Denkmal für Juden in Weilheim

October 1, 2015

Nach dreijähriger Planung wurde 2010 am städtischen Friedhof von Weilheim in Oberbayern ein zweiteiliges Denkmal aus rotem Sandstein errichtet, das an die Weilheimer Juden erinnern soll und das lokalpolitische Befürworter des Denkmals sich explizit einen Platz im Zentrum Weilheims wünschten. Geschaffen wurde es von dem aus Kaufbeuren stammenden und für seine einfachen geometrischen Formen bekannten Bildhauer Egon Stöckle (geb. 1936), der mit den beiden Teilen auch an den damaligen „Zivilisationsbruch“ erinnern wollte.

Jewish Memorial at Cemetery Weilheim Oberbayern Jüdisches Denkmal Friedhof

Die Inschrift des größeren Teils lautet „Die Stadt Weilheim gedenkt aller jüdischer Mitbürger die unter der NS-Herrschaft 1933-1945 gequält und verfolgt, vertrieben und beraubt wurden.“ (“The City of Weilheim remembers all Jewish fellow citizens who under the rule of Nazi 1933-1945 were pained, persecuted, expelled an bereaved.”)

Stadt Weilheim Denkmal jüdische Mitbürger 1933 - 1945

Auf dem schrägen, kleineren Monument sind acht Namen von Weilheimer Juden erwähnt:

Emil Buxbaum, Hedwig Buxbaum, Johanna Buxbaum, Ernst Buxbaum, Richard Grünwald, Johanna Schmidt, Bernhard Schmidt und Sabina Schmidt – sie wurden verschleppt und ermordet.“ (… they were kidnapped and murdered)

Juden Weilheim Denkmal Friedhof Buxbaum Schmidt Grünwald

Da weitere Angeben zu den namentlich genannten fehlen, ist es auf Anhieb nicht möglich, sich einen Reim darauf zu machen. Sucht man mit der Ortsangabe Weilheim im Register von Yad & Schem in Jerusalem, so stößt man lediglich auf Bernhard Schmidt, Johanna Schmidt und Sabina Schmidt. Über sie Zeugnis abgelegt hat Drora Jakobi (geb. Schmidt), ihre in Israel (Cholon, חולון) lebende Schwester, die 1955 auf Hebräisch und 1985 nochmals auf Deutsch Angaben  machte. Demnach hießen die Eltern, zu denen es in der Datenbank keine Einträge gibt und die sich auch nicht auf dem Weilheimer Denkmal finden, Abraham und Franziska (Fanny) Schmidt. 1955 in hebräischer Sprache trug Drora Jakobi nur zwei Geschwister ein. Bruder Bernhard war demnach am 17. Dezember 1930 in Weilheim geboren worden, von Beruf „Schüler“ (תלמיד) und endete dem Zeugnis gemäß 1943 im Krematorium von Auschwitz, bestenfalls 13 Jahre alt. Seine jüngere Schwester  Chana, mit dem Spitznamen „Heni“ (am Gedenkstein als Johanna erwähnt) war am 12. August 1933 geboren worden und war von Beruf „Schulkind“ (ילדה בבית ספר). Im März 1943 starb auch sie in Auschwitz, im Alter von 9 Jahren. Nur im zweiten, deutsch-sprachigen Zeugnis erwähnt ist  die älteste Tochter von Abraham und Fani Schmidt, die am 11. Oktober 1920 geborene Sabina, als deren Geburtsort jedoch nicht Weilheim, sondern „Polen“ genannt ist. Das deutet daraufhin, dass die Schmidts trotz des deutschen Namens ursprünglich aus Polen stammten. Die Identität zu ermitteln wird damit freilich auch nicht einfacher, da sich in der Datenbank von Yad & Shem in den denkbaren (deutsch, polnisch, englisch und jüdischen) Schreibvarianten immerhin 76 Einträge zu (wegen abweichender Geburtsdaten und Herkunftsorten überwiegend unterschiedlichen) „Abraham Schmidt“ finden, von denen die meisten aus Polen stammen. Man könnte allenfalls raten. Die Angabe, dass die Familie von Weilheim nach München gezogen war, hilft ebenfalls nicht weiter, da in den Münchner Adressbüchern jener Jahre wiederum kein Eintrage zu Abraham Schmidt sind. Aufschluss (ggf. auch über den Verbleib der Eltern) können wohl nur Melderegister in Weilheim geben. Im Adressbuch von 1936 ist Abraham Schmidt als “Arbeiter” unter der Adresse Herrenfeldstr. 9 eingetragen.

