Stolperstein – Verlegung in Augsburg

May 4, 2017

Heute morgen wurden in Augsburg erstmal sog. Stolpersteine auf öffentlichen Grund verlegt. Die ersten wurden Eugen Oberdorfer (1875-1943) und Emma Oberdorfer (1884-1943) gewidmet, die beide in Auschwitz ermordet wurden (sie früheren Bericht auf unserem Blog).

Die Steine werden von Gunter Demnig verlegt, der bereits 2005 von unserem verstorbenen Verwandten, Freund Arthur Obermayer für die Stolperstein-Initiative mit dem Obermayer Award ausgezeichnet worden war. Neben Frau Miriam Friedmann, der wieder in Augsburg lebenden Enkelin der Oberdorfer, waren in der kleinen Publikumsgruppe, die bald zur Hälfte aus Pressevertretern bestand, auch Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth, Prof. Rolf Kießling, Dr. Harald Munding, der Landtagsabgeordnete Harald Güller und eine Reihe von Schülern anwesend.

Hier ein paar Schnappschüsse:

שטולפרשטיין

Stolpersteine für Eugen und Emma Oberdorfer, Augsburg

information on the Oberdorfer couple

גברת פרידמן

the artist Gunter Demnig (b. 1947)

קלאודיה רות- סגן נשיא הבונדסטאג הגרמני

Claudia Roth – Vice President of the German Bundestag

Stolpersteins and tools

Работа художника

Камни преткновения

الجمهور

stiller Protest am Rande der Veranstaltung

Als JHVA sind wir nicht für oder gegen die Stolpersteine, wissen wir doch zu genau, dass Leute die Stolpern müssen dafür keine Steine benötigen, schon gar keine solche, die ebenmäßig sind und sich vom normalen Gehweg nicht wirklich abheben. Aus vielen, sehr sehr vielen Gesprächen wissen wir, dass viel Gegner der Stolpersteine eher persönliche Probleme (wie eigene vorzeigbare Verwandte) als rationale Argumente haben, um die Gedenkmale abzulehnen. Manche andere, die wie der unbekannte Protestant meinen, dass sie Erinnerung “auf Augenhöhe” bevorzugen, machen das vielleicht in ihrem Badezimmer – nur sieht man davon nichts und nirgendwo etwas in der Öffentlichkeit. Kritik ist immer legitim, aber ehrlicherweise nur dann, wenn sie eine Alternative aufzeigt. Ohne diese ist es was? Richtig: Geschwätz.

Als JHVA sagen wir deshalb: If do not like the Stolpersteins, just realize your own BETTER idea.

Als Historiker und Journalist ist es für ich (Yehuda Shenef) jedoch eindeutig, dass Kontroversen für Historiker ergiebiger sind, als als Verschweigen.

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Die Augsburger Schirmfabrik Jakob Oberdorfer

September 2, 2015

Im Haus der heutigen Maximilianstraße 17 (ehemals C 4) befand sich über Jahrzehnte hinweg die Niederlassung der  Schirmfabrik von Jakob Oberdorfer (Wallerstein 1842-1932 Augsburg) mit Werkstätten im Hinterhaus und  Obergeschoss und mit Ladengeschäft zur Straße.

Augsburg Maximilianstr. 17, Burger King, Die Grünen, Haus Oberdorfer Schirmfabrik

Die Fabrik wurde als Fa. Oberdorfer & Gutmann mit erstem Sitz in der Schrannenplatz (Haus A 36, heute Maxstr. 87) gegründet. Partner war Moritz Gutmann (1851 Hainsfarth – 1932 Augsburg), der sich Anfang der 1880er nach seiner Heirat mit Jette Rosenfels aus dem Unternehmen zurückzog, weshalb es sodann nur noch nach Jakob Oberdorfer hieß. 1905 erfolgte der Umzug ins neue Stammhaus, wo die Fabrik nun weit überregional bekannt wurde.

oberdorfer und gutmann schirmfabrik augsburg 1871 werbung ad umbrella factory

Stellenangebot von „Oberdorfer & Gutmann, Schirmfabrik in Augsburg“ vom 6. Juli 1871. „Auf vorhergehende schriftliche Offerte“ hin bezahlte zumindest dieser Arbeitgeber noch die „Reisespesen hierher“. Den gesuchten „tüchtigen Schirmmacher-Gehilfen“ bot man bei „sofortigen Eintritt“ „ sehr gute Bezahlung und beständige Arbeit“ und was eine Bemerkung wert war: „auch über den Winter“ (1871 job ad loking for helpers at the Oberdorfer umbrella factory, travel costs of the apllicant were paid by the company)

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1910 übernahm Eugen Oberdorfer (geb. 1875) mit seiner Frau Emma (geb. 1884) den Familienbetrieb und führte ihn bis in die 1930er Jahre weiter, ehe der Laden enteignet und „arisiert“ wurde. Eugen Oberdorfer wurde 1942, damals bereits 67 Jahre alt zur Zwangsarbeit in der Ballonfabrik Riedinger gezwungen und im Sommer 1943 als offenbar nicht mehr leistungsfähig deportiert. Sein weiterer Weg ist ungewiss geblieben, und doch unschwer vorstellbar. Auch Seine Frau Emma wurde deportiert und gilt als verschollen. Ob sie sich im selben Transport befanden, wann und wo er oder sie verstarben, ist unbekannt geblieben.

