Video: Naomi Harris Rosenblatt reads from the Kriegshaber Cemetery Geniza Sidur

June 8, 2010

Mrs. Naomi Harris Rosenblatt from Washington D.C. is a psychotherapist and author on topics related to women in the Bible and married to the lawyer Ambassador Peter R. Rosenblatt . Visiting with us the cemetery in order to look for graves of her husband’s Swabian ancestors the new renter of the former Tahara house (where the corpses were washed) Richard Mills called our attention for some findings he had made days before in the attic of the house. Along with some phials or small bottles he has discovered an old Jewish book under the floor board. Since he could not read the Hebrew letters he also could not figure out what kind of book it is, but was aware that it must be an old, rare and  valuable one. Since the former keeper of the cemetery Hermann Felber Jun. decades ago already discovered a Hebrew devotional book for mourning and funerals (from the Hebrew year 5608) in the attic all indications are that in the attic and under the roof of the former Tahara house is a kind of Geniza.

The Hebrew term Genisa or: Geniza (גניזה) literally means “treasure” and is a store-room for worn-out Hebrew books and papers on religious topics and the like since it is forbidden to throw away writings containing the name of God in Hebrew. The best known Geniza in the world is the one of Old Cairo (Fustat) where Jacob Saphir discovered in 1864 in the old Ben Ezra Synagogue almost 200.000 documents dating from 860 to 1860. However it is quite usual to remove the contents of a Geniza periodically and to bury them at a cemetery, so of course commonly there are not that many items in a Geniza unless it was not forgotten. Hence the term Geniza itself does indicate not quantity but quality of findings, namely if the finding was deliberately hidden under a floor board, in a niche and so on. That obviously was the case in the attic of the former Tahara of the Kriegshaber cemetery.
Since there was no professional scientific examination and inventory so far it is of course more appropriate to expect further findings under the roof of that 285 year old building – which by the way by far is one of the oldest preserving in Kriegshaber and Pfersee. The local and stately monument conservator, the community and museum were informed and so we should hope the best for the preservation of the Jewish heritage. The prayer book itself contains at least some prototypes for that. In recent decades many Geniza findings were made especially in Southern Germany, for instance in the Lower Franconian small town of Veitshoechheim (1994).

The video shows all items Mr. Mills had presented us just a minute ago in front of the house. Mrs. Rosenblatt who actually was born in the Israeli harbor town of Haifa fortunately speaks good Hebrew and also is used to the content of orthodox Hebrew prayer books.  She was offhandedly ready and willing to present the book to my camera, to describe and to read from it so that I may film it for the purpose of our documentation of the cemetery and its history. Since it may be unclear for a longer time what will happen to the finding and when it will be accessible to what kind of public it was the best decision and we are very grateful that Mr. Rosenblatt helped us to document this.

The Sidur itself is in the Ashkenazi (the medieval Hebrew term for Germany) and Polish tradition (מנהג) and was printed in Amsterdam.  There will be a further more detailed description in the near future.

Video: ( just click the link and start the player at vidup.de )

Naomi Rosenblatt reads from the Krieg… | Vidup.de high quality video upload

Naomi Harris Rosenblatt aus Washington D.C. ist Psychotherapeutin und Autorin zu Themen über Frauen in der Bibel und verheiratet mit dem Rechtsanwalt und früheren US-Botschafter Peter R. Rosenblatt. Beim Besuch mit uns auf dem Friedhof, um nach Gräbern der zahlreichen schwäbischen Vorfahren ihres Mannes zu sehen, machte uns Richard Mills der neue Mieter des ehemaligen Tahara Haus (wo die Leichen gewaschen, aufgebahrt und für sie gebetet wurde) darauf aufmerksam, dass er beim Verlegen von Leitungen Tage zuvor auf dem Dachboden des Hauses unter den Dielen einige Funde gemacht hatte. Zusammen mit einigen Ampullen oder Fläschchen entdeckte er ein altes jüdisches Buch unter dem Boden. Obwohl er die hebräischen Buchstaben nicht als solche identifizieren und das Buch nicht lesen und auch nicht herausfinden konnte, welche Art von Buch es ist, wurde ihm doch bewusst, dass es sich um ein sehr altes, seltenes und wohl auch wertvolles Exemplar handeln musste. Da auch der ehemalige Friedhofspfleger Hermann Felber (bis 1980) vor Jahrzehnten bereits ein hebräisches Andachtsbuch für Trauer und Beerdigung auf dem Dachboden entdeckte, sprechen alle Anzeichen dafür, dass auf dem Dachboden und unter dem Dach des ehemaligen Tahara Haus eine Art Geniza zu erwarten ist.

