Ansbach Synagogue

July 25, 2016

Former Synagogue of Ansbach (Franconia, near Nuremberg)

Ansbach (17)בתוך בית הכנסת לשעבר באנסבך


Synagoge in Ansbach

August 20, 2013

Synagoge Ansbach synagogue

Die 1746 eingeweihte Synagoge in der Reuterstr. in Ansbach ist nach Plänen des italienischen Architekten Leopoldo Retti (1704 – 1751) entstanden, der bereits seit 1717 mit seinen Brüdern in deutsche Landen kam und in Stuttgart noch recht jung an einer Infektion starb.

Das barocke Gebäude entging der Zerstörungswut der Nazi-Periode, jedoch wurden am wesentlichsten doch die Torarollen beseitigt und mit ihnen all jene die sie lesen konnten.

Da es bis heute aber „nur“ an den Betern und den Rollen fehlt, könnte das Gebäude vom musealen verhältnismäßig leicht den praktischen Zustand zurückfinden, erwiesen beispielsweise 1999 durch die Feier zur Bar Mitzwa des Enkels eines ehemaligen Soldaten.

Siehe http://www.synagoge-ansbach.de/geschichte/SynagogeAN_geschichte-9.pdf

synagoge Ansbach innenraum

Ansbach synagogue

Synagoge Ansbach Leuchter

Tora Vorhang parochet Synagoge Ansbach

Ansbach synagoge waschbecken

Synagoge Ansbach

Ansbach Synagoge Säule

Ansbach Synagoge Empore

Leuchter synagoge Ansbach

Synagoge Ansbach Deckenfenster

Synagoge Ansbach TeehausThe former synagogue of Ansbach just needs a minyan and a Tora, maybe also a cup of tea


שבת שלום אנסבך

August 16, 2013

In February our friend Angelika Brosig promised us to show us this summuer the old synagogue in her hometown Ansbach. Now we visited the lovely Franconian town without her.

Synagogue Ansbach

Synagoge Ansbach

שבת שלום אנסבך


Juden im bayerisch-schwäbischen Monheim

May 30, 2012

Stadtwappen von Monheim am Stadttor: nisi dominus custodiverit urbem, fusta custodient, qui vigilant eam – If the Lord does not protect the city, the sentinels will guard in vain / Wenn der Herr die Stadt nicht hütet, wachen die Wächter vergebens

Im schwäbischen Monheim im Kreis Donau – Ries, bestand in der Zeit von 1697 bis 1741 eine jüdische Gemeinde, die zeitweilig annähernd die Mehrheit der örtlichen Bevölkerung stellte. Auf Proteste christlicher Einwohner, die fürchteten, von den Juden ganz verdrängt zu werden, wurden Restriktionen gegen die jüdische Bevölkerung erlassen, ehe sie schließlich gänzlich aus dem kleinen Städtchen verwiesen wurden.

Obwohl im Grunde ein Großteil des historischen Ortskerns des ursprünglichen Straßendorfes eine jüdische Vergangenheit besitzt, erinnern daran heute vor allem die Stuckdecken der Sitzungsräume des Monheimer Rathauses die mit bildlichen Darstellungen und goldenen hebräischen Zitaten ausgeschmückt sind. Wohl vielleicht eher zufällig dürfte der Umstand sein, dass das erstmals um 1340 bezeugte Wappen Monheims, welches einen Stern und einen Halbmond zeigt, identisch ist mit dem noch älteren Siegel der jüdischen Gemeinde in Regensburg. Ob nach 1520, als die Regensburger Juden aus der Stadt verwiesen wurden, einige auch nach Monheim kamen, ist jedoch zumindest nicht überliefert.

Im Jahre 1697 erlaubte der aus Düsseldorf stammende Wittelsbacher Kurfürst Johann Wilhelm von Pfalz-Neuburg (1658-1716), an den am Marktplatz seiner Geburtsstadt seit drei Jahrhunderten ein Reiterstandbild erinnert, sechs jüdischen Familien, die zuvor das etwa 30 km östlich gelegene Eichstätt verlassen hatten, sich in Monheim niederzulassen. Der zwischen Augsburg und Nürnberg gelegene schwäbische Ort nahe Treuchtlingen und Harburg hat heute als Verwaltungsgemeinschaft mit neun weiteren Orten etwa 4.800 Einwohner. Vor mehr als dreihundert Jahren, ehe sich Juden hier niederließen, mehrere Häuser und eine Synagoge bauten, war es freilich ein kleines Dorf, das bei etwa 20 Häusern und Höfen über annähernd 100 Einwohner verfügte. Mit der Ansiedlung seiner Juden erlebte Monheim einen rasanten Aufschwung und so lebten Ende der dreißiger Jahre des 18. Jahrhunderts allein etwa zwanzig jüdische Familien und über 150 Juden am Ort, darunter ab 1715 auch ein Rabbiner.

