Ausgrabungen beim Augsburger Stadttheater

August 15, 2017

Am Augsburger Stadttheater, wo auf der Westseite Wiese und Park im Lauf jahrelanger Bauarbeiten durch was auch immer ersetzt werden soll, haben die fürs Frühjahr terminierten Aushub-Arbeiten begonnen, die “der Archäologie” gewidmet sind, jener Disziplin, deren Stellenwert in Augsburg bekanntlich so relevant ist wie die Zeitung von vorgestern: “Das interessiert heut keinen mehr.”

However, falls was zu sehen ist, werden wir als direkte Nachbarn  es ab und an zufällig hin schauen und berichte. Zu sehen jedenfalls sind durch erste Ausgrabungen bereits weiter Reste der früheren Stadtmauern, deren Vorläufer vor über 700 Jahren von den Augsburger Juden errichtet wurden.


Spuren jüdischer Geschichte im mittelalterlichen Berlin

November 8, 2012

Video:

Ausgrabungen am “Großen Jüdenhof” in Berlin Mitte (Grunerstraße / Jüdenstraße beim Stadthaus). The voices in the background of the video belong to a German school class (prob. age 16) which attended the tower at the same time.

 

Berlin feierte in diesem Jahr seinen 775. Geburtstag. Das Datum bezieht sich auf die älteste bekannte Erwähnung bezieht sich auf einen Priester namens Symeon von Cölln (Köln) vom anderen Ufer der Spree. Der älteste urkundliche Beleg für den Ort Berlin selbst stammt erst aus dem Jahr 1244 und weitere sieben Jahre später, 1251 wird jenes Berlin auch erstmals als Stadt bezeichnet. Ein Siegel aus dem Jahr 1253 notiert den Namen sogar als Berlinburg. Erst im Jahre 1709 schließen sich Berlin und Kölln (die Schreibweisen variieren in den Jahrhunderten) zur gemeinesamen Stadt Berlin zusammen, die dann auch den Namen des bevölkerungsreicheren Teils annimmt.

Rekonstruktion von Altberlin und Cölln von Karl Friedrich von Klöden (1786-1856)

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/1e/Kl%C3%B6denplan-Berlin-K%C3%B6lln-Anfang-13tes-Jahrhundert.jpg

 

Eine Widmungstafel am Mauerrest in der Waisenstraße markiert einen „Rest der mittelalterlichen Berliner Stadtmauer“ (der eigentlichen Berliner Mauer sozusagen …):

Errichtet um 1250 – im 14. Jahrhundert ergänzt – die Stadtmauer umgab beide Stadtteile Berlin und Cölln – die noch vorhandenen Mauerteile wurden durch an An- und Umbauten verändert – im 17. Jahrhundert verstärkt durch Bastionen.

Um 1680 zwischen Stralauer Strasse und Klosterkirche durch Häuser ergänzt – seit 1924 befindet sich im Hause Waisenstrasse 16 die Gaststätte „Zur letzten Instanz“. Die 1963 restauriert und erweitert wurde.“

Eine jüdische Besiedlung Alt-Berlins ist am sog. Großen Jüdenhof (Jüdenstraße/ Grunerstraße) bereits im 13. Jahrhundert belegt, wo derzeit archäologische Grabungen unterwegs sind in der Hoffnung, dort Überreste des mittelalterlichen Eruws zu finden. Die Mehrzahl der Funde datieren aber in weit jüngere Zeit. Bis in die Neuzeit hinein war der Hof von 12 Häusern umgeben. Erst in der Zeit der DDR wurden die Bauten neben dem Stadthaus abgerissen und als Parkplatz benutzt. Die archäologischen Grabungen, die man von einem Aussichtsturm aus gut überblicken kann, liefern deshalb überwiegend auch Gemäuer aus dem 18. oder 19. Jahrhundert. Lediglich eine derzeit freigelegte Wand ist erkennbar mittelalterlich, wie auch die Grabungsleiterin gerne erklärt und dabei Auskunft darüber gibt, dass bislang keine plausiblen Indizien für die gesuchte Synagoge oder den offenbar noch stärker erhofften Fund einer mittelalterlichen Mikwe zum Vorschein kamen. Offenbar aber ist man diesbezüglich in Berlin dann aber doch etwas nüchterner als etwa in Erfurt …

