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Happy Chanucka

December 6, 2015

Matisyahu – Happy Hanukkah


“Zur Herkunft des Chanucka-Dreidel”

December 18, 2014

Der סביבון (sewiwon) von סביב (sawiw = rund), jüdisch Dreidel (דריידל) oder früher im Westen auch Trendl (טרענדל) ist ein ungewöhnliches, längst aber klassisches Spielzeug, das sich mit dem jüdischen Lichter- oder Weihefest verbindet und längst zu einem immer wieder anzutreffenden bildlichen Symbol dafür geworden ist. Letzteres ist uns heute als trend bekannt, abgeleitet vom mittelenglischen trenden (sich drehen), friesisch trind (rund), etc. was im Englischen erst etwa in den 1880er Jahren die Bedeutung einer „allgemeinen Tendenz“ bekommt: der Trend. Dreidel hingegen stammt vom jüdischen Wort dreihen = drehen. Der hebräische Neologismus sewiwon wurde erst vor etwa hundert Jahren von Itamar Ben-Avi geprägt, dem Sohn von Elieser Ben-Yehuda. Es gilt daher gemeinhin als gesichert, dass der Dreidel eine aschkenasische, deutsch-jüdische Herkunft hat. Alte indische Formen des Kreisels verwendeten als Basis die Swastika, das im letzten Jahrhundert als „Hakenkreuz“ der Nazis in Verruf gekommene „Glückssymbol“, welches angeblich ein „Sonnenrad“ darstellen soll. Zwar weiß niemand so genau, was das eigentlich sein soll, da zumindest die tatsächlich am Himmel sichtbare Sonne, weder Zacken, Haken noch Räder hat, doch als Ornament findet sich die Swastika freilich auch in Überresten des Jerusalemer Tempels aus der Zeit des antiken Baumeisters und Königs Herodes. Der Dreidel – einer Vielzahl jüngerer Leute wenigstens noch aus dem „Draydel Song“ der Cartoon Serie South Park geläufig – hat mit der Tempelweihe erkennbar ebenso wenig zu tun wie der Weihnachtsmann oder Tannenbaum im Christentum mit der Geburt des Jesus.

Auf einem Gemälde des holländischen Malers Pieter Brueghel mit „allerley spelen der kinderen“ das auf das Jahr 1560 datiert wird, befindet sich am vorderen linken Bildrand auch eine Figur, die eine Art Dreidel in die Luft hebt. Dieser wird als Toton oder Teetotum gedeutet, ein ab etwa dieser Zeit nachweisbares Spiel auf der Basis eines meist vierseitigen Kreisels, der 1871 auch in Lewis Carolls „Alice hinter den Spiegeln“ erwähnt wird, als das Schaf die etwas eigenartige Frage stellt: “Bist du ein Kind oder ein Dreidel …?

Zur Grundlage für das Spiel dienen die jeweiligen Buchstaben die auf jeder Seite aufgemalt oder eingraviert wurden. Eine lateinische Variante hatte die Buchstaben A, D, N, T, gedeutet als aufer (nehmen), depone (ablegen), nihil (nichts) und letztlich namensgebend totum (alles). Es existieren zahlreiche Varianten in unterschiedlichen Sprachen und Abkürzungen. Eine englische Variante des 18. Jahrhunderts etwa hat die Buchstaben N für nothing (nichts), P für put (geben), S für some (einiges) und T für take (nehmen). Neben diesen Varianten gab es weitere mit sechs anstelle von vier Seiten, die gelegentlich auch analog zu einem Würfel einen bis sechs Punkte aufwiesen. Im Spiel , etwa um Geld, entscheidet je nach Regel und danach welche Seite sodann nach dem Drehen des Kreisels oben liegt, ob man seinen Einsatz verliert oder etwas dazugewinnt.