1712 erwarb der Ansbacher Abraham ben Elia Model für rund tausend Gulden den alten Gasthof „Zur Rose“, ließ ihn aber bald darauf abreisen und durch einen stattlichen dreistöckigen barocken Neubau ersetzen, der um 1720 fertig gestellt wurde. Das Gebäude war so eindrucksvoll für das ländliche Monheim und seine Umgebung, dass sich heute darin das Rathaus der Verwaltungsgemeinschaft befindet. Es wurde immer wieder vermutet, dass sich in dem Haus auch die Monheimer Synagoge befand, doch das verneinen lokale Quellen, die die Synagoge an der Stelle des nahegelegenen Gasthofs „Zum Ochsen“ lokalisieren, einem Gebäude, das den Urkunden gemäß dem Juden Simon Goldschmid gehörte. Trotzdem ist es wohl eher wahrscheinlich, dass der Raum im Model-Haus zusätzlich zur Synagoge auch als Versammlungsraum der Gemeinde fungierte.

Abraham Model war kurpfälzischer und Ansbacher “Kabinetts-Faktor” und vor allem im risikoreichen aber auch lukrativen Salzhandel tätig. 1739 wurde er auch zum Kammer-Faktor von Oettingen-Wallerstein ernannt und beteiligte sich an der Gräflich- Oettingischen Fayancen-Manufactur. Jedoch waren diese Unternehmungen nicht von Erfolg gekrönt. Er entstammte einer bekannten Ansbacher Familie, deren Ahnherr Mordechai Model war, der zu Beginn des 17. Jahrhunderts als Rabbiner von Oettingen starb. Jener Raw Mordechai hatte als Enkel des Burgauer Rabbiners Schimon Ulmo-Günzburg (1505-1585) als erster den Namen Model angenommen. Zu Mordechai Models Nachkommen zählten in vielen Ländern tätige Rabbiner, Gemeindevorsitzende und Hoffaktoren (nicht selten in Personalunion), darunter beispielsweise Abraham Model der kaiserlicher Hoffaktor in Wien war und 1637 in Oettingen starb. Dessen Bruder Schimon war gräflicher Hoffaktor in Oettingen und Großvater von Mordechai Model (gest. 1709), zur besseren Unterscheidung von seinem Ahnen Marx Model genannt, welcher nun in Ansbach eine Druckerei besaß und dort u.a. Talmudim druckte. „Marx“ war Oberhaupt der jüdischen Gemeinde in Ansbach, besaß aber auch eine Privatsynagoge mit eigenem Vorsänger, weshalb es möglich erscheint, dass Abraham Elias in Monheim dem Vorbild seines Seden folgte und ebenfalls eine private Gebetsstube unterhielt.

Air view of Bavarian Swabian town of Monheim from a poster with the distinctive town hall (former house of Abraham Model), along the main street some twenty other houses were in Jewish possession until 1741

Die Models in Ansbach hatten in Elkan Frankel, seines Zeichens Vorsitzender der Gemeinde in Fürth und zugleich auch einflussreicher Hoffaktor, einen bitteren Rivalen, der ihm 1708 vorwarf Gelder unterschlagen zu haben und Papiere zu fälschen. Dies war zumindest geeignet das Ansehen Models erheblich zu beeinträchtigen, was im geringerem Umfang auch der Fall war. Die Vergeltung erfolgte als gegen Frankel ein Prozess wegen „Gotteslästerung“ erwirkt wurde und die Models zu dessen Ungunsten aussagten. Ob sie die Klage gegen ihn initiierten, wie behauptet wurde, ist jedoch eher zweifelhaft. Wie der Nürnberger Gelehrte Andreas Würfel 1754 in seiner zweiteiligen in Prag gedruckten „Historischen Nachricht von der Judengemeinde in dem Hofmarkt Fürth“ schrieb, hatte „Der Rabbi … eigenhändig ein Buch von Geister- und anderen Beschwörungen, Segenssprüchen und Lästerungen wider das Christentum zusammengeschrieben. Nachdem er eine Zeitlang in Ansbach im Gefängnis saß, wurde er 1713 … von dort nach Schwabach zum ewigen Gefängnis gebracht.“ Frankel wurde zu lebenslanger Kerkerhaft verurteilt, kam aber nach etwa zehn Jahren frei. Trotzdem es also den Model in Ansbach gelang, den Rivalen auszuschalten, konnten sie ihre eigene Stellung nicht wider erlangen, weshalb Abraham Elias 1712 nun Ansbach verlassen hatte und nach Monheim gekommen war. 1741 musste er wie die anderen Juden Monheim verlassen. 1760 starb er alt und krank und mit nur noch geringem finanziellem Vermögen in Harburg.

babbling brook in Swabian Monheim

Old Jewish houses in Swabian town of Harburg with Harburg castle uphill

Heute erinnert kaum noch etwas an die vielfältige jüdische Geschichte vor Ort. Erhalten und in den letzten Jahrzehnten renoviert sind jedoch die Stuckdecken im zweiten Stock des Gebäudes, das Abraham Model einst erbaut hatte und das lange Zeit als Schulhaus diente. Zu sehen sind biblische Szenen, etwa König David beim Harfenspiel oder Moses mit den Tafeln des Bundes, Abraham der bereit ist seinen gebundenen Sohn Isaak zu opfern oder Jakob der von der Himmelsleiter träumt.

