Rabbiner von Augsburg: der Maharil

July 14, 2009

Rabbi Jakob ben Mosche Ha-Levi wurde 1365 geboren und war in Mainz Schüler seines Vaters Rabbi Mosche Molin, der in zumindest in der Zeit zwischen 1364 und 1368 Rabbiner in Augsburg war und dort in den städtischen Steuerlisten als “Meister Molin” verzeichnet ist. Es ist deshalb plausibel anzunehmen, dass sein Sohn nicht wie allgemein vermutet in Mainz, sondern in Augsburg geboren wurde. Rabbi Jakob lernte auch bei Rabbi Schalom ben Jitzchak in Wien Neustadt und war selbst in den Jahren 1412-1414 wie bereits sein Vater als Rabbiner in Augsburg, wo er als “Rabbi Jakob” verzeichnet ist.

Bekannt ist er unter dem Akronym maharil, was abgekürzt steht für “morenu haraw raw jakow levi” (unser Lehrer der verehrte Rabbiner Jakob Levi”) und für sein Hauptwerk “Sefer Minhagim” (Buch der Bräuche), das gelegentlich nach ihm auch “Sefer ha Maharil” genannt wurde, welches eine wesentliche und oft zitierte Grundlage für den Kommentar “HaMapa” von Mosche Isserles zum “Schulchan Aruch” des Josef Caro bildete. Der Maharil gilt als einer der herausragendsten jüdischen Gelehrten des ausgehenden Mittelalters und wurde auch als Chazan (Vorsänger) berühmt. Eine Anzahl heute noch gebräuchlicher Melodien aus dem Gottesdienst geht auf ihn zurück. Allgemein volkstümlich geworden ist sein Beharren, die bestehenden Ordnungen in Mainz unverändert zu lassen: “Mainz bleibt Mainz“.

Der bedeutendste der zahlreichen Schüler des Maharil war Rabbi Jakob ben Jehuda Weil (MaHaRiW), der ihm nachfolgte und Augsburgs letzter bedeutender Rabbiner war.

Rabbi Mosche ben Jakow Ha-Levi Molin, der MaHaRIL

Rabbi Mosche ben Jakow Ha-Levi Molin, der MaHaRIL

 

Rabbi Moshe ben Jacob Ha-Levi was born in 1365, and was a student of his father Rabbi Moshe Molin in Mainz (Mayence), who at least between 1364 to 1368 was rabbi in Augsburg where he is listed in the municipal tax book as a “Meister Molin”. It therefore is plausible to assume that his son was not born in Mainz, as commonly assumed, but rather in Augsburg. Rabbi Jacob also learned with Rabbi Shalom ben Yitzchak in Vienna Neustadt. In the years 1412-1414 as his father he was Rabbi of Augsburg, where he is noticed as “Rabbi Jacob” in the tax payer list.  
He is known by the acronym MaHaRIL, which is abbreviated for “raw morenu haraw Yakov levi” (our dear teacher Rabbi Jacob Levi) and his main work “Sefer Minhagim” (Book of Customs), which is occasionally referred to him as “Sefer ha Maharil”, which is an essential and often-cited basis for the comment “HaMapa” by Moshe Isserles to the “Shulchan Aruch” of Joseph Caro. The Maharil is regarded as one of the greatest Jewish scholars of the late Middle Ages and also was considered as a famous Chazan (precentor). A number of still common melodies go back to him.

                                                                                    
The most important of the many disciples of the Maharil was Rabbi Jacob ben Yehuda Weil (MaHaRiW), who himself follow him to be the last significant rabbi of Augsburg.


Liste der Rabbiner in Augsburg

December 4, 2006

Zu definieren, was genau eigentlich ein „Rabbiner“ oder „Rabbi“ ist, ist nicht ganz so einfach wie mancher meinen möchte. Zwar ist der Begriff als solcher schnell erklärt – er leitet sich ab vom hebräischen Wort „raw“, was in mancherlei Hinsicht „groß“ heißt und am ehesten dem lateinischen Titel „master“, (früh)deutsch „meister“ / „meinster“ entspricht – doch haben sich die Vorstellungen darüber, was ein „Rabbi“ ist, wer sich oder andere so nennt, im Laufe der Jahrhunderte oft verändert und in vielen Gruppen auch völlig auseiander entwickelt.

