Die Geschichte der Juden in Emersacker

January 11, 2013

Emersacker Schloss

Castle of Emersacker

Emersacker ist ein kleiner Ort etwa 25 km nordwestlich von Augsburg gelegene Gemeinde mit etwa 1400 Einwohnern. Mit dem Flüsschen Laugna, dem Johannesbach und dem Weiherbach gibt es drei Wasserläufe.

Das Zentrum des Ortes an dem auch drei Wege zusammenlaufen ist durch das Burgschloss geprägt, dessen Anfänge auf das 12. Jahrhundert datiert werden.  Die Reste des ehemaligen Schlosses mit zwei kleinen Rundtürmen, werden von der Gemeinde als Rathaus genutzt  und stammen aus dem frühen 18. Jahrhundert. Nach ihren Bauherren wird es allgemein „Fuggerschloss“ genannt. Andere, teilweise weniger gut gepflegte Teile des nicht mehr geschlossenen Ensembles beherbergen die freiwillige Feuerwehr (FFW) und die offenbar einzige (zudem nur abends geöffnete) Dorfgaststätte „Jonnys Kneipe mit Pfiff – Night Rider“ deren äußerer Fensteraushang auch schon etwas vergilbt ist. Die Bank und Sparkasse, der Bäcker und ein kleines Lebensmittelgeschäft haben nur bis Mittag geöffnet, wenn Schülerlotsen in den fast verkehrsfreien Straßen die kleinen Kinder aus der wenige Meter entfernten Schule sicher über die autofreie Straße bringen. Ansonsten besteht der Ort hauptsächlich aus privaten Wohnhäusern, worunter sich einige Neubauten befinden, die eigentümlichen Kontrast zum Zerfall wertvoller alter Bausubstanz stehen.

Emersacker Jonny's Kneipe mit Pfiff Night Rider

Emersacker Schloss Feuerwehr

Emersacker Castle from the outside: next to the pub is the volunteer fire department

Emersacker Rathaus im Schloss

Amtlichen Angaben gemäß sind neun von zehn Einwohnern Katholiken, es gibt einen Bürgerverein, der sich vor zehn Jahren gründete, um wegen der „Strahlengefährdung“ einen Sendemast für Mobiltelefone zu verhindern (wie man das heute sieht, wo jeder drei Smartphones und zwei Tablets hat?), einen Motorradclub der sich um die Restauration eines Feldkreuzes kümmerte und die besagte Musikkneipe, die der örtlichen Burschenschaft („Vereinszweck: Erhaltung und Förderung von Glaube und Sitte, Berufstüchtigkeit und Heimatliebe, Frohsinn und Scherz.“) die erforderlichen Trinkkrüge spendierte, während sich der örtliche Soldatenverein seit zwei Jahrzehnten für die Wiederbelebung der Emersacker WallfahrtMaria zum Blute“ stark macht.

Emersacker Kirchberg Schloss Bank

Blick vom Kirchberg auf Schloss und Hauptstraße

Emersacker Brunnen

fountain at Emersacker cemetery

Emersacker Kirche

St. Martin Kirche Emersacker

Emersacker Kriegsdenkmal Schloss

“Unseren Helden” War Memorial Emersacker

Schloss Emersacker

Schlossbau im Sumpfland

Kaum zu glauben, dass es auch mal eine jüdische Gemeinde in Emersacker gab, die seinerzeit mit etwa 25 Familien sicher die Mehrheit der Bewohner des Ortes ausmachte. Die Zuwanderer kamen auf Einladung der Augsburger Ortsherren Koch und Langenmantel vorallem aus Binswangen, aber auch sogar auch aus Fürth und Bamberg. Demnach ist es auch kein Wunder, dass den Emersacker Juden die alte Gebetsstube bald nicht mehr ausreichte und sie sich eine eigene  Synagoge bauten. Sogar zu einem eigenen Friedhof brachten sie es in Emersacker, weshalb wir auch Dank des Dorfbachs das unbedingte Tauchbad (Mikwe)voraussetzen dürfen. Die jüdische Blüte währte jedoch nur 15 Jahre.

Sparkasse Emersacker

Sparkassengebäude im Bereich der ehemaligen jüdischen Siedlung in Emersacker,  die um 1695 errichtete Synagoge?

Eine erste Ansiedlung in Emersacker soll bereits um 1580 bestanden haben, jedoch ist darüber sonst nichts bekannt und auch jüdischerseits gibt es dazu keine Quellen.

Die ersten Notizen über die Anwesenheit von Juden in Emersacker datieren in das Frühjahr 1685 als der Jude Moses Levi („Mauschi Leve“) Ende März ein Haus mit Grundstück kauft. Offenbar war er aber nicht der einzige Jude am Ort, denn bereits Mitte Mai, also kaum sechs Wochen später schließt die Gemeinde Emersacker mit der jüdischen Gemeinschaft einen Vertrag über Weiderechte, Wegegelder, Quartier, usw. was dem Ort immerhin jährliche zwanzig Gulden einbringt. Entweder war Moses Levi nicht der erste Jude der sich in jenen Wochen in Emersacker niederließ oder aber ihm folgten sehr rasch eine Reihe weiterer Familien. Im Januar wurde den Juden in Emersacker angetragen, dass sie die leer stehenden Gnadenhäuser übernehmen und ausbauen sollten. Als solche verstand man die von einer Ortsherrschaft für das arme Volk erbauten, meist eher dürftigen Hütten, deren Bewohner dementsprechend als „Gnadenhäusler“ bezeichnet wurde. Diese verdienten in der Regel als Tagelöhner ihr eher karges Brot oder waren auf bettelei angewiesen.

Emersacker Bachgasse

Schon 1658 war Emersacker in den Besitz der Fugger gelangt. Vierzehn Jahre später erwarb der böhmische Adelige Heinrich von Schaumburg durch seine Ehe mit einer Fugger den Ort. Er ließ aus seiner Heimat Klatovy (Klattau) eine Kopie eines Marienbildes fertigen, die sodann in der Kirche in Emersacker aufgehängt wurde. Die Landwirtschaft in Emersacker brachte wegen zahlreicher Überschwemmungen nicht viel ein, zudem war der Winter 1684/5 sehr hart und frostig. Während die Bausubstanz des Schlosses wohl unter Frostschäden litt, kostete die Versorgung der Bettler und Tagelöhner der Herrschaft viel Geld. Schaumburg kam deshalb auf die naheliegende Idee, aus dem nur knapp zehn Kilometer entfernten Binswangen Juden anzuwerben und ihnen gegen Gebühren und Abgaben die Gnadenhäuser unterhalb des Schlossbergs entlang der Hauptstraße und der Bachgasse (bei der heutigen Kreissparkasse) und Weiderecht bis zur Laugna käuflich zu überlassen, wo sie nun ihre Schafe und Rinder halten konnten und als Metzger und Händler den Ort belebten. Die unmittelbare Nähe zum Bach ermöglichte problemlos die Einrichtung einer zwingend erforderlichen Mikwe für die kleine Gemeinde. Der Auf- und Ausbau des jüdischen Emersacker verlief offenbar ganz gut. 1688 jedoch starb der Ortsherr von Schaumburg. Seine Witwe, die als gebürtige Fugger sicher ein besseres Leben gewohnt war, verkaufte den Ort desillusioniert an den Augsburger Patrizier Matthias Koch. Als Lutheraner ließ er Schaumburgs Marienbild, für das auch seine Witwe nichts übrig hatte, aus der Kirche entfernen und vor einem Baum aufhängen, wo es bald zum Anlaufpunkt der Katholiken und zum Gegenstand der Anbetung wurde. Dieses sollte sich nun steigern, weshalb man eine Kapelle für das Bild bauen wollte. Die Marienverehrung war zweifellos auch als Waffe gegen den protestantischen Ortsherren gedacht, vielleicht auch als Instrument gegen die Juden. Um das Jahr 1700 wurde nun für das Bild eine Kapelle gebaut und diese später zur Kirche erweitert. Der Umstand, dass das Bild scheinbar der Witterung trotzte und unbeschädigt blieb (was sollte bei täglicher Pflege durch fromme Pilger aber auch schon passieren?), wurde nun als „Wunder“ erkannt und zur Wallfahrt aufgerufen. Damit sollten nun Pilger angelockt werden, was dem Vernehmen nach aber nur mäßigen Erfolg brachte. Irgendwann schien die „Wallfahrt” auch schon einmal in Vergessenheit geraten zu sein, ehe man sie bereits um 1880 mal wieder aufleben ließ.

Emersacker Bach an der hauptstraße

In einem amtlichen Protokoll vom Mai 1688 sind nun bereits zwölf jüdische Haushaltsvorstände aufgeführt: Samuel, Jakob Levi, Schimmele (Samuel), Abraham, Hitzig (Isaak) mit einem Sohn, Natan Levi, Arele (Ariel) Levi, Schimmeles Sohn Natan, Jakob Sohn des Altmann, Matthes Schechter und Isaak Levi. Wir können davon ausgehen, dass sich bei jeden dieser Steuerzahler eine Familie mit Frau und Kindern, ggf. auch Geschwister und Gehilfen befand, weshalb man üblicherweise von acht bis zehn Personen pro Haushalt ausgehen kann. Die Menschen waren es damals gewohnt beengt zu wohnen, was in der Regel wenig anderes bedeutete, als in der knappen arbeits- oder schlaffreien Zeit in der Stube zu sitzen und sich aufzuwärmen. Trotzdem bedurfte jede Familie gewiss eines eigenen Hauses nebst Stallungen für das Vieh, Gerätschaften, aber auch Kutschen und Wägen mit welchen man in andere Orte zum Handeln fuhr.

Emersacker Pfarrer VerzeichnisAus dem Januar 1689 ist die Beschwerde des Pfarrers von Emersacker über den Christen Hans Kehrer erwähnt, der sich offenbar wohl mit jüdischen Kollegen ordentlich betrunken hatte und anschließend für Radau sorgte. Im Juni veräußert Moses Levi seinen Besitz an seine Söhne Jakob und Isaak Levi, während Natan ein Pferd verkauft. Am 15. Tamus des Jahres 5449 (bzw. Montag 23. Juni 1689) kommt es in Emersacker zur Hochzeit von Abraham Levi, dem Sohn des Ariel Levi mit „Schefe“ der Tochter von Matthes Schechter. Die Jungvermählten wohnten bereits in Emersacker.

