erweiterte Neuauflage: “Das Haus der drei Sterne”

November 13, 2016

Yehuda Shenef:  –  Das Haus der drei Sterne: Die Geschichte des jüdischen Friedhofs von Pfersee, Kriegshaber und Steppach bei Augsburg, in Österreich, Bayern und Deutschland

Neuazflage des Buches von 2013

yehuda-shenef-das-haus-der-drei-sterne-neuauflage-2016https://www.amazon.de/dp/374310069X/

ISBN: 978-3743-100-695

288 Seiten / 16.50 Euro

Der jüdische Friedhof an der heutigen Hooverstraße im Augsburger Norden hat eine sehr wechselvolle Geschichte, wie kaum ein anderer in Deutschland. Hier ruhen berühmte Gelehrte, Eisenbahnpioniere, Politiker und Bankiers, bis 1815 auch Hofagenten aus München, bis 1865 auch Augsburger.

Gegründet wurde er zur Beginn des 30-jährigen Krieges in der damals österreichischen Markgrafschaft Burgau, von den Juden aus Pfersee, Kriegshaber und Steppach, just am selben Tag, als gleich daneben ein Feuerball in der Umgebung einschlug.

Hundert Jahre später eskalierte der Bau eines Hauses am Friedhof beinahe zum Krieg zwischen Österreich und der benachbarten Reichstadt. Ein weiteres Jahrhundert später, übte das Militär des Königreichs Bayern neben dem Friedhof den Umgang mit Kanonenkugeln, wobei immer wieder Trauernde, Passanten und Gräber getroffen wurden.

Die Nazis schändeten 1942 den Friedhof als Vergeltung für einen alliierten Bombenangriff auf die MAN-Werke am Vortag. Als nach den Zweiten Weltkrieg um den Friedhof herum eine Wohnsiedlung für US-Soldaten entstand, bildete der Friedhof eine exterritoriale Enklave, für deren Erhalt sich General Eisenhower einsetzte, der bald darauf Präsident der USA wurde.
Nun steht dem lange vernachlässigten Friedhof eine russische Zukunft, als letzte Ruhestätte aus der ehemaligen Sowjetunion zugewanderter Juden, bevor.

Die um hundert Seiten erweiterte Neuauflage des Buches bietet eine Auswahl an Grabsteinen und Inschriften nebst dem (fast) vollständig rekonstruierten Grabregister.

Mit Vorworten von Dr. Arthur Obermayer, Boston (Obermayer Foundation) und Botschafter Peter R. Rosenblatt, Washington DC, beide Nachkommen jüdischer Familien aus Kriegshaber und Pfersee.

 

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Burgau revisited

April 19, 2012

Burgau und die nach ihm benannte Markgrafschaft im heutigen bayerischen Schwaben war von etwa von 1300 bis 1800 für ein halbes Jahrtausend österreichisches Gebiet. Wenngleich nicht immer ein zusammenhängendes Territorium und zeitweilig eher eine Art Fleckenteppich, war es doch ein politisch und kulturell zusammenhängendes und funktionierendes Teil der österreichischen Monarchie.

Der Name Burgau wird wohl treffend als Burg-Au gedeutet, denn um die Mitte des 12. Jahrhunderts werden in Augsburg erstmals „Herren von Burgau“ erwähnt. Im Jahre 1212 werden deren Nachkommen zu Markgrafen ernannt und in der Folge orientierten sich die Burgauer wohl bereits an den Habsburgern, die bald versuchten die schwäbischen Gebiete für ihr Reich zu sichern.

Als 1324 zur erfolglosen Belagerung durch Soldaten des Wittelsbacher Kaisers Ludwig Bayer. 1418 verhinderten Augsburg und Ulm einen Verkauf der Gebiete an Bayern, da man in den Reichsstädten um die eigene Unabhängigkeit fürchtete und deshalb – später auch unter dem Einfluss der Fugger – eher den Vorderösterreichern zugeneigt war.

Mit dem 30jährigen Krieg endete die Herrschaft in Burgau, dessen letzter Markgraf Karl 1618 verstarb. Als Sohn Erzherzog Ferdinands von Österreich und der nicht standesgemäßen Augsburger Kaufmannstochter Philippine Welser (1527-1580) war Karl nicht voll erbberechtigt. Der Markgraf und seine Frau waren bei ihren Untertanen nur mäßig beliebt, da sie ihre beargwöhnte Verbindung mit religiösem Eifer kompensieren wollten. 1516 führte dies zu einem Bierverbot in Burgau und im Jahr darauf zur Ausweisung der Juden (unter den auch Brauer waren). 1518 starb er sodann und wurde hernach in Günzburg bestattet, wo er ziemlich verschwenderisch mit seiner Frau gelebt hatte. Die Markgrafschaft wurde sodann von den Habsburgern in Tirol regiert und von ihnen in Günzburg ein Landvogt eingesetzt. Um 1805 gingen die Gebiete der vorderösterreichischen Markgrafschaft Burgau an Bayern. Heute hat Burgau etwa 9000 Einwohner, wovon 7000 am Ort selbst leben, der natürlich über die mittelalterliche Stadt hinausreicht. Seit einigen Jahren ist die Bevölkerungszahl rückläufig.

