Zu Besuch am Trachtenmarkt in Greding

September 3, 2013

Stadttor GredingStadttor

Stadtwappen Greding coat of arms

Coat of Arms City of Greding

Greding ist ein kleines Städtchen im mittelfränkischen Landkreis Roth, an der Schwarzach im Altmühltal, zwischen Ingolstadt, Regensburg, Oettingen und Nürnberg. Wie an vielen Orten der Region mangelt es auch in Greding nicht an sagenhaften Vorgeschichten, u.a. soll der Ortsname auf einen Personennamen “Grado” zurückgehen, was angeblich der Hungrige, Gierige” heißen soll, aber auch Spuren “keltischer” Besiedelung will man gefunden haben, … die konkretere Stadtgeschichte (mit Stadtrecht, Stadtsiegel, Stadtmauer mit 3 Toren und 20 Türmen) reicht aber immerhin auch ins 13./14. Jahrhundert zurück. Eine jüdische Gemeinde wurde 1298 von den Überfällen in Franken heimgesucht, wovon eine Erwähnung im Nürnberger Jiskor zeugt. Ansonsten ist nicht viel bekannt über Juden in Greding, obwohl es einzlene Hinweise immer wieder gibt. Zu Beginn der 1860er Jahre sind in amtlichen Büchern von 928 Einwohnern des Ortes 24 Portestanten und 17 Juden notiert. Im Bezirk um Greding sollen gar 272 Juden gelebt haben. Wesentliche Impulse gingen von hier aber wohl nicht aus. Bis zur Zeit Napoleons blieb Greding im Besitz der Bischöfe von Eichstätt, dann gehörte es einige jahre zu Salzburg und seit rund zweinhundert Jahren zu Bayern, was man anders als in den meisten anderen Gegenden Frankens auch sprachlich merkt.

Gredinger HeldenGreding gedenkt seinen “toten Helden von 1870 – 1871, 1914- 1918 und 1939 – 1945″

Squirrel Greding

1964 wurde am Kalvarienberg die Erprobungsstelle für Fernmeldegeräte und Elektronik der Bundeswehr, die sog. Wehrtechnische Dienststelle WTD 81 eingerichtet, die seit 2012 unter dem Namen Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAWBw) firmiert und für die nachrichtendienstliche Ausstattung der deutschen Armee zuständig ist.

Karner GredingSkulls & Bones im “Karner” am Kirchberg von Greding (ossuary)

Altstadt Turm Greding Hauben GredingTraditionelle Hauben

Seit 1994 gibt es in Greding einen Trachtenmagd, der inzwischen zu den größten seiner Art in Deutschland gehört und bei dem amtliche und private Anbieter Stoffen, Schnittmuster, Lederhosen, Dirndl, Hüte, Hauben, Gürtel, aber auch Bücher, Kurse, Techniken und vieles andere mehr anbieten. Seit einigen Jahren widmet lädt man auch Gastgruppen ein, die ihre Trachten vorstellen, wie etwa aus Böhmen, Südtirol, Elsass oder Spanien. In diesem Jahr stellten sich Muslime vor, die farbenfrohe Gewänder aus der Türkei, dem Balkan oder Turkmenistan darboten. Die Emrhzahl der Models stammten freilich aus der direkten Nachbarschaft und wurden mitunter auch augenzwinkernd als fränkische Turkmenen präsentiert. Sie boten einen eigenwilligen Kontrast zu den eher oberbayerisch geprägten Dirndl und Lederhosen-Trägern im Publikum, das eher zurückhaltend auf die durchaus gelungene Präsentation reagierte.

Rathaus Greding Türkische Trachten

 

Islamische Trachten Rathaus Greding

Turkmenische Trachten Rathaus Greding

Greding Turkmenistan TurbanTurkmenian flag and turban at Greding Rathaus

Greding Trachtenmarkt türkische Frauen Fladenbrot backenTürkische Frauen backen Lahmacun لحم بعجين am Gredinger Trachtenmarkt

Greding Grabrekonstruktion Archäologisches MuseumRekonstruiertes Bajuwarengrab im archäologischen Museum von Greding

Greding Grabrekonstruktion Archäologisches Museum Greding Bajuwarengrab Rekonstruktion

Bajuwaren Therapie Greding MuseumEigenartige “Bajuwaren-Therapie” der Fürstentor-Apotheke im Gredinger Museum

Demikamente Bayern Therapie GredingWohl analog zu den oben beschriebenen Mängeln befinden sich direkt neben den Figuren des rekonstruierten Bajuwaren-Grabes im Gredinger Museum eine Kiste mit Medikamenten-Packungen, wobei nicht ganz klar, ob es sich um gleichfalls rekonstruierte Grabbeigaben handelte.

 Medikament Voltaflex als Grabbeigabe Greding Archäologisches Museum

Greding Bajuwarengrab MuseumMöglicherweise echte Überreste der oben gezeigten rekonstruierten Bajuwaren-Gräber.