Emersacker Kirche

Im August siedelt auch  David Levi aus dem fränkischen Schopfloch mit seiner Familie nach Emersacker. Ihm gleich tut es Moses Polak, der vorgibt, aus Binswangen zu stammen. Da dies aber offenbar nicht stimmt, wird er drei Jahre später, als es aufkommt, des Ortes verwiesen. Am 19. Mai des Jahres 1690 erhalten nach Vorsprache von Moses Polak und Moses Levi beim Ortsherren die Emersacker Juden nun sogar die Erlaubnis am Flurstück „an der kalten Ecke“ (an der Ecke Schmiedgasse und Bachgasse) einen eigenen Begräbnisplatz mit der Fläche eines Viertel Tagwerks (ca. 20 auf 40 m =800 m²). Der Friedhof sollte den Juden auch dann noch zustehen, wenn sie dereinst mal nicht mehr am Ort leben sollten. Ob er überhaupt benutzt wurde ist unklar, aber zumindest für die Zeit von 1690 bis 1696 recht plausibel. Für das Jahr 1690 nämlich finden sich in den Aufzeichnungen des Jakob Blumenstengel, seines Zeichens Vogt zu Biburg, unter den 24 gestorbenen Juden, deren Transport zum jüdischen Friedhof von Pfersee und Kriegshaber er aus steuerlichen Gründen protokollierte – für jeden Leichenzug musste Wegzoll gezahlt werden – auch auswärtige Juden notiert. Sie stammten aus Fischach, „Bünßwangen“, Siegertshofen und Emersacker. Entsprechende Notizen sind erst wieder für das Jahr 1695 erwähnt. Selbiges triff auch auf das 1696 als unter 27 registrierten auswärtigen Juden auch wieder welche aus Emersacker sind, bzw. auf Jahr 1698, als für neun tote Juden aus Kriegshaber, Emersacker und Binswangen Wegzoll entrichtet und protokolliert wird. Falls es sich bei diesen nicht um Fälle handelt, in welchen Familienangehörige zusammengelegt wurden, können wir doch davon ausgehen, dass der Friedhof der den Juden in Emersacker eingeräumt wurde, auch entsprechen genutzt wurde. Spuren finden sich davon heute freilich keine mehr.

Im Spätsommer des Jahres 1690 erwirbt der Pferdehändler Abraham Fromm ein weiteres ehemaliges Gnadenhaus und 300 Mauersteine aus welchen er einen Backofen baut und seiner Frau fortan das Gewerbe der Bäckerin ermöglicht. Am selben Tag an dem Abraham Fromm sein Haus erwirbt kommt es zu einem unerfreulichen Zwischenfall, da Matthias Schächter vom Dorfschmied beleidigt und tätlich angegriffen wird. Die Ursache des Streits ist unbekannt, jedoch wird der Schmied auf die Anzeige Schechters hin mit einer Geldbuße bestraft. Einige Monate später, im Mai 1691 wird Matthes Schechter selbst wegen Körperverletzung („Schlaghandel“) angezeigt, sein Opfer ist Natan Simon (der 1688 als Natan Schimeles Sohn aufgeführt wird). Im November des Jahres wird Schmuel Levi wegen Diebstahls angezeigt. Er hatte offenbar seinen Vetter Jakob Levi bestohlen.

Am 10. Dezember 1691, am vierten Tag des Chanucka-Festes bittet der bereits erwähnte Abraham Fromm mit seinem Bruder Jako Fromm aus Binswangen für dessen Aufenthaltsrecht in Emersacker. Da Jakob Fromm sich aber bereits seit 14 Tagen in Emersacker aufhielt ohne, dass er dafür eine Genehmigung erhalten hatte, musste zunächst eine recht saftige Strafgebühr von einem halben Gulden bezahlt werden.

Urkunde 1692 Emersacker Wertingen Juden Friedhof

Datiert auf den 4. Oktober 1692 betrifft das Schreiben “die Juden-Sepultur” in Binswangen, in welchen dort bestattete Juden auch aus Emersacker erwähnt werden. (“So viel die dem Inhaber Wertingen zu Nachstand aufgesteckte Juden-Sepultur anbelangt, weilen nit allein die Juden sich zu keinem Grund-Zins einverstehen, sondern als so gar von Emersacker all dahin geführter Juden halben gegen einen löblichen Burgauischen Oberamt geklagt worden, eine hönische Antwort erfolgt: Als ist des Herren Barons von Pappenheim verlangen, dass die Juden-Sepultur abgetan, und die Sach in alten Stand integrè gesetzt werden solle“).

Emersacker alte SchuppenReste eines alten Hofes in Emersacker

Im Februar 1692 erhielt Benjamin Levi aus Höchstädt, Bruder des Natan Levi das Aufenthaltsrecht in Emersacker. Im Frühsommer geriet Moses Polak in Streit mit dem Christen Hans Schmied wegen ausstehender Pfandrückzahlungen. Bei der Vorsprache beim Ortsherren Matthias Koch ergibt es sich, dass Polak bezüglich seiner Herkunft gelogen hatte und er nicht aus Binswangen stammte, wie er bei seiner Niederlassung angegeben hatte. Er wurde wie bereits gesagt, des Ortes verwiesen. Ob er wenigstens jetzt nach Binswangen ging, ist leider nicht bekannt.  Etwa zur selben Zeit langte der Emersacker Schmied wieder zu und wird dafür, dass er dem Pferdehändler Samuel Levi beleidigt und an der Gurgel gepackt und geschlagen haben soll, seitens der Ortsherrschaft bestraft. Man darf wohl vermuten, dass es bei einem handgreiflichen Streit zwischen einem Schmied und einem Pferdehändler um die Qualität und den Wert der geleisteten Arbeit ging.

Laugna bei Emersacker

 Bach Laugna bei Emersacker

Am 18. Juli 1692 gibt Abraham Fromm bekannt, dass das Kind seines Bruders in seiner Obhut gestorben ist und dass er bereit ist das „Todfallgeld“ zu bezahlen. Dieses war sicherlich die örtliche Gebühr, die von den Juden verlangt wurde, um ihre Toten auf ihrem örtlichen Friedhof beisetzen zu dürfen. Zweifellos war dies auch der Grund, warum den Juden der Begräbnisplatz gestattet wurde: er war für den Ortsherren eine weitere Einnahmequelle. Eine Woche nach dem Trauertag des 9. Aw war der Tod des Kindes für die Familie Fromm sicherlich ein sehr trauriges Datum. Da für das Jahr 1692 wie bereits gesagt Einträge für Überführungen von Emersacker nach Pfersee und Kriegshaber fehlen, können wir recht sicher davon ausgehen, dass der jüdische Friedhof von Emersacker tatsächlich benutzt wurde. In der Woche darauf gibt Simon Schlang zu Protokoll, dass er seine Tochter „Melam“ mit Maram Weyl aus Steinhart bei Oettingen verheiratete und dass der Bräutigam sich mit seiner verwitweten Mutter ebenfalls in Emersacker niederlassen möchte. Im Oktober erwarb Benjamin Levi nun ein eigenes Haus in Emersacker. Er war im Februar aus Höchstädt zu seinem Bruder gezogen. Maram Weyl hingegen kaufte das Gnadenhaus des Natan Simon, während Simon Schemel eine Sölde erwarb, also ein kleines Stück Wiese, wahrscheinlich für seine Schafe. Natan Levi und Abraham Fromm treten in Wertingen und Modelshausen aus Händler n Erscheinung und verkaufen dort Ochsen und Pferde. Ihnen behilflich sind Jakob Levi und Levi Salomon.

Im Februar 1693 wird das Haus des ausgewiesenen Moses Polak „vergantet“, das zwangsvollstreckt, bzw. versteigert. Im Mai wird dem vorhin genannten Levi Salomon der Zuzug nach Emersacker bewilligt, er stammte aus Fürth. Wenige Tage später starb Aaron Levi, der ebenfalls nicht nach Kriegshaber überführt wird, sondern wohl in Emersacker bestattet wird. Simon Schlang begleicht seine Schuld unter der Anwesenheit von Natan Simon als zeugen, bei der Witwe des Verstorbenen, die damit wohl die Begräbnisgebühr für ihren verstorbenen Gatten bezahlen kann. Im Oktober erwirbt sich der zugezogene Levi Salomon ein Haus. Im Januar 1694 überträgt Simon Schlang seinen Besitz auf seinen Sohn Jakob, der beim Ortsherren eigenartiger Weise geloben muss, zu gehen, so er dazu aufgefordert werden sollte. Im März 1694 kommt es wieder zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung. Salomon Levi verklagt seinen Vetter Benjamin wegen eines tätlichen Angriffs. Benjamin wird zu einer Strafe verurteilt, Salomon Levi wiederum soll seine Schuld von 12 Gulden bezahlen. Dies war offenbar der Anlass des Streits. Im April zieht nun auch Josef Max aus dem fränkischen Bamberg nach Emersacker, wo seit einigen Monaten auch Elias Epstein lebt. Im September folgt Josef Merk, dessen Herkunftsort nicht genannt wird.

Emersacker altes HausRemnants of Rural Architecture in former Austrian Swabia

Am 11. November bitten die Vorstände der Juden zu Emersacker, unter ihnen sind auch der Schächter Natan Schimon und Schmuel, darum auf dem am Vortag bewilligten Gnadenplatz ein neues „Judenhaus“ errichten zu dürfen, da das jetzt genutzte Haus „elend“ sei und man dort die nötigen „Ceremonien“ nicht mehr passend verrichten könne. Die jüdische Gemeinde von Emersacker erreicht nun ihren geschichtlichen Höhepunkt. Dies ruft auch sofort den Pfarrer auf den Plan, der sich jedoch mit den Juden über die Höhe der Stolgebühren einigen kann. Die jüdische Gemeinde verpflichtet sich dazu für nunmehr 22 Familien in Emersacker jährlich sechs Gulden zu zahlen und diesen Betrag zu erhöhen, falls die Gemeinde weiter wachsen sollte. Das neue Gebetshaus wird rasch gebaut und mit Jakob Levi aus Höchstädt und seiner Familie gibt es im März weiteren Zuwachs.

