Jüdische Famliengeschichte in Schwaben und Böhmen

September 9, 2016

deutsche-botschaft-prag-reprasentanz-bayern-sudeten-prag-kulturverband

Die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in der Tschechischen Republik,
der Kulturverband der Bürger deutscher Nationalität in der Tschechischen Republik,
die Repräsentanz des Freistaats Bayern in der Tschechischen Republik,
und das Sudetendeutsche Büro Prag laden Sie sehr herzlich ein zum Vortrag

750 Jahre deutsch-jüdische Familien-Geschichten
in Böhmen und Schwaben.

Der Vortrag findet statt am

Dienstag, den 13. September 2016 um 15.00 Uhr

im Haus der nationalen Minderheiten der Stadt Prag,
Vocelova 3, 120 00 Prag 2.

Als Vortragender konnte der Geschäftsführer des Jüdisch Historischen Vereins Augsburg Yehuda Shenef gewonnen werden. Herr Yehuda Shenef berichtet über weniger bekannte Aspekte der gemeinsamen Geschichte des deutschsprachigen Judentums in Böhmen und Schwaben.
Böhmen wie Schwaben waren sehr lange Zeit Bestandteile des Habsburgerreiches. Seit dem Hochmittelalter sind enge Familienverbindungen zwischen Prager und Augsburger Juden belegt, sei es durch hebräische Grabsteininschriften, Briefe, Urkunden oder durch zahlreiche Bücher. Was aus der Außenperspektive oft nur als Handelsaktivität erscheint, war im Wesentlichen doch Familien- und Heiratspolitik.

Der Eintritt zum Vortrag ist frei, aus Platzgründen ist (war) jedoch eine verbindliche Anmeldung bis zum 5. September 2016 per E-Mail an info@sks-praha.com erforderlich.

Weitere Informationen finden Sie unter:

http://www.prag.bayern.de | http://www.sks-praha.com | http://www.kulturverband.com | http://www.prag.diplo.de

yehuda-shenef-prag-2016-deutsch-judische-familiengeschichte-bohmen-und-schwaben

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Augsburg Judenhut

September 5, 2016

wearing-a-jewish-hatwearing the Judenhut (medieval Jews hat) in Augsburg

Judenhut in Augsburg Yehuda ShenefAnders als von vielen “Experten” vermutet, war der Judenhut (anders als der gelbe Ring oder Fleck, den Muslime erfunden hatten) im Mittelalter KEIN Merkmal negativer Diskriminierung, sondern diente der Kennzeichnung hochstehender Gemeindeführer, vergleichbar einem Bischofshut bei den Christen. Entsprechend häufig finden sich bei Christen auch Formulierungen wie Judenbischof für Rabbiner oder Gemeindevorsitzende.


Regarding 10 years JHVA

September 1, 2016

As JHVA (Jewish Historical Society of Augsburg) in October gets 10 years old, it is time to provide some figures.

JHVA logo

So far the blog since 2006 has some 783.000 site hits, what is quite amazing if you consider that in the first months there was a monthly average of 15 or 22. Now the average is about ten thousand

In the last three years alone there were a quarter million visitors here from virtually all countries in the world, including mainland China (except Iran, Cuba, North Korea and some similar free countries – but we have regular visitors from Vatican City as well as from Palestinian Territory. What Hamas and the Pope have in common? They both read our weblog on a regular basis. Just kidding..!..?)

This entry is article No. 1.084 on this weblog. The articles contain over 5.000 photos and documents

Up to now there were some 1600 approved comments, hardly no insulting ones and some 4.400 email request. The later make an average of 440 each year, so you can figure out that there is at least one daily. The vast majority of those request have been serious ones.

However, AKISMET has protected our site from 108.726 spam comments so far. The appearance of the weblog obviously would be quite different if not. Thanks for that.

We also would like to thank the current number of 308 followers to the blog as well as 118 additional subscribers of the somewhat similar (or: different) Facebook-edition.


Zur Familiengeschichte jüdischer Viehbauern und Metzger in Kriegshaber

August 28, 2016

Obwohl Dokumente für die Siedlung von Juden in Kriegshaber erst aus der Zeit um 1560 erhalten sind, ist doch davon auszugehen, dass die jüdische Geschichte vor Ort weiter zurückreicht und wahrscheinlich mit der österreichischen Herrschaft in der Markgrafschaft Burgau beginnt. Dafür spricht zum einem die unmittelbare Nähe zu Augsburg, die auch für die damalige Zeit mit Pferden und Wagen keine Welt waren, zum anderen die günstige Verkehrslage auf dem Handelsweg von Augsburg nach Ulm, Frankfurt und Straßburg.

