Dayenu – es hätte uns gereicht, … דיינו בוואריה

April 18, 2016

dayenu maccabeat bavarian styleLederhosen version of the classic Passover song

there are different ways to celebrate

it

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Deutschland 1936: Verbot jüdischer Künstlernamen

January 7, 2016

Verbot jüdischer Künstlernamen
„Die Behörden haben jüdischen Künstlern die Führung von Künstlernamen untersagt, sowohl in Ausübung ihres Berufes als auch im privaten Gebrauch. Da wir künftig sämtliche Künstler nur noch mit ihrem bürgerlichen Namen ankündigen dürfen, teilen wir unseren Mitgliedern diejenigen Münchener jüdischen Künstler mit, bei welchen diese Änderung erforderlich ist:
Kapellmeister Erich Eisner, früher Künstlername Erck
Marieluise Kohn, früher Knstlername Luiko
Ida Kraft, früher Künstlername Gordon
Oberspielleiter Hugo Magnus, früher Künstlername Magnus Groß
Bernhard Renkazischok, früher Künstlername Renka

Bayerische Israelitische Gemeindezeitung, 1. Januar 1936, S. 11

Neandertaler Augsburg Israel Carmel NaturkundemuseumNaturkundemuseum Augsburg: Abguß vom Schädel eines sog. “Neanderthalers” (Künstlername), gefunden bei Mt. Carmel in Israel: Klarname unbekannt

  • * * *

At the end of 1935 German government prohibited the use of of any artist names (Künstlername, such as stage, screen, showbiz, pen, etc.), pseudonym or nom de plume by Jews. The article of the Bavarian Jewry noted the names of Munich artists who would be effected by the new law.

  • * **

בסוף 1935 ממשלה הגרמנית אסר על השימוש בכל אחד משמות בדויים על ידי יהודים


Juden im schwäbischen Babenhausen

October 8, 2014

 

Babenhausen Kreis Unterallgäu

 

Babenhausen, Kreis Unterallgäu

Das schwäbische Örtchen Babenhausen befindet sich c. 20 km nördlich von Memmingen. Nach Ulm sind es 40 und nach Augsburg schon 65 km. Mit letzterem verbindet Babenhausen die Familie der Fugger, die hier lange Zeit ihren Sitz hatten. Kaum bekannt ist, dass es sich in unmittelbarer Nähe zu Schloss, Marktplatz und Rathaus auch eine jüdische Ansiedlung gab, wovon der heute noch erhaltene Name „Judengasse“ zeugt. Über diese ist freilich vor Ort so wenig bekannt, dass allgemein gerätselt wird, wie es zur Namensgebung gekommen sein mag. Eine gängige Erklärung die unter den Einwohnern des 5000-Seelen Ortes kursiert, lautet dann auch so, dass es Juden zeitweilig erlaubt wurde, in den Ort zu kommen und dort Handel zu treiben, wobei sie „natürlich viele Privilegien gehabt” hätten. Wann das gewesen sein soll? „Sicher vor 1933“. Vor ein paar Jahren habe da mal “jemand” für den Heimatverein was drüber geschrieben. Da sich nichts anderes dazu im Internet findet, könnte das Dieter Spindler gewesen sein:

Warum gibt es in Babenhausen eine Judengasse, Versuch einer Erklärung“, in: Heimat-Magazin Krumbach, 1997/3, S. 10-12

Zwei Seiten also als Erklärungsversuch, der freilich nirgendwo zitiert wird und auch nicht zugänglich war, da die Bücherei im ehemaligen Mesnerhaus beim Fugger-Schloss auch Dienstags geschlossen hat.

