Das Kupfer der Augsburger Synagoge

December 17, 2013

Synagoge Augsburg Kupfer Blech Dach LöweBlechdach der Augsburg Synagoge mit Löwe

Bericht aus der jüdischen Wochenschrift „Im Deutschen Reich“, Heft 1, 1918, S. 37, vom Januar 1918:

Das Kupfer für die Augsburger Synagoge. Die „Deutsche Volkswirtschaftliche Correspondenz“ hatte kürzlich die Mitteilung gebracht, nach einer Erklärung des israelitischen Vorstands in Augsburg sei diesem für den Neubau der inzwischen fertiggestellten Synagoge von der Militärverwaltung zur Verzierung der Verkrönung und des Dachs eine Menge von 18.6 Zentnern Kupfer bewilligt worden. In konservativen und antisemitischen Blättern darob großer Lärm. Nach Mitteilungen des Kriegsamts liegt dieser Nachricht folgender Sachverhalt zugrunde:

Da in Frage kommende Kupfer ist vor Ausbruch des Krieges beim Deutschen Kupferblech-Syndikat in Kassel bestellt worden. Die Lieferung des Kupferblechs erfolgte in den ersten Monaten nach Kriegsausbruch, als eine allgemeine Beschlagnahme aller Kupfervorräte noch nicht erfolgt war. Nach Angabe der den Bau ausführenden Firma wurde der Weiterbau der Kuppel auf ein Attest des Stadtmagistrats in Augsburg hin als Notstandsarbeit vollendet. Eine Freigabebescheinigung einer militärischen Behörde konnte von keinem der Beteiligten bis jetzt vorgelegt werden.

Inzwischen ist das Kupfer der Synagoge beschlagnahmt und enteignet worden. Die Ablieferung wird in kurzem erfolgen. Sie hat sich verzögert, weil die Beschaffung von Ersatzblechen erst jetzt möglich war. Außerdem hat die Augsburger Synagogen-Gemeinde der antisemitischen „Wahrheit“ aufgrund § 11 des Pressegesetzes eine Berichtigung geschickt, es sei erfunden und unwahr, dass der Synagogenvorstand sich geweigert habe, der Aufforderung zur Abgabe und Ablieferung des Kupferdaches nachzukommen. Vielmehr habe der Vorstand die freiwillige Ablieferung der Hauptmasse (3670 kg) sofort angemeldet und lediglich um Befreiung der Ablieferung von 932 kg, die zu kunstvollen Arbeiten der Bekrönung und Verzierung verwendet worden waren, ersucht.

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EU-Studie ermittelt wachsende Furcht vor Antisemitismus in Europa

November 8, 2013

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Antisemitismus in Europa

Die “Fundamental Rights Agency“ (FRA) der EU veröffentlichte heute zum 75. Jahrestag der sog. „Reichskristallnacht“ Ergebnisse ihrer Studie welche in verschiedenen Mitgliedsländern der EU ermitteln wollte, wie es aktuell um Juden und Antisemitismus bestellt ist.

Befragt wurde über 5800 Juden in Belgien, Deutschland, Frankreich, Ungarn, Italien, Frankreich, Lettland, Schweden und Groß Britannien.

Zu den Ergebnissen der Studie (siehe: http://fra.europa.eu/DVS/DVT/as2013.php) zählt, dass im Schnitt zwei Drittel der Befragten meinen, dass Antisemitismus in ihrem Land heute ein ernstes Problem (fairly big or big problem) in ihrem Land sei.

Da nun gibt es z.T. signifikante Unterschiede in der Wahrnehmung, fühlen sich doch 89 % der ungarischen Juden bedroht, 85 % der französischen und 77 % der belgischen, gegenüber 61 % der Deutschen und 60 der Italiener, bzw. Schweden. Relativ sicher, falls man das so sagen kann, fühlen sich dann nur die britischen Juden mit 48 und die lettischen mit 44 %, was nun faktisch aber immer noch fast jeden zweiten ausmacht. Jeweils höher fällt die Einschätzung aus, wenn es darum geht, eine Online-Variante des Antisemitismus als problematisch einzuschätzen. Den bemerken nun auch 64 % der Briten oder 67 % der Deutschen oder 87 der in Italien befragten Juden. In Frankreich und Ungarn registrieren in aber „nur“ 85 %, woraus man schließen könnte, dass dort der im sog. „real life“ wahrnehmbare Antisemitismus –anders als in Deutschland, Italien oder im UK online nicht mehr übertroffen wird.

