“Tipsiles und die Erfindung des Schießpulvers”

September 13, 2017

Artikel von Alexander Rupflin in der heutigen “Augsburger Allgemeinen” unter Berufung auf unsere Webseite:

Tipsiles und die Erfindung des Schießpulvers

-“Wie der Mann mit dem grünen Turban die Stadt Augsburg vor Feinden gerettet haben soll” (Serie “55 rätselhafte Orte”, Teil 49)

Auf diesem Webblog des JHVA haben wir die Geschichte des “Tipsiles” und seine historischen Hintergründe erstmals 2009 ausführlich erzählt, also vor acht Jahren. 2011 führten diese ersten Berichte zu einer Kontroverse mit der sich sogar der Augsburger Stadtrat befasste. Dabei ging es um die damals geplante Umbenennung des Pulvergäßchens. Mit Berufung auf unsere Tipsiles-Geschichte blieb der alte historische Name erhalten.

Es hat auch zumindest zwei Autoren zu eigenen literarischen Werken inspiriert:

Peter Dempf – Das Geheimnis des Tipsiles (Kinderbuch) (September 2013)

Michael Peters – Donnerkaut – das Geheimnis des Juden Typsiles (Roman) (November 2014)

 

 

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Mark Twain: “Münchens beste Zeitung kommt aus Augsburg”

September 22, 2016

mark-twain-1871-wikipedia

Wenn man einen Münchner Bürger fragt, welches die beste Münchner Tageszeitung sei, wir er einem unweigerlich antworten, dass es nur eine einzige gute Münchner Tageszeitung gäbe, und dass sie in Augsburg erscheine. Das ist ungefähr so, als würde man sagen, die beste New Yorker Zeitung erscheine irgendwo draußen in New Jersey.“

(Mark Twain in München 1879, zitiert aus Michael Klein – Mark Twain in Bayern, Erzählungen, Reiseberichte, Briefe)

According to Mark Twain, who live some months in Munich, the best Munich paper was from Augsburg.


Henry Landman

January 6, 2015

Zum Tod von Henry Landman (Heinz Landmann), einem der letzten Überlebenden der jüdischen Vorkriegsgemeinde in Augsburg, der 1920 in Augsburg geboren wurde, 1938 emigrierte und 1945 als US-Soldat in seine Heimatstadt zurückkam, erschien in der “Augsburger Allgemeinen” ein Nachruf von Gernot Römer:

http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Im-Herzen-blieb-er-Schwabe-id32517767.html

Augsburg Königsplatz LEW Judenstern

Judenstern (magen david) über dem LEW Gebäude am Königsplatz (Ecke Halder- und Schaezlerstr.) Augsburg

ברוך דיין האמת

 

 


Wie die christliche Taufe ihre Wirkung verlor

June 4, 2013

Als vor etwa 170 Jahren die Bestrebungen zur rechtlichen Gleichstellung der Juden in den damals noch zerteilten deutschen Landen und Kleinstaaten ernsthafter erwogen wurde und die Rheinprovinz zugunsten der Gleichstellung der Juden votierte, stellte sich die „Augsburger Allgemeinen Zeitung“ (A.A.Z.) , eine von 1807 bis 1882 im gesamten deutschsprachigen Raum und darüber hinaus sehr beachtete Zeitung, mit zahlreichen Artikeln und Berichten ihrer Korrespondenten entschieden gegen eine Emanzipation der Juden. Immer wieder brachte sie spöttische, rassistische Beiträge, die Klischees über Juden und jüdische Gemeinden schaffen oder bestätigen sollten, sonst aber keinen eigentlichen Nachrichtenwert hatten. Mal waren es „Verhältnisse in Polen“, dann „Zustände in Frankfurt am Main“, allgemeine Erwägungen, die scheinbar auf alle Juden gleichermaßen zutrafen oder es kamen Hassprediger zu Wort, die Wirkung Taufe in Abrede, die zuvor als Missionsauftrag dem Christentum innewohnte und so nun dem reinen Rassismus die Tür öffnete. Da Häufigkeit und Tendenz sehr augenfällig waren und mitunter an den wenige Jahre zuvor in Augsburg erschienenen „Ahasverus“ erinnerte, nahmen in jener Zeit auch jüdische Wochenschriften wiederholt zu entsprechenden Beiträgen der Augsburger Allgemeinen Stellung. So beispielsweise „Der Orient“ vom 19. Dezember 1843 (Heft 51, S. 402 f.) . Die Anrede der Zeitung als „Augsburgerin“ gebrauchte zur selben Zeit übrigens auch Karl Marx, der wie Friedrich Engels und Heinrich Heine zeitweilig für das Blatt schrieb.

