Augsburger Kahlschlag geht weiter

May 6, 2013

..Elias Holl Platz Augsburg Plakat Bäume Kahlschlagzerrupfter “Protest” am Baum- äh Bau-Zaun

„Hallo Graugsburg,

Ist dir schon aufgefallen, dass man dir deine grüne Lunge herausschneidet ? Nein? Höchste Zeit, dann!            Am Bahnhof und am Klinkerberg, am Königsplatz und an vielen anderen Stellen kappt man dir die Luftzufuhr …

… jetzt sollen die 9 Schattenspender hier am Platz der Kurzsichtigkeit & Ignoranz weichen – mir schmerzt schon die Brust, dir auch?

Liebe Grüße dein Immunsystem“  

Elias Holl Platz Augsburg

Dieser übergroße Notizzettel hing zumindest gestern Früh beim Elias Holl Platz am Drahtzaun, schon recht stark eingerissen. Aber es klappte so eben, die Fetzen für ein Foto wieder lesbar anzuordnen.

Im Kontrast zur „Größe“ des Plakats ist die Wortwahl des Schreibers recht dürftig und in einer Weise verklausulierend, wie man es sonst nur von denen hört, die politisch für den Kahlschlag der Bäume verantwortlich sind. Eigenartig auch, dass allenfalls der etwaige “Nutzen” der Bäume angesprochen wird: Der “Schattenspender”. Als ob der hoch umstellte Platz nicht schattig genug wäre. Einen Selbstwert hat der Baum also nicht und mit Vögeln hat man es ja auch nicht so..

Grüne Lunge, blaues Hirn? Mal wieder Metaphern statt Klartext? Jofi, dazu passt natürlich, dass man bei “Parkplatz” nicht an Bäume oder Wiesen denkt, sondern an Autos, allenfalls noch an Busse, da im eigentlichen Sinne des Wortes geistiges Parkverbot herrscht.

Wer in der Innenstadt wohnt oder sich zumindest öfter hier aufhält,  dem ist es natürlich in den letzten Jahren (..!) aufgefallen,  dass der Kahlschlag verbreitet wird. Von (jeweiligen) Anwohnern abgesehen stört das aber kaum jemanden, dient der Innenstadt-“Bereich” vorallem zum Bereichern, d.h. den Bürgen & Besuchern zum Erleben von “Kultur” (in etwa: bei Kuchen und Latte scradicatio im Freien durch die Sonnenbrille Fassaden anschauen) und Stiften von “Identität” (in etwa: Souvenirs oder  in sog. Fachgeschäften überteuerte Ladenhüter kaufen). Kurz gefasst heißt das, der Weg vom Auto zum Straßencafe (oder Kaufhaus) muss im Wortsinn „überschaubar“ sein, weil sonst auch die sog. “Erlebnis-Gastronomie” den “Stress”-Eindruck kaum noch korrigieren kann.

Augsburg Rathaus - Also gehts in der WeltAlso gehts in der Welt, … und in Augschburg

 

Aufgefallen ist vielen natürlich, dass die Bestimmungen der Baumschutzverordnung, die seitens der Stadt Augsburg durchaus auch dann thematisiert werden, wenn wild wuchernde Bäume jahrhundertealte Grabdenkmäler auf jüdischen Friedhöfen zerstören, nicht mehr gelten, wenn es darum geht, zusätzliche „Parkplätze“ zu schaffen, auch dann wenn es – besonders sinnig – direkt gegenüber eines bereits existierenden „Parkhauses“ (Schaezlerstraße) gesunde Bäume betrifft, die eigentlich nicht abgeschlagen werden dürften. Das stört auch die Augsburger Vertreter der Grünen Partei nicht, weil ja irgendwo anders kleine Setzlinge eingepflanzt werden, die ja auch schon in etwa vierunddreißig Jahren die selbe Größe erreichen können, vielleicht auch erst in 37, vorausgesetzt, man braucht nicht dann nicht bereits schon eine “Mobilitäts-Spirale“, sprich einen weiteren Königsplatz-Umbau …