 

Einige der Kriegshaber Juden stammten aus Oberhausen, wo sie nach der Aussiedlung von Augsburg in den frühen 1450er Jahren ausgewichen waren. Unter der vorderösterreichischen Regierung der Habsburger verlagerten sich die Handelswege zunehmend von den Flößern der Wertach auf die Straße, wovon Kriegshaber gegenüber Oberhausen profitierte.

100 Jahre Kriegshaber in Augsburg Logo JHVA

Charakteristisch für die Geschichte Kriegshabers als jüdisches Straßendorf, das die Hauptstraße des Ortes prägte, ist die sehr hohe Anzahl von Viehbauern, Züchtern und Metzgern, mit der es sich von den jüdischen Nachbardörfern Pfersee (Finanzhandel, Chemie) und Steppach (Stoffe) wesentlich unterschied. Zeitweilig war weit mehr als die Hälfte der Kriegshaber mit Viehzucht, Handel oder Metzgerarbeiten beschäftigt. Die führte dazu, dass bald in jedem zweiten Haus ein Metzgerbetrieb war oder damit im Zusammenhang stehende Arbeiten verrichtet wurden. So ist es vielleicht naheliegend, dass 1830 David Skutsch, der Sohn des verstorbenen Kriegshaber Rabbiners und Schwager von dessen Nachfolger in der Ulmer Straße 216 als weltweit erster ein Patent auf die Herstellung von Duftkerzen nebst königlichem Privileg (Alleinvertriebsrecht) erhielt. Den grundlegenden Talg für den umworbenen „Kriegshaber Duft“ gab es vor Ort in Übermaß und billig wie kaum woanders.

Kriegshaber in Bildern - am Straßenrand der Weltgeschichte - 100 Jahre Eingemeindung Augsburg 1916 2016

Da die Metzgereien den Eigenbedarf der Ortschaft, die um 1790 etwa sechshundert Einwohner hatte (davon rund 400 Juden), deutlich überstieg, verwundert es auch nicht, dass die jüdischen Viehbauern vor allem auswärtige Kunden versorgten. Der Erfolg der Kriegshaber Juden war sprichwörtlich und überregional bekannt und stieß freilich nicht nur auf Beifall, sondern auch auf krankhaften Neid. Ein Beleg dafür ist die antijüdische Erzählung des unter dem fiktiven Namen „Veitel Itzig“ veröffentlichte Geschichte eines fränkischen Antisemiten, der Jahrzehnte vor den ominösen „Protokollen der Weisen von Zion“, die Emanzipationsbestrebungen der Juden in den 1830er Jahren als heimliche „Verschwörung zur Erlangung der Weltherrschaft“ diffamierte. Der Verschwörer ist ein Metzger und als Ausgangspunkt ist Kriegshaber der Ort der Handlung.

 

Das jüdische Geschichte, wie bereits jeder Bibelleser an Hand zahlreicher Abstammungslisten und Erzählungen in der Bibel weiß, im wesentlichen immer auch vor allem Familiengeschichte ist, lässt sich auch an Hand der Geschichte Kriegshaber nachvollziehen. Anschaulich wird dadurch wie der angestammte Broterwerb sich in den Familienclans fortführte und durch zahlreiche Heiraten neue Impulse integriert wurden.

Kriegshaber jüdische Schule Eingang Ulmer Straße 2013 Umbau

Der bedeutendste Familienzweig unter den Kriegshaber Viehbauern waren ohne Zweifel die Mändle (Mendel), die direkt im Haus neben der Synagoge wohnten, und deren Oberhäupter es zu Hoffaktoren und Ausrüstern von Bischöfen, Herzögen, Königen und Kaisern brachten. Ein besonders herausragendes Beispiel war 1744 die Krönung von Kaiser Karl VI in Frankfurt am Main, für die die Unternehmung Abraham und Josef Mändle von München und Kriegshaber aus den gesamten Fuhrpark nebst Reiterei  besorgte und ausstatte. Eine historische Randnotiz deren logistische Leistung wir heute bestenfalls erahnen können.

 

Mit den Heiraten ging natürlich immer auch ein Wissenstransfer einher. Als im Frühjahr 1699 die Tochter des Vorsitzenden der Pferseer den Sohn des Prager Rabbiners heiratete, erkundigte sie sich bei ihr Kriegshaber Tante Riwke, der Frau des Kriegshaber Metzgerprüfers Meir Ulmo, nach heimischen Kochrezepten und erhielt in einem handschriftlichen Brief eine Sammlung schwäbisch-jüdischer Kochrezepte mit „Wertach-Forchelfisch“ (Forellen), „Erdpirn“ (Kartoffeln), „Leinel“ (Leinöl), gefüllte Mangoldblätter und „Kasbraut“ (Käsekuchen).

