Der Mantel des Propheten

January 10, 2014

Der Mantel des Propheten*

ein Gedicht von J. H. Hirschfeld, Rabbiner in Augsburg

O kühn schlug Deines Wortes Flamme,

und mächtig weckend in das Herz

dem formverjüngten, alten Stamme,

und hub es schwunghaft himmelwärts.

Drum hebt Dich heut, im Festgetümmel,

Begeist’rungsflamme in den Himmel,

wo Geisteshelden sind die Sterne,

die weithin glänzen in die Ferne.**

* * *

Die Himmelfahrt ins Reich der Geister

Kann der jedoch nicht schauen hier,

dem Du beim Abschied, edler Meister,

den Rednermantel gabst von Dir.

Nun denn! S leist‘ ich auch Verzicht,

Auf Deines Geistes Doppel-Licht,

Und gebe gerne mich zufrieden,

ist nur die Hälfte mir beschieden.***

* Der Verfasser erhielt, bei seiner Abreise nach Deutschland, vom Herrn Mannheimer einen Prediger-Mantel zum Geschenk.

** Die Geisteshelden werden strahlen wie der Glanz des Firmaments, und die Beförderer der Tugend wie die Sterne für und für. (Daniel 12.3)

*** Könige II. Traktat Gittin 28 a

Das Gedicht von Jakob Heinrich Hirschfeld (1819-1902) wurde abgedruckt im nur in geringer Auflage gedruckten  „Mannheimer-Album, ein Nachhall zur siebzigjährigen Geburtstagsfeier Seiner Ehrwürden des Herrn Isak Noah Mannheimer, Prediger der israelitischen Cultusgemeinde zu Wien, herausgegeben von Mayer Kohn Bistritz, Wien 1864“.

Zitiert nach:

http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/freimann/content/pageview/1371843

synagoge Augsburg wintergasse 1863 1917 Paul Tautenhahndie alte Synagoge Wintergasse in der Darstellung von Paul Tautenhahn

Isaak Noah Mannheimer (1793 Kopenhagen – 1865 Wien) galt als einer der wesentlichen Protagonisten der sog. jüdischen „Reformbewegung“, verzichtete zunächst gänzlich auf die hebräische Sprache und verwendete absichtlich christliche Musikstücke für seine Gottesdienste. In seinen letzten Lebensjahren wendete er sich von diesen radikalen Positionen ab, da er zur Einsicht gelangte, dass sie zwangsläufig zu einer Abspaltung vom eigentlichen Judentum führen mussten. Mannheimer verfasste zahlreiche Schriften, darunter das einflussreiche „Wiener Gebetbuch“ aus dem Jahre 1840. Zu seinem 70. Geburtstag 1863 gewährte ihm die Stadt Wien ein Bürgerrecht ehrenhalber.

Jakob Heinrich Hirschfeld den wir auf diesem Blog schon öfter erwähnt hatten, wurde tatsächlich zur Zeit des Jubiläums von Mannheimer Rabbiner in Augsburg, dem ersten offiziell amtierenden in der Stadt seitdem Jakob Weil zwei Minuten vor 1440 die Stadt verließ. Entgegen der weit verbreiteten Ansicht war er, wie ja auch der Bezug zu seinem Förderer Mannheimer (den er mit seinem obigen Gedich ausdrücklich als “Prophet” verehrt) eigentlich nahelegt, keineswegs „orthodox“, sondern ein überzeugter Reformer. Auch im „Biographischen Handbuch der Rabbiner“ (Brocke/Carlebach, Band 1, No. 0738, S. 449) wird gesagt: „vermeidet Kultusreform trotz liberaler Gemeindemehrheit“, während dort seine Entlassung in Augsburg und die Gründe dafür, unerwähnt bleiben. Tatsächlich wurde Hirschfeld aber entlassen, weil er als Reformer entgegen dem Votum der Augsburger Gemeinde in der Wintergasse der sog. „Augsburger Synode“ beiwohnen wollte. Im Gegenzug wurde in jüdischen Zeitungsblättern öffentlich zum Boykott gegen ihn und andere Teilnehmer der „Synode“ aufgerufen. Hernach fand er nur noch als privater Religions- und Musiklehrer Anstellungen.

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“Der Augsburger Judenkirchhof”

January 18, 2013

Ab sofort erhältlich bei info@sol-service.de

Tel: 08252/ 88 14 80                 /               Fax: 08252 / 88 14 829

und im Buchhandel

Augsburger Judenkirchhof Buch Yehuda Shenef

Kokavim-Verlag, 2013, 176 Seiten

ISBN: 978-3-944092-01-0

Preis: 29.50 €

Band 1 der Buchserie zur Geschichte der jüdischen Friedhöfe in Augsburg und Schwaben:

Yehuda Shenef:   Der Augsburger Judenkirchhof  – Zur Geschichte und zu den Überresten des mittelalterlichen jüdischen Friedhofs in der Reichsstadt Augsburg

 

Zum Inhalt: Die mittelalterliche jüdische Gemeinde in Augsburg war in ihrer Zeit eine der bedeutendsten in Europa. Aus eigenen Mitteln baute sie einen Teil der Stadtmauer. Die Augsburger Juden besaßen eine herausragende Rechtsstellung, die Vorbild für viele andere Städte und Gemeinden war. In ihren Schulen lehrten wohlbekannte und einflussreiche Gelehrte. Kaiser Ludwig verpfändete seine Stadt München an jüdische Kaufleute in Augsburg und nicht zuletzt wurden eine Reihe der frühesten hebräischen Drucke in Augsburg gefertigt.

Vom mittelalterlichen Friedhof, dem „Judenkirchhof“ gibt es trotz der Größe und Bedeutung der Gemeinde nur wenige Aufzeichnungen und Überreste. Dennoch sind einige Grabsteine und Inschriften aus der Zeit von 1230 bis 1445 überliefert und teilweise erhalten. Fünf davon wurden erst in den letzten Jahren entdeckt.

Das Buch zeichnet anhand von mittelhochdeutschen, lateinischen, hebräischen und jüdisch-taitschen Schriftquellen die Geschichte des in der Öffentlichkeit kaum bekannten Friedhofs und den damit verbundenen Abschnitt der Stadtgeschichte nach und trägt erstmals alle bislang bekannten Daten und Erkenntnisse zusammen. Neben zahlreichen, meist farbigen Fotos und Plänen werden alle bekannten Inschriften präsentiert, übersetzt und kommentiert. Ein Verzeichnis aller bekannt gewordenen Juden des mittelalterlichen Augsburg und Stammbäume von Familien, deren Nachkommen später wieder in der Umgebung Augsburgs siedelten, runden den ersten Band ab, woran der zweite, der sich mit dem Friedhof der Gemeinden Pfersee, Kriegshaber und Steppach befasst, anschließt.

 

Zu den bekannten Herkunftsorten der mittelalterlichen Augsburger Juden gehören: Aichach, Friedberg, Ingolstadt, Schrobenhausen, Basel, Zürich, Trier, Köln, Wien, Worms, Speyer, Mainz, Ulm, Rothenburg ob der Tauber, Sonthofen, Esslingen, Schaffhausen, Koblenz, Nürnberg, Dinkelsbühl, Oettingen, Stuttgart, Nördlingen, Harburg, Pappenheim, Regensburg, Neuburg, Höchstädt, Dillingen, Lauingen/Donau, Frankfurt am Main, Landau, Wertingen, Landsberg am Lech, Zusmarshausen, Mühldorf am Inn, Mindelheim, Memmingen, München, Donauwörth (Werth), Freising, Bischoffsheim, Strassburg, Günzburg, Heidelberg und Burgau.

