3 weitere hebräische Grabsteinfragmente im Maximilian-Museum Augsburg

June 14, 2012

 

Wie uns Dr. Emmendörffer freundlicher Weise mitteilte, haben die ebenso dringenden wie gelungenen Arbeiten im Lapidarium des Augsburger Stadtmuseums drei weitere hebräische Grabsteinfragmente hervorgebracht. Nach aktuellem Wissensstand wurden die Fragmente in den späten 1920er Jahren bei Ausgrabungs- und Bauarbeiten am Elias Holl – Platz gefunden, wo sich (unterirdisch) Gefängnisse des Rathauses befanden. Vor vier Jahren wurden wir bereits auf einen ersten Fund hingewiesen. Damals war das Lapidarium noch kaum begehbar, jedoch konnten wir bereits aus der Distanz den Stein als den des R. Abraham bar Pinchas identifizieren, der sich als Augsburger Rabbiner auch in den mittelalterlichen Augsburger Steuerlisten findet.

Siehe auch:

https://jhva.wordpress.com/2008/08/04/mittelalterlicher-rabbiner-grabstein-im-keller-des-augsburger-maximilianmuseums/

https://jhva.wordpress.com/2008/08/25/juedischer-aus-augsburgs-mittelalter/

Mit den nunmehr vier Fragmenten im Lapidarium, einem weiteren, 2001 beim Heilig Geist Spital gefundenen, der im Jüdischen Kultusmuseum in den Räumen der Augsburger Synagoge zu sehen ist, sowie drei Steinen, die im Innenhof des Peutinger–Hauses beim Augsburger Dom eingemauert sind, sind in Augsburg nun acht hebräische Grabsteinfragmente erhalten und bekannt. Sie stammen alle mit größter Wahrscheinlich vom mittelalterlichen „Judenkirchhof“ an der Blauen Kappe, dessen Gelände heute mit dem Bürgeramt überbaut ist.

Bei den neuen Funden handelt es sich um drei zweifellos mittelalterliche Grabsteine. Nur einer davon überliefert einigermaßen zusammenhängende Information, die anderen beiden Anfangsbuchstaben untereinanderstehender Zeilen, bzw. ein kleines Restfragment.

 

בר

הנפטר כח

שנת ל’ג לפ

ונפשו תי צ

בצרורת ח

Der erste Stein überliefert die Bezeichnung „bar“, welche Sohn, bzw. Sohn des Rabbi bedeutet, wobei „Rabbi“ im Mittelalter ein zwar in der Regel begründeter Ehrentitel, nicht aber eine im modernen Sinne Berufsbezeichnung war. Leider wissen wir nicht, wer hier wessen Sohn genannt ist, da sowohl davor als auch danach der Stein abgebrochen ist. Darauf folgt die Mitteilung „der verstarb 28“, also am 28. eines nicht mehr zu ermittelnden Monats und in der nächsten Zeile als verwertbare Information „Jahr 33 nach der Zählung“, was recht sicher auf das hebräische Jahr 5033 deutet und im christlichen Kalender dem Jahr von Herbst 1272 bis Herbst 1273 entspricht. Danach heißt es, „seine Seele“ ונפשו sei eingebunden im Bund des Lebens, eine heute noch, wenngleich meist תנצבה abgekürzte Formel. Darunter ist noch angedeutet die damals gebräuchliche Formel א א א סלה, welche für „amen, amen, amen sela“ steht.

 

 

Der zweite Stein ist nur ein kleines Fragment mit sieben Buchstaben in drei Zeilen. Oben befinden sich die beiden Buchstaben פר (f,r), darauf folgen in der zweiten Zeile drei Buchstaben שנפ (sch,n, f), welche die gängiger Formel „der/die verstorben ist“ abkürzt oder anlauten lässt. Nach der namentlichen Vorstellung des Verstorbenen als „A Sohn/Tochter des B“ folgt in der Regel das Sterbedatum. Als wahrscheinlicher Bestandteil eines Namens könnte פר demnach am ehesten zu אפרים Efraim passen. Darunter, nur noch sehr schwach lesbar, sind die Konturen der Buchstaben רא, was als Zahl gelesen 201 das Jahr 5201, bzw. 1440/1 nach christlichem Kalender ergibt.

