Koscher in Altomünster

July 22, 2015

Altomünster Metzger Emblem Auslager Stierkopf gekreuzte Beile

 

Beim neuerlichen Besuch in Altomünster (nahe Aichach im Landkreis Dachau) fiel einmal mehr das goldene Metzger-Emblem auf, das doch sehr an die Koscher-Siegel jüdischer Gemeinden erinnert, die bis zum zum späten 19. Jahrhundert in der Region überall präsent, allgemein bekannt und als Qualitätszeichen geschätzt wurden.

Koscher Siegel Kriegshaber kosher butcher

Koscher-Siegel (Hech’scher) der Metzger von Kriegshaber (bis 1886)

Altomünster Metzger Wappen Ausleger

Und was ist nun koscher in Altomünster?

Das Bier …

Altomünster Kapplerbräu Dunkles

sogar mit dem European Beer Star ausgezeichnet

European Beer Star Award Altomünster


Impressions from former Dachau concentration camp

July 2, 2014

Somewhat east of the old city of Dachau at Alte Römer Str. 75 is the former Dachau concentration camp, which was the first the Nazi had established within a few weeks only after gaining power in Germany. Initially established to imprisson rather political oppositionists at the latest with the so called Reichskristallnacht in November 1938 Dachau with its umpteen dependances and branches also became a factory farm for Jewish prisoners in the whole region.

Dachau concentration camp entrance eingangסיור הקיץ

Dachau Lager Tor

Dachau Konzentrationslager Cafeteria RestaurantDachau concentration camp outdoor cafeteria

Dachau concentration camp Cafeteria Sepzialitäten english deutsch ספגטי במחנה ריכוז דכאו

Dachau concentratin camp audioguide smartphone visitormultimedia self-talk at Dachau concentration camp site

Dachau KZ Gedenkstätte Besucher LagerplanWhere is the Apfelstrudel ..?.. איפה שטרודל התפוחים

Dachau concentration camp Arbeit macht frei entrance eingangDer berühmte “Arbeit macht frei” – Spruch

Dachau Gate Arbeit macht frei - reversedie Umkehrung

Dachau concentration camp memorialDachau Museums Barackeeine von zwei erhaltenen Baracken des Gefangenenlagers

Dachau Lager Turm Block 20row 20, tower at former Dachau camp

Dachau Christian memorial churchChristian memorial Dachau

Jewish Memorial Dachau Jüdische GedenkstätteJewish memorial Dachau

Jewish Memorial Dachau Zvi Guttmann

Hebrew inscription at Dachau Jewish memorialיותר מששה מיליונים אנשים

Dachau camp Jewish memorial iron magen David starדכאו מגן דוד מברזל

Hebrew inscription Jewish Community BavariaHebräische Inschrift vom Landesverband der Jüdischen Gemeinden Bayerns, vielleicht eine Spur zu katholisch ..?

Dachau don't forget, vergiss nicht, לא תשכח לא תשכח דכאו

grab tausender unbekannter Dachau grave of thousands unknownקבר אלפי אלמונים

Dachau ÖfenVebrennungsöfen im ehemaligen Lager Dachau

Verbrennungsofen Dachau

Der Gebrauch der Öfen für das Verbrennen von Leichen ist im Internet (noch immer, schon wieder?) recht umstritten. Daraus leitet sich ab, dass die Schande an den Massenmorden auch für die Enkel und Urenkel der Mörder inmitten der Spaßgesellschaft schwer zu ertragen ist. Kein Wunder, dass viele hoffen, wenn sie für “die Palästinenser” Partei ergreifen, dass irgendwas von dem hier kleiner werden könnte, oder erträglicher. Aber nein, es zeigt nur eins: das selbe Gift gegen Juden wirkt noch, nur modern abgepackt.

Wer den Kreislauf durchbrechen will, ist pro Israel, prinzipiell, tendentiell, gerade auch wenn deutsche Medien verkünden, dass Israel mal wieder “massiv überreagiert”, wenn sein Militär bei einem Antiterroreinsatz fünf Araber tötet (in der Regel in der Folge von Gefechten). Die selben Medien haben kein Problem drüber hinweg zu gehen, dass in Nigeria (christliche) 50 Fußball-Fans bei einem sog. “public viewing” durch Islamisten zerbombt wurden.

