כובע יהודי בימי הביניים באוגסבורג

September 30, 2015

כובע יהודי בימי הביניים באוגסבורג

Judenhut Augsburg Jewish Hat Yehuda Shenef

قبعة اليهودية في العصور الوسطى اوغسبورغ

Mittelalterlicher Judenhut in Augsburg

medieval Jewish hat in Augsburg

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Ulm, Judenhof

August 31, 2012

An der Ecke Schlegelgasse, Judenhof stand eine mittelalterliche Synagoge in Ulm, die angeblich im Jahr 1349 zerstört worden sein soll. Jedoch gab es auch danach noch bis etwa 1500 eine jüdische Gemeinde in der Stadt.

In Ulm at the Judenhof near the famous Munster (pictures from year 2000) (Jews court” in medieval times was a synagogue, destroyed in 1349, as it is told. However until 1500 there was a Jewish community in medieval Ulm, which most likely had at least one other synagogue.


Die Darstellung mittelalterlicher Juden im mittelfränkischen Hörlbach

July 23, 2012

Unweit des mittelfränkischen 140 Einwohner Dorfes Hörlach, etwa 4 km nordwestlich von Ellingen (Landkreis Weißenburg – Gunzenhausen) befindet sich die kleine Kirche St. Oswald, die erstmals um die Mitte des 13. Jahrhunderts urkundlich erwähnt ist und Fresken aus dieser Zeit besitzt.

  • Der legendäre St. Oswald (datiert auf die Jahre 604-642)wird als angelsächsischer König in Northumbrien überliefert, der im Kampf gegen die letzten nichtchristlichen Herrscher der Angelsachsen starb und deshalb als Heiliger verehrt wird. Obwohl der Leichnam des toten Königs im Laufe der Jahrhunderte weitläufig verteilt wurde, scheint Hörlach diesbezüglich wohl leer ausgegangen zu sein, oder aber die Lutheraner, die seit Jahrhunderten im Besitz der Kirche sind, legen darauf keinen Wert. Der Kopf des Königs jedenfalls landete der Überlieferung nach im Kloster auf der nordenglischen Insel Lindisfarne, dann in Durham, wo er im Sarg eines anderen Heiligen vor den Wikingern versteckt worden sein soll und dort noch 1826 vorgefunden wurde. Aber selbst auch im luxemburgischen Echternach, ebenso wie in Hildesheim und im Dom von Paderborn rühmt man sich, Teile (welche ..?) des Kopfes zu besitzen. Ein Arm von Oswald sagt man, kam nach Bamburgh, der andere nach Gloucester. Der Torso des Leichnams soll in Lindsey begraben worden sein, jedoch kamen um 900 auch wieder Teile davon gleichfalls nach Gloucester. Man muss das zugegeben auch nicht bis zum einzelnen Knochen oder was auch immer weiterverfolgen. Bei wikipedia kann man noch mehr drüber lesen. Genetische Untersuchungen, um die Zuverlässigkeit der verschiedenen Ansprüche zu überprüfen gibt es offenbar sowieso nicht. Wie dem auch sei, deutet die Methode der Verteilung des verehrten Heiligen bereits darauf hin, dass es wohl auch nicht weiter von Belang sein muss, wenn einige Figuren die auf den Fresken der Hörlacher Kirche gezeichnet wurden, nicht mehr vollständig erhalten sind.

Diese Wandmalereien, wurden vor gut hundert Jahren, im Jahre 1913 im älteren Altarraum der Kirche „entdeckt“. Die nur teilweise erhaltenen, um 1920 restaurierten Wandbilder zeigen Szenen aus den letzten Lebenstagen des Jesus von Nazareth. Mit ihm abgebildet finden sich in unterschiedlichen Szenen einige von Jesus Zeitgenossen, von denen manche anachronistisch mit mittelalterlichem Judenhut dargestellt sind. Zur mutmaßlichen Entstehungszeit der Abbildungen, die man grob auf die zweite Hälfte des 13. Jahrhundert (oder 14. ..?) schätzen kann, war der Judenhut eigentlich Führern jüdischer Gemeinden vorbehalten. Judenhüte fanden jedoch in der christlichen Bild-Propaganda zur bloßen Kennzeichnung von Juden allgemein Verwendung. Eine für alle Juden geltende Verordnung, einen Judenhut zu tragen, gab es jedoch nicht. Sie wäre auch in etwa so eigenartig gewesen, wie jedem Christen vorzuschreiben, eine Bischofsmütze zu tragen.

