Video: Jüdischer Friedhof Hainsfarth

April 8, 2013

בית קברות יהודי בהיינספארט

Jüdischer Friedhof Hainsfarth Jewish Cemetery


Über die jüdische Geschichte im schwäbischen Pfersee

March 22, 2013

… einen Vortrag zu halten, hatten wir gestern in die Ehre und zwar in Pfersee selbst. Ausgemacht war dies als Einleitung zu einer weiteren Lesung aus dem Buch des letzten Rabbiners von Pfersee Ber Ulmo, der bis zu einem Tod im Jahre 1837 nur drei Minuten Fußweg vom Veranstaltungsort, dem “Bürgerhaus Pfersee” in der Stadtberger Straße 17 wohnte, was auch wieder nur zwei Häuser entfernt ist von immer noch recht ansehnlichen Pferseer Schloss. Im Bürgerhaus stießen wir auf ein interessiertes und fachkundiges Publikum, aber auch auf einen gewissen Stolz auf die Pferseer Heimat.

Bürgerhaus Pfersee Jüdische Geschichte Ber Ulmo Yehuda Shenef jhva

Flyer des Bürgerhaus Pfersee

Bürgerhaus Pfersee Ber Ulmo Yehuda Shenef Margit HummelYehuda Shenef and Margit Hummel on Ulmo and Wertheimer in Pfersee Bürgerhaus

(picture: Elena Asnis)

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Wappen Pfersee Schloss coat of armsCoat of Arms at the Pfersee Castle

A few days before the onset of this years Passover Festival we were privileged to have a talk on the rich history of the Jews from Pfersee right there were it happened, in Pfersee, only two minutes walk from the former Jewish settlement in the “Buergerhaus” next to the still existing Castle of Pfersee, were he of course was a well known person. The talk however was on behalf of the report by Ber Ulmo (Berhars Ulman), the latest rabbi who for 56 years was head of the renowned Jewish Kehila, about his imprisonment in 1803. Again we had a interested as well as learned audience.

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Yehuda Shenef – Tage des Gerichts, der Bericht des Ber Ulmo aus Pfersee

152 S., 24.50 €

ISBN 978-3-944092-00-3  bei:  info@sol-service.de

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Artikel: “Die Banknoten-Affäre”

March 11, 2013

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Buchbesprechung von Angela Bachmair in der “Augsburger Allgemeinen” (7. März 2013, Feuilleton Regional, S. 34):

Augsburger Allgemeine Banknoten Affäre Judenkirchhof Ber Ulmo Shenef

http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Die-Banknoten-Affaere-id24343926.html

Tage des Gerichts – Der Bericht des Ber Ulmo aus Pfersee – übersetzt und kommentiert von Yehuda Shenef

Kokavim-Verlag 2012, ISBN 978-3-944092-00-3

152 Seiten, 24,50 €

 

Yehuda Shenef: Der Augsburger Judenkirchhof – Zur Geschichte und zu den Überresten des mittelalterlichen jüdischen Friedhofs in der Reichsstadt Augsburg

Kokavim-Verlag, 2013, ISBN: 978-3-944092-01-0

176 Seiten,29.50 €

erhältlich bei info@sol-service.de

Tel: 08252/ 88 14 80 / Fax: 08252 / 88 14 829

und im Buchhandel


Auf den Spuren der jüdischen Geschichte im westfränkischen Bad Mergentheim

March 8, 2013

Bierzeiger Bad Mergentheim BrauersternBrauerstern/ Bierzeiger in Bad Mergentheim, Mühlwehrstraße

Bad Mergentheim an der Tauber, im regionalen Dialekt in etewa als „Merchedool“ geprochen, befindet sich etwa in der Mitte zwischen Westheim (48 km) und Rothenburg ob der Tauber (52 km). Der Ort ist um die Mitte des 11. Jahrhunderts erstmals urkundlich erwähnt und wurde im 1340 zur Stadt erhoben. Von 1526 an bis 1809 befand sich am Ort der Amtssitz des Hochmeisters des Deutschen Ordens (OT = Ordo Teutonicus), einem Ableger der hochmittelalterlichen Kreuzritter, die in jener Zeit u.a. einen Sitz in Akko (Israel) hatten. Seit 1809 befindet sich der Amtssitz des (derzeit 65.) Hochmeisters in der Singerstraße 7 in der österreichischen Hauptstadt in Wien. Der Deutschorden fordert von seinen etwa tausend  Mitgliedern Armut und ehelose Keuschheit .