Im September 1695 werden die Schutzgelder für Isaak Levi und Matthes Schechter neu ausgehandelt, da der eine erblindet ist und keinem Gewerbe mehr nachgehen kann, während Schechter in der fertig gestellten und zu Suckot eingeweihten Synagoge nun die Funktion des Rabbiners und Schulmeisters einnimmt. Zwei Monate später stirbt Mosche Levi, der 1685 wahrscheinlich als erster nach Emersacker gekommen war. Mit seinem Tod geht womöglich auch die „gute Zeit“ in Emersacker zu Ende. Natan Levi übernimmt die Vormundschaft für die Waisenkinder. Da für das Jahr 1695 wieder eine Beisetzung aus Emersacker in Kriegshaber verzeichnet wird, kann es sein, dass dies Moses Levi betraf.

emersacker 1550Historical depiction of Emersacker about 1690

Im Januar 1696 bittet Matthes Schechter um Hilfe beim Emersacker Ortsherren, um von dem christlichen Händler Friedrich Rampf aus Binswangen die offenstehende Kreditsumme von 14 Gulden zurückzubekommen. Offenbar von der Forderungssumme eindruckt verlangt Matthias Koch nun eine höhere Abgabe von den Juden in Emersacker. Er teilt ihrem Rabbiner Matthes Schechter und dem Gemeindevorstand Samuel Levi mit, dass die jährliche Abgaben der Gemeinde nunmehr 25 Gulden betragen soll. Samuel Levi entschließt sich offenbar spontan den Ort zu verlassen und geht nach Steppach, weshalb schon wenige Tage danach sein Haus versteigert wird. Von dort kommt jedoch Abraham Eppstein nach Emersacker, der das Haus des Benjamin Levi erwirbt. Im Dezember 1697 verlassen auch Abraham Fromm und Benjamin Levi den Ort. Letzterer bittet ein Jahr später um seine erneute Aufnahme.

jüdische Figuren in Emersacker Kirche

Jewish shepherds as depicted in Emersacker Church St. Martin

Da seine finanziellen Vorstellungen offenbar nicht realisiert werden, verkauft Koch nun seinen Besitz wieder an die Fugger. Im Sommer 1700 mehren sich deshalb bereits die Verkäufe von Sölden und Häuser durch die Juden von Emersacker. Unter den Verkäufern sind Simon Schlang, David Levi, Jakob Levi, der Sohn des verstorbenen Moses Levi, Jakob Levi Höchstätter, Natan Levi, Natan Simon, Abraham Eppstein und Schmuel Levi. Im Jahr darauf ist nur noch Abraham Levi erwähnt, der in Emersacker Handel treibt. Als seinen Herkunftsort nennt man nun Schlipsheim. 1705 verkauft Juda Polak aus Steppach ein Haus, das ihm in Emersacker gehörte. Dieses hatte er offenbar ohne in Emersacker gewesen sein von Schmuel gekauft, der inzwischen nach Buttenwiesen übergesiedelt war. Im Jahr 1710 kommt Benjamin Levi wieder für ein Geschäft nach Emersacker, auch er wohnt inzwischen in Schlipsheim. Ähnlich verhält es sich mit Ber Levi und Isaak Levi, die 1712 gleichfalls zur Abwicklung von Geschäften aus Schlipsheim nach Emersacker kommen. Mit ihnen vor Ort sind auch Mayerle Levi und Feist Bacharach aus Binswangen sowie Lazarus Günzburger aus Kriegshaber (dem Besitzer des dortigen Zollhauses) und Chaim Abraham aus Buttenwiesen.

alte Segmühle am Bach in Emersackerthe old lumber brook mill of Emersacker

In den folgenden Jahrzehnten finden sich nur sporadische Hinweise von jüdischen Händlern in Emersacker, meist stammen sie aus Binswangen oder Buttenwiesen, sehr wahrscheinlich mit abnehmenden Bezug zu Emersacker. Nach dem Abzug der Juden aus Emersacker blieb dieses für zweihundert Jahre in der weiteren Entwicklung stecken, weshalb sich die demographischen Daten der Jahre 1700 und 1900 kaum unterscheiden.

Emersacker beSefer Shaar haChasak

Auszug aus dem hebräischen Buch HaSchaar haChasak (mit kleinen Setzfehlern) , etwa um 1750 in Lublin gedruckt, mit einer kurzen Beschreibung der landwirtschaftlichen Bedingungen von Emersacker und einer Würdigung des Rabbiners:

כפר הקטן בשואבין נקרא עמרסאקר בשם כי יש חיטה טובה אנשים קראים אמר או עמר

בסתיו ואביביש שיטפנות רבים כל ההשנה ותמיד הרס את היובל

חיטה טובה אבל האדמה היא ביצה

זכרונות מורה והראש קהילת ר מתיס שייכטער ב’ר אנשל נולד בעיר פירדא ומת בק’ק שטפאך ליד פרשא

( “… das kleine Dorf in Schwaben genannt Emersacker mit Namen, weil es dort guten Weizen gibt den die Leute Amer oder Emer nennen. Im Herbst und im Frühling gibt es jedes Jahr viele Überschwemmungen, welche immer die Ernten zerstören. Zwar wäre der Weizen gut, doch die Erde ist ein Sumpf.

Gedenken an den Lehrer und Haupt der Gemeinde Rabbi Matis Sohn des Rabbi Anschel, geboren in der Stadt Fürth, gestorben in der heiligen Gemeinde Steppach bei Pfersee.”)

Wie man sich vergewissern kann, ähneln die örtlichen Bedingungen in Emersacker denen in Schlipsheim doch einigermaßen, abgesehen davon, dass es von dort nicht weit zu den FaGaSch-Gemeinden war.

https://jhva.wordpress.com/2011/11/17/uber-die-juden-im-schwabischen-schlipsheim/  

Bocksberg (Laugna) Emersacker Schafe

From about 1685 until 1700 there was a vital Jewish community in Emersacker with an own synagogue and cemetery, although today the Jews of Emersacker are almost forgotten. Almost …

Quellen: Adel: Fugger-Laugna, Lit. 20-22 (Emersacker Amtsprotokolle) in: http://digbib.bibliothek.uni-augsburg.de/1174/1.1_Archivfuehrer.pdf (dort auch Einträge zu Bocksberg, Laugna, Leitersbrunn, etc.)

ספר השער החזק

Koutná-Karg, Emersacker im späten 17. Jahrhundert. Bemerkungen zu der jüdischen Gemeinde, in: JHVD 93 (1991)

www.emersacker.de

www.statistik.bayern.de


Das Jüdische Museum in Berlin

October 30, 2012

Das jüdische Museum, eine Stiftung des öffentlichen Rechts des deutschen Staates, in Berlin wurde am 9. September 2001 eröffnet. Die Konzeption des Museums sah vor, abseits vom “dominierenden Holocaust” jüdische Geschichte in Deutschland in den zwei Jahrtausenden davor zu vermitteln. Wahrscheinlich wählte man deshalb auch einen 9.9. anstelle eines sonst üblichen 9.11. als markantes Datum zur Eröffnung, ohne zu ahnen, dass zwei Tage später ein neues, weit populäreres Datum entstehen würde. Bei der Eröffnung in Anwesenheit von Bundespräsident Rau und Kanzler Schröder betonte Werner Michael Blumenthal (geb. 1926, von 1977 bis 1979 Finanzminister der US-Regierung unter Präsident James Carter und seit 1997 Leiter des Berliner Museums) das Jüdische Museum sei „kein Museum für Juden, sondern für Deutsche“. Eine Aussage, für die er teilweise heftig kritisiert wurde, da eine solch „strikte Differenzierung“ zwischen Juden und Deutschen bei manchen doch unangenehme Gefühle oder auch Erinnerungen weckte. Andererseits ist der Anteil deutscher Staatsbürger unter den in Deutschland lebenden Juden sicher auch heute noch deutlich unter zehn Prozent. Zum zehnjährigen Jubiläum, im September 2011, wertete Blumenthal das Museum als „Erfolg“ und wies darauf hin, dass es bereits 7.5 Millionen zahlende Besucher hatte. Wer, so Blumenthal, hätte sich das träumen lassen?

Ganz so überraschend war der Zuspruch dann nun aber nicht, wurden im Vorfeld doch bereits inhaltliche Faktoren, die hätten stören können, ausgeklammert. Im Sommer 1994 war als Blumenthals Vorgänger der Kurator und Kunsthistoriker Amnon Barzel (אמנון ברזל, geb. 1935 in Tel Aviv) zum Leiter des im Bau befindlichen Museums bestimmt worden. Mit seiner Konzeption, die vorsah, dass ein jüdisches Museum in Deutschland die allgemeine Geschichte aus jüdischer Sicht darstellen sollte und nicht, wie sonst die jüdische Minderheit aus der Fremd-Perspektive der „Mehrheitsgesellschaft“, konnte Barzel jedoch keinen Anklang finden.

