In eigener Sache: museumsreif

July 15, 2016

Ausstellung Synagoge Augsburg Jüdisches Museum Nachkriegsgemeinde

Sich selbst als Teil einer Museumsausstellung wiederzufinden ist keine Standarderfahrung. Juden in Deutschland kann dies aber durchaus passieren, da „jüdisches Leben in Deutschland“ von manchen noch immer offenbar als so außergewöhnlich aufgefasst wird, um „museumsreifer“ Gegenstand einer Ausstellung zu werden, oder von vieren gar.

Am 2. Juni eröffnete das Jüdische Kulturmuseum im Foyer der Augsburger Synagoge, Halderstraße den von Marc Wrase realisierten vierten Teil der Ausstellung zur jüdischen Nachkriegsgemeinde in Augsburg: „Im Übergang. Jüdische Gegenwart 1990-2010“ mit einer etwas zerstreuten Münchnerin Charlotte Knobloch als Festrednerin.

Yehuda Shenef Jüdisches Kulturmuseum Augsburg SynagogeEndstation Vitrine ..?

Ist man anderswo auf diesem Planeten (wie fast alle Menschen) mehr oder minder fragmentarischer Bestandteil der Allgemeingesellschaft, so fokussiert (verengt) sich in Deutschland der Blick auf „Jüdisches“ (sobald dieses genannt oder bekannt wird) weiterhin durch Schablonen, die in den Biographien der Betrachter vorrätig sind und oft genug über Generationen vererbt sind. Wie bei anderen musealen Exponaten wissen viele Besucher mehr über die Ausstellungsstücke als diese selbst und die gemeine Muschel widerspricht den Expertisen ebenso wenig wie der rekonstruierte Saurier.

Charlotte Knobloch Synagoge Augsburg 2016Festrednerin Knobloch / Hausherr Alexander Mazo

Alexander Mazo Synagoge Augsburg

Sich dem von der Vitrine aus gegenüberzustellen ist eine ungewohnte und deshalb schon auch reizvolle Daseinsvariante, die sonst, wie etwa im Naturkundemuseum Neandertalern und ausgestopften Füchsen oder Eulen vorbehalten bleibt. Es ist also naheliegend, die Gelegenheit zu nutzen, auch (oder: weil) wenn man damit das Reich des Fossilen bereits betreten hat und als reale Erscheinung in gewissen Apsketen entbehrlich wird. Und das ist auch das Gute daran, kann man künftig bei dummen Fragen gleichfalls realer Zeitgenossen diese doch bequem auf Ausstellung und Katalog verweisen.

Im Laufe von nunmehr sechs Wochen seit der Eröffnung der Ausstellung wurde ich aber auch schon von mehreren (mir zuvor fremden) Personen angesprochen – außerhalb des Museums. Das ist etwas eigenartig, wie man sich denken kann. Aber schon vor Jahren sprach mich mal eine ältere Dame an, die an einer von mir geleitete Führung am Friedhof teilnahm und sich an mich erinnerte (anders als ich an sie), mit den Worten: „Sind Sie nicht der Jude vom Friedhof?“. Und zu Glück nahm sie mir meine Antwort: „Ja, genau, aber ich habe heute Ausgang“ nicht krumm, sondern fand sie recht humorig. Und so verhält es sich nun auch mit dem Musealen, was nur folgerichtig ist, wenn man bedenkt, dass vor einigen Jahrzehnten ein gewisser Herr Heydrich, in Prag, von wo meine Großmutter stammt, auch bereits eine Ausstellung über „jüdisches Leben“ plante.

Im Zentrum der Augsburger Ausstellung im Jahre 2016 steht freilich die aktuelle jüdische Gemeinde, die Großteils von Zuwanderern aus der ehemaligen Sowjetunion besteht. Aus ihren Biographien sind Militärorden ebenso entnommen, wie Kinderspielzeug, Modellschiffe oder russische Pelzmützen.

Russische Uniform Orden Jüdisches Museum Augsburg Augsburg

Im Zentrum der Augsburger Ausstellung im Jahre 2016 steht freilich die aktuelle jüdische Gemeinde, die Großteils von Zuwanderern aus der ehemaligen Sowjetunion besteht. Aus ihren Biographien sind Militärorden ebenso entnommen, wie Kinderspielzeug, Modellschiffe oder russische Pelzmützen.