Dachau Brausebad shower door

Dachau KZ Tote camp deaths

You may wonder how so many people are capable to visit the site and after all the impressions, pictures, audio-guide-information, etc. just go to the restaurant there to have ice-cream, sausages or chips. True, if it was not offered there, noone would eat here, but …

Nonne mit Eis in KZ Dachau Gedenkstätteבתיאבון

Dachau Lagerzaun

Dachau concentration camp outdoor cafeteria

היום דכאו אטרקציה לקבוצות בית הספר במכנסיים קצרים או לנזירות לאכול גלידה
נורמליות כולם דיבורים


Die Juden von Dachau

June 25, 2014

Autobahn Dachau Fürstenfeldbruck Maisach Olching München Salzburgon the road to Dachau

Dachau ist wegen des Konzentrationslager an der Alten Römerstraße 75, östlich der Altstadt weltberühmt, zugleich aber auch wie die Image-Kampagne der Stadt nicht unpassend formuliert: „viel mehr Stadt als Sie denken“. Noch unbeachteter als die Stadt-Geschichte ist jedoch der jüdische Anteil daran, der ebenfalls mehr umfasst, als verschleppte Juden, die im Lager eingesperrt, misshandelt und ermordet wurden. An die Juden vor den Nazis (und besser gesagt: ohne sie)  erinnert sich im heutigen Dachau freilich niemand (mehr).

Dachau KirchturmDachau: versteckte Perspektiven

Optenrieder Dachau Wappen3-Star caot of arms, Optenrieder family Dachau

Rund hundert Jahre vor der Errichtung des Konzentrationslagers wurde das kleine Städtchen als „hübscher, lebhafter Ort an der Amper und der Straße von München nach Augsburg auf einer Anhöhe gelegen“ beschrieben. Den amtlichen Angaben des „Topo-geographisch-statistischen Lexicon des Königreichs Bayern“ aus dem Jahr 1840 gemäß umfasste Dachau damals 208 Häuser und 1226 Einwohner. Erwähnenswert waren damals „ein Schloss mit Garten, der Sitz des Landkreis und Rentamts gleichen Namens“ (also Dachau), … „4 Brauhäuser, 1 Branntwein-Brennerei, 4 Wein- und Bierwirthshäuser, 4 Ziegelhütten, 1 Leinwandbleiche, 2 Mahl-, 1 Schleif-, 1 Loh-, 1 Öl- und 2 Sägemühlen an der Amper, 1 Abdeckerei, 1 bürgerliches Spital“ und schließlich auch ein Almosenhaus, „wohin besonders die armen Kranken besonders aus der Klasse der Dienstboten gebracht und mit freiwilligen milden Beiträgen unterstützt werden“.

Dachau Zieglerbräu Brauerei Schlossberg Märzensüffiges Dachauer Traditions-Bier

Damals stand Dachau noch ganz im Schatten der Wittelsbacher Herrscher, die seit den 1550ern im besagten Schloss, dessen Ursprünge auf die Welfen zurückgehen soll, ihren Sommersitz hatten. 1633 wurde der Ort von den Schweden „erobert“, wobei 300 Bayern getötet und weitere 600 gefangen worden sein sollen. Auch folgende Kriege im 18. und 19. Jahrhundert zogen den Ort immer wieder in Mitleidenschaft. So dass eben auch 1840 nur knapp 1200 Menschen hier lebten.

Schloss Dachau BergDachauer Schloss

Dachau Jakob Kirche Schloss

Amtlichen Angaben gemäß lebten 1925 gerademal 21 registrierte Juden in Dachau und 1933 waren es nur noch 12. Obwohl im selben Jahr binnen weniger Wochen nach der Regierungsübernahme Hitlers in Dachau das berüchtigte Lager als erstes KZ etabliert wurde, erklärte 1939 Nazi-Bürgermeister Hans Cramer Dachau als “völlig judenfrei“, während Mai 1939 im Mai 1939 die Volkszählung 18.146 Einwohner registrierte, 184 davon Juden, zweifelsfrei im Lager als Gefangene. In der amtlichen Statistik von 2012 heißt es dazu:

Bei den Volkszählungen von 1925 bis einschließlich 1970 wurde die Wohnbevölkerung ausgewiesen. Zur Wohnbevölkerung einer Gemeinde zählten alle Personen, die am Zählungsstichtag in der Gemeinde ihre Wohnung hatten. Personen mit einer weiteren Wohnung oder Unterkunft in einer anderen Gemeinde wurden der Wohnbevölkerung derjenigen Gemeinde zugeordnet, von der aus sie zur Arbeit oder Ausbildung gingen oder in der sie sich aus anderen Gründen überwiegend aufhielten.“

Dachau Augsburger Tor im Augsburger Tor yehudaDachau: Augsburger Tor im Augsburger Tor

Augsburger Tor Dachau 1390 - 1891

In der Darstellung der Ergebnisse der Volkszählungen von 1970 und 1987 findet sich neben den Optionen „römisch-katholisch“ und „evangelisch-lutherisch“ noch die eher unspezifische dritte Bestimmung „Ausländer“ (S. 6)

Wie dem auch sei, in späteren Statistiken tauchen keine Juden mehr in Dachau auf.

Immerhin ist die Erinnerung an die direkt zur Zeit der Nazi-Herrschaft in Dachau lebenden Juden nicht ganz abhanden gekommen, wenngleich es doch fast ein halbes Jahrhundert „ Abstand“ bedurfte, um sich damit zu befassen. Aber das ist in anderen weniger prominenten Teilen des Landes nicht wesentlich anders gewesen, eher zögerlicher.

Dachauer Stolperstein Anton Felber 1902 - 1939Stolperstein für Anton Felber (1902-1939) in Dachau

1938 lebten 14 „Dachauer Bürger jüdischer Herkunft“ (wie das 2013 noch im Jargon der “Süddeutschen Zeitung” heißt). Stellvertretend sei die Familie Wallach genannt, die seit 1919 eine Textildruckerei in Dachau besaß. Die Wallach Werkstätten hatte sich auf Drucken und Färben von Trachtenstoffen spezialisiert, machte aber auch Handweberarbeiten. Bereits um 1900 hatten die Brüder Moritz und Julius Wallach ein Geschäft für bayerische Volkstrachten in München eröffnet, das weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt war und Wallach zum Synonym für volkstümliche Trachten machte. Ihrem Wirken verdankt auch das wieder allseits präsente bayerische Dirndl seine Popularität – nur dass viele davon heute in asiatischen Fabriken zu Dumping-Löhnen hergestellt werden, ggf. auch von Zwangsarbeitern. 1986 wurde die Wallach KG an Loden Frey in München verkauft.

IMGA0833

Den Brüdern Moritz und Julius gelang es rechtzeitig mit ihren Familien zu entkommen, so auch dem damals 14-jährigen Franz, der nach England kam, wo er u.a. in Bath und Birmingham eine akademische Karriere einschlug und Professor für Mechanical Engineering wurde. Mit seiner Frau Ruth hatte er drei Kinder: Catherine, Paul und Mark. 1989 ging er in den Ruhestand, 2009 verstarb er im Alter von 84 Jahren. Kein Glück hatten sein Onkel Max und seine Frau Melitta, die in Theresienstadt ermordet wurden.

Jüdische Gedenkstätte Dachau BesucherinJüdische Gedenkstätte Dachau, Besucherin (23 Juni 2014)

Dachau concentration camp plan 1945 - Encyclopedia JudaicaEncyclopedia Judaica, 2nd Edition, Band 5, S. 375 f., 2007

– Der Beitrag der Encyclopedia Judaica zu Dachau erwähnt keine jüdische Ortsgeschichte, an die auch sonst fast nirgends erinnert wird, so als wäre die Existenz einer jüdischen Gemeinde in Dachau das eigentliche geschichtliche Tabu.