Schenkt man der Beschreibung Glauben, hatten die Juden es nicht weit vom Judenhof (wo sie als autonome Selbstversorger wohl alles was sie zum Leben brauchten bereits hatten) zum Molkemarkt, um dort Kredite zu geben oder Geld zu wechseln, wahrscheinlich (- Molk = Melk = Milch -) gegen Milch oder Käse, die damalige Landeswährung von Alt-Berlin und Cölln, die bei unsachgemäßer (Be)Handlung schnell ranzig oder sauer werden konnte. Welch ein Glück, dass solche Beschreibungen heutzutage ohne Klischees auskommen …

Am Aussichtsturm beschreibt ein angeblich genauerer Übersichtsplan das Grabungsgelände. Daraus ergibt sich, dass der Bereich der länglich nach Südosten ausgerichteten Häuser 2,3 und 4 direkt am Stadthaus bislang nicht ausgegraben und untersucht wurden. Zwar ist aus dem Sachzusammenhang eher dort die Synagoge zu erwarten, doch … wie die Archäologen mitteilen, sind dort für Grabungen (zumindest bislang) keine weiteren Mittel bewilligt.

Remnant of a medieval house wall at the “Great Jews Court” in the heart of Berlin

 

Die erste bekannte Ansiedlung im alten Berlin bestand bis zur Ausweisung der Stadt im Jahre 1573. Zwischenzeitlich kam es wie andernorts auch gelegentlich zu Übergriffen auf die jüdische Gemeinde. Ohne dies relaitivieren zu wollen, ist es nicht verkehrt zu berücksichtigten, dass sich die Chrisen in allen Jahrhunderten gegenseitig noch weit mehr und grausameres zufügten. Im Sommer 1510 sollen aber nach einem Schauprozess vierzig Juden getötet worden sein (zehn weitere brachte man vorher schon um), weil ein Christ aussagte, er habe einem Juden eine „geweihte Hostie“ (was das nun ist, erklärt, wie wir gesehen haben das “Jüdische Museum in Berlin  *hüst*  wörtlich heißt es ja “Schlachtopfer”) verkauft, damit dieser selbige mit seinen anderen Judengenossen sie „schänden“ könne. Inwieweit solche “Berichte” (es kommendort natürlich auch der Toposvom geschlachteten Kind für die Matzen vor, während Beschreibungen der örtlichen jüdsichen Verhältnisse dürftig sind) authentisch sind, ist wie andernorts strittig. Aber vorausgesetzt wäre es eben vorausgesetzt. Als die Gemeinde 1573 ausgewiesen wurde hatte sie ihren Sitz mit der Synagoge offenbar in der heutigen Klosterstraße.

Immerhin erinnert heute an der Mollstraße 11 ein Denkmal an das Ereignis des Jahres 1510, bzw. an die Geschichte:

Dieser trägt sogar eine hebräische (!) Inschrift:

 

פו נקברו

עצמות הטהרים מתושבי קהלתנו הקדמוניה

ברלין

נהרגים והנשרפים על קדושת השם ביום יב אב

שנת ה’רע

ויצב מאיר בן ר אברהם סלומונסקי מצב הזאת

על משכבותם בשנת תרצ”ה לפק

Das heißt nun: „Hier sind die reinen Gebeine der Mitglieder unserer vorhergehenden Gemeinde Berlin, ermordet und verbrannt zur Heiligung des Gottes am 12. Aw 270. Meir ben Abraham Slomonski setzte dieses Denkmal im Jahr 675.“

Der 12. Aw (5)270 entspricht im christlichen Kalender dem 19. Juli 1510, das Jahr (5)695 dem christlichen Jahr 1935.

Der in Berlin geborene Meir (Martin) Salomonski (1881-1944) war von 1910 bis 1925 Rabbiner in Frankfurt an der Oder. 1911 erwarb er mit seiner Arbeit „Gemüseanbau in der Mischna“ seinen Doktortitel. Während des Ersten Weltkriegs war er Feldrabbiner und wurde dafür mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Ab 1925 war er Rabbiner der „Liberalen Synagoge“ in Berlin und in den Jahren 1939-1940 in der Neuen Synagoge Oranienburger Straße. Die von ihm gestiftete Tafel zur Erinnerung an die Ermordung der Menschen der jüdischen Gemeinde im Jahre 1510 wurde 1935 in der Lietzmannstraße, der späteren Gerlachstr. Aufgestellt. Heute befindet es sich etwas versetzt an der Mollstraße. Salomonski komponierte auch Orgelwerke für den Dienst in der Synagoge seiner Gemeinde. 1944 wurde er nach Auschwitz deportiert wo er am 16. Oktober starb.

