Vor 150 Jahren: Eröffnung der Israelitischen Synode im Goldenen Saal des Augsburger Rathaus

July 11, 2021

(Yehuda Shenef)

Inzwischen längst vergessen und dennoch auf anderer Ebene wieder von anwachsender Aktualität: Auf den Tag genau vor 150 Jahren, am 11. Juli 1871 wurde im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses die Synode jüdischer Rabbiner und Gelehrter mit einem Festakt eröffnet. Ganz auf der Höhe der Zeit gab es sogar einen Austausch gegenseitiger telegraphischer Grußbotschaft mit dem auf Schloss Berg (am Starnberger See) weilenden „Märchenkönig“ Ludwig II. von Bayern.

Die Synode war nach Leipzig 1869 die zweite ihrer Art und die erste seit der Reichseinigung zum 1. Januar 1871. Die Tagung versammelte führende Rabbiner der sogenannten Reformbewegung zu einer einwöchigen Versammlung mit weitreichenden Beschlüssen, die zu erheblichen innerjüdischen Zerwürfnissen führte – bis hin zum Bruch.

Die Missbilligung aus den Reihen der damals noch überwiegenden Reihen des traditionellen Judentums wurde (schon im Vorfeld) sehr scharf und unmissverständlich formuliert. Doch selbst die schärfsten Kritiker fanden es durchaus bemerkenswert, dass der Magistrat der Stadt der Synode den ersten Saal der Stadt, den weithin gerühmten Goldenen Saal des altehrwürdigen Augsburger Rathauses für die Dauer einer Woche zur Verfügung stellte.

Die Synode wurde auch von der 1861 gegründeten Israelitischen Kultusgemeinde, prominent vertreten durch den Vorsitzenden Salomon Rosenbusch und den Rabbiner Jakob Hirschfeld (nebst weiteren Mitgliedern des Vorstands wie Max Obermayer) willkommen geheißen. Die Gemeinde sprach auch eine Einladung an die Teilnehmer zu einem Essen im Restaurant des Hotels „Zu den Drei Mohren“ aus, in unmittelbarer Nähe zur Synagoge, die sich seit wenigen Jahren in der benachbarten Wintergasse befand.

Königin Esther vor Ahaschverosch (Goldener Saal, Augsburger Rathaus)

Die öffentlichen Sitzungen im Goldenen Saal konnten auch von Interessierten, die sich in der Wintergasse Karten besorgten, besucht werden. Unter den Zuschauern befanden sich, Presseberichten zufolge auch viele christliche Geistliche. Aber auch sehr viele Journalisten aus dem gesamten Reich, dem europäischen Ausland, sogar ein Schreiber des „Herald“ aus New York wurde gesichtet.

Im Laufe der Synode schwand das öffentliche Interesse zunehmend, während die innerjüdischen Kontroversen an Schärfe zunahmen. Das lag vor allen an den während der Tagung eingebrachten und mehrheitlich angenommenen Anträgen, welche auch eine Reihe der regulären Teilnehmer der Konferenz gegen selbige aufbrachten. Beschlossen wurde beispielsweise, dass Kohanim, also Nachkommen jüdischer Priester nunmehr auch Proselytinnen heiraten durften – was von Kritikern verglichen wurde mit katholischen Priestern die heiraten dürften. Eher banal war die Einführung von zwei Eheringen für Bräutigam und Braut, wo es zuvor nur einen Ring für die Braut gab. Als skandalös wurde freilich das Votum empfunden, künftig am Trauer- und Fastentag des 9. Aw heiraten zu dürfen. Am diesem schwarzen Schicksalstag des Judentums gedenken Juden in einem 25-stündigem Fasten (ohne Essen, Trinken, etc.) mit Trauergebeten und Klageliedern der Zerstörung der biblischen Tempel und weiterer nationaler Katastrophen. An diesem Tag nun absichtlich Hochzeiten zu feiern, wäre so als würden Christen dies am ausdrücklich am Karfreitag tun. Bis heute definitiv tabu. Das Präsidium der Synode jedoch sprach im Namen eines reichen Berliner für den Ende des Monats sogar für alle Teilnehmer der Synode eine Einladung zu einer Hochzeit aus. Dies fügte der Verletzung des traditionellen Gefühls auch noch den Argwohn hinzu, dass die Teilnehmer wegen einer persönlichen Vorteilsnahme zugestimmt haben könnten.