Altes Rathaus von Burgau

Die jüdische Geschichte in Burgau ist in erster Linie mit Schimon ben Elieser Ulmo (1506-1585) verknüpft, der in Günzburg geboren wurde, in Burgau aufwuchs, dort Rabbiner und Leiter eines talmudischen Lehrhauses war und nach seinem Tod auch begraben wurde. Er war ein großer namhafter Gelehrter, kaiserlicher Hoffaktor, ein großer Mäzen und Autor gelehriger Bücher in taitscher Sprache. Sein Vorfahr Falk Lemlin (1390-1465) hatte 1438 Augsburg verlassen müssen und ging nach Ulm. Der Lehrer seiner Kindheit in Burgau war Rabbi Jona, der Sohn von Jakob ben Jehuda Weil, der letzte überregional bedeutsame Gelehrte  Augsburgs, der die Stadt 1438 als einer der ersten verließ und schließlich nach Erfurt ging. Auf seinen Schriften fussen die heutigen Verodnungen der Schechita.

 

Ausschnitt aus Simon Ulmo’s taitscher Erklärung hebräischer und aramäischer Redensarten aus Mischna und Talmud

 

Aus dem Jahr 1470 ist in einer Urkunde in Graz Salomon von Burgau mit weiteren Juden von Ulm wegen Geldleihen an einen christlichen Kleriker erwähnt, wobei es sich wohl um einen Verwandten Simons handelt. 1587 verfügt die Markgrafschaft, dass Juden den Christen rechtlich gleichgestellt seien. 1593 erhält Lemle von Burgau (ein Sohn von Simon) von Freiherr Ferdinand von Grafeneck das Schloss und Dorf Hasenweiler bei Ravensburg, da dieser eine Schuld über 3500 Gulden nicht bezahlen konnte. Es folgten jedoch über Jahre andauernde Rechtstreitigkeiten, ehe Dorf und Schloss für 16.000 Gulden an das Kloster Weingarten verkauft und Lemle ausbezahlt wurde.

Ende Dezember 1596 klagten christliche Bewohner in Burgau über die Burgauer Juden, da diese wegen ihrer Feiertage keine Rücksicht auf die christlichen Feiertage nehmen würden und zudem offenbar auch verlangten, dass ihre christlichen Bediensteten an diesen Tagen für sie arbeiteten. Dies wurde am Ort wohl als Verspottung der „wahren“ christlichen Religion durch die „verdammten“ Juden aufgefasst. Als Rabbiner in jener Zeit ist in den Raittungen (Rechnungen) von Burgau „Leo Jude, Lehrmeister“ notiert. Gemeint ist Jehuda Schmuel (1538-1604), Sohn des Simon Ulmo-Günzburg, der mit Frau und Sohn verschiedentlich genannt wird, 1599 etwa „Leo Jud, Lehrmaister und sein Sohn Itzig Jud der Jung Lehrmaister und Schulklopfer“. 1602 heißt es statt „Leo“ (sowohl Lew als auch Leo dienten häufiger als Umschreibungen des Namens Juda) nun „Leb, Itzig Jude, Lehrmaister und sein Mueter“. Itzig kennen wir aus hebräischen Quellen als Itzchak ben Jehuda Schmuel Ulmo (1570-1618) . Seine Frau wird in der Liste ab 1619 folgerichtig als „Itzig Jüdin, Lehrmaisters Witib“, also als Witwe des Lehrmeisters Isaak verzeichnet.

Im Jahr 1617 veranlassten Markgraf Karl und seine fromme Frau Philippine aus dem Haus der Augsburger Patrizier Welser, das im Jahr 1614 seinen „Falliment“ erklärte, d.h. pleite war , die „Ausschaffung“ der Juden aus Burgau. Ob es wirklich zum Weggang der Juden führte ist unklar. Möglicherweise verließen die Burgauer Juden, die gerade den frühen Tod ihres Rabbiners zu beklagen hatten, den Ort unterhalb der Burg tatsächlich kurzfristig, um vielleicht in Scheppach oder Günzburg Unterschlupf zu finden. Spätestens nach dem Tod des letzten Markgrafen kehrten sie jedoch wieder zurück, weshalb wir ab 1619 sodann auch die Witwe des Rabbiners als Steuerzahlerin finden. Von 1622 bis 1631 wirkte sodann David, der Sohn des Isaak als Rabbiner, dessen Bruder Abraham siedelte sich in Pfersee an. Eine Rechnung aus selber Zeit über verlangte Abgaben für Stadtwächter aber auch für Kriegskosten an die Burgauer Juden in Höhe von stattlichen 200 Gulden. 1611 belief sich die jährliche Höhe der jüdischen „Sitzgelder“ auf rund 185 Gulden. Die Wächter wurden offenbar auch zur Abwehr der Infektion benötigt, an der viele Einwohner erkrankt waren und starben. Die Pest wird häufig als Argument gebraucht, um die Ausweisung der Juden aus Burgau zu begründen, doch wurde diese bereits 1617 angeordnet und bleib offensichtlich folgenlos. Als 1631 aber bereits schwedische Truppen immer tiefer nach Deutschland vordringen klagen nun die Juden in Burgau in Augsburg gegen den Burgauer Stadtprediger Kaspar, da dieser einigen Aufruhr erhebt, vor der Synagoge und dem Lehrhaus randaliert und Verleumdungen verbreitet oder auswärtigen jüdischen Händlern nachgeht und gegen sie mitunter handgreiflich wird. Einen Juden aus Steppach, wo wie in Pfersee Söhne und Enkel der Ulmo vor Jahrzehnten ausgesiedelt waren, habe er so mit einem Stecken angegriffen, usw. Mit dem weiteren Vormarsch der Schweden hatten Burgau wie auch der Dorfprediger im Folgejahr jedoch ganz andere Sorgen. Auch die jüdische Geschichte in Burgau endet mit den weitgehenden Zerstörung des Ortes.