1988 wurde der Tafel noch auf Deutsch zugefügt: „Im Jahre 1510 wurden 38 Berliner Juden wegen angeblicher Hostienschändung verbrannt. Ihre Gebeine sind hier bestattet.“

Ob nun tatsächlich am ersten oder jetzigen Standort des 1935 errichteten Denkmals im Jahr 1510 auf gerichtliche Anordnung verbrannte Juden bestattet wurden, ist nicht nachweisbar. Der Umstand, dass der Stifter des Denkmals selbst in Auschwitz umkam ist in diesem Zusammenhang natürlich zusätzlich tragisch-makaber, besagt dazu aber nichts.

Am fünfhundertsten Jahrestag legte der Kultursstaatsekretär Berlins einen Kranz an das Denkmal und forderte bei einer Rede zu “Toleranz” auf. Unklar blieb jedoch, ob nun endlich gegen die Täter ermittelt werden soll – so langsam wäre es an der Zeit!

 

* * *

 

Zeitgleich zur mittelalterlichen jüdischen Gemeinde in Alt-Berlin bestand eine weitere im heutigen Stadtteil Spandau. In der dortigen „Jüdenstrasse“ versucht eine etwas eigenartige Inschrift daran (?) zu erinnern:

Bis 1938 hieß diese Straße JÜDENSTRASSE, ob es sich dabei ursprünglich um Ghetto gehandelt hat oder ob von Anbeginn an diese Straße Mitbürger jüdischen und christlichen Glaubens nebeneinander lebten, verliert sich im Dunkeln der Spandauer Stadtgeschichte. Tatsache ist, dass es im Laufe der Geschichte in Spandau Judenverfolgungen gegeben hat.

Die Umbenennung der Jüdenstraße dokumentierte für alle erkennbar den dem Nationalsozialismus innewohnenden Rassenhass, der selbst äußerliche(n) Symbole jüdischen Glaubens ausmerzen wollte. Dieser Rassenhass bedeutete für unsere jüdischen Mitbürger den unausweichlichen Gang in die Gaskammern der Konzentrationslager und die fat völlige Vernichtung. Jeder von uns ist aufgerufen, diesen Teil der deutschen Geschichte nie zu vergessen und diese Unmenschlichkeit nie wieder zuzulassen.“

 

Die Inschrift besagt nichts über die mittelalterliche Geschichte der Juden in Spandau, die durchaus erwähnenswert wäre, schließlich befand sich in Spandau der jüdische Friedhof, der auch von den Juden aus Berlin benutzt wurde. Aber die mittelalterliche Geschichte der Juden „verliert sich im Dunkeln“ wie konstatiert wird. Dies scheint nicht weiter tragisch zu sein, da es scheinbar „Tatsache ist“, dass es in Spandau sowieso zu „Judenverfolgungen“ kam. Da „Judenverfolgung“ und „jüdische Geschichte“ offenbar als (weitgehend) synonyme Begriffe aufgefasst und vermittelt werden (sollen), ist das solcherart wohl auch schon wieder hinreichend erklärt. Diese Stilisierung findet ihre Fortsetzung in der Hypothese, der (zweifellos nicht von Juden erdachte) Name „Jüdenstraße“ sei ein – Zitat – „äußerliches Symbol jüdischen Glaubens“. Nicht minder schwülstig und leer ist das Gerede von „Mitbürgern jüdischen und christlichen Glaubens“ die im mittelalterlichen Spandau nebeneinander gelebt hätten. Es stellt sich die Frage, warum nun ein Miteinander ausgeschlossen werden muss. Schon das benachbarte Berliner Beispiel des Judenhofs (es gab zwei davon, weshalb der eine nun der Große J. heißt) zeigt aber bereits, dass es sich nicht um ein “Ghetto” im Sinne romantischer Antisemiten handelte, sondern um einen von Juden so gewünschten Eruv. Aber wer interessiert sich schon für die jüdische Perspektive jüdischer Geschichte?