Babenhausen Bebenhausen Unterschönegg

Don’t confuse Hessian Babenhausen with Swabian Babenhausen or nearby Bebenhausen

Abgesehen davon, dass es knapp 3 km nördlich von Babenhausen bereits ein Örtchen namens Bebenhausen (heute ein Teil von Kettershausen) gibt, existiert auch noch ein weiteres Babenhausen in Hessen, 15 km westlichen von Aschaffenburg, über dessen jüdische Vergangenheit ungleich mehr bekannt ist und weniger spekuliert werden muss. Dass in Aschaffenburg bereits im ersten Viertel des 14. Jahrhunderts genannte Juden „von Babenhausen“ sich auf den benachbarten Ort beziehen und nicht auf den schwäbischen, ist zwar plausibel. Einen Zusammenhang mit dem Ort bei Memmingen schließt es nicht trotzdem nicht kategorisch aus, finden sich in selber Zeit ja auch Juden aus Orten die weiter als 300 km entfernt lagen, beispielswiese Juden aus Köln oder Zürich im mittelalterlichen Augsburg. Die jüdische Gemeinde im hessischen Babenhausen existierte noch bis in die 1930er Jahre hinein. Noch 1997 gab es einen Brandanschlag auf einen einzelnen in Babenhausen wohnenden Juden. Da es nun aber in beiden Orten eine Judengasse gab, ist es schwierig Referenzen auf „Juden in Babenhausen“ zu finden, die sich zweifelsfrei auf den schwäbischen Ort באבנהאוזן beziehen. Antworten findet man aber bekanntlich nur, wo man Fragen stellt. Als Kurzbesucher kann man auch kaum mehr als das tun, aber immerhin.

Judengasse Babenhausen Schloss

Blick von der Judengasse in Babenhausen zum Fugger-Schloss

Babenhausen Judengasse Fugger Schloss

Blick vom Fugger-Schloss Babenhausen in die Judengasse

Ausschließen können wir freilich, dass die Gasse am Fuße des mächtigen Fugger-Schlosses nach den Juden bei Aschaffenburg benannt wurde. Dass die Gasse tatsächlich so benannt wurde, weil hier nur zeitweilig Juden als Händler auftraten, ist abwegig und widerspricht jeder Erfahrung. Überall sonst, wo es einen solchen Straßennamen gibt, besagt „Judengasse“ auch nichts anderes als eben die feste und anhaltende Präsenz einer jüdischen Gemeinde – in der Gasse und mehr oder minder drum herum. In Augsburg hielt sich der mittelalterlich bezeugte Name Judengasse immerhin bis 1825, also fast vier Jahrhunderte nachdem die Juden die dortige Ansiedlung aufgaben, während es den „Judenberg“ namentlich immer noch gibt. Warum sollte das also ausgerechnet im schwäbischen Babenhausen anders sein, wo es doch auch in unmittelbarer Umgebung einige Orte mit jüdischen Siedlungen gab, wie etwa in Osterberg, Altenstadt, Illereichen, Hürben, Memmingen, Dietenheim, usw.

Babenhausen Wappen Rathaus

Babenhausen (Schwaben) Wappen mit modifizierten Stern

1337 hatte Babenhausen, dessen Wappen ein von drei Hämmern umgebener sechszackiger Judenstern ziert, von Kaiser Ludwig dem Bayern das Stadtrecht erhalten. Der Name könnte auf diese Zeit ebenso zurückgehen wie auf eine zeitweilige im 16. Jahrhundert als es auch längst vergessene jüdische Siedlungen in Orten wie Irmatshofen, Immelstetten, Neufnach gab. Schon die Ortsnamen sind nicht gerade allgemein geläufig, manche Ortschaften auch in anderen aufgegangen.

Babenhausen Schloss Marktplatz Judengasse

not alone the Jewish past is being neglected in Babenhausen

Babenhausen Hausfassade

Babenhausen Schloss Turm

Babenhausen Schloss Bücherei Mesnerhaus

Fuggerschloss Babenhausen

Interessanter Weise endet die Judengasse in Babenhausen abrupt an der selben Stellen wie der heute von Süden kommende Mühlbach, der nun unter der Stadtgasse umgeleitet, 70 m westlich davon die Hirtengasse fortsetzt. Das aber hat sicher etwas mit der Tiefgarage der Bank zu tun, was uns nicht zu kümmern braucht. Eine jüdische Gemeinde bedurfte auch am Fuße des Fugger-Schlosses einer Tauche oder Mikwe und der dafür erforderliche Wasserlauf war mit dem Mühlbach direkt vorhanden. Wir den Schilderungen der Anwohner zu entnehmen ist, wurden im Bereich der Judengasse in den letzten Jahren eine Reihe alter Gebäude abgerissen, weshalb es nicht einfacher geworden ist, anhand der aktuellen Bausubstanz über die Infrastruktur der früheren jüdischen Gemeinde zu urteilen, zumal wir auch nicht wissen, wann sie bestanden haben mag.

