Mit 600 Gulden ins Kriegshaber Memorbuch

June 28, 2015

Im Kriegshaber Memorbuch (ספר היזכור קהילת גריסהבר), einem Gedenkbuch für Personen, die zumindest einen Teil ihres erworbenen Reichtums für das Allgemeinwohl, bzw. gute, wohltätige Zwecke spendeten, sind immer wieder mal auch prominente Personen der jüdischen Lokalgeschichte des 19. Jahrhundert erwähnt, etwa der 1862 verstorbene Bankier und Eisenbahnpionier Isidor Obermayer, der seinem jüdischem Namen nach Jitzchak hieß. Seine Erwähnung im Memorbuch von Kriegshaber ist kurz, knapp und sachlich, vielleicht weil seine Spende für die Verhältnisse eine Multimillionärs gleichfalls etwas knapp ausfiel:

Kriegshaber Memorbuch Isidor Obermayer Augsburg 600 Gulden(Man gedenke) der Seele des verehrten Herrn Isaak Obermayer seligen Angedenkens, da auch er unserer Gemeinde sechs hundert Gulden spendete für den guten Zweck. 

Das ist alles. Während in mittelalterlichen Memorbücher vor allem sog. “Märtyrer” Erwähnung fanden, oder wenigstens bedeutende Gelehrte, ging man in der Neuzeit dazu über Personen zu berücksichtigen, die diverse Geldbeträge stifteten, der Gemeinde, dem Hausfrauenverein, dem Jugendclub, für die Betreuung von Alten, Kranken und Kleinkindern, usw. Die Erwähnung im Gedenkbuch sicherte sodann zu, dass an bestimmten Jahrestagen, den Verstorbenen gedacht und für ihr Seelenheil gebetet wurde.

 

Among the entries of the Kriegshaber memor  book a number of renowned personalites of local Jewish history are mentioned, for instance banker and railway pioneer Isidor (Yitzak) Obermayer, who according to the entry gave “our community” 600 guilders for the good purpose (לדבר טוב). His family name is abbreviated as אמ known from many deeds, letters, items and grave markers


Kriegshaber Gieseckestrasse

June 16, 2014

Kriegshaber GieseckestrFormer Jewish house in Kriegshaber, Giesecke Str.

בית יהודי עתיק בגריסהבר אוגסבורג


Alte Synagoge Kriegshaber Augsburg

March 21, 2014

Alte Synagoge Kriegshaber Yehuda Shenef 5772Old Synagogue Kriegshaber

Ulmer Str. 228, prev. Haupstr. 3,

painting by Yehuda Shenef 5772

בית הכנסת גריסהבר אוגסבורג

יהודה דוד שנף


Kriegshaber Synagoge Hinter-Gitter

February 21, 2014

Die neugestaltete Rückseite der ehemaligen Synagoge von Kriegshaber, ausgestattet mit einem Aufzug und einem Müllhäuschen anstelle der früheren Mikwe ist nun mit schwarzen Gitterstäben umgeben, die derzeit freilich selbst noch von einem Bauzaun geschützt werden.

Synagoge Kriegshaber Hintereingang Gitterput behind bars: former synagoge of Kriegshaber (Augsburg)

אשבר עליו חקי ואשים בריח ודלתים


HAP Grieshaber

February 5, 2014

Der als HAP Grieshaber bekannt gewordene Künstler und Grafiker wurde 1909 im oberschwäbischen Rot an der Rot im Landkreis Biberach (heute Baden-Württemberg) geboren. Wie der Name schon sagt, stammen seine väterlichen Vorfahren aus Kriegshaber, das bis weit ins 19. Jahrhundert hinein auch deutsch häufig als “Grieshaber” geschrieben wurde. Die gängige hebräische Schreibweise des österreichischen “Judendorfes” lautete ohnehin גריסהבר was sich auch in der Abkürzung des Drei-Gemeinden-Bundes פג”ש wiederfindet.

2009 wurde Helmut Andreas Paul Grieshaber seitens der Deutschen Post mit einer Briefmarke geehrt, die seinen berühmten “Feuervogel” zeigte:

HAP Grieshaber Feuervogel 1909 - 1981 Postmarke 2009

Zu HAP Grieshaber:

http://de.wikipedia.org/wiki/HAP_Grieshaber

http://www.freundeskreis-hap-grieshaber.de/

The family name of German artist HAP Grieshaber derives from the older spelling of the name which comes from Gries = Grieß = semolina, the coarse middlings from other varieties of grains, such as wheat, rice, etc. – not from Krieg = war. Haber derives from Hafer = avena, better known as oats – not from old “haber” = “holder”, one who has (haben). Nearby there are a lot of similar names which refer to grains, etc.: Gerst-Hofen / Gerste = barley; Dinkelsbühl and Dinkelscherben / Dinkel = spelt; Emersacker / Emer = emmer wheat; etc.