Wohl um das Gesicht zu wahren, verständigte man sich deshalb auf einen Nebenkonflikt über die prinzipielle Eigenständigkeit des Museums in finanzieller und verwaltungstechnischer Hinsicht. Barzel wurde 1997 entlassen und die Aufmerksamkeit verschob sich von der inhaltlichen Konzeption auf die allgemein als „eigenwillig“ aufgefasste Architektur des Baus. Dieser wurde bereits 1989 geplant und von 1992 bis 1999 durch Daniel Libeskind (geb. 1946) ausgeführt. Die Vorgabe der staatlichen Bauherren verlangte ein „Museum und Mahnmal zugleich“. Der in Lodz geborene Architekt, dessen Credo lautet, dass es bei Architektur vorallem auf das „Erlebnis“ ankomme, nannte seinen Entwurf für das Projekt entsprechend „Between the Lines“, zwischen den Zeilen. Die Kritik, dass die eigenwillige Form des Museums dessen Funktion beeinträchtige, wies der 2010 in Augsburg mit der „Buber-Rosenzweig-Medaille“ ausgezeichnete Architekt zurück. Ganz im Gegenteil sei der Bau absichtlich so konzipiert, dass ab und an kein Platz für Ausstellungen vorhanden sei. Die so entstehende Leere symbolisiere so ja auch den Holocaust, bzw. das durch „ihn“ vernichtete Leben. Auch der bis heute noch überall anzutreffenden Interpretation des Baus als „zerbrochenen David-Stern“ widersprach Libeskind früh und konstatierte, dass diese grundfalsche Ansicht von Leuten vertreten werde, die „die Offenheit und Zeichenlosigkeit meiner Architektur nicht ertragen“ könnten. Der Museumsbau in der Lindenstraße ist jedoch keineswegs von Offenheit geprägt. Seine Fassade ist deshalb auch nicht aus Glas, vielmehr verdeckt graues Zinkblech den ebenfalls grauen Betonbau. Mit “Offenheit” hat dies rein gar nichts nichts zu tun. Auch ist die blecherne „Außenhaut“ alles andere als „zeichenlos“, sondern wie Gestaltungselemente innerhalb und außerhalb des Gebäudes geprägt von Linien, die sich immer wieder, meist in spitzen Winkeln kreuzen, manchmal auch mehrfach.

Die Dominanz der Kreuze, darunter auch Fenster in Form rechtwinkliger Kreuze, hätte sicher gut zu einem modernen christlichen Museum gepasst, ist womöglich aber auch nur eine mehr oder minder geistreiche Reminiszenz an den Standort des Museums im Berliner Stadtteil Kreuzberg.

Manche der gekreuzten Linien werden nun aber – wie bereits der Grundriss des Neubaus –wieder als Bruchstücke eines „David-Sterns“ gedeutet, wohl aus einem Bedürfnis heraus, diesen Stern, der kein eigentliches „Symbol“ des Judentums, sondern des modernen politischen Zionismus ist, entsprechend wahrzunehmen. Seit über hundert Jahren repräsentiert der „Stern“ das jüdische Volk und den Zionismus und seit 1948 die Flagge des Staates Israel. Vor den zionistischen Kongressen ab 1896 ist er auch nur sehr selten auf jüdischen Grabsteinen zu finden, erst ab den 1920er Jahren wird er einigermaßen geläufig. Der Grundriss des Gebäudes in ungleichmäßigen Zickzack-Linien (ob nun beabsichtigt oder nicht) sollte eigentlich aber, zumindest in Berlin, an den zuweilen nicht minder „eigenwilligen“, im Zentrum sog. recht ähnlichen Verlauf der Berliner Mauer erinnern, die über Jahrzehnte die Stadt teilte. An vielen Stellen sind diese Demarkationslinien auch im Straßenbild nachgezeichnet. Aber was hätte das jüdische Museum in Berlin mit der Berliner Mauer zu tun? Folglich ist es für viele naheliegender, sich einen „Blitz“ vorzustellen, vielleicht weil ein jüdisches Museum in Berlin einem Blitzschlag gleichkommt. Wer weiß. Wie auch immer, gibt es den Zickzack-Bau im Museum-Shop zu kaufen, in Miniatur versteht sich, für 9.90 Euro im Maßstab von 1:300 (das sind ca. 50 auf 20 cm, bei 7 cm Höhe) als Bastell-Set mit vier Bögen, im „einfachsten Schwierigkeitsgrad“, also „kinderleicht“, d.h. ohne Blech und Beton, natürlich aber auch ohne Inhalt.

Jüdisches Museum Berlin: Hochspannung – Lebensgefahr

Im Original ist das Museum hingegen unterirdisch mit dem schmalen, außen abseits stehenden, unbekleideten hohen Betonbau verbunden, den man „Holocaust-Turm“ nennt (ohne zu erklären, was das nun wieder eigentlich sein soll). Der „Verzicht“ auf die Blech-Fassade soll hier „Hoffnungslosigkeit“ und Sinnlosigkeit“ vermitteln, was – gar keine Frage – zumindest von außen betrachtet auch grandios gelungen ist. Aber auch im Inneren gibt es kaum etwas zu sehen, da das spitze und hohe Betonkonstrukt unbeleuchtet und fast komplett dunkel ist. Nur ein kleines Fenster ganz oben lässt etwas Licht ein. Das merkt man, wenn man dort etwas verweilt und die Augen sich daran gewöhnen. Dem Besucher soll sich auf diese Weise (die von angeblich von „den“ Juden empfundene) „Ausweglosigkeit“ vermitteln (Stimmen vorbeihuschender Schüler-Gruppen, zitierten auch, dass man dort „den Holocaust fühlen“ kann, … man stelle sich vor! Also wenn das mal kein “Erlebnis” ist, …!), doch begegnet einem die Ausweglosigkeit eigentlich bereits beim Eintritt in das Museum durch den 1735 entstandenen Barockbau (ehem. Kollegienhaus) des Berliner Museums, der bereits 1993 von Libeskind umgebaut wurde. Zwar ist das Zickzack-Gebäude entlang seiner Mittelachse insgesamt etwa 360 Meter lang und verfügt über mitunter 20 m hohe, kahle Räume, doch bleibt trotzdem wohl zu wenig Platz übrig, zumindest für persönliche Dinge, da man nur Dinge mitnehmen darf, die in eine kleine weiße Plastiktasche passen. Diese (deutsche?) Einheitstüte erhält man an der verpflichtenden Garderobe, nachdem man die Sicherheitsschleusen mit Metalldetektorrahmen und das mit sog. Handsonden ausgestattete Museums-Personal passiert hat.

Checkpoint Mordechai” – kein Verdacht wenn man trotzdem lacht ..?

Gegenstände aller Art

Das ist auch wegen der Menge an Wachleuten (ob das früher Grenzkontrolleure waren?) nicht einfach, denn zunächst müssen Taschen, Rucksäcke auf das Band gelegt werden, danach muss man Jacke oder Mantel ausziehen (Schuhe nicht), die ebenfalls durchs Band laufen und von einem Wachmann am Bildschirm beobachtet werden. Man selbst wird nun durch ein kleines Tor gebeten, dessen Detektoren sofort bemerken und umgehend akustisch vermitteln, dass man Metallisches mit sich führt. Es piepst schrill und aufgeregt, so wie im Supermarkt oder in der Bücherei, wenn jemand etwas bei sich hat, was nicht gescannt wurde. Man fühlt sich ertappt wie ein Dieb. Aber nun ja, klar, es ist der eigene Schlüssel in der eigenen Hosentasche. Das vermutet wohl auch der dritte Wachmann, der mit seiner Handsonde an der Hosentasche entlang fährt und in bestimmtem Ton dazu auffordert, den Inhalt auszuleeren. Berühren will er den Schlüssel nicht, sondern fordert dazu auf, ihn in einen kleinen Plastikbehälter zu legen, der nun ebenfalls auf dem Laufband „geröntgt“ wird. Gewiss um sicherzustellen, dass sich im Schaft der einzelnen Schlüssel keine Boxhandschuhe oder Sprengstoffgürtel befinden. Damit hat es sich natürlich noch nicht, denn in der anderen Hosentasche befindet sich die Geldbörse, mit Münzen (vieleicht sind 1 und 2 Euro-Cent-Münzen ja auch deshalb zu 95 % aus Stahl) und einem weiteren Schlüssel, usw. Schließlich darf man seine siebenundsiebzig Sachen wieder haben und Jacke und Mantel wieder anziehen. Ein gewisses Verständnis hat man für die Prozedur, da es bekanntlich Organisationen und verrückte Individuen gibt, die durchaus dazu in der Lage sind, „jüdische“ Einrichtungen oder solche die sie dafür halten, mit Sprengstoff und anderen Waffen anzugreifen, auch wenn Anschläge auf Museen wohl nicht vorkommen. Auch am Flughafen nehmen wir derlei Kontrollen gewohnt und achselzuckend auf uns, da sie auch unserer eigenen Sicherheit dienen. Immerhin kann man ja danach ins Flugzeug, in der Überzeugung, dass alles geregelt ist. Nicht so im Zickzack-Museum, wo weitere Wärter an der schwarzen Treppe die zur Dauerausstellung hinab führt, in forschem Ton gar keinen Zweifel daran lassen, dass die persönlichen Dinge, die man bei sich trägt, und dazu gehören Taschen, aber auch Jacken und Mäntel, die eben erst durchgeleuchtet und ausgeforscht, analysiert und begutachtet wurden, nicht erlaubt sind, den Eigentümer in das eigentliche Museum zu begleiten. In der Tat wäre es auch praktisch, wenn man die mitgebrachten Taschen in einem Schließfach abstellen könnte. Das klappt landauf, landab in allen möglichen Museen, Bibliotheken und sonstigen vergleichbaren Einrichtungen, selbst in der Provinz, im jüdischen Museum in Berlin ist eine solche Lösung jedoch nicht vorgesehen. Die Vorstellung, dass aufwendig durchleuchtete Besucher ihre Taschen selbst in ein Schließfach stellen können, muss für jene, die sich das offensichtlich auf bloße Machtdemonstration ausgerichtete staatliche Sicherheitskonzept ausgedacht haben, eine Bedrohung sein.

Nun also der Hinweis auf „die Garderobe“. Dort erklärt jedoch ein Hinweisschild, dass für Jacken, Taschen und Mäntel, die man dem Personal abgibt, keine Haftung übernommen wird. Das heißt „zwischen den Zeilen“: Kommt etwas abhanden, ist es eben weg. Pech gehabt. Aber wie sollte man bei der bisherigen Behandlung durch den inzwischen vielleicht schon zehnten Inspekteur selbst auch auf die Idee kommen misstrauisch zu werden? Man kann ja auch wieder gehen, wenn es einem nicht gefällt und vielleicht bekäme man nach langen Diskussionen auch das Eintrittsgeld wieder zurück. Vielleicht auch nicht.

