Das NS Dokumentationszentrum in München

April 13, 2016

NS Dokumentationszentrum Münchenהמרכז לתיעוד ההיסטוריה של הנאציזם במינכן

Jede Geschichte hat ihre Vorgeschichte. Dieser Merksatz ist ebenso simpel wie grundlegend. Ein recht gutes Beispiel dafür ist auch das im letzten Jahr nach langen Diskussionen und Planungen eröffnete Museum zur Münchner Nazi-Geschichte in der Brienner Straße 34 (früher 45). Der Neubau fußt auf der früheren Parteizentrale der Nationalsozialisten, dem von ihnen selbst sog. „Braunen Haus“.  Eine Perspektive die zwar vielen Zeitgenossen genügt, unseren Blick auf die Unwegsamkeit der Geschichte aber nicht verbaut.

Obelisk Karolinenplatz München NS Dokuzentrum

Wdimung Obelisk Karolinenplatz München

Die Brienner Straße in der Maxvorstadt, benannt nach der Schlacht bei Brienne le Château vom 1. Februar 1814 verläuft vorbei an Karolinenplatz und Königsplatz und ist noch heute von seinen klassizistischen Monumentalbauten beherrscht. Am augenfälligsten ist gewiss der aus vielen Richtungen schon von weitem sichtbare, weil fast dreißig Meter hohe dunkle Obelisk, den König Ludwig I. 1833 errichten ließ.  Zum Andenken an die „dreißigtausend Bayern die im russischen Krieg den Tod fanden“, denn wie es in einer der Inschriften heißt:  „Auch sie starben für des Vaterlandes Befreyung“. Offenbar davon inspiriert bauten die Nazi 1935 vor ihrer Parteizentrale zwei als „Ehrentempel“ titulierte Leichenhallen, in welchem sie die Überreste von 16 exhumierten „Helden“ beisetzten, die zwölf Jahre zuvor beim missglückten „Hitler-Putsch“ ums Leben kamen. Aus der Sicht der nun herrschenden Nazis starben auch jene Vorkämpfer für die „Befreiung des Vaterlandes“. 1833 – 1933. Jede Geschichte hat ihre Vorgeschichte.

Brienner Str München NS Dokumentationszentrum Torההיסטוריה היהודית הנשכחת של הבית לרחוב

Das „Braune Haus“ selbst hat mehrere davon. Dass aber ausgerechnet dieses Gebäude keine Eigenleistung der Nazi ist, die für doch für ihre „Bauwut“ bekannt waren, wissen wenige. Das herrschaftliche Palais wurde nämlich bereits 1828 errichtet, von dem aus Frankreich stammenden, stadtbekannten königlich-bayerischen Baurat Jean Baptist Métivier (1781-1853). Zwei Jahre zuvor hatte er die von ihm im Auftrag der Münchner Juden entworfene prächtige Synagoge in der Westenriederstraße fertiggestellt. Anstatt selbst darin zu wohnen überließ Métivier das Palais nun aber dem Tabakfabrikanten Carl Freiherr von Lotzbeck (1786-1873). Der hatte 1811 in Augsburg die insolvente Schüle’sche Kattunfabrik übernommen und 1819 bei der St. Anna-Kirche eine neues, noch größeres Werk errichtet, die „Lotzbeck’sche Toback Fabrik“, später „Lotzbeck & Compagnie“, die von seinem Schwiegersohn Ludwig Sander (1790-1877) geleitet wurde, dessen weitere Maschinenfabrik als Vorläufer der späteren MAN gilt. Heute befindet sich der Augsburger Stadtmarkt auf dem Gelände der früheren Tabakfabrik.

NS Dokumentationszentrum München und der Nationalsozialismus

1876 wurde das auch als Lotzbeck-Palais bekannt gewordene Gebäude an den englischen Textilfabrikanten Richard Barlow verkauft. 1911 erbte dessen Sohn Dr. phil. Willy E. Barlow (1869-1928) das Haus. Während des ersten Weltkriegs hatte er freilich Deutschland verlassen und nach 1919 das Haus gewerblich vermietet. Hauptmieter war nun Otto Neubauer, der im Erdgeschoss des Hauses die von seinem Vater Moritz gegründete Möbelfabrikation M. Neubauer betrieb (mit Werkstatt und Laden), das zuvor seinen Sitz in der Löwengrube 13 hatte, desweiteren die Bayerische Aluminium AG. Zu den privaten Mietern gehörte seit Mitte der 1920er auch Wilhelm Engelhardt, Stadtbauverwalter der Stadt München.

München Braunes Haus Info NS Dokumentationszentrumבירת התנועה של הנאצים

1928 starb Willy Barlow, der in Münchner Adressbüchern als „Rentner“ bezeichnet ist, in Ansbach. Seine Witwe kam zurück nach München, um das mittlerweile als „Barlow-Palais“ bezeichnete Haus zu veräußern. Die Stadt München war daran interessiert, es zu erwerben, um dort eine kommunale Musikschule einzurichten. Doch wegen knapper Haushaltmittel wollte sich die Stadt den prestigeträchtigen Erwerb nicht leisten. Die Tatsache, dass seit Ende 1929 bereits acht Mitglieder der NSDAP dem Münchner Stadtrat abgehörten, spielte für den weiteren Verlauf durchaus eine Rolle. Unter ihnen war auch der aus Braunschweig stammende Sohn eines Baptistenpredigers Karl Fiehler (1895-1969), der damals Obersekretär in der Münchner Stadtverwaltung war. Schon 1920 war er Mitglied der NSDAP geworden und am Putschversuch von 1923 beteiligt, wofür er zu einer 15monatigen Haftstrafe in Landsberg verurteilt wurde. 1933 bis 1945 war er Münchner Oberbürgermeister. Auf Fiehler geht wahrscheinlich sogar das Schlagwort von München als „Hauptstadt der Bewegung“ zurück. Dass die NSDAP-Stadträte mit dem Kauf des teuren Palais zu hatten, liegt auf der Hand, ist aber deshalb in den Details auch nicht weiter relevant, steht doch fest, dass Palais an die NSDAP verkauft wurde. Dass die kaum zehn Jahre alte Partei die Finanzierung des üppigen Kaufpreises von über achthunderttausend Goldmark stemmen konnte, soll an Krediten und Bürgschaften der Großindustriellen Thyssen und Flick gelegen haben. Das hätte damals schon zu denken geben sollen. Die bisherigen Mieter mussten nun, 1930, die Brienner Straße 45 umgehend räumen. Das Palais wurde umgebaut und 1931 von Hitler und seinen Schergen lauthals als „Braunes Haus“ propagiert. Den Vormieter der Nazis, Otto Neubauer, den Inhaber der bis dahin im Palais beherbergten Möbelfabrik ließ man später verhaften, weil er Jude war, und bereits im August 1938 im Konzentrationslager Sachsenhausens ermorden. An ihn könnte vor dem Haus einer jener Stolpersteine erinnern, die anderswo überall zu sehen sind. In München nicht.