Herbst 1440 bis Herbst 1441 wäre jedoch ein Jahr nach dem offiziellen „Ausschluss“ der Juden aus Augsburg, denen 1438 eine zweijährige Frist eingeräumt wurde, um die Stadt zu verlassen. Jedoch stammen auch die beiden Kindergrabsteine, die im Innenhof des Peutinger-Hauses eingemauert sind, unzweifelhaft noch aus den Jahren 1445 und 1446. Mit einem bereits dritten mittelalterlichen Augsburger Grabstein wäre es aber durchaus angebracht, den tradierten, allgemein vorausgesetzten Ablauf in Frage zu stellen. Es ist kaum noch anzunehmen, dass es nur diese drei Begräbnisse nach 1440 gab und ausgerechnet davon die Grabsteine erhalten blieben. Es müsste demnach also eine jüdische Präsenz in der Stadt noch nach 1440 gegeben haben, bzw. Zugang und Garantien zum Friedhof, die sich kaum mit der Idee einer vollständigen Verbannung der Juden aus Augsburg verbinden lassen.

פר

שנפ

רא

Als Sohn eines Efraim ist uns Mosche ben Efraim bekannt, der zwischen 1430 und 1438 als „Feyvelman“ in den Augsburger Steuerlisten (No. 323) eingetragen ist. Da auch seine beiden Söhne Isaak („Seklin“) und „Salkind“  (No. 332 und 336) zuletzt 1438 notiert wurden, lag bislang doch die Vermutung nahe, dass sie alle noch 1438 Augsburg verlassen hatten. Nun aber wäre es denkbar anzunehmen, dass Feyvelman 1441 in Augsburg begraben wurde. Denkbar wäre auch, dass die Buchstaben רא nur der Beginn eines ansonsten nur selten ausgeschriebenen „rosch chodesch“ (= Neumond) sind, dem sodann der Name des betreffenden Monats folgte. In der Knappheit der Formulierungen ist dies nicht wahrscheinlich, aber nicht sicher auszuschließen.

 

Das dritte Fragment eines sehr massigen Grabsteins zeigt drei untereinanderstehende Zeilenanfänge mit jeweils zwei oder drei Buchstaben.

הצי

כץ

יצח

Das ist nicht sehr viel, da man aufgrund der Machart des Steins davon ausgehen kann, dass pro Zeile 15-20 Zeichen und Leerstellen vorhanden waren. In der ersten Zeile steht הצי, was sehr wahrscheinlich der Anfang von הציון הלו ( = dieses Denkmal) ist, dem dann wohl auch die üblichen Formel „zum Haupt von N.N. aufgestellt“ … לראש folgte. Im erhaltenen zweiten Zeilenanfang steht כץ, die damals wie heute gebräuchliche Abkürzung für כהן צדק (kohen zedek), woraus ersichtlich ist, dass der Grabstein einem Kohen („Priester“) gewidmet ist. Dem müsste nun der Name folgen. In der dritten lesbaren Anfangszeile steht sodann auch zu lesen יצח, was ohne große Probleme als יצחק (Jitzchak, Isaak) zu deuten ist, andernfalls aber auch keinen Sinn ergeben würde. Demnach bezieht sich die Gedenkinschrift auf einen Kohen Isaak oder dessen Sohn, … ben Isaak.

Es könnte sich um R. Jitzchak ben Kalman Kohen (1225-1309) handeln, der auch als „Bendit“ bekannt war oder um R. Jehuda ben Jitzchak Kalman Kohen (1248-1328), auch bekannt als „Jüdlin“. Letzterer lieh im Jahr 1314 dem bayerischen Herzog, deutschen König und späterem Kaiser Ludwig dem Bayer die stattliche Summe von 3600 Pfund und erhielt dafür von diesem dessen Residenz München als Pfand. Der Name Isaak ist nun aber alles andere als selten, sondern war gerade auch im Mittelalter einer der häufigsten überhaupt. Darüber hinaus ist keine Jahreszahl erhalten geblieben, weshalb man hier nur spekulieren kann.

 

 

Dr. Emmendoerfer, head of Augsburg’s municipal Maximilian Museum kindly informed us that at the lapidarium (stone collection at the museums basement) in the course of the renovation were discovered three more medieval Hebrew grave markers, additional to the one of R. Pinchas we were allowed to see four years ago in July 2009.

The first of the three fragments is dated the year 5033, which is 1273, but no name on it has survived. The second one possibly refers to a man named Efraim und perhaps is datable for the Jewish year 5201, which is 1441 in the Christian calendar. Since the Jews of Augsburg in 1438 were required to leave the imperial city within two years, there are no more records in tax payer lists or other deeds of Jews in Augsburg after 1439. This led to the assumption that Jews had left the city at latest in 1439. However, there are already two other medieval Hebrew children tomb stones which bear the dates of 1445 and 1446. An additional third grave marker dating after 1440 of course will raise to question whether actually there were no more Jews in Augsburg right after 1440. The third fragment finally refers to a Kohen Tzedek who is named Isaac or was the son of Isaac. Although Isaac is and was a very frequent name, there only are two in Augsburg, which we know as member of the Kohen family. One is “Juedlin” Yehuda ben Yitzchak Kalonimos Kohen, who in 1314 lend the German King and Roman emperor to come Ludwig the Bavarian a huge sum of money and in return held in pledge his residence. That was Munich a then a small townlet.

