Jüdisches Hainsfarth

August 18, 2019

Neues Buch (15.08.2019)

Yehuda Shenef (Autor), Freundeskreis Synagoge Hainsfarth (Herausgeber):

JÜDISCHES HAINSFARTH

Mikwe – Synagoge – Schule – Friedhof

 

 

erhältlich in Hainsfarth in der ehemaligen Synagoge

היינספארט

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Am Judenhof in Kleinerdlingen

April 12, 2013

Zu Beginn des 16. Jahrunderts war Kleinerdlingen ein Ausweichort für die Juden der nahen Reichsstadt. Die ersten erhaltenen Zeugnisse über Juden in “Klein-Nerdlingen” (die unkomplizierteste und wahrscheinlich auch  plausibelste unter vielen abweichenden Schreibweisen des Ortsnamen) werden aber bereits ins 15. Jahrhundert nach christlichem Kalender datiert. Von der letzten Synagoge in Kleinerdlingen gibt es heute keine sichtbaren Überreste mehr. Das historische Gebäude wurde – übrigens erst “vor einigen Jahren” – abgerissen, um Platz für ein privates Wohnhaus zu schaffen. Eigenartiger Weise scheint es aber trotzdem keine neuzeitlichen Aufnahmen der alten Synagoge zu geben, jedoch existiert eine Innenaufnahme von Theo Harburger aus dem Jahr 1926 (CAHJP):

Kleinerdlingen Synagoge NoerdlingenInterior of former synagogue of Kleinerdlingen near Noerdlingen (Ries, Swabia)

Auch vom Tauchbad der Kleinerdlinger Juden, der Mikwe, fehlt jede Spur, und trotz der Überschaubarkeit des kleinen Ortes gibt es auch hier keine bleibende Erinnerung darüber, wo genau sie sich befand. Andererseits verläuft aber nahe der ehemaligen Synagoge dann aber doch ein kleiner Bach, der für das Tauchbad das erforderliche Wasser herbeigebracht haben dürfte:

Bach Kleinerdlingen für Mikwe

Namentlich an die jüdische Gemeinde erinnert am Ort die heute noch erhaltene Bezeichnung “Judenhof”, die offensichtlich als Eruv konzipiert wurde, was nun jedoch durch bauliche Veränderungen schwindet.

Die Fenster des alten Hauses im Judenhof stimmen stilistisch scheinbar mit der Aufnahme aus dem Inneren des Betraumes überein.

Judenhof Kleinerdlingen old Jewish house at so called Judenhof in Kleinerdlingen (since 1972 part of Noerdlingen)


אל תלכי ללקט בשדה אחר

January 14, 2013

Synagoge Kriegshaber

ווו אַמאָל איז געווען די מקווה פון ייִדיש קהל פון קריעגסהבער אין עתיד וועט זייַן געזאמלט די אשפה פון דער נייַ מוזיי

Kriegshaber Mikwe Tauchbad Mikvah

Kriegshaber mikvah Mikwe

באייר תשע

Where once was the mikvah of Kriegshaber in the future the garbage of the new museum will be collected.

Kriegshaber synagoge Januar 2013

Kriegshaber Synagoge Müllraum

Ziemlich genau da, wo sich nach Angaben alter Katasterpläne früher das Tauchbad (Mikwe) der jüdischen Gemeinde von Kriegshaber befand, wird später in einer eigens dafür geschaffenen Konstruktion der Abfall des künftigen jüdischen Museums gesammelt.

Kriegshaber Museum Synagoge Müllraum

https://jhva.wordpress.com/2011/12/21/die-tauche-von-kriegshaber/


Impressions of Georgensgmünd Mikva

September 12, 2012

In der ehemaligen Synagoge im fränkischen Georgensgmünd befinden sich zwei Mikwen, eine neuzeitliche, die “modernen” Bestimmungen genügen sollte im Erdgeschoss und die ältere, den halachischen Bestimmungen entsprechende tief unten im Keller.