 Arisierung in München Wertheimer Optik Linder Neuhauserstr 53 Ettstr sog. “Arisierung” in München, Optik Wertheimer (NS Dokuzentrum)

München Brienner Str 45 im Adressbuch 1926 Barlow Neubauer MöbelfabrikAuszug aus dem Münchner Adressbuch von 1926

Weniger Jahre später laute der Eintrag für das selbe Haus:

München Brienner Str 45 im Adressbuch 1935 als Braunes HausFür den “Verein” hatte damals unterschrieben “Adolf Hitler, Kunstmaler”

Die jüdische Vorgeschichte des „Braunen Hauses“ ist heute vergessen und wird im heutigen Museum (wo das “Schicksal” der Juden in München durchaus thematisiert wird)  nicht weiter groß thematisiert, auch nicht, dass die meisten Privathäuser der Nachbarschaft ebenfalls jüdisches Eigentum waren, wie eben die beiden direkten Nachbarhäuser, von denen heute nur eines noch steht. Haus 43 gehörte bis zur „Enteignung“ durch die Nazi, dem aus Wittelshofen bei Ansbach stammenden Julius Freundlich (1853-1937), der mit seinem Bruder Moritz eine erfolgreiche Holzgroßhandlung betrieb, für die er als  königlicher Kommerzienrat ausgezeichnet wurde. Auf der anderen Seite war Haus 47, das dem königlichen Hofantiquar Jacques Rosenthal gehörte. Er selbst wohnte im dritten Stock seines Hauses, direkt über der Wohnung seines Sohnes Erwin, der Kunsthistoriker war. Im Parterre befand sich das Buch- und Kunstantiquariat der Rosenthals, während im ersten Stock der Reichsfinanzrat Dr. Klemens Busch wohnte. Ganz oben, im vierten Stock war das Atelier des Kunstmaler Ludwig Butz. Das Haus Brienner Straße 51 gehörte den Lämmles, die im Erdgeschoss ebenfalls ein Antiquitätengeschäft betrieben, Haus 48 auf der anderen Straßenseite gehörte bis Mitte der 1930er dem gleichfalls jüdischen Industriellen Franz Hesselberger (aus der fränkischen, auch in Augsburg präsenten Hopfen-Familie) und bot auch dem Kunsthändler Heilbronner Räumlichkeiten. Haus 52 war im Besitz der aus Augsburg zugezogenen Familie Wortsmann, die dort ein weiteres Möbelgeschäfts betrieben und einen zweiten Laden für das Damenmodegeschäft der Rothschilds ermöglichten. Die Liste ist erheblich erweiterbar, aber es dürfte klar geworden sein, dass die Münchner Nazihochburg bis dahin eine jüdische Domäne war, in der Kunst und Antiquitäten vorherrschten. Dass es Hitler, den “Kunstmaler” gerade hier hin zog, scheint kein Zufall, auch wenn sein Kunstverständnis und das seiner Genossen offenkundig ein anderes war.

Haus der Deutschen Kunst München Ausstellung 1937 homoerotische Skulptureneigenartige Nazi-Kunst (München, Haus der Deutschen Kunst, 1937)

Das „Braune Haus“ wurde 1945 zerstört, die beiden „Tempel“ zwei Jahre später von Amerikanern gesprengt, ob die jahrelang verehrten Nazigräber erneut exhumiert wurden oder heute noch bestehen, ist den Angaben vor Ort nicht zu entnehmen, lediglich, dass die Fundamente der „Tempel“ noch vorhanden sind. Bei der zeitgenössischen, „historischen“ Betrachtung, die heute insbesondere auf den Kontrast zwischen klassischer und nazistischer Inszenierung abzielt – im Eckhaus an der Arcisstraße, von Hitler als „Führerbau“ verwendet, gibt es mittlerweile übrigens die Ende der 1920er gewollte Kunstschule – spielt die jüdische Vergangenheit der noblen Nachbarschaft keine Rolle.

München NS Dokumentationszentrum Ehrentempel Sockel ÜberrestÜberrest eines der “Ehrentempel” – Fundamente beim NS Dokuzentrum

NS Dokumentationszentrum Treppebewusste Anspielung auf die Nazi-Ästhetik ..?

Nach langen Jahren strittiger Debatten darüber, wie und ob man mit dem „Erbe“ und der „Geschichte“ umgehen wollte, entstand das im Sommer 2015 eröffnete (eingeweihte?) neue „NS-Dokumentationszentrum“, mit der „Dauerausstellung: München und der Nationalsozialismus“ und wechselnden Sonderausstellungen, aktuell gerade „erfasst, verfolgt, vernichtet – Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus“. Im Gebäude inbegriffen sind ein Lernforum, ein Auditorium mit Cafe und ein schmaler Buchladen, eine weitere Filiale der  „Literaturhandlung“ (die man von jüdischen Museen in München, Fürth, Augsburg, usw., oder früher noch von der Fürstenstraße her kennt). Instruktionen sind auch in Blindenschrift vorhanden (sogar mehrsprachig), es gibt Audioguides und mehrsprachige Türbeschriftungen, ab und an sogar auch auf Hebräisch (הו, כמה יפה).

NS Dokumentationszentrum München Fenster

Der Stil des Museum genügt selbstverständlich den Ansprüchen und Prämissen der modernen Museumspädagogik und setzt dabei auf karge, sachliche Distanz und Raumwirkung, verbunden mit Beleuchtungs- und Medieneffekten. Ob gewollt oder nicht, entspricht dies durchaus der Ästhetik der Nationalsozialisten, wie man in der Ausstellung anhand diverser Ausstellungsobjekte auch wiederum unschwer nachvollziehen kann, etwa in der Ausstellung „Deutscher Kunst“ in München im Jahre 1937. Offenbar sollen sie dann aber doch schon eher imposant und monströs wirken und nicht unbedingt kleingeistig und spießig, diese Nazis. Ob das den “historischen Kern” wirklich trifft und ob man damit nicht eher dem Propagandaeffekt aufsitzt und weiter tradiert, lässt sich fragen, aber nicht objektiv beantworten.

NS Dokumentationszentrum Luftkrieg AusstellungstafelDurchaus gelungen sind Darstellungen wie diese, die vor dem Hintergrund einer zerbombten deutschen Straßenszene (ob sie tatsächlich München zeigt, kann man nur erahnen) den Kontext zu vorhergehenden Freudennachrichten über deutsche Bombardements im Ausland einblendet, wodurch auch dem dümmsten Betrachter der Zusammenhang ersichtlich werden müsste.

American Soldier carry away Hauptstadt der Bewegung Munich MünchenOn the spot of the former “Brown House”, the headquarter of Hitler’s Munich based Nazi Party last year opened a museum which depicts (not only) the local Nazi history, but misses somehow to point out that the building proper as well as most of the other private houses in the Brienner Str. had a Jewish past, not far from the “American House” at Karolinenplatz, where now are restorations works underway as well.