Grüßt man auf Hebräisch „schalom raw“ redet man damit weniger einen Rabbiner an, sondern unterstreicht eher den Gruß als „großen“ Gruß, sozusagen. Etwa bis zum 18. oder frühen 19. Jahrhundert ist „Rabbi/ner“ eine Ehrenbezeichnung für einen meist hoch gebildeten Mann, der in der Gemeinde oder darüber hinaus angesehen war und sicherlich auch Aufgaben übernahm, wie Unterricht zu erteilen, wohltätig zu sein, etc. Im heutigen, meist säkularen Kontext hingegen ist „Rabbiner“ eine Berufsbezeichnung, die seit den josefinischen oder nach-napoleonischen Reformen (Emanzipation durch Assimilation) im frühen 19. Jahrhundert in der Regel eine Universitätsstudium und eine staatliche Prüfungen voraussetzt. Als Faustregel kann man nun davon ausgehen, dass der „Rabbiner“ als Angestellter der Gemeinde schon aus beruflichen Gründen zumindest ansatzweise so belesen sein sollte, wie in früheren Zeiten der gewöhnliche Jude im Bethaus. In diesem Sinne entspricht der „Rabbiner“ den die Reformen übrig gelassen haben nicht von ungefähr eher einem christlichen Pfarrer, der den Wein segnet, zu Beerdigungen kommt, Predigen (und zwar auf Deutsch ..!) hält und ggf. auch Schulunterricht gibt, als einem traditionellen Rabbiner, der mit Studenten (aramäisch, hebräisch) den Talmud lernt, als halachischer Richter fungiert oder sich als Beschneider oder Schächter spezialisiert hat, usw. Es ist klar, dass es nach dem christlichen Vorbild natürlich auch nur „einen“ Rabbiner geben kann in der (reformierten) Gemeinde, während im althergebrachten Judentum die gesamte Gemeinde aus Rabbinern bestehen könnte, zumindest aber in der Regel doch eine Anzahl von ihnen vorhanden war/ ist.

Wo nun also in mittelalterlichen Unterlagen von einem „Schulmeister“ die Rede war, meinte dies in der Regel den Leiter einer Schule, der Kinder- (seder), u.U. aber vielleicht auch der Talmudschule (Jeschiwa, Yeshiva), in welcher er eine Anzahl von Schülern unterrichtete. Eine solche „Schul“ war meist unabhängig von der allgemeinen „Synagoge“ (knesset), in welche auch Frauen und Kinder gingen, verfügte aber über einen eigenen Betraum. Wurde jemand als „Judenbischof“ bezeichnet, so handelte es sich dabei um den seitens der Stadträte als Oberhaupt der Juden empfundenen Vorsitzenden eines Rabbinatsgerichts (bet din). Dies setzte, wie im Augsburger Stadtrecht automatisch die Existenz weiterer „Rabbiner“ voraus, da ein Gericht mindestens aus drei Richtern (dajanim, schoftim) bestehen musste.

Kurz und gut, es ist nicht grundlos, mit Sorgfalt unterscheiden, in welcher Zeit man von einem Rabbiner spricht, da man damit einen hochmittelalterlichen Gelehrten und Richter, der ggf. auch vor Kaisern auftrat ebenso bezeichnen kann, wie den Lehrer einer Kleingemeinde, der bei Nachfrage, so denn vorhanden, Einwanderkindern Nachhilfe erteilt. Logischerweise ist das nicht daselbe. Da könnte man christlich auch Rang und Funktion von Papst und Dorflehrer gleichsetzen.

Hebräische Belege sprechen dafür, dass es bereits vor der städtischen Fixierung im Stadtrecht von 1276 ein Bet Din in Augsburg gab, jedoch ist nicht zu bestimmen, ab wann ein solches eingerichtet wurde. Offensichtlich ist nur, dass die mindestens seit dem frühen zehnten Jahrhundert vorhandene Gemeinde ab dem späten 12. Jahrhundert überregionale Bedeutung erlangte und entsprechend auch bedeutende Gelehrte anzog.

