Erinnerung an die große Synagoge in Nürnberg

August 14, 2012

postcard ca.1920 and situation today

Am 21. Elul 5634 (= 8 September 1874) wurde der 1870 begonnene Synagogenbau zwischen Pegnitz-Ufer und Hans-Sachs-Platz in Nürnberg eingeweiht. Es war nicht die einzige Synagoge in der Geschichte Nürnbergs und in jener Zeit, doch es war sicher die imposanteste und am meisten fotografierte. Wohl von keiner anderen deutschen Synagoge erschienen so viele unterschiedliche Postkarten (von Augsburg bis heute keine), von Photographien und Malereien ganz zu schweigen. Julius Streicher (geb. in Fleinhausen/Dinkelscherben bei Augsburg) war dies ein Dorn im Auge, vielleicht auch ein Busch. Seiner Ansicht nach passte sie nicht in das Stadtbild der „deutschesten aller deutschen Städte“ und so kam es, dass die Synagoge bereits am 10. August 1938, ein Vierteljahr vor der sog. „Reichskristallnacht“ zerstört und binnen kurzer Zeit beseitigt wurde. Die Überreste und Erinnerungen an den früheren Prachtbau wurden durch eine völlige bauliche Umgestaltung in der Nachkriegszeit entsorgt, auch begünstigt durch eine gewisse Amtskontinuität.

"Hans sucks ..."

Memorial of Hans Sachs (1494-1576), German “Mastersinger” and playwriter, who became famous because of the “Meistersinger” opera by Richard Wagner. The monument at former Spitalplatz (now Hans-Sachs-Platz), planned in 1872, was established in June 1874, severeal weeks before the almost completed synagogue (groundbreaking 1870) was inaugurated. Note the homophone “alternative” spelling of the name sprayed on the left of the official dedication: “Hans sucks …”

Modell der Großen Synagoge am Hans-Sachs-Platz (im Adolf-Hamburger Seniorenheim der IKG Nürnberg)

Heute erinnert am Hans-Sachs-Platz gar nichts mehr an die frühere Existenz der Synagoge. Erst seit 1971 gibt es auf der früheren Rückseite bei der Heubrücke an der Pegnitz eine sog. “Gedenkstätte”, die seitdem aus mehreren deutschen und hebräischen Inschriften und Steinen mit einem Relief der Synagoge und zuletzt im November 2001 um eine Tafel erweitert wurde, die an den früheren Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Nürnberg Leo Katzenberger, der von den Nazis ermordet wurde, erinnern will:

Zum Gedenken an LEO KATZENBERGER Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg 25.11.1873 – 3.6.1942 – verhaftet und angeklagt aufgrund der „Nürnberger Gesetze“, in einem Schauprozess des Sondergerichts Nürnberg ohne Schuld verurteilt und hingerichtet als Opfer der NS-Rassenjustiz.“

(Translation: In Memory of LEO KATZENBERGER head of the Jewish community of Nuremberg 1873 – 1942, arrested and accused on the basis of the “Nuremberg Laws” in a tribunal of the special court Nuremberg sentenced without guilt and executed as victim of the Nazi racial justice)

Leo Katzenberger war von 1939 bis 1942 der letzte Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Nürnberg. Er wurde beschuldigt ein sexuelles Verhältnis mit der „Arierin“ Irene Seiler, die in einer seiner Mietwohnungen lebte, gehabt zu haben und wurde deshalb wegen Verstoßes gegen die sog. „Volksschädlingsverordnung“ (VVO) von einem Nürnberger Gericht zum Tode verurteilt und am 3. Juni 1942 in München geköpft. Irene Sailer wurde wegen „Rassenschande“ zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Tatsächlich bestand zwischen beiden jedoch nur ein Mietverhältnis. Im 1961 gedrehten US-Spielfilm „Das Urteil von Nürnberg“ mit Spencer Tracey, Richard Widmark, Montgomery Clift, Burt Lancaster, William Shatner u.a. der sich mit den Nürnberger Prozessen gegen NS-Juristen beschäftigt, wird Irene Seiler von Judy Garland gespielt.