Die Stimmung kippte

Während der Sitzungswoche war die Führung der Augsburger Israelitischen Kultusgemeinde durch Proteste der eigenen Gemeindemitglieder gezwungen worden, ihre Haltung gegenüber der Synode zu revidieren. Der Rabbiner der Gemeinde, der aber weiterhin an der Synode teilnehmen wollte, wurde fristlos entlassen. Auch den weiteren Teilnehmern wurde der Besuch der Synagoge in der Wintergasse verweigert.

Zum Abschluss der Augsburger Synode wurde in wesentlichen Publikationen des deutschen Judentums eine von 133 Rabbinern unterschriebene Erklärung veröffentlicht, die dazu aufforderte alle verbliebenen Teilnehmer zu bannen, zu kündigen, Anstellungen zu verweigern, usw.

Beigefügt waren die Namen aller zu bannenden Personen wie auch der 133 Rabbiner, welchen den Bann namentlich unterstützten. Gebannt wurde auch Jakob Hirschfeld, der zeitlebens keine Anstellung mehr als Rabbiner mehr fand und in Wien mit seiner Frau ein Dasein als Musiklehrer fristete. Den Aufruf unterschrieben auch alle seine bisherigen schwäbischen Kollegen:

Rabbi Simon Bamberger, Distriktrabbiner in Fischach

Rabbi Dr. Lazarus Löb, Ichenhausen (ab 1873 in Altona)

Rabbi Chaim Schwarz, Hürben (Krumbach)

Rabbi Jonas Sänger, Buttenwiesen

Rabbi David Weiskopf, Wallerstein

… schließlich auch Rabbi Isaak Skutsch, Distriktrabbiner in Treuchtlingen, der aus Kriegshaber und aus einer dortigen Rabbiner-Dynastie stammte.

Sie alle unterstützten einhellig die Verurteilung der „Skandal-Synode“ und die Bannung ihrer Teilnehmer.

So viel damals in der Tages- und Wochenpresse über die „Augsburger Synode“ geschrieben und gestritten wurde, sobald wurde ihre Bedeutung relativiert und nach nur einer Generation vergessen. Heute ist das Datum wie auch der Streit fast vergessen. Das liegt natürlich auch daran, dass hierzulande Geschichte und Gegenwart des Judentums fast vollständig vom „Holocaust“, von der Schoah überschattet werden – auch im 1700er-Jubeljahr … – aber auch daran, dass sich der Konflikt zwischen Traditionalisten und Reformern verlagert hat. Zum einem in die USA, der heutigen Hochburg der „liberalen“ Juden, zum anderen nach Israel, wo Tradition und „Orthodoxie“ den Ton angeben. Eine Polarität die sich immer mehr auch politisch artikuliert und erhebliches Gefahrenpotential für das weltweite Judentum beinhaltet.

Der Israelitischen Synode des Jahres 1871 im Goldenen Saal zu Augsburg gewidmet ist ein eigenes viele Details und Portraits wesentlicher Protagonisten versammelndes spannendes Buch des Schreibers, dass noch im August dieses Jahres erscheinen wird.