1950 ist als Hausbesitzer Karl Hoffman, Schirmfabrikant“ im Adressbuch eingetragen, der offenbar Haus und Betrieb von den enteigneten Vorbesitzern übernommen hatte. Der Laden hieß nun „Koffer und Taschen R. Hoffmann KG.“

Maximilianstr. 17 Augsburg Bündnis 90 die Grünen, Burger KingHome of the “Green Party” and “Burger King

Heute befindet sich im ehemaligen Ladengeschäft der Schirmfabrik Jakob Oberdorfer eine Niederlassung der Restaurantkette „Burger King“, direkt darüber die Geschäftsräume der politischen Partei „Bündnis 90Die Grünen“.

At Maximilianstr. 17 once was the famous umbrella factory Jacob Oberdorfer, which until the Nazi send the former owners (probably) to Auschwitz was one of the largest of its kind and widely known for its quality products. Today in the shop is “Burger King” and the “Green Party” above uses the former factory rooms. The owner lived at Schaezlerstr. 15 near the City Theater.


Salomon Rosenbuschs Haustür in Augsburg

July 30, 2015

Augsburg Maximilianstr Salomon Rosenbusch Tor Davidstern

Das Tor des früheren Anwesens von Salomon Rosenbusch in der Augsburger Maximilianstraße. Rosenbusch stammte aus Pfersee und war Getreide- und Hopfenhändler in Augsburg zur Zeit, als das Bier noch (ungefärbt) dunkel und gut war, wie auch Bert Brechts Bruder noch zu berichten wusste.

Von 1868 bis 1878 war Salomon Rosenbusch Vorsitzender des Israelitischen Kultusgemeinde in der Nachfolge von Carl von Obermayer, von dem er dann auch dessen benachbartes Palais A 28 (seit 1956 das heutige Standesamt) übernahm. Rosenbusch gehörte auch dem Stadtrat an und wurde am jüdischen Friedhof im Stadtteil Hochfeld begraben zusammen mit seiner Frau.


Beim Obermayer-Palais in Augsburg

February 25, 2015

 

 

Wo in Augsburg ist eigentlich das Obermayer-Palais?

Wen auch immer man danach fragt, kaum jemand, nicht einer von tausend wird es einen sagen können, da kein Gebäude unter diesem Namen bekannt ist.

Freilich kennt eigentlich jeder in Augsburg und Umgebung das Standesamt in der Maximilian-Straße, der einstigen “Prachtstraße”, nächtlichen “Party-Meile”, wo sog. Autokorsos (meist türkische) Hochzeitspaare oder (meist deutsche) Fußball-Länderspiel-Siege feiern, Betrunkene des nachts Randale machen oder engstirnige Döner-Verbote diskutiert werden.

Das Haus in welchem sich das das Standesamt befindet, gleich beim Herkules-Brunnen, neben “Norma”, gegenüber vom Schaezler-Palais, unweit vom Hotel “Drei Mohren”, dem Fugger-Palais, zwischen Moritz-Kirche und St. Ulrich und was man sonst noch an prominenten Namen aufzählen könnte, gehörte nämlich ab 1821 dem jüdischen Bankier Isidor Obermayer (maßgeblich am Bau der der ersten bayerischen Überlandbahn von Augsburg nach München beteiligt, für die er aus England sowohl die Schienen als auch die Lokomotive besorgte, und ohne beides wäre das wohl auch nichts rechtes geworden, …) und nach seinem Tod im Jahre 1862 seinem Carl (von) Obermayer (beide waren übrigens gebürtige Kriegshaberer), der in genau diesem Haus Konsul der Vereinigten Staaten von Amerika im Königreich Bayern war und zugleich auch erster Vorsitzender der neugegründeten Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) in Augsburg. Als er 1868 nach Wien ging, verkaufte er das Haus an Salomon Rosenbusch (aus Pfersee), der auch sein Nachfolger als Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Augsburg wurde.

Das stattliche mittelalterliche Palais blieb noch bis 1938 im Besitz der jüdischen Familien Rosenbusch-Heymann, ehe es “arisiert” wurde.

An die immerhin 117-jährige jüdische Geschichte des Hauses das auch als Amtssitz US-amerikanischer Konsule und Amtssitz von drei Vorsitzenden der frühneuzeitlichen jüdischen Gemeinden in Augsburg diente, erinnert heute nicht, obwohl der JHVA vor einigen Jahren, im Vorfeld zum 200. Geburtstag von Carl von Obermayer (1811-1889) versuchten, die Stadt Augsburg (heutiger Eigentümer) zu einer Gedenktafel zu bewegen. Das war Ende 2010 und nochmals 2011. Das Ergebnis kann man sehen.

Wen interessiert hierzulande schon jüdische Stadtgeschichte, die nicht direkt mit dem “Holocaust” zu tun hat?

Obermayer Palais Augsburg Standesamt Herkulesbrunnen

Obermayer – Rosenbusch – Palais mit Herkules-Brunnen in Augsburgs berühmter Maximilian -Str.

One of the most prominent buildings in Augsburg famous Maximilian Street (where is St. Ulrich, the renowned “3 Mohren” Hotel, the Fugger – Palais, the not less famous Hercules – fountain (by Adriaen de Vries) and many more also is the former Palais which from 1821 to 1868 was owned by Jewish banker family Obermayer and afterwards until 1938 when the house was “aryanized” by the Jewish families Rosenbusch and Heymann. 

Today nothing reminds of the long Jewish history of the very prominent building, which since it hosts the municipal registry office  is known to all people of Augsburg and surroundings. 
So despite of its history nobody calls the “Standesamt” Obermayer – Palais, while the Schaezler-Palais opposite of it still bears the name Schaezler.