Kupfer, das Gold der Armen

December 31, 2017

Vor einhundert Jahren:

„In sehr starker Weise zogen die Antisemiten neuerdings gegen die AUGSBURGER GEMEINDE los, indem sie dieser den Vorwurf machten, sie habe sich geweigert, das Kupferdach der neuerbauten Synagoge auszuliefern. Wie wenig begründet diese Vorwürfe sind, erweist eine ausführliche Erklärung des Vorstandes der Augsburger Gemeinde, die in dem „Gemeindeboten“ Nr. 52 abgedruckt worden ist. Aus diesem Grunde dürfen wir auf eine Wiederholung dieser Erklärung verzichten, wir wollten es aber doch bei der Wichtigkeit der Sache und bei der hier zutage getretenen besonderen Perfidie unserer Gegner nicht unterlassen, auch an dieser Stelle auf diesen Einzelfall hinzuweisen.“

Allgemeine Zeitung des Judentums“, Heft 1, vom 4. Januar 1918, Seite 4

גג נחושת מבית הכנסת אוגסבורג עם אריה

Hundred years ago: The Jews of Augsburg were accused by local anti-Semites they would not deliver the copper roof of their newly inaugurated synagogue to the metal collection, apparently essential to the war effort of the Reich. Although the copper in fact was donated, the war was lost nine months later.

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Das Kupfer der Augsburger Synagoge

December 17, 2013

Synagoge Augsburg Kupfer Blech Dach LöweBlechdach der Augsburg Synagoge mit Löwe

Bericht aus der jüdischen Wochenschrift „Im Deutschen Reich“, Heft 1, 1918, S. 37, vom Januar 1918:

Das Kupfer für die Augsburger Synagoge. Die „Deutsche Volkswirtschaftliche Correspondenz“ hatte kürzlich die Mitteilung gebracht, nach einer Erklärung des israelitischen Vorstands in Augsburg sei diesem für den Neubau der inzwischen fertiggestellten Synagoge von der Militärverwaltung zur Verzierung der Verkrönung und des Dachs eine Menge von 18.6 Zentnern Kupfer bewilligt worden. In konservativen und antisemitischen Blättern darob großer Lärm. Nach Mitteilungen des Kriegsamts liegt dieser Nachricht folgender Sachverhalt zugrunde:

Da in Frage kommende Kupfer ist vor Ausbruch des Krieges beim Deutschen Kupferblech-Syndikat in Kassel bestellt worden. Die Lieferung des Kupferblechs erfolgte in den ersten Monaten nach Kriegsausbruch, als eine allgemeine Beschlagnahme aller Kupfervorräte noch nicht erfolgt war. Nach Angabe der den Bau ausführenden Firma wurde der Weiterbau der Kuppel auf ein Attest des Stadtmagistrats in Augsburg hin als Notstandsarbeit vollendet. Eine Freigabebescheinigung einer militärischen Behörde konnte von keinem der Beteiligten bis jetzt vorgelegt werden.

Inzwischen ist das Kupfer der Synagoge beschlagnahmt und enteignet worden. Die Ablieferung wird in kurzem erfolgen. Sie hat sich verzögert, weil die Beschaffung von Ersatzblechen erst jetzt möglich war. Außerdem hat die Augsburger Synagogen-Gemeinde der antisemitischen „Wahrheit“ aufgrund § 11 des Pressegesetzes eine Berichtigung geschickt, es sei erfunden und unwahr, dass der Synagogenvorstand sich geweigert habe, der Aufforderung zur Abgabe und Ablieferung des Kupferdaches nachzukommen. Vielmehr habe der Vorstand die freiwillige Ablieferung der Hauptmasse (3670 kg) sofort angemeldet und lediglich um Befreiung der Ablieferung von 932 kg, die zu kunstvollen Arbeiten der Bekrönung und Verzierung verwendet worden waren, ersucht.

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synagoge Augsburg Kupferdach Kuppel Luftbild