Trotz oder vielleicht auch wegen der mehrsprachigen Belege ist es nicht feststellbar, wo genau der Ursprung des entsprechend mit Buchstaben beschrifteten Dreidels und des damit verbundenen Spiels zu finden ist. An einer wenig wahrscheinlichen Stelle findet sich jedoch eine, wenngleich auch wohl versteckte literarische Anspielung darauf, nämlich im 19. Kapitel des christlichen Evangelium des Johann, als bei der Kreuzigung des Jesus römische Soldaten die Oberbekleidung (ἱμάτια, imatia) des Hingerichteten in vier Teile (τέσσαρα μέρη, tessara me’re) aufgeteilt und die künftigen Eigentümer auf spielerische Weise, sprich durch Auslosen (λάχωμεν) ermittelt werden. Der griechische Text wurde in zahlreichen Sprachen als „würfeln“ übersetzt, jedoch ist dies nur eine veranschaulichende Interpretation, da das griechische Wort für Würfel κυβος (kubos) im Text nicht vorkommt. Letzteres ist auch bekannt von Julius Caesars berühmten Ausspruch alea iacta est (Sueton, Caesar 32) – meist übersetzt als „der Würfel ist gefallen“, was aber, da Caesar sicher eher Griechisch sprach, ein bereits geläufiges griechisches Zitat war, das etwa bei Plutarch als ανερρίφθω κυβος (der Würfel ist geworfen) überliefert ist. Im übrigen lässt sich auch aus dem durch die heute feststehende vor allem mathematische Bedeutung des Worts „kubos“ nicht sagen, dass es sich dabei bereits um unseren nunmehr gebräuchlichen Würfel mit sechs Seitenflächen handelte. Zweifel-los wäre auch ein vierseitiger Dreidel denkbar, da das verwandte hebräische קב (kow) eine Stelze oder Stütze bezeichnet, was notwendigerweise mit der Idee des Kreisels korrespondiert.

Jesus pseudo Hebräisch Inschrift Kruez Augsburg

Interessant ist freilich, dass im Kontext der Kreuzigung des Jesus, am Kreuz selbst eine Inschrift auftaucht, die häufig durch vier Buchstaben abgekürzt wird: Ἰησοῦς ὁ Ναζωραῖος ὁ βασιλεὺς τῶν Ἰουδαίων – also Jesus der Nazaräer als König der Juden. Am bekanntesten ist dabei wohl das lateinische Kürzel INRI, das man auf vielen alten Kruzifixen finden kann. Die Inschrift soll dem Evangelium des Johann gemäß aber in griechischer, hebräischer und lateinischer Sprache angebracht worden sein. Motivisch übereinstimmend mit dem Dreidel ist somit der scheinbar neutrale Losentscheid und die gleich zweimal präsente Vierteilung (zum einem mittels INRI als vier Buchstaben, zum anderen durch die Aufteilung der Kleidung in vier Portionen). Einen unmittelbaren Zusammenhang mit dem Dreidel des Chanucka-Festes ergibt dies nicht, wenngleich das Fest dem militärischen Sieg der Juden über die griechischen Seleukiden im Jahr 164 v.a.Z. und der folgenden (Wieder)Einweihung des Heiligtums in Jerusalem gewidmet ist. Allenfalls das Datum der Weihe-Nacht (= erew chanucka) am 25. Kislev kann als Anzeichen für das erst tausend Jahre später am 25. Dezember gefeierte Geburtsfest des Jesus verstanden werden, zumal die Monate Kislev und Dezember sich regelmäßig überschneiden. Offensichtlich ist aber die ideengeschichtliche Verwandtschaft enger als die des Tannenbaums mit Jesus oder die des Dreidels mit dem Tempel in Jerusalem.

