Zum Schutz der Beschneidung

July 27, 2012

Ein Aufruf der Orthodoxen Rabbinerkonferenz in Deutschland (ORD/ http://www.ordonline.de/), dem wir sehr gerne Folge leisten:

Offener Brief zum Schutz der Beschneidung

Liebe Freunde,


die Diskussion über die Zulässigkeit der Beschneidung nimmt in den Medien teilweise schreckliche Züge an. So gibt es zum Beispiel auf faz.net einen “Offenen Brief zur Beschneidung” http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/offener-brief-zur-beschneidung-religionsfreiheit-kann-kein-freibrief-fuer-gewalt-sein-11827590.html
in dem die Beschneidung von Jungen als “Anwendung von Gewalt” bezeichnet wird.

Um all diesen Artikeln etwas entgegen zu setzen und möglichst auch die im September zu erwartende Diskussion im Bundestag zu beeinflussen, haben Prof. Kyrill-Alexander Schwarz (Universität Würzburg) und “Dr.  XY” (Name auf schriftlichen Wunsch am 20. August 2012 entfernt) ebenfalls einen Offenen Brief zur Beschneidungsdebatte verfasst, der in den nächsten Tagen in einer der großen Zeitungen veröffentlicht werden soll. Die Datei findet Ihr im Anhang.

Jeder, der den Brief mit unterzeichnen möchte, sendet bitte eine Mail mit Name, Beruf/Titel und Wohnort an: T.Ellen.Guggenheim@t-online.de. Bitte leitet diese Bitte auch an Eure Freunde und Bekannte weiter. Je mehr Unterzeichner, desto besser!

Für das Menschenrecht auf elterliche Erziehung
zur religiösen Identität

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, sehr geehrte Mitglieder der Bundesregierung, sehr geehrte Bundestagsabgeordnete,

Im Zuge der Forderung nach einer „Versachlichung“ der Diskussion um die Beschneidung benennen die Unterzeichner eines offenen Briefes an Sie in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 21.07.2012 als Kernpunkt der Debatte eine „Abwägung der Grundrechte auf Religionsfreiheit von Erwachsenen mit dem Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit und sexuelle Selbstbestimmung sowie die Achtung seiner Würde.“. Diese und ähnliche Beschreibungen in der gegenwärtigen Debatte kommen einer Diffamierung der jüdischen und muslimischen Religionsgemeinschaften gleich. Die Beschneidung ist kein Instrument der Eltern zur sexuellen Unterdrückung, Entwürdigung oder Verstümmelung ihrer eigenen Kinder, sondern ein Akt, der die Körper der Kinder vollständig werden lässt: Sie werden durch eine Beschneidung zu einem selbstverständlichen Teil ihrer Religionsgemeinschaften, ebenso wie sie selbstverständlich eine Muttersprache erlernen. Nicht die Eltern, sondern eine Gesellschaft, die muslimischen und jüdischen Kindern eine solche selbstverständliche religiöse und soziale Identität verweigert, verletzt ihre Würde.

 

Die Verabsolutierung des kindlichen Rechts auf körperliche Unversehrtheit bedeutet, dass Normativität nur den unbeschnittenen Körpern der Mehrheitsgesellschaft zugestanden wird; nur sie haben eine selbstverständliche und „natürliche“ Existenzberechtigung. Im Sinne der Religionsfreiheit soll sich ein Mensch daher zwar im Erwachsenenalter frei für eine „abnorme Ausnahme“ entscheiden können, jedoch darf er diese nicht zur Normalität werden lassen – Seine Kinder sollen unbeschnitten bleiben, und nicht die Religion ihrer Eltern, sondern jene der Mehrheitsgesellschaft verkörpern. Jüdischen und muslimischen Eltern wird damit nicht weniger als das Recht auf eine selbstverständliche Nachkommenschaft genommen.

Dies ist ein Eingriff in das zuvörderst den Eltern – nicht dem Staat und nicht der Mehrheitsgesellschaft – obliegende Recht und die Pflicht zur religiösen Erziehung sowie generell zur Erziehung und damit Prägung ihrer Kinder (Art. 6 Abs. 2 GG; Art. 4 Abs. 1, 2 GG; § 1 Gesetz über die religiöse Kindererziehung).

 

Es ist ein zentrales Anliegen des Menschenrechts auf Religionsfreiheit, nicht den Vorstellungen einer Mehrheit folgen zu müssen, sondern für sich das Recht auf ein Leben nach eigenen, dem eigenen Selbstverständnis verpflichteten religiösen Handlungen in Anspruch nehmen zu können. Hier erweist sich der Grundrechtsschutz in seiner zentralen Funktion als Schutz der Minderheit.

 

Mit dem rigorosen Schutz der körperlichen Unversehrtheit des Kindes und seiner Religionsfreiheit werden die Grundrechte des Kindes von Abwehrrechten gegenüber dem Staat, die es bis zu seiner Mündigkeit durch seine Eltern wahrnimmt (vgl. §§ 1, 5 Gesetz über die religiöse Kindererziehung), zu Abwehrrechten gegen Private, namentlich gegen seine eigenen Eltern. Damit kommt der Staat seiner grundgesetzlichen Pflicht zum besonderen Schutz der Familie nicht nach (Art. 6 Abs. 1 GG).

 

In der öffentlichen Diskussion wird immer wieder betont, dass die Bedürfnisse und Traditionen der beteiligten Religionsgemeinschaften berücksichtigt werden sollen. Diese Berücksichtigung soll allerdings nach den Vorgaben der Mehrheitsgesellschaft erfolgen. Geschützt wird in einer solchen Gesellschaft nicht „jüdisches und islamisches Leben im Rahmen der deutschen Rechtsordnung“ – geschützt wird der Traum von einem Land, in dem ausschließlich die Deutungsmuster und Körper der Mehrheitsgesellschaft existieren können.

 

Wir, die Unterzeichner, bitten Sie, den „Kinderschutzgedanken und die Bedürfnisse der betroffenen Kinder zur Grundlage Ihrer Entscheidungsfindung zu machen“ und sich „eindeutig auf der Seite des Kindes zu positionieren“: Jüdische und muslimische Kinder haben das Recht, in einer offenen und pluralistischen Gesellschaft aufzuwachsen, einer Gesellschaft, die ihre Identität nicht kriminalisiert, sondern sie als gleichberechtigt und gleichwertig anerkennt.

* * *

Kommentar zur Diskussion

Es muss etwas mit dem „Sommerloch“ zwischen der Fußball-EM und dem Beginn der Olympischen Sommerspiele in London zu tun haben, vielleicht auch damit, dass man nicht zu viel über das andauernde Gemetzel in Syrien oder über die Entwicklung in Ägypten oder die “Eurokrise” informieren und reden will: Denn selten bekam das Urteil eines einzelnen Gerichts in Deutschland gar so viel Aufmerksamkeit, wie das inzwischen allgemein bekannte Urteil zur “religiösen Beschneidung”, welches selbige als „Körperverletzung“ wertet, freilich ohne näher zu bestimmen, ob das mehr im Bereich einer Watschen, Piercing, Knochenbrüchen oder Hirnambutation zu verstehen ist.