Hochwasser August 2005 Wertach Augsburg Oberhausen

„Vom Rhein – 1. Dez. – Wer kennt nicht jene politische Marketenderin, die mit ihrem geist- und saftlosen Zeitungskram herumschwärmt in allen Ecken und Enden, wo es was abzusetzen gibt, da jene Dienstmagd des sogenannten gemäßigten Fortschritts, jene politische Hebamme, die von den modernen Pharaonen dazu bestellt scheint, die Zeit, so oft sie ideen- und tatenschwanger einherschreitet, genau zu bewachen, und jedem neugeborenen männlichen Kinde, jeder großen, Humanität atmenden Idee, in dem Schlamm und in dem Wasser ihrer Zeitungsartikel den Garaus zu machen. Wie die Augsburgerin sich auf diese Mission versteht, werden wir bald sehen. Da Deutschland sich in neuerer Zeit die Augen zu reiben anfängt, so ist es ganz natürlich, dass es unter den Gegenständen der Außenwelt auch das Judentum wahrnimmt. Es ließe sich sehr leicht aus der Geschichte beweisen, dass jedes Volk, so oft es zu sehen, d.h. geistig zu sehen anfing, sich zugleich aufgefordert fühlte, die Juden aus der Schmach ihrer Knechtschaft zu reißen und ihnen das Licht des Rechts und der Freiheit zu gönnen; denn wer frei ist, und um sich herum dennoch den Druck mit ansehen kann, in dem ist die Freiheit noch nicht lebendig geworden, sie ging in sein Fleisch und Blut nicht über. Ein Teil der deutschen Nation will nun die große Idee der Emanzipation zur Wahrheit machen; – siehe da veröffentlicht die Augsburgerin Zeitungsartikel folge einer höheren Weisung, die Alles sanktioniert, was gegen die Judenfrage geschrieben werde; sei es noch so plump, noch so unwahr, noch so unlogisch.

