Zur jüdischen Geschichte in Osterberg

July 23, 2014

 

Karte Osterberg map Jewish

 Jewish settlement (blue), cemetery (green) at Kolbenweg, few yards away

Osterberg Schloss

Schloss Osterberg castle

Osterberg sheep next to Jewish cemetery

Osterberg sheep

In Osterberg einer c. 20 km nördlich von Memmingen und zwischen Babenhausen und Altenstadt gelegenen kleinen Gemeinde im Landkreis Neu-Ulm an der Grenze von Bayern und Württemberg, gab es etwa hundert Jahre lang ein jüdische Gemeinde. Heute erinnern daran nur noch das Straßenschild “Judengasse” und der etwas versteckte, umwaldete kleine jüdische Friedhof.

Judengasse Osterberg

 part of the Judengasse in Swabian Osterberg

Osterberg Judengassen Siedlung

Osterberg selbst war eine für die Region recht typische Dorfsiedlung unterhalb eines Schlosses und von diesem völlig abhängig und darauf ausgerichtet. Auch die Nähe zum nur etwa 6 km entfernten Fugger-Sitz Babenhausen (wo es zeitweilig ebenfalls eine jüdische Gemeinde gab und auch dort erinnert heute namentlich nur der erhaltene Straßenname „Judengasse“ daran) spielte dabei eine Rolle.

Osterberg Judengasse

Einzelne Nachrichten über Juden am Ort in  finden sich ab dem 16. Jahrhundert. Doch erst um das Jahr 1800 entstand eine jüdische Siedlung für die der Freiherr von Osterberg geworben hatte. Als etwas zwielichtiger Kommissar in den Ermittlungen der Papiernoten – Vorwürfe gegen die schwäbischen Juden im Herbst 1803 ist er uns gut vertraut aus dem Bericht des Ber Ulmo aus Pfersee. Angeworben wurden auch Juden aus Steppach, Kriegshaber und Pfersee. Zu den Bewohnern zählte 1835 deshalb auch der Lederer und Gerber Abraham Steppacher in Haus 8 oder die Familie der Binswanger in der Judengasse 22. 1820 wurde ein jüdisches Schulhaus und hernach ein (neues) Tauchbad (Dauche) gebaut, welche die bisherigen Provisorien ersetzten. Die genauen Standorte zu lokalisieren war eine knappe halbe Stunde vor dem Anpfiff des FIFA-WM-Endspiels zwischen Deutschland und Argentinien nicht möglich – und letztlich auch egal.

Jüdischer Friedof Osterberg Eingang Entrance Jewish cemetery

steiler Aufgang/Eingang des etwas versteckt liegenden Friedhofs

Jüdischer Friedhof Osterberg

abandoned Jewish cemetery of Osterberg

Jüdischer Friedhof Osterberg Jewish Cemetery

בית קברות יהודי באוסטערבערג

Es gab drei zusammenhängende Judengassen in Osterberg. Knapp hundert Meter Luftlinie von der Judengasse entfernt (siehe Karte oben), am steil aufsteigenden Waldrand erlangte die Gemeinde im Juli 1802 auch einen eigenen, „40 Quadratschuh“ (ein bayerischer Schuh maß 29.72 cm) großen, ursprünglich umzäunten, jetzt aber ummauerten Begräbnisplatz. Es sind nur wenige Grabsteine erhalten geblieben und von diesen haben nur einige noch identifizierbare hebräische Inschriften. Am bekanntesten ist der offenkundig in der Nachkriegszeit restaurierte Stein der Blimle Binswanger (geb. Götze), deren Gatte Moses Binswanger am jüdischen Friedhof von Kriegshaber/Pfersee begraben liegt.

