There’s a hitch somewhere

October 8, 2018

There is a hitch somewhere
הדבר יש וו

Artwork by Chana Tausendfels (12. 2013)

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Das Verschwinden der Juden

December 12, 2014

Artikel aus der „Bayerisch Israelitischen Gemeindezeitung“  X./23 vom 1. Dezember 1934

von Prof. Dr. Arthur Aaron Cohen (München)

Arthur Cohen München Artikel Volkszählung Juden Bayern 1933

„Bei der Volkszählung des Königs David – wohl der ältesten uns bekannten – sprach sein Feldherr Joab (Chronik I.21): „Der Herr tue zu seinem Volk, wie sie jetzt sind, das hundertfache!“ Die Bedeutung einer Volkszählung wird richtig erkannt. Auch heute bedarf es keines Lehrbuchs der Statistik, um einzusehen, wie viel von einer großen Volkszahl abhängt. Warten doch nicht nur Oberhäupter der Städte, sondern auch die gewöhnlichen Zeitungsleser mit Spannung auf die Ergebnisse der letzten Volkszählung, um mit Stolz verkünden zu können, dass ihre Stadt, sagen wir von der 11. auf die 10. Stelle gerückt ist. Es ist eine Prestigefrage! Besonders für die Juden kommt es viel auf die Zahl an, denn die andere statistische Größe, die neben der Personenzahl auf der ersten Seite der statistischen Jahrbücher prangt, die Bodenfläche, kommt seit beinahe 2000 Jahren für die Juden nicht mehr in Betracht. Aber auch nüchternen Bedürfnissen dient die Volkszählung. Denn die Beiträge der unteren Gemeinwesen zu den höheren können nicht gut anders bemessen werden, als nach der Bevölkerungszahl, und so richten sich z. B. die Beiträge der Landesverbände nach der Anzahl der Juden, die in dem Lande wohnen.

Seit der Reichsgründung hat in Deutschland alle fünf Jahre eine Volkszählung stattgefunden, zuletzt 1910, seit dem Kriege nur zwei: am 16. Juni 1925 und am 11. Juni 1933. In den letzten Wochen sind einige vorläufige Ergebnisse der Volkszählung von 1933 amtlich veröffentlicht worden, für das Reich in der vom Statistischen Reichsamt herausgegebenen Halbmonatsschrift „Wirtschaft und Statistik“ vom 1. Oktober 1934 …

… daraus ergibt sich, dass die Zahl der Juden in Bayern am 11. Juni 1933 41.939 betragen hat, und dass sie seit 1925 um 7724 gesunken ist, d.h. um 14.66 Prozent. Der Anteil an der Gesamtbevölkerung ist von 0.66 Prozent auf 0.54 % zurückgegangen.

Alex Jakobowitz

Marimba-Spieler Alex Jacobowitz, Münchner Fußgängerzone April 2013

Juden Bayern Statistik 1933

numbers of Jews in Bavarian towns in 1933

Prof. Cohen führte weiter aus, dass fast 70 % der Juden in Bayern in den 22 größten Städten wohnten, eine Tendenz zur Verstädterung, die seit 1925 nochmals zugenommen habe, während nun jedoch die Gesamtzahl der Juden insgesamt, aber eben auch besonders in den Städten rückläufig sei. Fast die Hälfte der bayerischen Juden leben demnach bereits nur in den fünf Großstädten (über 100.000 Einwohner) München, Nürnberg, Augsburg, Ludwigshafen und Würzburg.

Interessant aus der Rückschau ist die Frage, wie der Professor vor Recht genau 80 Jahren, nach bald 2 Jahren Herrschaft der Nationalsozialisten Entwicklung und Ursache des Rückgangs auf der Basis von Daten aus dem Sommer 1933 einschätzte:

Neben der Überalterung, bzw. der höheren Sterbe- als Geburtenziffer, sieht er als zweite Ursache eine steigende Anzahl von Mischehen, deren Kinder für gewöhnlichen „dem Judentum verloren“ gingen.

„Auch die Austritte aus dem Judentum haben stark zur Abnahme der jüdischen Bevölkerung beigetragen.“ Genaue Zahlen seien darüber nicht bekannt, doch könnten die Zahlen „aber wohl bei einer besseren Organisation der Statistik in der Judenheit fortlaufend ermittelt werden“. Aus den teilweise erhaltenen Unterlagen der jüdischen Gemeinde in Augsburg ist zumindest für die Zeit der 1930er Jahre eine bis etwa 1939 ansteigende Anzahl von Personen nachvollziehbar, die ganz offensichtlich auch unter dem Druck der nationalsozialistischen Herrschaft den als „Austritt aus dem Judentum“ be- und verzeichneten Schritt vollzogen. Mit der sogenannten Kristallnacht im November 1938 ebbt dies freilich ab, wohl weil die Illusion, sich durch eine öffentlich proklamierte Abkehr vom Judentum Vorteile zu verschaffen, nicht mehr aufgehen konnte.