Doch aus dem Jahr 1653 ist in Burgau der Jude Josef notiert, der gegen Wilhelm Konrad Schenck von Stauffenberg klagt, da dieser offenbar seine Schulden nicht bezahlen konnte. Da er als Josef von Burgau bezeichnet wird, ist anzunehmen, dass er tatsächlich am Ort lebte. 1665 wird über die Wiederansiedlung von Juden in Burgau verhandelt. Die Rede ist „wie von alters her“ von acht oder neun Familien. Christliche Prediger vor Ort sind anderer Ansicht und sprechen davon, dass sie „solches Ungeziefer“ nicht wieder haben wollten. Offenbar wurde dem Begehren zumindest einiger Juden trotzdem nachgegeben, da sich im Dezember 1668 der aus Pfersee stammende Jude Hertzog  in Burgau meldet und darauf hinweist, dass vor dem großen Krieg (wohl 1631) sein Großvater die Judenschule „auf eigene Kosten und zur Ehre Gottes und ihm zu Nutze und Heil habe erbauen lassen“, weshalb er nun darum bat, dass man ihn nun doch bitte nicht abweisen möge deswegen. Es ist zu vermuten, dass es sich bei jenem Hertzog (oder Hitzig) um Isaak, den Sohn des letzten Rabbiners David Ulmo handelte. Ob es ihm gelang das Gebäude in der heutigen Stadtstraße, dass den Krieg wohl wenigstens teilweise überstanden haben muss, wieder erlangte ist nicht bekannt, muss aber bezweifelt werden, da es in der Folgezeit nur noch spärliche einzelnen Nachrichten über Juden in Burgau gibt. Dabei handelt es sich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts lediglich um Bestimmungen für auswärtige jüdische Händler, die an jenen Tagen und Stunden am Markt sein dürfen.

Die vielleicht größte Anzahl von Burgau folgte dann aber wohl erst rund 275 Jahre nach dem Ersuchen von Isak Ulmo aus Steppach, als nämlich von 1944 bis 1945 für die Dauer etwa eines Jahres in Burgau ein Arbeitslager errichtet wurde, in welchem jüdische Zwangsarbeiter, die aus Osteuropa verschleppt wurden (während im Gegenzug schwäbische Juden nach Polen deportierte) für Messerschmidt im sog. „Kuno Werk“ im Scheppacher Forst Düsenjets montieren sollten. Insgesamt etwa 1100 Gefangene wurden dort unter schlechtesten Bedingungen zur Zwangsarbeit genötigt. Über die Anzahl der Toten gibt es keine Zahlen, jedoch wurde in einem Pressebericht anlässlich der Errichtung eines Gedenksteins vor einem Jahr, die Zahl von 18 namentlich bekannten Toten erwähnt. Diese sind in der Inschrift nicht aufgeführt, stattdessen ein deutsches Zitat aus dem Buch Hiob:

Wenn ich daran denke, erschrecke ich und mein Zittern ergreift meinen Leib

Und darunter: „Zum Gedenken an die Verfolgten der NS-Herrschaft. Ihr Leiden und Sterben sei uns Mahnung zu Toleranz und Menschlichkeit. Dieser Stein erinnert an diejenigen, die im Burgauer KZ-Außenlager gelitten haben.“

Dass es sich bei den Gefangenen um Juden handelte, war den Verfassern so wenig Notiz wert, wie auch sonst in Burgau eigentlich nichts mehr an die lange über zweihundertjährige jüdische Geschichte erinnert.

Am 23. April 1945 bombardierten US-Flieger siebzig startklare Messerschmitt Jets und das Werk entlang der heutigen Karlsbader Str. im Süden der Stadt. Im Norden hingegen befindet sich der jüdische Friedhof von Burgau, nördlich der Eichenstraße. Grabsteine sind keine mehr erhalten und der Platz selbst längst nicht mehr ummauert. Die Flächen werden landwirtschaftlich genutzt.