Judengasse Babenhausen

altes Gebäude in Babenhausens Judengasse, vorne die Einfahrt zur Tiefgarage der Bank

Babenhausen Polizeigarten Judengasse

Bemerkenswert ist heute noch der prächtige Hotelgasthof Sailer und am Aufstieg zum Schloss der kleine „ehemalige Polizeigarten“. Auf der Südseite der Judengasse befindet sich an der parallelen Straße das Geschäftshaus Stadtgasse 6 (Denkmalschutznummer D-7-78-115-20), das auf die Zeit um 1890 datiert wird. Im Dachgiebel des Hause befindet sich ein markantes Fenster in Form eines sechszackigen David- oder Judensterns, was auf der Rückseite der Judengasse wohl kaum zufälliger sein kann, als über die Straße die Stadtmühle am Mühlbach.

Babenhausen Stadtgasse Haus Yehuda

Babenhausen Judenstern Haus Stadtgasse

Babenhausen Figur Hausfasse Stadtgasse 6

 

Details der Fassade: David-Stern, David?

Babenhausen Schwaben Haus Daidstern


Zum Schutz der Beschneidung

July 27, 2012

Ein Aufruf der Orthodoxen Rabbinerkonferenz in Deutschland (ORD/ http://www.ordonline.de/), dem wir sehr gerne Folge leisten:

Offener Brief zum Schutz der Beschneidung

Liebe Freunde,


die Diskussion über die Zulässigkeit der Beschneidung nimmt in den Medien teilweise schreckliche Züge an. So gibt es zum Beispiel auf faz.net einen “Offenen Brief zur Beschneidung” http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/offener-brief-zur-beschneidung-religionsfreiheit-kann-kein-freibrief-fuer-gewalt-sein-11827590.html
in dem die Beschneidung von Jungen als “Anwendung von Gewalt” bezeichnet wird.

Um all diesen Artikeln etwas entgegen zu setzen und möglichst auch die im September zu erwartende Diskussion im Bundestag zu beeinflussen, haben Prof. Kyrill-Alexander Schwarz (Universität Würzburg) und “Dr.  XY” (Name auf schriftlichen Wunsch am 20. August 2012 entfernt) ebenfalls einen Offenen Brief zur Beschneidungsdebatte verfasst, der in den nächsten Tagen in einer der großen Zeitungen veröffentlicht werden soll. Die Datei findet Ihr im Anhang.

Jeder, der den Brief mit unterzeichnen möchte, sendet bitte eine Mail mit Name, Beruf/Titel und Wohnort an: T.Ellen.Guggenheim@t-online.de. Bitte leitet diese Bitte auch an Eure Freunde und Bekannte weiter. Je mehr Unterzeichner, desto besser!

Für das Menschenrecht auf elterliche Erziehung
zur religiösen Identität

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, sehr geehrte Mitglieder der Bundesregierung, sehr geehrte Bundestagsabgeordnete,

Im Zuge der Forderung nach einer „Versachlichung“ der Diskussion um die Beschneidung benennen die Unterzeichner eines offenen Briefes an Sie in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 21.07.2012 als Kernpunkt der Debatte eine „Abwägung der Grundrechte auf Religionsfreiheit von Erwachsenen mit dem Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit und sexuelle Selbstbestimmung sowie die Achtung seiner Würde.“. Diese und ähnliche Beschreibungen in der gegenwärtigen Debatte kommen einer Diffamierung der jüdischen und muslimischen Religionsgemeinschaften gleich. Die Beschneidung ist kein Instrument der Eltern zur sexuellen Unterdrückung, Entwürdigung oder Verstümmelung ihrer eigenen Kinder, sondern ein Akt, der die Körper der Kinder vollständig werden lässt: Sie werden durch eine Beschneidung zu einem selbstverständlichen Teil ihrer Religionsgemeinschaften, ebenso wie sie selbstverständlich eine Muttersprache erlernen. Nicht die Eltern, sondern eine Gesellschaft, die muslimischen und jüdischen Kindern eine solche selbstverständliche religiöse und soziale Identität verweigert, verletzt ihre Würde.