* * *

Eine nur aus Text bestehende Widmungsinschrift legt doch die Vermutung nahe, dass sich unterhalb der Decken um einen Festsaal handelte, der ansonsten gelegentlich wohl auch wegen seiner Ruhe aufgesucht wurde.

אנא אב הרחמים מלכנו

בית זה שבניתי יהי לשמחתינו

רוח המקום יהי נוחה הימנו

השקט ושלוה לבלות בטוב ימינו

מהר בא אלי’ עם בן דוד גואלנו

Die Initialen der fünf Zeilen ergeben von oben nach unten gelesen den Namen Abraham und würdigen so den Erbauer des Hauses, der nun den barmherzigen Vater, unseren König bittet, dass das Haus dass er baute, uns zur Freude werde und die Stimmung des Ortes ihm gefallen möge und wir unsere Tage dort ruhig und friedlich verbringen. Schließlich: „Schnell komme Eli(ahu) mit dem Sohn Davids unserem Erlöser“. Die apostrophierten Buchstaben der Schlusszeile summieren sich als Zahlen gelesen auf den Zahlenwert 484, was als Datum das Jahr 5484 ergibt, bzw. das Jahr 1724 im christlichen Kalender. Wahrscheinlich bezieht sich dies auf die Fertigstellung der Deckengestaltung oder Innenausstattung, da das Haus selbst in den Jahren 1714 bis 1720 erbaut worden sein soll.

Ein weiteres Ornament mit einem aus Buchstaben gebildeten fünfzackigen Stern und einem „שי“ in dessen Mitte, das wegen seiner eigenwilligen Schreibweisen und Kürzeln, sowie überlappender Texte in den Zeilen, unterhalb davon stehend nicht ganz leicht zu entziffern ist. Der Beginn des Textes ist sinngemäß an der absteigenden Zacke links des „שי“ (welches wohl für den Gottesnamen „שדי“ Schadai steht) zu vermuten und eröffnet mit der Feststellung עץ חיים נתונה בירח השלי dem im dritten Mond (Monat) gegebenen Baum des Lebens, als welche das ספר התורה „Buch der Tora“ wie allgemein üblich auch hier bezeichnet wird und von der der Schreiber sagt, dass er sie liebt את שאהב. Es folgt die Hoffnung, dass Gott dies kleine Heiligtum (מקדש) etwas gefallen möge und der Hinweis darauf, dass rechtschaffene Frauen dies erbrachten (נשים צדקניות מביא זה), womit wahrscheinlich Spenden und Sammlungen gemeint waren. Zuletzt folgt die abgekürzte Bitte, dass Gott sein Volk (עמו) erretten möge im sechsten Jahrtausend der Zählung (ספרתי לאלף הש), welches nach christlichem Kalender im Jahr 1240 begann und welches demgemäß im Herbst des Jahres 2240 endet. Aus der anderen Inschrift ergibt sich das Datum 5484 für die Datierung der Hoffnung. Heute schreiben wir das Jahr 5772 und es herrscht Übereinkunft darüber, dass der erwartete Erlöser noch immer nicht erschienen ist. Doch noch bleibt einige Zeit, um den Wunsch den auch das Haus Model in Monheim teilte, sich erfüllen möge.

Wie sich aus der Widmung ergibt, haben die Frauen der jüdischen Gemeinde Monheims für die Ausstattung zumindest der Decke gespendet. Daraus ergibt sich mit einer gewissen Logik, dass zumindest jene Räume doch nicht nur Privaträume des Hausbesitzers waren, sondern auch für die Gemeinde genutzt wurden. Warum sonst hätten die anderen Frauen der Gemeinde dafür spenden wollen?

Wie dem auch sei drückt die Wortwahl eine gewisse Skepsis des Bauherrn aus, der zwar auf Ruhe und Frieden hofft, zugleich aber um Beistand betet und das Kommen des Messias ersehnt, der hier sein Volk erretten möge.

Es folgen nun bildliche Darstellungen mit Szenen aus dem ersten Buch der Tora, die mit effektvoll verkürzten Aussagen aus dem Buch ausgestattet sind.

Beginnen wir mit Abraham, mit dem sich der Bauherr Abraham Model wohl verbunden sah, verließ er doch wie das Vorbild der Tora seine Heimatstadt Ansbach, um in Monheim eine neue Zukunft zu errichten. Die ohne Zweifel auch durch christliche Auffassungen beeinflusste Darstellung zeigt einen Turban tragenden Abraham mit flatternden Umhang und über seinen kleinen gebundenen Sohn Isaak erhobenen Schwert, dem scheinbar aus den Wolken heraus ein geflügelter Engel etwas zuruft.