* * *

Der mittelalterliche Friedhof in Spandau, seit 1314 urkundlich nachweisbar und als „Spandauer Judenkiwer“ (man vermutet eine Ableitung von hebr. קבר – kewer = Grab) bekannt, befand sich wie vermutet wird auf dem Gebiet Hasenmark genannten nördlich des alten Spandau. Eine Reihe der Grabsteine wurden von den Christen nach 1510 als Baumaterial missbraucht. Heute sind 75 bei verschiedenen Bauarbeiten gefundenen Steine und Fragmente im Keller der Bastion Königin in der Spandauer Zitadelle erhalten. Als ältestes Fundstück gilt der Grabstein des ר יונה בר דן (Rabbi Jona ben Rabbi Dan), bei dem offenbar nur glatte Flächen beschrieben wurden. Zu seinem Tod ist angegeben שהלך לעולמו בירח מרחשון ה לפרט, … der zu seiner Welt ging im Monat Marcheschwan, 5 nach der Zählung. Deutet man die (vollständige?) Angabe als Jahreszahl 5, d.h. als 5005, so entspricht das Datum etwa dem Oktober 1244. Ein weiterer Stein wurde einem ר בנימיו בר מרדכי (Rabbi Binjamin ben Rabbi Mardechai) gewidmet, der im am 27. Tamus des Jahres 44 (= 5044) starb, was nach christlichem Kalender dem 12. Juli 1284 entspräche. Ein anderer ist רבקה בת יהודה (Riwka bat Jehuda) gewidmet und stammt womöglich aus dem Jahr 104 (= 5504, bzw. 1344). Der jüngste Stein der Sammlung wird auf das Jahr 1474 datiert.

 

 

* * *

Von A nach B

Über mittelalterliche Juden aus Berlin ist abgesehen von nicht weiter systematisierten Grabsteinfragmenten und dort genannten Namen wenig bekannt. Ins mittelalterliche Augsburg führt eine Spur zu ר קלמן יוסף מי עיר קולין was wahrscheinlich als Cölln und nicht als Köln (קלן) zu verstehen ist, der im Jahre 1331 von dort kommend auch als Händler in Augsburg in Erscheinung trat. In jener Zeit war Brandenburg im Besitz des Wittelsbacher Kaisers Ludwig dem Bayer, der dort seinen Sohn als Herrscher einsetzte. Kaiser Ludwig hatte recht gute Beziehungen zu den Führern der jüdischen Gemeinde in Augsburg, die ihm immer wieder stattliche Summen liehen und ihn so erlaubten, sich in Szene zu setzen. Bei einer Gelegenheit verpfändete er dafür sogar seinen Sitz München. Es ist deshalb plausibel, dass Kalman Josef in diesem Zusammenhang von Berlin nach Augsburg kam, offenbar um von dort Waren, darunter auch Wein nach Berlin zu liefern. Ob es der einzige Zweck seines Aufenthaltes war, ist unklar, aber eine leichte Reise wird das damals nicht gewesen sein.

Auch die neuere Berliner Gemeinde hat Bezüge zum schwäbischen Judentum. Zu den ersten Juden, die 1670 der Einladung des Brandenburger Kurfürsten folgten gehörten Hirschel und Abraham Ries, die aus Wien kamen, aber wie der Name schon sagt, aus dem Ries stammten. Aus ihrer Ansiedlung und der ihrer Kollegen ging die größte jüdische Gemeinschaft hervor, die um das Jahr 1930 über 150.000 Menschen umfasste.

* * *

Quellen:

Michael Brocke – “Die hebräischen jüdischen Grabmale in Spandau 1244-1474“, in: Ausgrabungen in Berlin. Forschungen zur Ur- und Frühgeschichte, Berlin 9 (1994)

wikipedia

Besuch vor Ort

 


Augsburg lässt tief blicken

July 3, 2012

Augsburg – Gögginger Tor, Stadtmauer, Wehranlage und Brücke über den Graben, heute “Königsplatz” Baustelle

Weitere Ausgrabungen an der Baustelle des Königsplatzumbaus in Augsburg brachten umfassende Überreste der Mauer- und Brückenbefestigung hervor, die einstmals über den Graben stadtauswärts Richtung Göggingen und ins österreichische Pfersee führte.

Further diggings at Koenigsplatz construction site revealed more remnants of the wall and moat bridge of Augsburg’s medieval city fortification, what allows to study in some parts the techniques used at this time.