 

Die Verabsolutierung des kindlichen Rechts auf körperliche Unversehrtheit bedeutet, dass Normativität nur den unbeschnittenen Körpern der Mehrheitsgesellschaft zugestanden wird; nur sie haben eine selbstverständliche und „natürliche“ Existenzberechtigung. Im Sinne der Religionsfreiheit soll sich ein Mensch daher zwar im Erwachsenenalter frei für eine „abnorme Ausnahme“ entscheiden können, jedoch darf er diese nicht zur Normalität werden lassen – Seine Kinder sollen unbeschnitten bleiben, und nicht die Religion ihrer Eltern, sondern jene der Mehrheitsgesellschaft verkörpern. Jüdischen und muslimischen Eltern wird damit nicht weniger als das Recht auf eine selbstverständliche Nachkommenschaft genommen.

Dies ist ein Eingriff in das zuvörderst den Eltern – nicht dem Staat und nicht der Mehrheitsgesellschaft – obliegende Recht und die Pflicht zur religiösen Erziehung sowie generell zur Erziehung und damit Prägung ihrer Kinder (Art. 6 Abs. 2 GG; Art. 4 Abs. 1, 2 GG; § 1 Gesetz über die religiöse Kindererziehung).

 

Es ist ein zentrales Anliegen des Menschenrechts auf Religionsfreiheit, nicht den Vorstellungen einer Mehrheit folgen zu müssen, sondern für sich das Recht auf ein Leben nach eigenen, dem eigenen Selbstverständnis verpflichteten religiösen Handlungen in Anspruch nehmen zu können. Hier erweist sich der Grundrechtsschutz in seiner zentralen Funktion als Schutz der Minderheit.

 

Mit dem rigorosen Schutz der körperlichen Unversehrtheit des Kindes und seiner Religionsfreiheit werden die Grundrechte des Kindes von Abwehrrechten gegenüber dem Staat, die es bis zu seiner Mündigkeit durch seine Eltern wahrnimmt (vgl. §§ 1, 5 Gesetz über die religiöse Kindererziehung), zu Abwehrrechten gegen Private, namentlich gegen seine eigenen Eltern. Damit kommt der Staat seiner grundgesetzlichen Pflicht zum besonderen Schutz der Familie nicht nach (Art. 6 Abs. 1 GG).

 

In der öffentlichen Diskussion wird immer wieder betont, dass die Bedürfnisse und Traditionen der beteiligten Religionsgemeinschaften berücksichtigt werden sollen. Diese Berücksichtigung soll allerdings nach den Vorgaben der Mehrheitsgesellschaft erfolgen. Geschützt wird in einer solchen Gesellschaft nicht „jüdisches und islamisches Leben im Rahmen der deutschen Rechtsordnung“ – geschützt wird der Traum von einem Land, in dem ausschließlich die Deutungsmuster und Körper der Mehrheitsgesellschaft existieren können.

 

Wir, die Unterzeichner, bitten Sie, den „Kinderschutzgedanken und die Bedürfnisse der betroffenen Kinder zur Grundlage Ihrer Entscheidungsfindung zu machen“ und sich „eindeutig auf der Seite des Kindes zu positionieren“: Jüdische und muslimische Kinder haben das Recht, in einer offenen und pluralistischen Gesellschaft aufzuwachsen, einer Gesellschaft, die ihre Identität nicht kriminalisiert, sondern sie als gleichberechtigt und gleichwertig anerkennt.

* * *

Kommentar zur Diskussion

Es muss etwas mit dem „Sommerloch“ zwischen der Fußball-EM und dem Beginn der Olympischen Sommerspiele in London zu tun haben, vielleicht auch damit, dass man nicht zu viel über das andauernde Gemetzel in Syrien oder über die Entwicklung in Ägypten oder die “Eurokrise” informieren und reden will: Denn selten bekam das Urteil eines einzelnen Gerichts in Deutschland gar so viel Aufmerksamkeit, wie das inzwischen allgemein bekannte Urteil zur “religiösen Beschneidung”, welches selbige als „Körperverletzung“ wertet, freilich ohne näher zu bestimmen, ob das mehr im Bereich einer Watschen, Piercing, Knochenbrüchen oder Hirnambutation zu verstehen ist.

