“… was soll eine Synagoge – und keiner geht hin?”

August 16, 2009

In Berlin und Brandenburg gehen die Mitgliederzahlen in den jüdischen Gemeinden zurück. Julius Schoeps, Historiker in Potsdam schlägt vor, die Jüdische Gemeinde zu Berlin und die sieben kleinen Gemeinden im Land Brandenburg zu fusionieren, um diese vor der Auflösung zu bewahren.

So weist die Statistik der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland in der Berliner Gemeinde einen Schwund von 121 Mitgliedern im vergangenen Jahr auf, so dass Ende 2008 nur noch 10 794 Mitglieder gezählt wurden. 139 Zugängen standen 260 Abgänge gegenüber. Noch vor fünf Jahren hatte die Gemeinde 13000 Mitglieder. Schoeps nennt als Gründe die demografische Entwicklung und den Rückgang der Zuwandererzahlen. In der Tat hat die Zahl der jüdischen Zuwanderer aus der Ex-Sowjetunion rapide abgenommen. Kamen in Spitzenzeiten pro Jahr deutschlandweit 12 000, liegt die Zahl jetzt bei 1000.
Auch die Altersstruktur nimmt bedrohliche Formen für die Existenz der Gemeinden an. “Mehr als 50 Prozent der Mitglieder sind über 45 Jahre alt. Die Sterbeziffer ist sieben- bis achtmal höher als die Zahl der Geburten”, sagt Schoeps.

Keine Chance für kleine Gemeinden

2008 zum Beispiel standen in der Jüdischen Gemeinde zu Berlin 79 Todesfällen nur elf Geburten gegenüber. “Das hat natürlich Konsequenzen. Eine Stärkung der Gemeinden ist auf gar keinen Fall zu erwarten. Schätzungen von Demografen haben ergeben, dass nur noch Gemeinden mit mehr als 4000 Mitgliedern und einer starken Nachwuchsgeneration überleben werden”, sagt Schoeps.
Und da könnte es vor allem die sieben Brandenburger Gemeinden hart treffen. Zusammen haben sie nur 1312 Mitglieder (Stand: Ende 2008). Tendenz sinkend. “Die kleinen Gemeinden werden nicht überleben”, ist Schoeps sich sicher. Das, was zum Gemeindeleben gehört – eine Synagoge, ein Gemeindezentrum, eine Kita – könnten sie sich gar nicht leisten, geschweige denn füllen.
“Und was soll eine Synagoge – und keiner geht hin?”, bringt Schoeps das Problem auf den Punkt.