* * *

Anmerkung zur Seite 9: Xanten ist nicht in der Schweiz, gemeint war natürlich die Sonsbecker Schweiz.

* * *

Band 2 zur Geschichte des jüdischen Friedhofs in Kriegshaber / Pfersee erscheint im Frühjahr 2013

Band 3 zur Geschichte des jüdischen Friedhofs Hochfeld (Haunstetter Straße/ Alter Postweg) erscheint im Frühsommer 2013

Band 4 zur Geschichte des jüdischen Friedhofs Binswangen erscheint im Sommer 2013

http://kokavim.wordpress.com/

 


Der neue jüdische Erfurter Friedhof an der Seelenbinderstraße

June 7, 2012

Erster Teil

Der neue, 1871 erworbene und seit 1878 genutzte jüdische Friedhof von Erfurt befindet sich zwischen dem Thüringischen Ministerien für Kultus und Justiz und der „Thüringenhalle“, wo Konzerte und sportliche Veranstaltungen stattfinden. Erbaut wurde die Halle im Stil eines niederdeutschen Bauernhofs in der Zeit von 1939-1942 auf zuvor enteignetem und zerstörten Gelände des jüdischen Friedhofs. Auf einen Sportler geht auch der heutige Straßenname zurück, nämlich auf den Ringer Werner Seelenbinder (1904-1944), der zwischen 1933 und 1941 mehrfach deutscher Meister war und 1936 an den Olympischen Spielen in Berlin teil genommen hatte, wo er jedoch die Medaillenränge verpasst. 1942 wurde er jedoch ganz unsportlich als im Untergrund tätiger kommunistischer Widerstandskämpfer verhaftet und noch Ende Oktober 1944 im Zuchthaus Brandenburg enthauptet. In der DDR wurden nach ihm eine Reihe von Schulen, Straßen, Hallen und Plätze benannt.

Die heutige Fläche des145-160 m langen und 80-95 m breiten Friedhofs beträgt etwa 1.3 ha und erhebt sich von 229 auf 236/238 m. Die Anzahl der Grabsteine dürfte etwa 750 betragen. Auf der Rückseite des Geländes befindet sich das große Backstein Tahara-Haus, zu welchem der Zugang über die heutige Straße „An der Thüringenhalle“ erfolgt. Dahinter befindet sich eine Kleingartenanlage in deren Osten die abgelegenen, nach den mittelalterlichen und neuzeitlichen Erfurter Rabbinern Jakob Weil und Adolph Jaraczewsky benannte Straßen verlaufen.

Der neue, östliche Teil des Friedhofs wird von der gegenwärtigen jüdischen Landesgemeinde in Thüringen (Erfurt, Jena, Nordhausen) genutzt, der noch erhaltene westliche Teil enthält die älteren Grabstätten und die Tahara. An deren Front befinden sich zwei große Gedenktafeln mit Judenstern und Wehrmachtshelm zu Erinnerung an 31 Erfurter Juden die in den Jahren 1914 – 1918 „für das Vaterland starben“. Namentlich genannt sind folgende gefallene jüdische Wehrmachtssoldaten:

1: Max Bernstein, Julius Baumgardt, Max Bluth, Arthur Cohn, Paul Cohn, Fritz Elkan, Willy Falkenthin, Herbert Frank, Max Friedmann, Max Werner Grünebaum, Louis Grünthal, Siegfried Jacob, Ludwig Krimke, Kurt Loeb, Fritz Leschziner, Willi Moses;

2: Walter Meyer, Benjamin Meyer, Fritz Müller, Alfred Müller, David Pick, Willy Rothfels, Fritz Rudnicki, Fritz Sabor, Siegfried Schuster, Ludwig Schwarz, Paul Seligmann, Siegfried Ulanperl, Leopold Wachtel, Alfred Weinstein, Moritz Wolff;

Im Gedenkbuch des Reichsbunds jüdischer Frontsoldaten (siehe http://denkmalprojekt.org/) sind zu einer Reihe der genannten Männer weitere Daten vorhanden. So stammte etwa Siegfried Ulanperl aus Leipzig, wo er am 23.07.1897 geboren wurde. Er hatte demnach den Rang eines Gefreiten, gehörte der Maschinengewehrkompanie  „3. M. G. K. R. I. R. 71“ an und starb am 8. November 1918 in Gefangenschaft, nur drei Tage bevor der Waffenstillstand unterzeichnet wurde und der Krieg endete. Arthur Cohn wurde am 11. Mai 1880 in München geboren und starb am 1. November 1916. Gebürtige Erfurter waren u.a. Max Werner Grünenbaum (1898-1918), Fritz Leschziner (1897-1918) oder Fritz Rudnicki (1895-1915), während Fritz Elkan (1895-1916) beispielsweise aus Chemnitz stammte. Wie aus den Angaben zu ersehen ist, starb die Mehrzahl der jüdischen Soldaten in einem recht jungen Alter und mehrheitlich als einfache Gefreite. Den höchsten Rang hatte Leutnant Fritz Müller, der am 24. Dezember 1891 geboren wurde und am 29. August 1918 starb.

Beide Gedenktafeln sind am Rand jeweils mit einem hebräischen Text umschrieben, jedoch sind die unteren Teile davon verblasst und verschmutzt und fast kaum noch lesbar. Vielleicht ist das anstehende Hundertjährige zum Ersten Weltkrieg eine gute Gelegenheit, um dies auszubessern. Auf der ersten Tafel ist der aufsteigende Text nicht sinnvoll zu entziffern. Im dann folgenden besser lesbaren oberen Teil folgt ein Zitat aus Psalm 16.10: כי לא תעזב נפשי לשאול לא תתן חסידך לראות שחת – „… denn Du wirst meine Seele nicht dem Inferno preisgeben und deinem Chassid nicht Verderbnis sehen lassen“. Danach ist der Beginn des darauf folgenden Psalm-Verses 11 zu lesen. Da die Schrift jedoch wieder sehr undeutlich wird, kann nur vermutet werden, dass der Vers vollständig zitiert ist: תודיעני ארח חיים שבע שמחות את פניך נעמות בימינך נצח –  „Du zeigst mir den Pfad des Lebens (orech chaim) voller Freuden in deiner Gegenwart freudig auf ewig“.

 

Die etwas besser erhaltene Inschrift der zweiten Tafel ließ sich vollständig aufklären. Mit etwas Mühe zu erkennen ist das Zitat aus דברי הימים ב  (2. Chronik 15.7)ואתם חזקו ואל ירפו ידיכם כי יש שכר לפעלתכם׃ –  „Ihr, seid stark und schwächt nicht Eure Hände, denn es gibt Lohn für Euer Werk“, darauf folgt nahtlos aber viel besser erhalten ein weiteres Zitat, aus Psalm 23.4:  גם כי־אלך בגיא צלמות לא־אירא רע כי־אתה עמדי שבטך ומשענתך המה ינחמני – „auch wenn ich durchs dunkelste Tal gehe, fürchte ich keine Gefahr, denn Du stehst mir bei, Dein Stab und Dein Beistand trösten mich“. Der weitere absteigende, wieder weniger gut lesbare Text ist ein Zitat aus Jeschajahu 25.8:בלע המות לנצח ומחה אדני ה דמעה מעל כל־פנים וחרפת עמו יסיר מעל כל־הארץ  – „Er schluckt den Tod auf ewig HaSchem der Herr wird die Träne aus allen Gesichtern wischen und die Schändung seines Volkes beseitigen im ganzen Land“.