Judy Garland interview on the importance of the Nuremberg movie and her role (5044)

Pultähnliche Stele mit der Aufschrift:

An dieser Stelle stand die im Jahre 1874  fertig gestellte und im maurischen Stil erbaute Nürnberger Hauptsynagoge. Noch vor der Kristallnacht wurde sie am 10.8.1938 von den NS-Machthabern zerstört und abgetragen.“

Man braucht keine historischen Photographien, an denen es wie bereits erwähnt nicht mangeln würde, um festzustellen, dass, anders als der Text behauptet, die Synagoge nicht nur an “an dieser Stelle” stand, sondern durchaus “etwas” größer war. Der Stil der Synagoge war auch nicht “maurisch”, allenfalls wies die Fassade einige orientalisch anmutende Ornamente auf und es waren auch nicht die “Machthaber” des NS-Regimes, die das Bauwerk zerstörten (dafür waren Leute wie Hitler, Streicher, Goebbels persönlich wohl zu kränklich), sondern junge Nürnberger Nazis und auch an denen bestand kein Mangel. Anstelle lapidar darauf hinzuweisen, dass die Synagoge “abgetragen” wurde (womöglich durch den Wind?), hätte der Text auch dazu Bezug nehmen können, warum der Platz in der Nachkriegszeit nicht wieder für den Neubau oder gar die Rekonstruktion der Synagoge benutzt wurde. Platz wäre dafür gewesen, für die weitere Inschrift und für entsprechende Baumaßnahmen.

(At this spot was the main synagogue of Nuremberg which in 1874 was established in Moorish style. Still before the Kristallnacht on 10th of August 1938 it was destroyed by the Nazi rulers and “carried away” – Of course the place of the synagogue was a little bit bigger than the small desk-like memorial. The style of the synagogue of course was not “Moorish” as maintained also by the Nazi who argued this way against the building as inappropriate in “the most German of all German cities”. The building just had some ornaments at the facade. The same way you can say every bulbous tower of countless churches especially in Southern Germany were “Moorish”)

An beiden Seiten des Pult-Denkmals steht in deutscher und hebräischer Sprache  geschrieben ein halber Vers aus dem Buch des jüdischen Profeten Chagai (חגי):

מי בכם הנשאר אשר ראה את־הבית הזה בכבודו

Was übersetzt wurde mit: “„Wer ist unter euch noch übrig, der dieses Haus in seiner Herrlichkeit gesehen hat?“”

(Chagai 2.3: Who is left among you that saw this house in its honor?)

Der Vers vollständig zitiert würde so weiterghen:

מה אתם ראים אתו עתה הלוא כמהו כאין בעיניכם

Und was seht Ihr jetzt? Hat es irgendeinen Wert in Euren Augen ..?“ (And what are you seeing now? Has it any value in your eyes?)

Man kommt doch ein wenig ins Grübeln, warum der zweite Teil des Verses weggelassen wurde. Vielleicht weil die Anspielung reichte, vielleicht weil 1971 aber noch immer eine Zeit war, in der man es bei solchen Anspielungen belassen musste. 2012 jedenfalls ist auch das vergessen.

