Rabbi Yom Tow Lippmann Heller

August 25, 2017

Rabbi Jom Tow Lippmann Heller : 

יום-טוב ליפמן הלר

:(Jahrzeit 6. Elul (Todestag):

(Judengasse in Wallerstein)

Rav Gerschon Schaul Yom Tov Lippmann Heller ben Natan haLevi wurde 1579 im bayerischen Wallerstein geboren. Früh verwaist wurde er von seinem Großvater aufgezogen und lernte als Junge zunächst in der Friedberger Jeschiwa von Rav Jakow Günzburg (gest. 1616) und dann beim Maharal von Prag (Rav Juda Löw, 1520-1609). Mit knapp achtzehn Jahren wurde er vom Maharal zum Rabbiner ordiniert und fungierte sodann als Dajan in Prag.

Zwischen 1614 und 1617 veröffentlichte Rav Heller seinen Kommentar zur Mischna Tosafot Jom Tow, der noch heute zu den wichtigsten Mischna-Kommentaren gehört. 1624 war er sechs Monate lang Rabbiner von Nikolsburg in Mähren und wurde im März 1625 Rabbiner in Wien, wo er den dortigen Juden erhebliche Rechte erstritt.

1627 bis 1629 amtierte er als Rabbiner von Prag. Dort folgte innerjüdischen Streitigkeiten über Steuererhebungen seine Inhaftnahme durch die habsburgischen Behörden und seine Inhaftierung in Wien. Er wurde antichristlicher Aussagen angeklagt und schließlich durch den Hofjuden Jakob Bassevi (1570-1634) unter der Bedingung freigekauft, die Habsburger Lande zu verlassen.

Den Rest seines Lebens verbracht Rav Heller in Polen: 1631 wurde er Rabbiner von Nemirov und 1634 in Ludmir, beides heute in der Ukraine gelegen. Er wurde eine einflussreiche Kraft im Va’ad Arba Aratzos und 1643 zum Aw Bet Din von Krakau gewählt. In seinen letzten Lebensjahren füllte er auch die Position des Oberrabbiners von Krakau aus. Er starb 1654 in Krakau und ist in der Sektion für arme, unbedeutende Leute auf dem jüdischen Friedhof beerdigt.

Grabstein in Krakau

 

Text: Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland @ http://www.ordonline.de

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Ber Ulmo – Tage des Gerichts

November 12, 2012

Aktuell: Buch-Lesung am Mittwoch 12. November 2012, 18 Uhr im ehemaligen Zollhaus Kriegshaber

Am Abend des 23. September 1803 wurden im heutigen Bayerisch-Schwaben, das damals teilweise noch zu Österreich gehörte, an über einem Dutzend Orten zeitgleich die jüdischen Gemeinden Gegenstand polizeilicher Razzien. In Pfersee, Kriegshaber, Steppach, Fischach, Binswangen, Buttenwiesen, Ichenhausen, Hürben, Fellheim, Altenstadt, Osterberg, Hainsfarth, Pappenheim und wahrscheinlich noch an anderen Orten kam es zum selben Szenario.

Während die Juden an jenem Freitag-Abend in ihren Synagogen waren und zwei Tage vor dem Versöhnungsfest Jom Kippur den Beginn des Schabbat feiern wollten, drangen überall grimmige mit Bajonetten bewaffnete Soldaten ein und hielten Männer, Frauen und Kinder stundenlang fest. Unter massiven Drohungen durfte niemand aufstehen oder reden. Einzelne jüdische Männer, in der Regel Vorstände ihrer Gemeinden oder zumindest angesehene Kaufleute, wurden verhaftet und entweder nach Günzburg oder Donauwörth gebracht. Die Anzahl der Verhafteten kann auf über 60 Personen geschätzt werden. Oft dauerte es aber Wochen oder gar Monate, ehe die Häftlinge in den Eisenhäusern erfuhren, weshalb sie überhaupt verhaftet und angeklagt wurden. Willkürlich und kafkaesk wie die Verhaftungen waren auch die Bedinungen der Haft und der Ermittlungen.