In der Nähe der Tahara befindet sich eine weitere Gedenktafel die an die wesentlich zahlreicheren ermordeten jüdischen Zivilisten aus Erfurt erinnern: „In stillem Gedenken an unsere ermordeten Brüder und Schwestern“. An den Ecken steht hebräisch „לא אמות“ (ich werde nicht sterben) und „כי אחיה“ (da ich leben werde), was sich aber womöglich bereits auf den dummer Weise in Mengen wuchernden Efeu bezieht. Über dem David-Stern des letzteren Spruch sind einige offenbar gewalttätige Beschädigungen zu sehen.

Auf dem Friedhof befanden sich auch jene Überreste des Friedhofs an der Cyriakstraße, die auf dem dortigen, eingerichteten Restgelände wieder aufgestellt wurden.

Auffällig am älteren Teil des Friedhofs sind eine Anzahl ungewöhnlich gestalteter Grabmale mit teils futuristischer, kubistischer Ausgestaltung, wie beispielsweise das 1925 durch den Erfurter Bildhauer Hans Walther (1888-1961) geschaffene Grabmal für das Ehepaar Max Windsheim (1868-1925) und Adele Windsheim, geb. Dessauer (1878-1938), das vom selben Künstler im Vorjahr (1924) geschaffene Ehrenmal für Julius Jaraczewsky (1870-1924), dem Sohn des früheren Erfurter Rabbiners und dessen Frau Jenny Jaraczewsky, geb. Cerf (1881-1924), die nur sechs Monate nach ihrem Mann starb. Bemerkenswert in dieser Hinsicht ist auch das aus drei Dreiecken zusammengesetzte Denkmal für Frieda Silberstein (1878-1931) , dessen Steinmetz unbekannt ist, ebenso wie das gleichfalls eigentümlich Grabmal des Ehepaars Gabriel Baumgardt (1856-1927) und Regina Baumgardt, geb. Harzfelder (1864-1933. Schließlich wäre da noch das eigenartig achteckige Grabmal von Benno Ullmann (1881-1929) und seiner Frau Bella (1877-1929).

The (meanwhile not so) new Jewish cemetery of Erfurt at Werner-Seelenbinder-Str. partly in 1942 was overbuilt by the Thüringer-Hall next to it. Today there are some 750 grave markers left and there also are memorial plates for 31 German Jewish from Erfurt soldiers of the First World War and for the victims of the Nazis.


Der mittelalterliche Judenkirchhof in Erfurt

June 5, 2012

at former Judenkirchhof

Der lokalen Überlieferung gemäß verfügte die jüdische Gemeinde Erfurts beim ehemaligen Moritztor über einen eigenen Friedhof, der zeittypisch Judenkirchhof genannt wurde. Einem alten Plan zufolge befand sich innerhalb des ummauerten Geländes eine „Judenkirch“ (von Jaraczewsky 1868 als „Synagoge“ gedeutet), wobei es sich aber eher um eine Abkürzung für das übliche „Judenkirchhof“ gehandelt haben dürfte, während das Gebäude wahrscheinlicher eine Tahara war. Wann der Friedhof begründet wurde, ist unbekannt, jedoch ist das frühe 13. Jahrhundert zu vermuten. Das Areal des Friedhofs umfasste etwa 1.5 ha, welche für wenigstens 5000 Gräber ausreichen konnte.

Genutzt wurde der Friedhof bis zur Ausschaffung der Erfurter Juden im Jahre 1458. Wenn wir eine zweieinhalb Jahrhundert andauernde Nutzung annehmen, ergäbe dies einen jährlichen Schnitt von etwa zwanzig Begräbnissen, wobei am Erfurter Judenkirchhof auch Tote aus einer Reihe von benachbarten Orten bestattet wurden. Fraglich ist, ob der Friedhof zum Zeitpunkt, als die Gemeinde vertrieben wurde, noch über viele freie Grabflächen verfügt hatte. Heute befindet sich auf dem Gelände, das entlang Große Ackerhofgasse und Glockengasse verlief und seitlich von der Andreasstraße und der Moritzstraße begrenzt wird, der gegenwärtig zu einem Parkhaus (!) konvertierte spätmittelalterliche Kornspeicher und eine Reihe von Wohnanlagen. Zeitungsberichten gemäß wurden dort bei den Bauarbeiten, im Februar dieses Jahres weitere Grabsteine entdeckt, u.a. ein Fragment, welches Dulca, der Tochter des Rabbi Ascher gewidmet ist, die der Inschrift gemäß im Jahr 19 im sechsten Jahrtausend starb, was im christlichen Kalender dem Jahr 1259/60 entspricht. Mit anderen Funden befindet sich der Stein nun im Depot des Anger-Museums.

Der Stein ist Dulca der Tochter von R. Ascher und datiert ohne genaues Datum auf das Jahr 19 zum sechsten Jahrtausend, was demnach dem Jahr 1259 entspricht. Damit gilt der Stein als ältester erhaltener in Erfurt.

 

Drei weitere Grabsteine werden im Eingangshof des Museums „Alte Synagoge“ an einer Betonwand ausgestellt, darunter ein Fragment, welches einem Mädchen namens Juta gewidmet ist

ציון

הלו הוקם

לראש מרת

יוטא הבחורה בת

Dieses Denkmal wurde errichtet zum Haupt von Frau Juta dem Fräulein, Tochter des …“ Leider erfahren wir nicht, wessen Tochter sie war, auch ist das Datum nicht erhalten, jedoch ist ihr Gedenkstein mit einem Rad geschmückt, das als Erfurter Stadtwappen gedeutet wird, welches erstmals um 1286 bezeugt ist.

Links davon ist ein größerer Stein der das Begräbnis eines Sohnes oder einer Tochter von Rabbi Josef notiert (in der Mitte des Steins leider beschädigt) und dieses auf den 15. Nisan des Jahres 94 datiert, was dem ersten Tag des Pessach entspricht und nach christlichem Kalender Dienstag, 22. März 1334.

Abschriften von hebräischen Grabsteinen wurden von den beiden Erfurter Rabbinern Jaraczewsky und Kroner übermittelt. Einer wurde, wie Jaraczewsky in seiner Geschichte der Juden von Erfurt berichtet im September 1863 im Flussbett der wilden Gera “unter dem Kartäusergerinne” aufgefunden. Der Stein (No. 36 bei Kroner) soll im Erfurter Anger-Museum ausgestellt sein, war dort aber nicht aufzufinden. Mehrere befragte Angestellte des Museums waren nicht dazu in der Lage, irgendeine Auskunft zu geben oder Ansprechpartner für Rückfragen zu nennen. Von hebräischen Grabsteinen oder einem Lapidarium in ihrem Haus hatten sie angeblich „noch nie was gehört“.