Drei von vier Juden in der EU meinen, dass sich der Antisemitismus in Europa in den letzten fünf Jahren verschlimmert habe. Am ehesten in Ungarn, Frankreich, Schweden und Belgien (c. 90 %), aber auch in Deutschland sind 69 % dieser Ansicht.

Immerhin etwa 4 % der Befragten gaben an, in den letzten 12 Monaten aus antisemitischen Motiven körperlich bedroht oder angegriffen worden zu sein. Den höchsten Wert erreicht hier Belgien mit 7 %.

Etwas eigentümlich ist die Frage, ob man davon gehört hat, ob es im eigenem Land ein Gesetz gebe, das eine antisemitische Diskriminierung bei der Bewerbung um einen Arbeitsplatz verbiete. Nur 49 % der befragten  Juden in Deutschland bejahten dies, 31 % verneinten und 20 % konnten dazu keine Aussage treffen. Am sichersten waren sich übrigens die Briten, von denen 73 % wussten, dass es im Vereinigten Königreich ein Verbot solcher Diskriminierungen gibt.

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Schließlich wollten die Fragesteller noch wissen, ob man befürchte im nächsten Jahr (12 M.) körperlich angegriffen zu werden, weil man Jude ist. Immerhin 17 – 22 Prozent der Befragten in England, Schweden und Italien befürchten das gemäß der Umfrage.  In Deutschland und Ungarn geht sogar ein Drittel davon aus, im nächsten Jahr tätlich angegriffen zu werden, während in Belgien (54 % ) und Frankreich (60 %) das Verbandszeug wohl bereits in der Handtasche verstaut wird.

In Deutschland ist die Annahme mittels Gewalt angegriffen zu werden übrigens bei jungen Juden im Alter von 16 – 29 mit 38 % deutlich ausgeprägter als bei Personen im Alter über 60, bei denen „nur“  28 % erwarten demnächst als Jude angegriffen zu werden.

Der angenommene Gefährdungsgrad steigt der Studie gemäß mit dem Grad der “Religiosität”. Zugrunde lag wohl eine Selbsteinschätzung auf einer Skala von 1 (am niedrigsten) bis 10 (am höchsten), was wohl nicht der letzte Weisheitssschluss der Empirik ist.

Leute die meinen nicht oder nur wenig ausgeprägt religiös zu sein (1-3), sahen sich zu 27 % gefährdet, im nächsten Jahr Opfer eines persönlichen, antisemitischen Angriffs zu werden. Von der Mittelklasse (4-6 auf der Skala) schafften es schon 36 % sich zu ängstigen, während jene, die sich auf der Skala mit 8-10 einstuften zu 59 % davon ausgingen demnächst angegriffen zu werden. Interessanter Weise sahen sich nur 28 % der Gruppe der “8-10” „Religiösen“ auf der britischen Insel entsprechend gefährdet.

Als Kriterium für „Religiosität“ wurde übrigens angenommen, dass man als Jude erkennbar ist, etwa durch das Tragen einer Kippa oder eines Magen David als Halskette (wenn schon nicht auf dem Revers). Wenn das nicht alles erklärt? Je länger die Kette, um so größer die Gefahr.

Ebenso merkwürdig – oder zeittypisch – ist der Befund, dass weitaus mehr befragte Juden Angst vor Antisemitismus im Internet haben als vor Friedhofsschändungen. Das sind Prioritäten, die man eher als beängstigend einstufen sollte. In Deutschland dachten dies 67 gegenüber 46 %. In Ungarn und Frankreich liegen die Werte etwa gleichauf.

Die genauen Einzelergebnisse der Studie sind mehrsprachig abrufbar, wobei man grafisch und tabellarisch aufbereitet Gesamt- und Einzelwerte vergleichen kann, etc.

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Was soll man nun davon halten? Die Schlagzeilen aller berichtenden Medien vermelden heute, dass „die Juden sich vor wachsendem Antisemitismus fürchten“, europaweit. Na dann.