Zwar kann, was viele gar nicht verstanden haben, auch das Kölner Landgericht gar keine Gesetze erlassen (dafür sind in Rechtsstaaten mit Gewaltenteilung noch immer Parlamente zuständig), doch hinderte das eine Vielzahl eifriger Kommentatoren nicht daran, anzunehmen, dass Bescheidung von Kindern in Deutschland nunmehr verboten sei. Dem ist natürlich (noch) nicht so und da keine einzige Partei des Deutschen Bundestages auch nur ein entsprechendes Gesetz erwägt, wird es dazu nicht kommen. Da darüber hinaus auch kein anderes Gericht an die singuläre Entscheidung des Kölner Landgerichts gebunden ist und deren Urteil zudem von einer höheren Instanz revidiert werden kann, müsste man die ganze Sache eigentlich achselzuckend zur Kenntnis nehmen und das Pusten im Wasserglas sozialverträglich gestalten. Allenfalls -ausreichend Langeweile vorausgesetzt – der juristische Weg der Instanzen wäre naheliegend gewesen und der Weg der allgemeinen Rechtspraxis und hätte zudem auch die gesellschaftlich relevante Chance gehabt, die völlig unterschiedlichen Ebenen der Argumentation aufzuzeigen, die nun aber umso lauter am bundesdeutschen Hühnerhaufen zu hören sind.

Ganz offensichtlich lehnt eine – faktisch unberührte – ¾-Mehrheit „der Deutschen“ (in Umfragen, Internetforen, Leserbriefen, … nicht zu vergessen an den Stammtischen) „die Beschneidung“ ab. Das ist zwar ohne Belang, da Christen ja auch nicht nach Mekka pilgern.  Auch war das immer schon so, zumindest in dem Sinne, dass sie selbst für sich und ihre Knaben keine Beschneidung erwogen, obwohl eigentlich auch der christliche Heiland, der bekanntlich beachtliche Heilkräfte gehabt haben soll, als Judenbub ganz in Übereinstimmung dem göttlichen Gebot der Tora beschnitten wurde: „Am achten Tage, als er beschnitten (περιτεμεῖν) wurde, nannte man ihn mit Namen Jesus“ (Luke 2.21).

Doch alle Fakten ändern gar nichts daran, dass in den Diskussionen mitunter „Meinungen“ auftauchen, die man so ähnlich auch im „Stürmer“ lesen kann. Das ist insofern sogar verständlich, als dass die Mehrheit der Bevölkerung im Grunde keine Ahnung hat, worum es eigentlich geht. Normalerweise sagt man da aber: was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht. Hier aber geht es aber um den geplanten Vorsatz zum Missverständnis. Für bestimmte Kreise war das aber eigentlich immer schon so und reichte im Mittelalter von Ritualmord-Anschuldigungen bis zu den von Freud diagnostizierten “Schneideträumen”, die in der Nazizeit durch das omnipräsente jüdische Feindbild dann nochmals mit großem Aufwand verstärkt wurden. Im Grunde eine Psychose. Das wäre auch nicht weiter schlimm, denn gesellschaftliche Akzeptanz würde heute voraussetzen, dass ein jeder nach seiner Fasson leben und selig werden soll.

Es ist keineswegs zwingend, dass man sich  unbedingt in die Angelegenheiten anderer einmischt, bloß weil man keine Ahnung davon hat.

Trotzdem findet man ganz plötzlich eine landesweite Sorge um das Wohl von kleinen Knäblein, die wie immer schon üblich nach jüdischer und islamischer Tradition erzogen werden.

Beschneidung als solche solle zwar nicht verboten werden, jedoch bei Kindern nur noch aus medizinischen Gründen erfolgen. Insbesondere Mediziner verlangen nun aber „Rechtssicherheit“ aus Sorge „kriminalisiert“ werden zu können, etwa so wie früher Ärzte, die inzwischen längst legalisierte Abtreibungen vornehmen dürfen. Deshalb will nun der Deutsche Bundestag (angeregt nicht zuletzt durch die muslimischen Verbände) ein eigenes Gesetz auf den Weg bringen das jetzt schon legale Beschneidungen legalisiert, damit nicht künftig Mose durch Phimose ersetzt wird.

Auch die Argumentation der “Befürworter” handelt im wesentlichen von medizinischen Definitionen, von Hygiene, geringerem Risiken von Krebserkrankungen oder HIV-Infektionen, etc. weshalb auch die Mehrheit der US-Amerikaner beschnitten sei, während die Kontrahenten eben von “Verstümmelung” oder “Gewalt” reden.

Im Prinzip ist es also eine Art Streit unter Ärzten oder zumindest ein weiterer Schritt zur „Medizinisierung“ der Gesellschaft. Ärzte sind es die uns Ultraschallbilder des Ungeborenen zeigen und zuletzt den Totenschein ausstellen und für die Zeit dazwischen gibt es die Pflichtversicherung.

Es ist offensichtlich, dass der Pharma-Medizin-Komplex de facto die gesellschaftliche Rolle der Religion übernommen hat und dass zumindest in Deutschland Ärzte an die Stelle von (christlichen) Priestern getreten und dabei weiter auf dem Vormarsch sind. Das „religiöse“ Argumente dabei kein Gewicht haben, ist eine fast schon banale Nebensächlichkeit, weshalb ein Rabbi Yitzchak Ehrenberg, orthodoxer Rabbiner aus Berlin, der in einer jener Experten-TV-Talkshow behauptete, das „Beschneidungsverbot“ würde den „Tod des Judentums in Deutschland“ bedeuten, bestenfalls Stirnrunzeln hervorruft, während manche abschätzig meinen, dass wenn die “Körperverletzung von Kleinkindern”, die Grundlage des Judentums sei, es um dieses auch nicht weiter schade wäre. Wen kümmern da erst Grundrechte wie Religionsfreiheit nach Artikel 4.1-2 oder noch eigenartiger, die Annahme, dass es GOTTwirklich gibt?

Andererseits, wer ist es, der überall proklamiert, dass über sechzig Jahre nach den Nazis “jüdisches Leben” wieder “normal” sei in “Schland” ..? Wer braucht wen fürs gute Image im Ausland …?

Was nun aber? Wie bereits gesagt, gibt es gar kein Verbot der Beschneidung und es wird auch keines geben, aber wir können damit rechnen, dass der Bundestag ein Gesetz vorlegt und beschließt, das als „Kompromiss“ zwischen den „unversöhnlichen“ Positionen letztlich die Rechte der Mediziner stärkt und Beschneidungen nur noch von „Fachärzten“ durchführen lässt. Das wird einerseits zwar viele jüdische Mammen freuen, da es sodann ein schlagendes Argument dafür gibt, den (beschnittenen) Sohn frühzeitig auf eine Ärztelaufbahn vorzubereiten, andererseits vielleicht zu jüdischen Beträumen in deutschen Kliniken führen, damit man dort die Brit Mila feiern kann, statt in der Synagoge, wo dann schon wieder etwas mehr Platz wäre, um in einer weiteren Vitrine noch mehr Beschneidungsmesser auszustellen… Im Ergebnis wäre und wird an der gegenwärtigen Praxis kaum etwas geändert, aber es war dann gut, dass man geifernd drüber gestritten hat.