Jews Cemetery Memorial Weilheim Juden Denkmal Friedhof

זיכרון ליהודים שנרצחו בעיר העליונה-בוואריה של ויילהיים

למשפחות שמידט בוקסבאום גרוענוואלד

Gleichfalls unergiebig sind die Informationen zu den am Denkmal erwähnten Buxbaum, die sich im Koblenzer Gedenkbuch*) als Münchner finden lassen. Man kann vermuten, ob sie im familiären Zusammenhang mit der Augsburger Buxbaum stehen, die eine weithin bekannte Fabrik für landwirtschaftliche Maschinen besaßen. Immerhin findet sich im “Weilheimer Tagblatt” bereits 1874, eine entsprechende Werbeanzeige von “E. Buxbaum“(daneben eine Anzeige des Bankiers E. Landauer). Auch könnten die jeweils mit E beginnenden Namen der Weilheimer Brüder darauf verweisen.

E. Buxbaum Augsburg Maschinen und E. Landauer Bankier Weilheimer Tagblatt Inserat 1874

Emil Buxbaum, der seit 1920 am Weilheimer Marienplatz (im Weilheimer Adressbuch von 1936 lautet seine Anschrift “Adolf Hitler Platz 6″) ein Bekleidungsgeschäft besaß

(Abbildung: http://www.primolo.de/archiv/Weilheim/hp_innen4.htm),

war demnach am 17. September 1887 geboren und starb 1943 im lettischen Riga, wohin er wie seine Familie verschleppt worden war, so auch seine Frau Hedwig (geb. am 7. Juni 1899). Ebenso ihr am 30. April 1925 geborenes Kind Johanna Buxbaum – sie kam 1943 in Riga ums Leben. Der 1897 geborene Ernst Buxbaum (wohl der Bruder von Emil) beging bereits 19. April 1940 Suizid. Nähere Angaben zu welchen Umständen auch immer gibt es nicht in den Gedenkbüchern, die offenbar auch Grundlage für die am Denkmal überhaupt genannten Namen sind, findet sich dort auch Richard Grunwald. Von ihm ist lediglich dort nur erwähnt, dass er am 25. November 1884 geboren wurde, in Auschwitz landete und 1955 als vermisst galt.

Im Adressbuch von 1936 findet sich aber auch Richard Grunwald und zwar als Sägewerkbesitzer (“Deinhaus-Werk” arisiert als “WeHoBa”) am Trithofweg 19, unter derselben Anschrift genannt sind noch Arnold und Bernd Grunwald, jeweils mit dem Zusatz Kaufmann. Es ist anzunehmen, dass sie verwandt waren, Frauen und Kinder hatten. Was aus ihnen wurde lässt sich schwer sagen, da Yad & Shem auch zu Arnold Grunwald 45 Treffer hätte, die meisten von ihnen aus Böhmen.