Wie auch immer, ist ganz ähnlich zu den oben genannten Varianten auch die jüdisch-sprachige bis heute als Kinderspiel überliefert, wobei zu Chanucka aber eher um Süßigkeiten als um Geld und ganz sicher nicht um die Bekleidung eines erwachsenen Fremden gespielt wird. Die Buchstaben hierfür sind jüdsich-deutsch ה = האלב (H für halb), ש = שלעכט (SCH für schlecht), נ = נישט (N für nischt, nichts) und schließlich ג = גוט (G für gut). Die hebräischen Entsprechungen wären חצי, רע, לא und טוב, was abgekürzt freilich andere Buchstaben ergeben würde. Die Spielidee, wie auch die Beschriftungen, waren für das Judentum freilich zu alltäglich und entheiligend. Insbesondere der Buchstabe ה dient allgemein üblich zur Abkürzung des Wortes השם (ha-schem, der-Name, gemeint ist der Name Gottes) und kürzt sozusagen bereits die Umschreibung des Gottesnamens respektvoll ab, während die Zahl 15 in hebräischen Ziffern aus dem selben Respekt nicht wie es folgerichtig wäre als 10-5, sondern als 9-6 = ט”ו notiert wird.

Es fand sich demnach also eine heiligende Erklärung für die vier Buchstaben, die nunmehr als Anspielung auf das Lichtwunder im Tempel gedeutet wurden:

נס גדול היה שם – ness gadol haja scham – ein großes Wunder gab es dort.

Praktisch fügte es sich dabei, dass diese Buchstaben, als Zahlen gelesen, sich sogleich auf den Zahlenwert 358 addierten, was dem Wert des Wortes משיח (meschiach = gräzisiert Messias, oder gleich griechisch Christos) entspricht. Auch dies ist ein Wort mit vier, freilich teilweise anderen Buchstaben. Im modernen Israel bildete sich alternativ zur bereits etablierten frommen Lesart die logische Variante

נס גדול היה פה – ness gadol haja po – ein großes Wunder gab es hier.

dreidel Hebräisch

Man konnte sich ja nun auf den Ort des Geschehens, auf Israel beziehen und musste nicht mehr aus der Ferne Bezug nehmen, während andererseits der neue Zahlenwert 138 an Signifikanz einbüßte, wenn man es beispielsweise als סטודנט (student) deutet, ohne den Sinn einer akademischen Ausbildung in Abrede stellen zu wollen.

Doch auch die Idee des Losens, Auslosens ging nicht ganz verloren. Zum einem bieten die Erzählungen der Thora diesbezüglich bereits mit den geheimnisvollen אורים ותומים (urim ve’tumim – etwa: Lichter und Ganze) ein prominentes, wenngleich auch schwer schlüssig zu deutendes Modell, bei dem bereits die Wortbedeutung und Übersetzung nicht unumstritten ist. „Urim“ wird allgemein als Plural von Licht, also als Lichter aufgefasst, das Gegenstück freilich ist als Substantiv schwer zu fassen, bedeutet als Adjektiv aber „rein“, „unschuldig“, „naiv“, „sauber“, „vollendet“ und dergleichen mehr. Im ספר שמות (lat. Exodus) der Thora werden die אורים ותומים beispielsweise als Bestandteil des heiligen Gewands des großen Kohen, des אפוד (efod) erwähnt, welches an anderer Stelle aber auch von König David getragen wurde. Über dem Efod einer Art Weste am Gewand befand sich der חושן eine Brustplatte worin die אורים ותומים aufbewahrt wurden. Über die Beschaffenheit und Verwendung all dieser Gegenstände wurde bereits viel spekuliert – was nicht verwundert, da sie bereits mit dem babylonischen Exil als verschollen gelten – für unseren Kontext reicht die Feststellung, dass es sich bei den Urim und Tumim offenbar um keine bloße Symbolik handelte, sondern um eine konkrete Funktion, der allgemeinen Auffassung nach zum Zweck der Wahrheitsfindung, um Begriffe wie „Orakel“ oder Wahrsagen“ zu vermeiden. Zum Einsatz kamen sie als dritter Weg neben Träumen und Überbringern („Propheten“), um mit Gott zu kommunizieren, bzw. um seinen Willen zu ermitteln.

