1871: Kriegshaber Juden spenden für notleidende Juden im Heiligen Land Israel

December 3, 2015

 

Jerusalem 1870 Western Wall Kotel Westmauersource: upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/5b/Jews_at_Western_Wall_by_Felix_Bonfils,_1870s.jpg

Waren es in früheren Zeiten vereinzelte Mäzene aus den Familien Ulmo oder Wertheimer, die mitunter mit durchaus stattlichen Summen die jüdischen Siedler und Gemeinden im Lande Israel unterstützten, so findet man in den 1860ern in jüdischen Zeitschriften immer wieder Listen von mittleren und kleineren Beiträgen die von einzelnen Gemeinden und ihren namentlich genannten Mitgliedern gespendet wurden.
Ein solches Beispiel findet sich in der Beilage zur Nummer 10 der Zeitschrift „Der Israelit – Zentralorgan für das orthodoxe Judentum“, vom Mittwoch, 8. März 1871 (5631) das von Dr. Marcus Lehmann in Mainz herausgegeben wurde. Neben vielen weiteren sind auch die Beiträge der jüdischen Gemeinde aus Kriegshaber genannt. Neben der durchaus respektablen Anzahl von 35 namentlich genannten und alphabetisch geordneten Spender, darunter eine ganze Reihe jüdischer Vereine aus Kriegshaber, sind auch die jeweiligen Summen aufschlussreich:

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Durch den Kultusvorstand in Kriegshaber: Karl Obermeyer (= Carl von Obermayer) und Joseph Fromm: Hermann Aufhauser 1fl. (= Gulden), Nathan Bacherach 30 kr. (= Kreuzer), Leopold Dick 1 fl., Elias Dick 1 fl., Bernhard Dick 1 fl., Abraham Elias Dick 18 kr., Frau Babett Dick 1 fl., Simon Einstein 48 kr., Joseph Eppstein 1 fl., Jakob Fischer 1 fl., Joseph Fromm 2 fl., Bernhard Feldmann 30 kr., Philipp Gumperz 48 kr., Heinrich Gumperz 1 fl., Elkan Gundelfinger 1 fl. 30 kr., Jakob Götz 1 fl. 48 kr., Samuel Gutmann 18 kr., David Koch 30 kr., Heinrich Levinger 1 fl. 10 kr., David Lämle 48 kr., Joel Mändle 30 kr., Henle Obermayer 36 kr., Karl Obermayer (Cousin des Carl von Obermayer) 1 fl. 30 kr., Moritz Obermayer 30 kr., Max Untermayer 30 kr., Moses Weil 1 fl. 10 kr., Simon Weil 1fl. 45 kr., Samuel Weil 30 kr., Seligmann Weisenböck 24 kr., Aaron Wassermann 1 fl., Moses Mayer 30 kr., Frau Henriette Guggenheimer 12 kr., S. Mayer 30 kr., 1 fl. 10 kr.“

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Danach genannt sind auf Hebräisch eine Zahl von Vereinen als Spender: חברא תלמוד-תורה (Talmud-Tora Verein) 1 fl. 30 kr., חברא גמילות-חסידים (Wohltätigkeitsverein) 1 fl. 30 kr., חברא קמחא-דפסחא (Mehl für Pessach Club) 1 fl. 30 kr., חברא דעץ (Holz-Verein, Heizmaterial für Bedürftige) 1fl. 30 kr., חברא בחורים (Jugend-Club) 5fl., der „Frauenverein“ mit 1 fl. 30 kr. und schließlich noch die „Cultus-Kasse“ mit weiteren 5 fl.

(für weitere Einzelheiten zur jüdischen Gemeinde Kriegshaber in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts siehe: Yehuda Shenef – Mord am Lech, 2013, Kokavim-Verlag, ISBN 978-3944092034).