 

Wie die Mayer stammten auch die Mändles als Nebenlinien von den Ulmo ab und wurden selbst von den meist aus dem österreichisch-schwäbischen Umland zugezogenen Familien Dick, Einstein, Oberdorfer, Bach und Rothschild aufgefrischt, während  sich die Mayers in Kriegshaber weiter in die Zweige Mayer, Untermayer und Obermayer aufspalteten, die ebenfalls als metzger und Viehzüchter tätig waren, teilweise ein eigenen Betrieben, während andere auf der Basis von Fetten chemische Stoffe herstellten.

 

Besondere Bedeutung für die frühmoderne Geschichte Augsburgs erlangten dabei der Ulmo-Mayer-Nebenzweig Obermayer. Jakob Obermayer und seine Geschäftspartner Feitel Kaula, Westheimer und Efraim Ulmo statteten 1803 die bankrotte Reichsstadt mit einer halbe Million Gulden aus und retteten sie so zwei Jahre vor der drohenden und letztlich dann unausweichlichen Annexion durch das Herzogtum Bayern, die durch Napoleons Besuch 1805 besiegelt wurde. Obermayer durfte nun in Augsburg als Bürger wohnen und gilt damit als Begründer der modernen Augsburger Gemeinde, die Formel freilich erst von seinem Enkel ins Leben gerufen wurde.  Sein Sohn Isidor Obermayer (1795-1862), der 1821 das heute als Augsburger Standesamt bekannte Palais kaufte war Mitbegründer der Bayerischen Staatsbank, wie auch der Hypovereinsbank und besorgte als Eisenbahnpionier aus England auf eigenes Risiko Schienen und Lokomotiven für die erste bayerische Überlandbahn von Augsburg nach München. Sein ebenfalls noch in Kriegshaber geborener Sohn Carl von Obermayer (1811-1889) hatte wenig für Geschäfte übrig, vertrat aber im väterlichen Haus als Konsul die Vereinigten Staaten von Amerika in Augsburg. Dem Augsburger Naturkundemuseum schenkte er bedeutende ethnologische Sammlungen die bei seinen Reisen im Wilden Westen Amerikas erworben hatte, lange vor Buffalo Bill und Karl May. Schließlich wurde er auch Vorsitzender der vom Bayerischen König offiziell anerkannten israelitischen Kultusgemeinde von Augsburg unter dessen Führung diese auch einen eigenen Friedhof und eine neue Synagoge (Wintergasse) bekam.

Bis in die 1930er Jahre blieben in Kriegshaber zuletzt noch die Gebrüder Einstein als Metzger und Viehzüchter präsent. Als Nebenlinie der Mändle hatten sie eine Reihe der früheren anderen betriebe aufgekauft, ererbt und übernommen. Freilich nahm mit der modernen Industrialisierung in großen Massenschlachthöfen den Kriegshaber Juden das zuvor auf Vertrauen und Qualität beruhende Geschäft ohnehin weitgehend aus der Hand. Schließlich wurde im bereits Mai 1933 in Deutschland durch die Nazi-Regierung auch noch das Schächten verboten. Die Einsteins stammten aus Buchau, wie auch die Familie des berühmten Albert Einsteins, dessen Vorfahren ebenfalls Metzger und Viehzüchter waren.

 

Ganz verschwunden ist die Erinnerung an die jüdischen Metzgerfamilien von Kriegshaber auch heute nicht, wenngleich die oft zu hörende Frage, ob der bekannte Kriegshaber Metzger Joachim Goldstein denn auch Jude sei. Doch der ehemalige Fußballprofi der Anfang der 1980er Jahre beim FC Augsburg und beim TSV 1860 München in der zweiten Fußballbundesliga spielte, hat freilich nur einen Familiennamen der in den Ohren mancher „jüdisch“ klingt.

 

Artikel von Yehuda Shenef, erschienen in “Kriegshaber in Bildern – Am Straßenrand der Weltgeschichte”, Wissner-Verlag, Augbsurg 2016, S. 63 und 65 (Abbildung oben)


Henry Landman

January 6, 2015

Zum Tod von Henry Landman (Heinz Landmann), einem der letzten Überlebenden der jüdischen Vorkriegsgemeinde in Augsburg, der 1920 in Augsburg geboren wurde, 1938 emigrierte und 1945 als US-Soldat in seine Heimatstadt zurückkam, erschien in der “Augsburger Allgemeinen” ein Nachruf von Gernot Römer:

http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Im-Herzen-blieb-er-Schwabe-id32517767.html

Augsburg Königsplatz LEW Judenstern

Judenstern (magen david) über dem LEW Gebäude am Königsplatz (Ecke Halder- und Schaezlerstr.) Augsburg

ברוך דיין האמת

 