Augsburg Kriegshaber Obermayer Chanucka Zeichnung aus dem Jahr 1821

December 1, 2013

Chanucka beginnt immer am Abend des 25. Kislev und dauert acht Tage bis zum 2. Tewet. Das war immer schon so, auch im jüdischen Jahr 5582, auf das die abgebildete Zeichnung datiert ist. Nach christlichem Kalender entspricht dies dem Zeitraum vom 19. – 26. Dezember 1821.augsburg kriegshaber obermayer chanucka painting zeichnung 1821 בשנת תקפ’ב

כארל אוברמייר – אוגסבורג גריסהבר

Die Zeichnung zeigt einen kunstvoll umschlungenen acht-armigen Chanucka-Leuchter mit drei handschriftlichen hebräischen Segenssprüchen, die sich auf das Chanucka-Fest beziehen. Im Sockel des Leuchters befindet sich die Signatur und Datierung. Gleich zweimal ist die hebräische Jahreszahl des jüdischen Kalenders zu lesen:  תקפב= 582. Die in dieser Weise üblich abgekürzte Jahresangabe steht für das das jüdische Jahr 5582 und entspricht dem Zeitraum Spätsommer 1821 / 1822.

Die Signatur לחנוכה תקפב (zu, bzw. für Chanucka 582) bezieht sich eindeutig auf das am 19. Dezember 1821 beginnende jüdische Lichterfest. In der „Namenskartusche“ sind zwei Worte erwähnt, die sich als Ortsnamen identifizieren lassen: אגוסטא (agusta, ggf. auch ogusta gesprochen) könnte für Augsburg stehen, deren klassisch römischer Name „augusta“ lautete, während גריסבר (grisawer) Kriegshaber sein dürfte, das in hebräischen Urkunden und Grabsteinen sehr häufig mundartlich als גריסהבר(gris’hawer) notiert wurde.

Das Zusammentreffen von „agusta“ und „grisawer“ jedenfalls erhöht die wechselseitige Wahrscheinlichkeit ganz erheblich, weshalb wir ganz sicher davon ausgehen können, dass mit den Ortsangaben Kriegshaber und Augsburg gemeint sind. Die stützt letztlich auch die namentliche Signatur, die offenbar vom Zeichner selbst stammt. Als Ligatur recht eindeutig zu erkennen ist der deutsche Nameכארל  (karl), unter welchem als Abkürzung gekennzeichnet א’מ  steht, was uns auf Grabsteinen und in Dokumenten aus, bzw. zu Kriegshaber und Augsburg verschiedentlich als offenbar geläufige Abkürzung des wohlbekannten Familiennamens Obermayer geläufig ist.

Zusammengenommen ergibt die hebräische Signatur also als mutmaßlichen Urheber der Zeichnung Karl Obermayer im Dezember 1821. Es ist recht naheliegend, hierbei an Carl von Obermayer (1811-1889) zu denken, der seinen adeligen Namenszusatz „von“ erst Jahrzehnte später erhielt, dessen Eltern und Vorfahren aus Kriegshaber stammten. Das trotz des offensichtlichen Aufwands des Zeichners doch eher kindliche Niveau der Zeichnung und Schrift passt recht gut zum Umstand, dass der im März 1811 geborene Carl Obermayer Ende 1821 erst zehn Jahre alt war. Erst wenige Monate vorher hatte Karls Vater Isidor Obermayer in Augsburg beim Herkules-Brunnen (wo eine goldene Tafel die Stadt Augsburg als Frau dargestellte “Augusta” zeigt) das große Palais erworben, in welchem sich heute das Augsburger Standesamt befindet. Trotzdem besassen die Obermayers weiterhin Häuser in Kriegshaber. Da es in Augsburg keine Synagoge und noch lange keinen adäquaten Betraum gab, ist es denkbar, dass die Obermayer-Familie das Chanucka-Fest des Jahres 1821 tatsächlich in Kriegshaber verbrachte und in der Kriegshaber Synagoge feierte. Auch, dass die Zeichnung von Karl Obermayer, die sich in Privatbesitz in Jerusalem befindet, in Kriegshaber entstand, entweder im Wohnhaus der Obermayer, vielleicht aber auch in der jüdischen Schule, gegenüber der Synagoge die der St. Anna-Schüler aus Augsburg ebenfalls besucht hatte, da erst später jüdische Lehrer aus Pfersee und Kriegshaber nach Augsburg kamen, um die Kinder und Jugendlichen der Augsburger Geschäftsleute mit dem nötigsten an Wissen und Bildung zu versorgen. Es ist wahrscheinlich, dass der zehnjährige Carl Obermayer die Zeichnung nicht für sich selbst fertigte. Vielleicht war es eine Schenkung für eine(n) Verwandte(n) in Kriegshaber und deshalb erahlten geblieben.

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A drawing from Carl Obermayer dated for the Jewish festival of Hanukkah in December 1821 when the later consul of the United States of America in then Bavarian Augsburg and head of the modern Jewish community of Augsburg still was a boy of ten, actually is a rare peace of rural Jewish artwork in the beginning 19th century.