* * *

Burgau today is a small town with some 9000 inhabitants but it has a rich history with a number of quite interesting Jewish aspects. For the period of a half millennium Burgau was capital and eponymous for the Austrian forelands of Margravate Burgau which reached from Ulm to Augsburg.

Simon ben Elieser Ulmo Günzburg (1506-1585) one of the most important scholars of his times lived in Burgau where he was a rabbi and head of a prominent yeshiva. His Jewish-German collections of sayings of course were inspired by the language of the region. Until 1631 there was a Jewish community in Burgau, which also had an own cemetery. The year after the Thirty years War (1618-1648) afflicted the town and region. In the following decades and century there are only scarce notes on Jews in the town. About 1668 Isaac from Pfersee, offspring of the former Burgau builder of the new synagogue for a last time tried to return to the heritage, but obviously failed. Christian preachers had warned against “such vermins”.

275 years alter however, when Burgau had some 3000 inhabitants in the south of the town there was the Burgau satellite concentration camp “Kuno Werke” with some 1100 Jewish prisoners abducted in Hungary and Poland, who were forced to assemble Messerschmitt jet fighters. The number of victims is not known, but last April a monument with a quote from the Book of Job was erected in order to commemorate this part of the past. However nothing reminds of the history of the almost three centuries long Jewish community of Burgau. The old Jewish cemetery north of Burgau’s Eichenstr. has no markers left and no fence or wall. It just is an arable field, dugged up for generations.

The (hand)writing on the pavement cobble says that “Burgau is older than Munich“, whatever this information does amount to. Actually Burgau is first mentioned in an Augsburg deed in 1147, Munich in 1158 (“Augsburger Schied”)

כבש הזהב של בורגאו


Where is the lamb..?

June 10, 2011

A woman customer comes to the butchery and requests the rate of lamb.
5 a pound,” is the answer.
But the butcher next door sells it for 2 a pound,” she objects.
Nu, if so go and buy it there,” says the butcher.
But he’s all out,” she intimates.
Git,” says the butcher, “… whenever I will be out of lamb it will only 1 a pound. Promise!

בורגאַו: הטלה הזהוב


Die Herkunft der mittelalterlichen Augsburger Juden

August 30, 2010

Über die Bedeutung der jüdischen Gemeinde im mittelalterlichen Augsburg geben nicht zuletzt auch die Orte ab, aus denen Juden in die Reichsstadt zogen. Auch die städtischen Steuerlisten ab dem 14. Jahrhundert geben darüber Zeugnis, dass nicht nur Juden aus den benachbarten Regionen, sondern auch aus fernerliegenden bekannten Zentren jüdischer Gelehrsamkeit nach Augsburg kamen, um mittels Heirat, als Rabbiner oder als Schüler Bestandteil der schwäbischen Gemeinde zu werden.

Im Einzugsgebiet werden dabei Orte genannt, die heute nicht unbedingt immer auf Anhieb mit mittelalterlichen jüdischen Gemeinden in Verbindung gebracht werden: Dinkelsbühl, Nördlingen, Oettingen, Pappenheim, Regensburg, Harburg, Donauwörth, Neuburg, Ingolstadt, Lauingen, Dillingen, Höchstädt, Wertingen, Schrobenhausen, Aichach, Freising, München, Friedberg, Zusmarshausen, Burgau, Ulm, Biberach, Mindelheim, Memmingen, Landsberg und Mühldorf am Inn.

Aber auch aus Orten und Städten in größerer Entfernung kamen Juden nach Augsburg: Köln, Mainz, Worms, Speyer, Straßburg und das benachbarte elsässische Bischoffsheim, Rothenburg ob der Tauber, Zürich, Nürnberg und das kärntische Millstatt (Muelrestat) .

Freilich ist es nicht im sicher, einzelne Orte sicher zu identifizieren. Beispielsweise gibt es nicht weniger als drei schwäbische Orte mit dem Namen Biberach, einige Neuburgs und da die meisten Schreibweisen noch variabel waren könnte ein Rothenburg auch als Rottenburg gelesen werden und der Ort Werd, den wir nicht zu Unrecht wir als Werd an der Donau deuten, sprich als Donauwörth, könnte aber auch der heute noch so heißende kleine Ort Wörth sein, gleichfalls an der Donau, unweit von Regensburg, aber, da Angaben zum Fluss fehlen vielleicht auch Wörth an der Isar, Wörth am Rhein, Wörth am Main und warum nicht auch Wörth an der Sauer im Elsaß ..? Sicher behaupten lässt sich das ebenso wenig wie die Annahme alle genannten Juden -insofern keine Verwandtschaft plausibel ist – kämen aus einem einzigen Werd.