Deutschordensmuseum Bad MergentheimDeutschordens- und Stadtmuseum in der inneren Burg

Bad Mergentheim Deutschordenskreuz KircheTatzenkreuz des Ordo Teutonicus (OT)

In Bad Mergentheim ist die einstige Dominanz des Ordens überall zu sehen, zum einem wegen der erhaltenen Schlossburg (worin sich heute u.a. Ordensabzeichens, des sog. „Tatzenkreuz“ an unzähligen Häusern. In der Neuzeit und Gegenwart dient das Emblem auch für den Orden des Eisernen Kreuzes (EK), das 1813 bewusst in Anlehnung an das Wahrzeichen des Deutschordens entworfen wurde, und entsprechend als Abzeichen deutscher Armeen (Wehrmacht, Bundeswehr). Die damit vermittelte Kontinuität deutscher Kreuzritter des Hochmittelalters und heutiger Bundeswehr scheint zumindest letzterer plausibel zu sein, wie Stadtführungen für Bundeswehrsoldaten zu den Orten des Ordens in der Stadt illustrieren.

Bad Mergentheim Deutschorden Soldaten

Mit dem Ordo Teutonicus geht offenbar auch die Ansiedlung von Juden in Mergentheim einher, wenngleich das Vokabular in den Beschreibungen von Lokalhistorikern wie Prof. Franz Diehm (1963) der Eindruck erweckt wird, als handle es sich um eine Art Hundehaltung: „Einschneidend war das Jahr 1341, im Jahre nach der Stadterhebung. In diesem Jahr verleiht der Kaiser Ludwig von Landshut aus dem Deutschordenshaus in Mergentheim ein Judenprivileg, nach dem der Deutschorden hier fünf sesshafte Juden halten durfte mit all ihrem Hausgesinde und allen Rechten, Ehren. Diensten, bis ein Widerruf erfolgen würde. Dieser ist nicht erfolgt.

Die Stellungnahmen zur jüdischen Geschichte sind offenkundig auch in Bad Mergentheim reichlich mit Klischees beladen, und dies ganz im Stile verschärfter Bauernopfer, so to say.

Bad Mergentheim Hausfassade
Bad Mergentheim Turm Doppeladler

Einige der Hochmeister des Deutschordens legten offensicht großen Wert auf die Anwesenheit von Juden an ihrem kleinen Ort, der auch im 17. Jahrhundert nur etwa tausend Einwohner hatte. Die mittelalterliche Ansiedlung befand sich in und um die Judengasse herum, die heute den Namen „Holzapfelgasse“ trägt. Die Umbenennung erklärt sich wohl, dass es heute in Bad Mergentheim weit mehr Holzäpfel  als Juden gibt. Das schwankt wohl, weil es am Ort auch eine Reihe von Kurkliniken gibt, darunter auch die Klinik Hohenlohe oder die nach dem Berliner Arzt Christoph Wilhelm Hufeland (1762-1836) benannte ganzheitliche Klinik. Es ist gut vorstellbar, dass ähnlich wie in den böhmischen Heilbädern Marien-, Karls- und Franzensbad auch in Mergentheim, dass 1926 zu Bad Mergentheim wurde,  viele Juden als Ärzte und Patienten lebten.  Die jüdische Gemeinde wurde wie in anderen Orten auch in der Naziherrschaft zerstört, als sich friedliche Nachbarn zu brutalen Verbrechern wandelten. Die Synagoge blieb als Gebäude bestehen, wurde aber 1957 abgerissen. Heute befindet sich hier eine Schule, wo man eigenartiger Weise mit einem verdeutschtem Zitat des Baal Schem Tow aufwartet, dessen Weisheiten wohl sicher nicht im Kontext mit dem Abriss der Synagoge stehen.