Und so stieß zuerst von Mainz aus ein Anti-Emanzipations-Apostel in die Trompete (A. Z. Nr. 311) „Es ist Ihnen vor einiger Zeit gemeldet worden, dass die in den Rheinprovinzen von den Ständen zu Gunsten der Juden entschiedene Emanzipationsfrage auch bei uns die völlige Beseitigung der zwischen Christen und Juden durch die transitorische Legislatur des Kaiserreichs nach begründeten Rechtsungleichheiten angeregt habe.“ Die Augsburgerin erblasste, als ihr diese Nachricht zukam, und da ihre Korrespondenten den Tod und das Jüngste Gericht zu fürchten haben, weil sie dann von ihren  von ihren Unverschämtheiten und servilen Gesinnungen werden Rechenschaft ablegen müssen, so spricht der Mainzer Apostel in all seiner Liebe zu der Augsburgerin besänftigend, beruhigend weiter: „Dessen ungeachtet würde man irren, wenn man voraussetzte, dass der Unterschied zwischen Christ und Jude so ganz verlöscht sei, dass der Jude dem Christen als gleichberechtigt erschiene. Die Augsburgerin lächelte zwar ob dieser Beruhigung wieder selbstgefällig, allein was geht uns das Lächeln der Augsburgerin an? – Darum muss sich die Frankfurter Börse kümmern; wir sagen dass in den obigen Worten ein Unsinn liegt; da wir über die Zeitungsartikel der Augsburger Allgemeinen Zeitung (A. A. Z.) unbefangener als sie selbst urteilen können. Denn würde der Jude dem Christen als gleichberechtigt erscheinen, so hätten die Juden gewonnenes Spiel, und es gäbe keinen Kampf und keine Mainzer Apostelpredigten mehr! – Ferner heißt es: „Dies ist so wenig wahr, dass selbst die von dem Gouvernement einige Mal versuchte (wie vorsichtig!) Erhebung von getauften Juden zu höheren öffentlichen Ämtern, die entschiedenste Missbilligung im öffentlichen Urteile (sic !) erfahren hat.“ Also taugen die getauften Juden auch nichts! O Christentum wie tief bist du gesunken, wie sehr wirst du selbst von deinen Bekennern verraten! In den heiligen Schoß der alleinseligmachenden nimmt man den Juden auf, aber eines Amtes hält man ihn, wenn auch getauft, also Christ geworden, für unfähig. Und warum? Etwa deshalb weil er eine christliche Gesinnung angenommen hat? Hören wir, wie der Mainzer Apostel auf diese Frage antwortet: „indem man“, sagt er, „ in dem Übertritt höchstens den Gewinn der künftigen Generation für das Christentum erblickt, die Neuchristen aber sämtlich nach Gesinnung-, Denk- und Handlungsweise fortwährend für Juden hält, und hierin auch die Erfahrung für sich hat.“ Wir wissen wahrlich nicht, ob wir über dieses Geschwätz uns ärgern oder lachen sollen. Das ist ja eben der Krebsschaden unserer Zeit, dass man es wagen darf, das Kastensystem auch auf die Gesinnung auszudehnen. Es gibt nur eine Gesinnung, und die ist nicht jüdisch und nicht christlich, sie ist menschlich; eine Denkweise, die Beachtung verdient, und die ist die vernünftige; – eine Handlungsweise, und die ist weder christlich noch jüdisch – sondern edel und Gemeingut. – Da aber der Mainzer Apostel diese Dreieinigkeit nicht zu bekennen scheint – denn sonst könnte er nicht gegen die Emanzipation schreiben – so wollen wir nicht länger mit ihm rechten. Ich will die Schranke zwischen mir und ihm ziehen, und die ist nicht die „Nationalität“, wie er meint; sondern die Nationalität die mir gebietet, mit Verachtung auf Gesinnungen herabzusehen, die nur dann am wenigsten strafbar sein können, wenn sie erheuchelt wären. – Noch ist nicht aller Tage Abend. Wer weiß, ob sich nicht die Augsburgerin eines Tages gemütlich niederlegt, einen gemäßigt fortschreitenden, konservativen Schlaf schläft, von Franzossenfresserei und Judenverfolgung träumt, und wenn sie aufwacht – die Juden emanzipiert findet. Und sie wird ihre Kleider zerreißen und Asche auf ihr Haupt streuen, und wird Artikel aus Mainz drucken lassen, welche die Schranke zwischen Jud und Christ erörtern werden – Aber alles umsonst – die Zeit wird antworten:

Emanzipation ist ein Gedanke und dieser kennt keine Schranke.“

Anmerkung: Die heutige “Augsburger Allgemeine” existiert unter diesem Namen erst seit 1959 und war zuvor von 1945 als “Schwäbische Landeszeitung” erschienen)


Artikel: “Die Banknoten-Affäre”

March 11, 2013

* * *

Buchbesprechung von Angela Bachmair in der “Augsburger Allgemeinen” (7. März 2013, Feuilleton Regional, S. 34):

Augsburger Allgemeine Banknoten Affäre Judenkirchhof Ber Ulmo Shenef

http://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/Die-Banknoten-Affaere-id24343926.html

Tage des Gerichts – Der Bericht des Ber Ulmo aus Pfersee – übersetzt und kommentiert von Yehuda Shenef

Kokavim-Verlag 2012, ISBN 978-3-944092-00-3

152 Seiten, 24,50 €

 

Yehuda Shenef: Der Augsburger Judenkirchhof – Zur Geschichte und zu den Überresten des mittelalterlichen jüdischen Friedhofs in der Reichsstadt Augsburg

Kokavim-Verlag, 2013, ISBN: 978-3-944092-01-0

176 Seiten,29.50 €

erhältlich bei info@sol-service.de

Tel: 08252/ 88 14 80 / Fax: 08252 / 88 14 829

und im Buchhandel


„ Es gibt keinen schöneren Flecken“

July 23, 2009

Artikel der “Augsburger Allgemeinen”, 1999:

 

„ Es gibt keinen schöneren Flecken“

 

Maria Felber betreut seit 50 Jahren des jüdischen Friedhof in Kriegshaber

 

Sie lebt an einen ungewöhnlichen Ort, kann sich aber nicht vorstellen, jemals mehr umzuziehen. „Ich werde hier gebraucht“, sagt Maria Felber. Seit 50 Jahren betreut sie den jüdischen Friedhof in Kriegshaber, Das Wärterhäuschen, in dem ihre vier Kinder groß wurden, stammt aus dem Jahr 1802.