The origin of the medieval Jews of Augsburg

The significance of the Jewish community in medieval Augsburg, also is explained by the places from which Jews moved to the Imperial City. Also the municipal tax records from 14 Century on provide evidence that Jews not only from the neighboring regions but also from more distant known centers of Jewish scholarship moved to Augsburg to get member of the Swabian Jewish community by marriage as a rabbi or student.

In the catchment area of the Imperial City there are many places, which today are not necessarily always instantly connect to the medieval Jewish communitiest: Dinkelsbuehl, Noerdlingen, Oettingen, Pappenheim, Regensburg (Ratisbon), Harburg, Donauwoerth, Neuburg, Ingolstadt, Lauingen, Dillingen, Hoechstaedt, Wertingen, Schrobenhausen , Aichach, Freising, Munich, Friedberg, Zusmarshausen, Burgau, Ulm, Biberach, Mindelheim, Memmingen, Landsberg and Muehldorf am Inn.

However, even from in towns and cities further away Jews came to Augsburg: Cologne, Mainz (Mayence), Worms, Speyer, Strasbourg and the neighboring Alsatian Bischoffsheim, Rothenburg ob der Tauber, Zurich, Nuremberg and the Carinthian Millstatt (Muelrestat). Of course it is not always safe to identify individual toponyms. For example, there are no fewer than three Swabian places called Biberach, some Neuburgs (new castle) and since most writing still is variable Rothenburg eventually also could be read as Rottenburg and place Werd, which we identify not without reason as Werd at the Danube = Donauwoerth, actually also may be quite another Woerth on the Danube, near Regensburg, but perhaps also Worth on the Isar, Worth on the Rhine, Worth on the Main, and why not Worth on the Sauer in Alsace .. ? We do not know in all cases for sure and there also is no guaranty that all entries actually refer only to one single one of them.


Simon Ulmo Ginzburgs explanation of proverbs from the Talmud

March 11, 2010

Rabbi Simon ben Eliezer Ulmo Ginzburg (1506-1585) who also was a court Jew is a descendant from former Augsburg branch of the Kalonymos as well as the ancestor of the wide-spread family of Ulmo Ginzburg. He also was famous as architect who built a synagogue and a cemetery in Burgau. Some of his sons moved to Pfersee what later became the renowned seat of the rabbinate of Medinat Shwaben. Simons “sefer mar’ay moozar“ explains in Yiddish (or as he put it: “in Taytsh” = “Dutch”, Old German) a number of some 525 quotations, i.e. more or less known Hebrew and Aramaic proverbs and sayings from the Talmud or related sources. The Hebrew title of the book, which was printed in several editions  often was translated as “mirror of ethics”, but more literally means “view of tradition” (the term mar’e, meaning mirror however obviously is related to the actual English word mirror …), there even was Latin translation “speculum vitae humanae”. In German the work was known as “der zuchtspiegel”, whereby the term “zucht” is somewhat ambigious, since it may mean “discipline” as well as

One example of the collection is the proverb “istra bilgeena kish kish karya” which is Aramaic and says, that is does not need much, to make much ado about nothing. In this case there only an Istra – coin (named for the old Greek province of Aistros was in the area where river Danube issues in the Black Sea) is required to make much “kish kish” sound in a bottle. Proverbial it means a person who although lacking wisdom tries to make it up with much idle talk and clapping. There are no good results, but much notional blabla.

Simon Ulmo Ginzburg paraphrased it in Jewish Taytsh that way: one penny in an empty bottle makes much more noise than one who has thousand guilder coins – so it is much ado about nothing, all mouth und (no) trousers, much cry and little wool, etc.

איסתרא בלגינא קיש קריא 

 

במ פז 

 

 

איין העלר אין איינם לערין זעקיל פיל מין קלעפרן טוטאלז מענכר דער טויזנט גילדן אין זעקיל האט. פארנן פיקס אונ הינטין ניקס. מאכט מענכר איין גרוס גישרייא אונ ניקס דער הינדר, מן ווייט זו זאגין פון קאלטין ווינטר

 

Transkription: ain heler in ainem leren sekil fil min kleprn tut als menchr der toisent gildn in sekil hat. farnen fiks un hintin niks – macht menchr ain gros gischrai un niks der hinder, men wait su sagin fun kaltin wintr.

Übertragung: Eine Cent-Münze in einer leeren Spardose klimpert viel mehr als wenn tausend Euro darin wären. Erst groß und dann nichts tun, viel Wind um nichts

 

Wörtliche Entsprechungen zu den Reimen und Sprüchen gibt es wohl nicht mehr, wobei Gulden und Heller natürlich namentlich noch bekannt sind. Die Füchse erhalten Aufmerksamkeit, doch hinten kommt nichts dabei raus, wie man heute sagt. Das „nichts dahinter“ steckt ist als Ausdruck auch heute noch geläufig, doch wie beim Fuchs ist der Winter ist erster Linie zum Zweck des Reims vorhanden.