Die denkwürdige Inschrift lautet:

במצבה הזה

הקורא יחזה שהוא

בעט ברזל נחצב ולציון

הוקם ונצב לראש ר

אלעזר ב’ר קלונימוס

הלוי שנאסף בשנת

ארבעים ותשע לפרט

בירח מרחשון ינוח של

על משכבו אמן סלה

An diesem Grabstein sieht der Leser mit eiserner Feder gehauen und zum Gedenken errichtet und aufgestellt zum Haupt von Rabbi Elieser ben Rabbi Kalonimos ha-Levi, der aufgenommen wurde im Jahr 49 der Zählung im Monat Marcheschwan. Er ruhe in Frieden in seinem Grab. Amen sela

Die Datierung entspricht im christlichen Kalender dem Oktober 1288. Etwas befremdend ist die Einleitung der Inschrift, die „den Leser“ an für sich überflüssig darauf hinweist, dass sie mit einem Eisenstift in den Stein gehauen wurde. Das dürfte jedem bekannt gewesen sein und bei anderen Steinen nicht anders. Aber womöglich gab es einen sachlichen, womöglich beruflichen Grund für die Erwähnung. Jaraczewsky identifiziert  den Adressaten der Denkinschrift jedenfalls als den „Masoretiker“ und „Punktator“ קלונימוס נקדן בן רב אליעזר, dessen Manuskript nach dem Urteil Sachverständiger als „Unicum“ gelte und in der hiesigen Erfurter Ministerial-Bibliothek aufbewahrt werde. Zeitgenössischer Experten deuten die Bezeichnung ר für Rabbi(ner) nicht mehr als solche, sondern als Äquivalent zum deutschen „Herr“, was nun weder richtig noch völlig falsch, aber im Prinzip müßig zu diskutieren wäre. Anders als in der Neuzeit handelte es sich um keine Berufs-, sondern um eine Ehrenbezeichnung, in der Regel vergleichsweise verdient. Bemerkenswert ist zweifellos die Erwähnung des Namens Kalonymos, der nicht zwangsläufig auf die prominente Gelehrten-Familie verweisen muss. Grabstein 48 der Sammlung von Theodor Kroner erwähnt das Fragment einer namentlich nicht überlieferten בת ר קלונימוס הלוי wobei es sich wohl um die Schwester des oben genannten Eleasar handeln könnte.

An anderer Stelle erwähnt Jaraczewsky noch einen weiteren Kalonimos-Stein, der bereits 1794 von J.J. Bellermann  in dessen De Inscriptionibus hebraicis Erfordiae repertis zitiert wurde:

פה נקבר איש

חכם ונבר כא

מחסוד דבר הישיש

משה בר קלונימוס

שכבה נרו והלך לעולמו

ביום ו יד שבט על האבן

נחרט שעסק בגמילות

חסידים וטרח באמונה

והובא לקבורה בשנת

קנ’א לפרט לאלף

הששי תנצבה

 א א א ססס

 

Hier begraben ist der weise, ehrenwert und fromm genannte, der Greis Mosche Sohn des Kalonimos, dessen Licht erlosch und der zu seiner Welt ging, am Tag 6, dem 14. Schwat. Der Stein notiert, dass sein Handeln stets fromm und aufrichtig war. Er wurde ins Grab gebracht im Jahr 151nach der Zählung fürs sechste Jahrtausend …“

Die imposante immerhin 12-zeilige Inschrift ist auf das Jahr 151 datiert, was christlich dem Jahr 1391 entspricht.

Erfurt – “Vor dem Moritztor”

 

Weitere Inschriften:

האבן הזאת הקומה מצבה לראש הבתולה שרה ב’ר יוסף שנאספה בשנה שלישים לאל’ שש מנוחתה בגן עדן

Dieser Stein wurde als Grabmal aufgestellt zum Haupt der Jungfrau Sara, Tochter von Rabbi Josef, die gesammelt wurde im Jahr 30 des sechsten Jahrtausends und die im Garten Eden ruht.“  ( entspricht dem Jahr 1270)

 

באחד ועשרים

יום לירח אייר

נקבר ר יהודא

ב’ר יוסף שנת

שמונים ושמונה

לפרט תנצבה

Am 11. Tag des Monats Ijar wurde begraben Rabbi Jehuda Sohn des Rabbi Josef, im Jahr 88 der Zählung …“ ( = 1328)

* * *

Wie Rabbiner Kroner in seinem Artikel den Chronisten Johann Weinrich zitiert fanden sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts auf dem Feld des Erfurter Judenkirchhofs noch einige „Leichensteine“ mit hebräischen „Epitaphia“ gefunden. Die meisten der Steine seien aber verbaut worden und so verwundert es nicht, dass immer wieder bei Abbruch- oder Bauarbeiten einzelne Steine oder Fragmente gefunden wurden.  Kroner schaffte es immerhin, die ihm bekannten Inschriften von Grabsteinen und Fragmenten, immerhin 88 an der Zahl zu ordnen und ein Register der hebräischen Abschriften zu erstellen, das gewiss Grundlage sein könnte für eine um neuere Funde ergänzte Fortschreibung sein könnte.

No. 5 in seiner Sammlung ist ein Grabsteinfragment, das auf das Jahr 1251 zurückgeht.

… … …

שרגי בר בנימין

הכהן אשר נפטר

שנת אחת עשר

לאלף ששי בירח

אסף עם צדיקים…

Gewidmet wurde die Inschrift Schragi, dem Sohn von Benjamin des Kohen (Deutung des mit בנ beginnenden Namens), der verstarb im Jahr 11 des sechsten Jahrtausends (= 1251) und der versammelt wurde mit den Gerechten.

Die Nummern 72-75 der „Erfurter Grabsteininschriften“ aus der Sammlung von Rabbiner Kroner: der Junge Mosche Sohn des Jitzchak, gestorben am 10. Sivan 5142, der Junge Schlomo Sohn des Jitzchak, gestorben am 30. Tamus 5142 und der Junge Elischa Sohn des Jitzchak der am Abend des Jom Kipur 5142 starb. Ob alle drei Söhne ein und desselben Jitzchak und damit Brüder waren, ist zumindest möglich. Daneben abgebildet ist die bereits bei Jaraczewsky und hier weiter oben beschriebene Inschrift des Grabsteins von Mosche bar Kalonimos.

 

Quellen:

Jaraczewsky, Adolph: Geschichte der Juden in Erfurt, Erfurt 1868

Kroner, Theodor: Die Geschichte der Juden in Erfurt, Festschrift zur Einweihung der neuen Synagoge in Erfurt am 4. September 1884, Erfurt 1885

http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/freimann/content/zoom/633294

Kroner, Theodor: Die Erfurter Grabinschriften. In: Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums 33; 1884, S. 349-363

 

* * *

The medieval Jewish Cemetery of Erfurt (so called “Judenkirchhof“, lit. Jews Churchyard) was destroyed by the Christians after the expulsion from the Jews in 1458 and was overbuilt with several structure. However in 1713 there still were some tomb stones with Hebrew inscriptions there, as reports say. Most of the tomb stones however where mis-used as building material within the city. Time and again some grave markers or fragments come to light when there are construction works. In February this year the grave marker of Dulca from 1259, the oldest still exsting grave marker was discovered. 19th century rabbis like Adolph Jaraczewsky and Theodor Kroner fortunately collected some 90 medieval Hebrew grave marker inscriptions known at their time unfortunately the one of R. Jakob Weil who until 1438 was rabbi in Augsburg before he came to Erfurtis not among them. Many of them were placed at the Jewish cemetery at Cyriakstr. but most of them were destroyed during the Nazi rule. Today some of the findings were exhibited in municipal museums, but most are disappeared or hidden. The written collection of Theodor Kroner however was a good starting point for an updated and complemented version of medieval grave markers from Erfurt, freely accessible to the public.