Gemäß den Angaben der “Germanica Judaica”, Band 2, 1968, S. 57 gab es in den 1290er Jahren eine jüdische Gemeinde in Dachau, die dann aber entsprechend der regional typischen Legende sogleich um 1298 wieder mit dem sog. „Rintfleisch-Pogromen“ (btw: das russische Wort погром bedeutet „Unwetter“, „Gewitter“ und dergleichen – massenhafter Judenmord als Naturereignis ..?) endet. Bis um 1440 herum wird es aber wohl auch in Dachau Juden gegeben haben, wofür sich in einzelnen Jahren auch entsprechende Hinweise finden lassen. Die Topographie des kleinen Schlossdorfes lässt wenig Möglichkeiten zu und so kann man Bethaus und Mikwe im Bereich Lodererbach, Kühberg, unweit vom Schloss vermuten.
Wie auch anderswo im Wittelsbacher Reich dauert es bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts ehe man wieder etwas von Juden in Bayern hört. Um 1740 kamen einzelne Juden von Pfersee und Kriegshaber nach München und allmählich entsteht eine jüdische Filial-Gemeinschaft, deren Häupter bis 1815 im schwäbischen Kriegshaber begraben werden, in Ermangelung eines Friedhofs in München. Ab der selben Zeit finden wir auch immer wieder Berichte über Juden in Dachau, wenn beispielsweise Händler an den Ort kommen und Schafswolle und dergleichen verkaufen. Mit den napoleonischen Kriegen entstehen viele neue Straßen, was in Friedenszeiten zu deutlich besseren Verkehr und einem regen Austausch führt. Insbesondere die bisherigen Grenzregionen Bayerns, Frankens und Schwabens profitieren davon, dass sie nun in einem gemeinsamen Königreich integriert sind und der Austausch zwischen den bis dato eher feindlichen Gebieten auch seitens der Regierung ausdrücklich gewünscht wird. Es lohnt sich deshalb, das eigene Dorf zu verlassen, und anderswo unterzukommen, gerade dann, wenn man als Bauer oder Fabrikant etwas herstellt oder als Händler zu verkaufen hat.

Nonne mit Eis in KZ Dachau Gedenkstätte Nonne mit Eis in Cafeteria der KZ Gedenkstätte

Anfang 1830 finden wir den Israeliten Isaak Schleißheimer aus Dachau, der in München verstirbt, aber dem Almosenhaus in Dachau 2000 Gulden vererbt, was für die damalige Zeit eine doch recht beträchtliche Summe war. Dass der wirtschaftliche Erfolg mancher Juden im katholisch geprägten Bayern auch grässlichen Neid hervorrief ist sattsam bekannt und ein frühes Beispiel dafür ist neben in den 1830ern das in Augsburg erschienene Schmierblatt „Ahasveros“, den man als Uropa des „Stürmer“ bezeichnen kann. Immerhin überliefert uns das Blatt aber aus dem Februar 1831 einen anekdotischen Bericht über eine Kutschenfahrt von Augsburg nach München oder vielleicht auch umgekehrt. So genau wissen die anonymen Schreiber es nicht mehr. Jedenfalls sitzen sie im selben Wagen wie ein junger Jude, dessen Vater „als Erzwucherer“ mit Kriegsgeschäften enormen Reichtum gemacht habe, in markanter Erscheinung aber für den Geschmack der heimlichen Beobachter auch mit ungebührlichen Benehmen. Im Gasthof in Dachau, beim Zieglerwirt zur Post, um genau zu sein, sei der als „Champagnier-Bock“ (wegen der Vorliebe für Champagner, Märzenbier und …=) umschriebene junge „geile“ Wüstling mit der Bedienung umgegangen wie die Viehmagd mit der Kuh oder so ähnlich – und man fasst es kaum – derselbe habe sich sogar mit beiden Ellenbogen auf den Tisch aufgestützt. Alles in allem handelt es sich um einen ganz banalen Vorgang, bei dem eine Gruppe junger Reisender im Gasthof sitzt und Märzenbier trinkt. Wahrscheinlich scherzten sie mit der Bedienung und das war es dann, denn weiteres weiß auch der Bericht zu überliefern. Aus der verstohlenen Perspektive des krankhaften Neiders wird jedoch der Anschein erweckt, die gewöhnlichen dörfliche Wirtshausszene als Skandal zu erträumen.