Das aramäische Zitat aus Bawa Mezia besagt sinngemäß, dass es nicht viel braucht, um sinnlos Lärm zu machen kann. איסתרא (istra) ist eine antike Währung, die unter anderem in griechischen Stater – Münzen geprägt wurde. Ihr Name leitet sich ab von der griechischen Kolonie Aistros (istros) in der Region der Donaumündung am Schwarzen Meer. In einem Krug oder Flasche, so das Sprichwort genügt schon ein Exemplar, um damit zu klimpern – bzw. um lautmalerisch „kisch kisch“ zu machen. Im deutschen würde man vielleicht sagen können, dass (inhalts)leere Tonnen oder Fässer am lautesten klingen können – was hier natürlich ebenfalls sinnbildlich gesehen wird. Es bezieht sich damit auf eine Art von Person, die zwar einen gewissen Mangel an Weisheit besitzt,, diesen Mangel aber mit viel Geklirre und Gerede wett machen will. Das kann sich auf weniges beziehen was man vorzuweisen hat, dass aber um es wichtiger zu machen, aufgebauscht und lärmend vermarktet wird, usw. Es gibt keine oder nur wenige vorzeigbare Ergebnisse, aber viel Geschnatter. Ausgedrückt wird damit der Gegensatz zwischen Aufwand und Ertrag, lange Rede kurzer Sinn, viel Gerede um nichts, usw.

Zum Abschluss noch ein Gedicht/Lied von Schimon ben Elieser Ulmo, welches eine Art Klage ist, die manche sicher auch heute geneigt wären anzustimmen – insbesondere wenn man das Motto der “Verlorenen Maßstäbe” berücksichtigt, dass in dieser Woche nicht nur in Augsburg die eine oder andere Schlagzeile generiert hatte.

Der Titel lautet “dar emess is gestorbin”, also die “Wahrheit ist gestorben”:

Die Wahrheit ist gestorben

 

Die Wahrheit ist gestorben und (bloßer) Glaube wird geachtet.

Schmach und Täuschung sind stark und mächtig

Niemand ist ehrlich und bescheiden in gottlosen Reden

Niemand spürt dem Schmerz des Bettlers

Groß ist die Schande der Plünderer

Klein sind ihre Seelen im Vegleich zur Schuld

Es ist ein Fehler, es ist eine Verschwendung

Ehre existiert nicht mehr

Geld, lautet das Wort

Aber wer hat es, mein Herr ..?

Alle spinnen ein Netz und ziehen ihre Fäden

Oh, mein Gott, was soll nur aus uns werden ..!?

 מייַן גאָט, וואָס וועט ווערןפון אונדז

 

Truth has died

Truth has died, but faith is prized; shame and deceit are desired in deed; there is no one honest and humble, in godless sermons they stumble; nobody feels the pain to live like beggars, but great is the shame in the time of muggers; small are the souls compared to their guilt, instead of friends they are enemies, it is a mistake, it is a waste, honor does not exist anymore…

Money is the word — … and who has it, Sir ..? All spin a web and pull the strings 

Oh my God, what will happen to us!?


Der „Zuchtspiegel“ des Rabbi Schimon ben Elieser Ulmo Ginzburg

March 10, 2010

Schimon Ben Elieser Ulmo wurde 1506 in Günzburg geboren und war ein rabbinischer Gelehrter, Haupt der angesehenen Jeschiwa in Burgau und zugleich auch kaiserlicher Hoffaktor in der österreichischen Marktgrafschaft. Sein Vater Elieser (1477-1544) stammte als Urenkel des Falk ben Lemlin (1390-1465) ab, dessen Ahnen wiederum auf die Familie der Kalonymos zurückgeht und  im Jahre 1439 die Reichsstadt Augsburg zusammen mit seinem Bruder Baruch (1384-1459) samt familiären Anhang verlassen hatte und nach Ulm zog.  An seinem Geburtsort Günzburg war Schimon nach der Herkunft seines Vaters noch als Ulma bekannt, in Burgau jedoch wegen seines eigenen Geburtsort nun mit dem Beinamen Ginzburg oder Günzburg. Sein eigener Name Schimon wurde geläufig auch als Simon aufgefasst und zudem verfügte er über den „Spitznamen“ Seligman. Wegen seines hohen Bekanntheitsgrades, Reichtums und Einfluss gilt Schimon allgemein als Stammvater der sehr weitverzweigten Familie der Ulmo-Günzburg (gelegentlich nach dem alten Stadtnamen auch Ulma, später auch Ulman, Ullman, Ulmann, usw. sowie Ginzburg, etc).

