Erste Stolpersteine in Augsburg

May 27, 2014

Peutinger-Haus Augsburg Stolpersteine Adlhoch DemnigVersammlung vor dem Peutinger-Haus in der Peutinger Str. 11

Am 26. Mai verlegte Gunter Demnig die ersten beiden Stolpersteine in Augsburg. Sie erinnern an die Katholiken  Anna und Hans Adlhoch und wurden – stadtgeschichtlich symbolträchtig – beim Peutinger-Haus verlegt – gegenüber des Doms.

Stolpersteine Adlhoch AugsburgGedenksteine für Anna und Hans Adlhoch

Demnig Stolperstein Augsburg

Für sein Stolperstein-Projekt wurde Demnig bereits im Jahr 2005 mit dem mittlerweile weithin anerkannten German Jewish-History Award der Obermayer Foundation ausgezeichnet:

http://www.obermayer.us/award/awardees.htm

Seitens des JHVA befürworten wir ausdrücklich auch die Einsetzung von Stolpersteinen zur Erinnerung an die ermordeten Augsburger Juden. Nur wer sich vor Ort mit seiner eigenen Geschichte auseinandersetzt, kann verstehen, was Geschichte ist. Wer aber aus rein egoistischen (Ab)Gründen anderen Generationen die Gelegenheit dazu verheimlichen will, handelt töricht und wird deshalb selbst keinen guten Namen in der Zukunft besitzen.

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German Jewish History Award in Berlin verliehen

January 24, 2011

Die Obermayer Foundation mit Sitz in West Newton, Ma. zusammen mit dem Abgeordnetenhaus in Berlin verleiht bereits im elften Jahr im Plenarsaal den „German Jewish History Award“ (der  auf gut Deutsch vielleicht auch “Deutsch-Jüdischer Geschichtspreis” lauten könnte), an eine Anzahl zuvor meist von verstreuten Nachkommen ehemaliger jüdischer Gemeinden in aller Welt empfohlener „nichtjüdischer“ Deutscher auszeichnet, die sich aus freien Stücken, also ohne beruflich entsprechend tätig zu sein, für die Dokumentation und/oder Erhalt früherer jüdischer Einrichtungen in Deutschland ehrenamtlich und tatkräftig einsetzen. Die Verleihung findet statt unter der Teilnahme von Arthur Obermayer und dem langjährigen Parlamentspräsidenten Walter Momper, der zur geschichtsträchtigen Zeit der “Mauerfalls” Regierender Bürgermeister der zunächst noch geteilten Stadt war.

Zu den zahlreichen bemerkenswerten Preisträgern der vergangenen Jahre gehörten Persönlichkeiten wie Joachim Hahn, Gisela Blume, Rolf Hofmann, Hans-Diter Arntz und im letzten Jahr Angelika Brosig die in Schopfloch erstaunliches leistet. In diesem Jahr wurden u.a. Barbara Staudinger und Heinz Högerle (Horb), Michael Heitz (Eppingen) und Peter Körner aus Aschaffenburg ausgezeichnet.

http://www.obermayer.us/award/

Der 1931 in Philadelphia geborene Gründer und Vorsitzende der Obermayer – Stiftung Dr. Arthur S. Obermayer, jüngerer Bruder des Journalisten und Autoren Herman J. Obermayer (1924) , und im Jahre 2007 selbst mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet, ist väterlicherseits ein Nachkomme von Juden aus Augsburg, Kriegshaber und Pfersee mit reichlichen familiären Verbindungen in der gesamten Region von Bayerisch-Schwaben und darüber hinaus.

For the 11th time today in Berlin the German Jewish History Award is given to a number of gentile Germans who as individuals  “have made outstanding voluntary contributions toward preserving and recording the Jewish history, heritage, culture and/or remnants of local German communities“. The founders of the Obermayer Foundation who award the annual prizes however are grandsons of Hermann Obermayer (1829 Kriegshaber – 1897 Philadelphia) who descended from Jews in Kriegshaber, Pfersee, Augsburg and the whole region of former Austrian Swabia, which since 1805 is Bavarian.


Die Obermayer – eine jüdische Familie in Deutschland und Amerika

April 23, 2010

The Obermayers – A History of a Jewish Family in Germany and America 1618 – 2009

by Kenneth Libo and Michael Feldberg

A History of a Jewish Family in Germany and America 1618 – 2009 - by Kenneth Libo and Michael Feldberg

Publisher: Obermayer Foundation, Inc.;   ISBN: 0615303811

Das Buch von Kenneth Libo und Michael Feldberg, beide anerkannte Historiker, porträtiert den Werdegang der Bostoner Obermayer Familie in den USA und begibt sich auf die Spurensuche ihrer Vorfahren in Deutschland. Diese führen nach Creglingen, Fürth und Augsburg/Kriegshaber. Dabei ist es auch vor allem für Genealogen interessant, finden sich im Anhang doch ausführliche Stammbäume von über Jahrhunderte weitverzweigter Familien.