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Über die Auswahl der Befragten ist näher nichts zu erfahren, außer:

… dass von den 5847 Juden nach Angabe der EU-FRA 1469 im UK leben, 1192 in Frankreich, 810 in Schweden, 649 in Italien, 608 in Deutschland, 528 in Ungarn, 438 in Belgien und 154 in Lettland, womit angeblich „90 %“ der Juden in der EU repräsentativ repräsentiert seien. Netter Versuch.

In Schweden leben nach amtlichen Angeben derzeit etwa 7.500 Juden (Tendenz sinkend), in Deutschland wurden zuletzt etwa 115.000 registriert.  Wenn nun aber die Zahl der Juden in Deutschland etwa 15 mal so hoch ist wie die der Juden in Schweden, wie kann man dann meinen, eine repräsentative Umfrage zu bekommen, wenn man 810 Juden in Schweden befragt und nur 608 in Deutschland? Nicht nur ist das Verhältnis der schwedischen und deutschen Juden völlig disproportional für ihren Anteil „in Europa“, auch die Gewichtung innerhalb des eigenen Landes ist völlig willkürlich. In Schweden wurden mit 810 von demnach über zehn Prozent der dort lebenden Juden befragt, in Deutschland mit 610 von 115.000 lediglich ein halbes Prozent.

Das soll nicht heißen, dass es keinen Antisemitismus in Europa, der EU, oder in den einzelnen Staaten wie auch in Deutschland gibt. Den gibt es gewiss, zum einem aus der islamischen Welt importiert und hofiert, zum anderen mehr oder minder gut getarnt als “Israel-Kritik” und besonders virulent von Leuten artikuliert, deren Zynismus sonst so ziemlich alles auf der Welt herzlich egal ist.

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Aber welchen Sinn ergibt es, Ergebnisse dieser Art zu quantifizieren? Ganz abgesehen davon, dass die Art der Fragestellungen und der damit einhergehenden Erwartungshaltungen gelinde gesagt manipulativ sind?

Wahrscheinlich will man damit sagen, man nimmt das “Thema Antisemitismus” sehr, sehr ernst, um bei der nächsten (längst vorbereiteten) Gelegenheit wieder verbal gegen Israel vom Leder ziehen zu können ..?

However. Zum Abschluss ein eher schwammiges Grußwort bezüglich der „Damons (?) of the past“, das bislang nur erst 11 mal aufgerufen wurde. Es stammt von Martin Schulz, dem Präsidenten des Europaparlaments:

 


1933: “Verfolgung des Zionismus in Deutschland”

June 18, 2013

Am Freitag, dem 16. Juni 1933 – also vor achtzig Jahren – stand in der Ausgabe 24  des Wochenmagazins „Der Jüdische Arbeiter, Organ der zionistisch-sozialistischen Arbeiterorganisation Poale Zion – Hitachduth in Österreich“ folgende Kurzmeldung auf der Titelseite:

Nazi-Deutschland mordet und verfolgt: 300 Juden getötet, 3000 schwer misshandelt

Der katholische Schriftsteller M. Wilrams***, der in halbamtlicher Funktion als Mitglied des amerikanischen Komitees für die „Untersuchung der Rechte der Minderheiten in Deutschland“ Deutschland bereist hat, berichtet, er habe festgestellt, dass während der „nationalen Revolution“ nicht weniger als 300 Juden getötet und mindestens 3000 schwer verletzt wurden.“

Weitere Schlagzeilen auf der Titelseite tendieren in dieselbe Richtung: „Verfolgung des Zionismus in Deutschland“: „In den letzten Tagen hat die Regierung die Barbestände des Keren Hajessod und des Keren Hajemet beschlagnahmt. In der Redaktion der Berliner „Jüdischen Rundschau“ hat die politische Polizei eine Hausdurchsuchung vorgenommen und alle Exemplare der letzten Nummer beschlagnahmt.

Eine weitere Schlagzeile meldet kurz die „Auflösung jüdischer Studentenvereine“ oder dieses: „An der Breslauer Universitätsklinik hat die deutsche Studentenschaft ein Verbot gegen jeden Verkehr mit jüdischen Hochschülern erlassen“, schließlich: „Im Auftrag der Regierung von Sachsen ist ein Nazi zum Regierungskommissär der jüdischen Schule in Leipzig ernannt worden.  