ויקרא אליו מלאך הש’ם

אל תשלח ידך אל הנער

כי ברך אברכך

„Der Engel (eigentlich: Arbeiter)  Gottes rief: Stich nicht mit deiner Hand in den Burschen, denn ich segne dich“ (ספר בראשית כב  – יא’, יב’,  יז, Genesis 22.11, 12, 17)

Es folgt die Darstellung des Isaak, der nun im Beisein seiner Frau Rebecka (רבקה) unter einem Baldachin sitzend seinen Sohn Jakob segnet. Der Text dazu zitiert aus Genesis 27.29:

 הוה גביר לאחיך

ומברכיך ברוך

„Sei der Herr über deine Brüder, und wer dich segne ist gesegnet.“  (ספר בראשית כז’ כט)

Schließlich zeigt eine weitere Abbildung noch Jakob und dessen Traum von der Himmelsleiter mit ab- und aufsteigenden „Engeln“.

Oberhalb der Szene ist zu lesen: והנה י’י נצב עלין ויאמר (Über ihm war Gott und sprach)

והנה אנכי עמך ושמרתיך בכל-אשר תלך

מה נורה המקום הזה

Hier bin ich mit dir und werde dich schützen wo immer du gehst“, „Was für erschreckender Ort ist dieser?“ (Zitate aus Genesis 28.13, 15 und 17; ספר בראשית כ’ח)

Die Aussage מה נורה המקום הזה geht in der Darstellung von Jakob hervor und ist vorstellbar auch in gewisser Weise auf Monheim „gemünzt“.

Ursprünglich befanden sich im nun abgeteilten Raum, der als Sitzungssaal des Rathauses genutzt wird, noch zwei weitere Darstellungen, eine die König David mit einer Harfe zeigt, eine andere mit Mosche und den Tafeln des Ewigen Bundes.

(David and Moses: wikipedia)

Die Abbildungen des wahrscheinlichen Festsaals im Hause von Abraham Model im schwäbischen Monheim ist so gesehen als eine Art Kurzzusammenfassung von Geschichten der Tora zu verstehen und versammelt die drei Stammväter zusammen mit Moses und König David.

Bliebe am Rande die Frage, ob bildliche Darstellungen dieser Art das Gebot der Tora verletzen? Die Instruktion lautet eindeutig לא תעשה־לך פסל – mache dir kein „Bild“, wobei weniger eindeutig ist, was genau dies heißen mag. Weniger problematisch ist das hebräische Wort פסל (fessel), welches benutzt wird um ein plastische Statue oder Skulptur, also ein räumliches Standbild zu bezeichnen. Demnach würde lediglich eine dreidimensionale Darstellung das Verbot der Tora brechen, nicht jedoch eine Zeichnung. Allerdings ist zumindest nach heutigem Sprachgebrauch die folgende Formulierung etwas zweideutig, da es nun in der Fortsetzung des Textes heißt:

 לא תעשה־לך פסל וכל־תמונה אשר בשמים ממעל ואשר בארץ מתחת ואשר במים מתחת לארץ

(„Mach dir kein Standbild und jegliche Abbildung von etwas was oben im Himmel ist und was unten auf der Erde ist und was unterhalb der Erde ist.“ Exodus 20.4 ספר שמות)

Versteht man die Aussage כל־תמונה als jegliche Abbildung – und komplizierter Weise legt der heutige Sprachgebrauch von תמונה, worunter man ein gewöhnliches Bild, aber auch eine Photographie verstehen kann – ein solche Deutung scheinbar nahe – wäre jede Art der Abbildung faktisch durch die Tora verboten. Das könnte natürlich gemeint sein, ist es aber nicht, wie schon aus dem Umstand hervor geht, dass Gott selbst für den Bau der sog. „Bundeslade“  (ארון הברית, wörtlich eher Kiste oder Kasten) die Darstellung von goldenen כרובים Chruwim fordert, welche als geflügelte Wesen erwähnt werden, wobei unklar ist, ob sie einen tier- oder menschenähnlichen Körper hatten, wie es aus im antiken Orient von Ägypten bis Persien in populären Darstellungen zeigten. כל־תמונה meint demnach sinngemäß „jegliche Darstellung“ und zwar, wie zuvor erwähnt als Standbild oder Statue (fessel). Dementsprechend sind Abbildungen wie im Festsaal des Hauses von Abraham Model in Monheim auch kein Verstoß gegen das Verbot der Tora, da es sich dabei nicht um Standbilder handelt, wie etwa bei Brunnen- oder „Heiligenfiguren“.

Die Decken wurden 1978 und nochmals 1994 restauriert und sind in den gewählten zarten Pastellfarben zumindest nicht aufdringlich und könnten durchaus dem originalen Zustand nahekommen.

Unser ausdrücklicher Dank gilt Ralf Rossmeisl für die Empfehlung und Herrn Mayer für die ausgesprochen freundliche Führung im Haus.

 * * *

Monheim in the Ries region of Bavarian Swabia is a small town with less than 5000 inhabitants today (although nine other villages were incorporated). Although its coats of arms (a crescent and a star) is the same as the seal of the Jewish community of Regensburg only from 1697 until 1741 there are known reports from the existence of a Jewish community, which comprised of twenty houses and more than 150 people. Among the residents also was Abraham Model (ca. 1685-1760) , an offspring of Simon Ulmo-Ginzburg and from a rich and influential family of scholars and court Jews in Franconian Ansbach, near Rothenburg ob der Tauber. At the marketplace Abraham from 1714 to 1720 built a grand three-story house which after the expulsion from the Jews in Monheim in 1741 for a longer time was used as school house and today is the town hall of Monheim and the administration of the incorporated villages. Today only an artfully stuccoed ceiling with depictions from the Tora which show Abraham, Isaac, Jacob, Rebecca, Moses and King David along with Hebrew quotations and inscriptions, remind of few but formative decades of Jewish life in the very center of Swabian Monheim.