Ende 1934 fand Prof. Cohen noch etwas anders bemerkenswert:

Die interessanteste und ‚akuteste‘ Ursache der Abnahme der jüdischen Bevölkerung ist aber der Wanderverlust“ , d.h. die Auswanderung ins Ausland. Bei allen statistischen Schwierigkeiten, können man nun aber ohne jeden Zweifel sagen, dass in der Zeit von 1925 bis 1933 die Zahl der Auswanderungen die der Einwanderungen von Juden aus und nach Bayern deutlich überstiegen haben muss. Ganz sicher wird man sogar die Auswanderung als wesentlichsten Faktor für die (deutliche) Abnahme der Juden in Bayern – und in ganz Deutschland (wo es außerhalb Bayerns ähnlich starke Rückgänge gab) sehen müssen. Schließlich nimmt der Autor dann doch noch auf die aktuelle Entwicklung seiner Epoche Bezug:

Dabei erfasste die Volkszählung, weil sie nur wenige Monate nach dem Eintritt der neuen Verhältnisse erfolgte, den Wanderstrom nur unvollständig: sie riss ihn – um bildlich zu reden – entzwei, und zwar gerade an der Stelle, die für die Stärke des Wanderstroms nicht maßgebend sein kann. Es ist nämlich anzunehmen, dass die jüdische Bevölkerung seit dem 11. Juni 1933 nicht nur eine weitere Abminderung erfahren hat, sondern sogar relativ eine größere Abnahme als zwischen 1925 und 1933, und dass diese Abnahme gegenwärtig fortdauert, in einem Ausmaße, dass die statistische Tatsache zur historischen Tatsache wird, zu einem der vielen traurigen Kapitel in der jüdischen Geschichte.“

Jewish Memorial Munich Cemetery

Mit dieser Einschätzung lag Arthur Aaron Cohen bekanntlich mehr als richtig. Da die Entwicklung bald sehr tragische Ausmaße annahmen ist uns heute jedoch ein wenig der Blick darauf versperrt, die bis zur Eskalation des Nazi-Terrors bereits vorhandene, auf die von den Nazis unabhängige Entwicklung zur Kenntnis zu nehmen und ihre auch für die heutige Zeit wieder relevante Faktoren in Augenschein zu nehmen.

Ein Bevölkerungsrückgang bei den bayrischen Juden von 15 % in 8 Jahren war doch recht erheblich, auch wenn er im ersten Halbjahr 1933 durch den Anhieb der Nazi-Herrschaft sozusagen zusätzlich an Fahrt gewann. Die damals attestierten Faktoren kennzeichnen auch 2014 den Zustand der jüdischen Gemeinden in Deutschland: deutlich mehr Sterbefälle als Geburten, mehr Auswanderer als Zuwanderer, Mischehen, Austritte, Verstädterung der Verbliebenen (inkl. „Aldi-Pudding-Berliner“).

Die in Deutschland seit 1990 vor allem durch Zuwanderer aus Russland und der Ukraine vergleichsweise stark angestiegene Zahl von Juden erreichte 2005 mit fast 110.000 ihren Höhepunkt und sinkt seitdem kontinuierlich. Ende 2013 lag die erfasste Zahl noch bei etwa 101.000 und nun ein Jahr später können wir davon ausgehen, dass die 1998 als „magisch“ aufgefasste „Grenze“ von 100.000 wieder unterschritten werden dürfte.

In nur acht Jahren ist die Zahl der Juden in Deutschland demnach wieder um fast zehntausend gesunken, d. h. um rund 10 %. Da die größtenteils aus osteuropäischen Zuwanderern bestehenden jüdischen Gemeinden sehr hohe Anteile an Rentnern haben, ist es absehbar, dass sich dieser Trend nicht mehr umkehren, sondern in nahe Zukunft beschleunigen wird. Die Zahl der Juden in Deutschland wird in den nächsten Jahren wieder deutlich sinken. Es ist nicht zu schwer, einzuschätzen, wann in etwa das Niveau vor dem „Zustrom“ aus der ehemaligen Sowjetunion wieder erreicht sein dürfte.