 Im archäologischen Museum gab es auch eine aktuelle Ausstellung über “Unterwäsche”, wozu auch “Kondome aus Schafsblinddarm” gerechnet wurden:

Kondome Schafsblinddarm Museum GredingLassen Sie Ihrer Phantasie ruhig freien Lauf

Ochsenbraten Trachtenmarkt GredingGebrillter Kuhüberrest am Trachtenmarkt Greding

Hutmacher Trachtenmarkt GredingHutmacher (“Hütler”)

Trachtenmarkt Greding RadhaubeRadhaube

Kirschenkönigindie “Kirschkönigin”, Karte und höchstselbst

Trachtenmarkt Greding AttraktionGredinger Blickfang neben der Uniformfabrik

Bayrisches Madl in GredingBayrisches Madl am Trachtenmarkt Greding

Musiker Trachtenmarkt GredingMusiker

Oberbayrische Trachten GredingKlassisch Oberbayerische Trachten

Klöppeln Greding Trachtenmarkt SterneKlöppel Sterne

Trachtenmarkt GredingZu Besuch in Greding

Greding Trachtenmarkt BänderBänder

Händler trachtenmarkt Greding

Stoff Trachtenmarkt GredingStoff

Knöpfe Greding TrachtenmarktKnöpfe

Trachtenmarkt Greding BesucherBesucher am Trachtenmarkt in Greding

Greding

Stempel Greding TrachtenmarktStoffstempel

Turm GredingStadtturm

Stadtbach GredingAm Stadtbach

Greding Dietfurt Elvis in BayernElvis Presley auf Manövern in Bayern

Greding Maul und KlauenseucheMaul-und Klauenseuche Greding (hoof and mouth desease, hmd)

Greding HütchenspielHütchenspiel ..?

Kinder Greding Trachtenmarkt

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Vierhundert Jahre Juden im mittelfränkischen Ellingen

July 31, 2012

Inn /Gasthof “Römischer Kaiser” in Ellingen

Die im Kreis Weißenburg / Gunzenhausen und an der schwäbischen Rezat gelegene mittelfränkische Kleinstadt Ellingen mit etwa 3000 Einwohnern ist ein ehemaliger Sitz des „Deutsch-Ordens“ und bewirbt sich selbst als „Perle des fränkischen Barock“ oder als „barocker Traum“. Im weiteren Ortsgebiet verläuft aber der 2007 als Weltkulturerbe ausgezeichnete Limes von Rätien, als dessen Hauptstadt das römische Augsburg galt. In der nahen Umgebung befindet sich ein Kalksteinabbaugebiet mit einer bedeutenden Solnhofer- und Juramarmor-Industrie.

Townhall / Rathaus Ellingenבניין העירייה עלינגן

Erstmals schriftlich überliefert gilt Ellingen um das Jahr 900. Seit 1216 ist dort der „Deutschherrenorden“ ansässig, der eigentlich „Ordo fratrum domus Sanctae Mariae Teutonicorum Ierosolimitanorum“ hieß,zu Deutsch „Orden der Brüder vom Deutschen heiligen Marienhaus in Jerusalem“, meist verkürztals  Ordo Teutonicus (OT) und nahm 1190 am dritten Kreuzzug Teil an der Belagerung der heute israelischen Stadt Akko (עכו), das 1291 als letzte Bastion des Königreichs Jerusalem der Kreuzfahrer verloren ging. Im Jahr zuvor kam es zu Ausschreitungen betrunkener Ritter gegen einheimische Juden und Muslime von Akko, wobei einige von ihnen ums Leben kamen. Als Reaktion auf das Gemetzel verlangte der Sultan die Auslieferung der Täter und eine Entschädigung der Opfer, was die Ritter verweigerten. Die muslimischen Heere des Sultans zogen deshalb gegen Akko, um das Land vor den „barbarischen Christen“ zu befreien. In der Folge gingen rasch auch die verbliebenen Sitze der Kreuzfahrer in Israel verloren.

Die Geschichte der Juden in Ellingen beginnt wahrscheinlich um 1520 mit der Ausweisung der Juden aus dem benachbarten, nur knappe vier Kilometer Fußweg entfernten Weißenburg, wo es mindestens seit Ende des 13. Jahrhunderts eine jüdische Gemeinde gab. In einer 1573 in Venedig gedruckten Ausgabe des יצחק עקדת befindet sich die Notiz שייך להרה”ג מוהר”ר אנשיל עלינגן, dessen Herkunft, wie es der Name bereits sagt wohl aus Ellingen ist, wo sich unter den Deckengemälden des ehemaligen jüdischen Betsaals auch eine entsprechende Abbildung findet.