על הקירות הפנימיים של הכנסייה קטן בכפר פרנקוניה הערלבאך ליד עלינגן וווייסענבורג יש כמה ציורי קיר מימי הביניים אשר גם להציג מספר היהודים בסימן לבוש שנקרא כובע היהודים

 

Da nun mehrere, vier bis fünf unterschiedliche Figuren mittels Judenhut als Juden gekennzeichnet wurden, ergeben sich Anhaltspunkte über die zur fraglichen Entstehungszeit verbreitete Mode in der Region. Der Grund warum es überhaupt in der mittelfränkischen Einöde dazu kam, eine Kirche mit den stilisierenden Darstellungen zu stiften, hat wohl damit zu tun, dass fromme Christen dem Heiligen wunderwirkende Kräfte attestierten. Sogar der Boden auf dem er in England starb wurde als Heilerde verstanden, weshalb der Überlieferung nach, rasch ein „mannshohes“ Loch ausgegraben wurde, da die Gläubigen die Erde mit sich nahmen, um damit eine Medizin für allerlei Blessuren zu haben. Da die kirchliche Tradition Oswald auch zuschreibt, Schutz vor und Hilfe bei der Pest zu bewirken, liegt darin vielleicht auch das Motiv der Kirche. Eher indirekt wären die dargestellten Juden dann vielleicht ein zeitgenössischer Hinweis auf die verbreitete Ansicht, dass man Juden verdächtigt habe, die Pest zu verursachen.

Etwa 8 km südlich befindet sich das Städtchen Weißenburg, wo zumindest seit 1288 die Anwesenheit einer  jüdischen Gemeinde bezeugt ist, die jedoch schon zehn Jahre später im Zuge der sog. Rintfleisch-Pogrome überfallen wurde. Es war die damals wohl nahegelegenste jüdische Gemeinde zur kleinen Kirche.

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Next to the small village of Hoerlbach (some 140 inhabitants) near Ellingen in Middle Franconian district Weissenburg / Gunzenhausen (somewhat halfway between Nuremberg and Ingolstadt), there is a very small but pretty old church dedicated to the 7th century Northumbrian king Oswald, who posthumously was title a saint. While St. Oswald by pious Christians was considered as effecting miraculous, his corpse was divided in several parts in order to allow many cloisters to participate in that activity. So the torso of his dead body is preserved in a different place as his left or right arm or his head of which several churches even in Germany claim to posses at least parts of it, as for instance the Paderborn cathedral does. If there also are parts of the corpse of the saint in the small chapel in Hoerlbach is not known and maybe also of less importance, because the church since many centuries is Lutheran.

However, in 1913, at the walls next to the altar some frescoes were (re)discovered, which may be dated to 13th or 14th century. Depicted are several scenes of Jesus at the close of his life and some of the people around him are designated as Jews by the typical Judenhut (Jews hat), which at the time when the paintings were made, actually was to distinguish Jewish leaders from other Jews. In Christian propaganda however the Judenhut just was a token to identify Jews in general.

Many thanks to Ralf Rossmeisl who kindly called our attention to the chapel and also made it possible to visit it with us.