Bluemle Binswanger Grabstein jüdischer Friedhof Osterberg

מצבה של בלימלא בינסוונגר בבית הקברות יהודי בכפר הבווארי אוסטערבערג

Osterberg jüdischer Friedhof Grabstein Schimschon haKohen

Hebräischer Grabstein Osterberg jüdischer Friedhof

Osterberg Jewish cemetery

Osterberg jüdischer Friedhof Grabstein

Hebrew gravemarker Jewish cemetery Osterberg Bavaria

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Die Juden von Dachau

June 25, 2014

Autobahn Dachau Fürstenfeldbruck Maisach Olching München Salzburgon the road to Dachau

Dachau ist wegen des Konzentrationslager an der Alten Römerstraße 75, östlich der Altstadt weltberühmt, zugleich aber auch wie die Image-Kampagne der Stadt nicht unpassend formuliert: „viel mehr Stadt als Sie denken“. Noch unbeachteter als die Stadt-Geschichte ist jedoch der jüdische Anteil daran, der ebenfalls mehr umfasst, als verschleppte Juden, die im Lager eingesperrt, misshandelt und ermordet wurden. An die Juden vor den Nazis (und besser gesagt: ohne sie)  erinnert sich im heutigen Dachau freilich niemand (mehr).

Dachau KirchturmDachau: versteckte Perspektiven

Optenrieder Dachau Wappen3-Star caot of arms, Optenrieder family Dachau

Rund hundert Jahre vor der Errichtung des Konzentrationslagers wurde das kleine Städtchen als „hübscher, lebhafter Ort an der Amper und der Straße von München nach Augsburg auf einer Anhöhe gelegen“ beschrieben. Den amtlichen Angaben des „Topo-geographisch-statistischen Lexicon des Königreichs Bayern“ aus dem Jahr 1840 gemäß umfasste Dachau damals 208 Häuser und 1226 Einwohner. Erwähnenswert waren damals „ein Schloss mit Garten, der Sitz des Landkreis und Rentamts gleichen Namens“ (also Dachau), … „4 Brauhäuser, 1 Branntwein-Brennerei, 4 Wein- und Bierwirthshäuser, 4 Ziegelhütten, 1 Leinwandbleiche, 2 Mahl-, 1 Schleif-, 1 Loh-, 1 Öl- und 2 Sägemühlen an der Amper, 1 Abdeckerei, 1 bürgerliches Spital“ und schließlich auch ein Almosenhaus, „wohin besonders die armen Kranken besonders aus der Klasse der Dienstboten gebracht und mit freiwilligen milden Beiträgen unterstützt werden“.

Dachau Zieglerbräu Brauerei Schlossberg Märzensüffiges Dachauer Traditions-Bier

Damals stand Dachau noch ganz im Schatten der Wittelsbacher Herrscher, die seit den 1550ern im besagten Schloss, dessen Ursprünge auf die Welfen zurückgehen soll, ihren Sommersitz hatten. 1633 wurde der Ort von den Schweden „erobert“, wobei 300 Bayern getötet und weitere 600 gefangen worden sein sollen. Auch folgende Kriege im 18. und 19. Jahrhundert zogen den Ort immer wieder in Mitleidenschaft. So dass eben auch 1840 nur knapp 1200 Menschen hier lebten.

Schloss Dachau BergDachauer Schloss

Dachau Jakob Kirche Schloss

Amtlichen Angaben gemäß lebten 1925 gerademal 21 registrierte Juden in Dachau und 1933 waren es nur noch 12. Obwohl im selben Jahr binnen weniger Wochen nach der Regierungsübernahme Hitlers in Dachau das berüchtigte Lager als erstes KZ etabliert wurde, erklärte 1939 Nazi-Bürgermeister Hans Cramer Dachau als “völlig judenfrei“, während Mai 1939 im Mai 1939 die Volkszählung 18.146 Einwohner registrierte, 184 davon Juden, zweifelsfrei im Lager als Gefangene. In der amtlichen Statistik von 2012 heißt es dazu:

Bei den Volkszählungen von 1925 bis einschließlich 1970 wurde die Wohnbevölkerung ausgewiesen. Zur Wohnbevölkerung einer Gemeinde zählten alle Personen, die am Zählungsstichtag in der Gemeinde ihre Wohnung hatten. Personen mit einer weiteren Wohnung oder Unterkunft in einer anderen Gemeinde wurden der Wohnbevölkerung derjenigen Gemeinde zugeordnet, von der aus sie zur Arbeit oder Ausbildung gingen oder in der sie sich aus anderen Gründen überwiegend aufhielten.“

Dachau Augsburger Tor im Augsburger Tor yehudaDachau: Augsburger Tor im Augsburger Tor

Augsburger Tor Dachau 1390 - 1891

In der Darstellung der Ergebnisse der Volkszählungen von 1970 und 1987 findet sich neben den Optionen „römisch-katholisch“ und „evangelisch-lutherisch“ noch die eher unspezifische dritte Bestimmung „Ausländer“ (S. 6)

Wie dem auch sei, in späteren Statistiken tauchen keine Juden mehr in Dachau auf.

Immerhin ist die Erinnerung an die direkt zur Zeit der Nazi-Herrschaft in Dachau lebenden Juden nicht ganz abhanden gekommen, wenngleich es doch fast ein halbes Jahrhundert „ Abstand“ bedurfte, um sich damit zu befassen. Aber das ist in anderen weniger prominenten Teilen des Landes nicht wesentlich anders gewesen, eher zögerlicher.

Dachauer Stolperstein Anton Felber 1902 - 1939Stolperstein für Anton Felber (1902-1939) in Dachau

1938 lebten 14 „Dachauer Bürger jüdischer Herkunft“ (wie das 2013 noch im Jargon der “Süddeutschen Zeitung” heißt). Stellvertretend sei die Familie Wallach genannt, die seit 1919 eine Textildruckerei in Dachau besaß. Die Wallach Werkstätten hatte sich auf Drucken und Färben von Trachtenstoffen spezialisiert, machte aber auch Handweberarbeiten. Bereits um 1900 hatten die Brüder Moritz und Julius Wallach ein Geschäft für bayerische Volkstrachten in München eröffnet, das weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt war und Wallach zum Synonym für volkstümliche Trachten machte. Ihrem Wirken verdankt auch das wieder allseits präsente bayerische Dirndl seine Popularität – nur dass viele davon heute in asiatischen Fabriken zu Dumping-Löhnen hergestellt werden, ggf. auch von Zwangsarbeitern. 1986 wurde die Wallach KG an Loden Frey in München verkauft.

IMGA0833

Den Brüdern Moritz und Julius gelang es rechtzeitig mit ihren Familien zu entkommen, so auch dem damals 14-jährigen Franz, der nach England kam, wo er u.a. in Bath und Birmingham eine akademische Karriere einschlug und Professor für Mechanical Engineering wurde. Mit seiner Frau Ruth hatte er drei Kinder: Catherine, Paul und Mark. 1989 ging er in den Ruhestand, 2009 verstarb er im Alter von 84 Jahren. Kein Glück hatten sein Onkel Max und seine Frau Melitta, die in Theresienstadt ermordet wurden.

Jüdische Gedenkstätte Dachau BesucherinJüdische Gedenkstätte Dachau, Besucherin (23 Juni 2014)

Dachau concentration camp plan 1945 - Encyclopedia JudaicaEncyclopedia Judaica, 2nd Edition, Band 5, S. 375 f., 2007

– Der Beitrag der Encyclopedia Judaica zu Dachau erwähnt keine jüdische Ortsgeschichte, an die auch sonst fast nirgends erinnert wird, so als wäre die Existenz einer jüdischen Gemeinde in Dachau das eigentliche geschichtliche Tabu.