Bad Mergentheim Memorial plate Synagogue

Bad Mergentheim Tauber ZeitungFortsetzung folgt …


Jewish Cemetery Neu-Ulm

February 13, 2013

 

  (Video)

Jüdischer Friedhof Neu-Ulm Jewish Cemetery

Das nachstehende Register listet alle auf dem jüdischen Abteil des städtischen Friedhofs von Neu-Ulm auf, deren Namen bei einem knapp halbstündigen Aufenthalt bei üppigem Schneefall identifiziert werden konnten. Einige wenige Grabsteine waren zugewachsen mit Gestrüpp oder komplett mit zugefrorenem Moos bedeckt. Da die Anzahl der Grabsteine nicht sehr groß und auch die Fläche des Friedhofs (ca. 22 m / 15 m, = ca. 330 m²) auch überschaubar ist, reicht eine alphabetische Liste mit – soweit vorhanden – Geburts- und Todesdaten (:DDMMYYYY)

Name Birth Death
Adler, Abraham 00.00.1830 00.00.1897
Bauland, Leopold 09.10.1867 02.07.1928
Bauland, Carrie

geb. Lindauer

Bauland, Sigmund

06.09.1869

05.03.1865

27.10.1929

11.10.1936

Bauland, Max

Bauland, Berta,

geb. Levi

09.04.1861

28.10.1864

13.07.1927

„den 14. Tamus“

10.11.1938

Bernheim, Bertold 23.08.1863 10.02.1921
Bissinger, Jacob

Bissinger, Hannchen

10.09.1852

30.03.1856

17.08.1920

20.12.1938

Bissinger, Sigmund 14.06.1867 26.06.1907
Bissinger, Sigfried 29.08.1878 06.04.1934
 
Fuchs, Sara 20.04.1849 09.05.1925
Fürsetzer, Oskar 00.00.0000 00.00.2000
 
Glaser, Max 24.02.1819 15.01.1911
 
Kahn, Hedwig

geb. Rosenheim

21.12.1864 1.09.1919

New York

Kaufmann, Karl 00.00.0000 00.00.0000
Kaufmann, Nathan

aus Zaberfeld

11.10.1910 11.01.1910

gewidmet von Gebrüder Bauland

 
Levi, Leonhard 05.10.1842 23.00.1939
Levi, Caroline 00.01.1845 00.00.1892 (?)
Levinger, Sophie 25.10.1843 05.05.1881
Liebermann, Julius 03.01.1825 16.07.1902
Liebermann, Julius 25.06.1898 20. 01.1902
 
Moos, Ernst 20.04.1911 22.01.1988

Südafrika

 
Nowak, Schaja 17.05.1914 19.06.1995
 
Rosenheim, Jacob 08.08.1857 31.07.1882
Rosenheim, Bernhard 02.08.1826 20.08.1884
Rosenheim, Julie

geb. Heiden

03.05.1831 06.12.1915
 
Steinheimer, Sarah 00.00.1810 (?) 00.00.1882
Steinheimer, Isaak
Stern, Ferdinand

geb. zu Malsch in Baden

10.03.1857 16.12.1905
Stern, Flora

geb. Bauland

zum Gedenken: Stern, Josef

26.03.1870

02.04.1893

21.04.1933

gest. „in Polen“

Ullmann, Isaak

Ullmann, Luise

23.09.18xx

17.03.1832

07.01.1902

23.09.1905

 
Wollf, Adelheid

geb. Weiss

27.09.1834 05.11.1892
Wurmser, Klara

Wurmser, Lehmann

23.10.1864

05.03.1860

25.05.1937

11.11.1937

 

Jüdischer Friedhof Neu-Ulm Sarah Steinheimer Jewish Cemetery


Der jüdische Friedhof im Bayrischen Neu-Ulm

February 8, 2013

 