Wahrscheinlich hat das 1831 schon niemand beachtet. Für uns ist es jedoch relevant, da von drei Juden aus Augsburg die Rede war und die Beschreibungen verbunden mit der Datierung darauf ergeben, dass es sich beim geschmähten jüdischen „Modebengel“ um den damals noch nicht ganz 20jährigen Carl von Obermayer handelte.

Dachau Hotel Brauerei Gasthof Zieglerbräu

To be continued …

 

Almost nothing has been told on Jews in Dachau before the concentration camp. At most there is very little focus on Jews who lived in Dachau some years until 1938. To mention them alone took half a century and was of breaking a taboo.
Quellen:
http://www.textilhanddruck-fromholzer-wallach.de/index.html
http://www.birmingham.ac.uk/schools/mechanical-engineering/undergraduate/scholarships/frank-wallace-scholarship.aspx
http://www.bathchronicle.co.uk/Tributes-uni-founding-father/story-11329281-detail/story.html#fOl4KpFwdGipj35Z.99

https://www.statistik.bayern.de/statistikkommunal/09174115.pdf


Der jüdische Friedhof von Steinholz Mauerstetten bei Kaufbeuren

October 14, 2012

VIDEO unten!

Am Südende des Ortes Steinholz (Mauerstetten) bei Kaufbeuren (Neugablonz) befindet sich gegenüber des Altenheims „Haus im Lerchental“ an der Bürgermeister-Muhr-Straße, das „in ruhiger Wohnlage im Grünen mit Panoramablick auf unsere Allgäuer Berge“ verspricht am Waldrand ein kleiner sog. KZ-Friedhof.

Unweit davon wurde im Anfang 1944 ein Lager mit Holzbaracken, Stacheldraht und Wachtürmen errichtet, in welchem aus Polen und Ungarn verschleppte Juden, die aus dem Vernichtungslager Auschwitz hier her gebracht wurden, unter brutalen wie schäbigen Umständen Zwangsarbeit verrichten mussten.

Die Gedenktafel am Friedhof notiert in jüdischer (jiddischer) Sprache:

ברודער-קבר פון 472 יידישע קרבנות אומגקומען אין נאצי-ארבעטס-לאגער

דירערלאה קויפבויערן   –  כבוד זייער אנדענקען

Und fast gleichlautend in deutscher Sprache:

Bruder-Grab von 472 jüdischen Häftlingsopfern des nazischen Arbeitslagers Riederloh bei Kaufbeuren

Es ist klar, dass bei 472 Toten auf einer Fläche von knapp 290 m² nur etwa ein halber Quadratmeter Platz für eine Leiche einkalkuliert wurde und es sich um alles andere als um ein würdiges Begräbnis, sondern schlicht um ein Massengrab handelte. Trotzdem befinden sich auf dem Friedhof – in verschiedene Richtungen orientiert – vier Grabsteine und an der Mauer eingelassen zwei weitere Widmungstafeln. Sie sind konkreten Einzelpersonen gewidmet und stehen somit im Kontrast zu den namenlosen anderen Entführungs- und Mordopfern, unter denen sich Berichten gemäß auch zwei Jungen etwa im Alter von 10 Jahren befunden haben sollen.

Unter den Todesopfern befand sich auch der ausführlich gepriesene ungarische Rabbiner Menachem Josef ha-Levi Heimlich, der am ersten Tag des Pessach-Festes des Jahres 1889, dem 16. April in Kecskemét (קעמעטש, deutsch: Ketschkemet) geboren wurde, aber als Rabbiner aus Miskolc (מישקולץ, מישאלץ, deutsch: Mischkolz, heute nach Budapest und Debrecen die drittgrößte Stadt Ungarns im Nordosten des Landes) bzw. als Rabbi Mendel Karader bekannt wurde. Wie bereits seiner Gedenktafel am Friedhof in Steinholz-Kaufbeuren besagt, war er der Autor des Buches מנחת יוסף (Geschenk Josefs), sowie drei weiterer Schriften.