Erst ab dem 19. Jahrhundert bedeutet die Bezeichnung „Rabbiner“ und Aufführung in der Liste, dass es sich beim genannten um einen staatliche geprüften Berufsrabbiner im säkularen Sinne handelt.

In der Zeit nach 1440 gab es in Augsburg keine dauerhafte Gemeinde, jedoch in den heute eingemeindeten österreichischen Dörfern Pfersee und später Kriegshaber (die auch den mittelalterlichen Vorsitz über das Schwaben (medinat schwaben) übernahmen, bis ab 1863 wieder ein Rabbiner in Augsburg fungierte nun als freilich nur noch provinzieller schwäbischer „Bezirksrabbiner“. Die frühen Jahreszahlen können um ein Jahr schwanken, da hebräische Jahre im Herbst anfangen.

Augsburg:

1185 – 1196    R  Jehuda b R Schmuel

1198 – 1212    R Eleasar b R Jehuda

1214 – 1228    R Jehuda b Schimon

1228 – 1234    R Josef

1234 – 1240    R Baruch

1240 – 1252    R Meir b Baruch (MaHaRaM 1215-1293)

1254 – 1276    R Isaak b Meir

1277 – 1290    R Chaim b Mosche

1292 – 1319    R Abraham (Ulm)

1322 – 1327    R Feivel

1327 – 1348    R Schneor

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1355 – 1357    R Jehuda (Hochmaister de Lauingen)

1357 – 1364    R Eleasar (Hochmaister)

1364 – 1366    R Baruch (Rothenburg)

1364 – 1369    R Mosche b R Levi Molin (Maister Molin) (MaHARiL)

1367 – 1368    R Mosche (Muschel Schulmeister)

1368 – 1370    R Isaak (Schulmeister Horborgum = Harburg/Schwaben)

1370 – 1386    R Mosche b R Aharon (Rabbi Aaron)

1387 – 1405    R Jehuda b Mosche

1405 – 1408    R Mordechai Polin

1408 – 1411    R  Koppelmann (Koppelmann Meister Nürnberg)

1412 – 1438    R Jakob Weil (Jakob Jochmeister) (MaHaRiW)

1414 – 1428    R Isaak (Schulmeister Hitzel)

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Über die Zeit zwischen 1440 und 1470 um Augsburg herum ist wenig bis nichts bekannt

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Pfersee:

1465 – 1490    R Löb Salman

1490 – 1511    R Jakob b Löb


Oberhausen/Wertach:

1512 –  1530    R Isaak (Meister Isik)

1530 – 1561    R Natan (gest. 1575 Frankfurt am Main)

 

Pfersee:

1560 – 1591    R. Lieberman Mosche

1591 – 1625    R David b Jehuda Prag

1626 – 1644    R Pinchas b Schmuel

1644 – 1655    R Zvi b Josef (Hirsch)

1655 – 1680    R Henoch Sundel Prag

1680 – 1712    R Jehuda Löb b Henoch

1712 – 1730    R Jehuda Löb b Ischschachar Ber Oppenheimer Worms (“Sefer Minchat Jehuda”)

1730 – 1763    R Isak b Menachem Etthausen (Seckel, Or Neelam)

1763 – 1792    R Benjamin Wolf Spira Prag

1793 – 1794     R Josef Ulmo

1794 – 1804     R Isaak Oppenheimer

1804 – 1837     R Ber ben Jona Ulmo

 

Kriegshaber:

1765 – 1780    R David Skutsch

1780 – 1819    R Pinchas b R David Skutsch

1819 – 1857    Rabbiner Aharon Guggenheimer

 

Augsburg:

1863 – 1870    Rabbiner Jakob Heinrich Hirschfeld

1875 – 1910    Rabbiner Heinrich (Henoch b Eljahu) Gross

1910 – 1929    Rabbiner Richard (Isaak b Elieser) Grünfeld

1929 – 1938    Rabbiner Ernst Jacob

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1997 – 2004    Rabbiner Reuven (Ruben) Unger

2005 –             Rabbiner Henry (Heinz Georg) Brandt