Vor dem Hintergrund europaweit operierender Geldfälscherbanden, die sich besonders darauf spezialisiert hatten sog. Wiener Bankozettel zu fälschen, wurden die Verhafteten beschuldigt, einen jüdischen Fälscherring zu betreiben und an ihren Wohnorten in Dachböden versteckte Druckereien zu betreiben. In Straßburg gab es in den darauffolgenden Jahren eine Serie von Prozessen gegen Geldfälscher, die meist von Frankreich oder dem damals noch nicht unabhängigen Belgien heraus operierten. Sie fälschten insbesondere Wiener Banknoten, aber auch andere Währungen, verteilten sie aber hauptsächlichen in deutschen Gebieten, vor allem an Handelsorten wie Frankfurt und Leipzig, aber auch in Süddeutschland. In der Mehrzahl der Banden arbeiteten Christen und Juden als Fälscher zusammen. Meist waren jedoch die Juden für den Umtausch oder Verkauf der Banknoten zuständig, während ihre christlichen Komplizen Druckplatten gravierten, Papier besorgten, usw. Manche der Fälscherbanden weigerten sich aber auch mit Juden zusammenzuarbeiten. Der Gedanke, im damals österreichischen Schwaben eine rein jüdische Fälscherbande als Drahtzieher der internationalen Geldfälschungen ausfindig zu machen, muss für die Ermittler ein sehr verführerischer Gedanke gewesen sein, weshalb sie den falschen Anschuldigungen eines gleichfalls schwäbischen Denunzianten nur zu bereitwillig Glauben schenkten. Dieser war selbst ein Jude, konvertierte später jedoch zum Katholizismus und wurde Diener eines Kardinals in Rom.

Grabmal des Ber Ulmo am jüdischen Friedhof Pfersee / Kriegshaber (Augsburg)

Einer der unschuldig Verhafteten war Ber Ulmo (1751-1837), auch bekannt als Bernhard Ullmann, der von 1781 bis zu seinem Tod insgesamt 56 Jahre lang Vorsitzender der jüdischen Gemeinde von Pfersee bei Augsburg war, die lang den Sitz des angesehenen und berühmten Rabbinats von Medinat Schwaben innehatte. Ber Ulmo begann noch in der Haft einen Bericht über die Verhaftung und Haftbedingungen zu verfassen und vollendete ihn wenige Wochen nach der Freilassung im Frühjahr oder Sommer des Jahres 1804.

Als im Jahre 1861 in Augsburg die Israelitische Kultusgemeinde formell durch den bayerischen König Maximilian II anerkannt wurde, übersetzte Ber Ulmos Sohn Jonas den Text seines Vaters in jüdisch-deutscher Sprache. 1928 fertigte Jonas Neffe Carl Jonas Ulmann von dieser jiddischen Fassung in New York eine englische Übersetzung und ließ sie als Privatdruck in einer kleinen Auflage von hundert Exemplaren drucken. Diese verschwanden im Laufe der Zeit. Nur einige wenige Exemplare befinden sich in Bibliotheken über den Globus verteilt. Ab und an taucht auch ein Exemplar im Onlineangebot eines Antiquariats auf.

Anhand einer Abschrift der hebräischen Handschrift ist es Yehuda Shenef gelungen, den hebräischen Text erstmals in deutsche Sprache zu übersetzen und dabei die Fehler der englischen Übersetzung zu vermeiden. Damit konnte ihm auch gelingen die wesentlichsten Protagonisten der Handlung zu ermitteln und den historischen Kontext der Handlung herauszuarbeiten. Neben den tatsächlich stattfindenden Fälscherprozessen jener Jahre ist dies insbesondere die parallel verlaufende Geschichte der Ansiedlung jüdischer Bankierfamilien aus Kriegshaber in Augsburg. Sie waren von den Verhaftungen nicht betroffen, beschafften den verschuldeten Augsburgern jedoch horrende Kreditsummen und erhielten als erste Juden seit dem Mittelalter die Garantie eines bleibenden Wohnrechts in der Reichsstadt, während in Pfersee die kostbare Talmudhandschrift abhandenkam, die als älteste fast vollständig erhaltene der Welt gilt und deshalb von zentraler Bedeutung für das Judentum ist. Ihr letzter bekannter jüdischer Besitzer war Ber Ulmo. Heute befindet sich die “Pferseer Handschrift” in der Bayerischen Staatsbibliothek in München.

Ber Ulmos Augenzeugenbericht ist ein authentisches Zeugnis jüdisch-schwäbischer Literatur aus der Umbruchzeit der Napoelonischen Kriege, in welcher unsere heutige moderne Welt ihre Gestalt annahmen. Seine Schilderungen bieten eine Fülle von Informationen aus erster Hand und ermöglichen es die moderne Geschichte der Juden in Augsburg unter anderen Gesichtspunkten zu sehen. Ein Muss für jeden historisch interessierten Leser.

