Gedenken an 141 ermordete Ulmer

June 23, 2015

Am Platz der neuen Synagoge in Ulm befindet sich ein Denkmal, welches an 141 ermordete Juden aus Ulm erinnert

Ulm Holocaust Memorial Synagoge

 

Memorial for 141 Jews murdered by the Nazi Regime and it helpers

Ulm Synagoge Gedenktafel 141 Tote Juden

בזכירה סוד הגאולה

Ulm Holocaust memorial

Dem Denkmal eingegeben ist der Satz „Das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung“. Dabei soll es sich um ein Zitat handeln, das dem Baal Schem Tow (Rabbi Israel ben Elieser, 1698-1760, dem Neubegründer des osteuropäischen Chassidismus) zugeschrieben wird, der es aber wahrscheinlich eher nicht auf Deutsch gesagt haben wird. Obwohl das (durch Yad Vashem international bekannt gewordene) Zitat bislang nirgends belegt werden konnte, weißen manche Kommentatoren darauf hin, dass es nur unvollständig ist, und komplett „Das Vergessen verlängert das Exil, in der Erinnerung liegt das Geheimnis der Erlösung” geheißen haben soll. Und natürlich soll sich der „BeSCHT“  um die Mitte des 18. Jahrhundert auch nicht auf den „Holocaust“ bezogen haben, sondern auf die Rückkehr nach Israel und die Wiedererrichtung des Tempels in Jerusalem. Das klingt sicher plausibler, beantwortet aber auch nicht die Frage nach der Quelle des zugeschriebenen Zitats, insofern man es hier mit der Erinnerung genau nehmen will. Wie gut also, wenn man sich auf Yad Vashem berufen kann …

Die Tora mahnt uns zu an Schabbes zu erinnern, dem Weggang aus Ägypten, aber auch an Amalek … doch was besagt das im Zeitalter der Zitate und Kurznachrichten? Über Google und Co. wird das Zitat bereits einige Male dem ehemaligen deutschen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker als Autor zugeschrieben, da er es wohl 1985 bei einer Rede im Bundestag zitierte, auf Deutsch freilich. Aber das hält auch englische Webseiten nicht ab, ihn als Quelle für das übersetzte „in remembrance lies the secret of redemption“ (für dass es ab Ende der 1970er publizierte Belege gibt) zu nennen. Vielleicht war  der im Januar verstorbene Politiker Weizsäcker eine Art deutscher Balschemtof. Da es auch die Alzheimer-Variante der Erinnerung gibt, sollte man ungeprüfte Zitate auch nicht so genau nehmen, auch wenn es bequem ist, in den Tagen von sms und twitter (wo 140 Zeichen erlaubt sind pro Nachricht)

Für das Ulmer Denkmal ist das alles nicht relevant, verblassen dort doch bereits schon wieder einige der 141 Namen, an die das Denkmal erinnern wollte.

Ulm Holocaust Denkmal 141 names

fading names of murdered Jews from the City of ULM (at river Danube)

The memorial has the alleged quote of Baal Shem Tov “in remembrance lies the secret of redemption” on it, which is known from Yad Vashem in Jerusalem. However the actual source so afr has not been varified so far, while in the internet also a number of pages in English refer it to the former German president Weizsacker, who quoted the verse in his 1985 speech at the Bundestag in order to address the 40th anniversary of the end of world war two, where he called it a day of liberation, what caused a lot of discussions ongoing in Germany until today. Of course “most” (<-crucial point) Germans fought until the(ir) bitter end of the Nazi regime and they were defeted not liberated.

Synagoge Ulm

אמר הבעש’ט= רק זכירה שיש בה מעשה, תיוניות בה


Auf den Spuren der jüdischen Geschichte im westfränkischen Bad Mergentheim

March 8, 2013

Bierzeiger Bad Mergentheim BrauersternBrauerstern/ Bierzeiger in Bad Mergentheim, Mühlwehrstraße

Bad Mergentheim an der Tauber, im regionalen Dialekt in etewa als „Merchedool“ geprochen, befindet sich etwa in der Mitte zwischen Westheim (48 km) und Rothenburg ob der Tauber (52 km). Der Ort ist um die Mitte des 11. Jahrhunderts erstmals urkundlich erwähnt und wurde im 1340 zur Stadt erhoben. Von 1526 an bis 1809 befand sich am Ort der Amtssitz des Hochmeisters des Deutschen Ordens (OT = Ordo Teutonicus), einem Ableger der hochmittelalterlichen Kreuzritter, die in jener Zeit u.a. einen Sitz in Akko (Israel) hatten. Seit 1809 befindet sich der Amtssitz des (derzeit 65.) Hochmeisters in der Singerstraße 7 in der österreichischen Hauptstadt in Wien. Der Deutschorden fordert von seinen etwa tausend  Mitgliedern Armut und ehelose Keuschheit .