America House Munich restoration workshistory always has a previous history


Deutschland 1936: Verbot jüdischer Künstlernamen

January 7, 2016

Verbot jüdischer Künstlernamen
„Die Behörden haben jüdischen Künstlern die Führung von Künstlernamen untersagt, sowohl in Ausübung ihres Berufes als auch im privaten Gebrauch. Da wir künftig sämtliche Künstler nur noch mit ihrem bürgerlichen Namen ankündigen dürfen, teilen wir unseren Mitgliedern diejenigen Münchener jüdischen Künstler mit, bei welchen diese Änderung erforderlich ist:
Kapellmeister Erich Eisner, früher Künstlername Erck
Marieluise Kohn, früher Knstlername Luiko
Ida Kraft, früher Künstlername Gordon
Oberspielleiter Hugo Magnus, früher Künstlername Magnus Groß
Bernhard Renkazischok, früher Künstlername Renka

Bayerische Israelitische Gemeindezeitung, 1. Januar 1936, S. 11

Neandertaler Augsburg Israel Carmel NaturkundemuseumNaturkundemuseum Augsburg: Abguß vom Schädel eines sog. “Neanderthalers” (Künstlername), gefunden bei Mt. Carmel in Israel: Klarname unbekannt

  • * * *

At the end of 1935 German government prohibited the use of of any artist names (Künstlername, such as stage, screen, showbiz, pen, etc.), pseudonym or nom de plume by Jews. The article of the Bavarian Jewry noted the names of Munich artists who would be effected by the new law.

  • * **

בסוף 1935 ממשלה הגרמנית אסר על השימוש בכל אחד משמות בדויים על ידי יהודים


Simon ben Sanwil Ulmo (1645-1720)

February 6, 2015

Yehuda Shenef as Simon ben Sanwil Ulmo of Pfersee Augsburg 1645 - 1720

yehuda shenef as simon sanwil ulmo of pfersee

 

Rabbi Simon ben Sanwil Ulmo (1645-1720) was head of the renowned Jewish community of Pfersee and owner of the not less famous Talmudic script, which by experts is regarded as oldest surviving almost complete handwriting of the Talmud Babli, later known as “Pferseer Handschrift”,  lost in 1803 when Simons offspring Ber Ulmo (1751-1837) was in prison under false allegations, and at least from 1880s is in possession of the Bavarian State library (BSB) in Munich.

Rabbi Simon Ulmo lived in Pfersee next to the synagogue and was court agent of Austrian as well as Bavarian rulers and head of the Swabian Jewry “Medinat Schwaben”. He also was author of a small Hebrew book on human traits, such as desire (תשוקה), fixation (הקבוע) or vanity (הגנדרנות), which we currently translate in modern German and what likely will be released this summer. He is buried at the Jewish cemetery of Kriegshaber/Pfersee in the north-western part of Augsburg, which from 1945 until 1998 was surrounded by US army housing facilities (Centerville, Cramerton).

To honor R. Simon Ulmo already we captured the costume which he was wearing as court agent in Vienna which is in late baroque style (about 1690).  The costume was manufactured by master tailor Margit Hummel, Friedberg.

Simon ben Sanwil Ulmo Pfersee 1645 - 1720 Yehuda Shenef

יהודה שנף לבוש כהרב שמעון בן זאנוול אולמא מפערשי ליד אוגסבורג

הבארוק מאוחר
רב שמעון אולמא היה ראש היהדים במדינת שוואבען

בביתו בפערשי היה הכתב יד המפורסם של התלמוד בבלי שהיום במינכן

רב שמעון אולמא כתב ספר קטן ששת פרקי על תכונות אנושיות

זאנוול = שמואל


Fuerstenfeldbruck Airfield Memorial

November 3, 2013

Fürstenfeldbruck Airfield Fliegerhorst 1972 Olympia Memorialבשדה התעופה פירסטנפלדברוק

Am frühen Morgen des 5. September 1972 erstürmten acht bewaffnete palästinensische Terroristen im sog. „Olympischen Dorf“ in der Conollystr. 31 in München das Quartier der  israelischen Sportmannschaft, wobei sie zwei Israelis verwundeten. Sie verbluteten ohne medizinische Versorgung und Hilfe.  In der Gefangenschaft erhielten die noch lebenden, aber geknebelten Athleten Besuch vom damaligen deutschen Innenminister Hans-Dietrich Genscher. Zweck des Gewaltverbrechens war die Freipressung inhaftierter Terroristen, unter anderem die in deutschen Gefängnissen inhaftierten deutschen Terroristen Baader, Meinhof und Co. von der RAF, in deren nachträglichen Erklärung u. a. bereits von „Israels Nazi-Faschismus“ die Rede ist. Seitdem eine geläufige Metapher im Munde linker und rechter Extremisten.

Fürstenfeldbruck Fliegerhorst Denkmal 1972

Die gefangenen Sportler und die palästinensischen Gangster wurden gegen halb elf Uhr abends mit zwei Helikoptern zum nahegelegenen Militärflughafen Fürstenfeldbruck geflogen, wo sie bereits nach elf Minuten Flugzeit landeten. Wie zwischen den deutschen Behörden und den Palästinensern vereinbart wurde, sollte von hier aus ein Flugzeug die Terroristen und die Gefangenen nach Kairo fliegen.

Wenige Minuten nach Landung der Helikopter auf dem Flugfeld begannen die deutschen Gastgeber die palästinensischen Gangster zu beschießen. Den teilweise widersprüchlichen Berichten gemäß waren die Sicherheitskräfte überfordert, schlecht koordiniert und dürftig ausgerüstet, was angesichts der Geschichte und Bedeutung des Ortes wenigstens überrascht:

1935 wurde von den Nazis auf dem Feld zwischen Fürstenfeldbruck und Maisach die sog. Luftkriegsschule (LKS) als größte und bedeutendste Ausbildungsstätte des Deutschen Reiches geschaffen. Zu den dort errichteten, noch erhaltenen Bauten gehörten der sog „Kilometer“-Bau, der tatsächliche aber „nur“ 998 Meter lang ist. Bekannt sind der Turm des Schulungsgebäudes und der „Nibelungen-Saal“, dessen Fresken von dem nationalsozialistischen Künstler Albert Burkhart (1898-1982) gestaltet wurden. Nach dem „Untergang“ war Burkhart Professor und Leiter der Staatlichen Kunstschule in Frankfurt am Main und wurde 1969 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Am Flugfeld Fürstenfeldbruck wurden die Piloten der in zahlreichen Außenlagern der Umgebung von Zwangsarbeitern gefertigten Messerschmitt „Me 262“ ausgebildet.

Fliegerhorst Fürstenfeldbruck Deutsche LuftwaffeFliegerhorst Fürstenfeldbruck: Deutsche Luftwaffe

Seit 1957 befindet sich dort nun ein Stützpunkt der Luftwaffe der Bundeswehr, der aktuellen Planungen nach 2019 geschlossen werden soll. Die bis dato einzige Bedrohung stellte der als „Pasinger Knödelschütze“ bekannt gewordene Anwohner Helmut Winter  (geb. 1919) dar. Um gegen den Fluglärm zu protestieren, hatte er Mitte der 1960er Jahre damit gedroht mit einem Knödel-Katapult die Gerätschaften der Luftwaffe auszuschalten, was für internationale Aufmerksamkeit und einiges Gelächter gesorgt hatte. Unter anderem berichtete auch die New York Toimes darüber: http://web.archive.org/web/20070927172047/http://wirtshausinderau.de/knoedelei/gfx/zeitung/002.gif

Die palästinensischen Gangster hatten mehr als nur Knödel mitgebracht, und die Bundeswehr an ihrem Standort überrascht.