Wenn man bedenkt, dass wohl kaum jemand beim bloßen Lesen im Adressbuch einen Richard Grunwald oder Bernd Schmidt als Jude in Betracht ziehen würde und viele einen solche Vermutung oder Zusammenhang gewiss in Abrede stellen würden, stünden diese Namen nicht eben auf dem offiziellen Denkmal … und berücksichtigt man zudem, dass mit ihnen verwandte Personen, deren Existenz sich schon aus einem bloßen Blick ins damalige Adressbuch von Weilheim ergibt, … von amtlichen Melderegistern ganz zu schweigen … ist es klar, dass die bloß acht Namen am Denkmal derer man sich recht ungenau “erinnern” will, offensichtlich damit einhergehen, viele andere für immer zu vergessen. There is a Gschmackle as the Swabian saying goes.

urbs caelestis hevenly city himmlische stadt Weilheim Jerusalem

?עיר שמיימית – ירושלים או ויילהיים

Four members of the Buxbaum family are mentioned on the memorial at the municipal cemetery of Weilheim, three of the Schmidt siblings whose sister Drora (married Jacoby in Cholon, Israel) managed to survive and gave testimony in 1955 and 1985 on behalf of her murdered sisters and brother and Richard Gruenwald.

The memorial, which is hidden in the rear part of the cemetery next to large soldier memorial however hall has no dates or other information on the names. So it is left to your own effort to find out what was their relation, age or whatever.

Since the names of the parents of the Schmidt siblings are not mentioned as well as a number of relatives of the Buxbaums and other Weilheim Jews, it is rather unlikely that there were just eight of them who were murdered and adressed as “all Jewish fellow citizens” …

Richard Grunwald for instance, as a cursory look into the Weilheim adressbook from 1936 reveals was the owner of a saw or lumber mill and in his house lived also Arnold and Bernd Grunwald, who maybe were his sons or brothers, but or not mentioned as well.

What one can figure out with a closer look on Weilheim?

We may come back on that later.

If you have further knowledge on the Jews of Weilheim, please let us know.


Gedenken an 141 ermordete Ulmer

June 23, 2015

Am Platz der neuen Synagoge in Ulm befindet sich ein Denkmal, welches an 141 ermordete Juden aus Ulm erinnert

Ulm Holocaust Memorial Synagoge

 

Memorial for 141 Jews murdered by the Nazi Regime and it helpers

Ulm Synagoge Gedenktafel 141 Tote Juden

בזכירה סוד הגאולה

Ulm Holocaust memorial

Dem Denkmal eingegeben ist der Satz „Das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung“. Dabei soll es sich um ein Zitat handeln, das dem Baal Schem Tow (Rabbi Israel ben Elieser, 1698-1760, dem Neubegründer des osteuropäischen Chassidismus) zugeschrieben wird, der es aber wahrscheinlich eher nicht auf Deutsch gesagt haben wird. Obwohl das (durch Yad Vashem international bekannt gewordene) Zitat bislang nirgends belegt werden konnte, weißen manche Kommentatoren darauf hin, dass es nur unvollständig ist, und komplett „Das Vergessen verlängert das Exil, in der Erinnerung liegt das Geheimnis der Erlösung” geheißen haben soll. Und natürlich soll sich der „BeSCHT“  um die Mitte des 18. Jahrhundert auch nicht auf den „Holocaust“ bezogen haben, sondern auf die Rückkehr nach Israel und die Wiedererrichtung des Tempels in Jerusalem. Das klingt sicher plausibler, beantwortet aber auch nicht die Frage nach der Quelle des zugeschriebenen Zitats, insofern man es hier mit der Erinnerung genau nehmen will. Wie gut also, wenn man sich auf Yad Vashem berufen kann …