Die Vielfalt der Namen und vorhandenen Kombinationen und Schreibweisen ist auf den ersten Blick etwas verwirrend, aber keineswegs eine Besonderheit, sondern allgemeines „Schicksal“ fast aller Zeitgenossen der damaligen Welt. Verlässlich, weil unumstößlich blieb lediglich die hebräische Namensüberlieferung „A Sohn des B“. in der Regel ist, wenn ansonsten keine Dokumente mit persönlichen Bezügen vorhanden sind – was nun eher die Ausnahme ist – nur so eine genealogische Abfolge nachvollziehbar.  Bereits im Eintrag der Jewish Encyclopedia zu seiner Person wird eine Verwechslung mit dem gleichnamigen Hofarzt Seligman Günzburg aus dem polnischen Slutsk korrigiert, der auch Vorsteher der Gemeinde in Posen war. „Unser“ Schimon wird hier auch in säkularen Wissenschaften bewandert bezeichnet, unter anderem als Architekt und Geometer (Landvermesser, Kartograph, Mathematiker). Dazu passt die Überlieferung, dass er in Günzburg sowohl eine Synagoge errichtete als auch einen Friedhof anlegen ließ.

Als Schimon 1506 in Günzburg geboren wurde und dort wie auch im benachbarten Burgau aufwuchs, war noch der bereits betagte Jona Weil (1451-1530) Rabbiner der nur ca. zehn Kilometer entfernten Gemeinden in Günzburg und Burgau (unter dem allgemeinen Titel des hohen Rabbiners von Schwaben und der Schweiz) und bis zu seinem Tod zugleich auch Vorsitzender des rabbinischen Gerichts für die Region. Ihm folgte Jitzchak ben Josef Segal, der von 1530-1568 als Rabbiner amtierte.  Wie Segal hatte auch Jona Weil Augsburger Ahnen, war er doch der Sohn des bereits hoch betagten Jakob ben Jehuda Weil (1385-1456), der 1438 als einer der ersten die Stadt verlassen hatte, nachdem der Rat unter kirchlichem Drängen den Juden zwei Jahre einräumte um Augsburg bis 1440 zu verlassen. Es liegt auf der Hand, dass Schimon, der selbst von Augsburger Juden abstammte unter dem Einfluss dieser Gelehrten die Erinnerung an die alte Heimat aus erster Hand erfuhr und an seine Nachkommen weiterreichte. Wie wir einer Urkunde aus dem Jahre 1544 entnehmen können, besaß Schimon gemeinsam mit seinem Bruder Jakob das kaiserliche Schutzprivileg von Kaiser Karl V. Im selben Jahr vertrat er gemeinsam mit Josel von Rosheim die jüdischen Gemeinden am Reichstag von Speyer. Im Jahre 1569 ist Schimons Sohn Mosche der erste nachweisbare Vertreter, der später dominierenden Ulmo-Familie in Pfersee und zählt zu den Gründern der Gemeinde dort. Ein weiterer Schutzbrief aus dem Oktober 1617 erwähnt mit Salomon einen weiteren Sohn von Schimon „der Zeit wohnhaft zu Pfersen bey unseres heyl. Reiches Statt Augspurg gelegen“ und mit ihm drei Söhne: Schimon, Kalman und Samuel. Von letzterem ist aus dem Folgejahr ein eigener Schutzbrief bekannt, der zugleich auch für die wachsende jüdische Gemeinde seines Ortes, also Pfersee galt. Pfersee, das nur zweieinhalb Kilometer von den Toren der Reichsstadt Augsburg entfernt lag, entwickelte sich sodann rasch zum Zentrum der schwäbischen Juden und übernahm mit dem Ende des 30jährigen Krieges den Amtssitz des Rabbinats von Medinat Schwaben der zwischenzeitlich an Thannhausen übergegangen war.

Schimon ben Elieser Ulmo Günzburg war er für seine Wohltätigkeit, Gelehrigkeit und Frömmigkeit weit über die Grenzen Schwabens bekannt und gerühmt. Von seinen Schriften ist uns seine Sammlung talmudischer Redensarten überliefert, die unter dem Namen „Sefer Ma‘re Musar“ mehrfach nachgedruckt wurde. Das Werk enthält auf 78 Seiten mehr als 500 alphabetisch geordnete Redensarten und Spruchweisheiten aus dem Talmud und anderen Schriften mit Quellenangabe und jiddischer (eigentlich: „taitscher“) Übersetzung, oder besser gesagt Umschreibung. Schimon Ulmo übertrug die talmudischen Weisheiten nämlich öfter in Reimen, weshalb der Inhalt eher sinngemäß als wörtlich widergegeben wird, wohl weil das insgesamt auch kaum gelingen kann. Für regionale Sprachforscher interessant sind die häufigen deutsche Redensarten zur Erklärung dazu, die er in der damaligen Zeit wohl in seiner schwäbischen Umgebung vorfand. Davon sind sicherlich nicht mehr alle geläufig. Zur Zielgruppe des Verfassers gehören wie er ausdrücklich bemerkt auch Frauen, damit diese in den ruhigen Stunden an Schabbes und Feiertagen einen geeigneten Lesestoff zur Erbauung haben. Der jiddische Titel des Buches wird in den Druckausgaben um 1680 als „Zuchtspiegel“ angeben, was eine nicht ganz zutreffende Übersetzung ist, für die der Autor wohl nicht verantwortlich ist. מסר (masar) bedeutet ursprünglich „herausgeben, aushändigen“ (z.B. einen Brief, eine Ware, etc.) und davon abgeleitet im übertragenen Sinne „mitteilen, übergeben, überliefern“. Daraus folgt später dann auch der „masor / moser“  = Denunziant, wie auch „masoret“ und „masora“ (מסורה) – die Überlieferung, worunter  heute  im engeren Sinne vor allem die punktierten Texte der Bibel („masoretischer Text“) verstanden werden. Zwar wird מוסר (musar) gerne mit „Moral“ oder „Ethik“ übersetzt, jedoch sind diese „philosophische“ Begriffe zwar heute (in der Bedeutung flachgetreten) allgemein geläufig, jedoch ohne Entsprechung in der Gedankenwelt insbesondere des mittelalterlichen Judentums. Sie würden damit auch die Perspektive verfälschen, passender wäre allenfalls das lateinische „Tradition“.  מראה hingegen kann nicht nur als „Spiegel“ verstanden werden, sondern auch als „Ausblick, Ansicht, Schau“ und eine geeignetere deutsche Wiedergabe des Titels wäre demnach wohl „Ansicht der Überlieferung“ und eine solche wollte der Autor bieten.