במוזיאון העירוני של אוגסבורג שלוש אבנים הקבר של ימי הביניים התגלו. האחת היא משנת לג לאלף השש’, עוד אחד מן שנה ה’רא והשלישי מן יצחק כהן, אשר אולי הכוונה למנהיג הקהילה אוגסבורג

Our cordial thanks to Dr. Emmendoerffer and the MaximilianMuseum

Photos: Margit Hummel, Yehuda Shenef

 

 


Im schwäbischen Haunsheim

April 18, 2012

Haunsheim castle entrance

Das schwäbische Haunsheim bei Gundelfingen mit seinem Ortsteil Unterbechingen umfasst zusammen etwa 1500 Einwohner und liegt etwa auf halber Strecke zwischen Dillingen und Giengen an der Brenz und knapp vier Kilometer nordwestlich von Lauingen an der Donau, dessen jüdische Geschichte aus dem 14. Jahrhundert sich vielfach mit Augsburg verbindet. So stammte der „Hochmeister“ Rabbi Jehuda, der um die Mitte des 14. Jahrhunderts auch in Augsburger Steuerlisten verzeichnet ist aus Lauingen. Seine Tochter heirate in Augsburg Moses den Sohn des Augsburger Gemeindevorsitzenden Jehuda Kalonymos Kohen (1273-1366). Ihr Enkel Awraham (1326-1406), Sohn ihres Sohnes Pinchas war gleichfalls Rabbiner in Augsburg und ist in den Steuerlisten sparsam als „Abraham der Hochmaister“ notiert. Sein Grabstein hat die Zeiten und somit auch die Zerstörung des Augsburger „Judenkirchhofs“ einigermaßen gut überstanden und befindet sich im Lapidarium des Augsburger Maximilianmuseums.

In frühen Urkunden des 13. Jahrhunderts hieß Haunsheim zunächst Sailheim, dann Saunsheim, schließlich Sauesheim. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts zählte auch ein Zweig der Güßen zu den Ortsherren. Ob es wie in Lauingen im nahegelegen Haunsheim und in Bechingen ebenfalls Juden gab, ist wie die Frühgeschichte des Ortes nur sehr lückenhaft überliefert. In der 1978 verfassten zwei-seitigen Religionsgeschichte des kleinen Ortes ist für das Jahr 1600 ein Jude namens Seligman im Zusammenhang mit dem Verkauf der Ortschaft an den aus Brixen stammenden Zacharias Geizkofler (1560-1617) erwähnt. Seligman erstattet darüber dem Wittelsbacher Herzog Ludwig-Philipp von Pfalz-Neuburg (1547-1614) offenbar Bericht. Der wörtliche „Geiz“ bezieht sich, wie auch das Familienwappen belegt, zumindest nicht direkt auf Habgier, sondern auf die „Geiß“, die Ziege oder (heraldisch) den Ziegenbock, während ein „Kofler“ ursprünglich ein Keufler, Käufler, sprich ein Kaufmann, bzw. Händler war.

Geizkofler of Haunsheim “goat of arms” 🙂

Damals konnten Ziegenhändler es demnach wohl zu einigem Wohlstand bringen, denn die neuen Ortsherren erbauten in den Folgejahren ein elegantes Schloss, das heute neogotisch mit Resten von Graben und Ummauerung noch besteht. Zacharias Geizkofler, der überwiegend in Augsburg lebte und mit der von dort stammenden Patriziertochter Maria von Rehlingen verheiratet war, war die letzten zwanzig Jahre seines Lebens „Reichspfennigmeister“, also in etwa Steuereintreiber der Kaiser oder Finanzminister. Bekannt wurde er u.a. für die Erhebung der „Türkensteuer“, die aber nicht Türken zu zahlen hatten, sondern all jene die sich von ihnen bedroht fühlten und das war damals offenbar die Allgemeinheit im Reich. Die Einnahmen der Steuer dienten deshalb dem Zweck, Kriege gegen die Türken zu finanzieren, und so womöglich auch Haunsheim vor dem Schicksal Konstantinopels zu bewahren. Da es sich um eine Kopfsteuer handelte geben heute die alten Steuerlisten, so noch erhalten, zumindest doch ansatzweise Auskunft über die Anzahl der Bewohner einzelner Orte.

