100 Jahre Kriegshaber in Augsburg

March 21, 2016

Am 1. April 1916 erfolgte die formelle Kriegshaber Eingemeindung nach Augsburg. Der Ort, gehörte wie der Westen von Augsburg über ein halbes Jahrtausend lang zu Österreich, wurde von einer jüdischen Bevölkerungsmehrheit geprägt und war in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Stützpunkt US-amerikanischer Kasernen und Siedlungen, … eine bewegte Geschichte. Ein Bild davon will der Jubiläumsband

Kriegshaber in Bildern – Am Straßenrand der Weltgeschichte”

(hrsg. von Thomas Groll; Christian Kreikle; Claudia Böhme; Katharina Maier)

vermitteln, der zum Jubiläum der Eingemeindung im Augsburger Wissner-Verlag erscheint. Zwei der Autoren des Buches sind Mitglieder des JHVA.

Kriegshaber in Bildern - am Straßenrand der Weltgeschichte - 100 Jahre Eingemeindung Augsburg 1916 2016Verlagsinfo zum Buch

 118 Seiten, 130 Abbildungen:
· Erscheinungsdatum: 03.04.2016
· ISBN 978-3-95786-057-6

Preis: 14.80 EUR

Vorstellung des Buches

am So. 3.4.16 in der ehem. Synagoge

17 Uhr

Kriegshaber, Ulmerstr. 228

April 1 in 2016 marks the Centenary of the Incorporation of Kriegshaber to the City of Augsburg in 1916. For more than a half millennium Kriegshaber had been part of Austria in the West of the Imperial City of Augsburg, just 3 km away from the old massive city walls. Over centuries Kriegshaber also was an almost entirely Jewish ribbon built village along the main road (thus the proper name “Hauptstr.”) and trade route from Augsburg to Ulm (thus the current name “Ulmer Str.”). Just in 1840s roughly the half of the population was Jewish.

In 1806 Kriegshaber became Bavarian, but only after 1866 the Austrian influence faded out. After World War Two in and around Kriegshaber were many US army facilities and housing areas … such as Centerville, Cramerton, Fryar Circle, Sullivan Heights, Sheridan, Reese, which in the last decade have been converted into new neighborhoods with heavy construction activities.

From the Jewish past the former synagogue building (now a branch of the Augsburg Jewish Museum), the Jewish cemetery and groups of houses bear witness.

The above mentioned book “Kriegshaber in Bildern” (… in pictures) on ocassion of the centennial anniversary gives some information on the rich and controversial history of the in many aspects notable neighborhood in the north-west of Augsburg.

Two of the authors of the book also are members of the JHVA.

 

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Simon ben Sanwil Ulmo (1645-1720)

February 6, 2015

Yehuda Shenef as Simon ben Sanwil Ulmo of Pfersee Augsburg 1645 - 1720

yehuda shenef as simon sanwil ulmo of pfersee

 

Rabbi Simon ben Sanwil Ulmo (1645-1720) was head of the renowned Jewish community of Pfersee and owner of the not less famous Talmudic script, which by experts is regarded as oldest surviving almost complete handwriting of the Talmud Babli, later known as “Pferseer Handschrift”,  lost in 1803 when Simons offspring Ber Ulmo (1751-1837) was in prison under false allegations, and at least from 1880s is in possession of the Bavarian State library (BSB) in Munich.

Rabbi Simon Ulmo lived in Pfersee next to the synagogue and was court agent of Austrian as well as Bavarian rulers and head of the Swabian Jewry “Medinat Schwaben”. He also was author of a small Hebrew book on human traits, such as desire (תשוקה), fixation (הקבוע) or vanity (הגנדרנות), which we currently translate in modern German and what likely will be released this summer. He is buried at the Jewish cemetery of Kriegshaber/Pfersee in the north-western part of Augsburg, which from 1945 until 1998 was surrounded by US army housing facilities (Centerville, Cramerton).

To honor R. Simon Ulmo already we captured the costume which he was wearing as court agent in Vienna which is in late baroque style (about 1690).  The costume was manufactured by master tailor Margit Hummel, Friedberg.

Simon ben Sanwil Ulmo Pfersee 1645 - 1720 Yehuda Shenef

יהודה שנף לבוש כהרב שמעון בן זאנוול אולמא מפערשי ליד אוגסבורג

הבארוק מאוחר
רב שמעון אולמא היה ראש היהדים במדינת שוואבען

בביתו בפערשי היה הכתב יד המפורסם של התלמוד בבלי שהיום במינכן

רב שמעון אולמא כתב ספר קטן ששת פרקי על תכונות אנושיות

זאנוול = שמואל


The Hills Have Eyes in Kriegshaber

May 3, 2010

Vor recht genau einem Jahr versprachen uns die Abgesandten einer städtischen Kommission ihrerseits etwas für die Sicherheit des jüdischen Friedhofs in Kriegshaber / Pfersee zu tun. Eines der Probleme war, dass immer wieder Fußbälle vom benachbarten (angeblich nur „inoffiziellen“) Bolzplatz in den Friedhof flogen und ab und an gegen 300 Jahre alte Sandstein-Monumente prallten und damit weitere Teile der historischen Inschriften verloren gingen. Wie gesagt eines der Probleme, nicht das einzige, aber ein real vorhandenes. Die spielenden Kinder und Jugendlichen, mit denen wir sprachen, präferierten einen Ballfangzaun, der wie andernorts auch die Bälle einfach abfängt und Spielwiese und Friedhof klar abtrennt. Damit wären auch wir gut klar gekommen, zumal wir weder etwas gegen Fußball, noch etwas gegen Jugendliche haben – aber Fußball und Friedhof zusammen, das geht nun mal nicht. Seitens der städtischen Vertreter waren die Einwände, dass ein Ballfangzaun „zu laut“ wäre und die Anwohner stören könnte, so ständig Fußbälle dagegen „donnern“ würden.