Im Herbst 2012 als Buch mit Begleitkapiteln, Karten und Abbildungen erschienen im Kokavim-Verlag

Yehuda Shenef – Tage des Gerichts, der Bericht des Ber Ulmo

152 S. , 24.50 Euro

ISBN 978-3-944092-00-3

Erhältlich in jeder guten Buchhandlung oder online

bei Amazon, Ebay, Weltbild und Co.

http://www.amazon.de/Tage-Gerichts-Bericht-Ulmo-Pfersee/dp/3944092007


Der falsche Prophet von Günzburg

December 19, 2011

In seinem 1713 bei Lublin gedruckten Fragen-und-Antworten – Buch אור של תקווה zitiert R. Menachem ben Naftali Hirsch eine lange zurückreichende Anekdote aus der Zeit um Jahr 5290 (= ca. 1530), als in Günzburg ein wahrscheinlich protestantischer Prediger auftauchte und die Juden davon überzeugen wollte, dass die „neuen Christen“ sich mit den Juden versöhnen wollten, sobald die Muslime die falschen (oder: leeren) Christen und den Papst beseitigen würden. Zitiert ist die Antwort von Jona bar Jakow Weil, dem Nachkommen des letzten mittelalterlichen Rabbiners in Augsburg und damaligen Rabbiners von Günzburg, Er antwortet etwas ironisch, dass man doch erst einmal die nächsten dreißig Jahre abwarten soll, um zu sehen, ob davon auch wirklich etwas eintreffen werde. Tatsächlich wurde der Künder seitens der Regierung aber bereits schon nach nicht mal dreißig Tagen gehängt.

Die grundlegende Frage, die der Verfasser, mit diesem und einer Zahl weiterer zitierter Geschichten beantwortete war jene, ob den Versprechungen Fremder zu trauen ist, Juden zu retten. Das Fazit lautet, dass nur das Vertrauen auf den Einen Gott verlässlich ist, falsche Propheten jedoch ganz wie Rambam es sagt, nicht zur Tora hin, sondern immer von ihr wegführen wollten.

Um das Jahr 5290 (על שנת רצ) kam ein neuer christlicher Botschafter (שליח נוצרי חדשה) nach Ginzburg und Leipheim. Er besuchte die Synagoge und sagte uns, dass die Muslimim (שהמוסלמים) bald kommen, um die Juden zu retten aus der Unterdrückung der falschen Christen (נוצרים שווא). Die Leute Mohameds kämen nach Rom um den Papst zu töten und gleich danach blieben nur noch wahre Christen und die Juden übrig. Nun kommt Jesus der Messias um alle als seine Leute zu versammeln und alle werden Brüder sein.

Morenu Jona bar Jaakow Weil sagte ihm, es wäre gut, erst mal die kommenden dreißig Jahre abzuwarten, ob etwas wie dieses geschehe. Er sagte ihm auch, dass er davon hörte, dass die Muslimim auch viele Juden getötet haben. Noch nicht mal dreißig Tage nach diesem wurde der Botschafter seitens der Regierung gehängt. So ist die Erkenntnis daraus, dass man sich nicht stützen soll auf einen falschen Propheten, sondern nur auf den einen Gott.

Die Hoffnung, dass die Muslime Rom erobern, den Papst töten und das “falsche Christentum” abschafften, ist etwas eigenartig, aber wohl nur im zeitlichen Kontext zu verstehen. Interessant ist der Hinweis auf Juden in Leipheim, die der allgemeinen Ansicht nach aber bereits im Jahr 1503 von dort ausgewiesen worden sein sollen.

According to an anecdote by Rabbi Menachem Hirsch, about the year 1530 a “new Christian messenger”  had come to Guenzburg and Leipheim in order to persuade the local Jews of the arrival of the Muslims in Rome who would kill the pope there and extinguish the fallacious Christianity which suppresses the Jews. Only true Christians and the Jews would survive and when Jesus arrived they would live in harmony as brothers.

The Guenzburg Rabbi Yona Weil, himself an offspring of Yakob Weil, last rabbi of medieval Augsburg, replied that one at first should wait some thirty years and see if something of the prophecy will take place. But he also pointed out that he heard that the Muslim also had killed a number of Jews. However not even thirty days later, the new (likely Protestant) preacher was hung by the government.