Einweihung des neuen jüdischen Friedhofs in Augsburg Hochzoll

July 31, 2019

Heute Vormittag bei strömenden Regen (“ein Segen”): Feierliche Einweihung des neuen jüdischen Friedhofs am Neuen Ost Friedhof in Augsburg Hochzoll-Nord. Mit zahlreichen Mitgliedern der jüdischen Gemeinde, mit dem Präsident der jüdischen Gemeinde Alexander Mazo, den Rabbinern Shaul Nekrich, Elias Dray und Dan Blaufeld, Vertretern der Presse, usw. Auch unser JHVA war mit zwei Mitgliedern dabei.

חנוכת של בית קברות באוגסבורג האכצאל

 

Торжественное открытие нового еврейского кладбища в Аугсбурге – Хохцолл

Opening of the New Jewish Cemetery in Augsburg – Hochzoll

Schlusswort von Rabbi Blaufeld


Yehuda Shenef und Alexander Mazo, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Augsburg-Schwaben

סדר חנוכת בית העלמין


Augsburg gegen Antisemitismus

August 20, 2017

filmed by Yehuda Shenef, August 8, 2014 Synagoge Augsburg, Innenhof

Mayor Kurt Gribl, Rabbi Dr. Henry Brandt, Israeli consul general Dan Shaham, head of Jewish community Alexander Mazo


Video: 100 Jahr-Feier Synagoge Augsburg am 28. Juni 2017

July 27, 2017

Foto-Video der IKG Augsburg


Zum 20. Todestag von Senator Julius Spokojny

February 3, 2016

Senator Julius (Nachman Jehuda ben Jisrael) Spokojny (Miechów 12.09.1923 – Augsburg 30.01.1996) war nach 1950 die prägende Gestalt des Judentums in Augsburg und bis zu seinem Tod vor 20 Jahren jahrzehntelang Vorsitzender der jüdischen Gemeinde. Unter schwierigsten Uständen gab er unermütlich Anstoß bis zur 1985 erfolgten Restaurierung der Synagoge und begründete zugleich das jüdische Museum in der Halderstraße (übrigens als erstes in Deutschland).

Was in Augsburg nicht wahrgenommen wurde und offenbar auch keine Spuren hinterließ, war seine enge Verbundenheit mit dem chassidischen Judentum in Israel und in den USA, wie auch seine Stiftungen in Israel.
Begraben ist er am alten Givat Schaul Friedhof in Tel Aviv neben seinem bereits 1992 im Alter von nur 42 Jahren verstorbenen (1950 in Augsburg geborenen) Sohn der wie sein eigener Vater Israel hieß.

senator spokojny grave markergravemarker of Senator Julius Spokojny

סנטור נחמן יהודה ז’ל
ספוקויני
בן ישראל וטייבלה

מורה מנהיג דרך
מייצג עם ישראל בגאון
ישר ועושה חסד

נפטר ט’ בשבט תשנ’ו
ת נ צ ב ב

Die Grabinschrift würdigt ihn als Sohn von Israel und Taible (Täuble), als Lehrer und Führer, der mit Stolz verbunden mit Israel (was sich auf seinen Vater, seinen Sohn oder auf das Land Israel bezieht) aufrecht und mildtätig war.

Der Titel “Senator” bezieht sich übrigens auf den 1998 per Volksentscheid abgeschaften Senat des Freistaats Bayern, dem Spokojny als Vertrer der jüdischen Gemeinden angehörte.

Als Todesdatum ist der 9. Schwat 5756 genannt. Heute ist der 24. Schwat 5776. Seine Yorzayt hab ich damit um knapp zwei Wochen verpasst.

שלום נשמתו

In memory of Senator Julius Spokojny, who for decades was the head of the Jewish post war community in Augsburg and who 20 years ago passed away age 73 and is buried in Tel Aviv.


Beim Obermayer-Palais in Augsburg

February 25, 2015

 

 

Wo in Augsburg ist eigentlich das Obermayer-Palais?

Wen auch immer man danach fragt, kaum jemand, nicht einer von tausend wird es einen sagen können, da kein Gebäude unter diesem Namen bekannt ist.