Die Schießerei zwischen den deutschen Schützen und palästinensischen Terroristen dauerte allen Berichten gemäß etwa von halb elf Uhr bis um halb zwei Uhr, als etwa drei Stunden, was in den meisten Darstellungen filmisch auf wenige Augenblicke oder Minuten verkürzt und deshalb für das situative Verständnis missverstanden wird.

 Zwischenzeitlich hatte Conrad Ahlers sogar die “erfolgreiche Befreiung” der Sportler verkündet.

Ahlers (1922-1980) war Sprecher der von Willy Brandt geführten Bundesregierung und diente in Kriegszeiten bei der Luftwaffe und an der Ostfront.

Fürstenfeldbruck Fliegerhorst Denkmal 1972 (3)memorial at entrance of Fuerstenfeldbruck Airbase

Keiner der entführten Israelis überlebte. Sie starben gefesselt in ausgebrannten Helikoptern. Ob sie im einzelnen von deutschen oder palästinensischen Schüssen getroffen wurden, ehe die Fluggeräte durch detonierte Handgranaten in Feuerbälle verwandelt wurden, diese innerhalb oder unterhalb explodierten, … ist auch nach über vierzig Jahren umstritten und ebenso wenig zu klären, wer am 5. oder erst am 6. September 1972 starb.

Der deutsche Polizist Anton Fliegerbauer der ums Leben kam wurde übrigens im Turm von einem „Querschläger“ getroffen.

Luftwaffensützpunkt Fürstenfeldbruck not walkable: Luftwaffe Airbase Fürstenfeldbruck

Am 5. September 1999 wurde vor dem Eingang des Luftwaffenstützpunktes ein Denkmal zur Erinnerung an die ermordeten israelischen Sportler und den getöteten deutschen Polizisten eingeweiht. Gestaltet wurde es von dem deutschen Bildhauer Johann Ludwig Götz (geb. 1934) aus Gröbenzell, dessen Wettbewerbsentwurf den Zuschlag erhalten hatte. Das eigentümliche Konstrukt ist an der linken Mauer neben der vielbefahrenen Einfahrt zum Luftwaffenstützpunkt platziert.

Die Inschrift des Denkmals lautet:

Während der Spiele der XX. Olympiade wurden am V.IX.1972 von Terroristen getötet

Mosche Weinberg, Josef Romano, David Berger, Seew Friedman, Josef Guttfreund, Elieser Halpin, Amizur Shapira. Kehal Shorr, Mark Slavin, Andre Spitzer, Jaakow Springer, Anton Fliegerbauer

Fürstenfeldbruck Olympia Massaker Denkmal Memorial Inschrift

Denkmal Fürstenfeldbuck Olympia 1972 1999 Hannes L. Götz

Olympia Murder Memorial 1972 Fuerstenfeldbruck Luftwaffe Bundeswehrmemorial next to the entrance of the Luftwaffe airbase

Wegen der berechtigten Kritik, dass das Denkmal sowohl die Herkunft der Mörder und Ermordeten verschweigt, etablierte man einige Meter neben dem Denkmal eine weitere erklärende Inschrift, die zumindest diesen Sachverhalt verdeutlicht:

Während der Spiele der XX. Olympiade in München überfielen palästinensische Terroristen die Sportmannschaft des Staates Israel, töteten zwei Menschen und nahmen neun weitere als Geiseln.

Beim Versuch, die Geiseln zu befreien, starben am 05. September 1972 auf dem Flugfeld des Fliegerhorstes Fürstenfeldbruck alle neun israelischen Sportler und ein deutscher Polizeibeamter.

Erinnerungstafel Fürstenfeldbruck Olympia 1972additional explanation naming the nationalities of the killers and the murdered

„Gestorben“ waren auch fünf der palästinensische Entführer und Mörder. Ihre Namen bleiben unerwähnt, ebenso wenig wie der Umstand, dass drei überlebende Gangster kaum drei Monate seitens der sozial-liberalen Bundesregierung Brandt / Scheel freigelassen wurden, weshalb sie sich sodann im arabischen TV als “Helden” feiern lassen konnten.

Neben der zusätzlichen Erklärungstafel befindet sich ein weiteres Schild, was sich im Kontext mit dem Geschehen, dem hier gedacht werden soll, eigentümlich liest, nämlich der Hinweis, dass es bei dem umzäunten Areal um einen „Militärischen Sicherheitsbereich“ handelt:

Unbefugtes Betreten ist verboten! Vorsicht Schusswaffengebrauch!

– Der/Die Standortälteste

Fürstenfeldbruck Militärischer Sicherheitsbereich Olympia Denkmal Schusswaffengebrauch

Was der (nur deutschsprachige) Hinweis besagen soll? Vielleicht will man damit an künftigen Terroristen ein Exempel statuieren? Falls ja, wäre es ggf. sinnvoll auf Arabisch anzumerken: ممنوع الوصول للإرهابيين – Das wirkt bestimmt. Die Leut können ja lesen! Also über die Hälfte schon, sagt man.

Fürstenfeldbruck Memorial Olympia

Fürstenfeldbruck Olympia Terror-Opfer Denkmal

Wie sich mit Google Earth (siehe oben) … gefahrenfrei … ermitteln lässt, verfügt der Sicherheitsbereich über eine Reihe von Sportstätten, was angesichts des Umstandes, dass einen bloßen Ballwurf davon entfernt 1972 neun Sportler massakriert wurden, einen gewissen Beigeschmack hat. Sechs Tennisplätze immerhin – es könnte ja mehrere Leute gleichzeitig auf die Idee kommen, dort Tennis spielen zu wollen –  ein Hockey-Feld, noch ein Stadion mit Laufbahnen und 100 m langen Fußballplatz dazwischen. Auch ein kleiner swimming pool fehlt nicht.