Auf der rechten und linken Seite des Pult-Denkmals befindet sich nun an den Mauern ebenfalls in deutscher und hebräischer Sprache ein weiteres Zitat aus der jüdischen Bibel, nun aus dem Buch der “Sprüche” (Proverbs):

כי־תאמר הן לא־ידענו זה הלא־תכן לבות הוא־יבין ונצר נפשך הוא ידע והשיב לאדם כפעלו

(in order to read the Hebrew text it was neccessary to remove some foliage first)

… was auf der gegenüberliegenden Seite übersetzt wurde als „Wenn man sagt: Sieh, wir wussten nichts davon! Glaubst Du nicht, dass er, der das Herz des Menschen kennt, ihn durchschaut? Er vergilt dem Menschen nach seinen Taten

במקום בית הכנסת שעבר נירנברג יש זיכרון אשר מנציח הבניין וראש האחרון של הקהילה היהודית אשר נהרג על ידי הנאצים

(wikipedia)

(כל טקסט ותמונות על ידי יהודה שנף, אם לא צוין אחרת)

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Zur jüdischen Geschichte in Ingolstadt

April 22, 2011

Teil 1:

Die älteste erhaltene namentliche Erwähnung Ingolstadts wird in das Jahr 806 datiert, doch die eigentliche Stadtgeschichte begann erst mit den Wittelsbachern um die Mitte des 13. Jahrhunderts und der bald darauf beginnenden Befestigung der Stadt. Die ersten Notizen über Juden in Ingolstadt gehen auch auf die Zeit der Stadtgründung durch Herzog Ludwig II zurück. Gemäß den Angaben Arno Friedmanns, 1934 am jüdischen Friedhof in Ingolstadt bestattet, besagt eine Ingolstädter Urkunde des Jahres 1322, dass sich vier Vertreter der jüdischen Gemeinde in der Stadt dazu verpflichten, sich am Bau der Stadtmauer zu beteiligen. Namentlich genannt werden dabei aber fünf: „Gutman“ ,“ Jacob“, „Lamb“, „Göschel“ und „Genenl“. Der Name Göschel wird allgemein auf „Gothe“ zurückgeführt, was aber (auch) im (zeitlichen) Kontext wenig Sinn macht. Die nahverwandte Form Gössel, auch als jüdischer Personenname belegt, wird auf den geläufigeren Jossel bezogen, der wiederum auf den biblischen Josef (יוסף) zurückgeht. Lamb ist eine öfter anzutreffende Form von Lamm, später auch als Familienname belegt. „Genenl“ wäre bestenfalls als „Genendl“ (גענענדל, גנענדל) denkbar, aber wäre geläufiger als „Gnendl“ der Name einer Frau. Max Weinreich leitete den Namen vom bei Lexer gefundenen „genanne“ (ge-namme) ab, in der Bedeutung „Freundin“. Zugrundliegen könnte freilich auch hebräisch גנן (genan) für „Garten“, womit Gnendl in etwa „Gärtchen“ wäre, vielleicht in Anspielung auf „Eden“. Im heutigen Hebräisch sind die entsprechenden weiblichen Namensformen „Gana“ (גנה) und „Ganit“ (גנית) recht geläufig.

Wie auch immer, erinnert das Arrangement von 1322 an den Vertrag der Augsburger Juden mit den Räten der Stadt aus dem Jahre 1298. Auch hier traten eine Zahl von Juden für die gesamte Gemeinde auf und gaben eine entsprechende Verpflichtung ab, baulich tätig zu werden. Es ist denkbar, dass man in Ingolstadt der Augsburger Vorlage folgen wollte, da dort die Erfahrungen für alle Seiten positiv waren – die Stadtmauer wurde gebaut, das Stadtgebiet erweitert und die Juden hatten einen vor äußeren Angriffen geschützten Friedhof. In Augsburg erinnerten noch lange Zeit später noch Namen wie „Judenturm“ und „Judenwall“ an die bauliche Leistung im Rahmen der Stadterweiterung um 1300. Es ist folglich nicht zu viel spekuliert, wenn man davon ausgeht, dass auch in Ingolstadt „Judentörl“ und „Judenturm“ eine entsprechende enge Bewandtnis zum Bau haben dürften.