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Insgesamt spendeten die Kriegshaber Juden im März 1871 (es gab mehrere solcher Spenden-Auflistungen pro Jahr, in der Regel im Vorfeld großer Feiertage), persönlich und/oder über Abgaben an Kriegshaber Vereine 46 Gulden und 57 Kreuzer für notleidende jüdische Gemeinden in Israel. Bemerkenswert ist, dass der Jugendclub mit 5 Gulden neben der Kultusgemeinde mit dem selben Betrag die größten Einzelspender sind. Die meisten Spender sind uns namentlich bekannt, weshalb sich auch manches zu den Personen anmerken ließ.

 

Beispielsweise zu Leopold Dick, dem Sohn von Abraham Moses Dick und seiner Frau Babette, geborene Neuburger. Leopold (Jehuda), kurz Leo spendete einen Gulden für die Armen in Israel. Das ist durchaus bemerkenswert wenn man berücksichtigt, dass Leo Dick damals erst 13 Jahre alt war und offenbar wenigstens etwas vom Ertrag seiner Bar Mitzwa (im Februar 1871) an die Notleidenden in Israel weiterreichte.

Nur vier Jahre später, am 20. August 1875 starb der (in Augsburg beschäftigte) Handlungslehrling bei einem Verkehrsunfall. Gerüchte darüber, dass ein schneller Reiter ihn mehr oder minder absichtlich erfasste, gab es ebenso wie eine Einstellung des Verfahrens durch die lokalen Ermittler, aus Mangeln an Beweisen, bzw. wie es damals formuliert wurde „aufgrund widersprüchlicher Zeugenaussagen wird keine weitere Investigation vorgenommen“. Rechtsstaat eben.

Anzumerken wäre allerdings auch, dass es in der damaligen Zeit, einige Jahrzehnte vor dem Automobil eine überraschend hohe Anzahl an Verkehrstoten und Verletzten gab, die man sich allgemein wohl erst danach vorstellen kann oder will. Eilboten oder Kutscher waren jedoch oft schneller unterwegs, als wir es heutzutage im Stadtverkehr gewohnt sind. Da in der Regel nur Hauptstraßen in Städten gepflastert waren, hörte man sie auch nur dort bereits auf größerer Distanz, während man am Stadtrand von Kriegshaber gewissermaßen aufpassen musste, ob nicht jemand um die Kurve hetzt.

Leopold Juda Dick 1858-1875 Kriegshaber AugsburgLeo Juda Dick – 15. Feb. 1858 – 20. Aug. 1875

Ein Gulden hatte damals 60 Kreuzer. Den heutigen Geldwert (die sog. Kaufkraft”) kann man wegen der Unterschiedlichkeit der Lebens- und Einkommensverhältnisse schwer ermessen. Hilfreich ist aber vielleicht zu wissen, dass der Sold eines einfachen bayerischen Soldaten im Monat bei einem Gulden lag, soviel wie der durchschnittliche Wochenlohn eines Augsburger Webers oder Schneiders, während ein Schullehrer 50 Gulden im Monat und katholischer Bischof mit 8.000 Gulden im Jahr ausgestattet wurde und der Augsburger Bürgermeister (von 1866 bis 1900 war das Ludwig Fischer) 5000 Gulden im Jahr verdiente.

Kaufen konnte man 1870 in Bayern mit einem Gulden jeweils etwa rund 80 Kilo Kartoffeln, 10 Liter Milch oder Bier, 3 Pfund Rind- oder Schweinefleisch, eine Ente oder eine Forelle, 4 Liter Branntwein, 2 Pfund Würfelzucker oder 12 Orangen.

Die Preise in der der damaligen osmanischen Provinz Asch-Scham (‏الشام), von den Briten nach 1917 “Palestine” (Palestina) genannt, waren in Bezug auf die meisten Produkte kaum habl so hoch als in Bayern, was auch mit der sehr geringen, meist ländlichen Bevölkerung zu tun hatte.