האונזהיים טירה

Es ist anzunehmen, dass im Umfeld der Burg sicher auch jüdische Bewohner oder Händler zugegen waren. Sehr häufig benötigten Burg- und Schlossherren jüdisches knowhow, Kontakte und Handelsbeziehungen zur Errichtung und Aufrechterhaltung ihrer Herrschaftssitze in nicht minderem Maße als gewöhnliche Dienerschaft und Bauern zur Versorgung.  Um 1650 wird jedoch unter dem nun dominanten Einfluss der Protestanten dort ein Handelsverbot für Juden erlassen, was aber zumindest einen vorherigen solchen Handel voraussetzt. In der weiteren Entwicklung stagniert der Ort nun. 1704 hatte John Churchill von Marlborough im Haunsheimer Schloss sein Quatier.

1806 gelangt „Hausa“ wie die schwäbische Aussprache des Ortes lautet, an Bayern. 1823 wird der Besitz durch die Augsburger Bankierfamilie Süßkind erworben. Johann Gottlieb Süßkind (1767-1849) stammte aus Württemberg und arbeitete in Augsburg zunächst für das Bankhaus Halder (nach ihm ist die Halderstraße benannt, die parallel zur Bahnhofsstraße Königsplatz und Bahnhof verbindet und in welcher sich die 1917 fertig gestellte Augsburger Synagoge befindet). Durch Wertpapierspekulation während der Napoleonischen Kriege erlangte der evangelische Christ enormen Reichtum. Süßkind war ein Freund des Augsburger Bankiers von Schaezler und war auch mit der Enkelin des Freiherrn von Liebert verheiratet, dem Erbauer des Schaezler-Palais. Neben vielem anderen Besitz erwarb Süßkind das Haunsheimer Schloss.

1845 wird Haunsheim als ein evangelisches Pfarrdorf beschrieben, von dessen Schloss am Hügel man eine schöne Aussicht habe, letzteres ist zweifelsfrei auch heute noch so. Gezählt wurden damals 103 Haupt- und 54 Nebengebäude, sowie 612 Einwohner. Die Vorfahren der heutigen Besitzer der Familie Hauch erwarben das Schloss in den 1860er Jahren. Um 1900 lebten rund tausend Menschen in Haunsheim. Mit der Eingemeindung von Unterbechingen, schwankt die Einwohnerzahl zwischen 1500-1600. Im Schlossgarten werden heute gelegentlich Jazz Konzerte veranstaltet.

former school building at Schulsstraße in Haunsheim

Haunsheim a small village somewhat halfway between Stuttgart and Munich, is dominated by its neo-Gothic castle where in summer time are some Jazz concerts. The village first was mentioned in deeds from late 13th century, when the name referred to sows. In the year 1600 however Zacharias Geizkofler (lit. a goat dealer), who was married to a Augsburg patrician daughter acquired the place and built the castle which is inhabited until today.

Little is known about Jews in Haunsheim, which is only 3 miles from Lauingen at the Danube where were several Jewish communities as well as synagogues. Rabbi Yehuda from Lauingen in 1355 is recorded as rabbi of Augsburg. His great grandson Abraham bar Pinchas also was rabbi in Augsburg until 1407. Since in 1650 a ban for Jewish traders in Haunsheim was issued it is obvious that before there must have been Jews there. Since legal prohibitions, especially local ones, in previous times were as ineffective as they are today (ever heard that somewhere on earth any law against tax dodging or illegal parking actually has settled a problem once and for all?), most likely also there were Jews afterwards. However, the castle of Haunsheim without doubt is worth visiting.

At the Christian cemetery of Haunsheim all newer graves have identical markers

mehr / further information (in German): http://www.bndlg.de/schloss-haunsheim/


Mittelalterlicher Rabbiner-Grabstein im Keller des Augsburger Maximilianmuseums

August 4, 2008

Leichen im Keller hat das städtische Maximilianmuseum in Augsburg zwar (hoffentlich) nicht, aber so doch wenigstens Grabsteine, darunter auch alte jüdische solche. Auf diesen Umstand machte vor einigen Wochen Dr. Christoph Emmendörfer unser Vereinsmitglied Agnes Maria Schilling aufmerksam, als diese ihn nach einem von uns gesuchten mittelalterlichen Grabstein der Kalonymos-Familie fragte, der noch 1927 von Theo Harburger in Augsburg fotografiert wurde, „nun“ aber spurlos verschwunden  und unauffindbar ist. Dr. Emmendörfer fiel dazu ein, dass sich im „Lapidarium“ (= Steinsammlung von „lapis“ = Stein) des Museums noch Reste hebräischer Steine und Inschriften befänden, die dort zwar seit Jahrzehnten lagerten, die aber „niemand“ entziffern könnte. Des Lesens kundig machten wir uns natürlich sofort auf den zunächst telefonischen, dann schriftlichen Weg, ehe Dr. Emmendörfer letzte Woche, genauer gesagt am 29. Juli, uns freundlicherweise einen Teil seiner Mittagspause opferte, um mit uns in den Keller des Museums stieg. Nicht zum Lachen, sondern zum Lesen.  