מאָנהעים אין סוואַביש טייל פון באַוואַריאַ צווישן דאָנאַווערט און פּאַפּפּענהעים איז אַ קליין שטאָט מיט אַ ייִדיש געשיכטע

דער בעסטער בייַשפּיל פֿאַר עס איז די שטאָט זאַל פון מאָנהעים וואָס 300 יאר צוריק איז געווען געבויט דורך רבי אברהם בן אליהו מאָדל אַ אָפּשטאַמלינג פון רבי שמעון בן אליעזר אולמו גינצבורג

אברהם מאָדל אין זיין נייַע הויז האט מעבלירט אַ עסצימער פֿאַר סימכע און בייַ די פּלאַפאָנד פון דעם זאַל ער האט בילדער פון אברהם, יצחק, יעקבֿ, דוד המלך און משה רבנו צוזאַמען מיט פילע ציטטה פון די תורה

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general sources and recommended reading:

Cabinetsfactor Abraham Elias Model – Glanz und Elend einer hervorragenden jüdischen Persönlichkeit des 18. Jahrhunderts, recherchiert und erzählt von Rolf Hofmann

http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20Bayern/ABRAHAM-ELIAS-MODEL.htm

http://en.wikipedia.org/wiki/Monheim_Town_Hall

http://www.monheim-bayern.de/

Monheim – Kleine Stadt mit großer Vergangenheit, herausgegeben zur Feier der Stadterhebung vor 650 Jahren, Monheim 1990

Falk Wiesemann, „Model“, in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 595 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/sfz51759501.html

Mordechai Model Oettingen und seine Kinder, in: Monatsschrift für die Geschichte und Wissenschaft des Judenthums 42, 1898, S. 557 ff.

חלוקי תע אבניםר׳ מרדכי מאדעל איטינגען מווינא

יש מנחילין –  רבי פנחס קאצנלנבויגן


Der jüdische Friedhof von Schopfloch

August 22, 2010

Juedischer Friedhof Schopfloch

Der mittelfränkische Markt Schopfloch bei Ansbach ist auch heute noch ein recht kleiner Ort mit rund 2900 Einwohnern,  der an der Romantischen Straße zwischen Feuchtwangen und Dinkelsbühl liegt. Die dokumentierte Geschichte des Ortes reicht zwar bis ins Jahr 1260 zurück, die der Juden nur wenig später ins 14. Jahrhundert. Andere Quellen nennen den Beginn des 16. Jahrhunderts und den Wegzug der Juden aus Nördlingen. Da der Ort später zwischen den regionalen Herrschaften geteilt war, gab es lange zwei jüdische Gemeinden, eine im Bereich des Markgrafen von Ansbach, die andere gehörte in das Gebiet von Oettingen-Wallerstein.  Wegen dieser Teilung hielt sich wohl auch vielleicht der „Lachudisch“ (Lachoudisch) genannte Jargon als Variation der jüdischen Sprache, von den einen westjiddisch, von den anderen „Schopflocher Geheimsprache“ genannt.

Wie auch immer betrug um 1810 der jüdische Anteil der rund tausendköpfigen vereinten Bevölkerung Schopflochs etwas mehr als ein Viertel , nahm aber im Laufe des 19. Jahrhunderts deutlich ab. 1910 leben noch etwa 70 Juden im Ort, die sich 1925 mit den Juden von Dinkelsbühl zu einer gemeinsamen Gemeinde verbinden. Im Jahre 1938 endet die jüdische Geschichte auch an diesem Ort mit der Verfolgung der Einwohner durch die örtlichen Nazis.

Der jüdische Friedhof von Schopfloch wird zumindest auf das Jahr 1612 datiert. Er erstreckt sich nach mehrfachen Erweiterungen im Nordosten von Schopfloch auf halben Weg ins heute eingemeindete Deuenbach und hat eine Fläche von rund 1.3 Hektar. Der Friedhof diente in der Vergangenheit auch Juden aus benachbarten Gemeinden als Begräbnisort: Dinkelsbühl, Feuchtwangen, Mönchsroth, Crailsheim, … Auf dem Friedhof befinden sich noch etwa 1200 Grabsteine, wovon jedoch nur etwa ein Viertel der Steine aus der Zeit von etwa 1850 bis 1937 erfasst wurden, so diese teilweise oder gänzlich deutsche Inschriften haben. Von den meist älteren, ausschließlich hebräischen Grabsteinen sind hingegen offenbar nur ganz wenige erfasst worden, was sehr bedauerlich ist, da nicht wenige von ihnen sich in einem desolaten Zustand befinden, abbröckeln, verwittern oder schimmeln, und weitere Informationen zur Orts- und Regionalgeschichte so nun unwiederbringlich verloren gehen, während eine Reihe weiterer Steine am nordwestlichen Abhang durch die sich aufstauende Feuchtigkeit förmlich versumpfen.