Fast wollte man sagen, dass dieses absehbare Ergebnis eigentlich schade ist, und das es besser wäre, wenn es tatsächlich zu einem Beschneidungsverbot käme – durch den Bundestag als Gesetz beschlossen. Ein solches Gesetz müsste  Beschneider wie Eltern natürlich rundweg kriminalisieren und mit möglichst drastischen Strafen (Bußgeld, Haft, Entzug des Sorgerechts, Ausweisung, etc.) sanktionieren, anders machte das ja auch wieder keinen Sinn. Wenn schon, denn schon.

Warum? Es wäre durchaus spannend, wie das von statten ginge. Um die Juden in Deutschland braucht man sich dabei nicht viele Gedanken machen, da sie in der großen Mehrzahl schon recht alt sind und nach vielen Jahrzehnten realen Sozialismus in der Sowjetunion nun noch ein paar Jahre deutschen Sozialstaat ausprobieren. Mehr mit dem Rollator unterwegs ist, braucht eh keine Beschneidung mehr. Unter den Jüngeren gibt es viele Mischehen, Abwanderung ins irgendwie dann doch attraktivere Ausland, aber auch eine Abkehr von den kaum gekannten religiösen Traditionen des Judentums, die nicht mal das Aufstellen von Weihnachtsbäumen zum Jahresende tolerieren wollen.

Um es auf den Punkt zu bringen: selbst in den größeren deutschen Städten gibt es nicht eben viele Beschneidungen in den jüdischen Gemeinden, da auch Sowjets Schneideträume und Ressentiments gegenüber dem Judentum hatten.

Anders sähe es aus mit Millionen von Muslimen in Deutschland. Sie zu kriminalisieren wird sich wohl niemand trauen, sonst brennen wieder Reifen auf den Autobahnen. Schon deshalb kommen in den Medien zu dieser Diskussion meist Juden zu Wort, damit sie das negative Stimmungsbild der Öffentlichkeit abbekommen.

 * * *

For some weeks there is a heated debate in Germany since a district court in Cologne ruled that religious circumcision of little boys was “Körperverletzung”. The judges however did not specify, whether they have ment a simple bodily harm, as a rather harmless slap in the face or a malicious injury, assault or aggravated battery …

The debates – to put it in a nutshell – are superfluous like many comments. Many overheated squabblers just have not even realized, that in Germany laws of course are made by the Bundestag not by a local Landgericht and up to now no single voice in the Bundestag has been raised to demand any law to ban or illegalize circumcision. The Bundestag in contrary will launch a law which allows circumcision which is already legal.

Much ado about nothing.


Die Judensau im fränkischen Spalt

July 20, 2012

Innenhof Stiftsgasse 10 in Spalt, Franken – Judensau mit Tafel und brauner Tonne (links), Waschbecken (rechts)

Im kleinen fränkischen Städtchen Spalt, zwischen Ansbach, Nürnberg und Treuchtlingen gelegen befindet sich im Hinterhof eines Hauses in der Stiftsgasse 10 die Darstellung einer  sog. „Judensau“.

Eine daneben angebrachte Glastafel sorgt für die nötige Transparenz und erläutert die offenbar 20. Station einer Erinnerung an „1200 Jahre Spalt“ (= 810-2010):

 

“Sogenannte „Judensau“

Wohl aus dem 15. Jahrhundert stammend.

Darstellung eines Juden mit einem Schwein – einem für sie unreinen Tiers.

Ursprünglich an einem ehemaligen Stiftsgebäude angebracht.

Absicht: Die Juden als sogenannte „Gottesmörder“ zu verhöhnen.

Eindeutig ein dunkler Fleck in der Spalter Geschichte.

Stadt Spalt – Heimatverein Spalter Land e.V.“

Eine Datierung dazu gibt es nicht, aber man kann für dieses „Genre“ wohl das späte 14. und frühe 15. Jahrhundert vermuten. Um welches „Stiftsgebäude“ es sich handelte (der frühere Straßenname Herrenstr.  deutet vielleicht auf sog. Chorherren) und wer es dort warum angebracht hat und wie die Darstellung nun in den Hinterhof kam, bleibt zunächst unklar, aber ein Spalt ist begrifflich auch eine Lücke und Lücken gibt es häufiger auch in der Überlieferung.

Zumindest aber erzählt ein Video auf youtube, das in zwei Jahren immerhin schon 81 mal aufgerufen wurde, wie es beinahe hätte sein können:

Na, wenn es so gewesen wäre, gäbe es das Thema nicht …

 

Es ist nicht die erste „Judensau“-Darstellung, die uns begegnet, aber doch regt jede Variante immer auch zum Nachdenken über Sinn und Zweck an. Das Exemplar im fränkischen Ort Spalt zeigt ein Schwein unter dem ein Mensch mit angewinkelten Beinen liegt, fast in der Art wie man es von Automechanikern kennt. Am Kopf befindet sich der eher typisierende als typische Judenhut. Da ahnen wir nun, dass der Judenhutträger doch kein Automachaniker ist und keine Zündkerzen auswechselt, sondern mit den Händen an die Zitzen des Schweins greift und vielleicht auch daran saugt. Man erkennt auch noch angedeutete Überreste weiterer Figuren an den Seiten und von oben. Aber das lässt sich alles nicht mehr sicher bestimmen, da die Skulptur doch bereits etwas verwittert ist… Als Idee hingegen ist es aus zahlreichen anderen Darstellungen durchaus geläufig. Und es ist klar, was gemeint ist. Oder?

Bleibt in Spalt also der Jude, der unterm Schwein liegt und offenbar von den Zitzen der Sau saugt. Die Begleittafel sagt uns, dass die Absicht der Darstellung darin bestünde, die Juden als „Gottesmörder“ zu verhöhnen, doch das erscheint noch weniger logisch als das Bild. Zum einem lässt sich so ein „Gott“ nicht mal eben ermorden wie ein Schwein, zum anderen gibt es nach jüdischem Verständnis, welches kein Eigengewächs ist, sondern der Tradition gemäß eben auf die Tora zurückgeht, nur den EINEN und der kann nicht getötet werden, noch weniger als wie eine Ameise unsere Sonne zum Erlöschen bringt. Wie auch immer hat auch der christliche Vorwurf des „Gottesmordes“ wohl sicher nichts mit dem Abbild der Judensau zu tun, außer der Verfasser der Tafel wollte sagen, dass der Jude hier einen Gott in Schweinegestalt eventuell durch Bisse tötet. Das gäbe dem ganzen zwar einen hand- oder gar bissfesten Bedeutungshintergrund, wäre dann aber wie schon gesagt, doch eher … unklar. Jedenfalls ist sicher abwegig anzudeuten, dass die Juden einen Schweinegott getötet hätten.

Das Schwein ist gemäß den Vorgaben der Tora, wie allgemein bekannt zu sein scheint, in keiner Weise zum Verzehr geeignet. Das trifft natürlich so auch auf Katzen, Hunde, Hasen oder Pferde zu und selbst Löwen und Bären, die sich gerne auf jüdischen Wappen finden. Sie sind nicht koscher und dürfen nicht gegessen werden und … übrigens auch nicht getrunken. Ist das Pferd nicht koscher, so auch nicht die Milch von Pferden. Klare Logik, außer bei Bienen, deren Honig man essen darf.