 Max Lapidarium Augsburg

Max Lapidarium Augsburg 

Das Lapidarium fanden wir vor als eine reichlich düstere Ansammlung von Steinresten, Tafeln, Büsten, Bruchstücken von Säulen denkbarer und undenkbarer Größen vor. Eine erkennbare Ordnung gibt es dem Anschein nach nicht, soll aber wie der Leiter des Museums beteuerte unbedingt entstehen. Das ejdoch sei wie immer abhängig davon, ob dafür Mittel aufgebracht werden können. Ein in Augsburg für augenscheinlich schwieriges Unterfangen, insofern es sich nicht einfach vermarkten lässt. Ein Steinsammlung mit meist unklaren und unvollständigen Bruch- und Fundstücken, erschließt sich jedoch nicht sofort, manches Detail vielleicht erst nach Jahren, andere nie.

Vielleicht schon im Jahre 2009 könnte es aber bereits eine Ausstellung mit wertvollen Stücken der „Sammlung“ geben. Das wäre sehr wünschenswert, wobei uns vom JHVA natürlich nicht ganz wohl dabei ist, wenn jüdische Grabsteine, losgelöst von den Menschen an die sie erinnern, als bloß museale Vitrinenfüller fungieren, der frühere Grabplatz, der “Judenkirchhof” am „Judenwall“ (Blaue Kappe) aber nach wie vor ohne jegliche Erinnerungstafel seitens der Stadt Augsburg auskommen muss.

Aus möglicherweise mehreren hebräischen Inschriften ergab sich nun im Dämmerlicht der Steinsammlung doch ein ganz konkreter Fund, angelehnt an einer Kellerwand. Diesem konnten wir uns etwa auf sechs Meter Entfernung nähern, da vor ihm allerlei Bruchstücke und Reste anderer Art auf dem Boden verteilt herumlagen. Trotz des großen Abstands und schlechten Licht gelang es aber mittels dem Zoom (ein herzlicher Dank an den Erfinder desselbigen an dieser Stelle) der Videokamera den auf dem Kopf stehenden Rest des Grabsteins abzufilmen und ein paar Fotos zu machen. Was aus der Distanz bereits vor Ort lesbar war, bestätigte sich dann zu Hause am PC nach der Nachbearbeitung mittels Photosoftware. In der Tat handelte es sich um einen mittelalterlichen Grabstein aus der berühmten Kalonymos-Familie, jedoch nicht um den von uns gesuchten, den Harburger vor 81 Jahren fotografiert hatte, sondern um einen anderen, zuvor unbekannten. Die nicht ganz sicher zu lesende Datierung deutet auf den Beginn des 15. Jahrhunderts, was eine konkrete Zuordnung zur Person des Verstorbenen möglich macht.

Rabbi Awraham bar pinchas grave marker upside down at wall

 

Über die Identität des „Grabsteininhabers“ hingegen besteht kein Zweifel und so können wir froh sein, den Stein, der einst an R. Awraham bar Pinchas K erinnern sollte, im düsteren und staubigen Keller eines Augsburger Museums wiederentdeckt zu haben. Bei besseren Lichtverhältnissen und/oder größerer Nähe zum Stein, lässt sich dieses „kleine Resträtsel“ sicher in absehbarer Zeit lösen. Da sich der Rabbi jedoch in mittelalterlichen Steuerlisten findet, wäre das konkrete Datum auf dem Grabstein eine Bestätigung anderweitig bereits bekannter Daten zu Reb Abraham.

 

Rabbi Awraham bar Pinchas K stone detail

dr-emmendoerfer-margit-hummel-jhva

Dafür gilt unser besonderer Dank unserer lieben Amei wie vor allem auch ganz besonders Herrn Dr. Emmendörfer, dem wir bereits am Folgetag eine Abschrift und Übersetzung zukommen lassen konnten.

Wir wünschen Herrn Dr. Emmendörfer weiterhin alles Gute bei seinen lobenswerten Bemühungen einige Versäumnisse vergangener Jahrzehnte aufzuarbeiten.