Im Gegensatz dazu gibt es seit geraumer Zeit am Schopflocher Friedhof Frau Angelika Brosig, die sich dem Verfall entgegenstellt und ein vorbildliches Patenschaftprojekt ins Leben gerufen hat, das sich dafür einsetzt, durch die Gelder einzelner Sponsoren und privater Spender für relativ wenig Geld, einige der Grabsteine im neueren Teil des Friedhof restaurieren zu lassen. Eine Aufgabe, die in früheren Zeiten zu den heiligen Pflichten einer jeden jüdischen Gemeinde gehörte. Eine solche gibt es in Schopfloch freilich nicht mehr. Dies heißt jedoch nicht, dass das bemerkenswerte Engagement unbemerkt und ohne die verdiente Anerkennung geblieben wäre. Der von der Obermayer Foundation alljährlich verliehene „German Jewish History Award“ für  nichtjüdische Deutsche, die sich um den Erhalt jüdischen Erbes in Deutschland verdient machten würdigte im Januar 2010 deshalb auch die aus Ansbach stammende Angelika Brosig für ihr Projekt: „ … hat dafür gesorgt, dass die jüdische Vergangenheit dieses Teils von Deutschland weder bei den Einwohnern der Region noch bei den noch lebenden Nachfahren der ehemaligen jüdischen Gemeinde in Vergessenheit gerät.“

Schön restaurieter Grabstein der Berta (Bela) Schlossberger, Frau des Secharja aus Dinkelsbuehl.

Ausführlich beschrieben ist das Patenschaftsprojekt auch mit Abbildungen restaurierter Grabsteine (vorher / nachher) auf der Webseite: www.juden-in-schopfloch.de

Die Liste der jüngeren Gräber am westlichen Haupteingang findet sich hier: http://www.alemannia-judaica.de/images/Schopfloch%20CEM/SCHOPFLOCH-CEMETERY-GRAVELIST.pdf

Schopfloch is a small town of less than 3000 inhabitants in the Middle Franconian district of Ansbach (30 km south of Rothenburg and only 6 km north of Dinkelsbuehl), Schopfloch has a long Jewish past and an old Jewish cemetery with some 1200 left grave markers. Many of the older grave markers are in quite poor condition, with crumbling inscriptions or threatened by the damming moisture running off from an uneven compound, so that several head stones at the Jewish cemetery literally become marshy, since there is no drain. Angelika Brosig a Schopfloch resident from Ansbach for many years is engaged to rescue and restore as many grave markers as possible and initiated a sponsorship campaign.

With surprisingly few money grave markers may be restored in order to fulfill the commitment of remembrance.  Usually that will be the obligation to the relatives and the local community, but in Schopfloch there is no Jewish community since 1938.


Vom Leben der Juden im wundervollen Creglingen

August 12, 2010

קרעגלינגען

Creglingen im “malerisch schönen” Taubertal, rund 20 Kilometer nordwestlich von Rothenburg ob der Tauber gelegen, ist ein relativ kleiner Ort, der mit seinen neun eingemeindeten Nachbardörfern über weniger als 5000 Einwohner verfügt. Das seit 1437 nachweisbare Wappen Creglingens zeigt zwei schwarze Leoparden mit roten Zungen und gibt das Emblem des fränkischen Fürstenhauses Hohenlohe wieder, die in der ins 11. Jahrhundert zurückreichende Burg Brauneck, unweit des heutigen Creglinger Ortsteils Reinsbronn einen Herrschaftssitz hatten. Im Schatten der Burg dürften die kleinen Weiler nur jeweils aus wenigen Gebäuden bestanden haben, die im Zusammenhang mit der landwirtschaftlichen Nutzung standen.