Zwar kann, was viele gar nicht verstanden haben, auch das Kölner Landgericht gar keine Gesetze erlassen (dafür sind in Rechtsstaaten mit Gewaltenteilung noch immer Parlamente zuständig), doch hinderte das eine Vielzahl eifriger Kommentatoren nicht daran, anzunehmen, dass Bescheidung von Kindern in Deutschland nunmehr verboten sei. Dem ist natürlich (noch) nicht so und da keine einzige Partei des Deutschen Bundestages auch nur ein entsprechendes Gesetz erwägt, wird es dazu nicht kommen. Da darüber hinaus auch kein anderes Gericht an die singuläre Entscheidung des Kölner Landgerichts gebunden ist und deren Urteil zudem von einer höheren Instanz revidiert werden kann, müsste man die ganze Sache eigentlich achselzuckend zur Kenntnis nehmen und das Pusten im Wasserglas sozialverträglich gestalten. Allenfalls -ausreichend Langeweile vorausgesetzt – der juristische Weg der Instanzen wäre naheliegend gewesen und der Weg der allgemeinen Rechtspraxis und hätte zudem auch die gesellschaftlich relevante Chance gehabt, die völlig unterschiedlichen Ebenen der Argumentation aufzuzeigen, die nun aber umso lauter am bundesdeutschen Hühnerhaufen zu hören sind.

Ganz offensichtlich lehnt eine – faktisch unberührte – ¾-Mehrheit „der Deutschen“ (in Umfragen, Internetforen, Leserbriefen, … nicht zu vergessen an den Stammtischen) „die Beschneidung“ ab. Das ist zwar ohne Belang, da Christen ja auch nicht nach Mekka pilgern.  Auch war das immer schon so, zumindest in dem Sinne, dass sie selbst für sich und ihre Knaben keine Beschneidung erwogen, obwohl eigentlich auch der christliche Heiland, der bekanntlich beachtliche Heilkräfte gehabt haben soll, als Judenbub ganz in Übereinstimmung dem göttlichen Gebot der Tora beschnitten wurde: „Am achten Tage, als er beschnitten (περιτεμεῖν) wurde, nannte man ihn mit Namen Jesus“ (Luke 2.21).

Doch alle Fakten ändern gar nichts daran, dass in den Diskussionen mitunter „Meinungen“ auftauchen, die man so ähnlich auch im „Stürmer“ lesen kann. Das ist insofern sogar verständlich, als dass die Mehrheit der Bevölkerung im Grunde keine Ahnung hat, worum es eigentlich geht. Normalerweise sagt man da aber: was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht. Hier aber geht es aber um den geplanten Vorsatz zum Missverständnis. Für bestimmte Kreise war das aber eigentlich immer schon so und reichte im Mittelalter von Ritualmord-Anschuldigungen bis zu den von Freud diagnostizierten “Schneideträumen”, die in der Nazizeit durch das omnipräsente jüdische Feindbild dann nochmals mit großem Aufwand verstärkt wurden. Im Grunde eine Psychose. Das wäre auch nicht weiter schlimm, denn gesellschaftliche Akzeptanz würde heute voraussetzen, dass ein jeder nach seiner Fasson leben und selig werden soll.

Es ist keineswegs zwingend, dass man sich  unbedingt in die Angelegenheiten anderer einmischt, bloß weil man keine Ahnung davon hat.

Trotzdem findet man ganz plötzlich eine landesweite Sorge um das Wohl von kleinen Knäblein, die wie immer schon üblich nach jüdischer und islamischer Tradition erzogen werden.

Beschneidung als solche solle zwar nicht verboten werden, jedoch bei Kindern nur noch aus medizinischen Gründen erfolgen. Insbesondere Mediziner verlangen nun aber „Rechtssicherheit“ aus Sorge „kriminalisiert“ werden zu können, etwa so wie früher Ärzte, die inzwischen längst legalisierte Abtreibungen vornehmen dürfen. Deshalb will nun der Deutsche Bundestag (angeregt nicht zuletzt durch die muslimischen Verbände) ein eigenes Gesetz auf den Weg bringen das jetzt schon legale Beschneidungen legalisiert, damit nicht künftig Mose durch Phimose ersetzt wird.

Auch die Argumentation der “Befürworter” handelt im wesentlichen von medizinischen Definitionen, von Hygiene, geringerem Risiken von Krebserkrankungen oder HIV-Infektionen, etc. weshalb auch die Mehrheit der US-Amerikaner beschnitten sei, während die Kontrahenten eben von “Verstümmelung” oder “Gewalt” reden.