Der Priester-Segen der Kriegshaber Synagoge

June 26, 2014

Zu den erhaltenen wenigen Überresten in der ehemaligen Synagoge in der Ulmer Straße in Kriegshaber gehörte die Inschrift mit dem ברכת כהנים dem Priester- bzw. Aaronitischen Segen über dem Türstock des ehemaligen Synagogenraums. Der Birchat Kohanim ist der historisch älteste überlieferte Segen des Judentums und wird in Übersetzungen auch von Christen in aller Welt zitiert. Er stellt eines der bekanntesten Zitate des Judentums und der Weltliteratur dar und steht praktisch für den Segen Gottes an seine Gemeinde. Über der Türe der Synagoge kam dem Priestersegen auch in der alten Kriegshaber Synagoge eine besondere Bedeutung zu. Es ist bezeichnend, dass der Segen, der sowohl die Überfälle der Nazis, wie auch den Missbrauch der Synagoge in den Folgejahren und sogar auch den jahrzehntelangen Verfall überstand, nun aber ausgerechnet Opfer der “Restaurierung” des Gebäudes wurde.

Kriegshaber Synagoge Priester Segen Türe Überrest 2012Überreste des Aaronitischen Priestersegens in schönen blauen Lettern über dem Eingang der ehemaligen Synagoge von Kriegshaber Ende Januar 2012. Im Zuge der Renovierungsarbeiten wurde die linke Hälfte der Inschrift bereits übertüncht.

Kriegshaber synagogue priestly blessing inscription - birchat kohanimSelbst Analphabeten erkennen zumindest das Vorhandensein von Buchstaben, dem kundigen Leser erschließt sich mit dem zweifelsfreien ישא יי פניו אליך (Gott erhebe sein Angesicht über Dich) sofort der allgemein bekannte Priestersegen. Ihn nicht zu kennen entspräche im Christentum wohl nicht zu wissen, was Weihnachten ist. “Weihnachten? Nie gehört!” “Was isse Nikolaus? Nixe wisse! Laus nix gut. Du nehme Spray?!”

Arthur Obermayer Kriegshaber Synagogue in front of priestly blessing 2012Dr. Arthur Obermayer in front of the door, above the Birchat Kohanim inscription

Unser Begleiter im Januar 2012, Herr Arthur Obermayer aus Boston/Ma. fragte damals die Architekten, die uns die arbeiten am Gebäude erleuterten, ob es möglich sei, zu sagen, um was für eine Inschrift es sich handelte. Mit dem Hinweis darauf, dass es sich um eines der berümtesten hebräischen Zitate der Bibel überhaupt handelt, das auch im Christentum äußerst populär sei, wandte er sich an die Leiter der Restaurierungsarbeiten und schlug ihnen vor, dass sie sich an uns wenden können, wenn sie Fragen bezüglich dieser oder anderer Inschriften oder Funde habe. Darüber wurde nun schnell Einverständnis erzielt und den Verantwortlichen Visitenkarten übergeben. Genutzt wurde das Angebot freilich nicht. Nachfragen unsererseits bleiben unbeantwortet, weshalb wir davon ausgehen können, dass die Ausmerzung der Inschrift so gewollt ist.

Durch die langwierige und recht teure “Restaurierung” ist der Priestersegen nun beseitigt worden, was angesichts der involvierten Fachkompetenz von Prof. Kießling, Dr. Brandt und Dr. Schönhagen und anderer Personen, die sich schon mal mit hebräischen Buchstaben und Texten befasst haben sollten, doch überrascht.

Kriegshaber Synagoge Museum Ausstellung Umgang heuteOhne Segen – “Umgang mit den ehemaligen Synagogen heute

Das sich gleich neben der Türe eine Tafel der Wanderausstellung über (ehemalige) “Synagogen in Schwaben” befindet, welche Aufschluss geben will, über den Umgang mit diesen heute ist, wie vieles andere selbstredend.

Priestersegen Kriegshaber priestly blessing Birchat Kohanim?  … מנא מנא תקל ופרסין

Vom rein technischen Standpunkt wäre es sicherlich kein “Problem”, die getilgte Inschrift wieder anzubringen, insofern das nicht weitere Unsummen verschlingen sollte. Gewollt sein wird es absehbar nicht. Eine Gemeinde, die gesegnet werden soll, gibt es ja nun auch nicht mehr.

Wir erinnern an sie.