Die Tora mahnt uns zu an Schabbes zu erinnern, dem Weggang aus Ägypten, aber auch an Amalek … doch was besagt das im Zeitalter der Zitate und Kurznachrichten? Über Google und Co. wird das Zitat bereits einige Male dem ehemaligen deutschen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker als Autor zugeschrieben, da er es wohl 1985 bei einer Rede im Bundestag zitierte, auf Deutsch freilich. Aber das hält auch englische Webseiten nicht ab, ihn als Quelle für das übersetzte „in remembrance lies the secret of redemption“ (für dass es ab Ende der 1970er publizierte Belege gibt) zu nennen. Vielleicht war  der im Januar verstorbene Politiker Weizsäcker eine Art deutscher Balschemtof. Da es auch die Alzheimer-Variante der Erinnerung gibt, sollte man ungeprüfte Zitate auch nicht so genau nehmen, auch wenn es bequem ist, in den Tagen von sms und twitter (wo 140 Zeichen erlaubt sind pro Nachricht)

Für das Ulmer Denkmal ist das alles nicht relevant, verblassen dort doch bereits schon wieder einige der 141 Namen, an die das Denkmal erinnern wollte.

Ulm Holocaust Denkmal 141 names

fading names of murdered Jews from the City of ULM (at river Danube)

The memorial has the alleged quote of Baal Shem Tov “in remembrance lies the secret of redemption” on it, which is known from Yad Vashem in Jerusalem. However the actual source so afr has not been varified so far, while in the internet also a number of pages in English refer it to the former German president Weizsacker, who quoted the verse in his 1985 speech at the Bundestag in order to address the 40th anniversary of the end of world war two, where he called it a day of liberation, what caused a lot of discussions ongoing in Germany until today. Of course “most” (<-crucial point) Germans fought until the(ir) bitter end of the Nazi regime and they were defeted not liberated.

Synagoge Ulm

אמר הבעש’ט= רק זכירה שיש בה מעשה, תיוניות בה


Jumping the shark

January 1, 2014

Oberhausen Shark Hospital JosefinumShark in Hospital Auxburg Oberhausen

Augsburg Oberhausen Josefinum, Kirche, Rathaus, SchuleÜberreste des alten Oberhausen mit dem historischen Rathaus (Mitte vorn)


Fuerstenfeldbruck Airfield Memorial

November 3, 2013

Fürstenfeldbruck Airfield Fliegerhorst 1972 Olympia Memorialבשדה התעופה פירסטנפלדברוק

Am frühen Morgen des 5. September 1972 erstürmten acht bewaffnete palästinensische Terroristen im sog. „Olympischen Dorf“ in der Conollystr. 31 in München das Quartier der  israelischen Sportmannschaft, wobei sie zwei Israelis verwundeten. Sie verbluteten ohne medizinische Versorgung und Hilfe.  In der Gefangenschaft erhielten die noch lebenden, aber geknebelten Athleten Besuch vom damaligen deutschen Innenminister Hans-Dietrich Genscher. Zweck des Gewaltverbrechens war die Freipressung inhaftierter Terroristen, unter anderem die in deutschen Gefängnissen inhaftierten deutschen Terroristen Baader, Meinhof und Co. von der RAF, in deren nachträglichen Erklärung u. a. bereits von „Israels Nazi-Faschismus“ die Rede ist. Seitdem eine geläufige Metapher im Munde linker und rechter Extremisten.

Fürstenfeldbruck Fliegerhorst Denkmal 1972

Die gefangenen Sportler und die palästinensischen Gangster wurden gegen halb elf Uhr abends mit zwei Helikoptern zum nahegelegenen Militärflughafen Fürstenfeldbruck geflogen, wo sie bereits nach elf Minuten Flugzeit landeten. Wie zwischen den deutschen Behörden und den Palästinensern vereinbart wurde, sollte von hier aus ein Flugzeug die Terroristen und die Gefangenen nach Kairo fliegen.