Um dies zu ändern bedurfte es eines Wunders.  Einer genau datierten Ortslegende gemäß, fand ein namentlich nicht genannter Bauer am Nachmittag des 10. August des Jahres 1384 auf einem Acker eine „unversehrte Hostie“ und brachte diese sofort zu den hohenloher Herren auf die Burg. Diese waren der Überlieferung nach von diesem „Wunder“ sehr angetan – immerhin entspricht die Hostie (lat. Schlachtopfer)  in der katholischen Mythologie dem „Leib Christie“. Freilich trifft dies auf geweihte Hostien zu, die deshalb auch von noch nicht geweihten streng geschieden werden. Bei dem Fund des Bauern muss es sich demnach wohl um eine geweihte Hostie gehandelt haben, wobei unklar bleibt, welche äußerlichen Merkmale dies zu erkennen gaben. Mittelalterliche Hostien sollen den Überlieferungen gemäß in der Weise ungesäuerter jüdischer Matzen gebacken worden sein, offenbar jedoch in wesentlich kleineren Durchmesser. Die hohenloher Herren jedenfalls waren sich ihrer Sache dann aber wohl sehr sicher, ließen sie doch am zunächst wohl eher kleinen Fundort der Hostie eine Herrgottskirche errichten, die 1389 fertig gestellt, in der Folgezeit aber dem knapp 900 m nördlicher gelegenen Ort Creglingen wie der Region zu einen gewissen Aufschwung verhalfen. Anders erging es dem Stifter, dessen männliche Linie bereits im Folgejahr ausstarb. Die Kirche hingegen wurde zum Wallfahrtsort und nach 1500 mit einem vielbeachteten, neun Meter hohen Marienalter in der Form einer Monstranz ausgestattet, der heute als eines der bedeutendsten mittelalterlichen Holzschnitzwerke gilt. Sein Schöpfer soll Tilman Riemenschneider aus Würzburg gewesen sein, doch das ist womöglich ebenfalls legendär, da der Altar ab 1530, nachdem die Kirche evangelisch wurde, für rund 300 Jahre von schnöden Holzbretten verhüllt gewesen sein soll. So wurde er erst 1832 wieder entdeckt, während für die Zeit zuvor weder Autorenschaft noch Standort des Alters belegt werden können (vgl. Holger Simon: Der Creglinger Marienaltar von Tilman Riemenschneider, Berlin 1998, S.181 ff.).

Spätestens als um 1520 die Juden aus der nur 18 km entfernten Reichsstadt Rothenburg vertrieben wurden, ist damit zu rechnen, dass sich zumindest einige von ihnen auch in der einen oder anderen Weise in der näheren Umgebung niederließen, was ein Dokument aus dem Jahre 1532 zumindest in Bezug auf Creglingen für einen gewissen Josef von Biberach für die Dauer von zwei Jahren bestätigt. Jedoch überliefert die Geschichte des Ortes, der seit 1448 zur Markgrafschaft Ansbach gehörte, erst am 9. Juli 1618 den Schutzbrief für den Händler Simson aus Reinsbronn, der mit seiner Frau und seinen unverheirateten Kindern und seinen gleichfalls unverheirateten Dienern in Creglingen unter dem Schutz des Markgrafen Joachim Ernst von Brandenburg – Ansbach wohnen darf und das Haus in der heutigen Badgasse 3 erwirbt, in welchem nun das Jüdische Museum untergebracht ist. Reinsbronn freilich war nur 4 Kilometer entfernt und ist heute in Creglingen eingemeindet.

http://www.juedisches-museum-creglingen.de

Viele der späteren Creglinger Juden stammen von jenem Simson ab, von dem ansonsten nur wenig bekannt ist und bis zur Einweihung der Synagoge in der Neuen Straße im Jahr 1800 diente sein Haus, ab 1635 im Besitz seines Sohnes Isaak, in Creglingen auch als Lebensmittelpunkt der wenigen Juden am Ort und bot folglich auch die entsprechende Räumlichkeit für das Lernen und Beten. Lange später wird das Gebäude deshalb auch noch als „alte Judenschule“ bezeichnet. Später war das Gebäude eine Scheune und heute befindet sich darin, das im Jahr 2000 eingerichtete Jüdische Museum,  ermöglicht unter anderem durch den Ankauf des Gebäudes durch Arthur Sinsheimer Obermayer, ein in 12. Generation abstammender Nachkomme des Simson von Reinsbronn. Neben zahlreichen Dokumenten und Ausstellungsstücken zur Geschichte der Creglinger Juden, von gräflichen Schutzbriefen, Reisekoffern und Strümpfen über Betpulte und -bücher, Reste von Synagogenleuchtern bis hin zu Mobiliar, das die finstere Epoche der Arisierung des Besitzes aus jüdischen Haushalten überdauerte, bietet sich heutigen Schülern, aber auch älteren Semestern, an Computerterminals die Gelegenheit Basiswissen über die jüdische Ortsgeschichte, wie auch über das Judentum selbst zu begegnen. Beispielsweise der an vielen anderen musealen Orten weit weniger gewürdigten Tatsache, dass der „Holocaust“ weder Höhepunkt noch Endpunkt der jüdischen Geschichte in Deutschland war.

1655 sind 30 Personen in sieben Familien verzeichnet, natürlich in Steuerakten, da sich das Interesse an den Juden mitunter auf die Höhe ihrer Steuerleistungen beschränkt(€). Im weiteren urkundlich fassbaren Zeitraum machten die Juden rund ein Zehntel der Bevölkerung von Creglingen aus, das stark von Landwirtschaft und Viehhandel geprägt war und aber im Verlaufe des 19. Jahrhundert mit einer durchschnittlichen Einwohnerzahl von ca. 1250 Einwohnern insgesamt stagnierte. Ein weiteres Wunder blieb aus. Für die Juden in Creglingen hatte es die Konsequenz, dass sie zumindest in nachnapoleonischer Zeit keine eigenen Rabbiner im neudefinierten Sinne aufweisen konnten und folglich in der Zeit von 1834 – 1914 dem Rabbinat in Weikersheim und ab da bis 1939 dem Rabbinat in Mergentheim zugeordnet waren. Eine Zählung im Jahre 1925 ermittelte in Creglingen 1191 Personen, wovon 77 Juden und 22 Katholiken waren, die übergroße Mehrheit hing dem protestantischen Christentum an.