Anfang Juli fanden just da, wo 1972 die Helikopter mit den israelischen Sportlern ausbrannten einer von sieben Vorrunden-Wettkämpfe zum Wettbewerb zu „Deutschlands bester Autofahrer“ statt. Beispiel-Foto von „Scott7777“:

http://www.panoramio.com/photo/93133219?source=wapi&referrer=kh.google.com

Wem diese Vergnügungen noch nicht ausreichen, findet “außerhalb der Übungszeiten” weitere Angebote in unmittelbarer Nähe:

Fürstenfeldbruck Militärischer Bereich Hinweis<- – Swingerclub Burg Ibiza – – – Ehrenmal – ->

Fürstenfeldbruck Luftwaffen Ehrenmal Swingerclub Burg IbizaDenkmal Olympia Massaker 1972 Hannes L Götz Fürstenfeldbruck

Explanation of the ideas to the monument by the artist (English and Deutsch):

http://www.hannes-goetz.de/Bilder/FFB/olymp30.pdf

(One of his inspiration was (as he puts it) was “Hakol Hamaaravi – the Torso of Jerusalem’s Western Wall”. This would be “ha-kotel ha’maaravi”, lit. the western wall, ha-kol however just means the voice, not “the wall” the western voice, the voice of the west. Die Stimme des Westens. Since the mistake occurs in his German text as well as in the English translation, it is no typo, but a general misunderstanding.)

pictures: Margit (no. 2, 4), yehuda (others)


Am Münchner Oktoberfest

October 4, 2013

Oktoberfest München LuftfahrtAbgehoben und auf den Kopf gestellt

Das längst weltberühmte Münchner Oktoberfest geht auf die mehrtägige Hochzeitsfeier des bayrischen Kronprinzen und späteren Königs Ludwig I. (1786-1868) und Prinzessin Therese (1792-1854) ab dem 12. Oktober 1810 zurück, zunächst jedoch mit Pferderennen und „olympischen“ Sportveranstaltungen. Der Name Theresienwiese ist der späteren Königin gewidmet. Um 1820 gab es die ersten (freilich mechanischen!) Karusselle. Von da an sollte das Fest nun jährlich stattfinden. Erst Ende des 19. Jahrhundert entfaltete sich das Fest zum „Volksfest“ im heutigen Sinne.

Bierzelt Oide Wiesn Oktoberfest MünchenTradition: Oide Wiesn am Oktoberfest, München

Dazu brauchte es Bierzelte und Bier, das aber erst in den 1880er Jahren verkauft wurde. 1886 wurde am Münchner Oktoberfest das Unternehmen der Brauerfamilie Pschorr erstmals mit 18 elektrischen Bogenlampen beleuchtet, installiert von der schwäbischen Elektrofirma Jakob Einstein & Cie. als erster Festbetrieb elektrisch beleuchtet. Seit einigen Jahren kursiert die Geschichte, dass sich an den Montagearbeiten auch Jakob Einsteins berühmt gewordener Neffe Albert Einstein beteiligt und an der Decke „im Schottenhamel-Festzelt Glühlampen“ eingedreht haben soll („Münchner Abendzeitung“ vom 16. September 2006) Ob das stimmt, kann man nur raten, jedoch wäre der spätere Physiker zum damaligen Zeitpunkt gerade mal sieben Jahre alt gewesen. Da dies wenigstens einigen nicht plausibel klingt, verlegen manche Quelle die Beleuchtung auch ins Jahr 1896.

Jakob Einstein München Elektrotechnische Fabrik AnnuonceZeitungsanzeige der Einsteinschen Elektrotechnischen Fabrik

Die Firma seines Onkels Jakob und seines Vaters Hermann Einstein hatten ihren Betrieb jedoch 1893 bereits eingestellt. Die Stadtverwaltung hatte das in München ansässige Unternehmen übergangen und stattdessen der Nürnberger Firma Schuckert den erhofften Großauftrag zur Installation einer elektrischen Straßenbeleuchtung in der Stadt erteilt. 1894 hatten die Einsteins München verlassen. Anfang Oktober 1896 schrieb der junge albert im schweizerischen Aargau seine Matura.  

Schottenhamel MünchenSpatenbräu Festzelt Schottenhamel “mit einem M”

Schon vor der elektrischen Beleuchtung wurde das Fest einen guten Monat vorverlegt, da man in den Bierzelten schnell zu frieren begann. Den Namen Oktoberfest behielt man zwar bei, doch das Fest beginnt nun jeweils am ersten Samstag nach dem 15. September. Der weit größte Teil des zweiwöchigen Festes findet demnach eigentlich im September statt.

Margit Festzelt MünchenEdel-Tracht im Bierzelt

Bierzelt München inside an huge Oktoberfest beer tent

Yehuda Shenef Oktoberfest München Etrog Suckot Munich Mit Bier und Etrog am Münchner Oktoberfest

Seitdem der Beginn des Oktoberfests in die zweite September-Hälfte vorverlegt wurde, überschneidet sich das Fest regelmäßig mit dem jüdischen Laubhüttenfest (Suckot), dass sich nach dem hebräischen Kalender richtet und dort immer am 15. Tischri beginnt.

Oktoberfest-Beginn

Suckot-Beginn

2009: 19. Sept

2. Okt

2010: 18. Sept

22. Sept

2011: 17. Sept

12. Okt

2012: 22. Sept.

30. Sept

2013: 21. Sept.

18. Sept.

2014: 20. Sept.

8. Okt.

ohel moedOhel Mo’ed – das biblische Festzelt des Volkes Israel (tanachblogger.blogspot.com)

Schon das biblische Wanderzelt in welchem seit Mosche (und bis zum Bau des Tempels in Jerusalem) mit Gott gesprochen und Tiere geopfert wurde, trug den Namen אוהל מועד was man problemlos als „Festzelt“ übersetzen kann. Von der festlich geschmückten Laubhütte zum Bierzelt ist es nicht weiter wie vom Schofar zur bayerischen Blasmusik. Was könnte man meinen, das Oktoberfest mit seinen Festzelten sei eine säkularisierte Form des Laubhüttenfests, wo die Ochsenbraterei anstelle des Opferaltars getreten ist und der Etrog durch kandierte Früchte ersetzt wurde.

Museumszelt Oide Wiesn Oktoberfest München 2013im Museumszelt der “Oidn Wiesn” am Oktoberfest München

Fesche Madln im Bierzelt OktoberfestFesche Madln im Bierzelt,Oktoberfest München

Yehuda Shenef Lulav Etrog


Was macht München so schön ..?

April 26, 2013

 „What makes Munich so beautiful ..?“ asks an ad of the liberal Munich based Süddeutsche Zeitung (“SZ”, South-German Paper), the largest subscription paper in Germany with more than one million readers daily. The included answer roughly is: “All those many green areas”.

And it is exactly like that as can be seen in the picture below taken at Jakobsplatz in Munich, next to the shop door of the Orag house, yesterday afternoon.

München Jakopsplatz Synagogeבית הכנסת של מינכן בכיכר יעקב

?למה העיר מינכן כל כך יפה?

יש הרבה כרי דשא הירוקים

München ist so schön … wegen seiner vielen Grünflächen (… und Augsburg dann wohl wegen seiner vielen Park-Plätze und (An)Baustellen …? wäre man geneigt zu kontern …), aber die muss man sich in diesem Fall eher in der Phantasie ausmalen, falls diese mit der Örtlichkeit nicht bereits überfordert oder zumindest beansprucht sein sollte.