במהלך השיקום בבית הכנסת לשעבר בקריגסהבר אוגסבורג שעכשיו הוא מוזיאון ממלכתי המומחים להכחיד הכהנים מעל דלת בת כנסת

-לפני 2 שנים שדברנו עם המומחים באופן מפורש על כך. מאז הם לא יכולים לקרוא בעברית הצביעה ד”ר ארתור אוברמייר מבוסטון עלינו. היה להם כרטיסי הביקור שלנו, אבל לא שאל. עכשיו הכיתוב קריא בוטל

ההרס היה מכוון. הם לא יכלו לקרוא את ברכת הכהנים והם יכולים להשתמש בו

אף אחד לא אכפת ! להיפטר ממנו

הם חוששים תלמוד תורה ועד היום

 

Kriegshaber synagoge museum exhibition June 2014

IN the course of the costly restoration of the former synagogue of Kriegshaber and the conversion to a branch of the stately Jewish Kulturmuseum an old Hebrew inscription above the entrance door of the main room of the prayer house was wiped out, although two years earlier the issue was adressed empahically by us and Mr. Arthur Obermayer from Boston. The current exhibition of the new museum on former synagogue in Bavarian Swabia now also has an article on “the appraoch today”.  Obviously that is self-evident.

Photos: Margit (2014), Yehuda (2012)


Kriegshaber Synagoge Hinter-Gitter

February 21, 2014

Die neugestaltete Rückseite der ehemaligen Synagoge von Kriegshaber, ausgestattet mit einem Aufzug und einem Müllhäuschen anstelle der früheren Mikwe ist nun mit schwarzen Gitterstäben umgeben, die derzeit freilich selbst noch von einem Bauzaun geschützt werden.

Synagoge Kriegshaber Hintereingang Gitterput behind bars: former synagoge of Kriegshaber (Augsburg)

אשבר עליו חקי ואשים בריח ודלתים


אל תלכי ללקט בשדה אחר

January 14, 2013

Synagoge Kriegshaber

ווו אַמאָל איז געווען די מקווה פון ייִדיש קהל פון קריעגסהבער אין עתיד וועט זייַן געזאמלט די אשפה פון דער נייַ מוזיי

Kriegshaber Mikwe Tauchbad Mikvah

Kriegshaber mikvah Mikwe

באייר תשע

Where once was the mikvah of Kriegshaber in the future the garbage of the new museum will be collected.

Kriegshaber synagoge Januar 2013

Kriegshaber Synagoge Müllraum

Ziemlich genau da, wo sich nach Angaben alter Katasterpläne früher das Tauchbad (Mikwe) der jüdischen Gemeinde von Kriegshaber befand, wird später in einer eigens dafür geschaffenen Konstruktion der Abfall des künftigen jüdischen Museums gesammelt.

Kriegshaber Museum Synagoge Müllraum

https://jhva.wordpress.com/2011/12/21/die-tauche-von-kriegshaber/


Jüdische Geschichte im Zollhaus Kriegshaber

November 20, 2012

Das Zollhaus in Kriegshaber, das bis 1805 die Grenze zwischen dem Gebiet der Reichsstadt Augsburg zur österreichischen Markgrafschaft markierte wurde 1730 Mosche Jehuda Günzburger (ca. 1670-1734) und seinem Sohn Eleasar Mosche Günzburger (1697-1764) erbaut, nachdem im Jahr zuvor der wesentlich ältere Vorgängerbau eingestürzt war. Diesen hatte Mosches Vater Jehuda Löb Günzburger (1640-1709), ein Nachkomme des Schimon Elieser Ulmo Günzburg(1506-1585) , von dessen Söhnen sich einige als „Ulmo“ im benachbarten Pfersee neiderließen, etwa um 1695 angemietet und dann gekauft. Wie dieses war auch der Neubau der Günzburger eigentlich in erster Linie das private Wohnhaus der Familie Günzburger, andererseits aber auch wenigstens formell „das Zollhaus“, was in der Praxis bedeutete, dass der Vogt zeitweilig eine Stube benutzen durfte, bzw. im Nebengebäude einen kleinen Anbau hatte, gegenüber dem Stadel, der damals zum Anwesen gehörte. Zweifellos war das Zollhaus jedoch niemals ein offizielles Amtsgebäude, sondern Privatbesitz der jüdischen Familie Günzburger. Zeitweilig wurden Teile des Hauses auch von Mitgliedern der verschwägerten Hoffaktorenfamilie der Mendle bewohnt.