Aus journalistischer Neugier, aber auch aus zeitgenössischem historischen Interesse, lassen wir uns trotzdem darauf ein, unsere mitgebrachten Utensilien in den Fängen der Garderobenpolizei zu belassen und uns ohne Jacken und Mäntel im etwas kühlen Betonbau zu bewegen, bevormundet und fremdbestimmt. Dass sehen aber womöglich längst nicht alle Besucher als problematisch an. Man vermittelt ihnen ja auch den Eindruck, dass  das irgendwie dazu gehört, so wie das Ausziehen der Schuhe beim Betreten einer Moschee. Wie gesagt hatte aber der Direktor des Museums ausdrücklich betont, dass es sich nicht um ein Museum für Juden, sondern für Deutsche handelt. Mit den jährlichen Basisenergiekosten von über sechshunderttausend Euro pro Jahr spart das Museum offenbar aber nicht nur mit dem Einsatz von LED-Beleuchtung und „moderner Lüftungstechnik“. Nach dem pauschalen Terror-Verdacht ist ein leichter Kälteschauer bei äußerlich bevorstehendem Wintereinbruch ist sicher auch ein eingeplanter Effekt im Rahmen der „Erlebnis-Architektur“. Durch die schwarze Treppe gelangt man nun nach unten, nicht zu einer Gruft, wohl aber zu Ausstellungen, die in verschiedenen Räumen über andere Museen und Konzepte, etwa in Brüssel, Kapstadt oder Haifa informieren, ehe man nun wieder steil nach oben steigen kann zur Dauerausstellung. Man kann dafür zwar auch einen „Lift“ benutzen, aber nach dem äußerst unsympathischen Auftakt spricht nichts dafür, derlei Annehmlichkeiten zu beanspruchen, da man das Gerät womöglich nur in Unterwäsche benutzen darf.

Die Ausstellung sei aus der Sicht mancher Kritiker zu wissenschaftlich, aus der Sicht anderer nicht wissenschaftlich genug, kann man nachlesen. Das soll gegenübergestellt sicher suggerieren, dass „man“ es ja ohnehin nicht jedem recht machen kann und dass „die Wahrheit“ bestimmt irgendwo in der Mitte liegt, vielleicht aber ja auch zwischen den Zeilen, in einem spitzen Winkel, in einer versteckten Ecke oder in einem der zahllosen Kreuze. Viele – vor allem auch jüngere – Leute atmen hörbar erleichtert auf, wenn sie bemerken, dass „das Judentum“ nun einmal nicht auf „den Holocaust“ reduziert wird (als hätte „es“ damit jemals irgendetwas zu tun gehabt …), freilich zum Preis, dass zahlreiche andere, weit ältere Klischees bedient und wiederbelebt werden.

Die Proklamation von „Zwei Jahrtausenden deutsch-jüdischer Geschichte“ ist genaugenommen jedoch nur ein Werbegag. Die Ausstellung beginnt so auch nicht um das Jahr 12 des christlichen Kalenders, sondern erst mit der Replik des Bruchstücks einer spätantiken Öllampe (in Augsburg hat man sich zum ortseigenen Vergleichsfund wenigstens noch die „Mühe“ gemacht, neben dem Fragment eine Rekonstruktion zu „wagen“, aber dafür fehlten in Berlin offenbar die finanziellen Mittel …), die in Trier gefunden wurde und etwas nebulös (weil hundert Jahre umfassend) auf das „4. Jahrhundert“ datiert wird. Die ersten 3 bis 4 Jahrhunderte sind mit der Replik der Terrakotta-Scherbe dann auch bereits abgedeckt. Das passiert ganz nebenbei und ist durchaus beachtlich, verhieß letztlich aber nichts Gutes für das inhaltliche Niveau der weiteren Ausstellung. Dort geht es dann auch weiter mit einem Kunststoffbaum mit Granatäpfeln , wobei einige seiner Früchte durch Smartphones ersetzt wurden, die auf ihrem Display eine Abbildung zeigen, origineller Weise die eines … genau: Granatapfels. Ob damit I-phone und Co. als Früchte der Erkenntnis dargestellt werden (die im Inneren vielleicht einen Etrog-Chipsatz verwenden?) oder ob es sich um ein Relikt einer früheren „Grünen Woche“ handelt, ist unklar, und ist auch von den umstehenden Führungskräften nicht zu erfahren. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass damit die Lücke bis zum nächsten Ausstellungsstück überspielt werden soll. Und schon fällt der Blick auf zwei weiße Gipsabdrücke der „Ecclesia“ und „Synagoge“ genannten Frauenfiguren. Wir erkennen sie wieder, da wir sie bereits in Bamberg gesehen haben, wo sie an der Fassade des Doms und nochmals im Original in der Kirche ausgestellt sind. Auch hier sind der Ecclesia die Arme abhanden gekommen, was sie nach modernem Verständnis als schwerbehindert ausweist. Das Original des Bamberger Figurenpaars wird gemeinhin in die Mitte des 13. Jahrhunderts datiert, weshalb wir nun also nach wenigen Metern bereits zwölfhundert der zweitausend Jahre deutsch-jüdischer Geschichte mittels Kopien von Bruchstücken absolviert haben. Die noch immer frischen Erinnerung an die groteske Behandlung durch das Sicherheitspersonal lassen vermuten, dass man die Besucher womöglich deshalb so sorgfältig „filzt“, weil man hofft, auf diese Weise die inhaltliche Leere schließen zu können.

Als nächsten Gimmick hatten sich die Planer eine etwa halbmetergroße (!) Knoblauchknolle ausgedacht, die sich in drei Teile aufklappen lässt. Auf diese Weise sollten die drei Städte Speyer, Worms und Mainz dargestellt werden, die sich in ihrer mittelalterlichen Schreibweise hebräisch als „שום“ abkürzen ließen. Die einzelnen Buchstaben des Kürzels sind etwa drei Meter hoch an einzelnen Wänden ausgestellt. Richtig, als Wort gelesen bedeutet „schum“ bekanntlich tatsächlich „Knoblauch“, sprichwörtlich heißt es aber auch „nichts“, „schum-dawar“ (שום-דבר) „rein gar nix“, „nicht der Rede wert“. Das sagt man, wenn man gefragt wird, ob einem etwas fehlt, ob man Lanzen, U-Boote, Schweizer Messer oder digitale Abbildungen von Etrog-Früchten bei sich trägt … oder etwas im Souvenir-Shop kaufen möchte: schum-dawar. Für die Zeit, in welcher bereits eine lokale jüdische Geschichte erwähnenswert wäre, sind nun weitere Kunststoff-Repliken von Fenstern und Grabsteinen ausgestellt, eine übergroße Schwarzweiß-Abbildung des Grabsteins des Maharam („Meir von Rothenburg“, gest. 1293) und nach wenigen weiteren Schritten vorbei an Urkunden des Jahres 1300 ist man tatsächlich bereits im Barock gelandet, genauer gesagt bei Glückel von Hameln (1646-1724) und ihren jüdisch-deutschen „Memoiren“ aus dem Jahre 1710, die mit „dem Barock“ an sich wenig zu tun haben. Danach ent-schleunigt sich das rasante Tempo der Ausstellung, die trotz einiger übergroßer Installationen 1700 Jahre jüdischer Geschichte in Deutschland auf wenige Meter reduziert. Andernfalls wäre man ja auch schon gleich bei den Nazis angelangt und stünde auch gleich wieder am Ausgang. So geht es nun aber weiter mit einem Fischpräparat des Marcus Bloch (1723-1799) und mit Moses Mendelssohn (1729-1786), der ab 1742 in Berlin wirkte und später am Friedhof in der Großen Hamburger Straße begraben wurde.

Je mehr sich die Geschichte nun der „Moderne“ zuwendet, um so kleiner werden die Abstände und vielfältiger die Ausstellungsstücke. Immer wieder gibt es Abbildungen und Gegenstände in Vitrinen, etwa Uhren, Tassen, Gemälde, aber auch kleine Exkursionen, mittels welcher „jüdische Ritualgegenstände“ wie Tora-Zeiger und Kerzenleuchter, Tora-Rollen oder Beschneidungsmesser erläutert werden oder mittels Schubfächern und Bildschirmen Hintergrundinformationen vermittelt werden sollen. Ein von Polstern umgebener Bildschirm mit dem  Doppelnamen „Das Ding / The Object“ beispielsweise erklärt, was nun eigentlich Hostien (sicher sehr wichtig um “das Judentum” zu verstehen) sind und erläutert sie falsch als „Opferlamm“, obwohl das lateinische Wort genaugenommen „Schlachtopfer“ bedeutet. Wie dem auch sei, passte auch das eher in ein christliches Museum. Immer wieder sieht man kleine Gruppen, meist Jugendliche, die um einen Führer herumstehen, der ihnen bereitwillig ein Objekt oder eine Abteilung erklärt, jedoch genügt es, etwas hinein zuhören, um zu verstehen, dass zumindest an Klischees nicht gegeizt wird. Letztlich spricht auch dagegen nichts, da es ja kein Museum für Juden sein soll und dem Vernehmen nach ohnehin „die Architektur“ und ihr „Erleben“ im Vordergrund stehen. Das gelingt und die (Wissens-) Lücken gehören zum Konzept.

Was sind denn nun eigentlich Hostien? – Kein Problem, im Jüdischen Museum wird es erklärt, durch “das Ding”.