Aber auch andernorts in München verhält es sich in Bezug auf Synagogen Plätze nicht unbedingt unkomplizierter:

Alte Synagoge München Künstlerhaus Oberpollinger Lenbachplatz

Auch am Lenbachplatz (benannt nach dem aus <name dropping:> Schrobenhausen stammenden Maler Franz von Lenbach (1836/1904)) sind besagte Grünflächen auf dem ersten Blick ebenfalls nicht zu erkennen. Zudem ist sogar die auf der Postkarte (neben dem heute als “Künstlerhaus” titulierten Gebäude) noch vorhandene große Münchner Synagoge verschwunden. Es scheint offensichtlich, dass es wohl Künstler vom Schlage eines Houdini oder Christo sein müssen, die hier verkehren …

Memorial Munich Synagogue 1938The memorial says that “here” was the synagogue, which was destroyed in 1938, but we may assume that actually it of course was way larger as the rather small base area of the monument. In fact the place of the synagogue proper was overbuilt by the large Karstadt Oberpollinger Kaufhaus.

However, obviously the memorial stone maybe still is too big, and to some extend it impedes current lightning protection system measures. Apparently time and again lightnings cause some trouble “here”, and that maybe is why there are no green areas (which make Munich soooo beautiful) left either :

Denkmal synagoge München  obstructed synagogue memorial at Oberpollinger Kaufhaus in Munich

Alles im grünen Bereich: “Blitzschutz” für ein Denkmal an eine vor 65 Jahren niedergebrannte Synagoge?

זכר זאת


Rememberring Terror in Munich

February 14, 2010

Two years before the Palestinian terrorists murdered 11 Israeli athletes and coaches at the Olympic Summer Games in Munich a series of anti-Jewish assaults took place. Seven elderly people at the Jewish retirement home in Munich were killed by (still unknown) arsonists in February 1970, only 3 days after an attack of Arab terrorists at Munich Airport who wanted to take Israeli passengers as hostages. One Israeli was killed, many other people were injured. Only some days later two planes destined for Tel Aviv exploded by delayed action bombs. One Swissair plane exploded and all 47 people died at the following crash. In the evening Palestinian terrorists proudly admitted responsibility in Jordan TV.  Today, 40 years later, those events are almost forgotten. We want however to commemorate the hateful crimes and keep up the memory of the murdered

Regina Becher  (רבקה בכר)

Max Blum (מאיר בלום)

Siegfried Offenbacher (ישראל אופנבכר)

Leopold Gimpl (אריה ליב גימפל)

David Jakobowitz (דוד יעקובוביץ)

Rosa Drucker (רוזא דרוקר)

Georg Pfau (א. ג. פפאו)

Bereits zu Beginn des Jahres 1970, zwei Jahre vor der Gefangennahme und Ermordung israelischer Sportler bei den olympischen Sommerspielen in München, gerieten jüdische Einrichtungen und „Ziele“ in München  und Deutschland ins Visier arabischer Terroristen. Am 10. Februar 1970 attackierten drei bewaffnete Palästinenser am Münchner Flughafen Riem einen Flughafen-Bus und den Wartebereich der israelischen Fluglinie EL AL. Beim Versuch die Boeing 707 in ihre Gewalt zu bringen und die israelischen Passagiere als Geiseln zu nehmen wird ein Israeli getötet, neun weitere Personen werden verletzt.  

Nur drei Tage später am Abend des 13. Februar 1970 sterben bei einem Brand im Altenheim des jüdischen Gemeindezentrums in der Münchner Reichenbachstraße sieben ältere Heimbewohner, während in der im selben Gebäudekomplex befindlichen Synagoge das Abendgebet gesprochen wird. Die Polizei ging von Brandstiftung aus. Obwohl die Behörden eine Belohnung von 50.000 D-Mark aussetzten, wurden die Täter bis heute nicht ermittelt, jedoch stehen jüdische Einrichtungen (nicht nur) in München seitdem unter Polizeischutz. 

Eine Woche später, am 21. Februar 1970 verüben arabische Terroristen erneut Terroranschläge auf jüdische „Ziele“. Mittels Zeitzündern kommt es an Bord zweier Maschinen zu Explosionen. Ein österreichisches Flugzeug unterwegs von Frankfurt am Main, das Post nach Tel Aviv bringen soll, kann glücklicherweise sicher nach Frankfurt zurückkehren, obwohl eine Bombe 20 Minuten nach dem Abheben ein großes Loch in den Rumpf sprengte.  Anders ergeht es dem Swissair Flug 330, als zehn Minuten nach dem Start am internationalen Flughafen Kloten bei Zürich im Gepäckraum eine Zeitzünder-Bombe explodiert. Die Maschine stützt nach vergeblichen Landemanövern bei Würenlingen im schweizerischen Aargau ab. Alle 47 Insassen der Maschine kommen ums Leben, darunter auch der isr Noch am selben Abend bekennen sich die marxistische PLO-Untergruppe PFLP von George Habash (1926-2008) zu beiden Anschlägen. In der Folge verschärfen europäische Flughäfen ihre zuvor kaum vorhandenen Sicherheitskontrollen.

Im Juni 1970 wurde die Synagoge im Gemeindezentrum der Münchner Reichenbachstraße, wo ein viertel Jahr zuvor sieben Menschen bei einem unaufgeklärten Brandanschlag starben, überfallen. Dabei werden mehrere Einrichtungsgegenstände beschädigt und eine Thorarolle geschändet. Der Vorsitzende Hans Lamm bezeichnet den Überfall als erneuten Akt des Antisemitismus.

Die Terrorserie stand anscheinend im Zusammenhang mit dem Besuch von Abba Eban (1915-2002), der am 22. Februar 1970 als erster israelischer Außenmister (1966-1974) Deutschland besuchte.

Aus heutiger (?) Sicht mutet es seltsam an, dass zwei Jahre vor dem Olympia-Massaker in München es in München und Deutschland in München bereits Anschläge gegen jüdische Einrichtungen gab, dies aber offensichtlich keine Berücksichtigung für die Planung der Olympischen Spiele fand. 

 

Meriden Journal – June 15, 1970:

Unidentified persons early today vandalized a synagogue here in the same building where a fire set by an arsonist killed seven persons last February. Munich police said several objects inside the synagogue were yanked from their proper places and thrown to the floor. One roll of the Torah, the Hebrew scripture, was torn from a case and unrolled on the floor and a cloth was ripped from the altar, police added. They said it appeared nothing had been stolen and most of the objects were not seriously damaged. Hans Lamm, president of the Israeli Culture Center in which the synagogue is located, called the incident “a new anti-Jewish act of vandalism”.

Rabbi Isaak Gruenwald called on Munich’s Jewish citizens to fast on Thursday to express “common sorrow and indignation” at the vandalism. Seven elderly persons died in February when a fire swept through an older persons home located in the center. The arsonist still is being sought.”