Gemäß den Angaben der “Germanica Judaica”, Band 2, 1968, S. 57 gab es in den 1290er Jahren eine jüdische Gemeinde in Dachau, die dann aber entsprechend der regional typischen Legende sogleich um 1298 wieder mit dem sog. „Rintfleisch-Pogromen“ (btw: das russische Wort погром bedeutet „Unwetter“, „Gewitter“ und dergleichen – massenhafter Judenmord als Naturereignis ..?) endet. Bis um 1440 herum wird es aber wohl auch in Dachau Juden gegeben haben, wofür sich in einzelnen Jahren auch entsprechende Hinweise finden lassen. Die Topographie des kleinen Schlossdorfes lässt wenig Möglichkeiten zu und so kann man Bethaus und Mikwe im Bereich Lodererbach, Kühberg, unweit vom Schloss vermuten.
Wie auch anderswo im Wittelsbacher Reich dauert es bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts ehe man wieder etwas von Juden in Bayern hört. Um 1740 kamen einzelne Juden von Pfersee und Kriegshaber nach München und allmählich entsteht eine jüdische Filial-Gemeinschaft, deren Häupter bis 1815 im schwäbischen Kriegshaber begraben werden, in Ermangelung eines Friedhofs in München. Ab der selben Zeit finden wir auch immer wieder Berichte über Juden in Dachau, wenn beispielsweise Händler an den Ort kommen und Schafswolle und dergleichen verkaufen. Mit den napoleonischen Kriegen entstehen viele neue Straßen, was in Friedenszeiten zu deutlich besseren Verkehr und einem regen Austausch führt. Insbesondere die bisherigen Grenzregionen Bayerns, Frankens und Schwabens profitieren davon, dass sie nun in einem gemeinsamen Königreich integriert sind und der Austausch zwischen den bis dato eher feindlichen Gebieten auch seitens der Regierung ausdrücklich gewünscht wird. Es lohnt sich deshalb, das eigene Dorf zu verlassen, und anderswo unterzukommen, gerade dann, wenn man als Bauer oder Fabrikant etwas herstellt oder als Händler zu verkaufen hat.

Nonne mit Eis in KZ Dachau Gedenkstätte Nonne mit Eis in Cafeteria der KZ Gedenkstätte

Anfang 1830 finden wir den Israeliten Isaak Schleißheimer aus Dachau, der in München verstirbt, aber dem Almosenhaus in Dachau 2000 Gulden vererbt, was für die damalige Zeit eine doch recht beträchtliche Summe war. Dass der wirtschaftliche Erfolg mancher Juden im katholisch geprägten Bayern auch grässlichen Neid hervorrief ist sattsam bekannt und ein frühes Beispiel dafür ist neben in den 1830ern das in Augsburg erschienene Schmierblatt „Ahasveros“, den man als Uropa des „Stürmer“ bezeichnen kann. Immerhin überliefert uns das Blatt aber aus dem Februar 1831 einen anekdotischen Bericht über eine Kutschenfahrt von Augsburg nach München oder vielleicht auch umgekehrt. So genau wissen die anonymen Schreiber es nicht mehr. Jedenfalls sitzen sie im selben Wagen wie ein junger Jude, dessen Vater „als Erzwucherer“ mit Kriegsgeschäften enormen Reichtum gemacht habe, in markanter Erscheinung aber für den Geschmack der heimlichen Beobachter auch mit ungebührlichen Benehmen. Im Gasthof in Dachau, beim Zieglerwirt zur Post, um genau zu sein, sei der als „Champagnier-Bock“ (wegen der Vorliebe für Champagner, Märzenbier und …=) umschriebene junge „geile“ Wüstling mit der Bedienung umgegangen wie die Viehmagd mit der Kuh oder so ähnlich – und man fasst es kaum – derselbe habe sich sogar mit beiden Ellenbogen auf den Tisch aufgestützt. Alles in allem handelt es sich um einen ganz banalen Vorgang, bei dem eine Gruppe junger Reisender im Gasthof sitzt und Märzenbier trinkt. Wahrscheinlich scherzten sie mit der Bedienung und das war es dann, denn weiteres weiß auch der Bericht zu überliefern. Aus der verstohlenen Perspektive des krankhaften Neiders wird jedoch der Anschein erweckt, die gewöhnlichen dörfliche Wirtshausszene als Skandal zu erträumen.