Es wäre jedoch redlicher ohne Etikettenschwindel von einem Museum zu sprechen, dass die letzten dreihundert Jahre jüdischer Geschichte in Deutschland darstellt und zwar eben doch aus der Perspektive der „Mehrheitsgesellschaft“. Mit auf bloße Stereotypen und einige Versatzstücke reduzierten „Judentum“ hat das Museum ansonsten auch nichts zu tun. Dafür sind die Lücken viel zu groß und daran ändern auch gerade die sog. „Voids“ nichts, die das Zerstörte „symbolisieren“ sollen und die man „Leeren der Geschichte“ nennen könnte. Etwa die sog. „Memory Void“ von Menasche Kadischman (מנשה קדישמן, geb. 1932) mit dem eigenartigen Namen „שלכת“ (in etwa die Entlaubung im Herbst) im Erdgeschoss. Im natürlich spitz zugeschnittenen hohen Betonraum, auf den man von oben durch kleine Fenster heruntersehen kann, liegen auf dem Boden angeblich zehntausend stereotype Masken mit runden Augen-Öffnungen und einem angedeuteten offenen Mund. Sie sollen an „die Opfer“ erinnern. Die Frage ist an welche? Das Holocaust-Thema wollte man ja vermeiden und eine Opferzahl von „zehntausend“ zu behaupten – könnte nach deutscher Gesetzeslage sogar strafbar sein.

Wie zu beobachten ist, laufen eine Reihe der Besucher auf den „Gesichtern“ umher, vielleicht, weil sie es von zuhause so gewohnt sind oder weil, wie man nachlesen kann, eine Absicht des Künstlers auch gerade darin bestand, metallische Klänge zu erzeugen, wenn man sich auf den Schichten von Masken auf und ab bewegt. Angeblich gäbe dies den „Menschen“ ihre Stimme zurück. Diese stellte „man“ sich dann als eine Art blechernes, metallenes „Kling-Klong“ vor. Aber wer würde nach einer Weile nicht ebenso „klingen“, wenn man in einem Betonschacht läge und andere permanent auf den eigenen stereotypen „Gesichtern“ herum trampeln? Und warum dies nun eigentlich? Damit darauf stehende oder kniende Besucher Schnappschüsse für ihre facebook – Seiten machen können. Eine bleibende Erinnerung? Vielleicht vermittelt ja auch dieses einmalige „Holocaust-Gefühl“.

Zu Besuch beim Holocaust …

Wäre man nicht so erzogen worden, wie käme man nach dem Besuch dieses Museums darauf, dass Judentum letztlich nicht auf sinnentleerten „Symbolen“, sondern auf der Praxis der Lehren von Talmud und Tora beruht? Könnte man mittels Nachbildungen diverser Scherben, etwas Tafelgeschirr und Hüten und fixiert auf Hexenverfolgungen und Biographien einzelner christlicher Milliardäre, Fürsten, Künstler und Mäzene nicht auch den Sinn und Zweck der christlichen Taufe missverstehen? Gewiss. So misst sich der Erfolg des Museums an den Besucherzahlen – wie erwähnt sind das aktuell etwa eine Dreiviertelmilllion pro Jahr – auch, weil Besucher zahlen und sich in der Mehrzahl sicher auch ganz gerne ehrfürchtig durchsuchen lassen. Das hat zweifellos auch bereits Event-Charakter, weil es ja auch einen gewissen Nervenkitzel hat. Schließlich kann jeder noch nicht inspizierte Besucher einen Sprengstoffgürtel um den Bauch gebunden haben. Da fühlt man sich bestimmt wie ein echter Jude, der gefährdet ist, zugleich aber auch wie ein Araber, der per se als Terrorist verdächtigt wird – oder umgekehrt? Jedenfalls hat es, wie man beobachten kann, gerade auch für Schülergruppen offensichtlich einen Reiz, absehbar unzutreffend, wie ein Terrorverdächtiger behandelt zu werden. Wo sonst bekommt man das für Zwo-fuffzig auch geboten? Der alberne Kiddusch-Becher aus Plastik im Museums-Shop kostet hingegen schon 3.50 € und welchem Schüler reicht da noch das Geld für einen kleinen Plüsch-Teddy mit Kippa?

Im Museums-Shop: Plastik-Becher für 3.50 € und Plüsch-Bären mit Kippa

War es das? Ja, und: nein. Den Museumsmachern ist irgendwie doch klar geworden, dass ihr staatliches Auftragswerk nicht alle Einwohner der Stadt und des Landes anspricht. Da insbesondere wohl gerade auch muslimische Besucher zu fehlen scheinen, wenigstens solche, die bei der Leibesvisitation traditionelle Kleidungsstücke abzulegen hätten, planen und realisieren sie auf der anderen Straßenseite einen Erweiterungsbau. Dieser soll ein “islamisch-jüdisches Forum” bieten und sich mit Fragen der Integration befassen. Was damit gemeint ist kann man aus jüdischer Perspektive eigentlich nur raten – vielleicht gibt es Seminare, die vermitteln wie man Israel hassen kann, ohne als Antisemit zu gelten? Zweifellos wird es aber einer „nichtjüdischen“ Mehrheitsmeinung entsprechen.


Über das Schicksal jüdischer Bergarbeiter in Deutschland

July 2, 2012

Unter deutschen Bergarbeitern war der Begriff der „Maloche“ für „schwere Arbeit“, das entsprechende Verb „malochen“ oder die Bezeichnung des „Malochers“ als jemanden der schwer schuften muss, so geläufig, dass er  es zu landesweiter Bekanntheit geschafft hat. Inzwischen wissen viele, dass der Begriff sich von hebräischen מלאכה (malacha) ableitet, das jüdisch-deutsch als „maloche“ ausgesprochen wurde.

Im heutigen Hebräisch ist es jedoch nicht ganz so einfach, den Unterschied der „malacha“ zum inzwischen eher synonym aufgefassten Begriff עבודה (awuda) zu verstehen. Während im religiösen Kontext „awuda“ eher Dienstbarkeit, im Sinne von Gottesdienst oder aber Götzendienst (עבודה זרה, wörtlich Fremddienst), nennt sich die sozialdemokratische Arbeiterpartei Israels עבודה (awuda). „Malocher“ sind hingegen bereits in der Bibel zahlreich erwähnt als „mal’ach“ (מאלך), wörtlich „Arbeiter“. Im deutschen werden sie aber nicht als solche, sondern als „Engel“ übersetzt, was sich vom griechischen ἄγγελος angelos = Bote, Gesandter ableitet. Schließlich verwendete die frühe zionistische Bewegung noch den Ausdruck des פועל (po’el) für den Arbeiter, heute durch zahlreiche Sportvereine wie  ‏הפועל תל-אביב‎ (Hapoel Tel Aviv) geläufig.

Wie dem auch sei, ist wenig hinterfragt worden, warum deutsche Bergarbeiter ihre Schufterei denn nun ausgerechnet mit einem hebräischen (bzw. jiddischen) Begriff bezeichneten, wo das Klischee „den“ Juden fast durchweg Geldgeschäfte ohne körperlicher Anstrengung unterstellte. Die Antwort darauf ist, dass es zahlreiche jüdische Bergarbeiter in Ostpreußen und im Ruhgebiet gab. Über ihre sehr schlechten Arbeitsbedingungen schrieb vor hundert Jahren der Münchner, jedoch in Bamberg geborene  Sexualforscher und Dermatologe Felix Aaron Theilhaber (1884-1956), der auch als politischer, zionistischer Journalist und Schriftsteller arbeitete, in der „Welt am Montag“. Sein Artikel „Jüdische Arbeiter in preußischen Bergwerken“ wurde am 5. Juli 1912 von der in Berlin erschienenen „Allgemeine Zeitung des Judentums“ (76. Jahrgang, Nummer 27) zitiert, als Anklage gegen den recht- und schutzlosen Status „armer russischer Einwanderer jüdischen Glaubens“, die von ihren nur nach Profit strebenden deutschen Arbeitgebern ausgebeutet werden konnten:

Dieses Arbeitsherr von Ausländern ist natürlich völlig recht- und schutzlos und muss es immer bleiben. Als Ausländer ist jeder der Gefahr ausgesetzt, bei der geringsten Veranlassung ausgewiesen zu werden. Wehe dem, der als „rot“ nur verschrien ist. Man kennt eine Menge von Fällen, wo Fremde trotz jahrzehntelanger unbescholtener Führung und Arbeit in Deutschland bei der geringsten Regung für das Koalitionsrecht sofort in die ihnen inzwischen fremdgewordene „Heimat“ gehetzt wurden. Bei Streiks ist der Ausländer der geborene Streikbrecher. Er kann nicht feiern und Streikunterstützung annehmen, da er sonst sofort zurücktransportiert wird, was der unglückliche Jude, der einmal Russland verlassen hat, unter allen Umständen zu vermeiden sucht.

Der russische Jude ist aber auch, wenn er krank oder altersschwach ist, keine Belastung für die Krankenkasse der Bergwerke. Wir wissen, dass die größte Krankheits- und Sterblichkeitszahl bei den Bergleuten vorkommt, dass sie ganz besonders der Hilfe und hygienischen Fürsorge bedürfen. Statt dessen bietet sich nun billiges Schachtfutter: wenn ihre Knochen mürbe geworden sind, lässt man sie in Polen verfaulen. Sobald so ein „Kaftanjude“ über die Grenze geschafft worden ist, kräht kein Hahn nach ihm. Menschen die Jahr und Tag unter deutschen Verhältnissen gelebt haben, sollen dann plötzlich wieder zu Russengestempelt werden. Selbst Kinder, die in Schlesien geboren wurden, die deutsche Sprache sprechen, sind dann verdammt, mit in das dunkelste Selbstherrscherreich geschleppt zu werden, wo das Bekenntnis zum Judentum völlig entrechtet.

Die Juden werden heute von den Russen nach dem Ausspruch eines russischen Ministers zu einem Drittel ausgehungert, zu einem Drittel zu Tode gehetzt (in Gefängnissen, in Sibirien, usw.), zu einem Drittel verjagt. Die Wertschätzung des polnischen Juden in Deutschland ist nicht viel größer. In Amerika hat er sich zwar bewährt, wie Roosevelt, Taft u.a. bestätigen, wie z.B. auch jüngst der Münchner Schulmann Kerschensteiner in längeren Auslassungen ausführte. Dass die preußische Regierung aber keine Sympathien für die östlichen Juden hat, ist bekannt. Trotzdem will sie die jüdischen Weber von Balutz und Lodz kommen lassen, um billige und willfährigere Arbeitermassen der Großindustrie zuzuführen.