… der (vor)letzte (Umbau) war ja von 1975 bis 1977, auch damals schon wurden sehr viele Bäume abgeholzt, übrigens auch bereits im Interesse des Umweltschutzes, da die Busse und Straßenbahnen ja den Autoverkehr deutlich reduziert haben wollen, sollen und es als Ersatz pflanzte man weitere Parkhäuser … Auch damals hat es mit der “Planung” nicht so langfristig geklappt und es wurde mehr Verkehr in die Stadt gebracht, als je zuvor und genauso wird es auch jetzt sein. Und deshalb könnte man in vierzig Jahren auch über die heutigen Planer spotten, wenn sie dann nicht wie die früheren längst vergessen sein sollten (alles im Konjunktiv), zurecht womöglich.

 

Parkplatz-Suche in Augsburg

desorientiertes schwäbisches Kleintier auf Parkplatz-Suche in der Augsburger Innenstadt

Da man gerade schon mal dabei ist, können inzwischen offenbar überall mehr oder minder nach Belieben abgeholzt werden (Beispiel „Bärenkeller“)  – insofern Versicherungskonzernen oder Banken keine Einwände erheben (und wann tun sie das?), auch da wo sie mit dem Baumaßnahmen am Königsplatz nicht erkennbar was zu tun haben, etwa vor dem Gebäude der Hypo-Vereins-Bank (Ludwigstraße zwischen Grottenau und Karlstraße, der ehemaligen Judengasse):

Augsburg Ludwigstraße Hypo Vereins Bank BäumeEbenfalls ent-baumter “Park”-Platz vor der Hypo-Vereins-Bank

Man beachte das blaue Schild mit weißem “P” beim Eingang der Bank: Wen nun störten diese Bäume, drei Meter abseits der autostrada amata ..? Die Radfahrer, die zwischen den beiden (gewesenen) Bäumen nicht mehr ein noch aus wussten? Die Telekom-Kunden, die bei der chicen Telefon-Säule einen zu schlechten Empfang hatten? Oder die Kunden der Bank, die gerne direkt vor dem Eingang parken wollen, damit man nicht das andere “Parkhaus” “hinten am Ernst Reuter Platz benutzen müssen ..? Wer außer den Stadtplaner profitiert von den Baumstümpfen?

Soll man die Baumstümpfe nun vielleicht gar mit Wasser begießen, weil Augsburg als Stadt des Wassers beworben wird?

* * *

The City of Chops… um … Augsburg continues to chop up trees in the inner city or downtown area. Of course there are numerous excuses – have been for years – which sum up to a simple behavior pattern: tree protection regulations are applied this way or that way, as freely as required. And the result is: the number of trees is getting reduced as the number of commercial offers, such as (temporary) street cafes will increase. Parking without trees.

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City Augsburg: Kampf gegen Bäume

March 21, 2013

Gut zwei Jahre nach dem Auftakt der ersten Schnitte gegen alte hochgewachsene Bäume in der Augsburger City sind auch ihre Reste wortwörtlich mit stumpf und Stil ausgerottet worden. Man muss sich das so vorstellen, dass jede einzelne Phase des Projekts “Weg mit den Bäumen aus der Innenstadt” (Zurechtstutzen der Äste, Zerschneiden der Bäume, Zersägen der Stümpfe, Ausheben der Böden zur Entwurzelung) eine Anzahl von wenigstens einem halben Dutzend Facharbeitern involviert, die mit reichlich technischen Equipment, das aus mehreren Fahrzeugen und diversen lauten Werkzeugen besteht und dass sich ihre Tätigkeit, wegen diverser Pausen (Fachgespräche? Verkehrsprobleme mit Anwohnern, etc.) so etwa den ganzen Tag hinzieht, von früh bis spät.

Am Beispiel Schaezlerstraße, Ecke Holbeinstraße kann der radikale Kahlschlag auf der Westseite bildlich nachvollzogen werden:

Schaezlerstr Augsburg 2011 und 2013Man beachte, dass im ersten Bild von 2011 noch der rote Fahrradweg (die Älteren unter uns werden sich noch erinnern, wofür dieser angelegt wurde) vorhanden ist.