The anecdote among others was told in order to give an answer to the raised question whether promises of gentiles to save or to rescue Jews are trustworthy. The conclusion of the author of course is no other that only the One God is trustworthy and that all false prophets or preachers and reformers just lead astray from the Tora.

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Über Juden im schwäbischen Leipheim

December 11, 2011

Die Anfänge der Besiedelung Leipheims gehen der Legende nach ins 6. Jahrhundert zurück, werden aber erst etwas konkreter, als im späten 11. Jahrhundert, um einen Beobachtungsturm auf dem Berg Conus eine „veste Ritterburg“ erbaut wurde, über die jedoch nicht viel bekannt ist. Im letzten Viertel des 13. Jahrhundert ist ein Heinrich Güssen als Lehnsmann des Augsburger Bischofs Hartmann und Herr der Güssenburg zu Leipheim nachweisbar, dessen Söhne Diepold und Gerwich im Gefolge burgauischen Markgrafen auftreten. Der Stammsitz der Güssen war in Hermaringen (dem Geburtsort von Georg Elser, der 1939 in München den Nazi-Führer Hitler mittels eines Bombenanschlags töten wollte) bei Heidenheim.

Am Fuße der Burg entstand während der Herrschaft der Familie der Güssen eine kleine Ansiedlung. 1326 verlieh Kaiser Ludwig der Bayer den Brüdern Diepold und Gerwich das Recht die ortsansässigen Juden zu besteuern, was der Erteilung des Marktrechts für ihr Dorf entspricht. Die Entstehung des damals gewiss sehr kleinen Ortes ist demzufolge unmittelbar mit der Präsenz von Juden verknüpft, die nun als Steuerzahler zum weiteren Aufstieg des Ortes beitragen. Schon im Jahr darauf genehmigt der Kaiser den Leipheimern das Recht einen Wochenmarkt abzuhalten und die Freiheiten der Stadt Ulm, wozu auch „Stock und Galgen“, also eine eigene Gerichtsbarkeit gehören. Leipheim wuchs weiter und erhielt bereits 1330 das Stadtrecht verliehen und wurde mit Toren und Mauern befestigt, deren etwa ein Kilometer langer Verlauf heute noch zum größeren Teil erhalten ist. Im Jahr 1374 jedoch trennten sich die Erben der Güssen von ihrem Besitz und verkauften die Burg zusammen mit der Stadt an den Grafen Eberhard von Württemberg (1315-1392). 1449 wurde Leipheim von Augsburger Truppen belagert und eingenommen. 1453 gelangte der Ort in Besitz der Reichsstadt Ulm und als dort im Jahre 1499 die jüdische Gemeinde endete, dauerte es nur weitere vier Jahre, bis 1503 auch die beinahe zweieinhalb Jahrhunderte währende Geschichte der Juden in Leipheim zu Ende ging. Wie die Ulmer Juden zog es auch die Leipheimer ins nur weniger Kilometer östlich gelegene Günzburg, zu welchem es bereits enge Beziehungen und familiäre Bindungen gab. Leipheim hingegen stagnierte in seiner weiteren Entwicklungen. Nur etwa zwanzig Jahre erlangte der „Leipheimer Haufen“ traurige Berühmtheit, als Kramer gemäß, im Bauernkrieg etwa „6000 aufrührerische Bauern umkamen; jedes Haus in den hierauf geplünderten beiden Städten Leipheim und Günzburg, in welchen sich die rebellischen Bauern verteidigt hatten, musste 6 Gulden Kriegs-Kontribution entrichten, die Rädelsführer wurden aber geköpft oder gehangen. Seit 1974 nennt sich in der Stadt eigenartiger weise ein Faschingsverein „Leipheimer Haufen“, was kaum einem Andenken der damals europaweiten und vor den Toren des Ortes recht dramatischen Geschehen gerecht wird, aber das muss man wahrscheinlich nicht so ernst nehmen. Das heutige Leipheimer Schloss geht auf die Zeit um 1560 zurück, jedoch wurde es wie die Stadt 1634 im Zuge des Krieges niedergebrannt. 1725 notiert ein örtlicher Pfarrer, dass 1500 Menschen am Ort leben. Daran hat sich weiter nichts geändert, als im Jahre 1841 Georg Friedrich Kramer im „Statistischen Handbuch für den Regierungsbezirk von Schwaben und Neuburg“ (s. 88 f.) notiert, dass Leipheim 256 Häuser, 400 Familien und zusammen 1522 Einwohner hat. 1853 wurde Leipheim an das Eisenbahnnetz der Linie Augsburg-Ulm angeschlossen, doch von diesem Fortschritt hat der Ort aber offenbar nicht profitiert. Hermann Julius Meyer notiert für das Jahr 1859 in seinem „Neuem Conversations-Lexikon für alle Stände“ nur noch 1450 Einwohner.

Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs entstand bei Leipheim ein Lager für jüdische Überlebende der  Nazi-Verfolgung, im Zynismus – Jargon „Displaced Persons“ genannt. Es bestand bis 1950 und umfasste zeitweilig etwa 3000 Insassen. In der Stadt selbst wurden zeitgleich etwa tausend deutsche Flüchtlinge aus dem Osten aufgenommen und integriert. Heute leben etwa 6000 Menschen in der erweiterten Stadt.

(3 star family coat of arms of Pfersee Ulmo at Pfersee/Kriegshaber Jewish cemetery)

Am bemerkenswertesten für die jüdische Geschichte in der Region an Leipheim ist zweifelsfrei der Umstand, dass das Familienwappen der Güssen mit drei sechszackigen David-Sternen in einem Schrägbalken sich als Stadtwappen erhalten hat. Das selbe Emblem ist bekanntlich auch das Familienwappen der jüdischen Ulmo-Günzburg – Familie geworden, welches insbesondere durch die durch die Mitglieder der Pferseer Ulmo Berühmtheit erlangte. Am gemeinsamen Friedhof der jüdischen Gemeinden von Pfersee, Kriegshaber und Steppach waren vor dem Nazi-Regime noch mehr als 50 Grabsteine mit dem bekannten Familienwappens vorhanden.

(Wappen von Leipheim mit bereits etwas versetzten sechszackigen David-Sternen; Leipheim coat of arms)

Die heutigen Leipheimer scheinen mit ihrem alten Stadtwappen neuerdings Probleme zu haben und bemühen sich darum, mittels eines schwarzen Ausrufezeichens in einem rotem Kreis als neuem Emblem ein neues, anderes Image zu geben. Jedoch ist die eigenartig phantasielose Kreation wohl aus gutem Grund noch nicht auf den Ortseinfahrten zu sehen, wäre sie doch relativ leicht mit bekannteren Verkehrsschildern zu verwechseln. Etwa mit dem Schild für Gefahren, welches gleichfalls ein schwarzes Ausrufezeichen zeigt, aber von einem rot umrandeten Dreieck umgeben ist. Da Schilder mit einem rotem Kreisrand allgemein hingegen nicht Gefahren, sondern Verbote anzeigen, kann man sich die wahrscheinliche Bedeutung des neuen Leipheimer Emblems irgendwo im Bereich zwischen „Gefahrenwarnung“ und „Verbot“ vorstellen, was vielleicht auch den baufälligen Zustand zahlreicher Häuser im alten Ortskern erklären könnte.

The history of the Jews in Leipheim goes back to the early beginnings of the village which developed around the year 1300 at the foot of the Conus hill, where was a small knight’s castle. Under the rule of the Guessen family, whose coats of arms has three six-pointed stars in a slope, Leipheim in 1326 by Emperor Ludwig the Bavarian was granted to collect the taxes by the Jews in the village, a right which actually came up to have own market rights. In 1330 the emperor vested town privileges to Guessen owned Leipheim. Further development of Leipheim stagnated when in 1503 the Jews were expelled from there. As many Jews from Ulm, expelled from there a couple of years ago, many moved to Günzburg, which is just about three miles east of Leipheim. Ulm, Leipheim and Günzburg combines the roots of the famous and widespread Ulmo-Günzburg family (Ulman, Ulma, Ulmo, Gunz, Ginsburg, Gainsbourg, etc.), while the small town today is known by US cyclist Lei Leipheimer (bronze medal winner at Beijing 2008 Olympic Games).

In recent times Leipheim tries to replace its venerable 3 star emblem by an awkward and trite symbol which depicts a red circled black exclamation mark. It reminds of the German traffic sign for danger spots (which has a black exclamation mark in a red edged triangle, while red circled signs in Germany in general are prohibition signs). So in order not to confuse visitors it is recommendable not to mount it at the towns gateways.