 


Talmud Cuisine – jüdische Küche in Antike und Mittelalter

March 3, 2011

Kochbücher erfreuen sich allgemeiner Beliebtheit und so mangelt es auch nicht an zahlreichen Werken, die ein Potpourri an jüdischen Kochrezepten bieten. Meist werden dabei die gängigsten Gerichte abgearbeitet, die einer jüdischen Küche in den letzten Jahrzehnten zugeschrieben werden. Die Frage, was eine „typisch jüdische Küche“ ausmacht, lässt sich leicht oder gar nicht beantworten, wenn  man sich landläufig darunter Gefillte Fisch, Knedlach, Kigel, Humus, usw. vorstellt. Klassiker einer zumeist „aschkenasischen“, besser gesagt mitteleuropäischen Küche (Sauerbraten, Eintöpfe, Suppen, Saucen, Knödel, Gebäck aller Art, sehr oft süß), in der einen oder anderen Juden zugeschriebenen Variante. Dazu gesellt sich oft eine Auswahl, sog. israelischer Küche, die letztlich orientalisch, arabische Speisen variiert, etwa die inzwischen allseits geläufigen Falafel. Etwas spezieller wird es dann noch, wenn regionale Gerichte aus verschiedenen Teilen Europas sozusagen koscher nachgekocht werden sollen. Man nimmt dann eben koscheren Wein statt gewöhnlichen, Lammfleisch statt Schwein, oder koschere, blutleere Leberwurst.

Es ist klar, dass es hierbei an Klischees keinen Mangel geben kann, zumal „jüdische Speisen“ besonders gerne an besonderen Tagen zubereitet und serviert werden, gleich ob sie sonst in einem Kontext stehen. Da können auch im November Matzen auf dem Tisch stehen, weil sie eben als „typisch“ jüdisch gelten – auch wenn dies für Christen erklärt Ostereiern zu Weihnachten entsprechen würde, während andererseits bereits ein Apfel oder eine Kartoffel genügen, um das mitunter komplizierte Kriterium „koscher“ zu erfüllen. Aber was wäre daran jüdisch? Da müssten also schon slawische Namen her wie לטקעס (Latkes) um in Süddeutschland sonst als „Kartoffelpuffer“ oder „Reibekuchen“ („Reibedatschi“) geläufige Speisen zu präsentieren, oder Blini (Блины), plini, בלינצע, etc. mit Varianten von Pfann- und Eierkuchen, … und statt Krapfen muss man neuerdings hebräisch “Sufganijot” sagen, weil es immer typischer in einer bestimmten Weise wird, je öfter es entsprechend in Rezeptsammlungen und Büchern abgedruckt erscheint. Wie ein Philosoph meinte, setzen sich nicht zwangsläufig die besten, sondern die häufigsten Meinungen durch. Das kann hier nicht anders sein.

Über die Speisegewohnheiten des Judentums sagt das abseits der allgemein kaum noch beachteten Kaschrut-Regeln wenig aus oder gar nichts. Aber man ahnt, dass Bar Kochba wohl keine Sachertorten aß, nachdem er die Römer aus Jerusalem vertrieb. Und ob Jesus von Nazaret Matzensuppe oder Rabbi Akiwa צימעס kannten ist fraglich, ebenso ob Mosche Maimon jemals was von Lokschenkugel erfuhr. Andererseits finden wir bereits in der Thora, weit mehr aber im Talmud und noch mal mehr in der mittelalterlichen sog. „Responsen“ – Literatur an Rezepten und Speisen, die Juden in der Antike, aber auch im mittelalterlichen Europa zubereiteten und aßen. Wie in sprachlicher Hinsicht ist auch hier damit zu rechnen, dass manches tradiert wurde, was inzwischen vergessen und verloren gegangen ist. Grund genug also für uns, uns eingehender mit diesem Teil der Geschichte zu befassen.

If you can name it, you can own it, sagt eine andere geläufige Weisheit und so sprechen wir statt von „jüdischer Küche“ in diesem Fall etwas präziser von talmudischer Küche, von „Talmud Cuisine“, da eine große Zahl an Speisen und Rezepten im Talmud erwähnt sind und sich im Laufe der Jahre beim Studium als Randnotizen aus ganz unterschiedlichen und meist anderen Zusammenhängen ansammelten. Manches davon ist schwierig nachzuvollziehen, anderes muss immer wieder erprobt und verbessert werden, um zu verstehen, wie es gemeint war, andere Speisen und Getränke sind aber auch so sehr in der allgemeinen Populärkultur eingegangen (wie beispielsweise “meliach” oder gar die “pizza”), dass niemand nur auf die Idee kommt, dass das schon im Talmud erwähnt wird. Aber wer kennt heute in der Antike und noch im Mittelalter geläufige jüdische Speisen und Getränke wie himleta, schwiski, schichra, prasuma, aschischa, pat oder zmokim ..? 