In dieser Gegend (entlang der Schaezlerstraße bis zum heutigen Bahnhof) befanden sich früher die großen und weit über die Region hinaus berühmten Sommergärten reicher Augsburger Patrizier, als großstädtisches Leben in und mit der Natur noch zum guten Ton der Stadtoberen gehörte – die bekanntlich ja trotzdem zu ihren Profiten kamen. (siehe u.a. das Buch von Gabriele Trauchburg – Häuser und Gärten Augsburger Patrizier, Deutscher Kunstverlag 2001). Heute erinnert daran das noch erhaltene barocke Gartenhaus der Schaezler, (wovon sich übrigens auch der Name Schaezlerstr ableitet) oder sagen wir besser: erinnern könnte, da auch der Rest des Hofes heute nur ein zubetonierter Platz ist, der zwar Parkplatz heißt, aber keiner ist. Hier herrscht sozusagen “Parkverbot” …):

Schaezler Gartenhaus Schaezlerstr Augsburg

Ehemaliges Gartenhaus der Schaezlerfamilie, von der Südseite. Daneben ist das betonerne Parkhaus, dass nun auch wieder nicht so heißt weil dort Bäume oder Parks untergebracht wären, sondern weil es diese komplett ersetzt. Man sieht schon, dass mit dem Begriff des “Parks” und des “Parkens” bereits die Gehirnwäsche ansetzte und Bäume konseqent ersetzt wurden. Das nennt sich Stadtkultur.

Ist Gehirnwäsche etwas, was bei uns nicht funktionieren, was Ihnen nicht passieren kann?

Denken Sie beim Wort “Parkplatz” an Bäume oder Autos ..?

Die nachstehenden Bilder zeigen den Hergang der Zerstörung anhand eines Baumes in Etappen:

Nun wo die Bäume endlich beseitigt sind, fällt pünktlich zum kalendarischen Frühlingsanfang mal wieder Schnee . Die “afa – Augsburger Frühjahrs Ausstellung – Verbrauchermesse für Lifestyle, Bauen und Wohnen” (http://www.afa-messe.de/home.html) hat trotzdem schon am 16. März geöffnet.

Lust auf Frühling?” wird da gefragt, angesicht des 137. Wintereinbruchs in diesem Jahr (5773) ist das keine originelle Frage. In der Augsburger Schaezlerstraße erübrigt sie sich mangels Bäumen und Vögeln sowieso. Autos blühen eben nicht und singen auch keine Lieder.

Aber vielleicht tut sich diesbezüglich ja etwas in der benachbarten Patri… äh Fuggerstraße …


Auf dem Weg zur Synagoge in Augsburg

August 26, 2012

Zwar heißt es im Talmud, dass man immer in der Nähe einer Synagoge wohnen soll, so dass man diese bequem und shcnell zu Fuß erreichen kann, doch da die Augsburger Innenstadt auch in diesem Sommer von Baustellen beherrscht wird, ist auch das bei sich täglich ändernden Verkehrsverhältnissen auch für Fußgänger aus der direkten Nachbarschaft nicht unbedingt einfach zu erreichen. Zuletzt waren es Baumaßnahmen im Zusmamenhang mit den eigentlich erst ab Ende des Monats startenden zusätzlichen Baumaßnahmen am Bahnhof, wo in der Halderstr ein Tunnel entstehen soll (nun doch einer, jedoch für Straßenbahnen, nicht für Autos). Umso schwieriger ist es für auswärtige Gäste, denen weder Stadtpläne (frisch erworben vom Touristenbüro), Navagationsgeräte noch achselzuckende Passanten oder Bauarbeiter mit Lärmschutzkopfhörern helfen können. Kein Wunder, dass auch das jüdische Museum derzeit kaum Besucher hat…

Although the Talmud recommends to live close to the synagogue it is currently everything but easy to get into the building because also this summer the city center of Augsburg suffers from many raod construction works which every day create a new situation for neighbours as well as visitors and tourists. The later are rather helpless because neither acquired maps from the tourist information office, nor any navigator or passerby may give them any useful instructions, while the construction workers use heavy noise protection head phones or neuither understand English … or German. Also the Jewish Museum which is placed in west wing of the Synagogue building therefore has hardly any visitors.

To avoid construction sites however allows to  find less good known backyard perspectives of the synagogue.