Der hebräische Begriff Genisa oder: Geniza (גניזה) bedeutet wörtlich “Schatz” und ist ein Abstellraum für abgenutzte hebräische Bücher und Papiere mit religiösen Bezügen, der benutzt wird, da es verboten ist, Schriften wegzuwerfen, in denen der Name Gottes im Hebräischen genannt ist, um nicht das Gebot den Gottesnamen zu missachten zu übertreten. Die bekanntesten Geniza der Welt ist zweifellos jene in Alt-Kairo (Fustat), wo Jacob Saphir 1864 in der alten Ben Esra Synagoge fast 200.000 Dokumente aus der Zeit von 860 bis 1.860 entdeckte. Das ist aber natürlich kein Maßstab für die übliche Verwendung einer Genisa, da üblicherweise die angesammelten Inhalte einer Genisa dort nur angesammelt wurden, um sie in regelmäßigen Abständen auf einem geeigneten jüdischen Friedhof zu bestatten. In aller Regel sind in einer Geniza also nicht hunderte oder gar tausende von Fundstücken zu erwarten, insofern sie nicht aus welchen Gründen auch immer vergessen wurde. Daher definiert sich der Begriff Geniza auch nicht über die Quantität, sondern über die Qualität der Funde, die bewusst in einem sonst unzugänglichen Teil, etwa unter einem Fußboden oder in einer Nische versteckt sein müssen. Dass nun war im Dachgeschoss des ehemaligen Tahara Hauses am jüdischen Friedhof von Kriegshaber und Pfersee augenscheinlich der Fall. Da es dato keine professionelle wissenschaftliche Prüfung und Bestandsaufnahme des Fundes und der Fundsituation gibt, aber umfangreiche Baumaßnahmen des neuen Mieters im Gange sind, ist es natürlich sinnvoller, weitere Funde unter dem Dach des 285 Jahre alten Gebäude (übrigens bei weitem eines der ältesten erhalten in Kriegshaber und Pfersee) zu erwarten. Die lokalen und staatlichen Denkmalpfleger; Gemeinde und Museum wurden informiert und so sollten wir das Beste hoffen für den Bestand und Erhalt des jüdischen Erbes – wofür zumindest das Gebetbuch selbst eine Reihe von Textvorlagen bietet. In den letzten Jahrzehnten viele Geniza Ergebnisse wurden vor allem in Süd-Deutschland, zum Beispiel in der unterfränkischen Kleinstadt Veitshöchheim (1994).

Das Video zeigt nun alle Gegenstände die Herr Mills uns gerade erst vor dem Haus präsentiert hatte. Frau Rosenblatt, die in der israelischen Hafenstadt Haifa geboren wurde spricht glücklicherweise gut Hebräisch und ist, wie sich zeigte zudem auch mit dem Inhalt orthodoxer hebräische Gebetbücher vertraut. Sie war gerne und spontan dazu bereit, das Buch für die Kamera zu präsentieren, zu beschreiben und daraus zu lesen, um das Sidur auf diese Weise für unsere Dokumentation des Friedhofs und seiner Geschichte zu filmen. Da auf unabsehbare Zeit wohl unklar bleibt, was mit dem Fund passiert, wann und wo er einer wie gearteten Öffentlichkeit in welcher Weise präsentiert und zugänglich gemacht wird, war unsere spontane und unmittelbare Aufzeichnung vielleicht die zunächst beste Weise von der Existenz des Fundes und der Qualität etwas zu vermitteln.
Das Sidur selbst ist in der aschkenasischen (die mittelalterliche hebräische Bezeichnung für Deutschland) und polnischen Tradition (מנהג) und wurde in Amsterdam gedruckt.
Unser Dank gilt Herrn Mills für die Bewahrung des Fundes und Frau Naomi Rosenblatt für ihre Bereitschaft den Fund angemessen zu dokumentieren.

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Eine Geniza im ehemaligen Taharahaus des Kriegshaber Friedhofs?

May 24, 2010

Herr Mills, neuer Bewohner des ehemaligen Tahara-Hauses am Kriegshaber Friedhof entdeckte in den Dielen beim  Verlegen einer neuen Telefonanlange und bei der Instalation einer TV-Sateliten-Anlage am Dach einen kleinen offensichtlich alten, etwas zerknüllten und angeschimmelten Sidur und eine Anzahl kleiner alter Glasfläschchen und Vasen. Ein verstöpseltes Glasgefäß diente dem Anschein nach als Besamim-Behälter für die Hawdalla. Der Sidur, nach minchag aschkenaz vepolin stammt der halbwegs erhaltenen Titelseite gemäß aus Amsterdam. Im hinteren Teil ist der Sidur noch recht gut lesbar und folgt dem Anschein nach unser bekannten Gebetordnung. Frau Naomi Harris Rosenblatt aus Washington D.C. mit ihrem Gatten, den früheren US-Botschafter Peter Rosenblatt gerade bei uns zu Gast in Augsburg und deshalb mit uns am Friedhof zur Besichtigung von Grabstätten zahlreicher schwäbischer Vorfahren war sehr berüht von diesem Fund und war spontan bereit verschiedene Passagen aus dem Fundstück vorzulesen und von mir entsprechend filmen zu lassen.

Somit deutet einiges daraufhin, dass es im Dachboden des ehemaligen Taharahauses am jüdischen Friedhof von Kriegshaber und Pfersee eine Art von Geniza gibt, in welcher traditioneller Weise unbrauchbar gewordene heilige Gegenstände aufbewahrt wurden. Gerade in Süddeutschland wurden eine reihe bedeutender Geniza-Funde in den letzten Jahrzehnten gemacht, weshalb wir dringend daraufhinweisen, dass es eine fachkundige Untersuchung der Funde und eine bislang ausgebleibene Aufnahme der Fundsituation und weitere Untersuchung geben sollte, da andernfalls auch hier weitere Überreste der reichhaltigen Geschichte des schwäbischen Judentums zerstört werden.

Die Fundstücke selbst wurden von uns mittels Frau Schilling entsprechend weitergeleitet.  Jedoch ist es unerlässlich eine Frage der Denkmalschutzbehörden, hierzu Stellung zu nehmen.

A geniza found was made in the attic of the former tahara house at the Jewish cemetery of Kriegshaber / Pfersee. It is an old ashkenasi sidur from Asterdam and a number of small phials, one of them obviously was used a besamim vial for the havdallah.