Kupfer, das Gold der Armen

December 31, 2017

Vor einhundert Jahren:

„In sehr starker Weise zogen die Antisemiten neuerdings gegen die AUGSBURGER GEMEINDE los, indem sie dieser den Vorwurf machten, sie habe sich geweigert, das Kupferdach der neuerbauten Synagoge auszuliefern. Wie wenig begründet diese Vorwürfe sind, erweist eine ausführliche Erklärung des Vorstandes der Augsburger Gemeinde, die in dem „Gemeindeboten“ Nr. 52 abgedruckt worden ist. Aus diesem Grunde dürfen wir auf eine Wiederholung dieser Erklärung verzichten, wir wollten es aber doch bei der Wichtigkeit der Sache und bei der hier zutage getretenen besonderen Perfidie unserer Gegner nicht unterlassen, auch an dieser Stelle auf diesen Einzelfall hinzuweisen.“

Allgemeine Zeitung des Judentums“, Heft 1, vom 4. Januar 1918, Seite 4

גג נחושת מבית הכנסת אוגסבורג עם אריה

Hundred years ago: The Jews of Augsburg were accused by local anti-Semites they would not deliver the copper roof of their newly inaugurated synagogue to the metal collection, apparently essential to the war effort of the Reich. Although the copper in fact was donated, the war was lost nine months later.

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Augsburg gegen Antisemitismus

August 20, 2017

filmed by Yehuda Shenef, August 8, 2014 Synagoge Augsburg, Innenhof

Mayor Kurt Gribl, Rabbi Dr. Henry Brandt, Israeli consul general Dan Shaham, head of Jewish community Alexander Mazo


Neuauflage: Mord am Lech

August 15, 2017

Mord 2. Auflage: Mord am Lech

NEU

ein jüdisch-bayerischer Kriminalfall aus dem Jahr 1862

Paperback

264 Seiten, 16 Euro

ISBN: 978-3-7448-9364-0

Erscheinungsdatum: 11.08.2017

 

The brutal murder case of young Jewish jeweller Ludwig Bach from Kriegshaber near Augsburg in 1862 in historical documents. The books dips into the complex almost inescapable circumstances of the victim and the perpetrator who tried to save his skin with crude antisemitism.


Luthers Judenhass heute oder: Warum die meisten Antisemiten glauben keine Antisemiten zu sein

July 31, 2017

Am gestrigen Abend hielt Professor Gerhardt Stapelfeldt auf Einladung der DIG Hochschulgruppe Augsburg im historischen Annahof einen Vortrag der sich mit Fragen zum Judenhass des Reformators Martin Luther befasste.

Der 1947 in Hamburg geborene Stapelfeldt hatte Architektur, Soziologie, Philosophie, Politikwissenschaft und Psychologie studiert und promovierte 1978 über „Das Problem des Anfangs in der Kritik der politischen Ökonomie von Karl Marx“. 1997 habilitierte er über die „Kritik der ökonomischen Rationalität“. Wenig verwunderlich war Stapelfeldts Interpretation des Hasses Luthers auf die Juden dann auch von wirtschaftlichen Kriterien bestimmt: Das Wirken Luthers zu Beginn des 16. Jahrhunderts war davon geprägt, dass Deutschland im Zuge der Entdeckung Amerikas geopolitisch ins Hintertreffen geriet und wirtschaftlich abgehängt wurde. Luthers Konsequenz daraus richtete das Christentum gegen den in die Irre führenden wirtschaftlichen Fortschritt, gegen weltliches, kapitalistisches Streben, gegen Zins und Wucher, ständiges Horten von Geld und Besitz. Für all dies standen nach Luthers Urteil insbesondere die Juden, deren Geschäftstüchtigkeit darauf beruhen sollte, durch Handel und Zwischenhandel zum eigenem Vorteil Waren zu verteuern und im Volk schimpfliche Bedürfnisse zu wecken. Gemäß Luther waren die Juden „das teuflische Volk schlechthin“, was er auch an ihrer Betonung der leiblichen Abstammung aufzeigen wollte. Diese entlarvte sie jedoch als „diesseitig“ und so standen sie im Gegensatz zu der von ihnen missachteten „Geistigkeit“ des einzig wahren christlichen Glaubens, der sich in idealer Weise von weltlichen Freuden und Besitz abwenden sollte. Der entstehende Handelskapitalismus sei mit Luthers Standpunkten nicht vereinbar gewesen.