Neu-Ulm Friedhof (70)Fountain at municipal cemetery Neu-Ulm

Neu-Ulm entstand um 1810 nachdem die Donau zum Grenzfluss wurde, die Königreiche Bayern und Baden-Württemberg trennte und Ulm letzterem zugeschlagen wurde. Auch in der bayerischen Neustadt gründete sich eine jüdische Gemeinde, die zur Jahrhundertwende etwa einhundert Menschen umfasste. Im Laufe der Zeit besaß sie verschiedene Bethäuser, jedoch war die Gemeinde, die dem Rabbinat von Ichenhausen zugeordnet war, zu klein, um sich den Bau eines eigenen Synagogengebäude leisten zu können. Der städtische Friedhof an der Reuttier Straße (/Zypressenweg) wurde zwar bereits 1861 eingeweiht, jedoch stammen die ältesten (noch lesbaren) Grabinschriften der jüdischen Abteilung beim Leichenhaus aus den Jahren 1881 und 1882. Das mit Hecken eingegrenzte Areal umfasst mittels Google Earth gemessen etwa 22 mal 15 m, also ca. 330 m². Die letzten drei Begräbnisse stammen aus den Jahren 1995 (Schaja Nowak), 2000 (Oskar Fürsetzer) und 2003 (Chaim Weinberg).

Neu-Ulm Friedhof (19)

Jüdischer Friedhof Neu-Ulm Jewish Cemetery

Am Eingang des jüdischen Friedhofs gibt es eine weiße Säule mit der dreizeiligen Inschrift “RUHESTÄTTE JÜDISCHER MITBÜRGER” in Großbuchstaben. Daneben befand sich beim Besuch am 6. Februar, eine wahrscheinlich anlässlich des sog. “Holocaust-Gedenktags” am 27. Januar aufgestellter grüner Kranz mit rötlichen Blumen. Auf dem blau-weißen Band wurden zur Widmung goldfarbene Buchstaben aufgesteckt: „Stadt Neu Um – Der Oberbürgermeister“. Wohl in der Aufregung muss den Machern entgangen sein, dass die Stadt eigentlich „Neu ULM“ heißt, bzw. dass das L ausgelassen wurde. Das bekannte Sprichwort wird damit jedenfalls auch nicht einfacher:

Oberbürgermeister Neu-Ulm Kranz Jüdischer FriedhofIn Um, um Um, um Um herum …“

Belegt sind nur etwa zwei Drittel der Fläche, im wesentlichen in fünf Grabreihen, die nordöstlich, bzw. südwestlich nach Dillingen, Prag und Warschau, bzw. Bern und Madrid ausgerichtet sind. Insgesamt gibt es etwa 40 erkennbare Grabstätten, wovon 37 Personen namentlich lesbar sind. Vier oder fünf Grabplatten sind vollständig mit Moos und/oder Gestrüpp überwachsen und konnten bei Schneetreiben und Dauerfrost nicht identifiziert werden.

Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts schlossen sich viele Neu-Ulmer Juden der jüdischen Gemeinde in Ulm an. 1933 lebten noch etwa dreißig Juden in Neu-Ulm. Der Grabsteininschrift nach starb Berta Bauland (geb. Levi) im Alter von 74 Jahren am 10. November 1938 – was womöglich kein zufälliges Datum sein wird. Ihr Ehemann Max Bauland war bereits elf Jahre zuvor am 13. Juli 1927 gestorben. Berta Bauland ist wahrscheinlich die letzte Jüdin, die vor dem Weltkrieg hier bestattet wurde. Erst in den letzten Jahrzehnten gab es wieder drei Bestattungen: 1995 (Schaja Nowak), 2000 (Oskar Fürsetzer) und 2003 (Chaim Weinberg).

Jüdischer Friedhof Neu-Ulm

Jewish Cemetery Neu-Ulm

Abgesehen von der jüdischen Abteilung am städtischen Friedhof erinnert heute nichts an die Geschichte der Juden in Ulm.

Eine ausführlichere Beschreibung des Friedhofs folgt demnächst.