(c) Pictures by Rolf, Margit, Yehuda

 

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Die “Kleine Synagoge” in Erfurt

June 1, 2012

Auf halbem Wege zwischen der Krämerbrücke und dem Rathaus liegt das ehemalige Wohnhaus Zur großen und kleinen Weinkrause“ heißt es in einem Artikel der „Osttthüringer Zeitung“ von Christian Scheider aus dem Jahre 1997 zur „Wiederentdeckung“ der Synagoge an der Gera. 1823 war das Gebäude von Ephraim Salomon Unger erworben worden, als die Erfurter Gemeinde etwa hundert Personen umfasste.  1839 musste der marode alte Bau einem neuen weichen und das Haus 1840 zur Synagoge geweiht, wobei im Keller direkt am Fluss auch eine Mikwe eingerichtet wurde. 1884 wurde mit der Einweihung der großen Synagoge am Kartäuserring (1964 nach Juri Gagarin benannt) das Gebäude bereits wieder aufgegeben und an einen Essigfabrikanten verkauft, der das Haus als Lager nutzte.

1916 wurde es von der Stadt Erfurt erworben, die dort Wohnungen einrichtete. 1938 wurde der Straßennamen „An der Judenschule“ in „An der Stadtmünze“ geändert, weshalb auch namentlich nichts mehr an die jüdische Vergangenheit erinnerte. Erst in den 1990ern wurde man darauf aufmerksam und man stellte das bisherige Wohnhaus unter Denkmalschutz und die Überreste der früheren „jüdischen“ Bausubstanz (darunter auch die Frauenempore und der Toraschrein) wieder her. 1998 eröffnete man nun eine „Begegnungsstätte“, am 9. November, obwohl das Gebäude 1938 längst keine Synagoge mehr war und entsprechend auch nicht heimgesucht wurde. Die 1997 noch als „Alte Synagoge“ bezeichnete Einrichtung wird nun als „Kleine Synagoge“ bezeichnet und beworben, obwohl es sich seit über 127 Jahren um keine Synagoge mehr handelt.

Da man in Erfurt offenbar einigen Wert auf „Synagogen“ legt, ist es unklar, warum das Gebäude dann nicht der heutigen jüdischen Gemeinde überlassen wurde, die mit einer fachkundig restaurierten, funktionalen Mikwe doch wohl etwas anfangen könnte. In der „Begegnungsstätte“ jedenfalls gibt es hier Vorlesungen (etwa über „Mönche und Klöster“, 21.05.) oder Konzerte (z.B. „Jüdische Lieder und Tänze des Misrachi Ensembles, 01.06.).


Im Keller ist die zu seicht ausgefallene ehemalige Mikwe und an ein paar Tischen im Nebenraum eine Anzahl jüdischer „Ritualgegenstände“ zu sehen, wie Weinbecher, Tfilin und dergleichen, offenbar in der Absicht, anhand dessen „das Judentum“ zu erklären. Am anderen Ufer des Flusses befinden sich eine Reihe gemütlicher Kneipen und Restaurants, wo man beim Bier darüber oder über anderes nachgrübeln kann mit gutem Blick zur ehemaligen Synagoge.

The old synagogue of Erfurt was established in 1840 next to Gera river and was used until 1884 when the Jewish community of Erfurt inaugurated a bigger one. The building was sold and used as storage room until in 1916 the City of Erfurt acquired and converted it into a tenement, what it was used for about 75 following years. In 1938 the street name “An der Judenschule” (At the Jewish school, means Synagogue or Yeshiva) was changed into “An der Stadtmünze” (At the coining press) by the Nazi German. Since there were no more Jews in Erfurt afterwards the history of the building was forgotten. Only in the 1990s the situation changed and the building was listed. Restauration effected some previous details as the Torah Ark, the women’s gallery and the recreated mikveh in the basement. However the building was not passed to the Jewish community of Erfurt, which is located somewhat at the outskirts, but again was converted into a “Begegnungsstaette”, what is a kind of “center for encounter”. Here are some lectures on several subjects or concerts, to what of course there are no objections, if it was not the “Jewish ticket” which was used by the municipality for the purpose to get substantial governmental subsidies, while the Jewish community has a shadowy existence. On the other bank of the small river there are a number of restaurants and pubs where you can have some good Czech beer and a more lively place of encounter with nice Erfurt people.