Die deutsche Arbeiterschaft hat einen seiner Hauptkämpfe gerade in der Bergwerkindustrie auszufechten. Eine bodenständige, einheitliche, deutsche Arbeitermasse wird sich ganz anders in den Lohnkämpfen halten können als ein Proletariat aus allerlei religiös, kulturell und politisch differenzierten Gliedern, die nebenher noch völlig abhängig von jedem Schutzmann, von der Regierung und dem Winken eines Bergwerkdirektors sind.

http://www.migrationsroute.nrw.de/themen.php?thema_id=36&erinnerungsort=bochum

Natürlich geschieht dies ganze finstere Unternehmen unter dem Segen etwelcher Juden, ja gebärden sich einige in jüdischen Zeitungen, als ob die Judenfrage gelöst wäre. Vor allem sind es die Veranstalter einer Zusammenkunft, die Pfingsten zu Kattowitz stattfand, wo der Handel sanktioniert wurde.

Auf diese Tatsachen, die noch nicht allgemein bekannt sind, eine Auge zu haben, wird gut sein. Denn es ist vielleicht noch möglich, sowohl die Freunde des arbeitenden deutschen Volkes wie auch die wirklichen, echten Vertreter der Judenheit auf Vorgänge aufmerksam zu machen, die nur der Dividendenpolitik der Bergwerkes Vorteile zu bringen imstande sind. Den jüdischen Arbeitermassen wird durch solche Machenschaften weder der Friede des eigenen Herdes, noch die Sicherheit für die Zukunft und die Freiheit gegeben.“

Felix Aaron Theilhaber gründete in Berlin die „Gesellschaft zur Sexualreform (Gesex)“ und war mit Magnus Hirschfeld führend als Sexualforscher. Er kämpfte engagiert für die Abschaffung der Paragraphen die Schwangerschaftsabbruch und Homosexualität unter Strafe stellten und warb für Geburtenkontrolle, jedoch sollte noch mehr als ein halbes Jahrhundert vergehen, ehe diese Positionen in Deutschland breitere Akzeptanz finden konnten. Im Jahr 1911 verfasste er eine bemerkenswerte Schrift mit dem Titel „Der Untergang der deutschen Juden“, in welcher er konstatierte, dass das deutsche Judentum mittels Assimilierung, Säkularisierung, Verstädterung, Mischehen und Kinderlosigkeit dem Untergang geweiht und in wenigen Jahrzehnten nur noch sporadisch in größeren Städten vorzufinden sei, während es in seinen traditionellen ländlichen Hochburgen, fast gänzlich verschwinden werde. Eine Prognose, die auch ohne den „Holocaust“ zum heutigen (2012) Istzustand geführt hätte, diesen jedenfalls relativ gut beschreibt …

Im selben Jahr 1911 begann er seine Arbeit in den Diensten der Organisation des türkischen Roten Halbmonds als Militärarzt, u.a. im Türkisch-Italienischen Krieg in Libyen und im Balkan-Krieg oder als türkischer Gesandter im von den Engländern bald “Palästina” genannten Teil des endenden Osmanischen Reiches. Im ersten Weltkrieg wurde er als deutscher Pilot mit dem „Eisernen Kreuz“ ausgezeichnet, später 1933 jedoch von der „Gestapo“ verhaftet und zwei Monate festgehalten. 1935 gelang es ihm dennoch nach Israel auszureisen, wo er während des Krieges 1941 die Makkabi Krankenkasse gründete, die 1949 bereits 250 Versicherte im Raum Tel Aviv betreute und heute mit 1.9 Millionen Mitgliedern die größte Krankenversicherung Israels ist. Felix Theilhaber starb 1956 in Tel Aviv. Sein 1921 geborener Sohn Michal Adin Talbar war 1966 Unterhändler des deutsch-israelischen Wirtschaftsabkommens und erhielt 1985 das Großkreuz erster Klasse für seine auf Aussöhnung und Verständigung zwischen Deutschen und Israelis bedachtes Engagement, insbesondere im Bereich des Sports.

http://he.wikipedia.org/wiki/%D7%A7%D7%95%D7%91%D7%A5:Maccabi_Health_Care_Services_2011_logo.svg

One hundred years ago zionist journalist and writer Felix Aaron Theilhaber who also was sexual researcher, military surgeon, advocate for gay rights as well as founder of Israel’s today largest health care service Maccabi, wrote an article on Jewish immigrants from Russia who were exploited as cheap mineworker without rights in Germany, at any time to be blackmailed because of their fear to be deported back again to Russia where they fled persecutions.

Although Jewish mine workers in Germany are anything but common knowledge – it jus is known that there were many workers from “Poland” … – the term for toiling (very hard work) common among miners in German is “malokhen” which actually derives from Hebrew “malakha” and Yiddish Taytsh מאַלאָכען. Until today the term in German is frequent not only for mine workers but widely known as synonym for hard and cheap labor.


Congrats Brose Bamberg!

June 10, 2012

Congratulation to Brose Bamberg Basketball team for the third consecutive double ..!

Thanks to Ulm for an exciting third match

Historisches drittes Double für Bamberg.


Die Synagoge von Bamberg

March 31, 2011

Die neue im Juni 2005 an der Willy-Lessing-Strasse eingeweihte Synagoge in der ehemaligen Nähseidenfabrik wurde bereits bei der Grundsteinlegung als „7. Synagoge“ in Bamberg bezeichnet, was auf einer eigentümlichen Zählung und Einschätzung der Ortsgeschichte beruht. Zusammen mit dem Gemeindezentrum und Lehrhaus „or chaim“, zu der auch Unterrichtsräume und eine freilich nur selten benutzte Mikwe gehören, ist sie jedoch das Zentrum der etwa 900 Mitglieder umfassenden “lebendigen Gemeinde“. Diese hat mit der Urologin Dr. Antje Deusel eine zum Judentum konvertierte angehende Reform-Rabbinerin und “Mohelet” (Beschneiderin), die als zweite “deutsche” Rabbinerin nach Regina Jonas (1902-1944) aufgefasst wird, was jedoch mittelalterliche und pre-reformerische Rabbinerinnen ignoriert. Das Verhältnis zur auch in Bamberg überwiegend von russischen Zuwanderern bestehenden jüdischen Gemeinde, ist dem Anschein nach aber eher distanziert. Das mag auch daran liegen, dass die zwischen post-sowjetischen Exil-Juden und post-nazistischen Ex-Christen unvermeidlichen Missverständnisse in Taschenbüchern nicht erklärt finden und artiger Beifall von (zu Selbstgesprächen bereiten) Christen dabei nichts nutzt. Aber vielleicht klappt das in Bamberg ja besser, als zuletzt in Fürth. Andernfalls muss man eben die realen Juden durch Konvertiten ganz ersetzen, um den Antisemitismus (und andere “Komplikationen”) schlussendlich zu bewältigen.

Die Inschrift אור חיים (or chaim) über der Eingangstür im Innenhof übersetzt sich als “Lebenslicht”, bezieht sich im Kontext einer neuen liberal ausgerichteten fränkischen Gemeinde nicht auf חיים אבן עטר der zu den Lehrern des  חיד”אgehörte.

Der Betraum der neuen Synagoge im Inneren des Gebäudes ist durch ein Tor zu erreichen, welches aus aus der bis 1910 genutzten vorletzten Synagoge stammte, an welche heute am “Synagogenplatz” Gedenksteine erinnern.

Die Einrichtung des Betsaals ist von einer etwas nordisch, protestantischen wirkenden Schlichtheit bestimmt, die von einigen Lichtblicken und Kontrasten aufgehellt und akzentuiert wird.

תפילות לכל שנה

Der “blaue” Segen des einen Fensters kontrastiert mit dem “roten” Licht des anderen. Blaulicht freilich wäre auch nicht verheißungsvoller.

Im Hintergebäude befindet sich für den Nachwuchs der Gemeinde Gelegenheit sich mit einem Trampolin fit zu halten. Die Glasfenster wurden aus den vorherigen Gebetsräumen integriert. Es gibt jedoch auch Unterrichtsräume etwa für das Lernen hebräischer Buchstaben:

Der kleine Betsaal, für Wochentage vorgesehen, aber abseits von besuchenden Schulklassen kaum benutzt, finden sich neben dem Aron der früheren Gebetstätte auch Talmud-Bände und einige weitere des Schulchan Aruch, in einer reformierten mehrheitlich russisch-sprachigen Gemeinde hoffentlich nicht nur Ausstellungstück ist.

The synagogue of Bamberg, inaugurated in 2005 in a former textile manufactory, is regarded as 7th synagogue in the history of the town (what of course is a rather disputable view) and is located in the backyard of the Willy – Lessing – Str. named after the last head of the Jewish community of Bamberg, who perished as a defender of the former synagogues Tora scrolls during the so calledKristallnacht 10th of November 1938.

The synagogue and community center has a kosher kitchen, run by the non-Jewish janitor couple, a hardly used mikvah (without direct runoff), but also with class rooms and others for recreation and so on. Almost recently the community also has a new female reform Rabbi (actually a convert, who apparently has only little understanding for real Jews from Russia), but is considered as the second German one after pre war Regina Jonas – what of course ignores all medieval and pre-“refom” women who were rabbis.

Becken der Mikwe mit Wasserzufluss. Einen Abfluss gibt es nicht. Das Wasser wird stattdessen mit einer Wasserpumpe abgepumpt. Da die Mikwe “nur sehr sporadisch genutzt” wird, enthält sie “meist kein Wasser”. Das wird man wohl im Voraus beim Bademeister beantragen müssen.

Unser herzlicher Dank gilt dem Hausmeister Herrn Juergen Trager, der uns, wie bereits am Vortag am Friedhof liebenswürdig und ausführlich zahlreiche Details und Hintergründe, recht humorvoll erläuterte.

