Gibt es jüdische Gemeinden in Augsburgs Partnerstädten?

August 5, 2011

Die Stadt Augsburg, die am kommenden Montag, den 8. August wieder ihren einzigartigen (oder: eigenartigen ?) Friedenfest – Feiertag (jüngst auch als „City of Peace“ vermarktet – in einer Welt voller Unruhen könnte „Frieden“ Touristen bringen) hat beginnend mit den 1950er Jahren eine Reihe von Städtepartnerschaften. Seit 1956 das schottische Inverness, am Fluss Ness, unweit vom durch sein legendäres „Ungeheuer“ ungleich berühmteren Loch Ness, wo im 11. Jahrhundert der zumindest durch Shakespeare bekannte Macbeth in einer Burg residiert haben soll, um nur zwei allseits bekannte Begriffe zu nennen. 1959 folgte 長浜市 Nagahama, was englisch als „Long Beach“ übersetzt wird und analog zu Augsburg für seine mittelalterliche Produktion von Gewehren (Arkebusen) und Kanonen bekannt ist. Im selben Jahr bekam Augsburg mit der Industriestadt 尼崎市 Amagasaki sogleich einen zweiten japanischen Partner. 1964 folgte Dayton in Ohio, 1967 das zentralfranzösische Bourges, im Jahr 2001 das nordtschechische Liberec (das Deutsch Reichenberg hieß) und im Jahr 2004 ging Augsburg mit  濟南市Jinan erstmals eine eingetragene Lebenspartnerschaft mit einer chinesischen Stadt ein, deren Geschichte bis in die Han-Dynasty zurückreicht. Eine Partnerschaft mit einer israelischen Stadt gibt es (noch) nicht und ist vielleicht auch nicht geplant, obwohl die Bezüge in einer stattlichen Anzahl lokaler Kirchen an für sich Jerusalem nahelegen würden. Leider findet sich im „world wide web“ auch kaum etwas zu den genannten Städtepartnerschaften, wobei zweisprachige, aus jeweils bedien Städten betreute Webseiten mit grundlegenden und aktuellen Infos heute allgemein keine große Schwierigkeit darstellen.

Wie dem nun auch sei, abgesehen davon, dass die übergroße Mehrzahl der heutigen Augsburger Juden Zuwanderer sind und ihre eigenen „Partnerstädte“ im Kopf und in der Biographie haben, ist es für unsere primär jüdischen Perspektive, auch interessant, ob es eine entsprechende Geschichte und/oder Gegenwart in den offiziellen Augsburger Partnerstädten gibt. In den beiden japanischen wie auch in der der chinesischen Stadt, wird diese Suche absehbar nicht ergiebig sein – schon die allgemeinen deutschen Wikipedia – Artikel zu den Orten fallen sehr mager aus. Aus dem tschechischen Liberec ist zumindest die Existenz der alten um 1889 fertiggestellten Synagoge von Reichenberg bekannt:

 

 Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Synagoga_Liberec_3.jpg

 Das, wie es heißt, im Neo-Renaissance-Stil errichtete Gebäude, wurde während der deutschen Besatzung freilich zerstört. 1930 lebten immerhin etwa 1400 Juden in der überwiegend katholischen Kleinstadt mit weniger als insgesamt 40.000 Einwohnern. 1939 war die Zahl bereits auf bloße 41 Juden „reduziert“. Erst im Jahr 2000 wurde in Liberec eine neue Synagoge, freilich im modernen Stil, errichtet. Über die frühere Geschichte der Reichenberger Juden, ist, von bloßen Strukturdaten auf Anhieb nicht viel zu finden. Das verwundert angesichts der schwierigen Geschichte nicht, doch wie so oft bedarf es für Antworten zunächst der Frage.

In der einzigen Stadt in den schottischen Highlands, mit gegenwärtig etwa 50.000 Einwohnern lebten zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts bereits etwa zwanzig jüdische Familien, die eine kleine Gemeinde bildeten. 1906 wurde ein eigener Friedhof errichtet, auf dem sich insgesamt etwa 20 Gräber befinden sollen (http://www.iajgsjewishcemeteryproject.org//scotland/inverness.html), zuvor mussten Tote mühsam im 300 km südlich gelegene Glasgow bestattet werden. Trotzdem Lehrer angestellt wurden, um hebräischen Unterricht zu gewährleisten, wanderten in den folgenden Jahren immer mehr Juden in die größeren Städte oder ins südlich England ab. Der Jewish Chronicle stellte im Jahr 1973 fest, dass es nur noch sechs jüdische Familien in Inverness gab. Heute ist die Gemeinde erloschen.