Die bayerischen Juden sind in derzeit in zwei Verbände organisiert, die bei in München ansässig sind. Freundlich aufgerundet repräsentiert der eine die etwa 9500 Münchner Juden, der andere 3000 weitere im Rest von Bayern, etwa die Hälfte davon in Augsburg.

Der Rückgang der Zahl der Juden in Bayern lag von 1925 bis 1933 bei 15 % in 8 Jahren, also bei fast 2 % pro Jahr. Der gegenwärtige Schwund seit 2005 liegt bei etwa 1,1 % p. a., wird sich aber angesichts von über einem Drittel Mitgliedern im Alter über 60 Jahre, in den nächsten Jahren erheblich steigern, zumal es faktisch keine nennenswerte jüdische Zuwanderung nach Deutschland, dafür aber viele Mischehen und ein deutliches Geburtenminus gibt. Die Zahl der 10.000 Juden in Bayern dürfte so auch bereits zum Jahresbeginn unterschritten werden.

80 Jahre nach der obigen Auswertung können wir nun vielleicht Zeuge eines stillen Verschwindens des Judentums in Deutschland werden, wobei dieses Mal die schrille Begleitmusik offenbar von Islamisten besorgt wird. Trotz der spürbaren Beunruhigung über eine sich entwickelnde womöglich historische Zäsur, die Arthur Aaron Cohen Ende 134 zum Ausdruck bringt, von Panik spürt man beim ihm nichts. Noch nicht. Er starb sieben Jahre nach der Volkszählung am 10. Juni 1940 in München im Alter von 76 Jahren.

 

 

 


damals und heute – Augsburg – now and then

April 29, 2013

Augsburg beim Stadttheater 1913“Augsburg, Partie beim Stadttheater” (1913)

– Blick zur Grottenau und Karlstraße (früher Judengasse)

Augsburg Stadttheater Grottenau Karstraßeam heutigen Kennedy-Platz (2013) mit neuem “Patrizia” – Haus

Augsburg now and then, damals und heute

אוגסבורג – עבר והיום


Lesung zur Geschichte der Juden in Schwaben: Ber Ulmo

January 3, 2013

Augsburg Staatsbibliothek Stadtbibliothek

Was:

Buchlesung zur Geschichte der Juden in Schwaben

Tage des Gerichts – Der Bericht des Ber Ulmo aus Pfersee“

Kokavim_Verlag / ISBN 978-3-944092-00-3

Der aus dem Hebräischen übersetzte authentische Bericht des Vorsitzenden der damals selbständigen jüdischen Gemeinde von Pfersee Bernhard Ulmann aus dem Jahre 1804 über seine Verhaftung unter dem Vorwurf der Geldfälschung zur Zeit der Napoleonischen Kriege.

Wer:

Yehuda Shenef und Margit Hummel, Vorstand und Sprecherin des Jüdisch-Historischen-Vereins-Augsburg JHVA

Wo:

Stadt- und Staatsbibliothek Augsburg, Schaezlerstr. 25, im Lesesaal, Untergeschoss,

Wann:

Mittwoch 23. Januar 2013, 19:00 Uhr

Staatsbibliothek Augsburg Zirbelnuss

Veranstalter: Historischer Verein Schwaben

www.hv-schwaben.de  

Staats- und Stadtbibliothek Augsburg Schaezlerstr

 Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, Schaezlerstr. 25


JHVA in 2012

January 1, 2013

The weblog in 2012 had 103.920 site views (2011: 72.824, 2010: 64.763), what makes a plus of some 40 %. Awsome!

We had visitors from 120 countries. Alone 4.615 from the US, which is a daily average of almost 13, but there also were visitors from states we never imagined that there were people who would have any interest for Jewish history in former Austrian and today Bavarian Swabia, such as Republic of Korea (74), Indonesia (56), India, Taiwan, Pakistan, Syrian Arab Republic, Saudi Arabia, Swaziland, Vatican City, Guam, Palestinian Territory, Bhutan, Brunei Darassalam and many others.

jhva wordpress 2012

Crunchy numbers“: “19.000 people fit into the new Barclays Center to see Jay-Z perform” as it says … “it would take about 5 sold-out-performances” … Well, sounds quite good, but who actually is Jay-Z?