 

Im Übergang. Jüdische Gegenwart 1990-2010

Teil 4 der Ausstellungsreihe des Jüdischen Kulturmuseum Augsburg-Schwaben

noch zu sehen bis 11. Dezember 2016

im Jüdischen Kulturmuseum Augsburg Schwaben im Foyer der Synagoge Halderstraße 6/8

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Die Stämme Benjamin und Gad – השבטים בנימין וגד

June 2, 2016

ציור של שבטים בנימין וגד
מהיינריך לעמפעל
בית הכנסת אוגסבורג
צוייר בידי חנה טויסנדפלס בשנת תשע’א

Synagogue Augsburg Gad BenjaminDepiction of the Israeli tribes of Benjamin and Gad, designed by Heinrich Lömpel in 1916, painted by Chana Tausendfels in 2010


Svulon & Ish’shachar

May 30, 2016

depiction of the Israeli tribes of Svulon and Ish’shachar at Synagogue of Augsburg, designed by Heinrich Lömpl (1877-1951) for Fritz Landauer about 100 years ago, colorfully adopted by Chana Tausendfels in 2010:

Svulon and Ishshchar Israel Tribes at Synagogue of Augsburg

זבולון יששכר


Jüdische Gegenwart in Augsburg

May 29, 2016

„Im Übergang. Jüdische Gegenwart, 1990-2010“, Letzter Teil der Ausstellungsreihe „JÜDISCHES LEBEN IN AUGSBURG NACH DER KATASTROPHE“

Schirmherrschaft Dr. Charlotte Knobloch.

  1. Juni um 19:30 Uhr

Ausstellungseröffnung im Jüdischen Kulturmuseum Augsburg http://www.jkmas.de in der Synagoge Halderstr. am Königsplatz

Digital StillCamera

EXHIBITION on the current Jewish Community of Augsburg after 1990


Ulmo Grabstein Kriegshaber im Laufe der Zeit

December 20, 2013

Die Entwicklung am jüdischen Friedhof Kriegshaber an Hand des Beispiels des Grabsteins der Chana Ulmo aus dem Jahr 1741

Kriegshaber Cemetery January 20080. vor der Reinigung des bis dato “unbekannten” Grabsteins

Chana Ulmo Grabstein Kriegshaber 2008

1. bei der Reinigung

mit Softschwamm und Wasser

im frostigen Anfang Januar 2008

Chana Ulmo Grabstein Kriegshaber 20102. hinterlassener Pflegezustand im März 2010

Chana Ulmo Grabstein März 20133. mittlerweile neu aufgetretener Schimmel im März 2013

Chana Ulmo gravemarker Kriegshaber Jewish Cemetery December 20134. aktueller zustand gestern nachmittag 19. Dezember 2013

5. “See the stone set in your eyes …” 


Lesen hebräischer Grabsteine – wie geht das?

February 24, 2010

fragment Ichenhausen cemetery friedhofFragment: Ichenhausen

Oft werden wir bei Führungen auf Friedhöfen nach den noch (!) erhaltenen Inschriften gefragt. Dem Interesse für die hebräischen Grabsteine steht jedoch meist die Unkenntnis hebräischer Schrift und Sprachkenntnis entgegen. Die Hemmschwelle, zumindest etwas Hebräisch selbst zu lernen, ist in aller Regel erstaunlich hoch. Dabei ist es auch für Neulernende nicht zu schwer eine größere Zahl der Inschriften leicht zu lesen, da die meisten Grabsteine häufig wiederkehrende Formeln, Ausdrücke oder Abkürzungen gebrauchen. Wir wollen die Hemmung bei allen Interessierten etwas senken und mit dieser kurzen Übersicht mit einigen gängigen Wendungen und Abkürzungen mit der hebräischen Aussprache (diese ist der deutschen recht ähnlich, außer ch stark gesprochen wird wie im dt. Wort Bach und Vokale wie etwa o dumpf lauten wie in Koch und nicht wie in Bochum, etc.) und deutscher Übersetzung etwas reduzieren und einen Anreiz bieten, mehr zu fragen und zu wagen. Vielleicht bei der nächsten Führung ..?