Im Prinzip ist es also eine Art Streit unter Ärzten oder zumindest ein weiterer Schritt zur „Medizinisierung“ der Gesellschaft. Ärzte sind es die uns Ultraschallbilder des Ungeborenen zeigen und zuletzt den Totenschein ausstellen und für die Zeit dazwischen gibt es die Pflichtversicherung.

Es ist offensichtlich, dass der Pharma-Medizin-Komplex de facto die gesellschaftliche Rolle der Religion übernommen hat und dass zumindest in Deutschland Ärzte an die Stelle von (christlichen) Priestern getreten und dabei weiter auf dem Vormarsch sind. Das „religiöse“ Argumente dabei kein Gewicht haben, ist eine fast schon banale Nebensächlichkeit, weshalb ein Rabbi Yitzchak Ehrenberg, orthodoxer Rabbiner aus Berlin, der in einer jener Experten-TV-Talkshow behauptete, das „Beschneidungsverbot“ würde den „Tod des Judentums in Deutschland“ bedeuten, bestenfalls Stirnrunzeln hervorruft, während manche abschätzig meinen, dass wenn die “Körperverletzung von Kleinkindern”, die Grundlage des Judentums sei, es um dieses auch nicht weiter schade wäre. Wen kümmern da erst Grundrechte wie Religionsfreiheit nach Artikel 4.1-2 oder noch eigenartiger, die Annahme, dass es GOTTwirklich gibt?

Andererseits, wer ist es, der überall proklamiert, dass über sechzig Jahre nach den Nazis “jüdisches Leben” wieder “normal” sei in “Schland” ..? Wer braucht wen fürs gute Image im Ausland …?

Was nun aber? Wie bereits gesagt, gibt es gar kein Verbot der Beschneidung und es wird auch keines geben, aber wir können damit rechnen, dass der Bundestag ein Gesetz vorlegt und beschließt, das als „Kompromiss“ zwischen den „unversöhnlichen“ Positionen letztlich die Rechte der Mediziner stärkt und Beschneidungen nur noch von „Fachärzten“ durchführen lässt. Das wird einerseits zwar viele jüdische Mammen freuen, da es sodann ein schlagendes Argument dafür gibt, den (beschnittenen) Sohn frühzeitig auf eine Ärztelaufbahn vorzubereiten, andererseits vielleicht zu jüdischen Beträumen in deutschen Kliniken führen, damit man dort die Brit Mila feiern kann, statt in der Synagoge, wo dann schon wieder etwas mehr Platz wäre, um in einer weiteren Vitrine noch mehr Beschneidungsmesser auszustellen… Im Ergebnis wäre und wird an der gegenwärtigen Praxis kaum etwas geändert, aber es war dann gut, dass man geifernd drüber gestritten hat.

Fast wollte man sagen, dass dieses absehbare Ergebnis eigentlich schade ist, und das es besser wäre, wenn es tatsächlich zu einem Beschneidungsverbot käme – durch den Bundestag als Gesetz beschlossen. Ein solches Gesetz müsste  Beschneider wie Eltern natürlich rundweg kriminalisieren und mit möglichst drastischen Strafen (Bußgeld, Haft, Entzug des Sorgerechts, Ausweisung, etc.) sanktionieren, anders machte das ja auch wieder keinen Sinn. Wenn schon, denn schon.

Warum? Es wäre durchaus spannend, wie das von statten ginge. Um die Juden in Deutschland braucht man sich dabei nicht viele Gedanken machen, da sie in der großen Mehrzahl schon recht alt sind und nach vielen Jahrzehnten realen Sozialismus in der Sowjetunion nun noch ein paar Jahre deutschen Sozialstaat ausprobieren. Mehr mit dem Rollator unterwegs ist, braucht eh keine Beschneidung mehr. Unter den Jüngeren gibt es viele Mischehen, Abwanderung ins irgendwie dann doch attraktivere Ausland, aber auch eine Abkehr von den kaum gekannten religiösen Traditionen des Judentums, die nicht mal das Aufstellen von Weihnachtsbäumen zum Jahresende tolerieren wollen.

Um es auf den Punkt zu bringen: selbst in den größeren deutschen Städten gibt es nicht eben viele Beschneidungen in den jüdischen Gemeinden, da auch Sowjets Schneideträume und Ressentiments gegenüber dem Judentum hatten.