Zu seinem Aufenthalt in Auschwitz gibt es sogar eine halachische Rechtsentscheidung (Rabbi Zwi Hirsch Maislisch aus Vác (= Waitzen) Ungarn, Mekadsche Haschem, Teil 1, “Schaár Machmadim,” Abschnitt 5, S. 10)

Die Entscheidung behandelt den Umstand, dass auch die jüdischen Gefangenen sich im Lager Auschwitz “täglich” rasieren mussten. Rabbi Mendel nun weigerte sich an Tagen zu rasieren, an welchen das jüdische Religionsgesetz dies nicht gestattete, so auch an den Tagen an welchen (nach aschkenasischem Brauch) Slichot-Gebete gesprochen werden (nämlich in den zehn Tagen vor Neujahr) . Beim morgendlichen Appell am jüdischen Neujahrstag des Jahres 5705 (= 18. September 1944) waren nun aber seine Bartstoppeln wohl deutlich zu sehen. Der Nazi-Kommandeur bestimmte ihn deshalb fürs Krematorium, d.h. es wurde seine Ermordung angeordnet. Nun ergab sich für ihn also die akute Frage, ob es ihm, um dem Tod zu entgehen, erlaubt sei, sich am Neujahrfest zu rasieren, da nur so die Möglichkeit bestand, der Aufmerksamkeit der Mörder zu entgehen.

Rabbi Zvi Hirsch Maislisch (צבי הירש מייזליש), der den Nazi-Terror überlebte, und mit dem sich Rabbi Mendel beriet, fällte nun die Entscheidung, dass er sich ohne Zweifel rasieren dürfe, da es sich um einen Fall von „Pikuach Nefesch“

„כי היה זה מצב של פיקוח נפש“

handele, also um eine Frage der Lebensrettung. Zur weiteren Bekräftigung seiner Argumentation zitierte der Rabbiner, dass Josef am Neujahrstag aus dem Gefängnis befreit wurde und „sich rasierte und seine Kleidung wechselte“ (Genesis 41.14 בראשית).

Wir können davon ausgehen, dass der Rabbiner sich nun also am Morgen des Neujahrsfestes rasierte, um sein Leben zu retten. In den folgenden Wochen gelangte er aber mit über neunhundert weiteren Gefangenen des Lagers Auschwitz über Dachau ins bayerische Schwaben, bzw. nach Riederloh bei Kaufbeuren. Gemäß der Gedenktafel starb er hier bereits am 9. Tevet 5705 (26. Dezember 1944), also nur zwei Monate nach Neujahr und wenige Stunden vor Beginn des Fastentages des zehnten Tevet. Rabbi Heimlich wurde nur 56 Jahre alt.

Die immerhin19 Zeilen umfassende Inschrift zu seinem Gedenken und seine Familie lautet:

אבן מקיר תזעק ובמר תתן קולה

על אלה אני בוכיה עיני עיני יורדה מים

פה בחפירה מלאה קדושים זה על גבי זה

נטמן

הגאון הצדיק המפורסם האי חסיד האי עניו

הרב ר’ מנחם יוסף הלוי היימליך זצ”ל

מקאראד הנקרא בפי כל ר’ מענדל קאראדער

מחבר ספר מנחת יוסף ושלשה םפורים נפתחים

עמ”ס שבת ועניני שבת מורה הוראה בק”ק

מישקאלץ במדינת אונגרין. נהרג על קירוש השם

בשנת תש”ד לפ”ק

בן הרב החסיד מור”ר ר’ נחום הלוי ע”ה

שם אמו שרל ע”ה

זוגתו הצדיקת מרת בילא ע”ה נשרפה עקדה”ש

באושוויץ עם שלשה בני’: יונה,  ישעי, ישראל

יהושע ברוך וששה בנותי’: בלימא, אסתר, פעריל

זיסל,  חנה,  מידל. וג’ חתניה ושש נכדותיה

יזכרם אלקי לטובה עם שאר נשמת הקדושים הי”ד

ת נ צ ב ה

Zur Einleitung sind Zitate aus den biblischen Büchern Chawakuk und Echa zu lesen „אבן מקיר תזעק“ „“der Stein schreit aus der Mauer“ (the stone will cry out from the wall) und „על אלה אני בוכיה עיני עיני יורדה מים“, „deshalb weine ich, und mein Auge, mein Auge tropft Wasser“ (this is why I weep and my eyes drop water):