היה טרור נגד יהודים במינכן לפני שנתיים את המשחקים האולימפיים של 1972. ב פבואר 1970 שבעה קשישים נהרגו באש הצתה בבית האבות של המרכז היהודי במינכן. ימים קודם לכן הטרור הפלסטיני תקפו הדלפק של ישראלים באל. בנסיון לקחת נוסעים ישראלים כבני ערובה, אחד נהרג ורבים נפצעו. אחרי זה היו שני פיצוצים על מטוסים לתל אביב … עוד תקיפה בבית הכנסת … שכחתי כמובן על ידי הרשויות וכוחות הביטחון כאשר בקיץ של 1972 המשחקים האולימפיים התחיל


The old Jewish Cemetery of Munich

July 1, 2009

the "new" Tahara was built in 1882

the "new" Tahara was built in 1882

contrasty grave markers

contrasty grave markers

 

Until the formal establishment of a Jewish Community in Munich in1815 ,Munich’s Jews buried their dead at the Jewish Cemetery of Kriegshaber / Pfersee, this includes the first leaders and rabbis of the still unofficial community in the residential city, such as Shimon Wolf Wertheimer, firstborn son of the famous Rabbi and imperial court Jew in Vienna, Shimshon Wertheimer, or Abraham Uhlfelder, whose descendants established in Munich the famous Uhlfelder storehouse … and …  most recently the scholar Rabbi Loeb Gumperts in September 1815.

 

The cemetery opened in 1816 at Thalkirchner Str. 240 in the Munich suburb Sendling (subway: U3 -Brudermuehlstr.), but due to a rapidly growing Jewish community the cemetery expanded in 1854, 1871 and finally 1881. A year later, the old Tahara House was broken down and replaced by a much bigger one at the south end of the graveyard. A quarter century later, when there was no more option for expansions, the Jewish Community acquired an area for another cemetery in the Munich district of  Freimann. The now old cemetery since then has been used only sporadically. The last burial so far however took place in August 2003. 

The graves were supposed to be directed towards Jerusalem, but the planners obviously failed to do so, thus they are orientated towards Rome, more precisely towards Venice, Sicily and Malta – but that kind of orientation problem unfortunately is quite common for many Jewish communities in this era as well as the following epochs. The floor plan of the cemetery complies with an irregular pentagon. Along the eponymous Thalkirchner Str. where you will also find the large main gate, the cemetery wall measures 180 m. North of it joins at right angles at the Blyerstrasse an approx. 70 m long piece of wall. The following pieces are each 130 meters, 100 and 80 m long, resulting in a total length of the well-preserved wall of about 560 m. The area amounts to approximately 2.5 ha. The cemetery now is divided into 35, again irregular, not quite logically numbered sectors on the ground, labeled by small cornerstones. Sector 11 in the middle of the cemetery is the oldest part around which over time has been extended in stages. The adjacent area to the north where was the first Tahara remained without graves.

rough layout plan of the old Munich Jewish Cemetery

rough layout plan of the old Munich Jewish Cemetery

The cemetery has about 5.300 graves, many of the older ones from the early 19th Century are not well preserved. The sometimes dense tree vegetation, however,  only in rare cases is at the expense of existing tombstones, what in other places, unfortunately, sometimes is quite different. This argues for a continued good care of the graveyard, ensured since 1917 by the family of Mrs. Johanna Angermeier who herself is responsible as keeper of the cemetery since 1965. She keeps a grave book compiled in rough alphabetical order in 1882 which bases on an older now lost one. Admittedly, some entries of the book, randomly chosen, do not always correspond to the inscriptions of the preserved grave marker, whereas stones lettered in Hebrew only sometimes apparently are missing. Nevertheless, the book provides information of individual sectors, rows and grave numbers and is therefore good orientation guide for locating specific grave sites. As there obviously is no documentation of the cemetery, it is certainly desirable that the information of the book would be generally available, for instance in the Internet to make easier any research by relatives or genealogists. As Mrs. Angermeier admitted, not all gravestones are on their original site and a number of stones are missing. Some went missing in the Nazi era, others had their metal letters removed in the 1940s when they had been melted down to run bullets. But this however is of course no peculiarity of Munich, rather this could be the grave marker of Israel Neustetter which has been erected upside down.

 

Andrea, Jakow and Margit in front of the Tahara

Andrea, Jakow and Margit in front of the Tahara

The oldest preserved tombstones are characterized by a then common dignified sobriety and plainness, which soon after the middle of the 19th Century changes to the costlier styles of Neo-Gothic and Second Empire, before it was lost in partially ostentatious, but nonetheless sometimes artfully, monuments (for instance in Moorish architecture or Jugendstil) – what, as is well known, became quite significant for liberal Jewish communities whose exponents amalgamated with the bourgeois upper classes.           

 

In addition to numerous members of the families Strauss, Hirsch auf Gereuth, Aufhaeuser, Einstein, Schuelein, Obermayer, Feuchtwanger, Westheimer and Wertheimer there also are the grave markers of rabbis such as Hirsch Aub (1795 – 1875) or Dr. Josef Perles (Peretz ben Baruch Ascher) 1835 – 1894), who from 1871 until his death was the Rabbi of the Cultusgemeinde in Munich and the author of numerous profound articles on the history and religion of Judaism – for example on “The Memory-Book of Pfersee” (1873) or about “The epistle of Kalonymos ben Kalonymos to Josef Caspi” (1879). The most prominent name at the old Munich Jewish cemetery however probably is that of Karl Marx, but of course it is just a coincidence of two individuals bearing the very same name.

Familienwappen

Familienwappen

almost as heavy as a tombstone ...

almost as heavy as a tombstone ...

Since the Jewish community of Munich as well as the much later founded one of Augsburg recruited many of its members from the former Swabian margravate Burgau communities as Pfersee, Kriegshaber and Steppach there of course are numerous family relations. Besides the well-known names there for instance is Mathilde Skutsch (1866 – 1929) who was buried with her husband the President of the Senate Julius Ulrich (1854 – 1927). The Skutch family of course was well known in Kriegshaber were some members were Rabbis or Dayanim. On the other hand the bereaved of Isaak (“Eisik”) Welsch, died who in June 1846 at the age of 85 and is buried at the cemetery Thalkirchner Str. In Sector 15 still proudly emphasized the origin of the deceased from Steppach.

different styles of grave markers

different styles of grave markers

dedicated to the Jews from Munich killed in KZs

dedicated to the Jews from Munich killed in KZs


Der alte Jüdische Friedhof an der Thalkirchner Straße in München Sendling

June 30, 2009

"Betreten auf eigene Gefahr !"

"Betreten auf eigene Gefahr !"

Grabreihe am alten Münchner Friedhof
Grabreihe am alten Münchner Friedhof
Kohen Emblem des Harry Kohenstamm 1841 - 1886
Kohen Emblem des Harry Kohenstamm 1841 – 1886

 

Bis zur formellen Gründung einer jüdischen Gemeinde in München 1815 begruben Münchner Juden ihre Toten am Friedhof Kriegshaber-Pfersee, darunter die ersten Führer und Rabbiner der zunächst noch inoffiziellen Gemeinde in der Residenzstadt, wie Schimon Wolf Wertheimer, ältester Sohn des berühmten Rabbiners und kaiserlichen Hoffaktors in Wien, Schimschon Wertheimer oder Abraham Uhlfelder, dessen Nachkommen in München das Kaufhaus Uhlfelder am Oberanger gründeten und zuletzt der Gelehrte Rabbi Loeb Gumperts im September 1815.