Als Architekt des Hauses gilt heute der schwäbische Baumeister Josef Dossenberger (1721-1785), der den Bau aber kaum als neunjähriger ausgeführt haben wird. Denkbar wäre aber, das Dossenbergers Vater gemeint war, der als Maurermeister und Architekt überliefert wird. Wie dem auch sei, kann man voraussetzen, dass die gestalterischen Vorgaben nun aber doch vom Auftraggeber und Finanzier des Baues stammten.

Als im September 1803 die jüdischen Gemeinden in Pfersee, Kriegshaber, Steppach und einem guten Dutzend weiterer Orte in damals noch österreichischen Schwaben überfallen wurde, zählte auch das Haus der Familie Günzburger zu denen, die durchsucht, durchwühlt und im Dachboden aufgebrochen wurden, auf der erfolglosen Suche nach illegalen Druckmaschinen. Da ward das Zoll- zum Tollhaus. Als zwei Jahre später Vorderösterreich von der Landkarte verschwand und viele seiner Gebiete dem mit Napoleon verbündeten Herzogtum Bayern, künftig ein Königreich, geschenkt wurden, bedurfte es keines ohnehin nur theoretischen Zollhauses in Kriegshaber. Juda Mosche Günzburger (1757-1833)  verkaufte das ebenso stattliche wie stabile Haus. Eine Reihe seiner Nachkommen blieben in Kriegshaber wohnen oder siedelten später nach Augsburg, andere – wie sein Sohn Natan – zog es sofort nach München, wo die Verwandten Mendles gut etabliert waren. Zwei der Söhne von Natan Günzburger (1780-1841) wurden wie zahlreiche ihrer Vorfahren am jüdischen Friedhof von Kriegshaber / Pfersee bestattet: Isaak Günzburger (1809-1879) und Israel Günzburger (1805-1883). Mit ihnen endet offenbar die Geschichte der Familie Günzburger in Kriegshaber.

Jüdischer Friedhof Kriegshaber / Pfersee: vorne Grabstein für Israel Günzburger (1805-1883)

Im Gebäude richtete das nunmehr bayerische Kriegshaber 1806 eine kleine Schule ein. Später wurde ein großes Schulgebäude errichtet und ab 1916 wurde im Haus eine Polizeidienststelle eingerichtet. Seit einigen Jahrzehnten sind im ehemaligen Wohnhaus der Günzburger an der Ulmer Straße 182 eine Reihe von Vereinen und Organisationen untergebracht, darunter die örtliche Arbeiterwohlfahrt (Vereinslokal) und ihr „Altenclub“, der Schach Klub Kriegshaber www.skk.de dessen erste Mannschaft in der Oberliga aktiv ist, und viele andere mehr.

The old tollhouse of Kriegshaber, once at the border between Austrian Kriegshaber and the territory of the Imperial City of Augsburg, in 1730 was built by the Jewish Guenzburger family, who two centuries were residents of Kriegshaber. The house actually was their own private home and was not used for toll or custom purposes, beside that in some times a small office cell was granted to the local bailiff. When in the end of 1805 the Austrian Forelands became part of the newly founded Kingdom of Bavaria (a present by Napoleon to his Bavarian allies), there was no more need for an already only formal tollhouse. The Guenzburger family in 1806 sold the house to the local community which established the first local (non-Jewish) school in Kriegshaber. In 1916, when a egular school house was built in the backyard, the house was used as police station. Today it hosts a number of social clubs and organizations as well as the local chess club of Kriegshaber, which actually is the biggest one in Augsburg. However, there is no reference to the Jewish family who built the house and lived there two centuries.