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Jewish Cooking recipes often are a collection of stereotypes from Estarn Europe and Mediterranean recipes also known as more or less typical local or regional food. So the Jewish part often is to consider special requirements such as lamb or veal instead of pork or shellfish, kosher wine instead of a “regular” one who has it’s brilliant red color from so called “blood flour” – not to forget that Jews to be “typical” apparently always need Matza on the table.

However, Bible and in a much broader extent Talmud and medieval Jewish response literature mention quite a lot of typical dishes, starters, desserts, beverages, pastries and so on. Some of theam are popular all over the world, as for instance “pizza”, others are know by different names and many are somewhat forgotten.

We will present every now antd then several recipes from Jewish antiquity and medieval times as dainty and delicate food of “Talmud Cuisine”, the Talmudic way of cooking and enjoyment of life.


Hebräische Grabsteine im Rabbi Meir Garten von Rothenburg ob der Tauber

August 19, 2010

In dem dem Maharam Rabbi Meir bar Baruch gewidmeten Gärtchen beim Tanzhaus am Weißen Tor in Rothenburg sind in die Mauer neun hebräische Grabsteine (Repliken?) der mittelalterlichen jüdischen Gemeinde von Rothenburg ob der Tauber eingelassen, die sich auf Gräber am früheren Judenkirchhof am Schrannenplatz beziehen, der heute von einem Parkplatz überbaut ist.

In the small garden at the former Jewish Dance House at the White Tower in the old city of Rothenburg ob der Tauber, dedicated to the Maharam Rabbi Meir bar Baruch, there are remnants (or replicas) of nine grave markers with Hebrew inscriptions belonging to the Jews of the medieval Imperial City of Rothenburg who were buried at the Judenkirchhof (Jewish cemetery) on Schrannenplatz, which now is overbuilt by a parking lot and bus station.  

Die ausgestellten Grabstein-Inschriften sind im üblichen bescheidenen und schlichten jüdischen Stil des Mittelalters und weisen die üblichen Segensformeln für die Ruhe oder das Einbinden im Garten Eden auf und stammen sämtlich aus dem Beginn des fünften Jahrtausends (5079 – 5160) , bzw. 14. Jhd. (1319 – 1384). Gut die Hälfte der Inschriften beziehen sich auf Männer, einige auf Jugendliche, eine auf eine alte Frau. Zwei der Bestatteten werden als Rabbi bezeichnet, die Mehrzahl der anderen als Söhne oder Töchter eines solchen.

The exposed head stones are in the typical modest and sober diction of medieval Judaism and have the usual blessings for the rest or the reception in the garden of Eden. All are from the beginning of the 6th Jewish millennium (14th century) and span from 5079 – 5144 (i.e. 1319 – 1384). Just the half of the mentioned deceased were men, some juveniles and one elderly woman. Two of the decedents are marked as rabbis, the majority of the others are sons or daughters of one. Only one person is named after her mother instead of the father, what is the common formula.

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Hebrew head stone

פה נקבר

הנער יהודה בר

משה ד באדר

יום ב שנת פה

לפ’ תיצרר נפשו

בגן עדן א א א

סלה

Hier ist begraben der Junge Jehuda bar Mosche, 4 Adar, Tag 2 , Jahr 85 nach der Zählung, seine Seele sei eingebunden im Garten Eden, amen-amen-amen sela

Here is buried the boy Yehuda bar Moshe, 4th of Adar, day 2, year 85 acc. to the common counting, his soul may be bound up in the garden of Eden, amen-amen-amen sela

(The date of Adar 4 in 5085 correspondents with Monday 26th of February 1325)

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medieval Hebrew headstone inscription 1379

פה נקבר מ בילא

בת ר יצחק הלוי

ח תמוז יום ה קלט

לפ תנוח נפ בגן עד

א א א

סלה

Hier ist begraben F(rau) Bela Tochter R Jitzchak HaLevi, 8 Tamus, Tag 5, (Jahr) 139 n Z, ihre See(le) ruhe im Garten Ed(en), a(men)-a(men)-a(men) sela