In einem etwas anderen Kontext begegnet uns das Losen im פורים Purim-Fest, welches wörtlich der Plural von פור (pur) ist und das Los (griech. Κλήρος – kleros) bezeichnet. Hier nun wurde der Tag, an dem der finstere Schurke Haman das jüdische Volk im Reiche des persischen Königs vernichten wollte, per Los bestimmt. Der ermittelte Losentscheid war trotz gegenteiliger Erkenntnisse zum Sachverhalt bindend und unumstößlich, um nicht die Autorität des Herrschers als Entscheidungsträger zu erschüttern. Der festgesetzte Plan musste also mittels Vorbereitung der vorgesehenen Opfer vereitelt werden und die Bestrafung der eigentlichen Übeltäter am ausgelosten Stichtag (sic!), wird heute noch gefeiert. Auch hier wissen wir nicht, um was für eine Art Los es sich handelte, wohl aber, dass es am persischen Hof gebraucht wurde. Offensichtlich war es aber geeignet, ein konkretes Datum zu bestimmen. Denkbar wäre eine Drehscheibe mit Monatseinteilung.

In der kabbalistisch – chassidischen Frömmigkeit nach dem Spätmittelalter hat sich nun auch eine Methodik entwickelt, den Dreidel als divinatorisches Instrument zu benutzen, wobei die klassischen Buchstaben des jüdischen Dreidels entsprechend ausgelegt werden, etwa im Sinne der Zahlenwerte, korrespondierender Begriffe und Wortbedeutungen. Da es viele Varianten davon gibt, konnte sich keine gänzlich durchsetzen.

Der Ursprung dürfte in von den Griechen ἀστράγαλος genannten Sprunggelenksknochen (צם הקרסול – lat. talus, meist von Schafen oder Ziegen) liegen, die als eine Art natürlicher Vorläufer von Würfeln gelten und im antiken südöstlichen Mittelmeerraum gesamten als Spielgerät wie auch zu “Wahrsagezwecken” genutzt wurden. Vielleicht rührt es auch daher, dass in der hebräischen Geschichte des Volkes Israels der Sprung vom Schafshirten zum Propheten oft ein sehr geringer zu sein scheint, … vielleicht nur ein Hammelsprung.

schafsknochen würfel astragaloi (source: wikipedia)

Eine ganze Reihe der biblischen Helden und prägenden Figuren der jüdischen Frühgeschichte waren Hirten: Abraham, Isaak, Jakob, Moses, David, Rabbi Akiwa, um nur einige zu nennen … und so ist es kein Wunder, dass sich nicht nur das Christentum reichlich bemühte, eine entsprechende Metaphorik oder sagen wir „Schafs-Nähe“ zu behaupten und anzusprechen, sondern auch der islamische Rasul Mohamed gleichfalls Schafhirte gewesen sein soll, bevor er bei seinem Onkel Talib kaufmännische geschult wurde und mit ihm auf Reisen ging.

Der biblische Begriff für „Prophet“ ist im hebräischen Original wörtlich ein „Bringer“ (נביא – nawi), damit vergleichbar mit dem griechischen ἄγγελος – lat. „angelus“, meist übersetzt als „Bote“, war aber ganz gewiss kein „geflügeltes“ Wesen, sondern allenfalls ein ebensolches Wort. Das hebräische Wort für Engel wiederum lautet „mal’ach“ (מלאך) und leitet sich von „mal’acha“ (מלאכה) der Arbeit ab, was über die Vermittlung des Jüdisch-Deutschen auch im allgemeinen Sprachgebrauch als „Maloche“ (מאַלאָכע) geläufig ist. Während der hebräische Engel demnach ein „Malocher“ ist, ist der hebräische Prophet ein echter „Bringer“, ein Vermittler, die Personifizierung des Nächsten, des Folgenden, des Kommenden, der Zukunft, der den Willen Gottes (mit oder ohne Schafsknochen) erkundet und ggf. mitteilt.