Freilich kennt eigentlich jeder in Augsburg und Umgebung das Standesamt in der Maximilian-Straße, der einstigen “Prachtstraße”, nächtlichen “Party-Meile”, wo sog. Autokorsos (meist türkische) Hochzeitspaare oder (meist deutsche) Fußball-Länderspiel-Siege feiern, Betrunkene des nachts Randale machen oder engstirnige Döner-Verbote diskutiert werden.

Das Haus in welchem sich das das Standesamt befindet, gleich beim Herkules-Brunnen, neben “Norma”, gegenüber vom Schaezler-Palais, unweit vom Hotel “Drei Mohren”, dem Fugger-Palais, zwischen Moritz-Kirche und St. Ulrich und was man sonst noch an prominenten Namen aufzählen könnte, gehörte nämlich ab 1821 dem jüdischen Bankier Isidor Obermayer (maßgeblich am Bau der der ersten bayerischen Überlandbahn von Augsburg nach München beteiligt, für die er aus England sowohl die Schienen als auch die Lokomotive besorgte, und ohne beides wäre das wohl auch nichts rechtes geworden, …) und nach seinem Tod im Jahre 1862 seinem Carl (von) Obermayer (beide waren übrigens gebürtige Kriegshaberer), der in genau diesem Haus Konsul der Vereinigten Staaten von Amerika im Königreich Bayern war und zugleich auch erster Vorsitzender der neugegründeten Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) in Augsburg. Als er 1868 nach Wien ging, verkaufte er das Haus an Salomon Rosenbusch (aus Pfersee), der auch sein Nachfolger als Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Augsburg wurde.

Das stattliche mittelalterliche Palais blieb noch bis 1938 im Besitz der jüdischen Familien Rosenbusch-Heymann, ehe es “arisiert” wurde.

An die immerhin 117-jährige jüdische Geschichte des Hauses das auch als Amtssitz US-amerikanischer Konsule und Amtssitz von drei Vorsitzenden der frühneuzeitlichen jüdischen Gemeinden in Augsburg diente, erinnert heute nicht, obwohl der JHVA vor einigen Jahren, im Vorfeld zum 200. Geburtstag von Carl von Obermayer (1811-1889) versuchten, die Stadt Augsburg (heutiger Eigentümer) zu einer Gedenktafel zu bewegen. Das war Ende 2010 und nochmals 2011. Das Ergebnis kann man sehen.

Wen interessiert hierzulande schon jüdische Stadtgeschichte, die nicht direkt mit dem “Holocaust” zu tun hat?

Obermayer Palais Augsburg Standesamt Herkulesbrunnen

Obermayer – Rosenbusch – Palais mit Herkules-Brunnen in Augsburgs berühmter Maximilian -Str.

One of the most prominent buildings in Augsburg famous Maximilian Street (where is St. Ulrich, the renowned “3 Mohren” Hotel, the Fugger – Palais, the not less famous Hercules – fountain (by Adriaen de Vries) and many more also is the former Palais which from 1821 to 1868 was owned by Jewish banker family Obermayer and afterwards until 1938 when the house was “aryanized” by the Jewish families Rosenbusch and Heymann. 

Today nothing reminds of the long Jewish history of the very prominent building, which since it hosts the municipal registry office  is known to all people of Augsburg and surroundings. 
So despite of its history nobody calls the “Standesamt” Obermayer – Palais, while the Schaezler-Palais opposite of it still bears the name Schaezler.