Wenige Minuten nach Landung der Helikopter auf dem Flugfeld begannen die deutschen Gastgeber die palästinensischen Gangster zu beschießen. Den teilweise widersprüchlichen Berichten gemäß waren die Sicherheitskräfte überfordert, schlecht koordiniert und dürftig ausgerüstet, was angesichts der Geschichte und Bedeutung des Ortes wenigstens überrascht:

1935 wurde von den Nazis auf dem Feld zwischen Fürstenfeldbruck und Maisach die sog. Luftkriegsschule (LKS) als größte und bedeutendste Ausbildungsstätte des Deutschen Reiches geschaffen. Zu den dort errichteten, noch erhaltenen Bauten gehörten der sog „Kilometer“-Bau, der tatsächliche aber „nur“ 998 Meter lang ist. Bekannt sind der Turm des Schulungsgebäudes und der „Nibelungen-Saal“, dessen Fresken von dem nationalsozialistischen Künstler Albert Burkhart (1898-1982) gestaltet wurden. Nach dem „Untergang“ war Burkhart Professor und Leiter der Staatlichen Kunstschule in Frankfurt am Main und wurde 1969 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Am Flugfeld Fürstenfeldbruck wurden die Piloten der in zahlreichen Außenlagern der Umgebung von Zwangsarbeitern gefertigten Messerschmitt „Me 262“ ausgebildet.

Fliegerhorst Fürstenfeldbruck Deutsche LuftwaffeFliegerhorst Fürstenfeldbruck: Deutsche Luftwaffe

Seit 1957 befindet sich dort nun ein Stützpunkt der Luftwaffe der Bundeswehr, der aktuellen Planungen nach 2019 geschlossen werden soll. Die bis dato einzige Bedrohung stellte der als „Pasinger Knödelschütze“ bekannt gewordene Anwohner Helmut Winter  (geb. 1919) dar. Um gegen den Fluglärm zu protestieren, hatte er Mitte der 1960er Jahre damit gedroht mit einem Knödel-Katapult die Gerätschaften der Luftwaffe auszuschalten, was für internationale Aufmerksamkeit und einiges Gelächter gesorgt hatte. Unter anderem berichtete auch die New York Toimes darüber: http://web.archive.org/web/20070927172047/http://wirtshausinderau.de/knoedelei/gfx/zeitung/002.gif

Die palästinensischen Gangster hatten mehr als nur Knödel mitgebracht, und die Bundeswehr an ihrem Standort überrascht.

Die Schießerei zwischen den deutschen Schützen und palästinensischen Terroristen dauerte allen Berichten gemäß etwa von halb elf Uhr bis um halb zwei Uhr, als etwa drei Stunden, was in den meisten Darstellungen filmisch auf wenige Augenblicke oder Minuten verkürzt und deshalb für das situative Verständnis missverstanden wird.

 Zwischenzeitlich hatte Conrad Ahlers sogar die “erfolgreiche Befreiung” der Sportler verkündet.

Ahlers (1922-1980) war Sprecher der von Willy Brandt geführten Bundesregierung und diente in Kriegszeiten bei der Luftwaffe und an der Ostfront.

Fürstenfeldbruck Fliegerhorst Denkmal 1972 (3)memorial at entrance of Fuerstenfeldbruck Airbase

Keiner der entführten Israelis überlebte. Sie starben gefesselt in ausgebrannten Helikoptern. Ob sie im einzelnen von deutschen oder palästinensischen Schüssen getroffen wurden, ehe die Fluggeräte durch detonierte Handgranaten in Feuerbälle verwandelt wurden, diese innerhalb oder unterhalb explodierten, … ist auch nach über vierzig Jahren umstritten und ebenso wenig zu klären, wer am 5. oder erst am 6. September 1972 starb.

Der deutsche Polizist Anton Fliegerbauer der ums Leben kam wurde übrigens im Turm von einem „Querschläger“ getroffen.

Luftwaffensützpunkt Fürstenfeldbruck not walkable: Luftwaffe Airbase Fürstenfeldbruck

Am 5. September 1999 wurde vor dem Eingang des Luftwaffenstützpunktes ein Denkmal zur Erinnerung an die ermordeten israelischen Sportler und den getöteten deutschen Polizisten eingeweiht. Gestaltet wurde es von dem deutschen Bildhauer Johann Ludwig Götz (geb. 1934) aus Gröbenzell, dessen Wettbewerbsentwurf den Zuschlag erhalten hatte. Das eigentümliche Konstrukt ist an der linken Mauer neben der vielbefahrenen Einfahrt zum Luftwaffenstützpunkt platziert.