לייפהיים היא עיירה קטנה ליד גינזבורג, לא רחוק מאולם בדרום גרמניה. ההיסטוריה של לייפהיים מחובר להתיישבות יהודים. את 1326 לשנה הבעלים של לייפהיים הורשו לגבות מסים מן היהודים בכפר קטן שלהם. בשנה שלאחר מכן היה להם את הזכות להיות בעל שוק משלו ב 1330 לייפהיים הפך את זכויותיהם של עיר

 עד 1503 חיו יהודים לייפהיים ומשם הוא עבר גינזבורג השכנות
 לייפהיים יש שלושה מגינים דוד * * * סמל של  – משפחת אולמא גינזבורג

 

 

 


Der „Zuchtspiegel“ des Rabbi Schimon ben Elieser Ulmo Ginzburg

March 10, 2010

Schimon Ben Elieser Ulmo wurde 1506 in Günzburg geboren und war ein rabbinischer Gelehrter, Haupt der angesehenen Jeschiwa in Burgau und zugleich auch kaiserlicher Hoffaktor in der österreichischen Marktgrafschaft. Sein Vater Elieser (1477-1544) stammte als Urenkel des Falk ben Lemlin (1390-1465) ab, dessen Ahnen wiederum auf die Familie der Kalonymos zurückgeht und  im Jahre 1439 die Reichsstadt Augsburg zusammen mit seinem Bruder Baruch (1384-1459) samt familiären Anhang verlassen hatte und nach Ulm zog.  An seinem Geburtsort Günzburg war Schimon nach der Herkunft seines Vaters noch als Ulma bekannt, in Burgau jedoch wegen seines eigenen Geburtsort nun mit dem Beinamen Ginzburg oder Günzburg. Sein eigener Name Schimon wurde geläufig auch als Simon aufgefasst und zudem verfügte er über den „Spitznamen“ Seligman. Wegen seines hohen Bekanntheitsgrades, Reichtums und Einfluss gilt Schimon allgemein als Stammvater der sehr weitverzweigten Familie der Ulmo-Günzburg (gelegentlich nach dem alten Stadtnamen auch Ulma, später auch Ulman, Ullman, Ulmann, usw. sowie Ginzburg, etc).

Die Vielfalt der Namen und vorhandenen Kombinationen und Schreibweisen ist auf den ersten Blick etwas verwirrend, aber keineswegs eine Besonderheit, sondern allgemeines „Schicksal“ fast aller Zeitgenossen der damaligen Welt. Verlässlich, weil unumstößlich blieb lediglich die hebräische Namensüberlieferung „A Sohn des B“. in der Regel ist, wenn ansonsten keine Dokumente mit persönlichen Bezügen vorhanden sind – was nun eher die Ausnahme ist – nur so eine genealogische Abfolge nachvollziehbar.  Bereits im Eintrag der Jewish Encyclopedia zu seiner Person wird eine Verwechslung mit dem gleichnamigen Hofarzt Seligman Günzburg aus dem polnischen Slutsk korrigiert, der auch Vorsteher der Gemeinde in Posen war. „Unser“ Schimon wird hier auch in säkularen Wissenschaften bewandert bezeichnet, unter anderem als Architekt und Geometer (Landvermesser, Kartograph, Mathematiker). Dazu passt die Überlieferung, dass er in Günzburg sowohl eine Synagoge errichtete als auch einen Friedhof anlegen ließ.