Top referrers were: Alemannia Judaica 514, Wikipedia 245, Jewishgen.org 55, vvn-augsburg 50, augsburgwiki.de 49, bestatterweblog, 49, muenster.de 37, hagalil.com 30, sprachkasse.de 28, kokavim.wordpress.com 23, … and 61.353 request by search engines (40.000 by Google, only 93 by AOL and but already 64 by Google Mobile!)

jhva wordpress 2012 map

Most requested search terms were: Augsburg, Pfersee, Ingolstadt, Judenhut, Synagogue Augsburg, אוגסבורג, Nuremberg, Königsplatz, Jewish Museum and lachoudisch …

Many thanks to all visitors and friends and best wishes for a happy and healthy 2013 🙂


Die Berliner Matzen – Polizei

November 1, 2012

Wenn man das Jüdische Museum in Berlin besucht hat, hat man schon einen guten Eindruck davon, wie man zweitausend Jahr jüdischer Geschichte in „Deutschland“ auf dreihundert (Jahre) Klischees reduzieren kann. Man kann lernen, wie man auf den „Gesichtern“ von jüdischen Opfern herumspringt und sie dadurch zum „Klingen“ bringt (sich dann aber über sog. U-Bahn-Schläger echauffieren!?)  –und in der beton-charmanten Dunkelkammer kann man „den Holocaust“ fühlen. Auch hat es für viele wohl einen denkbaren “Reiz“, sich als Terrorverdächtiger durchleuchten zu lassen, noch bevor man die erste Menora-Kopie zu Gesicht bekommt, … doch was bleibt sonst außer den traurigen, weil zerbröckelnden Friedhöfen?

Wo trifft man das (angeblich, mit Hilfe des Axel Springer-Verlags propagierte so “pulsierende”) „jüdische Leben“ in Berlin? “Insider” verweisen da u.a. auf das „Beth Cafe“ in der Tucholsky-Straße. Das ist so benannt nach dem hebräischen Wort für Haus, nicht nach dem (etwa gleichklingenden deutschen) Schlafplatz. Der integrierte Laden nennt sich „כל-בו“ verspricht also etwa „alles drin“. Dann mal sehen, was sich verändert hat zu früher, als da noch nichts “pulsierte”.

Draußen stehen erst mal zwei Polizisten. Das war vor ‘nem Jahrzehnt auch schon so, nur dass sie damals noch grüne Uniform-Jacken trugen. Heute sind es eben blaue. Warum das so ist, wird mir auf Anfrage sogleich erklärt: Die Farbe der Uniform sei jetzt Ländersache. Klar, dürfte die Stadt entscheiden, wären sie ja vielleicht auch rosa. Vielleicht der nächster Zeit! Wie auch immer … kol bo, alles inbegriffen.

Kol Bo Bet Cafe Berlin 1998

Kol Bo Berlin 1998

Vor dem Laden gibt es eine Absperrung mit einem Schild, das sich auch vor Museen und vor Synagogen und Synagogen-Resten in Berlin findet. Drauf steht:

Es ist polizeilich untersagt, Fahrzeuge und andere Gegenstände aller Art auf der Fläche vor diesem Gebäude abzustellen. Bei Zuwiderhandlungen wird die Entfernung auf Kosten des Verursachers veranlasst. – Der Polizeipräsident in Berlin

Erleichtert stellen wir fest, dass wir anders als beim Museum unsere “Sachen” wenigstens behalten dürfen. Hinter der Glastür mit der Aufschrift כשר befindet sich nun die kleine, etwas enge Cafeteria, die aber ohne Gäste ist. Fast, denn am Nebentisch sitzen zwei alte Männer und quasseln auf Hebräisch, immerhinOffenbar sind es Rentner, denn sie vergleichen die Situation von solchen in Deutschland und Israel und überhaupt “die Lebensverhältnisse” in beiden Ländern, und ja … auch die Leute.

Als wir uns setzen, meint einer der Alten: „גם היהודים בגרמניה הם רק גרמנים“ und als bedürfte es dafür einer sofortigen Bestätigung  dafür, kommt auch der Kellner auf mich zu, forschen Schrittes und mit erhobenen Händen rudernd, um mir zu sagen, dass es hier keine Drehgenehmigung gebe, ja und das auch fotografieren verboten sei.

Was für eine Drehgenehmigung? Hää? Bitte waaas …? Wir waren ja gerade mal an den Tisch herangetreten, an welchen wir uns setzen wollten und hatten nur Taschen und Rucksäcke auf die Stühle gestellt, und ja, tatsächlich, die Videokamera stellte ich eben auf dem Tisch ab, um sogleich die Jacken und Mäntel auszuziehen, Platz zu nehmen und die Speisekarte zu sondieren. So wenigstens wäre der “Plan” gewesen. Aber so geht das nun mal nicht.

Der Kellner zeigte sehr bestimmt mit dem Finger: Auf dem Tisch fand sich der Hinweis, dass das Benutzen von Mobiltelefonen, Fotokameras (digital und analog), Videokameras und PCs, sowie Laptops nicht gestattet sei – aus Sicherheitsgründen – und das Ausnahmen nicht möglich seien. Da standen wir also wieder erst mal etwas verdutzt herum. Gehen? Bleiben? Lachen? Streiten? Lachen? Gehen? Bleiben?