Here is buried Miss Bela daughter of Rabbi Isaac HaLevi, 8 of Tamus, day 5, year 139, her soul may rest in the garden of Eden, amen amen amen sela

(The verbs in the inscription are masculine, while it is doubtless dedicated to a woman. Das Datum 8. Tamuz 5139 entspricht Donnerstag 1. Juli 1379)

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Hebräischer Grabstein pierre tombale en hébreu

פה

נקברה מר

בתשבע בת ר

אברהם ג בטבת

יום ג שנת פו לפ

תנוח נפשה בגן

עדן א א א

סלה

Hier ist begraben Fr(au) Batschewa Tochter von R Abraham, 3 Tewet, Tag 3, Jahr 86 nZ, ihre Seele ruhe im Garten Eden a-a-a- sela

Here is buried lady Batsheva daughter of Rabbi Abraham, 3 Tevet, day 3, year 86, her soul may rest in the garden of Eden, amen amen amen sela

( 3. Tevet 5086 = Tuesday 18 December 1325)

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פה נקברה

מרת אסתר בת

אומנו שרה ו טבת יום

ג קמה לפר תנוחה

נפשה בגן עדן אמן

א א סלה

Hier ist begraben Frau Ester Tochter unserer Mutter Sara, 6 Tewet, Tag 3, (Jahr) 145 nZ, ihre Seele ruhe im Garten Eden, amen a(men) a(men) sela

Here is buried lady Ester daughter of our mother Sara, 6th of Tevet, day 3, (in the year) 145, her soul may rest in the garden of Eden, amen amen amen sela

(1384)

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האבן הזאת לראש ר

יוסף בר אלעזר הנקב

ו תמוז יום ב קמד לפ

תנוח נפשו בג עדן

א א א

סלה

Der Stein hier ist zum Haupt von R. Josef Sohn des Eleasar der begrab(en ist), 6 Tamus, Tag 2, (im Jahr) 144 nZ, seine Seele ruhe im Garten Eden, a a a sela

This stone here is (set up) at the head of rabbi Yosef son of Elazar, who is buried (here) on 6th of Tamus, day 2, in the year 144, may his soul rest in the garden of Eden, amen amen amen sela

(6 Tammuz 5144 = Monday, 5 July 1384)

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פה נקברה הזקינ

מ אסתר בת ר

דוד כד שבט

יום ד צג לפ תוצ

נפשה בגן עדן

א א א סלה

Hier ist begraben die Alt(e) F(rau) Ester Tochter R David, 24 schwat, Tag 4, 93 n Z, gebu(nden) sei ihre Seele im Garten Eden, a a a sela

Here is buried the old Mrs. Ester daughter of Rabbi David, 24th of Shvat, day 4, (in the year) 93, may her soul be bound in the garden of Eden, amen amen amen sela

(The inscription omits the last letter of sakena. The date of 24 Shvat 5093 is Wednesday 18th of February 1333)

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עד הגל הזה

ועדה המצבה

לראש ר יהוא בן

ה ק ר יעקב הכהן

הנקבר ו בשבט

יום ה שנת עט לפ

תיצרר נפשו בגן

עדן  א א א  סלה

*der Pfahl bezeuge und der Grabsteine bezeuge* zum Haupt von R Jehu(d)a Sohn von R Yakow haKohen K, begraben 6 schwat, Tag 5, Jahr 79 nZ, seine Seele sei eingebunden im Garten Eden, a a a sela

*the pile certify and the headstone certify* at the head of Rabbi Yehuda son of Rabbi Yakov Kohen Kalonymos, buried 6th of Shvat, day 5, year 79, may his soul be bound up in the garden of Eden, amen amen amen sela

(The initial lines quote Sefer Breshit = Genesis 31.52. The date of 6 Shvat 5079 = Thursday 5th of January 1319)

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children of rabbi yehuda halevi rothenburg