Einen besonderen Stellenwert in der Spätgeschichte der Juden von Creglingen nimmt bis heute das Geschehen vom „25. März 1933“ ein. An jenem Tag, einem Samstag, zwei Wochen nach Purim, nahm die regionale Nazi Organisation der SA mehrere, man spricht von sechzehn, Creglinger Juden fest, um sie zu „verhören“ (oder eher zu verhöhnen). Als der bereits 67jährige Pferdehändler Hermann (Zvi bar Menachem) Stern versuchte zu fliehen, wurde er von den SA-Leuten geschlagen und im Sitzungsaal des Rathaus, gegenüber der damaligen Schule, ohne ärztliche Hilfe den Nachmittag über liegen gelassen, so dass er noch am selben Abend, vor Schabbes-Ende um halb acht Uhr zu Hause verstarb. Hermann Stern war der letzte jüdische Eigentümer des Hauses in der Badgasse, in welchem die nachweisbare jüdische Ortsgeschichte ansetzt und sein 1900 geborener Sohn Emil, auch er zählte zu den Überfallenen, soll 1939 als letzter in Creglingen wohnender Jude den Ort verlassen haben. An den Folgen der offenbar recht brutalen Behandlung durch die Nazis stirbt kurz darauf, am 2. April 1933, in einem Würzburger Krankenhaus auch Arnold (Aharon Mosche ben Meir) Rosenberg, ein 53jähriger Viehhändler. Bereits am Tag nach der Begebenheit, also am 26. März verstirbt in Creglingen auch die 57jährige herzkranke Peppi Sinsheimer – wegen der Aufregung. Ihr Ehemann Rudolf (Rafael) Sinsheimer , im Ersten Weltkrieg noch Frontsoldat der deutschen Wehrmacht und mit einem Ehrenkreuz ausgezeichnet, gehörte gleichfalls zu den Verhafteten und Misshandelten, überlebte aber. Er konnte 1940 über Spanien und Portugal in die USA emigrieren.

Der Sitzungssaal im ehemaligen Rathaus, in welchem Hermann Stern stundenlang schwer verletzt am Boden lag, ist heute ein eigener und durchaus eigentümlicher Gedenkraum. Zum einem ist er leer und abseits einer kargen alten Deckenleuchte ohne jegliche Einrichtung, dafür ist er in der dem damaligen Aussehen nachempfunden grünlichen Farbe gestrichen und mit technisch versierten Fenstern versehen, die in regelmäßigen Abständen milchig trüb und dann wieder klar werden (wie um den Raum zeitweilig zu verhüllen), während die Lampe, wie uns Herr Martin Heuwinkel vom jüdischen Museum erläuterte, in der Abenddämmerung anginge und sich erst um etwa ein Uhr nachts ausschalte. Auf diese Weise gibt Creglingen nun dem unfassbaren Geschehen des „25. März 1933“ Raum und Besuchern – es leben keine Juden mehr am Ort – zugleich auch Freiraum für eigene Reflektionen, während das Datum und die Geschehnisse in Creglingen über den Ort hinaus als „Pogrom“, „Mord“ oder als „Beginn des Holocausts“ und Hermann Stern gar als „erstes Holocaust-Opfer“ schematisiert werden. Die Schandtaten der Nazischergen waren schlimm genug, und schon am Folgetag brachen sie einer Frau in Creglingen im Wortsinn das Herz, jedoch erscheint eine solche Attribution doch als eine Art makabere Suche nach einem Superlativ, der womöglich helfen soll, drei Tote aus über sechs Millionen herauszuheben und Ihr Leiden unendlich zu machen. Ein wenig erinnert dies konzeptionell doch an jenen (ganz) anderen Juden, dessen weit länger noch zurückliegende Leiden an vielen Hölzern oder noch einfacher als in Gold gefasstes Backwerk zur Schau gestellt wurde. Es irritiert, zumal man sich fragt, was diesem Beispiel folgend, wohl in den Verhörräumen anderer, größerer deutscher Städte eingerichtet werden sollte? Wo nun aber jenen Toten, in aller Stille und Bescheidenheit und ohne Schmuck und Kränze nicht am Ort ihrer Bestattung, am Creglinger Friedhof gedacht werden soll, so ist vielleicht, beim Versuch der inneren Leere zu entfliehen, ein Leerraum noch die geeignetste Position um einer weiteren Symbolisierung entgegenzutreten.

Memorial plate at Creglingen Jewish Cemetery

Creglingen a small townlet in the valley of the Tauber river, only 20 km from famous main tourist attraction Rothenburg ob der Tauber is regarded as scene of a medieval host miracle as well as of the beginning of the holocaust. Since 2000 inside an old barn there is a Jewish Museum in Badgasse 3 dedicated to the maybe 400 years of Jewish history in Creglingen and now incorporated villages as Archshofen or Reinsbronn, while a single and entirely empty room in the former townhall just remembers one Shabbes afternoon in the history of the place.