Diese setzen jedoch erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts an und offenbaren hier mangelnde Recherche, wie auch die Ortsgeschichte in Kriegshaber und Augsburg, die wir vor Ort besser beurteilen können, als die anderen Ursprungsorte, etwas dünn geraten ist und keine zusätzlichen Erkenntnisse bietet. Die Familie der Obermayer taucht ohne ihre seit Jahrhunderten in der Region lebenden, teilweise recht prominenten Vorfahren sozusagen aus dem Nichts auf.  Gänzlich ausgespart bleibt beispielsweise Pfersee. Aber auch dem herausragenden Stellenwert den zahlreiche Mitglieder der Obermayer-Familie einnahmen, wie etwa die vielfältige Präsenz und mannigfaltigen familiären Querverbindungen (z.B. Ullmann, Wertheimer, usw.) vor Ort, die das Werden der neuzeitlichen jüdischen Gemeinde in Augsburg, aber auch die Stadt Augsburg selbst im 19. Jahrhundert nachhaltig prägten, ist von den Autoren allenfalls sporadisch erfasst worden.

Trotzdem ist es, insbesondere in den folgenden. “amerikanischen”  Teilen ein äußerst gut zu lesendes und spannendes Buch mit vielen interessanten zeitgeschichtlichen Details aus dem Leben der amerikanischen Nachfahren der Obermayer-Familie und ihren vielfältigen politischen und kulturellen Engagement. Besonders beachtenswert sind etwa die Bücher von Herman „Obe“ Obermayer, dessen „Soldiering for Freedom“ das in „Kriegsbriefe“  aus den 1940er Jahren wertvolle Einblicke für das Zeitgeschehen in Frankreich  und Deutschland aber auch Augenzeugen-Berichte von den Nürnberger Prozessen geben. Nicht minder bedeutsam, wenngleich in ganz anderer Weise ist sein erst 2009 erschienenes Buch über William Renquist (1924-2005), dem langjährigen Vorsitzenden des Obersten Gerichts der Vereinigten Staaten von Amerika:  „Rehnquist: A Personal Portrait of the Distinguished Chief Justice of the United States“. Ein weiterer Höhepunkt, sind die in Europa kaum bekannten Auseinandersetzungen der Obermayer‘schen Moleculon Research Corp. um das Patent des früher in aller Welt omnipräsenten „Rubik’s Cube“, der in Deutschland 1980 als „Zauberwürfel“ zum „Spiel des Jahres“ ausgezeichnet wurde. Einen Kampf „David gegen Goliath“ ganz anderer Art vermittelt schließlich noch die erheiternde Episode um einen Wrestler („The Tree Incident“), die auf andere Weise zeigt, dass die Mitglieder der Obermayer-Familie sich ihrer Wurzeln nicht nur bewusst sind, sondern, wenn es sein muss sie auch mutig verteidigen.  In diesem speziellen Zusammenhang kommt die Darstellung der Obermayer Foundation und des nunmehr bereits seit zehn Jahren verliehenen „German Jewish History Awards“ für nicht-jüdische Deutsche, die sich für den Erhalt jüdischer Friedhöfe, usw. einsetzen auch deutlich zu kurz. Am jüdischen Friedhof Kriegshaber / Pfersee sind es aber gerade nicht ganz zufällig Grabsteine der Obermayer – Vorfahren, die als einzige in der Nachkriegszeit restauriert wurden. Zwar sind diese Arbeiten mangels Pflege inzwischen auch bereits wieder hinfällig, doch spiegelt die 1989 angebrachte Widmungsinschrift die Gesinnung der Obermayer wieder:

Pride in Ancestry transcends Holocaust, War and Time

Die 1989 erneuerte, bereits wieder zersprungene und überwucherte Erinnerungsinschrift für Heinrich Obermayer (17921872).

An eine deutsche Ausgabe oder Übersetzung des Buches ist seitens der Herausgeber, wegen der vermuteten Ermangelung einer entsprechenden deutschen Nachfrage nicht gedacht. Das Original ist u.a. hier zu beziehen

http://www.amazon.com/Obermayers-History-Germany-America-1618-2009/dp/0615303811

  • Hardcover: 270 pages
  • Publisher: Obermayer Foundation, Inc. (July 10, 2009)
  • Language: English
  • ISBN-10: 0615303811
  • ISBN-13: 978-0615303819
  • Product Dimensions: 10.1 x 7.3 x 0.9 inches