 


ehemalige Schwäbische Synagogen

April 4, 2013

Some snap shots of former synagogue buildings in Bavarian part Swabia:

ehemalige Synagoge Oettingen Ries Schwabenformer synagogue of Oettingen

Synagogue Hainsfarth inscriptionHebrew inscription above the entrance doors of former Hainsfarth synagogue

Dinkelsbühl synagogeAt the former synagogue of Dinkelsbuehl

Harburg Synagogeformer synagogue of Harburg (Ries)

Restauration Kriegshaber synagoguerestoration works at former synagogue of Kriegshaber

Judenhof Kleinerdlingen NördlingenAt “Judenhof” in Kleinerdlingen (s. 1972 part of Noerdlingen)


“Der Augsburger Judenkirchhof”

January 18, 2013

Ab sofort erhältlich bei info@sol-service.de

Tel: 08252/ 88 14 80                 /               Fax: 08252 / 88 14 829

und im Buchhandel

Augsburger Judenkirchhof Buch Yehuda Shenef

Kokavim-Verlag, 2013, 176 Seiten

ISBN: 978-3-944092-01-0

Preis: 29.50 €

Band 1 der Buchserie zur Geschichte der jüdischen Friedhöfe in Augsburg und Schwaben:

Yehuda Shenef:   Der Augsburger Judenkirchhof  – Zur Geschichte und zu den Überresten des mittelalterlichen jüdischen Friedhofs in der Reichsstadt Augsburg

 

Zum Inhalt: Die mittelalterliche jüdische Gemeinde in Augsburg war in ihrer Zeit eine der bedeutendsten in Europa. Aus eigenen Mitteln baute sie einen Teil der Stadtmauer. Die Augsburger Juden besaßen eine herausragende Rechtsstellung, die Vorbild für viele andere Städte und Gemeinden war. In ihren Schulen lehrten wohlbekannte und einflussreiche Gelehrte. Kaiser Ludwig verpfändete seine Stadt München an jüdische Kaufleute in Augsburg und nicht zuletzt wurden eine Reihe der frühesten hebräischen Drucke in Augsburg gefertigt.

Vom mittelalterlichen Friedhof, dem „Judenkirchhof“ gibt es trotz der Größe und Bedeutung der Gemeinde nur wenige Aufzeichnungen und Überreste. Dennoch sind einige Grabsteine und Inschriften aus der Zeit von 1230 bis 1445 überliefert und teilweise erhalten. Fünf davon wurden erst in den letzten Jahren entdeckt.

Das Buch zeichnet anhand von mittelhochdeutschen, lateinischen, hebräischen und jüdisch-taitschen Schriftquellen die Geschichte des in der Öffentlichkeit kaum bekannten Friedhofs und den damit verbundenen Abschnitt der Stadtgeschichte nach und trägt erstmals alle bislang bekannten Daten und Erkenntnisse zusammen. Neben zahlreichen, meist farbigen Fotos und Plänen werden alle bekannten Inschriften präsentiert, übersetzt und kommentiert. Ein Verzeichnis aller bekannt gewordenen Juden des mittelalterlichen Augsburg und Stammbäume von Familien, deren Nachkommen später wieder in der Umgebung Augsburgs siedelten, runden den ersten Band ab, woran der zweite, der sich mit dem Friedhof der Gemeinden Pfersee, Kriegshaber und Steppach befasst, anschließt.

 

Zu den bekannten Herkunftsorten der mittelalterlichen Augsburger Juden gehören: Aichach, Friedberg, Ingolstadt, Schrobenhausen, Basel, Zürich, Trier, Köln, Wien, Worms, Speyer, Mainz, Ulm, Rothenburg ob der Tauber, Sonthofen, Esslingen, Schaffhausen, Koblenz, Nürnberg, Dinkelsbühl, Oettingen, Stuttgart, Nördlingen, Harburg, Pappenheim, Regensburg, Neuburg, Höchstädt, Dillingen, Lauingen/Donau, Frankfurt am Main, Landau, Wertingen, Landsberg am Lech, Zusmarshausen, Mühldorf am Inn, Mindelheim, Memmingen, München, Donauwörth (Werth), Freising, Bischoffsheim, Strassburg, Günzburg, Heidelberg und Burgau.

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Anmerkung zur Seite 9: Xanten ist nicht in der Schweiz, gemeint war natürlich die Sonsbecker Schweiz.

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Band 2 zur Geschichte des jüdischen Friedhofs in Kriegshaber / Pfersee erscheint im Frühjahr 2013

Band 3 zur Geschichte des jüdischen Friedhofs Hochfeld (Haunstetter Straße/ Alter Postweg) erscheint im Frühsommer 2013

Band 4 zur Geschichte des jüdischen Friedhofs Binswangen erscheint im Sommer 2013

http://kokavim.wordpress.com/