Zur Geschichte der Juden in Nürnberg

February 18, 2011

Nach sichtbaren Anzeichen des Judentums in Deutschland zu suchen, ist generell nicht ganz einfach, da seine lange, über 1500 Jahre Geschichte in gängiger Weise entweder auf 12 passive Nazi-Opfer-Jahre beschränkt, oder gelegentlich mit älteren Hinweisen auf frühere Verfolgungen, „Pogrome“ die im Mittelalter schon „typisch“ gewesen sein sollen, dekoriert wird. Von der Nordsee bis zu den Alpen kann man dies in allen Regionen und zahllosen Städten und Dörfern im Rahmen standardisierter Grund(er)Kenntnisse mit wenigen lokalen Schattierungen nachvollziehen.

In Nürnberg, das oft und gerne als „deutscheste aller deutschen Städte“ beworben wurde, ist das freilich nicht anders, wenngleich die spezielle Geschichte der Stadt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wie auch in der Bewältigung dieser Vergangenheit ganz eigene Varianten (und mehr) zu bieten hat.

Die mittelalterliche Geschichte der Juden ist, wie an vielen anderen süddeutschen Orten von den Daten 1298 (das Nürnberger Memorbuch nennt 628 Opfer) und 1349 bestimmt, der das spezifische Datum der „endgültigen“ Ausweisung im März 1499 folgt, ehe um 1840 eine neue Gemeinde besteht, zunächst mit einer Gebetsstädte, dann mit raschen Wachstum mit eigenem Friedhof (während zunächst der im benachbarten Fürth benutzt wurde) an der Bärenschanzstr.  Schließlich wurde 1874 am Hans-Sachs-Platz eine moderne Synagoge eingeweiht und als diese sich der „Reform“ verschrieb, um 1902 eine weitere orthodoxe des Adas Israel – Vereins in der Essenweinstr.  Kurz darauf wurde in der Schnieglinger Str. ein zweiter neuzeitlicher Friedhof eingeweiht, der auch heute noch belegt wird und auf dem sich auch Überreste mittelalterliche Grabsteine befinden.  Das verwundert nicht weiter, da sich in Nürnberg eine stattliche Gemeinde entwickelt hatte, die zu Beginn der 1920er Jahre fast 10.000 Mitglieder hatte. Fast unnötig zu erwähnen, dass beide Synagogen 1938 zerstört wurden, gäbe es nicht die Besonderheit, dass die Hauptsynagoge bereits im August 1938 auf Betreiben des fränkischen NS-Provinzfürsten Julius Streicher demoliert wurde.

Es ist sodann auch unnötig zu erklären, dass Nürnberg als Stadt der nationalsozialistischen Reichsparteitage mit dafür geschaffenen und geplanten Monumentalbauten, zahlreichen Aufmärschen aber auch nach der vernichtenden Niederlage Deutschlands als Schauplatz der Nürnberger Prozesse und Nachfolgeprozesse (wenig schmeichelhaften) Weltruhm erlangt hat. Beeindruckende Gedenkstätten wie das Dokumentationszentrum am Dutzendteich oder das neugeschaffene Museum zur Erinnerung an die Nuremberg Trials schaffen (sicher etwas spät) eine Erinnerung an viele vergessene, oft verdrängte Zusammenhänge – wenngleich diese zwar viel über den Umgang mit Juden, aber im Kern nichts über das Judentum aussagen.

Wie die Vorkriegssynagogen sind auch die beiden mittelalterlichen Synagogen im Bereich von Obstmarkt, Hauptmarkt, Frauenkirche oder Wunderburggasse verschwunden oder möglicherweise von Kirchen überbaut, woran ein im Altarraum am Boden eingelassener David-Stern erinnern soll.

(Ausstellungs-Tafel in der Frauenkirche die den dort im Altarraum am Boden eingelassenen David-Stern zeigt, der an die am Platz der Kirch vermutete frühere Synagoge erinnern will. Dazu heißt es etwas merkwürdig: „Am Anfang ist das Pogrom – am 5. Dezember 1349 wird das Judenviertel (heute Hauptmarkt) zerstört. 562 Juden werden ermordet.“ – In the beginning is the pogrom …)

Am älteren der beiden erhaltenen jüdischen Friedhöfe im Stadtteil Gostenhof, der sich in derselben Straße wie der Justizpalast und seiner Gefängnisse befindet, finden gerade archäologische Ausgrabungen statt, die eine benachbarte Kaserne rekonstruieren soll, wahrscheinlich, weil wie gegenüberliegend Neubauten wie das Seniorenzentrum errichten werden sollen. Im 30jährigen Krieg war die Bärenschanze als Artilleriebastion entstanden und in der Folgezeit zur Kaserne ausgebaut worden. Im 19. Jahrhundert war hier auch der Standort der Reiterei des 1. Chevaulegers-Regiments (in Augsburg war das 4. stationiert).

Der Friedhof erstreckt sich etwa in 200 m Länge zwischen der Bärenschanzstr. und der Reutersbrunnerstr., ist dabei etwa 33 m breit und umfasst zweimal 5 Grabreihen mit insgesamt wohl etwa 1700 Gräbern (von außen und mittels Google Earth von oben geschätzt). Die Grabmonumente sind typisch für die Zeit des mittleren und ausgehenden 19. Jahrhunderts und sind hoffentlich gut dokumentiert worden.

Children grave markers at the old Jewish cemetery of Nuremberg, in front the Hebrew memorial stones of two Nuremberg boys: the one of Yitzchak ben Naftali who died on Yom Kipur in 1870s (last digit is unclear) and the one of Yehuda ben Meir who died on 23rd of Shwat in 5636 (i.e. 18th of February 1876).

Nuremberg, as it is said, is regarded by some as the „most German among German cities“, and famous for its historical City,  the Burg, Albrecht Duerer , … as well as for the Nazi history, the “Reichsparteitag” area and the following “Nurenberg Trials” …. But Nuremberg also has a long and rich Jewish history dating back at least to the early 12th century.  Two supposed medieval synagogues in the old city near the Hauptmarkt (main market) were known. Surprisingly Nuremberg shares at least four famous rabbis with Augsburg, among them Raw Koppelman and Rabbi Yakov Weil. Just 350 m from the Justizpalast, where some of the Nazi leaders were prosecuted, actually is the older of the two still preserved Jewish cemeteries along the former military area Baerenschanze (mil. sconce or redoubt) which traces back to the 30 years war.


