Gedenken Synagoge Schopfloch

July 20, 2016

Gedenktafel zur Erinnerung an die Synagoge im mittelfränkischen Schopfloch:

schopfloch-memorial-plate-gedenktafel-synagogueMemorial plate Schopfloch synagogue

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Juden im fränkischen Georgensgmünd

September 11, 2012

Georgensgmünd im mittelfränkischen Landkreis Roth ist eine Kleinstadt mit etwa 6600 Einwohnern. Der Ort ist seit etwa 800 Jahren urkundlich belegt und seit Mitte des 16. Jahrhunderts gab es hier auch eine jüdische Gemeinde. Von 1548 bis 1792 gehörte Georgensgmünd zur Markgrafschaft Ansbach-Brandenburg, von 1792 bis 1806 es zu Preußen und seit 1806 zu Bayern, auch wenn  Franken letzteres auch nach 200 Jahren nicht gerne hören. Das Ortswappen zeigt in der Mitte zwei zusammenfließende Flüsse, nämlich die Fränkische Rezat und die Schwäbische Rezat, links davon ein rotes Kreuz, rechts davon zwei Hopfendolden, die anzeigen, dass Hopfenanbau hier eine große Tradition hat.

(local traffic map with Nuremberg and Fuerth in the center, also mentioned are Erlangen, Schwabach, Roth, Treuchtlingen, Solnhofen, Gunzenhausen, Feuchtwangen, Ansbach or Uffenheim. Previously we also had visited Rothenburg, Dinkelsbühl … Although the map actually was photographed in Georgensgmuend the townlet is not shown on the map. It is where the “h” of Windsbach is on the map, between Roth and Gunzenhausen)

(our friend and guide Ralf Rossmeisl explaining the fascinating history of the Mikwot in Georgensgmünd)

Aus der vierhundertjährigen Geschichte der Juden in Georgensgmünd ist heute heute noch der Friedhof mit Taharaha-Haus erhalten, sowie die ehemalige Synagoge mit zwei Mikwot und Resten alter Wandmalereien. Auch der Ehrenbürger von Georgensgmünd ist ein Jude, der in Emmerich am Rhein geborene Arzt und Sanitätsrat Dr. Heinrich Mehler (1859-1926), der sich 1887 im Ort niedergelassen hatte und für sein Wirken als Lungenarzt mehrfach vom bayerischen König ausgezeichnet wurde. Nach ihm sind heute eine Schule und eine Halle benannt.

Um 1600 lebten etwa 50 Juden in Georgensgmünd. Zeitweilig machten Juden etwa die Hälfte der Bevölkerung aus, wobei es eher müßig ist, dies schlüssig in Komma-Zahlen akkurat auszudrücken, wenn ansonsten niemand ordentlich Buch führte. Vor zweihundert Jahren etwa lebten etwa 70 Juden in Georgensgmünd und stellten dabei nur noch etwa ein Zehntel der Bevölkerung. Von 1894 bis 1896 wirkte Dr. Ernst Fränkl (1874-1940) als Lehrer in Georgensgmünd ehe er nach Augsburg ging, wo er über vierzig Jahre lang als Lehrer tätig war. Unter seinem Einfluss wandelte sich die Augsburger Gemeinde in eine Reformgemeinde bis zum Untergang in der Nazizeit nichts mehr zum Reformieren übrig war. Zwar blieb die Zahl der Juden in der Folgezeit etwa konstant (1910: 78), jedoch stieg die Gesamtbevölkerung auf 1600 Personen an. 1925 lebten noch 50 Juden am Ort und 1932 waren es dann nur noch 40. Auf den weiteren Countdown können wir verzichten.

Das heute erhaltene Gebäude der ehemaligen Synagoge wurde am 6. Adar 5494 (1734) eingeweiht, wovon eine Inschrift am Türstock des Eingangs zeugt. Etwa hundert Jahre später wurde die jüdische Schule mit einer Wohnung für den Lehrer angebaut. Weitere hundert Jahre später wurde das Haus an einen örtlichen Bäcker verkauft, trotzdem aber in der sog. “Reichskristallnacht” geschändet. Nach dem Zusammenbruch des Naziregimes wurde das Gebäude als Turnhalle benutzt, später als Wohnung.

source: http://www.after-the-shoah.org

(remnants of the Aron Kodesh inside the former Synagogue of Georgensgmuend)