Die alte Mikwe in Erfurt

May 24, 2012

Die Existenz einer Mikwe gilt in Erfurt etwa ab der Mitte des 13. Jahrhundert als gesichert. Da es nicht schwer zu erraten ist, dass man sie in der Nähe des jüdischen Viertels und notwendigerweise auch nahe an einem Fluss oder Bach bauen musste, fand man 2007 bauliche Überreste direkt hinter der berühmten Krämerbrücke. Bemerkenswert daran ist allerdings, dass es sich dabei weniger um einen Zufallsfund handelte, sondern um einen langjährigen Wunsch, der in Erfüllung ging. Irgendwie. Diese Reste der Ausgrabung sind heute überbaut mit einem Schutzbunker und werden präsentiert als Teil des Netzwerkes „Jüdisches Leben Erfurt“. Besonders hingewiesen wird auf die Möglichkeit, die Besichtigung der „Mikwe“ zusammen mit der „Alten Synagoge“ zu buchen.

Die Informationstafel vor dem Neubau erläutert, dass das „jüdische Ritualbad“ aus dem 13. Jahrhundert stammt und erstmals  1248 erwähnt wurde. Weiter heißt es: „Im Mittelalter war die Umgebung der Mikwe dicht bebaut, hier wohnten Juden und Christen Tür an Tür. Eine heute überbaute Gasse war der kürzeste Weg von der Mikwe zur Alten Synagoge, dem ersten Gotteshaus der jüdischen Gemeinde. Diese Gemeinde wurde 1349 in einem Pogrom ausgelöscht. Juden, die sich ab 1354 in Erfurt ansiedelten, nutzten die Mikwe weiter, während die Alte Synagoge bereits in ein Lagerhaus umgebaut worden war. Der Stadtrat verwies 1453  alle Juden aus Erfurt. Spätestens dann endete die jüdische Nutzung der Mikwe. Das Wasserbecken wurde verfüllt, die Mikwe als Keller genutzt.“

Dass frühere Quellen den Standort der mittelalterlichen Mikwe an anderer Stelle angeben, ficht die heutigen Spezialisten nicht an. Grabungen dort ergaben keinen brauchbaren Fund, sondern nur einen großen Keller aus dem 19. Jahrhundert, der alle möglichen Spuren von Vorgängerbauten getilgt haben soll. Die Möglichkeit aber, dass auch jüdische Tauchbäder wie die Mehrzahl an baulicher Infrastruktur mittelalterlicher Städte nach sechs oder sieben Jahrhunderten (aus allen denkbaren Gründen) womöglich einfach nicht mehr vorhanden sind, hat man offenbar ausgeschlossen. Durchaus kreativ, ging man nun davon aus, dass es in den alten Erfurter Freizinsregistern zu „irrtümlichen Grundstückzuordnung“ gekommen sei. Die Register gaben zwar Straßen an, „die einzelnen Häuser jedoch nicht immer eindeutig“, so die Rechtfertigung. Wie diese Behauptung nun aber für den jetzt bezeichneten Standort sprechen soll, bleibt ein Geheimnis (siehe: „Der unerwartete Mikwe-Fund am Breitstrom“, in: Stadt und Geschichte, Erfurt 2008, Sonderheft  9, S. 9 f.).

Der Fund wurde als Keller freigelegt, die Relikte des vermuteten früheren Bades mussten erst rekonstruiert, bzw. interpretiert werden. Das „Wasserbecken“ (ohne Zu- oder Ablauf) hat grob geschätzt etwa eine Fläche von einen auf eineinhalb Meter, was den Anschein erweckt, als sei das בור טבילה sozusagen umgekippt und auf der falschen Seite gelandet. Da wir davon ausgehen können, dass der früher als Lagerraum verwendete Keller gewiss trocken war, ergibt sich andererseits auch wieder, dass das heute, etwa einen halben Meter hoch stehende Wasser, wohl aus Gründen der Dramatisierung zugelassen wurde, wobei sodann Anhaltspunkte für חורים fehlen.