 

 


Die Bilanz der jüdischen Gemeinde Augsburg 1933

July 4, 2013

Synagoge Augsburg synagogue

Die Bayerische Israelitische Gemeindezeitung vom 1. Juli 1933 (Heft 13) veröffentlichte unter der Rubrik „Aus der Gemeinde Augsburg“ die „Rechnungsablage für das Geschäftsjahr 1932 (1. Januar 1932 mit 31. März 1933)”:

Vermögen:    (in Reichsmark „RM“)

Kassa-Konto:  Barbestand

7.701,17

Hypotheken-Konto:  aufgewertet

1.500.–

Effekten-Konto:  bewertet

1.–

Hausbesitz-Konto: eingesetzt

74.162,11

Stadtsparkasse Augsburg: Guthaben Scheck-Konto

199,82

August Gerstle, Augsburg: Guthaben

141,80

Konto Friedhofserweiterung Kriegshaber

19.852,38

Pensions-Konto: Vortrag vom Versorgungsverband zu tragender

12.928,38

Versicherungs-Konto: Vorausbezahlte Prämien

124.45

Kultus-Kassa-Konto: Fehlbetrag der Jahre 1931, 1932

9.586,48

126.197,72

 

Verbindlichkeiten:

Versorgungs-Konto: Rückstellung für die Umlage 1932

8.884,90

Hypotheken-Konto Stadtsparkasse Augsburg: aufgewertete Hypothek

38.927,82

Darlehens-Konto: Stadtsparkasse Augsburg

50.000.–

Israelitisches Altersheim: Guthaben

9.488.–

Israelitische allgemeine Stiftung: Guthaben

1.970.–

Israelitischer Gräberfonds Augsburg: Guthaben

1.225.–

Bayerische Staatsbank Augsburg: Guthaben

15.702.–

126.197,72

Rechnungsabschluss:

Ausgaben:

Vortrag des Fehlbetrages von 1931

9.476,74

Gehalts- und Entschädigungskonto: ausbezahlt

53.522,45

Versorgungs-Konto: Kosten der Beamten-Versorgung

10.953,31

Chor-Konto: Kosten

1.256,90

Gottesdienst-Konto: Kosten

2.283,58

Gemeinde-Häuser-Konto: Haussteuer, Umlagen, städt. Gebühren, Anschaffungen, Instandsetzungen, usw.

8.524.96

Gottesacker-Konto: Kosten

594,91

Lesezimmer und Bibliothek-Konto: Kosten

466,59

Wohlfahrts-Konto: Zuweisung an die Wohlfahrtsstelle

7.500.–

Bildungs-Konto: Vorträge

19,20

Beheizungs-Konto: Kosten

1.243,25

Beleuchtungs-Konto: Kosten

482,16

Synagogen-Beleuchtungs-Konto: Konto

838,43

Pensions-Konto: Anteil an bezahlten Versorgungen

1.849,18

Ehrungs-Konto: Bedarf

481,90

Zinsen-Konto: bezahlte Schuldzinsen

8.015,25

Versicherungs-Konto: Versicherungskosten

1.529,40

Schächtgebühren-Konto: Berufsgenossenschaft usw.

318,60

Inserate- und Drucksacken-Konto: Kosten

923,60

Wohlfahrtsabgaben-Konto: Mehrleistung

29,66

Beiträge- und Spendenkonto: Subventionen usw.

715.–

Regie-Konto: Verwaltungskosten

1.901,73

112.926,80

Einnahmen:

Umlagen-Konto: Eingänge

73.039,49

Lohnsteuer-Umlagen-Konto: Eingänge

2.812,45

Kopfsteuer-Konto: Eingänge

340.–

Gehalt-Konto: Vergütungen

4.925,20

Schenodorgelder und Mizwohhs in Kriegshaber

210.–

Ausschüttung: auf Pfandbriefe

38,25

Inserat- und Druckkosten-Konto: Rabatte

100,20

Schächtgebühren-Konto: Eingänge

297,80

Gebühren-Konto: Eingänge

3.028.–

Konto vermieteter Plätze: Herren- und Frauenplätze

1.797,50

Gottesdienst-Konto: Zylinderkastenmiete

75.–

Gemeindehäuser-Konto: Mieten

8.327,73

Gottesacker-Konto: Fernsprechkosten und Pacht

124,75

Gebetbuch-Konto: verkaufte Bücher

27,10

Beiträge- und Spendenkonto: Zuschuss der Stiftungen

7.500.–

Zinsen-Konto: Hypothek, Effekten und Scheck-Konto

130.71

Beleuchtungs-Konto: Rabatt

9,76

Synagogen-Beleuchtungs-Konto: Gedächtnislichter und Rabbatt

322,18

Regie-Konto: Fernsprechgebühren

34,20

Bilanz-Konto: Fehlbetrag 1931, 1932

9.586,48

112.926,80

 