Eine jüdische Gemeinde gibt es dem Anschein nach auch nicht im französischen Bourges im Department Cher, jedoch kann die 70.000 Einwohner Stadt, über eine mittelalterliche jüdische Geschichte zurückblicken. In keltischer Zeit hieß der Ort Avaric (oder Avaricum bei den Römern) und in der berühmten Schlacht um Avaricum soll Julius Caesar vor etwa 2060 Jahren die Gallier unter der Führung von Vercingoterix (82-46 ante) besiegt haben. Berichte über Juden in Bourges gehen in das sechste Jahrhundert zurück, überliefert in dem Bemühen, sie zum Christentum zu bekehren. Ob das gelungen ist, weiß man nicht, jedenfalls tauchen Juden in erhaltenen Urkunden erst wieder im 11. Und 12. Jahrhundert in Bourges oder als von Bourges stammend auf. Wie in der Folgezeit stammen die Informationen hauptsächlich aus lückenhaften städtischen oder gräflichen Steuerlisten, die wie wir wissen freilich nur marginale Erkenntnisse über eine jüdische Ortsgeschichte geben können. In der Jewish Encyclopedia heißt es vor etwa hundert Jahren, dass keine Nachrichten über jüdische Gelehrte aus Bourges vorlägen. Lediglich ein Tosafist namens אליהו בן שלמה מבורגוש, der eine Randbermkung zu ראש השנה (24b) verfasst hat, sei ggf. identifizierbar.

Ganz anders sieht es freilich aus im Fall von Augsburgers US-amerikanischer Partnerstadt Dayton/Ohio, der Heimatstadt der Gebrüder Orville und Wilbur Wright, wo es seit den 1840er Jahren eine stetig wachsende jüdische Gemeinschaft mit aktuell fünf Synagogen gibt, darunter auch ein Chabad-Center, wovon alleine der Reform-Gemeinde „Temple Israel“ über 800 Familien angehören.

 http://en.wikipedia.org/wiki/Temple_Israel_(Dayton,_Ohio) 

Augsburg has a number of sister-city arrangements. Time to ask about their particular Jewish history if there is or was one in the twin city.

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Warum legt man kleine Steine auf jüdische Grabsteine?

November 16, 2010

März 2017: Ausführlicher beschrieben im Buch:

Yehuda Shenef

Humor, Wucher, Weltverschwörung: Die geläufigsten Vorurteile gegenüber Juden und was es mit diesen auf sich hat 

ISBN: 978-374-3181-205

Taschenbuch: 260 Seiten

13 Euro

 

Oft werden wir nach der Bedeutung und Herkunft der überall anzutreffenden Sitte gefragt, auf jüdischen Grabsteinen und Denkmälern Steinchen, meist Kieselsteine abzulegen. Allgemein wird dies auch von sog. Fachleuten mit einer für  „Nomaden“- oder „Wüstenvölker“ angeblich typische Bestattungspraxis erklärt.  Demnach legte man auf die Grabstätte Steinhaufen, um den Leichnam vor wilden aasfressenden Tieren zu schützen. Der Vorstellung nach hatten Angehörige bei jedem Besuch ab und an weitere Steine dazugelegt, um diesen Schutz zu erneuern, woraus sich sodann der entsprechende Brauch entwickelt habe. Sollte es ein solches Brauchtum tatsächlich jemals gegeben haben, so hatten die (… wann eigentlich?) „nomadisierenden“ Juden ihn wohl bereits vergessen, als sie in Israel sesshaft wurden, zumindest kennen weder Bibel noch der Talmud eine entsprechende Praxis.  Sie wäre auch gänzlich unnötig, wenn man den Leichnam tief genug begräbt …

Tatsächlich geht die Praxis aber wohl doch auf die im antiken Israel übliche Bestattung zurück, die jedoch in vielen Einzelteilen von der heutigen abweicht. In aller Regel wurden Tote selten auf Äckern oder eigenen Grabfeldern bestattet, sondern in Grabhöhlen, die meist einzelnen (Groß-)Familien gehörten und oft -etwa wie im antiken Ägypten- eigens für den Zweck der Bestattung künstlich geschaffen wurden und nicht selten über einen Zugang mehr oder minder tief unter die Erde, bzw. in den Felsen reichten.