Jeder Astragal besitzt nun vier Seiten, freilich nicht gleichmäßig wie bei einem exakten, idealen Würfel, jedoch so, dass alle vier Seiten zum Liegen kommen konnten. Ihnen gab man nun Zahlen(werte), die in den meisten Sprachen des Orients mittels Buchstaben ausgedrückt wurden, im Griechischen ebenso wie im Hebräischen/Phönizischen. Die Nummerierung reichte von 1-4, aber Varianten kannten die Werte 1, 2, 4 und 6 und oft kamen fünf Astragale zum Einsatz (oder es wurde entsprechend oft mit einem gewürfelt) und sodann wurden die Werte addiert. Anders als die Kreuzigungsszene im christlichen Evangelion suggeriert, war das Würfelspiel, insbesondere das mit Astragaloi, trotz spielsüchtiger Herrscher wie Claudius, bei den Römern keineswegs gern gesehen, sondern nur während der Saturnalien (= das römische Staatsfest zu Ehren des “Saturn”, zunächst am 17., dann ausgedehnt vom 17. – 23. Dezember, später ab dem 17. bis zum Monatsende) nicht verboten waren. Rein zeitlich würde das, wie der Brauch des Würfelns durchaus zur späteren Chanucka-Tradition passen, darüber hinaus in Bezug auf das auch im jüdischen Kontext sonst ebenfalls nicht erlaubte Glückspiel um Geld. Eine Abart des ursprünglichen Spiels der Astragaloi ist heute auch in Israel noch bekannt als חמש אבנים  5  Steine, was bereits besagt, dass das Material sich geändert hat und man von den Schafsknochen abgekommen ist.

Albert Einstein freilich soll gesagt haben: “Gott würfelt nicht”.

* * *

(Yehuda Shenef – hier im 2010 bereits schon mal veröffentlicht)


The story of CHanuCKa

December 17, 2014

(10)


Chanucka auf der Weihnachtsinsel

December 3, 2013

Da Chanucka ein recht simples, leicht zu vollziehendes Fest ist, kann man es auch on the road praktizieren. Es reichen  Kerzen, Streichhölzer ein Sidur und eine ruhige Weihnachtsinsel …

Chanucka Augsburg Weihnachtsinsel Zeughaus6. Chanucka – Abend auf der “Weihnachtsinsel” beim Zeughaus in Augsburg 

wo sich in guten (Jahres)Zeiten der allseits geschätzte Biergarten befindet

der Blick drückt das Entsetzen über den Biermangel aus

Chanucka Lichter zünden Augsburg Zeughaus WeihnachtsinselLichterzünden

Chanucka City Galerie AugsburgChanucka 2 bei der City Galerie Augsburg

(c) Photos: Margit Hummel, Yehuda Shenef


Augsburg Kriegshaber Obermayer Chanucka Zeichnung aus dem Jahr 1821

December 1, 2013

Chanucka beginnt immer am Abend des 25. Kislev und dauert acht Tage bis zum 2. Tewet. Das war immer schon so, auch im jüdischen Jahr 5582, auf das die abgebildete Zeichnung datiert ist. Nach christlichem Kalender entspricht dies dem Zeitraum vom 19. – 26. Dezember 1821.augsburg kriegshaber obermayer chanucka painting zeichnung 1821 בשנת תקפ’ב

כארל אוברמייר – אוגסבורג גריסהבר

Die Zeichnung zeigt einen kunstvoll umschlungenen acht-armigen Chanucka-Leuchter mit drei handschriftlichen hebräischen Segenssprüchen, die sich auf das Chanucka-Fest beziehen. Im Sockel des Leuchters befindet sich die Signatur und Datierung. Gleich zweimal ist die hebräische Jahreszahl des jüdischen Kalenders zu lesen:  תקפב= 582. Die in dieser Weise üblich abgekürzte Jahresangabe steht für das das jüdische Jahr 5582 und entspricht dem Zeitraum Spätsommer 1821 / 1822.