Über dem freigelegten Gelände erstreckte sich nach dem 15. Jahrhundert ein wohl christlicher Friedhof, wo die Ausgräber etwa 80 Leichen-Funde machten. Auf der Webseite der „Alten Synagoge Erfurt“ wird im Kontext mit der ausgestellten Mikwe sogar ein fachgerecht freigelegtes Skelett präsentiert. Die weiteren Überreste der katalogisierten Toten wurden den Angaben gemäß, auf dem städtischen Friedhof vergraben, da, wie es einigermaßen makaber heißt „ihre wissenschaftliche Auswertung kaum brauchbare Ergebnisse erwarten ließe“ (dto.).

http://www.alte-synagoge.erfurt.de

Passend zum Friedhof ist eine eher untypisches Detail des präsentierten Bades: ein in der Seitenwand verbauter Quaderstein mit einem umgedrehten Ecksteinkopf. Der lockige Kopf trägt eine Mütze und erinnert damit deutlich an antike römische Sarkophage. Man spricht hierbei von einem sog. „Akroterion“ (ἀκρωτήριον), also einen oft zugespitzten Eckstein welcher an der Kante des Sarkophags angebracht oder dort speziell herausgearbeitet wurde. Im Erfurter Keller ist offenbar ein taurischer Kopf zu sehen, bei römischen und griechischen Grabmalen schon recht typisch mit gelockten Haaren und phrygischen Mützen dargestellt.

Die Köpfe an den Ecken der oft recht wuchtigen Steinplatten wurden im antiken griechisch-römischen Bestattungskult als Grabwächter aufgefasst. Ihre apotropäische Symbolik sollte  „böse Geister“ davon abhalten, die Totenruhe der Verstorbenen zu stören oder sich gar der Leichname zu bemächtigen, was im Fall von Erfurt dann offensichtlich nur zeitlich begrenzt klappte.

Taurische Akroterion Maske an einem Sarkophag im Vatikan

Kopie des Kopfes an der Außenseite des Schutzbunkers

In Erfurt wurde die als Steinplastik allen Ernstes als „König David aus dem Alten Testament“ gedeutet, was abermals den Stellenwert Erfurts unterstreiche und in Bezug auf seine neu gefundene Mikwe deren „besondere Stellung unter den Mikwen Mitteleuropas heraushebt“, denn „erstmals wurde an einem jüdischen Ritualbau figürlicher Schmuck nachgewiesen“.

Keine naheliegender Gedanke, aber die Erklärung  ist ebenso einfach wie bestechend: „Die Krone mit Lilienaufsatz ermöglicht eine Interpretation der Plastik als König David. Kunsthistorisch lässt sie sich in die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts datieren.“

(http://www.erfurt.de/ef/de/erleben/kunst/aktuelles/2010/print_35565.shtml)

Fehlt nur noch eine Erklärung dafür, warum mittelalterliche Juden sich eine David-Figur in Stein gemeißelt haben sollten, obwohl das Judentum wie auch der Islam Skulpturen als Götzenbilder streng verbieten. Als sie sich über das Verbot erst mal hinweggesetzt hatten, überkam sie dann doch eine Art schlechtes Gewissen, weshalb sie den Kopf dann mit der Kinnspitze nach oben, also verkehrt herum eingesetzt hätten? Eine bizarre Vorstellung.