בית הכנסת החדש של במברג, נחנך בקיץ 2005


Der jüdische Friedhof von Bamberg

March 28, 2011

Der jüdische Friedhof an der Siechenstr. 102, südöstlich vom heutigen Gewerbegebiet, wurde am Tag nach Suckot des Jahres 5612 (1851) eingeweiht. Bis zu dieser Zeit bestatteten Bamberger Juden ihre Toten in umliegenden Friedhöfen etwa in Walsdorf oder Zeckendorf. Für den ersten neuzeitlichen Friedhof in Bamberg hatte sich der Gemeindevorsitzende Jakob Dessauer stark gemacht, der späte selbst hier bestattet wurde.

Im Bereich hinter der heutigen Unteren Sandstr. 29 soll sich der Friedhof der mittelalterlichen, 1478 endenden jüdischen Gemeinde befunden haben. Die dort bei Bauarbeiten in den 1960er Jahren gefundenen  Grabsteine und Überreste wurden am Friedhof in der Siechenstr. aufgestellt. Freilich sind die gezeigten Steine weit jüngeren Datums, keinesfalls mittelalterlich, sondern tragen Daten aus den 1850ern.

Vermutete Grabsteine aus  Untere Sandstr., jedoch datieren sie aus den späten 1850ern, wie problemlos zu erkennen etwa auf den beiden rötlichen Grabsteinen des Sohns und der Tochter Gitl des Henoch Strauss um 1858. Im Hintergrund über der Mauer ist ein überragendes Kreuz vom angrenzenden christlichen Friedhof zu sehen.

Grabmal des einjährig verstorbenen Alfred Buxbaum (1904 – 1905)

Das heutige Tahara- und Friedhofswächterhaus wurde 1890 errichtet. In der stattlichen Halle befinden sich eine Reihe von Gedenktafeln für die in der „Nazi-Zeit“ ermordeten Bamberger Juden. Eine weitere, ältere Tafel erinnert an die Gefallenen der jüdischen Gemeinde aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Sie ist von einem kunstvollen steinernen Podium umrandet, das aus der früheren Synagoge stammt.

Außen am Tahara-Haus hängt eine Tafel mit dem punktierten אתה גיבור לעולם aus dem Amida. In früheren Zeiten soll es noch eine zweite Tafel gegeben haben, deren Inschrift offenbar nicht überliefert ist.

מחיה מתים ברחמים רבים

Der mehrfach aufgeteilte, auch aktuell von der inzwischen überwiegend russisch-sprachigen Gemeinde noch benutzte Friedhof in Bamberg wird seit Jahrzehnten durch das Ehepaar Trager gepflegt und zeigt sich in einem ausgezeichneten Zustand, freilich sind auch hier zahlreiche Monumente von der Witterung in Mitleidenschaft gezogen worden. Eine absichtliche Vernachlässigung wie an vielen anderen Friedhöfen ist nicht zu beobachten.

Grabstein des Benedikt Oesterlein (1816 – 1888). Die Inschrift bezeichnet ihn als “Polizeichirurg”. Unter dem seltenen erstmals 1827 belegten Begriff verstand man eine Art forensischen oder Gerichtsmedizinier (Coroner) der im Polizeidienst Obduktionen an Leichen vornahm, um eine natürliche oder gewaltsame Todesursache zu attestieren. In früheren Zeiten bezeichnete man den Beruf noch als “Hofbader”. Interessant wäre natürlich in Erfahrung zu bringen mit welchen (Mord)Fällen sich Herr Oesterlein in Bamberg oder Umgebung zu befassen hatte.

Memorial der Familie Wassermann am jüdischen Friedhof in Bamberg. Die hebräische Inschrift verwiest über die großgestellten Anfangsbuchstaben auf Izchak ben Elia (Julius) Wassermann (1873-1939), der zudem als parnas vemanhig kahal bezeichnet wird, also als Gemeindeführer. Zur Bamberger Familie Wassermann gehörte auch Oskar Wassermann (1869 – 1934), der von 1912 bis 1933 dem Vorstand der “Deutschen Bank” angehörte und in den letzten zehn Jahren sogar deren Sprecher in Deutschland war. Als die Nazis an die Macht kamen wurde er “natürlich” aus dem Amt verdrängt. Schon im Jahr darauf verstarb er in Garmisch, eines “natürlichen Todes” wie es heißt.

* * *

Unser Dank gilt dem Ehepaar Trager für die ausführliche Führung und zahlreiche Erläuterungen zur Geschichte und Gegenwart.


Ecclesia and Synagoga in Bamberg

March 20, 2011

The Fuersten Gate at Bamberg Cathedral with the statues of Ecclesia and Synagoga on both sites of the arch and the backwindows

Bamberg Cathedral dedicated 999 years ago in 1012, with its four massive towers shapes numerous of Old Town views of Bamberg, rated as World Cultural Heritage of the UNESCO in 1993. In the church, according to tradition, is the common grave of Emperor Henry II and his wife Gwendolyn – both are advertised everywhere in the city in one way or another. Today’s widely admired stately tomb was indeed created some 500 years later. Well-known features of the Cathedral  include the grave of Pope Clement II (1005 – 1047), who had been Pope only some years before his death and was known as Count Suidger of Morsleben. Suidger apparently died from lead poisoning. In Christian circles, up to 19 Century it was somewhat customary to use water-soluble lead (II) acetate to sweeten wine. Of course there were many casualties. Among the prominent (sweetened) deaths in 1827 also was Ludwig van Beethoven.

At least likewise prominent  are the two statues at the prices-gate, one depicting the Christian church proper, the other the synagogue of the Jews. Both statues do not refer to a specific Bamberg situation, both – from a Christian standpoint of course – have in view Christianity and Judaism “in general”, namely as rivals. And surprise, surprise: Judaism comes off badly and Christianity comes off well in the comparison whose criteria never were unknown and no subject of any discussion. However, to express the result of the finding, both rivals are portrayed separately as female statues. The „Synagoga“ statue is characterized by a blindfold over the eyes, symbolizing the „blindness“ of the synagogues, respectively Judaism in general. Also her wand or rod is broken, allegedly in the meaning  that “the” synagogue (resp. Judaism) has no worldly power anymore. Contrary to that the wand of the other statue is intact and the eyes of the „Ecclesia“ (Latin: Church) have no blindfold. And that does mean to say: Christianity has eyesight as well as power. At least that is what “they” say today, they, the Christians. However, the figurative “comparison” of Ecclesia and Synagoga is no particularity of Bamberg and its cathedral but is a somewhat common stony way of propaganda to be seen in many other old Christian cathedrals and illustrations, for instance in Paris, Strasbourg or Freiburg, however almost all in German lands.

Until today the depiction at times is very controversial since many regard it as “Christian arrogance” or pretension – after Auschwitz of course a kind of “no-go” or at least a bit more difficult to justify than before. Advocates on the other hand of course at least try to argue in favor of the “history of art” and oppose the often demanded removal of the statues, maybe in hope for a better acceptance of the original understanding in a later future.

However, at least the current Bamberg version may contribute its share to alleviate the problem or conflict. Although the Synagoga still has bandaged eyes – which not necessarily need to cause blindness in a physical sense – and her wand still is broken. On the other side of the huge and elaborate portal with many other figures the Ecclesia however meanwhile has lost her hands. Probably long before 1936 when the original statues were removed inside the cathedral and were replaced by copies, the arms were hew off or they were to ponderous to endure modern times.

However, from a more traditional Jewish point of view which has no problem to admit some aspects of “blindfold-ness” in contemporary Judaism in Germany, it also is easy to see the hew of arms of the once hostile Christian church and to say that the bottom line is that we now are even. The blindfold Synagoga still has hands and just needs to remove the bandage from her eyes and to return to the teaching of Talmud and Tora. Ecclesia however, whose eyes by the way make an impression of blindness as a physical condition, since there seems to be a kind of veil which covers the pupils, to make things worse: has no more arms. Her maybe still unbroken wand is useless, since she may not hold it any longer, because it had disappeared, her former power is broken physically, more to say it has vanished (or sold), since she now is a crip who needs constant help to look for her own personal needs and outcome. Maybe her former rival unless not deaf meanwhile may help her, may help both.


Das jüdische Bamberg

March 17, 2011

Kehila kodesch Bamberg (Heilige Gemeinde Bamberg) – Inschrift am Grabmal des Josef Gross, R. ABD

Es ist kaum möglich, die Geschichte der Juden in Bamberg – die so alt ist wie die Ortsgeschichte selbst – in Kürze zusammenzufassen, wenngleich dies mit Begriffen wie “Rintfleisch” und “Holocaust” mitunter geschehen mag, aber wir wollen dies erst gar nicht versuchen, sondern uns den vielfältigen Aspekten nach und nach widmen. Die heutige Synagoge fasst sich als die siebte in der Geschichte Bambergs aus, während als erste eine ehemalige (durch eine) Marienkirche (überbaute vorherige) gilt. Ehemalige Synagogenplätze, Häuser jüdischer Hopfenhändler und Brauereien, würdige und weniger stilvolle Denkmäler und -tafeln, Stolpersteine, tausend Jahre Stadtgeschichte und eine Fülle von Sehenswürdigkeiten in einer (Alt)Stadt, die nicht grundlos als Weltkulturerbe ausgezeichnet wurde, bieten viele Facetten.  Aber es gibt über die generellen Faktoren hinaus auch weitere Bamberger Besonderheiten, wie etwa die stilisierte Figur der “Synagoga” am Portal und im Dom oder der oft anzutreffende mit dem David-Stern identische “Bierzeiger” der in manchen Fällen auch für das süffige Bamberger Rauchbier wirbt.

golden Star of David as guild symbol of beer brewer

The Golden Star of David is also the “Beer pointer” (zoigl) as guild symbol of Beer Brewers

One many places in Bamberg you can find “Stolpersteine” (stumbling blocks) which remind of Jews murdered by Nazi.

The new Synagogue of Bamberg

Boettinger – house at (medieval) Jewish Street in Bamberg. The house however was established about 1713.