Die Bestattung vollzog sich anders als heute in zwei Schritten. Zuerst wurde der Leichnam auf einer Art Steinbett zur raschen Verwesung aufgebahrt, später wurden die Knochenreste eingesammelt und gesäubert, um sie endgültig in einem kleinen, platzsparenden, meist in etwa quadratischen Steinbehälter, lat. Ossarium („Knochenhaus“) zu legen, welches sodann in einer Nische כוך (kùch) in einer Seitenwand der Familiengruft beigesetzt wurde. Sehr häufig wurden diese Behälter beschriftet mit dem Namen des Verstorbenen. Die Grabhöhle oder der Teilbereich einer Grabhöhle, etwa der der einer einzelnen Familie gehörte, wurde mit einem beweglichen, גולל (golèl) genannten Stein verschlossen, der seinem Namen nach meist rundlich war, aber auch in quadratischer Form belegt ist. Zur Festigung oder Sicherung dieses Golel-Steines nun benutzte man kleine Steine, den sogenannten דופק (dofèk), der nach jedem Besuch der Grabhöhle neu gelegt wurde, wörtlich etwa „der (An)Klopfer“ (vom Verb דפק dafak = (klopfen) und im heutigen Sprachgebrauch der (medizinische) Puls. Schon bei der Bestattung heißt es deshalb entsprechend דופק סתימת הגולל – der Dofèk verschließt den Golèl (Ket. 4b, Sanh. 47b, u.a.).

Als Dofèk nun durfte man nichts verwenden, was selbst gelebt hat, also nichts was von einem Tier oder einer Pflanze stammte, weshalb der Einfachheit halber der Brauch entstand, keilförmige oder andere kleine Steinchen als Abschluss zu nehmen. Im sprichwörtlichen Sinne führte dies auch zu Redensarten wie  לא דופק לסוכה … ולא גולל לקבר – (wörtlich: kein dofek für die Sucka [da zu groß] und kein golel fürs Grab [da zu klein]), sinngemäß etwa: weder das eine, noch das andere (nichts Halbes und nichts Ganzes, weder Fisch, noch Fleisch, etc.).

Der Brauch, einen Stein ans Grab zu legen stammt demnach aus der antiken Bestattungskultur der nahöstlichen Grabhöhlen, für deren Existenz uns schon die Tora das Beispiel der Machpela – Höhle bei Hebron gibt, die Abraham für seine Familie erwirbt. Sie ist keineswegs auf das Judentum beschränkt, so wie sich der Brauch kleine Steine auf das Grab zu legen auch in manchen katholischen Gebieten Italiens erhalten hat. Auch das Christentum überliefert z.B. im Evangelium Markus 16 den Golel.

Es ist zunächst die praktische Funktion des Dofèk, der als eine Art Riegel oder Sperre das unbeabsichtigte Wegrollen oder Verrutschen des meist runden Golèl verhindern soll, zugleich ist es aber im Wortsinn auch ein „Anklopfen“ (des Steinchens an den Grabstein) und deshalb auch ohne die frühere praktische Funktion als „Gruß“ an den Toten zu verstehen.

Why are pebbles laid on Jewish grave markers?

The common custom to leave little stones or pebbles on Jewish head stones goes back to the ancient Jewish funeral practice, when the corps was lay to rest in burial caves. The particular section of the burial cave then in the majority of the cases was locked with a round roll able stone (the golèl). In return to avoid the rolling away of the round golel, the stone was fixed with a smaller stone, called the dofèk (to knock) a word in modern Hebrew also means the pulse. To leave the stone today at a visit means to knock on the grave.

 

März 2017: Ausführlicher beschrieben im Buch:

Yehuda Shenef

Humor, Wucher, Weltverschwörung: Die geläufigsten Vorurteile gegenüber Juden und was es mit diesen auf sich hat 

ISBN: 978-374-3181-205

Taschenbuch: 260 Seiten

13 Euro

 


impressions de hainsfarth juive

October 7, 2010

porte d'entrée avec l'inscription

Hainsfarth est un petit village à côté de Oettingen petite ville dans le district de Souabe bavaroise (80 km de la capitale Érigé: Augsburg). Dans le 18e et 19e siècle dans le village près de la moitié de la population du village était juif. Depuis les nazis il n’y a pas une communauté juive, mais il ya une synagogue restaurée qui est utilisé par la population chrétienne pour les concerts classiques ou des conférences. Il ya aussi un cimetière juif en Hainsfarth avec environ 300 monuments funéraires de la période de 1850 à 1938. La plupart des pierres tombales ont inscription sur les deux faces, l’une en hébreu, l’autre en langue allemande. Malheureusement, beaucoup de pierres tombales sont en ruine ou attaqués par des moisissures.

Il ya une différence remarquable entre l’état actuel du cimetière juif et la synagogue restaurée, qui maintenant est une salle de concert.

Une petite partie de l’argent utilisé pour la restauration de l’ancienne synagogue aurait assez pour préserver les pierres tombales du cimetière.

1.7 km à l’ouest de Hainsfarth il ya Oettingen avec un autre cimetière juif et dans Steinhart, 3,5 km à l’est de Hainsfarth est un cimetière juif à côté de la ruine d’un petit château vieux.