Nun wirft aber die gerade die Darstellung der Spalter Judensau die Frage auf, was der Jude an der Zitze der Sau wohl zu saugen oder zu fingern hat. Vom bio-logischen Standpunkt müsste es sich um Milch handeln. So ein Käse, mag man meinen. Und in der Tat – Überraschung, Überraschung – nirgendwo, auch nicht in deutschen Landen, wo schon viele Schwein gehabt haben, findet man sie nicht – die Schweinemilch, den Schweinekäse.  Nichts. Da kennt man eher noch das „Mäusemelken“ im … nun ja, im deutschen Volksmund, sprichwörtlich, versteht sich. Aber zum Thema „Judensau“ sollte das doch mal zu denken geben, warum fromme Christen Juden unterstellten, sich ihre Milch vom Schwein zu holen, wo Christen selbst und bis heute Schweinemilch und Schweinekäse völlig unbekannt ist.

source:

http://fa.wikipedia.org/wiki/%D8%AE%D9%88%DA%A9_%D8%A7%D9%87%D9%84%DB%8C

Schweine sind aber ohne Zweifel Säugetiere und Sauen geben Milch. Schweine sind keineswegs kleiner als Schafe oder Ziegen und geben nicht weniger Milch, eher mehr. Warum es trotzdem aber keine Schweinemilch und Produkte daraus im Bioladen oder Supermarkt zu kaufen gibt?

Darüber gibt es verschiedene Vermutungen, die aber alle nicht so recht überzeugen, weil man alles in selber Weise auch in Bezug auf Kühe, Schafe oder Ziegen sagen könnte, etwa das doch die Ferkel die Milch bräuchten, … gerade so, als ob man darauf bei Kühen Rücksicht nehmen würde. Schweinemilch habe einen eigenartigen, fast strengen Geschmack, aber auch einen geringeren Gehalt an Fett und Kasein. Das mag stimmen, bei Menschen, … Ziegen und Kühen ist der Fettanteil etwa bei 4 % und wird von den gewöhnlichen Milchtieren nur von Schafen mit 5-6 % übertroffen. Pferdemilch, die es als, wenn auch seltenes, Produkt immerhin gibt, bringt es nur auf 1.5-2 % Fett. Diese Werte erreicht nun aber auch die Milch vom Schwein.

Bei der großen Menge von Schweinen und ihrem geradezu typischen Verbreitungsgrad überrascht das dann doch. Gesagt wird auch, dass Schweine keine Euter haben (Pferde auch nicht) und sie würden nicht so viel Milch „auf einmal“ produzieren, weshalb man öfter täglich kleine Mengen melken müsste. Richtig überzeugend sind diese Erklärungen nicht, denn irgendein cleverer Mensch hätte längst schon eine effektive Schweinemelkmaschine entwickelt, um die Produktion von Schweinemilch zu beschleunigen und zu vervielfachen, gäbe es denn auch nur den Ansatz einer Nachfrage nach Saumilch oder Schweins-Gouda. Interessanterweise finden sich im Internet dann eher noch Beispiele für Versuche aus Menschenmilch Käse herzustellen, Ekel hin, Ekel her. Dann meinen manche aber auch noch , dass kleine Ferkel zu sehr den Babies von Menschen ähnelten … und dass man deshalb keinen Käse aus ihrer Milch herstellte. Trotzdem nun aber finden wir immer wieder die Darstellung von Juden, die von den Zitzen der Sau trinken wollen.

In the court of a house in small Middle Franconian town of Spalt (the German word means “gap”, but more likely derives from spelt, the corn.  The town also has a famous beer tradition) there is another stone depiction of the meadieval German motif of the “Judensau” (Jews Sow), which was attached on the wall of a church, probably. The stone to some degree has weathered, but it is easy to make out the sow and a man with typical Jewish hat lying under the animal and obviously sucking from the teats of the sow.

Next to the depiction is an information board which says that the aim of the “Judensau” was to mock the Jews as “deicider”, what of course only would make sense if the sow was a god and the Jew bites it to death or something.

However, another puzzling question is why Jews were depicted as sucking from the teats of sow – and what actually … milk as we may assume – … however not even Christians at any time have developed products of sow or pigs milk and thus there is also no pig cheese. There are a number of rather clumsy explanations (to complicated, to little fat content, and so on) why there is none, but of course we may expect that whenever there would have been the least demand for hog milk or cheese, etc., they would have invented machinery, proceedings to make it … big. Sure.

Jews sow of Middle Franconian townlet of Spalt

ואבקש מהם איש גדר־גדר ועמד בפרץ לפני בעד הארץ לבלתי שחתה ולא מצאתי

22.30 יחזקאל


Rabbi Josel von Rosheim und das Europa unserer Zeit

June 21, 2012

In Speyer wird im Alten Stadtsaal seit Anfang des Monats eine Ausstellung gezeigt, die den „Josel von Rosheim“ genannten jüdischen Gelehrten (R. Josef ben Gerschon) aus dem Elsass thematisiert, der wegen seiner Auftritte auf Reichstagen (so 1530 in Augsburg) auch in der christlichen, „allgemeinen“ Geschichtsschreibung Berücksichtigung fand, wenngleich natürlich nur in Fußnoten. 

Der Titel der Ausstellung, die auch anderorts gezeigt werden soll lautet (etwas eigenartig):

“Josel von Rosheim (1478 bis 1554) zwischen dem Einzigartigen und Universellen. 

Ein engagierter Jude im Europa seiner Zeit und im Europa unserer Zeit”

Josel Rosheim Ausstellung

http://www.personengeschichte.de/fileadmin/user_upload/pdfs/Josel-von-Rosheim.pdf

Im Text der Broschüre heißt es:


Josel ben Gerschon von Rosheim (1478-1554) ist eine herausragende jüdische Persönlichkeit des 16. Jahrhunderts. Er unterhielt enge Verbindungen zu Kaiser Karl V., die er nutzte, um die Rechtsstellung und Sicherheit der Juden im „Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation“ in einer Zeit des Umbruchs zu schützen. Die Reformation, die seit 1517 das Reich religiös spaltete, führte zu tiefgreifenden Veränderungen, die sich zum Teil in gewalttätigen Übergriffen äußerten. In dieser Zeit wurden jüdische Gemeinden des Reiches häufig in die Position eines Sündenbocks gedrängt.

Als SCHTADTLAN (Fürsprecher) erreichte Josel von Rosheim reichsweit anerkannte Position sowohl bei den jüdischen Gemeinden des Reiches als auch bei den christlichen Landesregierungen, durch die er längerfristig eine stabilere Rechtsstellung jüdischer Gemeinden unter christlichen Herren durchsetzen konnte. Mit persönlichem Engagement verhinderte Josel vielfach religiös und wirtschaftlich motivierte Austreibungsversuche lokaler Obrigkeiten.

Die Sonderausstellung „Josel von Rosheim (1478-1554) zwischen Einzigartigem und Universellen“ widmet sich Leben und Wirken dieses besonderen Menschen, der auch am damals in Speyer ansässigen Reichskammergericht für die Belange der jüdischen Gemeinde wirkte.

Es werden Rahmeninformationen zu den wichtigsten politischen Ereignissen des konfessionellen Zeitalters gegeben sowie die Person des Josels und sein Wirken vorgestellt. Sein politischer und geistiger Nachlass wird in die Umstände der Zeit eingebunden. In einem Ausblick werden Parallelen zu heute aufgeworfen, die zu eienr weiteren Auseinandersetzung mit aktuellen Fragen anregen.