Was nun aber den Antisemitismus als solchen betrifft, so erläuterte Professor Stapelfeldt seinen gut 30 Zuhörern, dieser sei „grundsätzlich irrational“ und nicht aus dem Judentum zu erklären („Das wäre dann wirklich antisemitisch“). Das sei schon daran zu erkennen, dass es Antisemitismus auch da gebe, wo es keine Juden gibt. Psychologisch gedeutet seien Antisemiten meist Sadomasochisten, die für die Selbstunterdrückung ihrer Leiden Juden unbewusst als Sündenböcke benutzten. So strebten sie dann auch gar nicht nach der Abschaffung der Unterdrückung, sondern nach deren Verallgemeinerung. Passend dazu sah Stapelfeldt dann aber Luthers Judenhass selbst nun auch im Kontext von dessen Abneigung gegenüber aufständischen Bauern oder den Türken.

Wie Luther hat sich auch der Dozent nicht wirklich, bzw. nur in der distanzierten Außenperspektive mit dem Judentum und seiner Geschichte in Deutschland befasst. So vertrat auch er die oft kolportierte und nichts desto trotz irrige Auffassung, mittelalterlichen Juden sei ausschließlich Geldhandel erlaubt gewesen. Dies lässt sich mit einem beliebigen Blick in vorhandene Steuerlisten wiederlegen, tradiert aber bis in unsere Tage ein liebgewonnenes Fehlurteil über „die Juden“. Doch wenn die Trugschlüsse gerade von jenen weiterverbreitet und bestätigt werden, die auftreten wollen, ihnen entgegenzuwirken, wähnt man Sisyphos am Werk.

An anderer Stelle beanstandete der Soziologieprofessor Luthers grundsätzliche Art zum Beweis der Richtigkeit eigener Standpunkte immer wieder die Bibel als Quelle anzuführen, etwas heute natürlich „nicht mehr üblich“ sei. Damit sollte wohl auch an die zeitliche Distanz von 500 Jahren angespielt sein und an veränderte Ansichten. Zugleich ignoriert der Professor damit jedoch die für jegliches Verständnis des Judentums entscheidende Tatsache, dass es die Berufung auf Gottes Wort wesentlich ausgeprägter und konsequenter als im Christentum befolgt. Am umfassenden Anspruch des Judentums jegliche Argumentation aus Tora und Talmud zu begründen hat sich auch bis heute nichts geändert. Doch so wie Antisemitismus angeblich keine Juden benötige – wenn dem so wäre, gäbe es ihn auch in Ländern wie China, Indien oder vielleicht auch im untergegangenen Atlantis – benötigen virtuelle Fragen nach dem rechten Umgang mit Juden noch nicht mal oberflächliche Grundlagenkenntnis. Es reichen Klischees und tradierte Fehlurteile. Die kann man zitieren und widerlegen und schon hat man das erbauliche Gefühl aufgeklärter als die eigenen Vorfahren zu sein. Immerhin: Zufriedenstellende empirische Untersuchungen des Antisemitismus, existieren nach Auffassung des Gelehrten ebenso wenig wie eine verlässliche Größenordnung dieses „konstituierenden Elements der Moderne“.

Nach dem Vortrag hatten die Besucher Gelegenheit dem Redner Fragen zu seinem Vortragsthema zu stellen, was sich aber erwartbar nicht ergab. Stattdessen betonte schon die erste Zuhörerin, dass sie gar nicht verstehen könne, was mit Antisemitismus eigentlich gemeint sei, sei er ihr, die viele jüdische Freunde habe, ja noch nie im Leben begegnet, weder in ihrer rumänischen Heimat noch hier in Deutschland. Das passt vielleicht zu der Feststellung des Professors wonach die meisten Antisemiten sich selbst nicht als solche erkennen. Ganze 26.000 Personen gäbe es in diesem Land, die frank und frei zu gäben Juden zu hassen. Diese „viel zu niedrige Zahl“ habe eine Studie ermittelt. Die Zusatzfrage lautete, ob es denn Antisemitismus sei, wenn man die Politiker des Staates Israel kritisiere – der Klassiker des man wird doch wohl noch sagen dürfen. Nein, das sei natürlich kein Antisemitismus. Gut, man hätte auch antworten können, dass die letzten sieben Jahre bis letzten Mai mit Manib Younab der Vorsitzende des Lutherischen Weltbundes ein Palästinenser war, der wie Luther die Juden zum Teufel wünscht, aber was außer ernüchternder Gewissheit über eine gewisse Kontinuität wäre dabei gewonnen?

