbi Mosche ben Jakow Ha-Levi Molin, der MaHaRIL

 

Rabbi Moshe ben Jacob Ha-Levi was born in 1365, and was a student of his father Rabbi Moshe Molin in Mainz (Mayence), who at least between 1364 to 1368 was rabbi in Augsburg where he is listed in the municipal tax book as a “Meister Molin”. It therefore is plausible to assume that his son was not born in Mainz, as commonly assumed, but rather in Augsburg. Rabbi Jacob also learned with Rabbi Shalom ben Yitzchak in Vienna Neustadt. In the years 1412-1414 as his father he was Rabbi of Augsburg, where he is noticed as “Rabbi Jacob” in the tax payer list.  
He is known by the acronym MaHaRIL, which is abbreviated for “raw morenu haraw Yakov levi” (our dear teacher Rabbi Jacob Levi) and his main work “Sefer Minhagim” (Book of Customs), which is occasionally referred to him as “Sefer ha Maharil”, which is an essential and often-cited basis for the comment “HaMapa” by Moshe Isserles to the “Shulchan Aruch” of Joseph Caro. The Maharil is regarded as one of the greatest Jewish scholars of the late Middle Ages and also was considered as a famous Chazan (precentor). A number of still common melodies go back to him.

                                                                                    
The most important of the many disciples of the Maharil was Rabbi Jacob ben Yehuda Weil (MaHaRiW), who himself follow him to be the last significant rabbi of Augsburg.