Für die Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde Augsburg

Der Kassierer: Max Schloss

* * *

Augsburger Synaoge Halderstrasse

 * * *

Manche der Posten liest man heute natürlich mit einem gewissen NEID, … etwa die Nachricht, dass die Beheizung der Augsburger Synagoge fürs ganze Jahr gerechnet nur etwa 1200 Mark kostete, oder jährliche Telefonkosten von 34 Mark (… mit halbierter Summe in Euro ..? *hüst* …). Die Synagoge für 75.000 zu kaufen wäre natürlich auch eine, ähm …  “Idee” … *pfeif* … Aber diese Rechnung geht wohl nicht auf.

Bemerkenswert sind die (fast schon wieder aktuellen) Haushaltsposten zu den Friedhöfen, aber auch die heute kaum vorstellbaren Schächtgebühren. Sehr aufschlussreich sind schließlich auch die doch sehr spezifischen Erträge aus der Reformgemeinde in Augsburg („Zylinderkastenmiete“: 75 RM) und der “orthodoxen” Tradition („Schenodorgelder und Mizwohs in Kriegshaber“: 210 RM).


Happy Chanuckah 5770

December 13, 2009

 (c) 2004 yehuda


Der Julius Spokojny Weg in Augsburg

March 22, 2007

Vor ziemlich genau einem Jahr wurde in Augsburg, nahe der “City Galerie” ein trotzdem etwas abseits gelegener Weg nach dem 1996 verstorbenen bayerischen Senator Julius Spokojny benannt, dessen Name wie kein anderer mit der jüdischen Nachkriegsgemeinde in Augsburg verbunden ist.

eine versteckte Seitengasse

eine versteckte Seitengasse

 

Der entsprechende Eintrag im “Amtsblatt der Stadt Augsburg” (No. 15 – 5. Mai 2006, S.75) lautet:

 

Mit Stadtratsbeschluss vom 23.03.2006 (Drucksache-Nr. 06/00063) erfolgte eine Straßenbenennung in der Nähe der City-Galerie im Gebiet des Bebauungsplans Nr. 458 A „Südlich der Zobelstraße“.

 

Die künftige Straßenbezeichnung lautet:

 

Julius-Spokojny-Weg

 

Straßenschlüssel:

09833

 

Flurkarte:

NW 11.21.1 und NW 11.22.5

 

Postleitzahl:

86153

 

Stadtbezirk:

10 (Am Schäfflerbach)

 

Planquadrat:

K, L 9

 

Begründung:

Vorschlag von Dr. Heinz Schnürch vom 24.11.2005

 

Julius Spokojny

* 12.09.1923 in Miechow (Polen)

+ 30.01.1996 in Augsburg

 

Julius Spokojny überlebte den Holocaust und wurde 1945 im KZ Buchenwald befreit. Spokojny kam 1950 nach Augsburg, wo er bis zu seinem Tod als Unternehmer tätig war. Er wirkte von 1950 bis 1955 und von 1965 bis 1996 als Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Augsburg-Schwaben. Spokojny war seit 1965 Direktoriumsmitglied des Zentralrats der Juden in Deutschland und ab 1974 Landesausschussvorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde in Bayern. Die Verständigung zwischen Juden und Christen gilt als sein Lebensziel und die 1985 abgeschlossene Restaurierung der Augsburger Synagoge als sein Lebenswerk. Spokojny gehörte seit 1982 dem bayerischen Senat an.