 

„Gräber sind tabu“, war eine der ersten Lektionen, die die Felberschen Kinder mit auf den Weg bekommen haben. „Und die haben gehorcht“, erzählt Maria Felber mit einem Lächeln. Die gebürtige Pferseerin heiratete 1949 den Sohn des damaligen Friedhofswärters und zog auf das 100 x 150 Meter große Areal in Kriegshaber. Vier Kinder wurden in den nächsten Jahren geboren. Seit 1989 hat Sohn Hermann die Aufgaben seines verstorbenen Vaters übernommen und ist heute der offizielle Friedhofswärter an der Hooverstraße. Mit seiner Mutter gemeinsam lebt er in dem kleinen Steinhäuschen aus dem Jahr 1802 mitten auf dem Gottesacker.

„Ich war immer mehr Hausfrau und Mutter“, erzählt die heute 76jährige und lässt den Blick über das weite Grün schweifen. Die Gräber und die Geschichten der jüdischen Bürger in Kriegshaber haben sie nur am Rande interessiert. Doch an die vielen ausländischen Besucher, die besonders nach dem Krieg an der Pforte des Friedhofs läuteten, kann sie sich noch gut erinnern.

Seit den 50er Jahren ist der Friedhof aufgelassen, es finden keine Beerdigungen mehr statt. Die letzten Begräbnisse hat Maria Felber als junge Frau noch miterlebt. Sehr gut erinnert sie sich auch an die Erzählungen ihrer Schwiegermutter. „Damals wurde im unteren Teil des Hauses noch Totenwache gehalten, auch wurden die Toten im Haus für das Begräbnis vorbereitet.

Die Geschichte des jüdischen Friedhofs in Kriegshaber ist lang und beginnt um das Jahr 1627 im Dreißigjährigen Krieg. Damals wurden die Juden aus Burgau ausgewiesen und deren Friedhof dort wegen Seuchengefahr geschlossen, sie kamen nach Kriegshaber. Mit der Zeit entwickelte sich die Stätte zu einem zentralen Friedhof für die umliegenden „Judendörfer“, wie die Nachbarorte Pfersee und Steppach damals genannt wurden. Will ihnen Augsburg das Territorialrecht verweigerte, mussten sie ihren Wohnsitz außerhalb suchen. Von hier konnten sie ihren Geschäften nachgehen. Bis 1816 wurden auch die Münchner Juden in Kriegshaber in Kriegshaber beigesetzt.

Heute sind viele Grabsteine verwittert, die Inschriften sind nicht mehr lesbar. Maria Felber führt durch die Reihe mit neueren Insignien. Dort stehen Namen wie Obermayer und Einstein. Carl von Obermayer (1811 – 1889) war Mitbegründer der Bayerischen Hypotheken und Wechselbank und Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde. Einsteins gibt es viele auf dem Gottesacker. Sie stammen alle aus einer reichen Viehhändler-Dynastie, die von Kriegshaber aus Handel bis an der Ammersee führte.

Am Eingang zum Friedhof prunkt ein steinernes Monument. Wie es entstanden ist, daran kann sich Maria Felber nicht erinnern. Ein Blick ins Geschichtsbuch hilft weiter. Amerikanische Soldaten errichteten nach dem Zweiten Weltkrieg ein Mahnmal aus umgestürzten und zerstörten Grabsteinen.

Der Friedhof lag nun mitten im Wohngebiet der Amerikaner. „Mit denen gab es nie Probleme“, erinnerst sich die 76jährige. Nach dem Abzug sind die sind die Häuser der Hooverstraße umgebaut, jetzt wohnen besonders kinderreiche Familien hier. „Die Kleinen trauen sich aber nicht an den Friedhof heran“ sagt Maria Felber. Aber sie wird aus der Entfernung beobachtet.