מער עקסקאַוויישאַנז בייַ קעניגספּלאַטז אין אַוגסבורג האָבן געפירט צו דער אנטדעקונג פון מער שריד פון די מיטטעלאַלטער סטאַדטמאַוער און בריק וואָס פון דאָ האט געפירט מעל החפיר

 די חפירה מאכט עס מעגלעך צו לערנען ווי אין פרייַערדיק זמן אַ ווערק פון דעם מין איז געווען געבויט

Gli scavi a Königsplatz in Augsburg ha rivelato i resti della fortificazione della città vecchia e il ponte sul fossato

 


Der Judenkirchhof – der letzte Friedhof der jüdischen Gemeinde im mittelalterlichen Augsburg

October 8, 2009

Obwohl der „Judenkirchhof“ bereits seit wenigstens 1298 urkundlich bezeugt ist und einige seiner Grabsteine und Fragmente erhalten geblieben sind, herrscht doch eine gewisse Konfusion darüber, wo genau er sich befunden hat. Der Friedhof wurde bereits 1455 zerstört, doch erst rund 60 Jahre später findet sich kartographisches Material zum Augsburger Stadtbild. Eine zeitgenössische Illustration des Friedhofs und seines Geländes existiert nicht. Die ältesten Darstellungen aus dem frühen 16. Jahrhundert zeigen deshalb auch nicht den Friedhof, sondern die in seiner Umgebung entstandene Befestigungsanlagen.

in larger parts established by Augsburg Jews

in larger parts established by Augsburg Jews

 Illustration der städtischen Befestigung vor 500 Jahren (source: Graphische Sammlung der Städtischen Kunstsammlungen Augsburg)

misrepresenting the medieval cemetery outside the city

misrepresenting the medieval cemetery outside the city

Die Abbildung zeigt links neben der Brücke des Klinkertores die kleine vorgelagerte Mauer mit den Beschriftungen „Judenturm“ und „Judenkirchhof“ vor der „haubtstatt“, der Hinrichtungsstätte. Hinten sieht man die imposanten Türme der Stadtbefestigung.

Der kurz darauf entstandene Seld-Plan von 1521 erlaubt uns jedoch einen Blick ins Innere der Stadt. Das der Stadtbefestigung vorgelagerte, gerundete Mauerwerk mit dem kleinen Turm darin finden wir hier in relativ identischer Form vor. Hinter den beiden hoch aufragenden Türmen mit roten Kuppen sehen wir nun aber einen größeren, etwa quadratischen scheinbar leeren Hof, den wir als Platz des Friedhofs in Betracht ziehen müssen, zumal hier 1891 bei den Bauarbeiten zur Errichtung eines Gefängnisses Grabsteine gefunden wurden. Allen Anschein nach ist der heute im Lapidarium des Augsburger Maximilianmuseums erhaltene Grabsteinrest von R. Awraham bar Pinchas (der sich auch in den mittelalterlichen Steuerlisten der Stadt wiederfindet)  bei dieser Grabungsgelegenheit entdeckt worden, ebenso wie der Kalonymos-Stein, der hernach am neuen Friedhof an der Haunstetter Str. aufgestellt wurde. (siehe Beiträge vom August 2008) 

Nun deutet natürlich gar nichts darauf hin, dass der jüdische Friedhof wie auf der Karte von 1514 behauptet, sozusagen als „Anbau“ der Stadtmauer vorgelagert war und sich außerhalb der Stadt befand. Das dort als Judenkirchhof bezeichnete Arial wurde in späteren Karten auch nicht mehr so bezeichnet, sondern als „Judenwall“. Der Name erinnerte zwar an den Judenfriedhof in diesem Gebiet, stellte ihn aber nicht dar. Das Gelände des späteren, außerstädtischen Judenwalls wäre für einen Friedhof der Judengemeinde in der Dauer von mindestens 150 Jahren auch viel zu klein gewesen, umfasste es bei gerundeten Ausmaßen von 100 auf 80 und 45 Meter sodann ja nur eine Fläche von etwa 1750 m².

Tatsächlich handelt es sich bei dem vorgelagerten Befestigungswerk nicht um die Mauer des Judenkirchhofs, sondern um einen Ravelin, eine von zahlreichen Befestigungsanlagen, wie es sie an vielen prominenten Stellen außerhalb der Stadtmauer gab. 

those were the days ...

those were the days ...

The position of the last cemetery of medieval Jews in Augsburg until today  frequently is confused with a fortification  that of course was built  much later outside the city – but for tactical or safety reasons was bearing the old name “Judenwall”. The cemetery of course was inside (the finding of fragments in 1891 admit no doubt …) the city behind a fortification wall which was established by the Jews of Augsburg 1298 – 1301 as provided in a contract between the leaders of the Jewish Community and the heads of the Free Imperial City of Augsburg in August 1298.