„Das wirtschaftliche Schicksal des deutschen Judentums“

December 28, 2012

Vor achtzig Jahren, in der ersten Ausgabe für das Jahr 1933 vom ersten Januar – am Ende des Monats sollte Hitler Reichskanzler werden – kommentierte die Bayerische Israelitische Gemeindezeitung die Publikation „Das wirtschaftliche Schicksal des deutschen Judentums“. Ohne etwa davon zu ahnen, dass die „Machtergreifung“ der Nazis unmittelbar bevorstand, war diese Analyse, wie eine Reihe anderer aus der selben Zeit, in Bezug auf die Entwicklung des Judentums in Deutschland recht pessimistisch. So wie heute von der allgemeinen Gesellschaft in Deutschland, war damals in Bezug auf den kleinen jüdischen Bevölkerungsanteil von einer „starken Überalterung“ die Rede. Andere Autoren verschärften den Blick noch mit dem Hinweis auf den wachsenden Anteil von Mischehen oder Juden, die „aus dem Judentum austreten“. Auch die Bücher der Augsburger Vorkriegsgemeinde belegen dies in größerer Zahl, während Einträge hinsichtlich Geburten oder Ehen im Vergleich zu den Vorjahren abnehmen. Sehr wahrscheinlich wäre das Judentum in Deutschland auch ohne Hitler in einem oder zwei Jahrzehnten in eine ernste Krise geraten. Eine ähnliche Situation sehen wir auch in den heutigen jüdischen Gemeinden mit einer sehr starken, meist aus Zuwanderern rekrutierten Rentnern.

Augsburg Maximilianstrasse

Bayerische Israelitische Gemeindezeitung, No. 1,(1.1.1933), S. 6 f.:

 

Die letzten Jahre brachten eine Reihe namhafter sozial-wissenschaftlicher Arbeiten über Bevölkerungs-, Berufs- und Wirtschaftsverhältnisse der deutschen Juden der Gegenwart. Die grundlegenden neuen Bücher von Silbergleit, Alfred Marcus und Zielenziger sind in diesen Blättern nach allen Seiten behandelt und in ihren Ergebnissen mitgeteilt worden.

Eine eben erschiene Monographie von Jakob Lestschinsky „Das wirtschaftliche Schicksal des deutschen Judentums“ (Schriften der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Nr. VII; 175 Seiten; Preis RM 3.50) gibt zunächst eine selbständige historische Darstellung des wirtschaftlichen Schicksals der deutschen Juden in den letzten hundert Jahren und wendet sich dann einer umsichtigen materialreichen, hauptsächlich statistischen Behandlung den Fragen der Verstädterung der deutschen Juden zu, ferner dem Geschlechts- und Altersaufbau, der Berufsumschichtung in den letzten zehn Jahren, der Rolle der Juden in den einzelnen Wirtschaftszweigen, der sozialen Gliederung, endlich der neuesten Entwicklung durch den Wandel des kapitalistischen Wirtschaftssystems.

Wir erinnern zur Einführung in das neue wertvolle Buch Letschinskys an die bekannten Grundtatsachen, die durch das Silbergleitsche Zahlenwerk mit unabweisbarer Evidenz erschlossen sind:

Von insgesamt bei Silbergleit erfassten 403.969 Juden in Preußen (etwas mehr als 1 % der Gesamtbevölkerung) unter denen 76.387 Reichsausländer waren, gehörten an: der Landwirtschaft 4224, der Industrie einschließlich Bergbau und Baugewerbe 92.477, dem Handel und Verkehr 216.615, der Verwaltung, etc. sowe den freien Berufen 21.028, dem Gesundheitswesen und der Wohlfahrtspflege 15.188, den häuslichen Diensten und dem Erwerb ohne Angabe des Betriebes 7.371; ohne Beruf waren 47.966. Der jüdische Prozentsatz in Handel und Verkehr ist mit 53.6 % auffällig hoch; er beträgt für die gesamte Bevölkerung des Reiches im Jahre 1925 nur 16.9 %. Nach der sozialen Stellung weicht die jüdische Bevölkerung von der üblichen Gliederung ebenfalls stark ab. Denn es sind von 100 Berufszugehörigen