Zum Abschluss genügt zunächst fürs erste ein Beispiel (die mehrfache Umschreibung des Textes ist etwas zeitraubend, aber weitere Beispiele werden noch folgen. Zudem sehen wir das Werk als Bestandteil der angestrebten Sammlung von Schriften früherer Augsburger oder mit Augsburg in Beziehung stehender Gelehrten von Rang.

Die Transkription des jiddischen (bzw. „taitschen“) Textes erfolgt der Einfachheit halber der hebräisch notierten Vorgabe, somit freilich auch ohne die heute gerne zitierte Umlautung, die einen ostjiddischen Klang simulieren will. Für das Werk insgesamt verweisen wir auf die digitalisierte Ausgabe des Drucks von Frankfurt 1679 unter der URL http://www.literatur-des-judentums.de wo noch drei, vier weitere Exemplare des Buches zu finden sind, eben vielen anderen interessanten Werken (grundsätzlich gesagt).

friendship or death

או חברותא או מיתותא

(תענית פ”ג)

ווען שון דער מענש אויף דר וועלט העט אלי וואול לושט פון גוט אונ געלט אונ העט קיין גוטי גיטרייאי חברים ניט, דו ער זיך קענט דר פרייאין מיט, דא האט ער בייא אל זיינם גוט קיין פריליכן מוט אונ זיין לעבן איז גיגליכן זו איין טוטן מענשין, וויא דו שפריך ווארט זאגט: איך וועלט מיך ניט אליין אין הימל ווינשן. אך וויא דיא אשכנזים  גימיינדליך איין שפריך ווארט האבין, אליינט ארבין, זעלב אנדר זו בעט, זעלב דריט אויף דעם וועג, זעלב פירט זום שפיל, זעלב פינף זום טרינקן.

(Transkription: wen schon der mensch oif der welt het ale wol luscht fun gut un gelt un het kain gute getreie chowrim nit do er sich kent der fraien mit, da hat er bai al sainm gut kain frilichn mut, un sain lebn is geglichn su ain totn menschin, wi do sprich wart sagt, ich welt mich nit alain in himl winschn, ach wie die aschchenasim gemaindlich ain sprich wart haben: alaint arben, selb ander su bet, selb drit oif dem weg, selb firt sum spil, selb finf sum trinkn. 

(Im heutigen Deutsch heißt dies in etwa: „Wenn der Mensch auf der Welt allen Spaß von Besitz und Geld hat, aber keine innigen Freunde, mit denen er sich freuen kann, so hat er mit all seinem Gut keinen fröhlichen Mut und sein Leben gleicht dem eines toten Menschen, so wie es das Sprichwort sagt: „Ich wollte mich nicht alleine in den Himmel wünschen.“ Auch die Aschkensim (nach heutigem Verständnis „die Deutschen“) haben ein allgemeines Sprichwort dazu: „Alleine erben, mit einem andern ins Bett, zu dritt auf den Weg, zu viert beim Spiel und zu fünft zum Trinken. „

Die Redensart ist nun ein Zitat aus dem Talmud Bawli (Taanit 80.3) und dort in Anspielung auf die in unserem Kontext nicht weiter erläuterbare Person (חוני המעגל) Choni des Kreisziehers, der legendär nach 70 Jahren vom Schlaf erwachte und als er dann keine Kameraden zum Studium der Thora vorfand, aus Kummer starb (מת מרוב צער).  Die Redensart sagt man im heutigen Hebräisch או חברות או מוות was man übersetzen kann mit „Freundschaft oder Tod“, äquivalent zu einem „einsamen Tod“. Etwas was in unser “modernen” Zeit eher häufiger als seltener wird, auch wenn der Schlaf im Wandel der Zeit den Betroffenen nicht immer bewusst ist..

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