Wahrscheinlich hat das 1831 schon niemand beachtet. Für uns ist es jedoch relevant, da von drei Juden aus Augsburg die Rede war und die Beschreibungen verbunden mit der Datierung darauf ergeben, dass es sich beim geschmähten jüdischen „Modebengel“ um den damals noch nicht ganz 20jährigen Carl von Obermayer handelte.

Dachau Hotel Brauerei Gasthof Zieglerbräu

To be continued …

 

Almost nothing has been told on Jews in Dachau before the concentration camp. At most there is very little focus on Jews who lived in Dachau some years until 1938. To mention them alone took half a century and was of breaking a taboo.
Quellen:
http://www.textilhanddruck-fromholzer-wallach.de/index.html
http://www.birmingham.ac.uk/schools/mechanical-engineering/undergraduate/scholarships/frank-wallace-scholarship.aspx
http://www.bathchronicle.co.uk/Tributes-uni-founding-father/story-11329281-detail/story.html#fOl4KpFwdGipj35Z.99

https://www.statistik.bayern.de/statistikkommunal/09174115.pdf


Buch-Lesung im Zollhaus Kriegshaber

November 12, 2013

An einer der historischer Stätten des schwäbischen Judentums laden wir ein zur Buch-Präsentation mit Lesung und anschließender Diskussion

am Mittwoch, den 20. November 2013 um 18.00 Uhr

in der Begegnungsstätte Zollhaus in Kriegshaber (Ulmer Straße 182, 86156 Augsburg)

 

Das Haus der drei Sterne

Die Geschichte des jüdischen Friedhofs von Pfersee, Kriegshaber und Steppach bei Augsburg, in Österreich, Bayern und Deutschland

von Yehuda Shenef 1. Auflage, August 2013

ISBN: 978-944092-02-7

184 Seiten, 29.50 €

Das Buch ist in vielen Augsburger Buchhandlungen vorrätig, bzw. auch sonst über den Buchhandel, über amazon, weltbild & Co. erhältlich

oder direkt bei info@sol-service.de

kokavim verlag 2013

kokavim verlag 2013

Bericht der Augsburger Allgemeinen „Der Friedhof als Tor zur Geschichte“ von Claudia Kohler vom 7. September 2013:  

http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Der-Friedhof-als-Tor-zur-Geschichte-id26893226.html


Über die jüdische Geschichte im schwäbischen Pfersee

March 22, 2013

… einen Vortrag zu halten, hatten wir gestern in die Ehre und zwar in Pfersee selbst. Ausgemacht war dies als Einleitung zu einer weiteren Lesung aus dem Buch des letzten Rabbiners von Pfersee Ber Ulmo, der bis zu einem Tod im Jahre 1837 nur drei Minuten Fußweg vom Veranstaltungsort, dem “Bürgerhaus Pfersee” in der Stadtberger Straße 17 wohnte, was auch wieder nur zwei Häuser entfernt ist von immer noch recht ansehnlichen Pferseer Schloss. Im Bürgerhaus stießen wir auf ein interessiertes und fachkundiges Publikum, aber auch auf einen gewissen Stolz auf die Pferseer Heimat.