פה נקבר הנעשלמה ב ר יהוד

הלוי ב א אלול

יום א קלט ל

תנוח נפשו

בג ע  א  א  א

ס

פה נקברההנערה מעטו

ב ר יהוד הלוי

יו ה יג כסליו

ואחות שונלע

כט תשרי ביום

ה קב לתנבע

א  א  א

ס

Hier ist begraben der Jun(ge) Schlomo Sohn des R Yehud(a) HaLevi, am 1 Elul, Tag 1, 139 n(Z), seine Seele ruhe im G(arten) E(den), a a a sHere rests the boy Shlomo son of Rabbi Yehuda HaLevi, 1fst of Elul, day 1 in the year 139, may his soul rest in the garden of Eden, amen amen amen sela Hier ruht das Mädchen Meto, Tochter R Jehuda HaLevi, Ta(g) 5, 13 Kislev, und ihre Schwester Schonle, 29 Tischri, am Tag 5, (Jahr) 102, amen amen amen selaHere rests the girl Meto, daughter of Rabbi Yehuda HaLevi, day 5, 13th of Kislev, and her sister Shonle, 29th of Tishri, on day 5, in the year 102

(The inscriptions mention 3 children of Rabbi Yehuda HaLevi: the daughters Meto and Shonle and the son Shlomo = Salomon, 5102 = 1341, 5139 = 1379)

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Only few of the named personalities can be identified so far, some of them have relations to the medieval Jewry of Augsburg where a number of Jews from Rothenburg lived and married, among them Baruch from Rothenburg another rabbi of Augsburg.


Der Judenkirchhof – der letzte Friedhof der jüdischen Gemeinde im mittelalterlichen Augsburg

October 8, 2009

Obwohl der „Judenkirchhof“ bereits seit wenigstens 1298 urkundlich bezeugt ist und einige seiner Grabsteine und Fragmente erhalten geblieben sind, herrscht doch eine gewisse Konfusion darüber, wo genau er sich befunden hat. Der Friedhof wurde bereits 1455 zerstört, doch erst rund 60 Jahre später findet sich kartographisches Material zum Augsburger Stadtbild. Eine zeitgenössische Illustration des Friedhofs und seines Geländes existiert nicht. Die ältesten Darstellungen aus dem frühen 16. Jahrhundert zeigen deshalb auch nicht den Friedhof, sondern die in seiner Umgebung entstandene Befestigungsanlagen.

in larger parts established by Augsburg Jews

in larger parts established by Augsburg Jews

 Illustration der städtischen Befestigung vor 500 Jahren (source: Graphische Sammlung der Städtischen Kunstsammlungen Augsburg)

misrepresenting the medieval cemetery outside the city

misrepresenting the medieval cemetery outside the city

Die Abbildung zeigt links neben der Brücke des Klinkertores die kleine vorgelagerte Mauer mit den Beschriftungen „Judenturm“ und „Judenkirchhof“ vor der „haubtstatt“, der Hinrichtungsstätte. Hinten sieht man die imposanten Türme der Stadtbefestigung.

Der kurz darauf entstandene Seld-Plan von 1521 erlaubt uns jedoch einen Blick ins Innere der Stadt. Das der Stadtbefestigung vorgelagerte, gerundete Mauerwerk mit dem kleinen Turm darin finden wir hier in relativ identischer Form vor. Hinter den beiden hoch aufragenden Türmen mit roten Kuppen sehen wir nun aber einen größeren, etwa quadratischen scheinbar leeren Hof, den wir als Platz des Friedhofs in Betracht ziehen müssen, zumal hier 1891 bei den Bauarbeiten zur Errichtung eines Gefängnisses Grabsteine gefunden wurden. Allen Anschein nach ist der heute im Lapidarium des Augsburger Maximilianmuseums erhaltene Grabsteinrest von R. Awraham bar Pinchas (der sich auch in den mittelalterlichen Steuerlisten der Stadt wiederfindet)  bei dieser Grabungsgelegenheit entdeckt worden, ebenso wie der Kalonymos-Stein, der hernach am neuen Friedhof an der Haunstetter Str. aufgestellt wurde. (siehe Beiträge vom August 2008) 

