Die Bilanz der jüdischen Gemeinde Augsburg 1933

July 4, 2013

Synagoge Augsburg synagogue

Die Bayerische Israelitische Gemeindezeitung vom 1. Juli 1933 (Heft 13) veröffentlichte unter der Rubrik „Aus der Gemeinde Augsburg“ die „Rechnungsablage für das Geschäftsjahr 1932 (1. Januar 1932 mit 31. März 1933)”:

Vermögen:    (in Reichsmark „RM“)

Kassa-Konto:  Barbestand

7.701,17

Hypotheken-Konto:  aufgewertet

1.500.–

Effekten-Konto:  bewertet

1.–

Hausbesitz-Konto: eingesetzt

74.162,11

Stadtsparkasse Augsburg: Guthaben Scheck-Konto

199,82

August Gerstle, Augsburg: Guthaben

141,80

Konto Friedhofserweiterung Kriegshaber

19.852,38

Pensions-Konto: Vortrag vom Versorgungsverband zu tragender

12.928,38

Versicherungs-Konto: Vorausbezahlte Prämien

124.45

Kultus-Kassa-Konto: Fehlbetrag der Jahre 1931, 1932

9.586,48

126.197,72

 

Verbindlichkeiten:

Versorgungs-Konto: Rückstellung für die Umlage 1932

8.884,90

Hypotheken-Konto Stadtsparkasse Augsburg: aufgewertete Hypothek

38.927,82

Darlehens-Konto: Stadtsparkasse Augsburg

50.000.–

Israelitisches Altersheim: Guthaben

9.488.–

Israelitische allgemeine Stiftung: Guthaben

1.970.–

Israelitischer Gräberfonds Augsburg: Guthaben

1.225.–

Bayerische Staatsbank Augsburg: Guthaben

15.702.–

126.197,72

Rechnungsabschluss:

Ausgaben:

Vortrag des Fehlbetrages von 1931

9.476,74

Gehalts- und Entschädigungskonto: ausbezahlt

53.522,45

Versorgungs-Konto: Kosten der Beamten-Versorgung

10.953,31

Chor-Konto: Kosten

1.256,90

Gottesdienst-Konto: Kosten

2.283,58

Gemeinde-Häuser-Konto: Haussteuer, Umlagen, städt. Gebühren, Anschaffungen, Instandsetzungen, usw.

8.524.96

Gottesacker-Konto: Kosten

594,91

Lesezimmer und Bibliothek-Konto: Kosten

466,59

Wohlfahrts-Konto: Zuweisung an die Wohlfahrtsstelle

7.500.–

Bildungs-Konto: Vorträge

19,20

Beheizungs-Konto: Kosten

1.243,25

Beleuchtungs-Konto: Kosten

482,16

Synagogen-Beleuchtungs-Konto: Konto

838,43

Pensions-Konto: Anteil an bezahlten Versorgungen

1.849,18

Ehrungs-Konto: Bedarf

481,90

Zinsen-Konto: bezahlte Schuldzinsen

8.015,25

Versicherungs-Konto: Versicherungskosten

1.529,40

Schächtgebühren-Konto: Berufsgenossenschaft usw.

318,60

Inserate- und Drucksacken-Konto: Kosten

923,60

Wohlfahrtsabgaben-Konto: Mehrleistung

29,66

Beiträge- und Spendenkonto: Subventionen usw.

715.–

Regie-Konto: Verwaltungskosten

1.901,73

112.926,80

Einnahmen:

Umlagen-Konto: Eingänge

73.039,49

Lohnsteuer-Umlagen-Konto: Eingänge

2.812,45

Kopfsteuer-Konto: Eingänge

340.–

Gehalt-Konto: Vergütungen

4.925,20

Schenodorgelder und Mizwohhs in Kriegshaber

210.–

Ausschüttung: auf Pfandbriefe

38,25

Inserat- und Druckkosten-Konto: Rabatte

100,20

Schächtgebühren-Konto: Eingänge

297,80

Gebühren-Konto: Eingänge

3.028.–

Konto vermieteter Plätze: Herren- und Frauenplätze

1.797,50

Gottesdienst-Konto: Zylinderkastenmiete

75.–

Gemeindehäuser-Konto: Mieten

8.327,73

Gottesacker-Konto: Fernsprechkosten und Pacht

124,75

Gebetbuch-Konto: verkaufte Bücher

27,10

Beiträge- und Spendenkonto: Zuschuss der Stiftungen

7.500.–

Zinsen-Konto: Hypothek, Effekten und Scheck-Konto

130.71

Beleuchtungs-Konto: Rabatt

9,76

Synagogen-Beleuchtungs-Konto: Gedächtnislichter und Rabbatt

322,18

Regie-Konto: Fernsprechgebühren

34,20

Bilanz-Konto: Fehlbetrag 1931, 1932

9.586,48

112.926,80

 