Etwa zur selben Zeit wurde auch geregelt, dass Juden in Ingolstadt auf ein Pfund Pfennige die Woche 2 Pfennige Wucher (also Zins) nehmen durften, von auswärtigen Schuldnern gar 3 Pfennige pro Pfund und Woche. Ein Pfund Pfennige oder Pfund entsprach einem Gulden (fl.) oder in anderen Gebieten auch der Mark und unterteilte sich bei zahlreichen regionalen Abweichungen in 20 Schilling oder 240 Pfennige (anderswo in entsprechend viele Heller). Zwei von 240 Pfennigen entsprechen dem 120. Teil in einer Woche (0.8 %), auf ein ganzes Jahr berechnet würde dies einem jährlichen Zinssatz von über 40 % (bzw. 65 % bei Auswärtigen) entsprechen.

Ein aktueller Bankkredit zudem neben Zinsen ggf. noch Nebenkosten wie Kreditversicherungen und Gebühren kommen können ist gewiss billiger zu haben, aber auch nicht der passende Vergleich zu einem mittelalterlichen Geldgeschäft, die – mangels etablierter Banken und ohne allgemein verbindliche Rechtsansprüche – zum einem in der Regel schnelle Termingeschäfte waren und zum anderen auf fremden Risikokapital beruhten. Es wurde in aller Regel nur kurzfristig geliehen und wer sich nun als Ingolstädter also 240 Pfennige für ein, zwei Wochen lieh (nicht selten mit einem Pfand als Sicherheit), gab dann fristgerecht eben 242 oder 244 zurück, usw. Der Leiher unternahm zwischenzeitlich auch Geschäfte und machte meist über den Ankauf und Verkauf von Waren ein Geschäft, dass er ohne das Risikokapital nicht tätigen konnte.

Der passende Vergleich wäre heute also ganz sicher nicht der Bankkredit, sondern (noch immer) die Pfandleihe.

Aktuelle Internetseiten deutscher Pfandhäuser geben datailliert Aufschluss über die anfallenden Gebühren. An Kosten für den Pfandkredit entstehen in der Regel 1 % der Summe pro Monat, sowie 2 % Unkostenvergütung pro Monat, macht zusammen also 3 % pro Monat auf die für das abgegebene Pfand ausgeliehene Summe . Wenn man dies aufs Jahr rechnet ergibt sich auch da 36 % Jahreszins. Da dies nur ein eher günstiges Beispiel ist und einige Anbieter weit höhere Gebühren (das Wort Zins wird – wie bei Banken – allgemein gerne vermieden) verlangen, gibt das Stadtamt Bremen beispielswiese eine Größenordnung von 25 – 100 % „auf das Jahr umgerechnet“ an. Nimmt man diese ganz aktuellen Pfandleihe-Beispiele aus Deutschland, stellt man fest, dass die mittelalterlichen jüdischen Pfandleiher, wie etwa jene aus Ingolstadt, auch heute noch eher am unterem Ende der Preisskala  liegen würden, obwohl die rechtliche Absicherung für den Geldleiher heute eine ungleich bessere wäre. Zusätzlich zum ursprünglichen Pfandgeschäft kann man heute bei Zahlungsschwierigkeiten aber auch noch Teilbeträge zurückzahlen und die Restsumme als neue Pfandleihe berechnen, wodurch die Kosten natürlich insgesamt steigen. Erfolgt in sechs Monaten keine Zahlung wird das Pfand versteigert. Das war – bei abweichenden Regelungen in den Stadtbüchern einzelner Städte – auch im Mittelalter wenig anders. Wer also die Idee verfechten will, dass die von jüdischen Pfand- und Geldleihern verlangten Zinsen zumindest nach heutigen Maßstäben tatsächlich “Wucher” wären, liegt falsch und sollte sich über die heute gängigen nichtjüdischen Gebühren zeitgenössischer Pfandleihen und über Wesen, Vor- und Nachteile des Pfandgeschäfts im allgemeinen informieren und dann weiterreden, falls es dann noch Bedarf gibt.