Bürgerhaus Pfersee Jüdische Geschichte Ber Ulmo Yehuda Shenef jhva

Flyer des Bürgerhaus Pfersee

Bürgerhaus Pfersee Ber Ulmo Yehuda Shenef Margit HummelYehuda Shenef and Margit Hummel on Ulmo and Wertheimer in Pfersee Bürgerhaus

(picture: Elena Asnis)

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Wappen Pfersee Schloss coat of armsCoat of Arms at the Pfersee Castle

A few days before the onset of this years Passover Festival we were privileged to have a talk on the rich history of the Jews from Pfersee right there were it happened, in Pfersee, only two minutes walk from the former Jewish settlement in the “Buergerhaus” next to the still existing Castle of Pfersee, were he of course was a well known person. The talk however was on behalf of the report by Ber Ulmo (Berhars Ulman), the latest rabbi who for 56 years was head of the renowned Jewish Kehila, about his imprisonment in 1803. Again we had a interested as well as learned audience.

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Yehuda Shenef – Tage des Gerichts, der Bericht des Ber Ulmo aus Pfersee

152 S., 24.50 €

ISBN 978-3-944092-00-3  bei:  info@sol-service.de

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Vor 10 Jahren: Augsburger Rabbiner entkommt Anschlag

August 1, 2012

Ende Juli vor zehn Jahren berichtete u.a. die Augsburger Allgemeine die ungewöhnliche Schlagzeile von einem heimtückischen Mordanschlag auf den aus Jerusalem stammenden damaligen orthodoxen Rabbiner Ruven Unger, der später nach Hannover ging, wo er ebenfalls nicht glücklich wurde und zuletzt in Bad Nauheim war.

 

Hier der damalige Bericht der netzeitung:

 

Augsburger Rabbiner entkommt Anschlag

Der Leiter der jüdischen Gemeinde in Augsburg ist offenbar knapp einem Attentat entgangen. Unbekannte hatten die Bremsen seines Auto manipuliert.

AUGSBURG. Auf den Augsburger Rabbiner Reuven Unger ist offenbar ein Anschlag verübt worden. Unbekannte hatten den Bremsschlauch seines Autos manipuliert, wie die «Augsburger Allgemeine» am Freitag berichtete.

 

Ehefrau zog Handbremse

Dem Bericht zufolge fühlt sich der Rabbiner von Angehörigen seiner eigenen Kultusgemeinde bedroht. Als Ungers Frau mit dem Auto aus dem Hof der Synagoge herausfahren wollte, bemerkte sie, dass die Bremse nicht funktionierte, und zog die Handbremse. Zu einem Unfall kam es nicht. Unger erstattete Anzeige gegen Unbekannt.

Der 65-jährige Rabbiner, der die rund 900 Mitglieder zählende israelitische Kultusgemeinde seit 1997 leitet, ist nach Informationen der Zeitung in seiner Gemeinde umstritten.

Gemeindestreit als mögliches Tatmotiv

Nachdem ihm Arbeitsverweigerung und Verletzung der Dienstpflichten vorgeworfen worden waren, wurde ihm im Februar dieses Jahres fristlos gekündigt. Unger erhielt nach einer Einigung mit der Gemeinde sein Amt zurück. Die Querelen gingen aber nach Angaben der Zeitung weiter. Die Augsburger Kripo ermittelt. (ddp)

http://www.netzeitung.de/kultur/153177.html


Die Jüdische Gemeinde zu Steppach

October 19, 2009

Wir laden ein zu einem Vortrag zur jüdischen Gemeinde Steppach im Kontext des Friedhofs Kriegshaber – Pfersee und der Juden von Augsburg.

Veranstaltungshinweis St. Raphael Steppach

Veranstaltungshinweis St. Raphael Steppach

Wir freuen uns sehr über Ihren Besuch

Donnerstag, 29: Oktober 2009, 20.00 Uhr  

Veranstaltungsort: Pfarrsaal St. Raphael in Steppach

Internet: www.sanktraphael.de


Der Judenkirchhof – der letzte Friedhof der jüdischen Gemeinde im mittelalterlichen Augsburg