Jakob von Linz, Arzt der Kaiser

December 28, 2010

Jakow von Linz wurde als Jakow bar Jechiel (ca. 1435-1511) im mittelalterlichen Augsburg geboren. Als Kind wanderte mit seinen Eltern nach der Ausweisung im Jahre 1439 aus der Reichsstadt wie viele andere zunächst in aufnahmefähige Herkunftsorte Augsburger Juden, etwa nach Ulm oder Lauingen. In den frühen 1450ern finden wir Jakow in Ulm als Schüler von Rabbi Meir (ca. 1410-1478), dem Sohn Rabbi Jakob Weil (1380-1456), bis 1438 der letzte Rabbiner in Augsburg. Rabbi Meir war Vorsitzender des Gerichts in Ulm und amtierte zugleich auch als Rabbiner von Burgau, dem Sitz der österreichischen Marktgrafschaft. Jakow schloss sich Jakob Weil (1435-1515) an, dem gleichfalls noch in Augsburg geborenen Sohn Rabbi Meirs und Enkel Jakob Weils, als dieser um 1455 nach Donauwörth berufen wurden, zunächst als Vorsänger, schließlich als Rabbiner und zuletzt als Vorsitzender des Gerichts. Dem Vernehmen nach war auch Jakow eine Weile als Kantor in Donauwörth und mit Rivke (Edel) der Enkelin Rabbi Jakob Weils und Schwester seines Freundes verheiratet, ehe er (mit ihr) nach Prag und Wien ging, wo er sich seine medizinische Ausbildung erwarb. Schließlich finden wir ihn um 1460 als Leibarzt am Hofe des Habsburgers Friedrich III. (1415-1493), seit 1424 Herzog von Kärnten, ab 1440 römischer König und seit 1452 schließlich auch Kaiser des Reiches (פרידריך השלישי, קיסר האימפריה הרומית).

 Jakow bar Jechiel verfasste auch medizinische Schriften (dazu später mehr) und lehrte am Hofe Friedrichs in Linz unter anderem auch Johannes Reuchlin (1455-1522) aus Pforzheim, einem der bedeutendsten christlichen und humanistischen Gelehrten des Mittelalters, der als bedeutendster humanistischer Philosoph, Hebraist und christlicher Verteidiger des Talmuds in die Geschichte einging. Es wird allgemein angenommen, dass Reuchlin seinem Lehrer Rabbi Jakow in seinem Werk „De arte cabbalistica“ literarisch würdigte.

Den Angaben von Heinrich Graetz (1866) gemäß wurde Jakow von Kaiser Friedrich für seine überragenden Dienste sogar auch zum Ritter ernannt, was für einen Juden im Mitteleuropa des 15. Jahrhunderts völlig beispiellos sein dürfte und blieb bis zum Tod des Kaiser im Jahre 1493 dessen Leibarzt.

Nach Friedrichs Tod wechselte Jakow in die Dienste dessen Sohnes und Nachfolgers Maximilian I. (1459-1519), dem er gleichfalls als persönlicher Leibarzt diente und begleitete. Maximilian war in der Wiener Neustadt geboren und bereits seit 1486 deutscher König, 1493 als Nachfolger seines Vaters Friedrich III. Herzog von Österreich und 1508 schließlich auch Kaiser. Kaiser Maximilian, der auch als enger Vertrauter der Fugger gilt, hielt sich in 17 nachgewiesenen Aufenthalten über mehr als zweieinhalb Jahre in Augsburg auf, wo er sich 1504 ein Haus der Patrizierfamilie Meuting in der heutigen Heilig-Kreuz-Gasse als Wohnhaus erwarb. Bereits 1473 hatte er seinen Vater Friedrich erstmals nach Augsburg begleitet. Man baute eigens für ihn, ein heute zumindest namentlich noch als „Alter Einlass“ erinnertes Tor in die Stadtmauer, die in diesem Teil rund 200 Jahre zuvor von den Augsburger Juden selbst errichtet wurde, und nannte ihn mal liebevoll mal scherzhaft „Bürger-„ oder gar „Bürgermeister von Augsburg“.  

(Meuting-Haus in Augsburg, von 1504 bis 1519 im Besitz von Kaiser Maximilian I)

Auch die Augsburger Steuerlisten verzeichneten jüdische Ärzte in der Stadt. Der erste ist Sanwel von Friedberg, zu dem angemerkt ist „ir arzet und ir fleischheckel“. Man kann hoffen, dass der Nebenjob des Fleischhackers ansonsten keinen Aufschluss über seine Tätigkeit als Arzt gab, jedoch ist der aus dem (wohl benachbarten) Friedberg stammende Samuel immerhin in der Zeit von 1355 bis 1377 als Steuerzahler registriert, was auf eine gewisse Beständigkeit und Verlässlichkeit schließen lässt.  Im Jahre 1377 erwähnen die Unterlagen einen namentlich nicht genannten Sohn des Klein Pendit ebenfalls mit dem Zusatz „ir arzat“. Klein Pendit (clain pendit) selbst ist neben seinem Bruder Sueskind von 1367 bis 1380 (bzw. 1277) verzeichnet. Von 1380 bis 1384 wird Mair (Meir) als Arzt genannt, bei dem es sich wohl um den vorgenannten, zuerst namentlich nicht genannten Sohn des Klein Pendit handelt.

Jakows Beiname Loans, hebräisch als לואנש überliefert, basiert übrigens sehr wahrscheinlich auf der Linzer Mundart, d.h. dem gängigen oberösterreichischen Dialekt, wie mir ein „hoibada Loanser“ (ein halber Linzer) glaubhaft versicherte und meint demnach nach heutigem Gebrauch לינץ, bzw. ganz üblich Jakow (von) Linz, die Landeshauptstadt von Oberösterreich mit knapp 200.000 Einwohnern nach Wien und Graz drittgrößte Stadt Österreichs und zusammen mit Vilnius (ווילנע) 2009 Kulturhauptstadt Europas. Weniger wahrscheinlich wäre ein Bezug zum Tiroler Dorf Lans bei Innsbruck, um 1200 erstmals urkundlich als „Lannes“ erwähnt, jedoch ohne bekannte Bezüge zu einer jüdischen Geschichte, die ein entsprechendes Toponym begründen könnte.  

In Linz sind Juden seit dem 13. Jahrhundert im Bereich des heutigen Altstadtviertel mit der Synagoge in der heutigen Hahnengasse nachweisbar. Die Linzer Juden wurden jedoch 1421 im Zuge der „Wiener Gesera“ meist ermordet. Einige wurden zwangsgetauft, nur wenige konnten fliehen. In der Folgezeit hielten sich Juden in Linz nur zeitweilig auf und bildeten kleine, instabile Gemeinden für einige Jahre oder Jahrzehnte. Erst um 1850 etablierte sich eine neue dauerhafte Gemeinde, die bald 1000 Mitglieder hatte. Ein Linzer Schulfoto aus dem Jahr 1901 zeigt den jüdischen Philosophen Ludwig Wittgenstein und Adolf Hitler als Mitschüler. Schon 1939 freilich waren nur noch 30 Juden in Linz. 1968 wurde die neue, heute noch bestehende Synagoge in der Bethlehemstr. eingeweiht. 

Yakov of Linz(ca. 1435-1511)was born in Augsburg and married in Donauwoerth Rivka (or: Edel), the granddaughter of Rabbi Jakob Weil, the last medieval rabbi of Augsburg until 1438. She was the daughter of Rabbi Meir, the teacher of Yakov and the sister of Jakob Weil II., who was head of the Bet Din in Donauwoerth. Yakov bar Yekhiel was chazzan (cantor) and composed some piyutim, pieces of synagogal poems. He moved to Vienna and to Prague, where he was properly trained as doctor of medicine. About 1460 Yakov appears as personal physician of Frederic III, King of Germany and since 1452 Roman Emperor at his court in Linz (Austria). After Frederic’s death in 1493 he was the personal doctor of his son Emperor Maximilian I. who, as is well known, in very good terms with the Augsburg Fugger and who acquainted in 1501 a house in Augsburg. The house still exists today at the backside of Augsburg’s City Theater. However Yacov of Linz is best known as Jakob Loans and as Hebrew teacher of Johannes Reuchlin, a Christian scholar who became famous as fierce defender of the Talmud and as humanist and hebraist. According to common tradition Yacov bar Yekhiel died in 1506 in Linz, but other more substantial sources however maintains that he died at the 10th day of Omer in 5271 what is the 25th of the month Nissan in the Hebrew Calendar in Burgau (what corresponds to Wednesday 23rd of April in 1511) and also was buried there. His grave marker, which as the whole Jewish cemetery of Burgau does no longer exist, mentions him as רופא לקיסרים – rofe lekesarim – doctor for the emperors. According to that in 2011 we may commemorate the 500th anniversary of the death of the remarkable Augsburg born chazzan, poet, rabbi and physician, who after the expulsion of the Jews from Augsburg returned several times to his hometown with the entourage of two Roman Emperors in a time when Augsburg reportedly was “free of Jews”.  Among his offspring, as is widely assumed is Jossel of Rosheim (1478-1554), who represented and defended as leader and speaker of the Jews in the Reich their interests at the Imperial Diet. Other descendents we find later as inhabitants of the Jewry in Pfersee, near Augsburg.  