Ich steckte die Videokamera in den Rucksack – aus Sicherheitsgründen – und murmelte, dass wir sowieso das, ähm … Drehbuch im Auto vergessen hätten, ich nur schriftliche Notizen machen würde … Der Kellner schien befriedigt und ging wieder weg. Nachdem wir Platz genommen hatten, kam eine Frau und fragte nach unseren Wünschen. Wir bestellten einen Milch-Kaffee und ein Bier. Letzteres war ein Fläschchen Makkabi. 0.33 Liter für 4.90 €, das ergibt einen Literpreis von 15 Euro. Dafür gäbe es in Israel eine saftige Watschen und zwar völlig zurecht! Bei der letzten Wiesen kostete die Maß maximal 9.50 Euro. Aber was nutzt es zu lamentieren? Es dient bestimmt der Sicherheit und passt sicher auch zum Klischee, dass israelisches Bier preiswert ist.

Aus irgendeinem Grund liefen nun (etwas laut) Schnulzen mit Titeln wie „Maria“ (mia san mia ..!?), „Don’t cry for me Argentina“ (tja, warum auch?!) und dann auch noch das nicht minder leidige „Age of Aquarius“. Das niedrig-przentige, dafür hochpreisige Bier und der Milch-Kaffee wurden serviert, dazu rätselhafter Weise aber eine Schale mit Matzen und roter, schwach gewürzter Ölsauce. Letztere machte uns im Gegensatz zu dem Matzot etwas neugierig. Die akademische Vermutung: wohl eine Art Sambal oder so?

Gehörte das nun zum Milch-Kaffee oder zum Bier? Zu den Matzen? Oder nicht eher zu Pessach? Schwer zu sagen. Eine Verwechslung mit anderen Gästen konnte es nicht sein, da keine da waren und die beiden Alten nun auch gingen. Wegen dem Gedudel? Möglich.

Illegales Foto: Oktoberfest in Berlin: Matzen zur Sicherheit

Harmony and understanding, sympathy and trust abounding …“ Eigenartig, aber in einem Regal des Cafes entdeckten wir nun ganze Stapel von Matzen-Packungen, die offenbar zur Identität der Einrichtung dazu gehört. In Rothenburg ob der Tauber gibt es einen Weihnachts-Laden, der ganzjährig geöffnet hat, vielleicht ist das hier als eine Art Entsprechung der Matzen-Laden. Hartes Brot, sie servieren es täglich …

Auf einer Karte konnte man über die Einrichtung selbst lesen, etwa dass das Cafe eine “gemeinnützige Einrichtung” sei und nicht auf Gewinnerzielung angelegt sei – klar, das erkennt man ja schon am Bierpreis – die sich als „integraler Bestandteil der Gemeinde” sehe:  „Es dient dazu, den Mitgliedern, den jüdischen Bürgern und Gästen der Stadt Berlin die Beachtung der religionsgesetzlich vorgeschriebenen Speisegesetze zu ermöglichen.“

Müsste also nur noch geklärt werden, welche Vorschrift besagt, dass man im November zum Bier oder zum Milch-Kaffee Spätherbst-Matzen essen sollte. Aber man muss nicht alles verstehen. Es wird schon der Sicherheit dienen und wenn es zudem noch gemeinnützig ist, kann es ja allen auch recht sein. Dafür sorgt schon die Matzen-Polizei vor der Türe

No more falsehoods and derisions, golden livin dreams dreams of visions, mystic matzah revelation, the mind’s truest liberation. Ma‘tze’os! Ma’ma‘tze’os!”

Auf dem Weg zum WC im hinteren Teil begegnet man noch einem gerahmten Elvis-Porträt und … ach, das ist eigentlich keiner Beschreibung wert.

Auf der Webseite des Establishments kann man Infos nachlesen und auch Photographien sehen:

http://www.adassjisroel.de/beth-cafe

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In Berlin’s Tucholsky Str. at the kosher advertised “Beth Café” end of October you can get a little bottle Maccabee Beer from Israel for 5 Euro and surprisingly a small dish with matzah with an oily chilli sauce, if that was not for the café au lait. For security “reasons” you are not allowed to use your mobile phone or camera, so the question is what the two police men in front of the shop actually are good for? Our educated guess: it is the Matzah-police.

Interested? Here’s the job application training:

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Memorial to Henriette Aronhold 1861 Berlin – 1944 Theresiensadt