Akroterion an Steinsarkophag im Römischen Museum Augsburg

Ob es sich bei dem ausgestellten Fund wirklich um eine ehemalige Mikwe handelt ist angesichts des Eckkopfstein wenig plausibel, da es im Judentum ein striktes Verbot für die Herstellung und Verwendung einer Skulptur  (פסל) gibt. Da ansonsten an den Begebenheiten und baulicher Substanz mangelt, ist die Präsentation als solche einigermaßen fragwürdig. Selbst wenn tatsächlich Überreste einer mittelalterlichen Mikwe vorhanden, aber dann doch wieder mehrfach überbaut und verändert worden wären, hätte es keine praktischen Nutzen, da keine funktionalen Aspekte vorhanden sind.  Schon ein Bruchteil des dafür ausgegebenen Geldes hätte wohl ausgereicht um der heutigen jüdischen Gemeinde am Juri-Gagarin-Ring eine koschere Mikwe zu besorgen, damit Im Wortsinn “Jüdisches Leben in Erfurt” gedeihen könnte. Es wurde lediglich ein ehemaliger unterirdischer Lagerraum unter Wasser gesetzt und überbaut, wofür zudem auch noch in mehreren Dutzend Fällen die Totenruhe Erfurter Ahnen gestört, zerstört wurde. Angesichts des Sarkophags im Mikwen-Museum könnte man dann fast von Sarkasmus sprechen, wäre es nicht eher eine Farce.

Zweifellos am originellsten ist dabei der Wegweiser zur “Mikwe” im benachbarten Biergarten.

Since last fall Erfurt has another landmark of her Jewish history project, the mikveh discovered in 2007 next to the Krämerbrücke (bridge), which was overbuilt by an protective building similar to Regensburg Marktplatz

In 2007 the news from Erfurt was that the medieval mikveh was rediscovered next to the famous Krämerbrücke at river Gera. After lots of excavation, documentation and construction since last fall there is another piece of Erfurt’s Jewish tourist program. Today the remnants of the basement cellar which once was used as storage room is regarded as Jewish immersion bath first mentioned in Erfurt about the year 1248. Medieval deed mention the bath at another place, at Kreuzstr. 4, what actually does not bother the experts since medieval writers had not the same degree of accuracy as they are today. Diggings there also had no convenient result and just unveiled a 19th century basement.

On the site of the finding for half a millennium there a Christian cemetery and so some eighty skeletons needed to be examined and removed from their burial place. Since their remains were regarded of less important academic value the collected bones were buried at the municipal cemetery.

Although the site is promoted as medieval mikveh, it of course is none. Today however the “mikveh” is overbuilt by a kind of protective shelter, similar to the one, which is similar to the arrangements of Neupfarrplatz in Regensburg. You only can visit the basement when joining a guided group.

Sarcophagus at Vatican, Museo Grogoriano profano (drawing by G. Eichler), note the acroterion mask on the top of the depiction.  Source: http://av.zrc-sazu.si/pdf/50/AV_50_Kastelic.pdf

In the sidewall of the „mikvah“ there is a head shaped corner stone sculpture until late Roman times known as “acroterion” on the top of sarcophagi. Many head shaped cornerstones – as the Erfurt one – quite typical have Phrygian bonnets and curled hair. In ancient Roman and Greek belief system the acroterion was supposed to protect the tomb from violation of graves or even from stealing the corps. Obviously the period of warranty in 2007 already was expired.

The experts from the local monument protection authority however have interpreted the cornerstone as “King David from the Old Testament” and say it underlines the importance of Erfurts Jewish past. For the first time there is an evidence for figural decoration at a Jewish “ritual construction”, what of course would highlight the mikvah of Erfurt among the other mikvot in Central Europe.