   der Wohnbevölkerung des Reiches der Juden in Preußen
Selbständige

20,9

54,5

Angestellte und Beamte

16,3

23,4

Arbeiter

42,6

5,9

mithelfende Familienangehörige

8,9

3,7

Hausangestellte

2,2

1,0

ohne Beruf

9,1

11,7

 Bei den Juden sind also mehr als die Hälfte Selbständige, bei der Gesamtbevölkerung nur etwa ein Fünftel. Selbständige, Angestellt und Beamte sind bei den Juden mehr als drei Viertel, bei der Gesamtbevölkerung nur ein starkes Drittel. Bezüglich der Wohnweise der Juden in Preußen ergibt sich die gleiche Einseitigkeit: in zwanzig Großstädten lebten 294.230 = 72.8 % der Ermittelten. Geburtenhäufigkeit der Juden Preußens lag bis 1860 bei der allgemeinen, kurz vor dem Weltkriege war sie nur halb so groß wie die der Gesamtbevölkerung. Andererseits hat die jüdische Sterblichkeit stets weit unterhalb der allgemeinen gelegen. Von 1867 bis 1910 hat die allgemeine Bevölkerung um zwei Drittel, die jüdscihe nur um ein Drittel zugenommen. Für die Zukunft der jüdischen Bevölkerungsentwicklung stellt Silbergleit keine günstige Prognose, indem er die gegenwärtige Altersverteilung „ins Grosteske ausartend“ bezeichnet.

Die in den Silbergleitschen Zahlen nach dem Stand von 1925 (wir sind heute bereits im Jahr 1933) deutlich gemachten Tendenzen des jüdischen Bevölkerungsschwundes, der Vergreisung und Verengerung der Wirtschaftsbasis haben sich in den letzten acht Jahren verstärkt und herrschen in der gleichen Stärke auch in den nicht-preußischen Ländern.

Speziell in Bayern, das vor hundert Jahren noch mehr als zwanzig Prozent der deutschen Juden umfasste, während heute knapp 8 % der deutschen Juden in Bayern wohnen, wich man in früheren Jahrzehnten, besonders in den 30er und 40er Jahren des 19. Jahrhunderts dem wirtschaftlichen und politischen Druck durch eine starke Abwanderung nach Nordamerika, aus. Dieses Ventil ist heute verschlossen; außerdem ist an die Stelle des Wachstums der jüdischen Bevölkerung von damals ein rapider Rückgang, der andauert und immer stärker wird, getreten. Die alten Leute stellen heute in Deutschland bei den Juden einen 1 ½ mal so hohen Satz wie bei den Nichtjuden, während die jüngeren und jüngsten Jahresklassen bei den Juden eine viel kleinere Quote zeigen als bei der übrigen Bevölkerung, deren Altersaufbau im Übrigen schon an und für sich durch eine starke Überalterung gekennzeichnet ist.