1348 kam es auch in Ingolstadt zu Angriffen auf die Juden, wozu Details sicher interessant wären, da vielerorts ja die Jahreszahl alleine zu genügen scheint, um „alles“ zu erklären. 1355 sind wieder Juden in Ingolstadt verzeichnet, doch bereits 1384 wurden sie aus der Stadt gewiesen. Eine im Stadtarchiv Ingolstadt erhaltene auf das Datum des 15. Juli 1397 datierte Pergament – Urkunde  (Urk A 238) berichtet über eine Schenkung Stefan Pfalzgraf und Herzog von Bayern (= Herzog Stefan III., 1337-1413, von 1392-1413 Herzog von Bayern-Ingolstadt, genannt „der Kneißl“, bzw. der „Prächtige“), Enkel Kaiser Ludwig des Bayern (1282-1347). Stefan schenkt dem Rat und den Bürgern von Ingolstadt die Judenschule, den Judenhof und „etliche andere Häuser“, die (1384 wohl) „freigeworden“ waren, und zwar zum Bau einer Kapelle. In dieser soll sodann eine von ihm finanzierte tägliche Messe (eine Art Bittgebet) abgehalten werden und der dafür vorgesehene Kaplan (eine Art Unter – Pfarrer) mit dem merkwürdigen Namen „Hans der Eseltreiber“ soll zusätzlich noch „steuerfrei“ das Haus gegeben werden, das zuvor der „Rigklinn“ gehört hatte.

 Im Wortlaut: „Wir Stephan von Gottes Gnaden Pfalzgraf bey Rein und Herzog in Bairn … bekennen offennlich mit dem Brieff für Unns und Unnser Erben und Nachkommen, das Wir angesehen haben die die vergengklichen Zeit aller irdischen Ding und die beleiblichen und himlischen, das pillich ain ieglich Christenmensch auffs ewigs bedennckt in Entweichung des unbeleibenden. Wann Wir nu newlichen drey ewig Mess gestift haben aus Unnser Statt Stewr ze Ingolstat, die man bisher gehabt hatt in der Pfarkirchen doselben, und nu auch die Juden von derselben Unnser Stat entwichen sind, so haben Wir Gott ze Lob und und seienr lieben Muter und allen Hailigen zu Eer und auch durch vleißig Gebet Unnser lieben getrewen des Rats und der Burger gemainlich zu Ingolstat, und derselben Unnser Stat ze Wird und Eere, die egenannten Juden Schul und Juden Hof gegeben zu rechten Aigen ain Capellen daraus und darauff ze stiften und ze bawen, die Unnser egenannt lieb getrew der Ratt und die Burger gemainlich zu Ingolstat stiften und bawen sollen in Unnser Frawen Eer. Und darein haben Wir der egenannten dreier Mess aine, nemlich die Hanns der Eßeltreiber Unnser eltister Capplan jetzo hatt zu einem Anfang geschickt und und geordent, das die ewiglich darinn gehabt soll werden teglichen auff die Zeit und in der Mass als dann nach Rat erfunden würt, und demselben Capplan haben Wir zu ewiglich vermacht das haws, das da der Rigklinn gewest ist, mit seiner Zugehörung und stewrfrey für ein rechts aigen, unverzigen des Zinnss, der von daraus gat. Und also mainen und wollen Wir, das solch Unnser gab und ordnung ewiglich also bestee und beleib one meniglichs Irrung und minderung trewlich und on geverde. Urkund dies Brieffs der geben und mit Unnsernanhangenden Insigel besigelt ist zu München an Suntag nach Sant Margarethen Tag nach Christi Geburt 1397

(zitiert nach „Geschichte des uralten königlichen Maierhofes Ingolstat, izt der königlich bayerischen Hauptstadt Ingolstadt von ihrem ersten Ursprunge …“, (Mederer / Huebner) Ingolstadt 1807, S. 92-93)