Einmal hat sich ein Bub aber doch ein Herz gefasst und gefragt, ob sie denn nicht Angst hätte und ob es da nicht spuken würde. „Nein“, hat Maria Felber gesagt, „es gibt keinen ruhigeren und schöneren Flecken“


Ein Friedhofswärter erinnert sich

July 22, 2009

Artikel der “Augsburger Allgemeinen”, ca. 1980:

 

Ein Friedhofswärter erinnert sich

 

Von der jüdischen Gemeinde blieb niemand zurück

 

Synagoge in Kriegshaber war bis zur „Kristallnacht“ eine Gebetsstätte

 

Das jahrzehntealte Sorgenkind der Stadt „die Synagoge in Kriegshaber“ ist aufgrund des AZ-Berichtes wieder in Gedächtnis der Verantwortlichen gerufen worden. Erster Schritt war das Bemühen des Liegenschatsamtes den sakralen Raum vom Gerümpel freizubekommen. Amtsleiter Georg Ertle konnte eine gütliche Einigung erzielen. Bis Anfang des nächsten Jahres sollen die alten Möbel, Kisten und Geräte ausgeräumt sein.

Eine Lösung wird im Zusammenhang mit einer neuen Eingangsmöglichkeit angestrebt. Das Hochbauamt prüft derzeit, ob von der Wohnung im Erdgeschoß aus ein neues Treppenhaus in den Synagogensaal führen kann. Solche Überlegungen sind notwendig, nachdem der gesamte frühere Eingangsbereich mit dem Portal an den Nachbarn verkauft worden ist., der nun die Synagoge durch eine Brandmauer von seinen Räumen abtrennen muß.

Bei seinen Besuch bei Oberbürgermeister Hans Breuner nahm auch der Generalkonservator des Landesamtes für Denkmalpflege, Dr. Michael Petzelt die Gelegenheit wahr, die Synagoge bei einer Besichtigungsrundfahrt in Augenschein zu nehmen. Er stelle noch einmal die Denkmalwürdigkeit des Gebäudes heraus.

Über die Benutzung des Gebäudes konnte der Wärter des jüdischen Friedhofs in Kriegshaber, Hermann Felber, noch einige Anmerkungen machen. Die Synagoge sei nicht, wie zunächst angekommen stillgelegt worden, nachdem der Neubau an der Halderstrasse entstanden sei. Vielmehr habe es in Augsburg zwei jüdische Gemeinden gegeben. Die Kriegshaber Juden –  etwa fünfzig Mitglieder stark – die bis zur Kristallnacht ihre Synagoge aufgesucht hatten, seien orthodox gewesen und hätten sich von der „liberaleren“ Stadtgemeinde unterschieden.

Von der gesamten jüdischen Gemeinde in Kriegshaber sei nur eine einzige Frau nach dem Krieg zurückgekehrt. Die jungen Leute seinen schon während der Hitlerzeit ausgewandert, die meisten später nach Israel, die älteren seinen in den Konzentrationslagern umgekommen. Das Verhältnis zu den Juden Kriegshabers schildert Hermann Felber als ausgesprochen gut. Selbst in der Nazizeit hätte die Bevölkerung zu den verfolgten Nachbarn gehalten, die stets ein hohes Ansehen genossen hätten.

Felber, dessen Vater schon seit 1927 den Judenfriedhof an der heutigen Hooverstraße bereute, hat einige der Toten, deren Gräber er heute pflegt noch persönlich gekannt. Auf dem Gottesacker der seit 1627 besteht wurde im Jahre 1802 ein Armenhaus errichtet, das heute als Wohnhaus des Friedhofswärters dient.

Hin und wieder melden sich Besucher aus Israel, Südafrika, Amerika und Österreich an, die nach den Gräbern ihrer Eltern oder Großeltern forschen. Einige von ihnen wollten auch die Synagoge in Kriegshaber sehen und waren bitter enttäuscht von dem Zustand, in dem sich diese Stätte des Gebetes heute befindet.