Entwicklungen dieser Art ließen wollen binnen Tagen und Wochen nach der „Machtübernahme“ durch die Nazis keine wesentliche Zweifel daran, in welcher Richtung sich das Geschehen weiter entwickeln würde. Entsprechend titelte dann auch der Leitartikel „Macht geht vor Recht“ und befasste sich mit den internationalen Implikationen: „Der Traum ist ausgeträumt“ heißt es da desillusioniert: „Die ach so kurze Epoche, da wir hoffen durften, dass als Reaktion auf das vierjährige Völkerschlachten nunmehr eine Vermenschlichung der Völkerbeziehungen eintreten werde, ist beendet, und diese Hoffnung als trügerische Sinngebung des sinnlosen Krieges erwiesen. Was wir heute schaudernd miterleben, ist die Restauration im weitesten Sinne des Wortes, ja mehr noch: die Gewalt gewinnt unumschränktere Macht, als sie sie jemals gehabt hat.“

Die Juden Deutschlands sind Opfer eines Systems geworden, dessen nähere Charakterisierung unter den gegebenen Umständen unmöglich ist, sie sind außerhalb der Rechtsordnung gestellt, ihr Hab und Gut, ihre wohlerworbenen Rechte finden keinen Schutz seitens des deutschen Staates. Unsägliches Leid hat diese Rechtlosigkeit über jüdische Männer, Frauen und Kinder gebracht  – barbarischen Hohn der Machthaber ist die Begleitmusik dazu. Ein Appell an die rechtsstaatlichen Instanzen ist unmöglich …“  

Das deutsche Judentum, der geistig und politisch führende Teil der Weltjudenheit, ist an den Bettelstab gebracht, brot- und heimatlos in den Hauptstädten Europas irrend…“  

Kriegerdenkmal St. Ulrich Augsburg Das inzwischen “verschwundene” Kriegerdenkmal von St. Ulrich in Augsburg (2008)

*** gemeint ist der Tiroler katholische Theologe und Autor Anton Müller (1870-1939), der als „Bruder Willram“ bekannt wurde . Er war zweifelsfrei sowohl Rassist als auch Antisemit und galt als reaktionär und chauvinistisch, war aber andererseits auch kein „Nazi“ im parteipolitischen Sinne, obwohl er deren Blut-Ideologie teilte. Hitler & Co. waren ihm aber nicht katholisch genug. Wenngleich auch weitgehend vergessen, ist es zur Beurteilung der situation in den ersten Wochen und Monate der Nazi-Herrschaft durchaus denkwürdig, dass ein Antisemit zum einem als halbamtlicher Beobachter für eine amerikanische Kommission im Frühjahr 1933 Deutschland bereiste und beurteilte und zum anderen, dass ein “sozialitisch” – zionistisches Magazin ihn zitiert. Interessant ist freilich aber auch der von den Nazis geführte Kamf gegen den Zionismus, der schon in diesen frühen Phase klar erkennbar wird. Relevant ist dies achtzig Jahre später auch für usnere Zeit, wo einige wirre Köpfe meinen, sie könnten “antizionistisch” ohne Antisemit zu sein. Das immer noch gültige Beispiel der Nazis und ihrer von Beginn an ausgeübten Verbrechen spricht eine andere Sprache udnsollte uns dazu ermuntern Antisemiten auch klar als solche zu benennen.

Zionist postcard Bavaria 1912Bavarian / Austrian Zionist postcard about 1912

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Eighty years ago the Austrian Jewish paper “Der Juedische Arbeiter (the Jewish worker)” quotes a report by the Austrian RC autor Brother Willram (Anton Müller) who traveled on behalf of a semi-governmental US organization Germany in early 1933 in order to find out how the treatment of minorities was like. His report says that in the course of the so called “national revolution” – today in Germany frequently belittled as “Machtergreifung” (takeover) – at least 300 Jews were killed and more than 3000 seriously wounded. Other news from the same issue of the paper depict the savage persecution of Zionism by the Nazi even in the early stage of their rule.

However today pretends to be Anti-Zionist “only” but “for sure” not Anti-Semitic needs to know what already eighty years ago the example of German Nazism has told the world: So callecd Anti-Zionism actually is Antisemitism,  don’t let yourself be fooled.