When in September 1803 among others also the Jewish community of Kriegshaber was attacked on Erev Shabbos (Friday evening) before Yom Kippur, also the Guenzburger family was raided by the soldiers who searched for illegal printing machines. So – as a scene of the story – it was a good place to introduce the German translation of the report by Pfersee rabbi Ber Ulmo at the club house’s pub right here to a small but very interested audience.

http://en.wikipedia.org/wiki/Ber_Ulmo

הבית המכס של קריגסהבר באוגסבורג נבנה בשנת 1730 על ידי המשפחה היהודיה גינצבורגער

http://www.amazon.com/gp/product/3944092007/ref=olp_product_details?ie=UTF8&me=&seller=


Jüdischer Friedhof Kriegshaber: Nicht die Zeit heilt Wunden, sondern Pflege

August 2, 2012

Babette Obermayer / Wertheimer (1794-1850) wurde in Kriegshaber gegenüber der ehemaligen Synagoge geboren. Sie war die Tochter des Kriegshaber und Augsburger Bankiers Jakob Obermayer (1755-1828) und der Ida Oppenheimer (1765-1845) aus Pfersee und die jüngere Schwester des Bankiers und Eisenbahn-Pioniers Isidor Obermayer (1783-1862), der in Augsburg das heutige Augsburger Standesamt an der Maximilianstraße/Heilig Grab Gasse als Wohnhaus der Familie erworben hatte.

Durch ihre Heirat mit dem aus Regensburg stammenden Siegfried (Isaak) Wertheimer (1777-1836) wurde sie zur innig geliebten Stiefmutter von Ferdinand Wertheimer (1817-1883), des späteren oberösterreichischen Landtagsabgeordneten, Agrarökonom, Gutsbesitzer, Eisenbahnbauer und Ehrenbürger von Braunau, Ried und Ranshofen. Da Ferdinand Wertheimer Ehrenbürger Braunaus war und Adolf Hitler in der Kapelle auf dem Gutshof der Wertheimer getauft wurde, lag die Vermutung nahe, dass die Schändung seine Grabes und das seiner Stiefmutter, die öfter für seine leibliche Mutter gehalten wurde, in diesem Zusammenhang veranlasst worden sein konnte. Das Grabmal – eine Gruft – der am 14. April 1850 in Wien verstorbenen und eine Woche später am jüdischen Friedhof von Kriegshaber / Pfersee beigesetzten Babette Wertheimer, war über Jahrzehnte offen und es kostete in den letzten Jahren stetige Mühe die unakzeptable Schande immer wieder aufs neue zu thematisieren.

Umso erfreuter und erleichterter waren wir nun, dass es nun endlich gelang, alle Verantwortlichen so weit zu bringen, die Verantwortung zu übernehmen, um die erforderlichen Sicherungsmaßnahmen (unachtsame Besucher, darunter auch über die Mauer kletternde Kinder konnten ggf. in die offene Gruft hinein sinken, die mit allerlei Zivilisationsmüll übersät war …) vorzunehmen und das offene Grab endlich zu schließen. Unser ausdrücklicher Dank gilt hierbei dem neuen Friedhofsdezernent des Landesverband der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern, Herrn Martin David Kurz, dem Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Augsburg Schwaben Herrn Alexander Mazo und dem zuständigen Friedhofsbeauftragten Herrn Alexander Baron, und dem ausführenden Steinmetz Herbert Böllner.

Unser Dank gilt allen Genannten in gleicher Weise auch in Bezug auf die Beseitigung einer weiteren Schande, nämlich, das gleich in der Nähe befindliche Grabmal des Carl von Obermayer (1811-1889), des Sohnes des oben genannten Isidor Obermayer, dem ersten formellen Vorsitzenden der neuzeitlichen Augsburger jüdischen Gemeinde unter dessen Leitung ein Wohnhaus in der Wintergasse zur Synagoge umgebaut und der Grabplatz für den eigenen jüdischen Friedhof im Augsburger Stadtteil Hochfeld zwischen Altem Postweg und Haunstetter Straße erworben wurde. Er war zudem Oberst der Landwehr alter Ordnung in Augsburg und damit ranghöchster jüdischer Offizier in Bayern, darüber hinaus ein bedeutender Militärstratege, Mäzen, Opernliebhaber und schließlich auch lange Zeit Konsul der Vereinigten Staaten von Amerika in Bayern. Unsere Bemühungen, ihn im Jahre 2011 anlässlich seines 20o. Geburtstag seitens der Stadt Augsburg würdigen zu lassen, waren trotz lokaler und internationaler Unterstützung leider vergeblich. Nun jedoch wurde nach langen Jahren vergeblicher Bemühungen, zu denen wir selbst auch den (moralischen) Beistand eines Bundeswehrgenerals erhielten, gelang es nun doch, seine seit Jahren zerschlagene endlich zu wiederherzustellen und eine weitere schändliche Wunde am Kriegshaber Friedhof zu heilen.