Als Schimon 1506 in Günzburg geboren wurde und dort wie auch im benachbarten Burgau aufwuchs, war noch der bereits betagte Jona Weil (1451-1530) Rabbiner der nur ca. zehn Kilometer entfernten Gemeinden in Günzburg und Burgau (unter dem allgemeinen Titel des hohen Rabbiners von Schwaben und der Schweiz) und bis zu seinem Tod zugleich auch Vorsitzender des rabbinischen Gerichts für die Region. Ihm folgte Jitzchak ben Josef Segal, der von 1530-1568 als Rabbiner amtierte.  Wie Segal hatte auch Jona Weil Augsburger Ahnen, war er doch der Sohn des bereits hoch betagten Jakob ben Jehuda Weil (1385-1456), der 1438 als einer der ersten die Stadt verlassen hatte, nachdem der Rat unter kirchlichem Drängen den Juden zwei Jahre einräumte um Augsburg bis 1440 zu verlassen. Es liegt auf der Hand, dass Schimon, der selbst von Augsburger Juden abstammte unter dem Einfluss dieser Gelehrten die Erinnerung an die alte Heimat aus erster Hand erfuhr und an seine Nachkommen weiterreichte. Wie wir einer Urkunde aus dem Jahre 1544 entnehmen können, besaß Schimon gemeinsam mit seinem Bruder Jakob das kaiserliche Schutzprivileg von Kaiser Karl V. Im selben Jahr vertrat er gemeinsam mit Josel von Rosheim die jüdischen Gemeinden am Reichstag von Speyer. Im Jahre 1569 ist Schimons Sohn Mosche der erste nachweisbare Vertreter, der später dominierenden Ulmo-Familie in Pfersee und zählt zu den Gründern der Gemeinde dort. Ein weiterer Schutzbrief aus dem Oktober 1617 erwähnt mit Salomon einen weiteren Sohn von Schimon „der Zeit wohnhaft zu Pfersen bey unseres heyl. Reiches Statt Augspurg gelegen“ und mit ihm drei Söhne: Schimon, Kalman und Samuel. Von letzterem ist aus dem Folgejahr ein eigener Schutzbrief bekannt, der zugleich auch für die wachsende jüdische Gemeinde seines Ortes, also Pfersee galt. Pfersee, das nur zweieinhalb Kilometer von den Toren der Reichsstadt Augsburg entfernt lag, entwickelte sich sodann rasch zum Zentrum der schwäbischen Juden und übernahm mit dem Ende des 30jährigen Krieges den Amtssitz des Rabbinats von Medinat Schwaben der zwischenzeitlich an Thannhausen übergegangen war.

Schimon ben Elieser Ulmo Günzburg war er für seine Wohltätigkeit, Gelehrigkeit und Frömmigkeit weit über die Grenzen Schwabens bekannt und gerühmt. Von seinen Schriften ist uns seine Sammlung talmudischer Redensarten überliefert, die unter dem Namen „Sefer Ma‘re Musar“ mehrfach nachgedruckt wurde. Das Werk enthält auf 78 Seiten mehr als 500 alphabetisch geordnete Redensarten und Spruchweisheiten aus dem Talmud und anderen Schriften mit Quellenangabe und jiddischer (eigentlich: „taitscher“) Übersetzung, oder besser gesagt Umschreibung. Schimon Ulmo übertrug die talmudischen Weisheiten nämlich öfter in Reimen, weshalb der Inhalt eher sinngemäß als wörtlich widergegeben wird, wohl weil das insgesamt auch kaum gelingen kann. Für regionale Sprachforscher interessant sind die häufigen deutsche Redensarten zur Erklärung dazu, die er in der damaligen Zeit wohl in seiner schwäbischen Umgebung vorfand. Davon sind sicherlich nicht mehr alle geläufig. Zur Zielgruppe des Verfassers gehören wie er ausdrücklich bemerkt auch Frauen, damit diese in den ruhigen Stunden an Schabbes und Feiertagen einen geeigneten Lesestoff zur Erbauung haben. Der jiddische Titel des Buches wird in den Druckausgaben um 1680 als „Zuchtspiegel“ angeben, was eine nicht ganz zutreffende Übersetzung ist, für die der Autor wohl nicht verantwortlich ist. מסר (masar) bedeutet ursprünglich „herausgeben, aushändigen“ (z.B. einen Brief, eine Ware, etc.) und davon abgeleitet im übertragenen Sinne „mitteilen, übergeben, überliefern“. Daraus folgt später dann auch der „masor / moser“  = Denunziant, wie auch „masoret“ und „masora“ (מסורה) – die Überlieferung, worunter  heute  im engeren Sinne vor allem die punktierten Texte der Bibel („masoretischer Text“) verstanden werden. Zwar wird מוסר (musar) gerne mit „Moral“ oder „Ethik“ übersetzt, jedoch sind diese „philosophische“ Begriffe zwar heute (in der Bedeutung flachgetreten) allgemein geläufig, jedoch ohne Entsprechung in der Gedankenwelt insbesondere des mittelalterlichen Judentums. Sie würden damit auch die Perspektive verfälschen, passender wäre allenfalls das lateinische „Tradition“.  מראה hingegen kann nicht nur als „Spiegel“ verstanden werden, sondern auch als „Ausblick, Ansicht, Schau“ und eine geeignetere deutsche Wiedergabe des Titels wäre demnach wohl „Ansicht der Überlieferung“ und eine solche wollte der Autor bieten.