May 2009

Umweltreferent Rainer Schaal und Dr. Maria Dobner vom städtischen Grünamt kamen überein, dass man das Gelände an der Westmauer des Friedhofs aufschütten sollte und die so entstehenden Hügel bepflanzen sollte mit Hecken. Auf diese Weise würde man eine natürliche Barriere zwischen dem Friedhof und der Spielwiese schaffen, die zudem auch kostengünstiger sei, als ein meterhoher Ballfangzaun, der Nachbarn stören könnte. Diese Lösung reduziert freilich die Spielfläche für die Kinder und Jugendlichen deren Idee es nicht war, den Spielplatz neben einem Friedhof aufzuziehen. Das hatten sich andere Planer einfallen lassen. Wie nun auch immer. Nach ersten Aufschüttungen Ende 2009 sind die Hügel nun aufgeschüttet und eigenen sich im jetzigen Zustand (die Saat ist noch nicht aufgegangen) als Aussichtsplattformen. Andererseits bilden die Hügel eine seltsame Anspielung auf den Kugelfang, den es früher am Ostenende der Nordmauer gab. Ursprünglich hatte dieser Hügel, der den Friedhof um stattliche 15 m überragte militärische Zwecke. Bayerisches Militär machte hier Schießübungen mit Kanonen, verfehlte dabei aber immer wieder mal den Hügel und schoss stattdessen auf den Friedhof wo nicht nur Breschen in die Mauer geschossen sondern auch zahlreiche Grabsteine beschädigt wurden. Mehr noch wurden Berichten gemäß auch Trauergäste und selbst christliche Passanten beschossen und teilweise schwer verletzt. Erst die Beschwerden des Gemeindevertreters Seligman Skutsch beim König konnte den Missstand 1863 beseitigen. Die Kanonen wurden nun im Lechfeld abgefeuert , der Hügel jedoch blieb bis Ende der 1940er Jahre bestehen. In den Kriegserinnerungen von Erwin Huttner (geb. 1931) in Kriegshaber spielt der Hügel noch eine markante Rolle. Nach der berühmten Bombennacht war „… man am Nachmittag mit dem Schlitten auf den Exerzierplatz gegangen, weil wir Kinder rodeln wollten, da war der gesamte Exerzierplatz nicht weiß, sondern schwarz.“ (zitiert aus: Wiederaufbau und Neubeginn, Architektur der 50er Jahre in Augsburg, Katalog, S. 18). Als um den Friedhof herum Wohncontainer der Cramerton Housing Area für die Angehörigen der US Army errichtet wurden, verschwand auch der Kriegshaber Kugelfang, der in seinen letzten Jahren die Hauptattraktion für die spielenden Kinder der Umgebung war. Im Gegenzug errichtete die US Army im gesamten Gebiet eine größere Anzahl von Spielflächen. Auf der besagten heutigen Fußball-Wiese befand sich ein kleiner Basketball-Platz, von welchem aus kaum Bälle in den Friedhof gelangen konnte. In weiter entfernten Plätzen hingegen befanden sich eine Reihe von Softball-Feldern. Offenbar war den amerikanischen Planern klar, dass andernfalls der eine oder andere Baseball im Friedhof landen könnte. Die nach dem Abzug der Amerikaner „verantwortlichen“ Stadtplaner handelten weniger durchdacht. Sie führten auf der Südseite des Friedhofs den Passierweg direkt an der Friedhofsmauer entlang und schütteten zugleich auch noch das Gelände auf, so dass seitdem jedes Kind über die Mauer schauen und auch klettern kann. Noch mehr aufgeschüttet wurde das Gelände an der südwestlichen Ecke, wo die Mauer nur noch 105 cm hoch ist und direkt angrenzend der Spielplatz für kleine Kinder errichtet wurde. Vernünftigere Stadtplaner hatten wohl böses ahnend noch im Vorfeld gewarnt: „Bei der Konversion dieser ehemaligen Militärflächen und Wohnsiedlungen sollten … langfristige Entwicklungschancen nicht durch ‚kurzatmigen Aktionismus‘ verbaut werden.“ (zitiert aus: Wiederaufbau und Neubeginn, Architektur der 50er Jahre in Augsburg, Katalog, S. 37) Die Warnung war vergeblich. Die jetzt aufgeschütteten Hügel dienen anders als der ehemalige Kugelfang also nicht dazu Kanonenkugeln abzufangen, sondern sollen Fußbälle und Fußballer auf Distanz halten – nichts desto trotz gefährdeten beide Geschosse Grabsteine. Es ist nicht die beste Lösung, aber sie korrigiert teilweise frühere Fehlplanungen und kann wenigstens einen kleinen Beitrag dazu leisten, einen Rest des historisch wertvollen Bestands an Grabsteinen und Erinnerung an große und verdiente frühere Kriegshaber und Pferseer Bürger zu bewahren, wo das religiöse Gebot schon verschwunden ist. Wir danken den Vertretern der Stadt Augsburg für diesen ersten Schritt.

Another little step to was taken to preserve the heritage of the historical Jewish cemetery of Kriegshaber / Pfersee. At the western wall hills were heaped up in order to prevent footballs from bouncing at and destroying 300 year old sandstones.