Deutschordensmuseum Bad MergentheimDeutschordens- und Stadtmuseum in der inneren Burg

Bad Mergentheim Deutschordenskreuz KircheTatzenkreuz des Ordo Teutonicus (OT)

In Bad Mergentheim ist die einstige Dominanz des Ordens überall zu sehen, zum einem wegen der erhaltenen Schlossburg (worin sich heute u.a. Ordensabzeichens, des sog. „Tatzenkreuz“ an unzähligen Häusern. In der Neuzeit und Gegenwart dient das Emblem auch für den Orden des Eisernen Kreuzes (EK), das 1813 bewusst in Anlehnung an das Wahrzeichen des Deutschordens entworfen wurde, und entsprechend als Abzeichen deutscher Armeen (Wehrmacht, Bundeswehr). Die damit vermittelte Kontinuität deutscher Kreuzritter des Hochmittelalters und heutiger Bundeswehr scheint zumindest letzterer plausibel zu sein, wie Stadtführungen für Bundeswehrsoldaten zu den Orten des Ordens in der Stadt illustrieren.

Bad Mergentheim Deutschorden Soldaten

Mit dem Ordo Teutonicus geht offenbar auch die Ansiedlung von Juden in Mergentheim einher, wenngleich das Vokabular in den Beschreibungen von Lokalhistorikern wie Prof. Franz Diehm (1963) der Eindruck erweckt wird, als handle es sich um eine Art Hundehaltung: „Einschneidend war das Jahr 1341, im Jahre nach der Stadterhebung. In diesem Jahr verleiht der Kaiser Ludwig von Landshut aus dem Deutschordenshaus in Mergentheim ein Judenprivileg, nach dem der Deutschorden hier fünf sesshafte Juden halten durfte mit all ihrem Hausgesinde und allen Rechten, Ehren. Diensten, bis ein Widerruf erfolgen würde. Dieser ist nicht erfolgt.

Die Stellungnahmen zur jüdischen Geschichte sind offenkundig auch in Bad Mergentheim reichlich mit Klischees beladen, und dies ganz im Stile verschärfter Bauernopfer, so to say.

Bad Mergentheim Hausfassade
Bad Mergentheim Turm Doppeladler

Einige der Hochmeister des Deutschordens legten offensicht großen Wert auf die Anwesenheit von Juden an ihrem kleinen Ort, der auch im 17. Jahrhundert nur etwa tausend Einwohner hatte. Die mittelalterliche Ansiedlung befand sich in und um die Judengasse herum, die heute den Namen „Holzapfelgasse“ trägt. Die Umbenennung erklärt sich wohl, dass es heute in Bad Mergentheim weit mehr Holzäpfel  als Juden gibt. Das schwankt wohl, weil es am Ort auch eine Reihe von Kurkliniken gibt, darunter auch die Klinik Hohenlohe oder die nach dem Berliner Arzt Christoph Wilhelm Hufeland (1762-1836) benannte ganzheitliche Klinik. Es ist gut vorstellbar, dass ähnlich wie in den böhmischen Heilbädern Marien-, Karls- und Franzensbad auch in Mergentheim, dass 1926 zu Bad Mergentheim wurde,  viele Juden als Ärzte und Patienten lebten.  Die jüdische Gemeinde wurde wie in anderen Orten auch in der Naziherrschaft zerstört, als sich friedliche Nachbarn zu brutalen Verbrechern wandelten. Die Synagoge blieb als Gebäude bestehen, wurde aber 1957 abgerissen. Heute befindet sich hier eine Schule, wo man eigenartiger Weise mit einem verdeutschtem Zitat des Baal Schem Tow aufwartet, dessen Weisheiten wohl sicher nicht im Kontext mit dem Abriss der Synagoge stehen.

Bad Mergentheim Memorial plate Synagogue

Bad Mergentheim Tauber ZeitungFortsetzung folgt …