Die Ausstellung wurde von einem Team aus französischen und deutschen Wissenschaftlern unter der Leitung von Prof. Dr. Freddy Raphael (Straßburg) und Dr. Werner Transier (Historisches Museum der Pfalz) erarbeitet. In Frankreich wurde sie bereits in Rosheim gezeigt und ist ab Mai 2012 in Straßburg zu sehen; erste Station war vor kurzem Erfurt gewesen.

Der letzte Teil des Titels verdeutlicht bereits, dass die Veranstaltung eher zeitgenössischen Interessen dient, dem „Europa unserer Zeit“. Jenes Europa also, welches in politischen Gremien darüber beraten will, künftig „Produkte“ jüdischer „Siedler“ (in dieser Kombination erscheint das sonst ganz zu recht völlig harmlose, ja positiv besetzte Wort als ein Art Synonym zu Extremist, wenn nicht schlimmer …) zu boykottieren, oder wenigstens zu kennzeichnen, womöglich mit einem gelben Ring oder einen Stern? Was hat dies Josel von Rosheim zu tun? Biographisch nichts, und dann doch wieder. Wenn man sich Josel am Reichstag in Augsburg vorstellt, „zur Zeit der Reformation“ wie Christen das übertiteln, als Fürsprecher für die Juden und jüdischen Gemeinden, dann könnte man ihn sich auch vorstellen als Besucher im Europarlament, bei der EU-Ratskommission und er verteidigt die Standpunkte und Haltungen der „Siedler“, die zunächst mal nichts anderes tun, als friedlich im historischen jüdischen Stammland zu leben.“

Burggrafenturm AugsburgBurggrafenturm (1507) in Augsburg

Da Rabbi Joselman als „Fürsprecher“ der Juden und jüdischen Gemeinden im „Reich“ und auf Reichstagen „auftrat“ ist er auch in der christlichen, „allgemeinen“ Geschichtsschreibung erfasst, jedoch selbstverständlich eher als Randfigur einer Epoche, die dort ansonsten als jene der „Reformation“ um Martin Luther verstanden wird. Mit dem Juden-Hass Luthers musste sich auch Rabbi Josef befassen. Seine Hass-Schrift „Von den Juden und ihren Lügen“ gewissermaßen den besonderen deutschen Judenhass begründete. Darin forderte er u.a. auf, Synagogen zu verbrennen, ihren Wohnbesitz und Broterwerb zu rauben, ihre Literatur zu vernichten, jüdischen Unterricht zu verbieten und die Juden zur Sklavenarbeit zu zwingen. In der Summe ist das schon recht nahe an dem dran, was man ab der „Kristallnacht“ mit dem Hitler-Regime verbindet – und natürlich haben sich „die Nazis“ auch auf den „Reformator“ berufen. Luther wie auch seine Anhänger versuchten explizit mit antijüdischer Manipulation zu „punkten“, sprich das einfache „deutsche Volk“ auf seine Seite zu ziehen. Die tatsächliche „Fremdherrschaft“ der Römer und ihrer Kirche wurde um eine fiktive Herrschaft der Juden erweitert, die gleichermaßen Ausbeuter gewesen sein sollen. 1525 konnte er die Führer des Bauernaufstands (מרד האיכרים) im Elsass (אלזס) dazu bewegen, den Aufrufen christlicher Hass-Prediger zu widerstehen und nicht die Juden als Adresse ihres berechtigten Zorns ins Visier zu nehmen. Er trat auf als Anwalt gegen Bücherverbrennungen, bei Anschuldigungen von Ritualmorden und ähnlichem … gefährlichen Unfug. Seinen persönlichen Mut stellte er 1520 auch durch eine Reise nach Spanien, von wo „die Juden“ ja erst wenige Jahrzehnte „vollständig“ vertrieben worden waren (sein sollten), um bei Karl vorzusprechen, der bald darauf in Aachen zum Kaiser gekrönt wurde. Rabbi Josef erreichte für die Juden ein Abkommen mit dem Kaiser, das 1530 in Augsburg erneuert wurde. Dort erreichte er auch, dass der getaufte Spätkaräer Antonius Margaritha, dessen „Der gantzer jüdischer Glaub“ das rabbinische Judentum in Verruf bringen wollte, gebannt wurde. In Augsburg musste Rabbi Josef sich und „die Juden“ auch vor dem abwegigen Vorwurf verteidigen, dass sie, „die Juden“ den Abfall der Luther-Anhänger vom „rechten christlichen Glauben“ bewirkt hätten. Das gelang zwar, doch zugleich ergibt sich daraus, dass die beiden rivalisierenden Gruppen (sagen wir: römische und deutsche Christen) durchaus bereit waren, „die Juden“ für ihre Zwecke bereitwillig zu opfern und als Feindbild den Konkurrenten unterzuschieben.  

Rabbi Josel Rosheim

Heute, fast 500 Jahre nach Luther und fast 70 Jahre nach Hitler ist das alles natürlich etwas anders und zeitgenössische Gelehrte sind sichtbar bemüht, auch jüdische Randfiguren ihrer Geschichte einzubinden oder wie immer man dies nennen will. Anyway, Josel von Rosheim und das zeitgenössische talmudische Judentum das er ausgesprochen mutig vertrat, von dem man außer Schlagworten weder was wissen, noch lernen will, sind kaum das wesentliche Interesse der Ausstellung, Vor- und Darstellung, sondern wie bereits der Schluss des Titels eingibt, das „Europa unserer Zeit“.

Warum? Die Wort Martin Walser aus dessen Kontext gerissen (Anmerkung: Und warum sollte es ihm besser gehen als Rabbi Josef ..?) kann man vermuten, es geht um „die Instrumentalisierung zu gegenwärtigen Zwecken“. Welche sind das nun aber im „Europa unserer Zeit“.

Zwar werden europäische Politiker nicht müde, zu wiederholen, dass sie es als wichtiges Anliegen sehen, Antisemitismus zu bekämpfen und es kann kein Zweifel daran bestehen, dass dem auch wirklich so ist. Würde also jemand sich einen Anstecker an die Jacke hängen, auf welchem „Antisemit“ steht, würden Europäer – und in ganz besonderer Verantwortung natürlich gerade auch Deutsche – dem Betreffenden einen weiteren Button mit der Aufschrift „Verboten!“ dazu heften. Freilich nur, wenn der erste Aufruf auf Deutsch und nicht auf Arabisch, Persisch oder Türkisch notiert wurde. Auch sog. „Holocaust-Leugnung“ ist nur in deutscher Sprache strafbar. Der Kampf gegen „Antisemitismus“ geht nun aber immer häufiger einher mit einer Agitation gegen Israel. Beispielsweise versuchen politische Interessensgruppen derzeit einen Boykott von Waren jüdischer „Siedler“ zu bewerkstelligen. Demnach sollen Waren oder Früchte, die von Juden stammen die als „Siedler“ im biblischen Stammland Judäa (jehuda) wohnen speziell gekennzeichnet – oder am besten ganz boykottiert werden. Bislang werden sie wie andere Waren auch als israelische eingeführt. Nun also sollen sie gekennzeichnet werden. Vielleicht wie in der Zeit von Josel von Rosheim mit einem gelben Ring ..?