1988 kaufte die Stadtgemeinde das Haus und begann mit der Sanierung, wobei Wandmalereien und einige Genisa-Funde entdeckt wurden. Seit 1997 ist die ehemalige Synagoge zur Besichtigung und für „kulturelle“ Veranstaltungen geöffnet, wobei der Hauptraum wegen seiner guten Akustik gerne für musikalische Darbietungen genutzt wird. Im Obergeschoss auf der Frauenempore befindet sich eine kleine Ausstellung, im Keller die alte und die neuere Mikwe. Interessant ist u.a. auch die „Durchreiche“, durch welche Frauen den Säugling zur Beschneidung in den Betsaal der Männer reichten und durch ein Gitter die Ausführung des Mitzwas beobachten konnten. Die Reste der Wandmalerei werden vielzitiert dem Maler Elieser Sussmann zugeschrieben, der aus dem polnischen Brody stammte, Sohn des Kantors Schlomo Katz war und in der Zeit 1730-1740 im fränkischen und schwäbischen Raum eine ganze Reihe von Synagogen bemalte (u.a. die berühmte Holzsynagoge aus Horb). Von der Inneneirichtung der früheren Synagoge hat nichts die sinnlosen Zerstörungen durch die örtlichen Nazis überlebt.

Im Jahr 2000 wurde vor dem Eingang hingegen ein effektvolles Denkmal mit Namen ermordeter jüdischer Bürger aus dem Landkreis aufgestellt.

(Detail of the Holocaust Memorial in Georgensgmünd with the names of Hanna Rachelsohn, Max Rosenfeld, Selly Rosenfeld, Siegfried Schönfrank, Elisa Seller, Justin Schülein, Recha Strauss, Berta Süss-Schülein, Siegmund Süss-Schülein and Antonia Weinfeld)

Hebrew inscription at the entrance door of the synagogue. It quotes Psalm 118.19 “פתחו־לי שערי־צדק אבא־בם אודה יה” what means “Open to me the gates of the righteous, so I will enter and thank God“.

However the restorers made some mistakes and put a Vav letter instead of a Yud in שערי and a Sayin instead of the Yud in the word יה, so the later now reads זה and the other שערו, and the meaning now is: “Open to me his righteous gate, so I will enter and thank this”. However the initial word פתחו was written as a number. The numerical value of the letters add up to 494, signifying the date of the inauguration of the synagogue, which was on Adar 6 in 5494 (1734).

At the outside walls of the synagogue also are some leftovers of Hebrew inscriptions. Unfortunately I was too stupid to take a second battery for my camera with me to record more details …

(A fine piece of religious artwork from Georgensgmünd)

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Die Darstellung mittelalterlicher Juden im mittelfränkischen Hörlbach

July 23, 2012

Unweit des mittelfränkischen 140 Einwohner Dorfes Hörlach, etwa 4 km nordwestlich von Ellingen (Landkreis Weißenburg – Gunzenhausen) befindet sich die kleine Kirche St. Oswald, die erstmals um die Mitte des 13. Jahrhunderts urkundlich erwähnt ist und Fresken aus dieser Zeit besitzt.

  • Der legendäre St. Oswald (datiert auf die Jahre 604-642)wird als angelsächsischer König in Northumbrien überliefert, der im Kampf gegen die letzten nichtchristlichen Herrscher der Angelsachsen starb und deshalb als Heiliger verehrt wird. Obwohl der Leichnam des toten Königs im Laufe der Jahrhunderte weitläufig verteilt wurde, scheint Hörlach diesbezüglich wohl leer ausgegangen zu sein, oder aber die Lutheraner, die seit Jahrhunderten im Besitz der Kirche sind, legen darauf keinen Wert. Der Kopf des Königs jedenfalls landete der Überlieferung nach im Kloster auf der nordenglischen Insel Lindisfarne, dann in Durham, wo er im Sarg eines anderen Heiligen vor den Wikingern versteckt worden sein soll und dort noch 1826 vorgefunden wurde. Aber selbst auch im luxemburgischen Echternach, ebenso wie in Hildesheim und im Dom von Paderborn rühmt man sich, Teile (welche ..?) des Kopfes zu besitzen. Ein Arm von Oswald sagt man, kam nach Bamburgh, der andere nach Gloucester. Der Torso des Leichnams soll in Lindsey begraben worden sein, jedoch kamen um 900 auch wieder Teile davon gleichfalls nach Gloucester. Man muss das zugegeben auch nicht bis zum einzelnen Knochen oder was auch immer weiterverfolgen. Bei wikipedia kann man noch mehr drüber lesen. Genetische Untersuchungen, um die Zuverlässigkeit der verschiedenen Ansprüche zu überprüfen gibt es offenbar sowieso nicht. Wie dem auch sei, deutet die Methode der Verteilung des verehrten Heiligen bereits darauf hin, dass es wohl auch nicht weiter von Belang sein muss, wenn einige Figuren die auf den Fresken der Hörlacher Kirche gezeichnet wurden, nicht mehr vollständig erhalten sind.