Die Inschrift des Denkmals lautet:

Während der Spiele der XX. Olympiade wurden am V.IX.1972 von Terroristen getötet

Mosche Weinberg, Josef Romano, David Berger, Seew Friedman, Josef Guttfreund, Elieser Halpin, Amizur Shapira. Kehal Shorr, Mark Slavin, Andre Spitzer, Jaakow Springer, Anton Fliegerbauer

Fürstenfeldbruck Olympia Massaker Denkmal Memorial Inschrift

Denkmal Fürstenfeldbuck Olympia 1972 1999 Hannes L. Götz

Olympia Murder Memorial 1972 Fuerstenfeldbruck Luftwaffe Bundeswehrmemorial next to the entrance of the Luftwaffe airbase

Wegen der berechtigten Kritik, dass das Denkmal sowohl die Herkunft der Mörder und Ermordeten verschweigt, etablierte man einige Meter neben dem Denkmal eine weitere erklärende Inschrift, die zumindest diesen Sachverhalt verdeutlicht:

Während der Spiele der XX. Olympiade in München überfielen palästinensische Terroristen die Sportmannschaft des Staates Israel, töteten zwei Menschen und nahmen neun weitere als Geiseln.

Beim Versuch, die Geiseln zu befreien, starben am 05. September 1972 auf dem Flugfeld des Fliegerhorstes Fürstenfeldbruck alle neun israelischen Sportler und ein deutscher Polizeibeamter.

Erinnerungstafel Fürstenfeldbruck Olympia 1972additional explanation naming the nationalities of the killers and the murdered

„Gestorben“ waren auch fünf der palästinensische Entführer und Mörder. Ihre Namen bleiben unerwähnt, ebenso wenig wie der Umstand, dass drei überlebende Gangster kaum drei Monate seitens der sozial-liberalen Bundesregierung Brandt / Scheel freigelassen wurden, weshalb sie sich sodann im arabischen TV als “Helden” feiern lassen konnten.

Neben der zusätzlichen Erklärungstafel befindet sich ein weiteres Schild, was sich im Kontext mit dem Geschehen, dem hier gedacht werden soll, eigentümlich liest, nämlich der Hinweis, dass es bei dem umzäunten Areal um einen „Militärischen Sicherheitsbereich“ handelt:

Unbefugtes Betreten ist verboten! Vorsicht Schusswaffengebrauch!

– Der/Die Standortälteste

Fürstenfeldbruck Militärischer Sicherheitsbereich Olympia Denkmal Schusswaffengebrauch

Was der (nur deutschsprachige) Hinweis besagen soll? Vielleicht will man damit an künftigen Terroristen ein Exempel statuieren? Falls ja, wäre es ggf. sinnvoll auf Arabisch anzumerken: ممنوع الوصول للإرهابيين – Das wirkt bestimmt. Die Leut können ja lesen! Also über die Hälfte schon, sagt man.

Fürstenfeldbruck Memorial Olympia

Fürstenfeldbruck Olympia Terror-Opfer Denkmal

Wie sich mit Google Earth (siehe oben) … gefahrenfrei … ermitteln lässt, verfügt der Sicherheitsbereich über eine Reihe von Sportstätten, was angesichts des Umstandes, dass einen bloßen Ballwurf davon entfernt 1972 neun Sportler massakriert wurden, einen gewissen Beigeschmack hat. Sechs Tennisplätze immerhin – es könnte ja mehrere Leute gleichzeitig auf die Idee kommen, dort Tennis spielen zu wollen –  ein Hockey-Feld, noch ein Stadion mit Laufbahnen und 100 m langen Fußballplatz dazwischen. Auch ein kleiner swimming pool fehlt nicht.