Nichtsdesto trotz wurden eine Menge noch bestehender, aber auch neuer Probleme ofenbar, die keine weiteren Jahre oder gar jahrzehnte sich hinschleppende Querelen ertragen können. Es zeigt sich nämlich im Bereich des alle kümmernden Denkmalschutzes im Sinne der Halacha, dass die Zeit keine Wunden heilt, sondern nur Taten und kontinuierliche Pflege. Es ist ein Mitzwa und ein Gebot des Anstands, alle Kräfte zu bündeln, um das Andenken and die Menschen aufrechtzuerhalten.

One moth earlier it looked liked this:

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Decades and years after the willful destruction of the grave markers of Ferdinand Wertheimer and his alleged mother (actually she was his step mother) Babette Wertheimer as well as the memorial of Carl von Obermayer, it finally was possible to prevail on the owners and responsible people to recover the peace and honor of the deceased and to remove two major eyesores and stain on the reputation of the Cemetery, community and region, hardly any took notice for decades, although the buried during their lifetime were well known personalities of high international renown. The “open grave” (actually a small vault) of Babette Wertheimer (nee Obermayer), probably desecrated by the Nazi now was stabilized and covered. Also the grave marker of Carl von Obermayer who was Consul of the United States of America (appointed by US President James Knox Polk (1795 – 1849)himself, which was smashed for many years now was stabilized and the honor of the buried now was restored.

Many thanks to the stone masons for their tremendous work and to the bodies of the Jewish Community of Augsburg and the Assosiation of Jewish Communities in Bavaria as legal owner, resp. and customer of the long overdue works in order to protect the unique munuments.

Lets hope that the vigor may be maintained, since there are a number of open problems as well as newly created ones who need immediate and responsible action and no further delay or neglect for years or maybe decades. Once again it turned out that regarding monument protection times does not heal wounds of the past, but constantly taking care: to walk the talk.

 


Kriegshaber synagogue construction site

July 17, 2012

Not just the former synagogue at Kriegshaber after deaces of neglect is being restored in order to convert the building into a museum also at the rear side of the building where once was the mikvah (German: Tauche) there are extensive construction works. Apparanetly there now will be elevators and the like. They do not fit the historical structure but rather for the convenience of potential visitors and staff.

 

Pictures: yehuda, May 25, 2012


תמונות של בית הכנסת לשעבר קריגסהבר

November 20, 2011

 


 הוקם על 1680, שוחזר בשנת 1862, שימש עד 1941

 שימוש לרעה על ידי הנאצים, לאחר מלחמת העולם השנייה שימשה הכנסייה הנוצרית וכן מחסן

 ההזנחה הארוכה גרמה נזקים קשים

 עכשיו, עבודות בנייה לשיקום המבנה נמצאים בעיצומם

בעתיד בבניין יהיה עוד הממלכתי מוזיאון היהודי

 

Currently the building of the former Synagogue of Kriegshaber (Augsburg) is restored. After decades of neglect there now is the aim to establish another stately “Jewish Museum”. 

Die Restaurierungsarbeiten in der ehemaligen Synagoge von Kriegshaber sind nun voll im Gange, werden aber wohl noch über ein Jahr andauern. Am Ende soll im dann sanierten Gebäude eine Filiale (bzw. “dépandance”) des staatlichen “Jüdischen” Museums untergebracht werden.