Die Synagoge von Bamberg

March 31, 2011

Die neue im Juni 2005 an der Willy-Lessing-Strasse eingeweihte Synagoge in der ehemaligen Nähseidenfabrik wurde bereits bei der Grundsteinlegung als „7. Synagoge“ in Bamberg bezeichnet, was auf einer eigentümlichen Zählung und Einschätzung der Ortsgeschichte beruht. Zusammen mit dem Gemeindezentrum und Lehrhaus „or chaim“, zu der auch Unterrichtsräume und eine freilich nur selten benutzte Mikwe gehören, ist sie jedoch das Zentrum der etwa 900 Mitglieder umfassenden “lebendigen Gemeinde“. Diese hat mit der Urologin Dr. Antje Deusel eine zum Judentum konvertierte angehende Reform-Rabbinerin und “Mohelet” (Beschneiderin), die als zweite “deutsche” Rabbinerin nach Regina Jonas (1902-1944) aufgefasst wird, was jedoch mittelalterliche und pre-reformerische Rabbinerinnen ignoriert. Das Verhältnis zur auch in Bamberg überwiegend von russischen Zuwanderern bestehenden jüdischen Gemeinde, ist dem Anschein nach aber eher distanziert. Das mag auch daran liegen, dass die zwischen post-sowjetischen Exil-Juden und post-nazistischen Ex-Christen unvermeidlichen Missverständnisse in Taschenbüchern nicht erklärt finden und artiger Beifall von (zu Selbstgesprächen bereiten) Christen dabei nichts nutzt. Aber vielleicht klappt das in Bamberg ja besser, als zuletzt in Fürth. Andernfalls muss man eben die realen Juden durch Konvertiten ganz ersetzen, um den Antisemitismus (und andere “Komplikationen”) schlussendlich zu bewältigen.

Die Inschrift אור חיים (or chaim) über der Eingangstür im Innenhof übersetzt sich als “Lebenslicht”, bezieht sich im Kontext einer neuen liberal ausgerichteten fränkischen Gemeinde nicht auf חיים אבן עטר der zu den Lehrern des  חיד”אgehörte.

Der Betraum der neuen Synagoge im Inneren des Gebäudes ist durch ein Tor zu erreichen, welches aus aus der bis 1910 genutzten vorletzten Synagoge stammte, an welche heute am “Synagogenplatz” Gedenksteine erinnern.

Die Einrichtung des Betsaals ist von einer etwas nordisch, protestantischen wirkenden Schlichtheit bestimmt, die von einigen Lichtblicken und Kontrasten aufgehellt und akzentuiert wird.

תפילות לכל שנה

Der “blaue” Segen des einen Fensters kontrastiert mit dem “roten” Licht des anderen. Blaulicht freilich wäre auch nicht verheißungsvoller.

Im Hintergebäude befindet sich für den Nachwuchs der Gemeinde Gelegenheit sich mit einem Trampolin fit zu halten. Die Glasfenster wurden aus den vorherigen Gebetsräumen integriert. Es gibt jedoch auch Unterrichtsräume etwa für das Lernen hebräischer Buchstaben:

Der kleine Betsaal, für Wochentage vorgesehen, aber abseits von besuchenden Schulklassen kaum benutzt, finden sich neben dem Aron der früheren Gebetstätte auch Talmud-Bände und einige weitere des Schulchan Aruch, in einer reformierten mehrheitlich russisch-sprachigen Gemeinde hoffentlich nicht nur Ausstellungstück ist.

The synagogue of Bamberg, inaugurated in 2005 in a former textile manufactory, is regarded as 7th synagogue in the history of the town (what of course is a rather disputable view) and is located in the backyard of the Willy – Lessing – Str. named after the last head of the Jewish community of Bamberg, who perished as a defender of the former synagogues Tora scrolls during the so calledKristallnacht 10th of November 1938.

The synagogue and community center has a kosher kitchen, run by the non-Jewish janitor couple, a hardly used mikvah (without direct runoff), but also with class rooms and others for recreation and so on. Almost recently the community also has a new female reform Rabbi (actually a convert, who apparently has only little understanding for real Jews from Russia), but is considered as the second German one after pre war Regina Jonas – what of course ignores all medieval and pre-“refom” women who were rabbis.

Becken der Mikwe mit Wasserzufluss. Einen Abfluss gibt es nicht. Das Wasser wird stattdessen mit einer Wasserpumpe abgepumpt. Da die Mikwe “nur sehr sporadisch genutzt” wird, enthält sie “meist kein Wasser”. Das wird man wohl im Voraus beim Bademeister beantragen müssen.

Unser herzlicher Dank gilt dem Hausmeister Herrn Juergen Trager, der uns, wie bereits am Vortag am Friedhof liebenswürdig und ausführlich zahlreiche Details und Hintergründe, recht humorvoll erläuterte.

בית הכנסת החדש של במברג, נחנך בקיץ 2005