Anfang Juli fanden just da, wo 1972 die Helikopter mit den israelischen Sportlern ausbrannten einer von sieben Vorrunden-Wettkämpfe zum Wettbewerb zu „Deutschlands bester Autofahrer“ statt. Beispiel-Foto von „Scott7777“:

http://www.panoramio.com/photo/93133219?source=wapi&referrer=kh.google.com

Wem diese Vergnügungen noch nicht ausreichen, findet “außerhalb der Übungszeiten” weitere Angebote in unmittelbarer Nähe:

Fürstenfeldbruck Militärischer Bereich Hinweis<- – Swingerclub Burg Ibiza – – – Ehrenmal – ->

Fürstenfeldbruck Luftwaffen Ehrenmal Swingerclub Burg IbizaDenkmal Olympia Massaker 1972 Hannes L Götz Fürstenfeldbruck

Explanation of the ideas to the monument by the artist (English and Deutsch):

http://www.hannes-goetz.de/Bilder/FFB/olymp30.pdf

(One of his inspiration was (as he puts it) was “Hakol Hamaaravi – the Torso of Jerusalem’s Western Wall”. This would be “ha-kotel ha’maaravi”, lit. the western wall, ha-kol however just means the voice, not “the wall” the western voice, the voice of the west. Die Stimme des Westens. Since the mistake occurs in his German text as well as in the English translation, it is no typo, but a general misunderstanding.)

pictures: Margit (no. 2, 4), yehuda (others)


Gedenken in Kaufbeuren

October 16, 2012

Umgeben von derzeitigen Bauarbeiten in der Schraderstraße befindet sich in Kaufbeuren neben dem Kriegsdenkmal für den Krieg von 1870 / 1871 ein im November 2008 (natürlich am 9. eingeweiht …) errichtetes dreiteiliges Denkmal welches „Zwangsarbeitern“, „Euthanasieopfern“ und … Juden … gedenken will, die in und um Kaufbeuren herum (“KZ Steinholz”) während der Kaufbeurer Nazizeit ermordet wurden. Schwer zu sagen, welches der bedien Denkmal eigenartiger ist.

Ein freundlicher (serbischer?) Bauarbeiter bot seinen Besen an, so dass es möglich war, das schon mehrschichtig angesammelte Laub über den Inschriften für ein paar Fotos zu entfernen.

Denkmal “Zur Einnerung an den glorreichen Krieg und die Errichtung des DeutschenReiches 1870 – 1871

Two memorials in Schraderstr. Kaufbeuren, one commemorates the “glorious war” and the founding of the German Reich in 1870 and 1871, the other one from 2008 only remembers three kind of victims of the Nazi regime: forced workers, people who were killed in German hospitals by Eu-thanasia (lit. “good death”) and Jews … Which one is more odd?

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Gedenken in Nördlingen

May 10, 2012

 

Tafel in der Nördlinger Judengasse mit Namen Nördlinger Juden die deportiert, in Haft oder in Konzentrationslagern ermordert wurden.

Blick in die Nördlinger Judengasse

A memorial plate next to the Jewish memorial at Judengasse in Nördlingen now commemorates some 50 Jews from Nördlingen who during the Nazi rule in Germany were deported and had perished in prisons or concentration camps (Piaski, Theresienstadt, Auschwitz, Riga, Cosel and Dachau). Mentioned are member from the families of Adler, Arensberg, Ascher, Bredig, Bühler, Eisenmann, Gradmann, Guldmann, Hamburger, Heinemann, Lehmann, Mahler, Mayer, Neumann, Regensteiner, Rosenberger, Schweisheimer, Seligmann, Siegbert, Stoll and Weisbacher. Also mentionend – for what reason ever – are two Christian Socialdemocrats, one of them died in an prison in Augsburg.