Die unabwendbaren Folgen der kapitalistischen Entwicklung, die verästelten Gebilde der gebundenen und verstaatlichten Wirtschaft, die Kartelle und Syndikate mit ihren verheerenden Wirkungen auf ein freies, selbständiges, wagemutiges und ideenerfülltes Unternehmertum, das alles sind Erscheinungen, die sehr häufig geschildert und statistisch dargestellt worden sind. An Stelle eines wirtschaftlich uneingeengten Geländes, auf dem ein Wettbewerb der Begabungen ausgetragen wird, entstanden abgesperrte bürokratische Dienststellen der Kartelle und des Staates. Die Türen dieser neuen Betriebe und Stellen bleiben den Juden meist verschlossen. In der Bayerischen Staatsbank in München gibt es beispielsweise nach einer Aufstellung des Bayerischen Kurier (1930; Seite 159 in dem Artikel „Die Personalverhältnisse bei der Staatsbank“) unter den 1061 Beamten nur einen einzigen Juden. Die Juden haben weinst bekanntlich (vgl. Hümmert, Die finanziellen Beziehungen jüdischer Bankiers  und Heereslieferanten zum bayerischen Staat; München 1927) der Bayerischen Staatsbank zwei Drittel ihres Aktienkapitals besorgt. „Von dem Aktienkapital der bayerischen Hypotheken- und Wechselbank im Gesamtbetrag von 10 Millionen Gulden im Jahr 1835 zeichneten Simon von Eichthal (der Sohn des Münchner Bankier Seligmann, der 1824 als Aron Elias Freiherr von Eichthal starb) 3.337.300 Gulden, sein Bruder Arnold von Eichthal, Bankier in Augsburg, 25.000 Gulden, Maier Anselm von Rothschild in Frankfurt 1.500.000 Gulden, Samuel von Hirsch in Würzburg 30.000 Gulden, die Brüder Aarons in Berlin 150.000 Gulden, der Bankier Isidor Obermayer in Augsburg 150.000 Gulden, Kommerzienrat Marx in München 100.000 Gulden und der Bankier Westheimer in München 70.000 Gulden. Demnach zeichneten diese Geldgeber jüdischer Herkunft insgesamt 6.332.500 Gulden oder 63.3 % des Aktienkapitals (siehe Hümmert a.a.O. Seite 40)

Sic transit gloria mundi! Die Auflösung des wirtschaftlichen Liberalismus hat hier einen einschneidenden Wandel geschaffen. Der eine Prozentsatz Juden in Deutschland hat einstmals in der liberalen Ära der deutschen Wirtschaft ein Mehrfaches an belebender Kraft zum allgemeinen Nutzen beigesteuert. Der rückläufigen Bewegung, die als „Konjunkturkrise“ oder „Strukturkrise“ zu etikettieren den „Gelehrten“ der Wirtschaftswissenschaft überlassen bleibe, kann nicht durch eine Art jüdischer „Autarkie“ abgeholfen werden. Solche Selbstabsperrung nur noch den Rest der jüdischen Wirtschaftskraft zerstören. Zusätzliche Leistung und Pflege der alten jüdischen individualistischen Tugenden, die zusehends abhandenkommen als da sind Sparsamkeit und Selbstbescheidung,

Zähigkeit und Wendigkeit bei absoluter geschäftlicher Zuverlässigkeit, wieder bessere Pflege des Gehirns statt der körperlichen Glieder, sind bessere Mittel als unzulängliche Selbsthilfeorganisationen, die sich leicht caritativ verfärben. Die besondere Fähigkeit des Einzelnen, Klugheit und Tüchtigkeit, Fernhaltung von allem, gerade der beweglichen jüdischen Art so schlecht bekommenden, bürokratischen Geiste, die höchstmögliche allgemeine und fachliche Ausbildung, ein rasch zur Verfügung stehendes reiches allgemeines und spezielles Wissen, die ruhige überlegene Selbstbehauptung in besonders schwierigen Lagen, Anpassungs- und Umstellungsfähigkeit und nicht nachlassende Zähigkeit sind auch heute noch Flügel, die helfen über Tal und Hügel. Allerdings die soziale und wirtschaftliche Gesamtumschichtung und in deren Gefolge die entsetzliche endgültige Ausschaltung vieler williger Kräfte aus dem Erwerbsleben bleibt unabwendbar; das ist gemeinsames Schicksal unserer Generation.”

Anmerkung: Jakob Lestschinsky (1876-1966) befasste sich als Statistiker vor allem mit der wirtschaftlichen Lage der Juden in Europa. In den 1920er Jahren lebte der aus Litauen stammende Autodidakt in Berlin, wo er u.a. Korrespondent des in New York City erscheinenden פֿאָרווערטס war. Lestschinsky wurde bereits im März 1933 von den neuen Machthabern in Berlin verhaftet und als unerwünschter Ausländer ausgewiesen. Er ging zunächst in die USA. Lebte dann aber bis zu seinem Tod in Israel und verstarb 1966 in dessen Hauptstadt Jerusalem.

Siehe auch: http://yiddish.forward.com/

 


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