(note the swastika like ornaments)


Die Geschichte der Juden in Dinkelsbühl

August 26, 2010

Dinkelsbühl Stadtwappen

Nikolaus Prunslein, bekannt als Nikolaus von Dinkelsbühl (1360 – 1433) war ein katholischer Gelehrter und Prediger und Schüler des Heinrich von Langenstein, dem er nach Wien folgte und dessen Predigten gegen die Juden offensichtlich enormen Eindruck auf ihn machten. Langenstein hatte zunächst angeregt, dass Christen mit Juden nur noch dann Kontakt pflegen sollten, so diese als deren Diener arbeiteten. Andere Beziehungen in denen Christen nicht sichtbar Herren seien, wären hingegen als schädlich abzulehnen. In der Realität kam freilich aber auch das genaue Gegenteil davon vor und Christen waren als Bedienstete von Juden angestellt. Zwar hatte Papst Alexander III im Frühjahr 1179 auf dem dritten Laterankonzil verbieten lassen, dass Juden christliche Knechte haben durften, aber wie das oft zitierte vermeintliche „Zinsverbot“ machte auch dieses Verbot offenbar auf niemanden wirklich Eindruck. Noch hundert Jahre später führte das Stadtbuch der Reichsstadt Augsburg im Jahr 1276 eben dieses Recht selbstverständlich auf und noch um einiges später gestatten weitere Beschlüsse der städtischen Räte den christlichen Knechten der Augsburger Juden straffrei in jüdischen Bädern baden zu dürfen. Dass der Beschluss des Konzils allenfalls halbherzig und oft gar nicht beachtet wurde, war vielen Predigern natürlich ein „Dorn im Auge“ und Anlass weiterer Polemiken.

“Dinkelsbuehl” auf einem Grabstein am Friedhof in Schopfloch

Nikolaus, von seinen Glaubensgenossen damals als „Licht der Schwaben“ verehrt, war zeitweilig Gesandter im Vatikan und Rektor der Universität in Wien. Als Erzieher, Berater und schließlich auch Beichtvater von Albrecht von Habsburg, der im Alter von sieben Jahren bereits Herzog von Österreich wurde, übte er auf den späteren Kaiser Albrecht II. erheblichen Einfluss aus. Dies wirkte sich insbesondere im Verlauf der sog. Wiener Gesira (גזירת וינה ) aus, als auf Befehl des Herzogs die alte jüdische Gemeinde Wiens zerstört wurde. Häuser und sämtlicher Besitz der anderen Juden wurden konfisziert und unter Folter und Misshandlung fand sich zudem noch manches, das „versteckt“ geblieben war.  Auf selbe Weise raubte man den Eltern nun auch alle Kinder unter 15 Jahre, um sie unter Zwang zu taufen. Dies führte zu Protesten bei Papst Martin V. zu dessen Wahlkollegium 1417 auch Nikolaus von Dinkelsbühl gehört hatte. Der Papst verbot daraufhin in seiner Bulle Licet Iudaeorum omnium die weitere Praktik und bedrohte die taufenden Priester mit der Exkommunikation, ohne jedoch die bisherigen Taufen aufzuheben. Dieser sollten sich nun auch die Erwachsenen unterziehen, sicher um als „gute Christen“ andernorts von ihrer Behandlung im Herzogtum nur Gutes zu berichten. Die Appelle an die Juden sich taufen zu lassen, blieben aber meist unerhört, und so zogen alle jene die nicht rechtzeitig fliehen konnten, den Tod dem Christentum vor.

Im Frühjahr des Jahres 1421 wurden auf der „Gänseweide“ etwa 200 jüdische Kinder, Frauen und Männer verbrannt. Auf der zerstörten Synagoge erbauten die Christen ein Gebäude ihrer theologischen Fakultät (die vorherigen Bauten wurden nur mit Mitteln jüdischer Geldgeber errichtet). Die monströse Tat und die damit verbundenen weiteren Hasspredigten der christlichen Geistlichen wirkten weit über Wien hinaus und vergifteten auch die Lage für die Juden in Süddeutschland und in Folge dessen auch in Augsburg, wo im Laufe der folgenden Jahre sämtliche Eigenrechte der alteingesessenen jüdischen Gemeinde annulliert wurden, ehe die Juden 1434 verpflichtet wurden, übergroße gelbe Ringe an ihren Gewändern zu tragen. 1438 wurde der zum Judenhasser erzogene Herzog nun Kaiser und die Augsburger Juden erhielten nur wenige Monate später einen Beschluss des Stadtrates bis 1440 ihre Jahrhunderte alte Heimat zu verlassen. Kaiser Albrecht, der nie gekrönt wurde, starb bereits 1439 an einer bakteriellen Entzündung (Dysenterie), beim Versuch die Türken in Ungarn zu bekämpfen.

Das Ende der mittelalterlichen Judengemeinde ist deshalb in gewisser Weise mit Nikolaus von Dinkelsbühl verbunden.  Seine Heimatstadt würdigt ihn heute mit einer Gedenktafel am Marktplatz.

Im Gegensatz dazu gibt es keine Hinweise in der früheren Reichsstadt darüber, wo die bereits wenigstens ab 1250 bezeugten Juden im damals „dinkepole“ (1236) bezeichneten Ort lebten. Die innere Altstadt entstand etwa hundert Jahre vorher. Von den heute etwa 12.000 Einwohnern der Stadt wohnt nur etwa ein Viertel im Bereich der Altstadt, deren jetzige Ummauerung auf das späte 14. Jahrhundert zurückgeht. Wie zahlreiche andere Orte ist auch Dinkelsbühl als ein Schauplatz genannt, an welchem die jüdische Bevölkerung im Jahre 1298 der berüchtigten Rintfleisch – Verfolgung zum Opfer fiel, freilich auch hier ohne nähere Angaben. Danach müsste es aber wieder Juden in Dinkelsbühl gegeben haben, da 1325 in Augsburg ein Salman von dort erwähnt ist. Während der „Pestjahre“ 1348 / 1349 wurde die neue jüdische Gemeinde dann bereits wieder zerstört, aber auch hier fehlen Details.  Da es stehende Begriffe (!) sind, hält auch kaum jemand eine Prüfung für unerlässlich. 1372 soll es dann wieder Juden am Ort gegeben haben (1389 findet sich ein Koppelin als Gastgeber einer Verhandlung zu der Rabbi Mendel aus Rothenburg anreiste, was darauf hin deutet, dass es damals ggf. auch ein Bet Din in Dinkelsbühl gab) , ehe sich um 1400 die Nachweise für eine feste jüdische Besiedelung verlieren. Wo die Dinkelsbühler Juden in wenigstens 150 Jahren zuvor wohnten und beteten ist dem Vernehmen nach nicht bekannt. Die ursprüngliche Altstadt dürfte sich aber etwa im Bereich der erst 1499 fertiggestellten St. Georgs – Kirche (Vorgängerbauten werden in die Zeit um 1230 datiert) befunden haben. Man vermutet, dass Nikolaus um 1385 hier lehrte, bevor er nach Wien ging. Es wäre vorstellbar, dass sich die Synagoge und die Mikwe in Gewässernähe etwa im Bereich der Spitalgasse befunden haben. Falls es einen jüdischen Friedhof gegeben haben sollte, was möglich ist, käme das Gebiet um das „Kirchhöflein“ in Betracht. Aber das ist zugegeben eine bloße Spekulation, die jedoch die Fragestellung an sich nicht erübrigt.