Das Kinderdenkmal am jüdischen Friedhof Augsburg Hochfeld an der Haunstetter Str.

December 12, 2010

Nach langer und ausführlicher Planung konnte im herbstlichen Spätsommer und im winterlichen Spätherbst am jüdischen Friedhof Hochfeld zwischen Haunstetter Straße und Altem südlich der Augsburger Altstadt ein Monument für die am Friedhof bestatteten Kinder aufgestellt und eingeweiht werden, deren Grabsteine in der Zeit der Naziherrschaft und danach zerstört wurden.

Das schlichte Denkmal ist etwa 2 Meter 20 hoch und 1 Meter 20 breit und wurde entlang des Fußwegs aufgestellt. 14 schwarze Tafeln (20 x 30 cm) beinhalten in weißer Schrift 82 Namen jüdischer Kinder und ihre Todesdaten, die 2007 bei Recherchen zur Dokumentation des Friedhofs in Archiven und privaten Unterlagen ermittelt werden konnten. Eine fünfzehnte Tafel (40 x 30 cm), in der Mitte oben, enthält unterhalb eines weißen Davidsterns eine hebräische Widmungsinschrift

אל־דמעתי אל־תחרש

Was zwar mit „schweig nicht zu meinen Tränen“ etwa sinngemäß richtig übersetzt wird, in Klammern aber als Zitat, aus Psalm 56.9 ausgewiesen ist, was falsch ist. Tatsächlich stammt das Zitat aus Psalm 39.13 תהילים und lautet vollständig:

שמעה־תפלתי יי ושועתי האזינה אל־דמעתי אל־תחרש כי גר אנכי עמך תושב ככל־אבותי

(„Höre mein Gebet, HaSchem, erhöre meinen Hilferuf, betäube* nicht meine Tränen, denn ein Gast bin ich bei dir verweilend wie all meine Väter“ das Verb חרש bedeutet taub sein, verstummen, beruhigen, … zunächst aber eingravieren, schnitzen, schreiben, vom wohl ursprünglicheren pflügen, beackern.)

darunter ist noch zu lesen:

„Hier ruhen 82 Kinder in unmarkierten Gräbern. Gott kennt ihren Platz; Sie ruhen sanft im Lichte seiner Herrlichkeit.“

Und schließlich die allgeläufige Formel  תנצבה – ihre Seelen seien eingebunden im Bund des Lebens.

Im Sinne eines anderen Tehilim-Verses („כרחם אב על־בנים רחם יי על־יראיו׃“) bedanken wir uns bei der Israelitischen Kultusgemeinde in Augsburg, dem Vorstand und Dr. Henry Brandt – insbesondere bei Herrn Leonid Zamskoy, dem bis dato zuständigen Betreuer des Friedhofs – für die Konzeption, Organisation und Verwirklichung des schlichten und würdevollen Monuments, welches den Kindern der jüdischen Vorkriegsgemeinde „Denkmal und Name“ (yad vashem) zurückgibt und ihnen eine möglichst bleibende Erinnerung in künftigen Generationen ermöglicht.   

 

A new memorial at the Jewish Cemetery of Augsburg – Hochfeld (between Haunstetter Str. and Alter Posterweg),erected end of October and inaugurated early December 2010, commemorates Jewish children from Augsburgs pre-war Jewish community whose grave marker had been destroyed during the Nazi era and the following decades of neglect. The monument is 2.5 yard high and four feet wide and has the names and  dates of death of 82 Jewish children on 14 plates. An additional plate in the top of the middle has a quotation from the Biblical book of Psalms on it, what usually is translated as “do not be silent at my tears”. Although the inscription says it is a quote of Ps. 56.9, however it actually is Psalm 39.13  

Many thanks to the Jewish community of Augsburg, especially Mr. Leonid Zamskoy for the realization of the meaningful and exemplary project. 

большое спасибо