Die Signatur לחנוכה תקפב (zu, bzw. für Chanucka 582) bezieht sich eindeutig auf das am 19. Dezember 1821 beginnende jüdische Lichterfest. In der „Namenskartusche“ sind zwei Worte erwähnt, die sich als Ortsnamen identifizieren lassen: אגוסטא (agusta, ggf. auch ogusta gesprochen) könnte für Augsburg stehen, deren klassisch römischer Name „augusta“ lautete, während גריסבר (grisawer) Kriegshaber sein dürfte, das in hebräischen Urkunden und Grabsteinen sehr häufig mundartlich als גריסהבר(gris’hawer) notiert wurde.

Das Zusammentreffen von „agusta“ und „grisawer“ jedenfalls erhöht die wechselseitige Wahrscheinlichkeit ganz erheblich, weshalb wir ganz sicher davon ausgehen können, dass mit den Ortsangaben Kriegshaber und Augsburg gemeint sind. Die stützt letztlich auch die namentliche Signatur, die offenbar vom Zeichner selbst stammt. Als Ligatur recht eindeutig zu erkennen ist der deutsche Nameכארל  (karl), unter welchem als Abkürzung gekennzeichnet א’מ  steht, was uns auf Grabsteinen und in Dokumenten aus, bzw. zu Kriegshaber und Augsburg verschiedentlich als offenbar geläufige Abkürzung des wohlbekannten Familiennamens Obermayer geläufig ist.

Zusammengenommen ergibt die hebräische Signatur also als mutmaßlichen Urheber der Zeichnung Karl Obermayer im Dezember 1821. Es ist recht naheliegend, hierbei an Carl von Obermayer (1811-1889) zu denken, der seinen adeligen Namenszusatz „von“ erst Jahrzehnte später erhielt, dessen Eltern und Vorfahren aus Kriegshaber stammten. Das trotz des offensichtlichen Aufwands des Zeichners doch eher kindliche Niveau der Zeichnung und Schrift passt recht gut zum Umstand, dass der im März 1811 geborene Carl Obermayer Ende 1821 erst zehn Jahre alt war. Erst wenige Monate vorher hatte Karls Vater Isidor Obermayer in Augsburg beim Herkules-Brunnen (wo eine goldene Tafel die Stadt Augsburg als Frau dargestellte “Augusta” zeigt) das große Palais erworben, in welchem sich heute das Augsburger Standesamt befindet. Trotzdem besassen die Obermayers weiterhin Häuser in Kriegshaber. Da es in Augsburg keine Synagoge und noch lange keinen adäquaten Betraum gab, ist es denkbar, dass die Obermayer-Familie das Chanucka-Fest des Jahres 1821 tatsächlich in Kriegshaber verbrachte und in der Kriegshaber Synagoge feierte. Auch, dass die Zeichnung von Karl Obermayer, die sich in Privatbesitz in Jerusalem befindet, in Kriegshaber entstand, entweder im Wohnhaus der Obermayer, vielleicht aber auch in der jüdischen Schule, gegenüber der Synagoge die der St. Anna-Schüler aus Augsburg ebenfalls besucht hatte, da erst später jüdische Lehrer aus Pfersee und Kriegshaber nach Augsburg kamen, um die Kinder und Jugendlichen der Augsburger Geschäftsleute mit dem nötigsten an Wissen und Bildung zu versorgen. Es ist wahrscheinlich, dass der zehnjährige Carl Obermayer die Zeichnung nicht für sich selbst fertigte. Vielleicht war es eine Schenkung für eine(n) Verwandte(n) in Kriegshaber und deshalb erahlten geblieben.

* * *

A drawing from Carl Obermayer dated for the Jewish festival of Hanukkah in December 1821 when the later consul of the United States of America in then Bavarian Augsburg and head of the modern Jewish community of Augsburg still was a boy of ten, actually is a rare peace of rural Jewish artwork in the beginning 19th century.