Ein weiterer Fragesteller, sah darin Parallelen zu einer anderen, ganz aktuell veröffentlichten Studie, die ergeben haben soll, dass auch beim Themenfeld “Populismus” kaum jemand davon ausginge, selbst dafür anfällig zu sein. Vielleicht liegt es an der schon zitierten Einsicht, dass Antisemiten eben nicht danach streben Unterdrückung abzuschaffen, sondern sie zu verallgemeinern. Zur letzten Wortmeldung jedenfalls würde es gut passen. Ein älterer Herr wollte am Ende von zweieinhalb Stunden Beschäftigung mit Fragen um Luthers Judenhass herum nun wissen, dass wenn „der Antisemitismus im Wesentlichen unbewusst sei, warum er dann strafbar sein sollte.“

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Fotos: Jakob Samoylowitsch


Buch: Humor, Wucher, Weltverschwörung

March 23, 2017

Das neue Buch ist soeben erschienen:

Humor Wucher Weltverschwörung Yehuda Shenef

Humor, Wucher, Weltverschwörung: Die geläufigsten Vorurteile gegenüber Juden und was es mit diesen auf sich hat

260 Seiten – 13.00 EURO   /  ISBN: 978-3-7431-8120-5

Wissen Sie,

  • was das Wort „deutsch“ eigentlich bedeutet?
    warum Jesus im Talmud nicht mal erwähnt wird?
    was es mit Hostienschändungen und Ritualmordlegenden auf sich hat?
    warum niemand Schweinemilch trinkt?
    warum Juden ihre Bar-Mitzwa im Alter von 13 Jahren feiern?
    was im Wörterbuch der Gebrüder Grimm als Judenbeeren, Judenkirschen oder Judenpech bezeichnet wurde?
    dass die Pfandgebühren mittelalterlicher jüdischer Geldhändler nicht höher waren als heute?
    welchen Ursprung der beliebte jüdische Humor hat?
    was genau nun eigentlich Antisemitismus ist?

 Die mitunter überraschenden Antworten auf diese und weitere Fragen finden sich im Buch.

 

erhältlich im Buchhandel, oder bei Amazon & Co., auch als E-book erhältlich

https://www.amazon.de/Humor-Wucher-Weltverschw%C3%B6rung-gel%C3%A4ufigsten-Voruteile/dp/3743181207/ref=sr_1_11?s=books&ie=UTF8&qid=1490307795&sr=1-11

 


Wie Antisemiten 2016 ((( Juden ))) öffentlich “kennzeichnen”

June 21, 2016

Seit einiger Zeit kursieren Gerüchte über Antisemiten (Nazis, Islamisten), die Namen von Juden in sog. “social networks” als jüdische kennzeichnen und zwar mit (((…))) drei Klammern vor und nach dem Namen des betreffenden, z.B. (((Jesus))).

brackets Jews Klammern Juden

http://www.br.de/puls/themen/welt/nazis-und-trump-anhaenger-trollen-juden-mit-drei-klammern-um-juedische-namen-100.html

http://www.bbc.com/news/technology-36459990


Proposal for EU label of Israeli settlement products

December 24, 2015

The EU (not all member states will follow) has deciced to label products from Jewish settlements in order not to mix them with Jewish … mmhm … Israeli products. There is a year long debate on whether this is a new method of anti-Semitism, consumer protection (which is not necessary even when products in PR China are made by slave laborer) and a number of other very important cracker barrel issues…

Many people around the world have in their mind yellow stars or Nazi activists brushing the Star of David on display windows of Jewish shops in 1930s when it comes to consider what it actually means to label Jews. Thus so far it is unknown what the label would be like.

Here comes a (somewhat topical) proposal:

produced in Israeli settlement EU label 2015produced in Jewish settlements

Die EU hat beschlossen, Produkte die aus jüdischen Siedlungen stammen künftig eigens zu kennzeichnen, weil die dem Verbraucherschutz dienen soll. Niemand soll “irrtümlich” Produkte kaufen “müssen”, die nicht in Israel selbst, sondern in den “Siedlungen” hergestellt wurden. Obwohl darüber seit langem diskutiert wurde, steht die Entscheidung (die nicht verbindlich ist für die einzelnen Mitgliedstaaten der EU – und einige haben sich auch schon klar dagegen ausgesprochen) nun fest, nicht jedoch, wie ein solches Label denn nun praktisch aussehen soll. Da vielen EU-Kritikern beim Thema Kennzeichnung von Juden nicht zuletzt die gelben Sterne der Nazis oder auf Schaufenster gepinselte Judensterne der 1930er in den Sinn kommen, ist man nach drei Jahren Debatte überaschend zögerlich, was nichts damit zu tun hat, dass der EU sonst völlig egal ist, wenn Waren für ihren Import und Export ggf. auch von Sklavenarbeitern hergestellt werden, Hauptsache billig. Gerade jene, die sich vehement für eine solche Ettikettierung einsetzetzten, beißen auf den Lippen, wenn es um konkrete Vorschläge geht. Das aktuelle Datum bietet diverse anReize …

product of Jewish settlement label - crossed unwantend: misleading Jewish labeling since that was actually Roman handiwork