Jüdischer Grabstein Hochfeld Friedhof Augsburg Jewish Cemetery 2007

Das übliche Grundgerüst einer Grabsteininschrift, um das herum bei Bedarf andere Aussagen über den Toten formuliert werden, wäre etwa dieses:

Hier ruht (abgekürzt als  פ”ט oder  פ”נ )

A. Sohn des B. aus D. gestorben am Wochentag (1-6 oder Schabbat), dem Tag-Monat-Jahr meist mit dem Zusatz  לפק = nach „kleiner Zählung“ (d.h. unter Weglassung des Jahrtausends, respektvoll üblich geworden, da das Zeichen für die Zahl 5, bzw. vorangestellt für 5.000 zugleich auch eine häufige Abkürzung für haschem (der-Name), also für Gott ist.

Und zum Abschluss die geläufige Formel  תנצב”ה :  „seine (ihre) Seele sei eingebunden im Bund des Lebens“, eine Segensformel gemäß dem ersten Buch Schmuel = 1. Samuel 25.29.

Fragment Jüdischer Friedhof Kriegshaber 2009 Jewish CemeteryFragment vom jüdischen Friedhof Kriegshaber/ Pfersee, 2009 noch erhalten

Daten, also Tages- und Jahreszahlen werden mit den 22 hebräischen Buchstaben ausgedrückt. Die ersten neun Buchstaben des Alefbet sind die Ziffern 1-9, die folgenden neun Buchstaben sind die Zehnerzahlen 10, 20, … bis 90. Die restlichen 4 Buchstaben stellen die Zahlen 100, 200, 300 und 400 dar. Nächsthöhere Zahlenwerte werden zusammengesetzt, d.h. 500 ergibt sich sodann aus den Zeichen 400+100. Eine weitere Besonderheit sind die Zahlen 15 und 16 die nicht als 10+5 oder 10+6 dargestellt werden, da auch dies wieder an Bestandteile des Gottesnamens erinnert, sondern als 9+6 und 9+7. Da dies nicht nur unpraktisch erscheint, sondern tatsächlich auch ist, verwendet man dieses Zahlensystem natürlich wie im Lateinischen (LXX, MMDCXII, etc.) nur für Inschriften, Seitenzahlen oder Datumsangaben und nicht für Mathematik, um den Lernenden nicht den letzten Nerv zu rauben.

Abkürzungen, häufige Begriffe
Vater aw אב
Richter am Bet Din aw bet din אב”ד
Richter am bet din der heiligen Gemeinde aw bet din kehila kedoscha אבדק”ק
Richter am bet din der Gemeinde aw bet din kehila(t) אבדק
der Herr, Lehrer und Rabbi adoni, mori e-rabi אדמו”ר
Das Heilige Land (Israel) eretz-ha-kodesch אה”ק
Bruder ach אח
Schwester achot אחות
Mann isch איש
Mutter em אם
Das Heilige Land (Israel) eretz-ha-kodesch ארצה”ק
Frau eschet אשת
 
Jüdisches Gemeindegericht bet din ב”ד
Mit Gottes Hilfe be-esrat ha‘schem ב”הבע”ה
Junggeselle bachor בחור
Sohn des frommen Rabbis ben ha-chasid rav בהח”ר
Sohn des Rabbiners ben ha rav בהר
In dieser Zeit Be‘sman ha-se בזה”ז
Sohn des verehrten Lehrers und Rabbiners, Rabbi … ben kevod mori ha-rav rabi בכמהר”ר
In der heiligen Stadt (Jerusalem) be-ir ha-kodesch בעה”ק
Ehemann baal בעל
Sohn (aramäisch) bar בר
Sohn / Tochter des Rabbiners ben rav ב”ר
Tochter bat בת
Jungfrau betula בתולה
 
Garten Eden gan eden ג”ע
 
Onkel dod דוד
Gerechter Richter und Lehrer dajan ve more tzedek דומ”צ
Gerechter Richter dajan tzedek ד”צ
 
Gott (der Name) ha-schem ה
Der Weise ha-gaon הג
 Ende des Laubhütten-Fest hoschana raba הו”ר
Der Fromme ha-chesid הח
der liebe, teuere  ha-jakar היקר
die liebe, teuere  ha-jekra היקרה
der Kohen ha-kohen הכהן
der Levi ha-levi הלוי
Die kommende Welt ha olam ha ba העוה”ב
Die gegenwärtige Welt ha olam ha-se העוה”ז
Der Rabbiner ha-rav הר’
Der Rabbiner, Rabbi ha rav rabi הר’ר
Der Schächter und Prüfer ha schochet u-vodek השו”ב
Seligen Angedenkens sichrona liwracha ז”ל
secher tzadik liwracha זצ”ל
der/die Alte saken, sekena   זקנה / זקן
 