Für die Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde Augsburg

Der Kassierer: Max Schloss

* * *

Augsburger Synaoge Halderstrasse

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Manche der Posten liest man heute natürlich mit einem gewissen NEID, … etwa die Nachricht, dass die Beheizung der Augsburger Synagoge fürs ganze Jahr gerechnet nur etwa 1200 Mark kostete, oder jährliche Telefonkosten von 34 Mark (… mit halbierter Summe in Euro ..? *hüst* …). Die Synagoge für 75.000 zu kaufen wäre natürlich auch eine, ähm …  “Idee” … *pfeif* … Aber diese Rechnung geht wohl nicht auf.

Bemerkenswert sind die (fast schon wieder aktuellen) Haushaltsposten zu den Friedhöfen, aber auch die heute kaum vorstellbaren Schächtgebühren. Sehr aufschlussreich sind schließlich auch die doch sehr spezifischen Erträge aus der Reformgemeinde in Augsburg („Zylinderkastenmiete“: 75 RM) und der “orthodoxen” Tradition („Schenodorgelder und Mizwohs in Kriegshaber“: 210 RM).


Kurt Landauer wird bayrischer Filmheld

March 24, 2013

Der Bayerische Rundfunk gab am Freitag bekannt, dass er das Leben von Kurt Landauer (1884-1961) verfilmen wird. Die Dreharbeiten unter der Regie von Hans Steinbichler sollen im Sommer beginnen. Kurt Landauer wird dabei von Josef Bierbichler (b. 1948) dargestellt.

Landauer stammte aus schwäbisch-jüdischen Familien und wurde in Planegg bei München geboren. 1901 war Landauer bereits Spieler des erst im Vorjahr gegründeten FC Bayern. 1913 wurde er erstmals Präsident des Vereins. In seiner zweiten Amtszeit gewann der FC Bayern 1926 und 1928 die Süddeutsche Meisterschaft. 1932 schließlich holte Landauers FC Bayern (Trainer Richard „Little Dombie Kohn) seinen ersten Deutschen Meistertitel durch ein 2:0 im Endspiel gegen Eintracht Frankfurt. Schon im März 1933 musste er sein Amt als Präsident des FC Bayern München aufgeben. In der sog. Kristallnacht wurde er Landauer inhaftiert und in das KZ Dachau überstellt. Dort kam er aber nach kurzer Haft vorübergehend frei und flüchtete sofort in die Schweiz. Obwohl ein Großteil seiner Angehörigen ermordet wurden, kehrte Landauer 1947 nach München zurück und wurde bis 1951 erneut Präsident des Vereins. Landauer starb 1961 und wurde in München begraben – und relativ bald vergessen.

Erst 1965 mit dem Aufstieg in die zwei Jahre zuvor gegründete Bundesliga konnte der FCB wieder an die ersten großen Erfolge unter Kurt Landauer anknüpfen. Seinen zweiten Meistertitel errang der heute bald 22-fache Deutsche Rekordmeister erst im Jahre 1969. Erst in diesem Jahrtausend begann man sich in München dem ersten großen Vorsitzenden des FC Bayern München zu besinnen.

http://www.br.de/nachrichten/oberbayern/verfilmung-leben-kurt-landauer-100.html

  http://www.ovb-online.de/sport/film-ueber-landauer-2816660.html

 

Bavarian TV has announced to make a movie on Kurt Landauer, longtime Jewish president of famous FC Bayern Munich football club. The now unrivaled German record club won the first German champion trophy in 1932 with Landauer and Coach Richard Kohn (Jewish as well). The second Meisterschaft however only was won in 1969, eight years after Landauer, who returned to Munich and became once again president of the club, deceased in his hometown. The shooting as it was told will begin this summer.