Das selbe alte Lied also? Kann sein. Wie schade, ja, jammerschade, dass Abraham Goldfarbs jiddisch-sprachige Operette „Rabbi Joselman“ (aus dem Jahr 1892)  nicht überlebt hat, sonst könnten wir die neuen Strophen wenigstens nach einer alten Melodie mitsingen. So aber gilt es im „Europa unserer Zeit“ immer aufzupassen, ob die vorne gezeigte „Judenfreundschaft“ nicht zwangsläufig eine hinterrücks verborgene Agitation gegen den „Judenstaat“ maskiert.

Sprach Joselvon Rosheim 1530 am Reichstag von Augsburg für die Interessen der Juden, deren Synagogen und Häuser und Broterwerb in Abrede gestellt werden sollten, so müsste er heute das Europa-Parlament oder die “edlen” EU-Kommisare aufsuchen, um sie davon abzuhalten, Dekrete gegen die Juden in Judeäa und Samaria zu beschließen, die deren friedliches Auskommen und Leben gefährden.

Die Frage aber ist, ob man im “Europa unserer Zeit” überhaupt lernfähig ist, fast 500 Jahre nach Luther und fast 70 Jahre nach Hitler. Oder ist es nicht doch so wie der frühere deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt es sagte: “Auschwitz würden die Deutschen als Fehler ganz gewiss nicht wiederholen, andere Fehler durchaus.”

Wiesel Haus AugsburgWiesel-Haus im Augsburger Dom-Viertel


Der neue jüdische Erfurter Friedhof an der Seelenbinderstraße

June 7, 2012

Erster Teil

Der neue, 1871 erworbene und seit 1878 genutzte jüdische Friedhof von Erfurt befindet sich zwischen dem Thüringischen Ministerien für Kultus und Justiz und der „Thüringenhalle“, wo Konzerte und sportliche Veranstaltungen stattfinden. Erbaut wurde die Halle im Stil eines niederdeutschen Bauernhofs in der Zeit von 1939-1942 auf zuvor enteignetem und zerstörten Gelände des jüdischen Friedhofs. Auf einen Sportler geht auch der heutige Straßenname zurück, nämlich auf den Ringer Werner Seelenbinder (1904-1944), der zwischen 1933 und 1941 mehrfach deutscher Meister war und 1936 an den Olympischen Spielen in Berlin teil genommen hatte, wo er jedoch die Medaillenränge verpasst. 1942 wurde er jedoch ganz unsportlich als im Untergrund tätiger kommunistischer Widerstandskämpfer verhaftet und noch Ende Oktober 1944 im Zuchthaus Brandenburg enthauptet. In der DDR wurden nach ihm eine Reihe von Schulen, Straßen, Hallen und Plätze benannt.

Die heutige Fläche des145-160 m langen und 80-95 m breiten Friedhofs beträgt etwa 1.3 ha und erhebt sich von 229 auf 236/238 m. Die Anzahl der Grabsteine dürfte etwa 750 betragen. Auf der Rückseite des Geländes befindet sich das große Backstein Tahara-Haus, zu welchem der Zugang über die heutige Straße „An der Thüringenhalle“ erfolgt. Dahinter befindet sich eine Kleingartenanlage in deren Osten die abgelegenen, nach den mittelalterlichen und neuzeitlichen Erfurter Rabbinern Jakob Weil und Adolph Jaraczewsky benannte Straßen verlaufen.

Der neue, östliche Teil des Friedhofs wird von der gegenwärtigen jüdischen Landesgemeinde in Thüringen (Erfurt, Jena, Nordhausen) genutzt, der noch erhaltene westliche Teil enthält die älteren Grabstätten und die Tahara. An deren Front befinden sich zwei große Gedenktafeln mit Judenstern und Wehrmachtshelm zu Erinnerung an 31 Erfurter Juden die in den Jahren 1914 – 1918 „für das Vaterland starben“. Namentlich genannt sind folgende gefallene jüdische Wehrmachtssoldaten:

1: Max Bernstein, Julius Baumgardt, Max Bluth, Arthur Cohn, Paul Cohn, Fritz Elkan, Willy Falkenthin, Herbert Frank, Max Friedmann, Max Werner Grünebaum, Louis Grünthal, Siegfried Jacob, Ludwig Krimke, Kurt Loeb, Fritz Leschziner, Willi Moses;

2: Walter Meyer, Benjamin Meyer, Fritz Müller, Alfred Müller, David Pick, Willy Rothfels, Fritz Rudnicki, Fritz Sabor, Siegfried Schuster, Ludwig Schwarz, Paul Seligmann, Siegfried Ulanperl, Leopold Wachtel, Alfred Weinstein, Moritz Wolff;

Im Gedenkbuch des Reichsbunds jüdischer Frontsoldaten (siehe http://denkmalprojekt.org/) sind zu einer Reihe der genannten Männer weitere Daten vorhanden. So stammte etwa Siegfried Ulanperl aus Leipzig, wo er am 23.07.1897 geboren wurde. Er hatte demnach den Rang eines Gefreiten, gehörte der Maschinengewehrkompanie  „3. M. G. K. R. I. R. 71“ an und starb am 8. November 1918 in Gefangenschaft, nur drei Tage bevor der Waffenstillstand unterzeichnet wurde und der Krieg endete. Arthur Cohn wurde am 11. Mai 1880 in München geboren und starb am 1. November 1916. Gebürtige Erfurter waren u.a. Max Werner Grünenbaum (1898-1918), Fritz Leschziner (1897-1918) oder Fritz Rudnicki (1895-1915), während Fritz Elkan (1895-1916) beispielsweise aus Chemnitz stammte. Wie aus den Angaben zu ersehen ist, starb die Mehrzahl der jüdischen Soldaten in einem recht jungen Alter und mehrheitlich als einfache Gefreite. Den höchsten Rang hatte Leutnant Fritz Müller, der am 24. Dezember 1891 geboren wurde und am 29. August 1918 starb.

Beide Gedenktafeln sind am Rand jeweils mit einem hebräischen Text umschrieben, jedoch sind die unteren Teile davon verblasst und verschmutzt und fast kaum noch lesbar. Vielleicht ist das anstehende Hundertjährige zum Ersten Weltkrieg eine gute Gelegenheit, um dies auszubessern. Auf der ersten Tafel ist der aufsteigende Text nicht sinnvoll zu entziffern. Im dann folgenden besser lesbaren oberen Teil folgt ein Zitat aus Psalm 16.10: כי לא תעזב נפשי לשאול לא תתן חסידך לראות שחת – „… denn Du wirst meine Seele nicht dem Inferno preisgeben und deinem Chassid nicht Verderbnis sehen lassen“. Danach ist der Beginn des darauf folgenden Psalm-Verses 11 zu lesen. Da die Schrift jedoch wieder sehr undeutlich wird, kann nur vermutet werden, dass der Vers vollständig zitiert ist: תודיעני ארח חיים שבע שמחות את פניך נעמות בימינך נצח –  „Du zeigst mir den Pfad des Lebens (orech chaim) voller Freuden in deiner Gegenwart freudig auf ewig“.