 Halbfeiertag an dem gearbeitet werden darf (Pessach, Suckot) Chol ha-mo‘ed חוה”מ
Monat chodesch חדש
 
„guter Tag“, Feiertag erwähnt in der Thora jom tow יו”ט
Tag der Verständigung jom kipur יו”כ
Kind jeled ילד
 
 geehrter Herr Rabbiner kevod ha-raw rabi כהר”ר
 
Der gesalbte König melech ha-meshiach מה”מ
Ende des Schabbat motzi ha-schabat מוצה”ש
aus der Heiligen Gemeinde mi-kehilat kodesch מק”ק
Frau, Ehefrau marat מרת
 
nischmato began eden menuchato נבג”מ
geboren nolad, nolda נולד -ה
Begraben im Haus der Welt niftar lewet olamo נלב”ע
gestorben niftar (a) נפטר -ה
 
Gutes Zeichen siman tow ס”ט
Heilige BücherSchreiber für Bücher, Tfilin und Mesusot sefer (sifre) ha-kodeschsofer stam ספה”קסופר סת”מ
Bücher, Sfarim, tfilin, mesusot סת”מ
 
Frieden auf ihm / ihr Olav ha-schalom עה”ש
Nach der Heiligen Thora al torat ha’kodesch עטה”ק
Neben … al jad ע”י
Abend (Beginn) des Neujahrsfest erew rosch-ha-schana ערה”ש
Abend (Beginn) des Neumondfest erew rosch chodesch ער”ח
Abend (Beginn) des Schabbat erew schabat ער”ש
hier ist begraben po tamun פ”ט
hier liegt, ruht, ist begraben po nikbar, po nitman פ”נ
Frankfurt am Main frankfurt de-main פפד”מ
 
Heilige Gemeinde (Hebräisch / Aramäisch) kahal kadosch, kehila kedosha ק”ק
 
Vorsitzender des Bet Din rosch aw bet din ראב”ד
Neujahrsfest rosch ha schana רה”ש
Neumond rosch chodesch ר”ח
 
Schächter und Prüfer schochet u‘wodek שו”ב
Fragen und Antworten sche‘elot u‘tschuwot שו”ת
„dem sein sollen lange und gute Tage, amen“(Segensformel für Lebende) schlita = sche-jechije le-orech jamim tovim, amen שליט”א
Jahr schana שנה
„begraben im Haus der Welt“ sche niftar le-wet olamo שנלב”ע
 
Heilige Thora tora ha-kedoscha תוה”ק
„seine (ihre) Seele sei eingebunden im Bund des Lebens“ (Segensformel gemäß 1. Samuel 25.29) tehi nischmato (nafscho) tserura bi-tseror ha-chajim תנצב”ה
Talmud-Thora talmud-tora ת”ת
 
 
 
Tages- und Jahreszahlen  
1   א
2   ב
3   ג
4   ד
5   ה
6   ו
7   ז
8   ח
9   ט
10   י
11   יא
12   יב
13   יג
14   יד
15 (9+6)   טו
16 (9+7)   טז
17    יז
18   יח
19   יט
20   כ
21   כא
22   כב
 
30   ל
40   מ
50   נ
60   ס
70   ע
80   פ
90   צ
100   ק
 
154   קנד
 
200   ר
 
300   ש
 
400   ת
500 (400+100)   תק
 
591   תקצא
 
600   תר
 
700   תש
 
800   תת
 
900   תתק
 
924   תתקכד
 
5555   ה”תקנה
 
 
 Monate  
 
tischri תשרי
(mar)cheschvan חשון, מרחשון
Kis‘lev כסלו
tewet טבת
schwat שבט
Adar 1 אדר א
Adar 2 אדר ב
nisan ניסן
ijar אייר
sivan סיון
tamus תמוז
aw אב
elul אלול
 
 Häufige Vornamen  
 
Abraham awraham אברהם
David   דוד
Rebekka rivka רבקה
Daniel   דניאל
Moses mosche משה
Isaak jitz-chak יצחק
Josef   יוסף
Salomon schlomo שלמה
Ber, Bär ber בער
Se‘ev se‘ev זאב
Chaim   חיים
Leah le‘a לאה
Chana, Hanna, Anna chana חנה
Rachel   רחל
Simon schimon שמעון
Nathan natan נתן
Mordechai מרדכי

How to read Hebrew grave marker inscriptions ..?