October 8, 2009

Obwohl der „Judenkirchhof“ bereits seit wenigstens 1298 urkundlich bezeugt ist und einige seiner Grabsteine und Fragmente erhalten geblieben sind, herrscht doch eine gewisse Konfusion darüber, wo genau er sich befunden hat. Der Friedhof wurde bereits 1455 zerstört, doch erst rund 60 Jahre später findet sich kartographisches Material zum Augsburger Stadtbild. Eine zeitgenössische Illustration des Friedhofs und seines Geländes existiert nicht. Die ältesten Darstellungen aus dem frühen 16. Jahrhundert zeigen deshalb auch nicht den Friedhof, sondern die in seiner Umgebung entstandene Befestigungsanlagen.

in larger parts established by Augsburg Jews

in larger parts established by Augsburg Jews

 Illustration der städtischen Befestigung vor 500 Jahren (source: Graphische Sammlung der Städtischen Kunstsammlungen Augsburg)

misrepresenting the medieval cemetery outside the city

misrepresenting the medieval cemetery outside the city

Die Abbildung zeigt links neben der Brücke des Klinkertores die kleine vorgelagerte Mauer mit den Beschriftungen „Judenturm“ und „Judenkirchhof“ vor der „haubtstatt“, der Hinrichtungsstätte. Hinten sieht man die imposanten Türme der Stadtbefestigung.

Der kurz darauf entstandene Seld-Plan von 1521 erlaubt uns jedoch einen Blick ins Innere der Stadt. Das der Stadtbefestigung vorgelagerte, gerundete Mauerwerk mit dem kleinen Turm darin finden wir hier in relativ identischer Form vor. Hinter den beiden hoch aufragenden Türmen mit roten Kuppen sehen wir nun aber einen größeren, etwa quadratischen scheinbar leeren Hof, den wir als Platz des Friedhofs in Betracht ziehen müssen, zumal hier 1891 bei den Bauarbeiten zur Errichtung eines Gefängnisses Grabsteine gefunden wurden. Allen Anschein nach ist der heute im Lapidarium des Augsburger Maximilianmuseums erhaltene Grabsteinrest von R. Awraham bar Pinchas (der sich auch in den mittelalterlichen Steuerlisten der Stadt wiederfindet)  bei dieser Grabungsgelegenheit entdeckt worden, ebenso wie der Kalonymos-Stein, der hernach am neuen Friedhof an der Haunstetter Str. aufgestellt wurde. (siehe Beiträge vom August 2008) 

Nun deutet natürlich gar nichts darauf hin, dass der jüdische Friedhof wie auf der Karte von 1514 behauptet, sozusagen als „Anbau“ der Stadtmauer vorgelagert war und sich außerhalb der Stadt befand. Das dort als Judenkirchhof bezeichnete Arial wurde in späteren Karten auch nicht mehr so bezeichnet, sondern als „Judenwall“. Der Name erinnerte zwar an den Judenfriedhof in diesem Gebiet, stellte ihn aber nicht dar. Das Gelände des späteren, außerstädtischen Judenwalls wäre für einen Friedhof der Judengemeinde in der Dauer von mindestens 150 Jahren auch viel zu klein gewesen, umfasste es bei gerundeten Ausmaßen von 100 auf 80 und 45 Meter sodann ja nur eine Fläche von etwa 1750 m².

Tatsächlich handelt es sich bei dem vorgelagerten Befestigungswerk nicht um die Mauer des Judenkirchhofs, sondern um einen Ravelin, eine von zahlreichen Befestigungsanlagen, wie es sie an vielen prominenten Stellen außerhalb der Stadtmauer gab. 

those were the days ...

those were the days ...

The position of the last cemetery of medieval Jews in Augsburg until today  frequently is confused with a fortification  that of course was built  much later outside the city – but for tactical or safety reasons was bearing the old name “Judenwall”. The cemetery of course was inside (the finding of fragments in 1891 admit no doubt …) the city behind a fortification wall which was established by the Jews of Augsburg 1298 – 1301 as provided in a contract between the leaders of the Jewish Community and the heads of the Free Imperial City of Augsburg in August 1298.