In diesem vollen Grabplatz der Heiligen ist begraben der berühmte Gaon Zadik und Chassid der ehrsame Rabbiner Menachem Josef ha-Levi Heimlich seligen Angedenkens aus Karad, der von allen Rabbi Mendel Karader genannt wurde, der Autor des Buches Minchat Josef und dreier Bücher und Lehrer in der heiligen Gemeinde von Mischkalz im Staate Ungarn. Ermordet zur Heiligung des Namen Gottes im Jahre 5704. Sohn des chassidischen Rabbiners des hochverehrten Herrn Rabbi Nachum ha-Levi, Frieden seiner Seele, der Name seiner Mutter Sarel, Frieden ihrer Seele, seine Gemahlin die gerechte Frau Bela, Friede ihrer Seele, die verbrannt wurde in Auschwitz mit ihren drei Söhnen Jona, Jischai und Israel Joschua Baruch und ihren sechs Töchtern Blime, Ester, Feril, Sisl, Chana und Medl und ihren sechs Enkelkindern. Gedenke Gott ihnen zum Guten mit dem Rest der Heiligen.

Demgemäß wurden Rabbi Mendels Frau Bela zusammen mit ihren neun Kindern und sechs Enkeln in Auschwitz ermordet, während er abseits von ihnen bei Kaufbeuren getötet und im Massengrab von Steinholz begraben wurde.

Eine modernere Plastiktafel in englischer Sprache befindet sich unterhalb der Gedenkinschrift. Auf ihr steht zu lesen:

„RABBI MENACHEM HEIMLICH, zt“l of Mishkolc, Memorial Day, 9 Days in Teves (26. Dec. 1944)“

was eigentlich heißen soll „Day 9 in Teves“. Erinnert werden soll damit an seinen Todestag den 9. Tewet nach jüdischem Kalender (Jahrzejt). Zudem befand sich hinter der allgemeinen Gedenktafel eine Blechbox zum Gedenken an den Rabbi, die einen Teil der Inschrift der Gedenktafel wiederholt:

הגה”ק רבי מנחם יוסף

בן הרה”צ רבי נחום הלוי

זצוק”ל הי”ד

הנקרא בפי כל ונודע בשמו הטוב

רבי מנדעל קאראדער

ממישקאלץ

Die Blechbox und die Plastiktafel belegen, dass das Andenken an den frommen und beliebten Rabbi auch in jüngerer Zeit nicht vergessen wurde und dass zumindest ab und an wohl einzelne Pilger nach Kaufbeuren und Steinholz kommen um am Grabplatz des chassidischen Gelehrten zu beten.

Gleich neben der Widmungstafeln für den Rabbi befindet sich eine weitere für Rafael Zelwer, im Juni 1995 von seiner Schwester Sara Zelwer Orbach aus Tel Aviv gestiftete Messingtafel:

לזכור אחי

רפאל בן ישעייהו ומלכה זלוור הי”ד

נולד ב 1921 בקאליש פולין

היה בגטו לודזץ חובא לאושוויץ ומשם לדכאו

Kaufbeuren הועבר למחנה העבודה

ונםפה ב 24.11.1944 – ח’ כסלו תש”ה

נשא מספר אסיר 110242

ונקבר בקבר אחים בבית עלמין זה

ת נ צ ב ה

Rafael Zelwer

geb. 1921

umgekommen am 24.11.1944

Häftlingsnummer 110242

Zusammen mit noch 471 jüdischen KZ-Opfern

In diesem Friedhof bestattet

 

Rafael Zelwer (Selwer) stammt demnach aus der polnischen Stadt Kalisz (קאליש, Kalisch), mit heute etwa 100.000 Einwohnern (Städtepartnerschaft mit Erfurt, bzw. Preston in England). Beim Einmarsch der Deutschen lebten 90.000 Menschen in der Stadt, darunter 30.000 Juden. Obwohl die Deutschen die Stadt kampflos einnehmen konnten, lebten nach dem Krieg nur noch 40.000 Menschen in der Stadt, darunter keine Juden mehr. Der Rest wurde durch Zwangsarbeit in Konzentrationslagern ermordet. In der israelischen Stadt Holon erinnert ein Denkmal an die Ermordeten der jüdischen Gemeinde Kalisch.