Zur Zeit des 30jährigen Krieges fanden 1636 zugleich sechs jüdische Familien gegen viel Geld Aufnahme in der Wörnitzstadt, während sie zwischenzeitlich nur als Händler (von wo kommend?) Zugang hatten. Daraus hatte sich wohl eine neue Gemeinde entwickelt, da eine Synagoge und eine Mikwe erwähnt werden. Die „Freizügigkeit“ wurde nach dem Ende des Krieges aber bereits wieder beschnitten und so bleiben bis 1712 (Familie Frommele) nur wenige Juden am Ort.

fun at woernitz river

Erst ab 1861 konnte wie der eine neue jüdische Gemeinde in Dinkelbühl entstehen, die als Ableger der Gemeinde in Schopfloch verstanden wurde und dem Rabbinat Ansbach unterstand. Die erst 1929 selbstständig gewordene Gemeinde hatte sodann auch nur eine kurze Existenz.  Zudem lebten kaum mehr als 50 bis 60 Juden in Dinkelsbühl in den Jahrzehnten bis zum Beginn der Nazi-Tyrannei, als die Kleinstadt ohne Eingemeindungen auch nur rund 5000 Einwohner hatte. Einen eigenen Synagogenbau rechtfertigte dies offenbar nicht, da es sich dem Vernehmen nach jedoch um eine eher traditionell ausgerichtete Landgemeinde handelte, genügte ein Betraum im Wohnhaus des Gemeindevorsitzenden Adolf Hamburger in der Klostergasse 5, die in früheren Zeiten noch Brüdergasse hieß. Dort verdichten sich heute die sichtbar gemachten Erinnerungen an die Juden in Dinkelsbühl. Zum einem gibt es am Eingang des Wohnhauses ein offenbar handbemaltes Hinweisschild, das dort freilich erst im Jahre 2007 auf Initiative von Angelika Brosig aus Schopfloch angebracht wurde.

Vor dem Haus befinden sich seit 2009 nun auch vier der sogenannten „Stolpersteine“, von denen es seit den 1990er Jahren über 20.000 in ganz Europa gibt. Es handelt sich dabei um keine Steine im Wortsinne, sondern um beschriftete Messingplatten auf kleinen Betonwürfeln (Pflaster), die in den Boden eingelassen, nicht herausragen und somit auch keine physische Möglichkeit des Stolperns bieten, von einer etwaigen Rutschgefahr bei Nässe vielleicht mal abgesehen. Die Konzeption geht auf den deutschen Künstler Gunter Demnig zurück, der zuvor bereits „Duftmarken“ und „Blutspuren“ von Kassel nach Paris oder London thematisierte, ehe er mittels der „Stolpersteine“ in ganz Europa den sechs Millionen ermordeter Juden möglichst an ihren Wohnorten gedenken wollte.  2005 wurde er für dieses Projekt in Berlin mit dem „German Jewish History Award“ der Obermayer Foundation ausgezeichnet.  Für viele Angehörige, so ist in der Laudatio zu lesen, sei dies der einzige Ort, um ihren Vorfahren zu gedenken, aber auch Schulen und Hausgemeinschaften beteiligen sich an den zahlreichen regionalen Einzelprojekten in vielen, meist deutschen Städten. Die Herstellung der einzelnen „Steine“ für die man als Pate 95 Euro bezahlen soll, übernimmt der Künstler selbst. Kritiker bemängeln, dass die „Stolpersteine“ geradezu selbstredend dazu herausforderten auf den Namen der ermordeten Juden “herumzutreten”. Die Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland Charlotte Knobloch, selbst Tochter einer Konvertitin (und noch bis November im Amt) bezeichnete dies als „unerträglich“, während viele Städte es seitdem etwas leichter haben, sich mit ihrer Ablehnung hinter Knobloch zu verstecken, wenngleich ihre Haltung nicht repräsentativ für den Zentralrat ist.

Abgesehen davon, dass es für jeden Menschen einen Erinnerungsort gibt, der sowohl fest als auch beweglich ist – das Gehirn nämlich – so verfügt unsere Tradition neben Friedhöfen über eine Reihe von Einrichtungen wie die Jahrzeit (Yorzeit, Yahrzeit) am Todestag (יאָרצײַט – אזכרה) mit dem ehrenvollen gemeinsamen Kaddisch eines Minjan für den Verstorbenen, seit geraumer Zeit auch gerne opernhaft vorgetragene El Male Rachamim – Gesänge und dergleichen mehr. Es ist natürlich auch gar nicht verkehrt, die Namen der Menschen in Erinnerung zu behalten, jedoch was nutzen Stolpersteine über die man dann noch nicht mal wirklich stolpern kann?  Wie wäre es im Sinne des Warhol‘schen Bedürfnis, möglichst jedem Menschen ein Denkmal zu setzen und ihn zum Star zu machen, wenn man der betreffenden Person, bzw. seine auf Namen und Daten reduzierte, vielleicht noch mit dem Deportationsort garnierten “Identität”, zumindest auf Augenhöhe begegnen könnte. Das würde einen anderen Blick ermöglichen, denn wer Angst hat zu stolpern, verkrampft oder hält sich fest.

Die Dinkelsbühler Stolpersteine nun sind Moritz, Adolf, Martha und Klaire Hamburger gewidmet. Dass Adolf Hamburger nicht nur Opfer der Nazis sondern Vorsitzender der Gemeinde war, ist nicht erwähnt, da es offenbar genügt, sich daran zu erinnern, dass er nach Gurs deportiert und im Lager ermordet wurde.

There is an old history of Jews in the former Imperial City of Dinkelsbuehl in the Franconian district of Ansbach (Bavaria). Time and again Jews at least from 1250 settled a few years or decades until they were expelled or murdered. The last time so far it occured in 1938 and ever since that time there is no new Jewish community in Dinkelsbuehl, hometown of Nikolaus of Dinkelsbuehl the Christian preacher, father confessor and tutor of Emperor Albrecht Habsburg whose anti-Jewish sermons encouraged to wipe out the medieval Vienna Community in 1421 and paved the way to the expulsion of the Jews from Augsburg in 1438 / 1440.

Since 2009 there are “stumbling blocks”, small paving stones covered with a brass (or German: “messing” …) plate with name and data of murdered Jews in the Nazi time, while there is no memory of the much longer medieval history of the Jews.