 

Die etwas besser erhaltene Inschrift der zweiten Tafel ließ sich vollständig aufklären. Mit etwas Mühe zu erkennen ist das Zitat aus דברי הימים ב  (2. Chronik 15.7)ואתם חזקו ואל ירפו ידיכם כי יש שכר לפעלתכם׃ –  „Ihr, seid stark und schwächt nicht Eure Hände, denn es gibt Lohn für Euer Werk“, darauf folgt nahtlos aber viel besser erhalten ein weiteres Zitat, aus Psalm 23.4:  גם כי־אלך בגיא צלמות לא־אירא רע כי־אתה עמדי שבטך ומשענתך המה ינחמני – „auch wenn ich durchs dunkelste Tal gehe, fürchte ich keine Gefahr, denn Du stehst mir bei, Dein Stab und Dein Beistand trösten mich“. Der weitere absteigende, wieder weniger gut lesbare Text ist ein Zitat aus Jeschajahu 25.8:בלע המות לנצח ומחה אדני ה דמעה מעל כל־פנים וחרפת עמו יסיר מעל כל־הארץ  – „Er schluckt den Tod auf ewig HaSchem der Herr wird die Träne aus allen Gesichtern wischen und die Schändung seines Volkes beseitigen im ganzen Land“.

In der Nähe der Tahara befindet sich eine weitere Gedenktafel die an die wesentlich zahlreicheren ermordeten jüdischen Zivilisten aus Erfurt erinnern: „In stillem Gedenken an unsere ermordeten Brüder und Schwestern“. An den Ecken steht hebräisch „לא אמות“ (ich werde nicht sterben) und „כי אחיה“ (da ich leben werde), was sich aber womöglich bereits auf den dummer Weise in Mengen wuchernden Efeu bezieht. Über dem David-Stern des letzteren Spruch sind einige offenbar gewalttätige Beschädigungen zu sehen.

Auf dem Friedhof befanden sich auch jene Überreste des Friedhofs an der Cyriakstraße, die auf dem dortigen, eingerichteten Restgelände wieder aufgestellt wurden.

Auffällig am älteren Teil des Friedhofs sind eine Anzahl ungewöhnlich gestalteter Grabmale mit teils futuristischer, kubistischer Ausgestaltung, wie beispielsweise das 1925 durch den Erfurter Bildhauer Hans Walther (1888-1961) geschaffene Grabmal für das Ehepaar Max Windsheim (1868-1925) und Adele Windsheim, geb. Dessauer (1878-1938), das vom selben Künstler im Vorjahr (1924) geschaffene Ehrenmal für Julius Jaraczewsky (1870-1924), dem Sohn des früheren Erfurter Rabbiners und dessen Frau Jenny Jaraczewsky, geb. Cerf (1881-1924), die nur sechs Monate nach ihrem Mann starb. Bemerkenswert in dieser Hinsicht ist auch das aus drei Dreiecken zusammengesetzte Denkmal für Frieda Silberstein (1878-1931) , dessen Steinmetz unbekannt ist, ebenso wie das gleichfalls eigentümlich Grabmal des Ehepaars Gabriel Baumgardt (1856-1927) und Regina Baumgardt, geb. Harzfelder (1864-1933. Schließlich wäre da noch das eigenartig achteckige Grabmal von Benno Ullmann (1881-1929) und seiner Frau Bella (1877-1929).

The (meanwhile not so) new Jewish cemetery of Erfurt at Werner-Seelenbinder-Str. partly in 1942 was overbuilt by the Thüringer-Hall next to it. Today there are some 750 grave markers left and there also are memorial plates for 31 German Jewish from Erfurt soldiers of the First World War and for the victims of the Nazis.


Die Erfurter Synagoge

June 4, 2012

Von der 1884 eingeweihten Großen Synagoge (mit Orgel) am Kartäuserring blieben nach der Nazi-Herrschaft nur Trümmer übrig. 1947 erhielt die Nachkriegsgemeinde von der Stadt das Grundstück zurück. Nach einigem hin und her wurde 1952 an selber Stelle ein Neubau eingeweiht, welcher der einzige in der DDR bleiben sollte. Die Gemeinde umfasste jedoch nur wenige Mitglieder. Nach 1990 erlebte auch Erfurt einen Zuzug sog. Kontingentflüchtlinge aus der ehemaligen Sowjetunion. Die heutige etwa 800 Personen (wovon die meisten in Erfurt leben, jedoch gibt es auch Filialen in Jena und Nordhausen) umfassende Gemeinde hat ihren Sitz an der nach Juri Gagarin umbenannten Straße umgeben von inzwischen etwas modernisierten Plattenbauten. Interessanter Weise kommt „Erfurt“ im Namen der Gemeinde nicht vor, die „Jüdische Landesgemeinde Thüringen“ heißt.

Seit Oktober 2010 verfügt die Gemeinde mit Konstantin Pal über einen jungen, aus Moskau stammenden, aber in Berlin aufgewachsenen liberalen Rabbiner, ausgebildet im Abraham-Geiger-Kolleg, dessen Leiter Walter Homolka vom Katholizismus zum liberalen Judentum konvertierte.

Auf der Hinterseite der Synagoge befindet sich wohl nicht ganz zufällig direkt über die Straße eine christliche Missionsstelle, die mit einer Blume am Kreuz in ihrem Schaukasten zitiert: „JESUS sagt: ich lebe und auch ihr sollt leben …“ Da dies faktisch (auch) an die jüdische Gemeinde vis-à-vis gerichtet ist, ist das sicher sehr tröstlich.

At the spot where from 1884 until 1938 was the Great Synagogue of Erfurt since 1952 is the New Synagoguel, the onyl one which was established under the communist rule in Eastern Germany (DDR). Today it is located between industrialized Plattenbau aparment blocks, refuse containers and a Chrsitain Gospel mission which addresses the opposite synagogue with a message from Jesus ” I am living and also you shall live”.

 

 

 


Die Weisen von Erfurt

May 24, 2012

Bernd the Bread, Germany’s authority in performing arts.

In spring he usually is dressed up as Afikoman, although  not exactly voluntary

* * *

Einst ersannen die Weisen von Erfurt

Mal eben die Wieder-Geburt

Der längst schon vergessenen Juden

Und aus allen Bretterbuden

Meldete man noch ne Jungfrau’n-Geburt

   * * *

In Erfurt feierte man den Geburtstag Israels nicht wie dort üblich nach dem jüdischen Kalender, sondern nach dem christlichen, demnach also am 14. Mai und somit mit der Maus ! שבחים על העכבר


Die Erfurter Judensau

May 18, 2012

Zu den herausragenden authentischen Zeugnissen über die mittelalterliche jüdische Gemeinde im thüringischen Erfurt gehört die offenbar nur wenig beachtete „Judensau“ im Erfurter Dom.

Sogenannte „Judensäue“ sind eine hauptsächlich deutsche Eigenart (Beitrag zum Exemplar in Regensburg: https://jhva.wordpress.com/2011/09/06/die-judensau-in-regensburg ) . Sie stellen meist am sog. Judenhut zu erkennende Juden dar, die auf einem weiblich Schwein sitzen oder von unten an dessen Zitzen schlecken und dergleichen. Allgemein wird vermutet, dass die Darstellung von Juden mit Schweinen eine Art Schande für Juden sei, da das Schwein gemäß den Bestimmungen der Tora „besonders unrein“ sei. Zwar ist es zutreffend, dass Schweinefleisch nach den Geboten vom Sinai nicht für den Verzehr geeignet und im Judentum verboten sind, jedoch trifft dies in der genau selben Weise auch auf Delfine, Pferde, Adler, Löwen, Hunde, Elefanten, Insekten, Katzen oder Pandabären zu, die ebenfalls nicht gegessen werden dürfen. Es gibt nichts, was ein Schwein „unreiner“ machen könnte als ein Krokodil, einen Wellensittich oder Kamele. Es gibt hier keinen Superlativ und nicht koscher ist nicht koscher.