(wikipedia)

* * *

Auf dem Gelände des Friedhof stehen nun noch vier einzelne Grabsteine, die in verschiedene Richtungen ausgerichtet sind und wohl kaum tatsächliche Grabplätze anzeigen dürften.

Eine abgebrochene Säule, die seit dem Tod von Wolfgang Amadeus Mozart (gest. 1791) auch unter Juden, vor allem in Süddeutschland und Österreich gelegentlich als Grabmal anzutreffen ist und einen Tod in jungen Jahren ausdrücken soll, … findet  sich hier und ist der Inschrift gemäß

Sender Hodys

1901-1944

gewidmet. Unterhalb der Daten ist auf punktierten (!) Hebräisch zitiert:

אל מלא רחמים שוכן במרומים

Das „El male rachamim“ (Gott voll Barmherzigkeit der in den Höhen wohnt, God full of mercy who dwells in the heights) wird traditionell zu Begräbnissen oder Trauern gebetet oder gesungen (seit einiger Zeit leider auch etwas zu theatralisch von Opernsängern).

Am Sockel des Grabstein steht zu lesen: „Zum Andenken gewidmet von Sohn Paul und Brüder Heniek und Hesiek.“

Eine Todesanzeige der New York Times vom 10. November 2002 meldet den Tod des Sohnes Paul Hodys (1930-2002):

“HODYS, Paul N. Loving husband of Helen; devoted father of daughter Renee and husband John and son Allen and wife Debbie; adoring grandfather of Ella and Cole; and deeply caring cousin and friend.

Born in Lodz, Poland. Survived the Holocaust. Brought compassion, generosity and humor to all who knew him. Died on Friday, November 8, 2002. Services to be held on Sunday November 10, 2002 at 11:30 AM at Parkside Chapel, 98-60 Queens Blvd, Rego Park, NY. Contributions in his honor may be made to the Cole Hodys Research Fund, 100 Haven Ave, Ste 29D, NY, NY 10032 or Friends of AKIM USA, 114 E 32nd St, Ste 800, NY, NY 10016.

HODYS-Paul. The Board of Directors of the Friends of AKIM USA mourn the passing of our Secretary and our right-hand Paul Hodys. Philip R. Baird, President Joe Schorr, Treasurer”.

Mit derselben hebräischen (gleichfalls punktierten) Widmung אל מלא רחמים שוכן במרומים einher geht ein Grabstein des Ehepaars Schochet:

Ruhestätte für

Familie Schochet

Zelig Schochet

1889 – 1944

Ruchomo Schochet

geb. Tabris

1899 – 1944

In der Datenbank von Yad Vashem ist ein Zelig Schochet namentlich verzeichnet, der 1886 im ukranischen Slavuta als Sohn von Josef und Sara geboren wurde und zu Beginn des Krieges in Gorodok gelebt hatte. Dort wurde er jedoch nach Angaben seiner Tochter Chana aus dem Jahr 1968 bereits 1942 getötet, weshalb er wohl nicht der 1944 bei Kaufbeuren gestorbene gleichnamige Mann gewesen sein kann.

Desweiteren befinden sich noch zwei weitere hebräische Grabsteine auf dem kleinen Friedhof, deren Inschriften ein anderes Mal vorgestellt werden, da der Artikel zu unserem Kurzausflug vor die Tore Kaufbeurens schon wieder viel zu lang geworden ist.

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Next to Kaufbeuren in the Allgäu district of south western Bavaria is Mauerstetten – its part Steinholz where during the war the Germans hat an Arbeitslager for Jewish prisoners who came via Auschwitz and Dachau concentration camp from Hungary and Poland to the camp Riederloh 1 and 2. They were forced to work for the Dynamit Nobel works under inhuman and brutal conditions so that out of approx. 1300 of the kidnapped 472 died. At the south end of Steinholz next to a modern retirement home is a small Jewish cemetery were these 472 are buried in a mass grave.  Among the buried also is Chassidic rabbi Mendel Karader of Mishkolc who also is known as Rabbi Menachem Josef ben Nachum ha-Levi Heimlich (1889-1944) and Alexander Hodys (1930-2002).

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