Anders sähe es aus mit Millionen von Muslimen in Deutschland. Sie zu kriminalisieren wird sich wohl niemand trauen, sonst brennen wieder Reifen auf den Autobahnen. Schon deshalb kommen in den Medien zu dieser Diskussion meist Juden zu Wort, damit sie das negative Stimmungsbild der Öffentlichkeit abbekommen.

 * * *

For some weeks there is a heated debate in Germany since a district court in Cologne ruled that religious circumcision of little boys was “Körperverletzung”. The judges however did not specify, whether they have ment a simple bodily harm, as a rather harmless slap in the face or a malicious injury, assault or aggravated battery …

The debates – to put it in a nutshell – are superfluous like many comments. Many overheated squabblers just have not even realized, that in Germany laws of course are made by the Bundestag not by a local Landgericht and up to now no single voice in the Bundestag has been raised to demand any law to ban or illegalize circumcision. The Bundestag in contrary will launch a law which allows circumcision which is already legal.

Much ado about nothing.


Juden im antiken Augsburg

August 20, 2009

Die Präsenz von Juden im Gebiet des heutigen Deutschland wird allgemein zumindest auf das frühe 4. Jahrhundert datiert, jedoch deutet nichts auf einen Kölner Einzelfall im Jahr 321 n.a.Z hin und tatsächlich existieren zahlreiche frühe archäologische Funde, die freilich selten als das gedeutet werden was sie wohl waren: Spuren von Menschen vor Ort.

Obwohl die Christianisierung sich noch weit bis ins 9./10. oder gar 11. Jahrhundert hinzog, wird fast jedes Fundstück mit biblischen Bezug ausschließlich christlich interpretiert. Nur wenige, scheinbar exklusive Symbole, die das Christentum späterer zeit dem Judentum sozusagen überlassen hatte, werden nicht vollkommen vereinnahmt – was natürlich vom späteren Resultat der vollendenten Christianisierung heraus gedacht ist, um im 14. Jahrhundert sicher mehr Sinn macht, als wenn man es ins 4. Jahrhundert überträgt …

Trotzdem wurden selbst solche von Christen nicht beanspruchten jüdischen Symbole auf antiken Gegenständen in Augsburg gefunden, wie etwa die Abbildung einer Menora auf einer Öllampe aus Ton oder das Symbol der beiden Weinträger auf einem anderem Stück. Das Römische Museum in Augsburg zeigt eine Scherbe eines solchen Fundes  nebst einer plausiblen Rekonstruktion, der auf das 5. Jahrhundert datiert wird.

Die Herkunft hingegen wird als “tunesisch” angeben, was angesichts der verbreiteten Machart der Lampe im gesamten Mittelmeeraum, im antiken Israel aber auch in Europa ein wenig überraschend ist, aber wie auch immer sicherlich nicht sagen, soll, dass es sich um den Besitz eines tunesischen Gastarbeiters handelte, der sich nur einen Nachmittag in Augsburg aufhielt … Gefunden wurde das Bruchstück im Jahre 1960 “bei St. Gallus”, also im ältesten Bereich Augsburgs, d.h. in der ehemaligen Römersiedlung, bzw. späteren Bischofsstadt. Eine Reihe weiterer Funde und Spuren in diesem Gebiet wie auch die spätere Zuschreibung eines “Judenbrunnen” (anderswo eigentlich immer eine Unschreibung für eine Mikwe) in der Nähe sind plausible Anzeichen für  die Lokalisierung einer ersten, spätantiken jüdischenGemeinde in Augsburg in der Zeit um das 3., 4. und 5. Jahrhundert.

ein jüdisches oder ein "nur" biblisches Motiv?

ein jüdisches oder ein "nur" biblisches Motiv?

 

The earliest  findings of Jews in Augsburg trace back to the late antiquitiy of 4rd and 5th century. If you allow Jews also a broader use of biblical depictions of Jewish history and religion such as a dove with an olive branch you will realize quite a lot more … The findings however are located in the oldest parts of the Roman City north of the later episcopal city. A “Judenbrunnen” (Jewish Well), noticed in medieval maps maybe goes back to a ancient mikwe in the same quarter – since the word frequently in other towns is naming nothing else. 

Jewish Oil lamp replica and original fragment Roman Museum Augsburg

Jewish Oil lamp replica and original fragment Roman Museum Augsburg

The answers you get always depend on the questions you allow.