Zum Abschluss genügt zunächst fürs erste ein Beispiel (die mehrfache Umschreibung des Textes ist etwas zeitraubend, aber weitere Beispiele werden noch folgen. Zudem sehen wir das Werk als Bestandteil der angestrebten Sammlung von Schriften früherer Augsburger oder mit Augsburg in Beziehung stehender Gelehrten von Rang.

Die Transkription des jiddischen (bzw. „taitschen“) Textes erfolgt der Einfachheit halber der hebräisch notierten Vorgabe, somit freilich auch ohne die heute gerne zitierte Umlautung, die einen ostjiddischen Klang simulieren will. Für das Werk insgesamt verweisen wir auf die digitalisierte Ausgabe des Drucks von Frankfurt 1679 unter der URL http://www.literatur-des-judentums.de wo noch drei, vier weitere Exemplare des Buches zu finden sind, eben vielen anderen interessanten Werken (grundsätzlich gesagt).

friendship or death

או חברותא או מיתותא

(תענית פ”ג)

ווען שון דער מענש אויף דר וועלט העט אלי וואול לושט פון גוט אונ געלט אונ העט קיין גוטי גיטרייאי חברים ניט, דו ער זיך קענט דר פרייאין מיט, דא האט ער בייא אל זיינם גוט קיין פריליכן מוט אונ זיין לעבן איז גיגליכן זו איין טוטן מענשין, וויא דו שפריך ווארט זאגט: איך וועלט מיך ניט אליין אין הימל ווינשן. אך וויא דיא אשכנזים  גימיינדליך איין שפריך ווארט האבין, אליינט ארבין, זעלב אנדר זו בעט, זעלב דריט אויף דעם וועג, זעלב פירט זום שפיל, זעלב פינף זום טרינקן.

(Transkription: wen schon der mensch oif der welt het ale wol luscht fun gut un gelt un het kain gute getreie chowrim nit do er sich kent der fraien mit, da hat er bai al sainm gut kain frilichn mut, un sain lebn is geglichn su ain totn menschin, wi do sprich wart sagt, ich welt mich nit alain in himl winschn, ach wie die aschchenasim gemaindlich ain sprich wart haben: alaint arben, selb ander su bet, selb drit oif dem weg, selb firt sum spil, selb finf sum trinkn. 

(Im heutigen Deutsch heißt dies in etwa: „Wenn der Mensch auf der Welt allen Spaß von Besitz und Geld hat, aber keine innigen Freunde, mit denen er sich freuen kann, so hat er mit all seinem Gut keinen fröhlichen Mut und sein Leben gleicht dem eines toten Menschen, so wie es das Sprichwort sagt: „Ich wollte mich nicht alleine in den Himmel wünschen.“ Auch die Aschkensim (nach heutigem Verständnis „die Deutschen“) haben ein allgemeines Sprichwort dazu: „Alleine erben, mit einem andern ins Bett, zu dritt auf den Weg, zu viert beim Spiel und zu fünft zum Trinken. „

Die Redensart ist nun ein Zitat aus dem Talmud Bawli (Taanit 80.3) und dort in Anspielung auf die in unserem Kontext nicht weiter erläuterbare Person (חוני המעגל) Choni des Kreisziehers, der legendär nach 70 Jahren vom Schlaf erwachte und als er dann keine Kameraden zum Studium der Thora vorfand, aus Kummer starb (מת מרוב צער).  Die Redensart sagt man im heutigen Hebräisch או חברות או מוות was man übersetzen kann mit „Freundschaft oder Tod“, äquivalent zu einem „einsamen Tod“. Etwas was in unser “modernen” Zeit eher häufiger als seltener wird, auch wenn der Schlaf im Wandel der Zeit den Betroffenen nicht immer bewusst ist..

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Karte: Die Juden in Bayerisch-Schwaben

January 31, 2010

Orte mit nachmittelalterlicher jüdischer Geschichte im Bayerischen Schwaben, in Nordschwaben, der ehemaligen österreichischen Marktgrafschaft Burgau und im Medinat Schwaben.

Places in Bavarian Swabia, Northern Swabia, the former (Upper) Austrian Margravate of Burgau and Medinat Shwaben with postmedieval Jewish history.