Diese Wandmalereien, wurden vor gut hundert Jahren, im Jahre 1913 im älteren Altarraum der Kirche „entdeckt“. Die nur teilweise erhaltenen, um 1920 restaurierten Wandbilder zeigen Szenen aus den letzten Lebenstagen des Jesus von Nazareth. Mit ihm abgebildet finden sich in unterschiedlichen Szenen einige von Jesus Zeitgenossen, von denen manche anachronistisch mit mittelalterlichem Judenhut dargestellt sind. Zur mutmaßlichen Entstehungszeit der Abbildungen, die man grob auf die zweite Hälfte des 13. Jahrhundert (oder 14. ..?) schätzen kann, war der Judenhut eigentlich Führern jüdischer Gemeinden vorbehalten. Judenhüte fanden jedoch in der christlichen Bild-Propaganda zur bloßen Kennzeichnung von Juden allgemein Verwendung. Eine für alle Juden geltende Verordnung, einen Judenhut zu tragen, gab es jedoch nicht. Sie wäre auch in etwa so eigenartig gewesen, wie jedem Christen vorzuschreiben, eine Bischofsmütze zu tragen.

על הקירות הפנימיים של הכנסייה קטן בכפר פרנקוניה הערלבאך ליד עלינגן וווייסענבורג יש כמה ציורי קיר מימי הביניים אשר גם להציג מספר היהודים בסימן לבוש שנקרא כובע היהודים

 

Da nun mehrere, vier bis fünf unterschiedliche Figuren mittels Judenhut als Juden gekennzeichnet wurden, ergeben sich Anhaltspunkte über die zur fraglichen Entstehungszeit verbreitete Mode in der Region. Der Grund warum es überhaupt in der mittelfränkischen Einöde dazu kam, eine Kirche mit den stilisierenden Darstellungen zu stiften, hat wohl damit zu tun, dass fromme Christen dem Heiligen wunderwirkende Kräfte attestierten. Sogar der Boden auf dem er in England starb wurde als Heilerde verstanden, weshalb der Überlieferung nach, rasch ein „mannshohes“ Loch ausgegraben wurde, da die Gläubigen die Erde mit sich nahmen, um damit eine Medizin für allerlei Blessuren zu haben. Da die kirchliche Tradition Oswald auch zuschreibt, Schutz vor und Hilfe bei der Pest zu bewirken, liegt darin vielleicht auch das Motiv der Kirche. Eher indirekt wären die dargestellten Juden dann vielleicht ein zeitgenössischer Hinweis auf die verbreitete Ansicht, dass man Juden verdächtigt habe, die Pest zu verursachen.

Etwa 8 km südlich befindet sich das Städtchen Weißenburg, wo zumindest seit 1288 die Anwesenheit einer  jüdischen Gemeinde bezeugt ist, die jedoch schon zehn Jahre später im Zuge der sog. Rintfleisch-Pogrome überfallen wurde. Es war die damals wohl nahegelegenste jüdische Gemeinde zur kleinen Kirche.

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Next to the small village of Hoerlbach (some 140 inhabitants) near Ellingen in Middle Franconian district Weissenburg / Gunzenhausen (somewhat halfway between Nuremberg and Ingolstadt), there is a very small but pretty old church dedicated to the 7th century Northumbrian king Oswald, who posthumously was title a saint. While St. Oswald by pious Christians was considered as effecting miraculous, his corpse was divided in several parts in order to allow many cloisters to participate in that activity. So the torso of his dead body is preserved in a different place as his left or right arm or his head of which several churches even in Germany claim to posses at least parts of it, as for instance the Paderborn cathedral does. If there also are parts of the corpse of the saint in the small chapel in Hoerlbach is not known and maybe also of less importance, because the church since many centuries is Lutheran.

However, in 1913, at the walls next to the altar some frescoes were (re)discovered, which may be dated to 13th or 14th century. Depicted are several scenes of Jesus at the close of his life and some of the people around him are designated as Jews by the typical Judenhut (Jews hat), which at the time when the paintings were made, actually was to distinguish Jewish leaders from other Jews. In Christian propaganda however the Judenhut just was a token to identify Jews in general.

Many thanks to Ralf Rossmeisl who kindly called our attention to the chapel and also made it possible to visit it with us.