Die Fixierung auf das Schwein ist nichts was im Judentum besondere Relevanz hätte, sondern ist vielmehr der eigenartigen Ambivalenz des Schweins im Christentum zu sehen. Während Jesus im Evangelium noch Dämonen in Schweine zaubert und diese sodann in einen Abgrund stürzen lässt, ist auch dem frommsten Christen das Essen von Schweinen selbstverständlich erlaubt. Sehr ausgeprägt ist dies gerade in Deutschland, wo ungezählte kulinarische „Spezialitäten“ zubereitet werden, wie Bratwürste, Schinken, Schnitzel, Schweinshaxen, Saumagen, und vieles andere mehr, was in vielen Regionen geradezu identitätsstiftend zur „echten Tradition“ dazu gehören soll. Offenbar recht leckere „Schweinereien“ sind demgemäß gerade in Deutschland fast sprichwörtlich in aller Munde. Auch, weil andererseits das wohl ganz gerne genossene Schwein auch wieder ein Schimpfwort ist: du Schwein, du Sau, du Dreckschwein, du Ferkel, usw. wecken in christlich-deutschen Ohren Assoziationen, die es so kaum in anderen Sprachen gibt. Im Gegensatz dazu wäre es eher eigenartig ein hebräisches חזיר als Schimpfwort zu gebrauchen, zumal die Wortwurzel „zurückkehren“ (חזר) bedeutet, was wenigstens linguistisch das Schwein zu einem „Rückkehrer“ macht. Andererseits ist im Deutschen das Schwein Ausdruck in ungezählten Wortkombinationen, die sich auch in der stets wandelnden Jugendsprache halten, wie beispielsweise „saugeil“, „saubillig“, „schweineteuer“, „sauertopf“, oder „saublöd“ … die je nach Kontext mal eher positiv, mal eher gegenteilig verstanden werden. Einen solchen Stellenwert hat „das Schwein“ nur in der deutschen Sprache.

* * *

Die „Judensau von Erfurt“ befindet sich am Chorgestühl im Marien-Dom (beatae mariae virginis). Anders als die meisten Judensäue ist die Erfurter keine Steinskulptur. Es handelt sich vielmehr um ein geschnitztes Flachrelief aus Eichenholz, das etwa aus der Mitte des 14. Jahrhunderts stammen soll. Dargestellt ist ein Jude, der auf einer Sau reitet, wobei sein Fuß in einem Steigbügel steckt. Wie anderswo, sind auch hier die Proportionen der insgesamt äußerst aufwendigen und detailreichen Darstellungen völlig unrealistisch, da der Jude kaum größer ist als das Schwein, das in Natura kaum mehr als 80 cm Schulterhöhe erreicht. Das Schwein ist durch die Zitzen eindeutig als weibliches Tier, als Sau erkenntlich. Dem jüdischen „Schweinsteiger“ oder „-reiter“ gegenübergestellt ist nun ein Ritter, der mit einem Pferd auf den Juden zureitet und in einer Hand eine Lanze hält, wie man sie von Rittern kennt, während er in der anderen Hand ein Schild hält, auf welchem ein Fisch abgebildet ist. Im Schweinereiter trägt der Pferdereiter keine Kopfbedeckung, auch keinen für einen Ritter sodann typischen Helm. Beide Reiter sind von einem Weinstock umgeben, wobei der Jude sich mit einer Hand an einem gebogenen Strang festhält, an welchem einige Reben und Blätter hängen. Vielleicht wird dieser dem  Pferdereiter entgegen schnalzen, so der Jude loslässt.

Über den beiden Reitern befinden sich eingekreist zwei musizierende geflügelte Personen („Engel“). Der eine spielt eine Art Geige, der andere offenbar eine Art Harfe. Unterhalb der Reiter befinden sich zwei tierische Figuren: offensichtlich jagt der Hund unter dem Pferd den Hasen unterhalb des Schweines. Letzteres ist eine im mittelalterlichen Judentum durchaus geläufige Darstellung aus zahlreichen illustrierten Pessach-Erzählungen, wobei der verfolgte Hase die Juden darstellt. Insbesondere in der späteren Augsburger Druck-Variante ist das „“Jag den Has‘“-Motiv von besonderer Bedeutung.  Die Tatsache aber, dass Hasen genauso wenig koscher sind wie Schweine und gleichfalls nicht gegessen werden dürfen hat jüdische Maler nicht davon abgehalten Hasen als ein Symbol für das Judentum darzustellen, so wie bereits in der Antike Löwen immer wieder das jüdische Volk darstellen.

Es wird angenommen, dass die Darstellung in einem Zusammenhang stehen könnte mit dem „Pogrom“ an den Erfurter Juden im Jahre 1349, bei dem die jüdische Bevölkerung getötet und vertrieben worden sein soll. Die Darstellung ist von handwerklich herausragender Qualität und man möchte kaum glauben, dass sie bereits über sechseinhalb Jahrhunderte alt sein soll. Jedoch ist es ungleich schwieriger dieses eigenartige Detail im Rahmen einer Serie zahlreicher weiterer bildlicher Motive angemessen zu deuten. So kontrastiert die Disproportionalität der Figuren eigenwillig mit der sehr genauen Darstellung ihrer Details. Während also das Pferd und das Schwein, auf dem die beiden Reiter sitzen, in ganz grotesker Weise etwa gleich groß sind, hatte der Künstler andererseits dann doch Faltenwürfe der Gewänder, Gesichtszüge, Ausstülpungen von Weinblättern, usw. recht genau herausgearbeitet.

Schnitzerei am Chorgestühl im Erfurter Dom: die Darstellung der Judensau befindet sich zwischen den roten Markierungen unten

Die Szene stellt einen mit einer Lanze bewaffneten Reiter auf einem Pferd dar, der einen Mann mit Judenhut, der auf einem Schwein sitzt angreift. Der nach damaligen Maßstäben bestens ausgebildete Elitesoldat attackiert demnach einen unbewaffneten Zivilisten, was nun sicher keine Großtat ist. Eigenartig ist demnach die Geisteshaltung der Christen, die eine solche, recht feige Schandtat ganz offensichtlich heroisieren will. Andererseits mildert die Tatsache, dass der bewaffnete Angreifer auf einem Pferdchen sitzt, das gerade mal so groß ist wie ein weibliches Schwein, die Szenerie gewiss ins Lächerliche, woran auch die musizierenden Engel über ihnen nichts mehr ändern können. Man ahnt fast, dass sie leicht variiert ein Kinderlied anstimmen mochten: „Hopp, hopp, hopp, Pferdchen, lauf Galopp! Über Stock und über Schweine …“

Erfurt “Braugold” Maibock at Biergarten next to the Cathedral (Domplatz), worth a try other than the normal beer

Among the outstanding authentic testimonies about a medieval Jewish community in Erfurt, is the so called “Judensau” (Jews sow) depiction at the choir stalls of Erfurt Cathedral, which however apparently gets only very little attention in the capital of Thuringia which otherwise for a number of years in noticeable extents tries to rediscover its mediaeval Jewish past.


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