Um 1725 richtete Löb Amson in seinem 1682 erworbenen stattlichen Haus an der Weißenburger Straße einen barocken Betsaal ein, der vielleicht auch vorher schon als solcher benutzt wurde. 1740 verkaufte er das Haus an den Händler und Bankier Samuel Landauer, der von 1757-59 an der Rückseite des geräumigen Hofes an der Neuen Straße ein eigenes Synagogengebäude mit Tauchbad errichten ließ und 1776 das Gebäude mit dem vorherigen Betsaal an einen Christen verkaufte. Dieser richtete dort den heute noch als Hotelgaststätte existierenden Gasthof „Römischer Kaiser“ ein, der sich nun im Besitz eines Grafen befindet.

Siehe: http://www.roemischer-kaiser-ellingen.de/

Sara Landauer, Tochter des Josef und eine Enkelin des Samuel heiratete um 1790 Abraham Hirsch in Pfersee. Fanny, die 1804 im schwäbischen Harburg geborene Tochter ihres ermordeten Bruders Samuel (1771-1809) heiratete in Hürben Samuel Loeb Joachim Guggenheimer (1803-1863). Samuels Sohn Josef (1804-1853) hingegen wurde Rabbiner in Fischach.

Further information by Rolf Hofmann, Stuttgart:

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20Bayern/LANDAUER-ELLINGEN.pdf

At the doorpost the sloping piece of wood marks until today where until 235 years ago once was the mesusah capsule.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts lebten noch 60-80 Juden in dem damals etwa 1500 Einwohner umfassenden Ort um die Ellinger Residenz, das auch Sitz des Bezirksrabbinats war. Die Gemeinde war jedoch nicht groß genug geworden, um sich einen eigenen Friedhof leisten zu können, weshalb zumindest in neuerer Zeit die Toten aus Ellingen in Georgensgmünd, Pappenheim und Treuchtlingen bestattet wurden. Die Synagoge an der Neuen Straße 14 wurde 1929 restauriert, jedoch lebten zu Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft kaum noch 40 Juden am alten Deutschherren-Ort. Bald darauf, im Jahre 1938 endet die etwa vierhundertjährige jüdische Geschichte von Ellingen mit der Verhaftung der Ellinger Juden und der Plünderung ihres Besitzes.

Margit Hummel and Rolf Rossmeisl at the former praying room of the Amson / Landauer House, now Römischer Kaiser (Roman Emperor) in Middle Franconian townlet of Ellingen, today used for different events.

Backyard of the Römischer Kaiser in Ellingen which also was the court of the Jews in Ellingen with synagogue and mikvah at the other end

In Midlde Franconian townlet of Ellingen near Weissenburg (Ansbach/Nuremberg) from about 1520 until 1940 was a small Jewish community. In the house of the Jewish families Amson and Landauer was a remarkable as elaborate Baroque prayer room used by the Jews of Ellingen until in 1759 the synagogue in the backyard was inaugurated. At the ceiling of the prayer room are several depictions of well known stories from the hebrew Bible. The house in 1776 was sold by the Jewish owner and the Christian purchaser converted it into an inn. After some restauration today the building is used by its present owner again as Gasthof. To stay here is comparable cheap and a hot tip for all who want to enjoy comfort along with a time travel …

Walk in: water closet inside the wall closet …


Erinnerung an Jüdische Gemeinden in Bayerisch-Franken

February 28, 2011

Im 1992 eingeweihten „Tal der Gemeinden“ der Jerusalemer Forschungs- und Gedänkstätte „Jad WaSchem“ (Denkmal und Name, engl. Lautung Yad Vashem) wird mit über hunderttausend hebräischen und lateinischen Buchstaben auf 107 Steinwänden den weit über 5000 jüdischen Gemeinden gedacht, die in den Jahren der Nazi-Barbarei zerstört wurden. Jede der Tafeln erwähnt eine Reihe benachbarter, regional gegliederter originaler Ortsnamen in der jeweiligen Landessprache zusammen mit der hebräischen Schreibweise, die freilich, wie beispielsweise im Fall von Fürth (פירדא) nicht immer mit der jahrhundertelang tradierten hebräischen Schreibweise übereinstimmt, und deshalb für weiterführende Studien manchmal nicht hilfreich sein wird.

 

בקעת הקהילות

http://www1.yadvashem.org/exhibitions/valley/home_valley.html 

Adelsdorf (אדלסדורף), Bamberg (באמברג), Burghaslach (בורגהאסלאך), Uehlfeld (אילפלד), Hof (הוף), Scheinfeld (שיינפלד), Uffenheim (אופנהיים), Neustadt a.d. Aisch (נוישטאט),Windsheim (וינדסהיים), Fürth (פירט). Erlangen (ארלאנגן), Dinkelsbühl (דינקלסביל), Nürnberg (נירנברג), Gunzenhausen (גונצנהאוזן), Markt-Berolzheim (מארקט-ברולצהיים), Ansbach (אנסבאך), Treuchtlingen (טרויכטלינגן), Weiden (ויידן) und Cham (קאם).