Ob „Rigklinn” (Ricklin ?), die frühere Besitzerin eines Hauses im jüdischen Viertel von Ingolstadt selbst Jüdin war, wird zwar offenbar überall vorausgesetzt, bleibt aber unklar. Die Urkunde wird auf das Jahr 1397 datiert, während die Juden, die dem Wortlaut gemäß „entschwunden“ waren, dem Vernehmen nach bereits 1384 die Stadt verließen. Dies würde bedeuten, dass das Haus zum einem seit 13 Jahren leerstand und zum anderen, dass eine Jüdin über diese Zeit dem Herzog besser im Gedächtnis geblieben wäre als der vor Ort tätige Kaplan, der etwas eigenartig als „Hans der Eseltreiber“ umschrieben wird. Unklar scheint auch, warum nun, 13 Jahre nach dem „Entschwinden“ der Juden Anlass für das Schreiben gegeben war. 1405 so weiß man, kehrten Juden in die Stadt zurück. Beanspruchten sie damals den früheren jüdischen Besitz, den sie zurücklassen mussten? War es deshalb empfohlen eine rechtliche Urkunde vorweisen zu können oder wurde sie wegen einem anderen Anlass in diese Zeit zurückdatiert?

Unter den Lokalhistorikern scheint es umstritten zu sein, ob an diesem Platz überhaupt eine frühere Synagoge bestanden hat. Einem Zeitungsbericht der Neuburger Nachrichten vom 18. Sept. 2007 zufolge ergaben archäologische Grabungen am heutigen Viktualienmarkt „nicht die Spur einer Synagoge“ , während der Heimatkundler Theodor Straub sich ganz sicher ist, dass die „Schuttermuttergotteskapelle“ anstelle der früheren Synagoge war.

Wurde die „Judenschule“ zur Kapelle umfunktioniert oder wurde sie abgerissen und durch einen Neubau ersetzt? Ist die Schule mit dem jüdischen Bethaus, der Synagoge identisch oder gab es wie an vielen anderen Orten auch getrennte Räumlichkeiten, insbesondere dann wenn Rabbiner am Ort ein eigenes talmudisches Lehrhaus unterhielten, wie das längere Zeit im mittelalterlichen Augsburg der Fall war. Weder ein Abriss noch eine Konversion sind unzweifelhaft. Ebenso möglich ist, dass 1405 ein Gebäude als Synagoge genutzt wurde, dass auch vorher schon diesen Zweck erfüllte, letztlich ist das heute kaum zu entscheiden und genau genommen auch ohne ernsten Belang, da eine ehemalige Synagoge in jüdischer Sicht keine Relevanz zukommt. Es handelt sich nicht um einen magischen Ort, sondern um einen Ort des Gebets, der durch die Präsenz der Thora geheiligt wird. Relevanter wäre die Frage ob die Bezeichnung “Judenhof” auf einen mittelalterlichen jüdischen Friedhof anspielen könnte.

Am verdächtigten Ort wird heute jedenfalls Ingolstädter Bier ausgeschenkt, was angesichts der zahlreichen bierlosen aber –ernsten „Gedenkstätten“ eine willkommene und gelungene Abwechslung ist.

There still is a somewhat controversial debate over the question if the “Schuttermutter” church (Schutter is a Danube tributary) of after 1384 was established instead of a former synagogue, whether the synagogue was demolished before or simply was converted or if there was a synagogue at all. A deed from Munich dating 1397 indicates that the property of the “vanished” Jews – a Jewish school (Juden Schul), Jewish court (Juden Hof) and “several houses” was granted by the Herzog to the council and Burger of Ingolstadt. But is remains unclear where exactly the synagogue was located. But more relevant would be the question if “Judenhof” (Jews court, not necessarly in a legally meaning – Judenkirchhof for instance was a widely used term for medieval Jewish cemeteries). At Viktualienmarkt however there now are a number of kiosks which over food and beer, what at summerly wheather is recommended to all visitors.