Nun deutet natürlich gar nichts darauf hin, dass der jüdische Friedhof wie auf der Karte von 1514 behauptet, sozusagen als „Anbau“ der Stadtmauer vorgelagert war und sich außerhalb der Stadt befand. Das dort als Judenkirchhof bezeichnete Arial wurde in späteren Karten auch nicht mehr so bezeichnet, sondern als „Judenwall“. Der Name erinnerte zwar an den Judenfriedhof in diesem Gebiet, stellte ihn aber nicht dar. Das Gelände des späteren, außerstädtischen Judenwalls wäre für einen Friedhof der Judengemeinde in der Dauer von mindestens 150 Jahren auch viel zu klein gewesen, umfasste es bei gerundeten Ausmaßen von 100 auf 80 und 45 Meter sodann ja nur eine Fläche von etwa 1750 m².

Tatsächlich handelt es sich bei dem vorgelagerten Befestigungswerk nicht um die Mauer des Judenkirchhofs, sondern um einen Ravelin, eine von zahlreichen Befestigungsanlagen, wie es sie an vielen prominenten Stellen außerhalb der Stadtmauer gab. 

those were the days ...

those were the days ...

The position of the last cemetery of medieval Jews in Augsburg until today  frequently is confused with a fortification  that of course was built  much later outside the city – but for tactical or safety reasons was bearing the old name “Judenwall”. The cemetery of course was inside (the finding of fragments in 1891 admit no doubt …) the city behind a fortification wall which was established by the Jews of Augsburg 1298 – 1301 as provided in a contract between the leaders of the Jewish Community and the heads of the Free Imperial City of Augsburg in August 1298.


Mittelalterliche Geschichte: Der Gelbe Ring als Zeichen der Juden in Augsburg

August 13, 2009

Am 23. September 1434 wurde die Verordnung erlassen, die Juden in Augsburg verpflichtete, einen gelben Ring mit stattlichen Ausmaßen auf ihrer Kleidung zu tragen. Wir erinnern in diesem Sommer an das 575. Jahrestag dieses unheilvollen Tiefpunkts mittelalterlicher Augsburger Geschichte. Die christlichen Geistlichen hatten schon lange darauf gedrängt, doch erst der in Nürnberg geborene neue Kaiser Sigismund stimmte darin überein, die Juden in seinem Reich mit Abzeichen zu kennzeichnen, damit diese „nicht gleich Ehr und Gruß empfangen, dessen sie nit werth seyen“.

Das ist zu eindeutig, als dass es sich schönreden lässt und kommt logischerweise jedem in den Sinn, der eine Erklärung für die Praxis des “Judenstern” der Nationalsozialisten im sog. „Dritten Reich“ haben möchte.

Unter Sigismund, selbst von fanatischen Predigern (Langenstein, Dinkelsbühl, …) geprägt oder erzogen vollzog sich für die Juden in Österreich und Süddeutschland die Entwicklung zum Schlechten. Er starb bereits 1437 nach nur vier Jahren als Kaiser und so blieb der Schaden (abgesehen von jenem den er zuvor schon anrichtete) letztlich „begrenzt“.

Die Augsburger Juden freilich entgingen seiner auf religiösem Hass basierenden „Politik“ nicht. Eine Kette von Entrechtungen der Augsburger Juden führten letztlich im Jahre 1438 zum Ausweisungsbeschluss, für dessen Rechtfertigung sich nur lapidare christliche Gründe finden.

 

der Gelbe Ring - ein gutes Zeichen?

der Gelbe Ring - ein gutes Zeichen?

 

The Yellow Badge (or: Yellow Ring, French: rouelle) was a cloth patch that Jews were ordered to sew on outer garments in order to prevent that Jews in public would “get greeting and honors they were not worth for” as the Imperial deed by emperor Sigismund on 23rd of September 1434 puts it. On that date Jews in Augsburg were ordered to wear an huge yellow ring with a diameter of almost 20 cm. This summer we commemorate the 575th anniversary of the introduction of the sign that segregated and finally excluded the Jewry of Augsburg where they were banned only four years later in summer 1438.