 

1816 eröffnete der Friedhof an der Thalkirchner Straße 240 im Münchner Stadtteil Sendling (U3 Brudermühlstr.), da jedoch mit München auch die jüdische Gemeinde der Stadt rasch anwuchs, wurde der Grabplatz 1854, 1871 und zuletzt schließlich 1881 erweitert. Im Jahr darauf wurde das alte Tahara-Haus abgerissen und durch ein großes neues am Südende ersetzt. Ein Vierteljahrhundert danach, als es keine Erweiterungsmöglichkeiten mehr gab, bekam die Münchner Gemeinde im Stadtteil Freimann einen neuen Friedhof. Der nunmehr alte Friedhof wurde seitdem eher nur noch sporadisch genutzt. Das letzte Begräbnis fand jedoch fand erst im Jahr 2003 statt.

 

Die Gräber sollten sicher nach Jerusalem ausgerichtet werden, was den Planern aber offenkundig misslang, weshalb sie stattdessen eher nach Rom, genauer gesagt Richtung  Venedig, Sizilien und Malta zeigen – aber dieses Orientierungsproblem ist leider typisch für zahlreiche jüdische Gemeinden in dieser, aber auch folgender Epochen. Der Grundriss des Friedhofs entspricht etwa einem unregelmäßigem Pentagon. Entlang der namensgebenden Thalkirchner Straße, an der sich auch das große Haupteingangstor befindet, misst der Friedhof 180 m. Nördlich schließt sich im rechten Winkel an der Blyerstraße eine etwa 70 m lange Mauer an. Die folgenden Mauerstücke sind jeweils 130 m, 100 und 80 m lang, woraus sich eine Gesamtlänge der gut erhaltenen Mauer von ca. 560 m ergibt. Die Fläche beträgt damit etwa 2.5 ha. Der Friedhof selbst nun ist in insgesamt 35 wiederum unregelmäßige, nicht ganz logisch gegliederte Sektoren eingeteilt, die vor Ort durch kleine nummerierte Ecksteine gekennzeichnet sind. Der Sektor 11 in der Mitte des Friedhofs ist der älteste Teil um den herum im Laufe der Zeit erweitert wurde. Der daran nördlich angrenzende Bereich der früheren Tahara ist freigeblieben.

 

Monumentales Grabmal von Max und Therese Heilbronner im maurischen Stil

Monumentales Grabmal von Max und Therese Heilbronner im maurischen Stil

 

Der Friedhof verfügt über ca. 5300 Gräber, von denen viele ältere aus dem früheren 19. Jahrhundert nicht gut erhalten sind. Der stellenweise dichte Baumbewuchs jedoch geht nur in seltenen Fällen auf Kosten der vorhandenen Grabsteine, was mancherorts leider ganz anders ist. Dies spricht für eine kontinuierlich gute Pflege des Areals, für die die seit 1917 ansässige Familie der selbst schon seit 1965 vor Ort tätigen Friedhofswärterin Johanna Angermeier verantwortlich zeigt. Sie hütet auch ein 1882 in grober alphabetischer Ordnung erstelltes Grabbuch, das auf einem älteren, inzwischen verschollenen Friedhofsbuch basiert. Freilich stimmen die Angaben des Buches stichprobenweise nicht immer mit den Angaben auf den erhaltenen Grabsteinen überein, während ausschließlich in hebräischer Sprache notierte Steine dem Anschein mitunter nach ganz fehlen. Trotzdem bietet das Buch mittels Angabe einzelner Sektoren, Reihen und Grabnummern eine gute Orientierungshilfe für das Auffinden einzelner Grabplätze. Da eine Dokumentation des Friedhofs offenbar fehlt, wäre es freilich wünschenswert, dass die Angaben des Buches allgemein zugänglich wären, etwa im Internet, um Angehörigen und Genealogen die Forschung zu erleichtern.  Freilich stehen nicht alle Grabsteine heute auf ihrem ursprünglichen Platz und eine Reihe von Steinen fehlen ganz, da sie in der Nazi-Zeit geraubt wurden, so man sich nicht damit begnügte die in den 1940ern als „kriegswichtig“ erachteten metallenen Buchstaben zu entfernen und einzuschmelzen. Aber auch dies ist keine Münchner Besonderheit. Dann schon eher ein auf dem Kopf stehend wiedererrichtete Stein des Israel Neustetter.

grave marker upside down

grave marker upside down

Die ältesten erhalten Grabsteine weisen noch eine bis dato als schicklich erachtete Schlichtheit auf, die bald ab der Mitte des 19. Jahrhunderts in den Stil der Neugotik und des Second Empire übergehen, ehe diese sich zur Jahrhundertwende in teilweise protzig wirkenden, gelegentlich aber durchaus kunstvoll (etwa im maurischen oder Jugendstil) wirkenden Monumenten verliert, die bekanntlich charakteristisch für im Großbürgertum aufgegangene liberale jüdische Gemeinden waren. 

 

Neben zahlreichen Angehörigen der Familien Strauß, Hirsch auf Gereuth, Aufhäuser, Einstein, Schülein, Obermayer, Feuchtwanger, Westheimer und Wertheimer finden sich auch Grabmale von Rabbinern wie Hirsch Aub (1795 – 1875) oder Dr. Josef Perles (Peretz ben Baruch Ascher) 1835 – 1894), der von 1871 bis zu seinem Tod Rabbiner der Israelitischen Cultusgemeinde in München und Autor zahlreicher profunder Artikel zur Geschichte und Religion des Judentums war – beispielsweise über „Das Memorbuch von Pfersee“ (1873). Der prominenteste Name am Friedhof an der Thalkirchner Straße dürfte wohl der des Karl Marx sein, jedoch handelt es sich hier nur um eine zufällige Namensgleichheit.

 

grave marker of Rabbi Dr. Josef Perles s.A.

grave marker of Rabbi Dr. Josef Perles s.A.

Da die Münchner wie auch die noch viel später gegründete Augsburger jüdische Gemeinde in nicht unwesentlichen Teilen aus Mitgliedern der schwäbisch-burgauischen Gemeinden von Pfersee, Steppach und Kriegshaber rekrutiert wurden, finden sich selbstverständlich zahlreiche Belege familiärer Bezüge.  Neben den bekannten Namen wäre dies z.B. Mathilde Skutsch (1866 – 1929), die mit ihrem Gatten Julius Ulrich (1854 – 1927), seineszeichens Senatspräsident bestattet wurde. Die Hinterbliebenen des im Juni 1846 im Alter von 85 Jahren verstorbenen und im Sektor 15 begrabenen Isaak („Eisik“) Welsch etwa betonten noch stolz die Herkunft des Verstorbenen aus Steppach.

crumbling inscription

crumbling inscription

Haupttor des alten Münchner Friedhofs

Haupttor des alten Münchner Friedhofs


טבח הספורטאים הישראלים באולימפיאדת מינכן

September 2, 2007

לזכר הספורטאים
Munich Memorial for the murdered Israeli Sportsmen
Munich Memorial for the murdered Israeli Sportsmen

In Memory of the Israeli Athletes killed by Palestinian Terrorists at the Olympic Summer Games in Munich, 35 years ago, September 5th and 6th 1972.