Über das Schicksal jüdischer Bergarbeiter in Deutschland

July 2, 2012

Unter deutschen Bergarbeitern war der Begriff der „Maloche“ für „schwere Arbeit“, das entsprechende Verb „malochen“ oder die Bezeichnung des „Malochers“ als jemanden der schwer schuften muss, so geläufig, dass er  es zu landesweiter Bekanntheit geschafft hat. Inzwischen wissen viele, dass der Begriff sich von hebräischen מלאכה (malacha) ableitet, das jüdisch-deutsch als „maloche“ ausgesprochen wurde.

Im heutigen Hebräisch ist es jedoch nicht ganz so einfach, den Unterschied der „malacha“ zum inzwischen eher synonym aufgefassten Begriff עבודה (awuda) zu verstehen. Während im religiösen Kontext „awuda“ eher Dienstbarkeit, im Sinne von Gottesdienst oder aber Götzendienst (עבודה זרה, wörtlich Fremddienst), nennt sich die sozialdemokratische Arbeiterpartei Israels עבודה (awuda). „Malocher“ sind hingegen bereits in der Bibel zahlreich erwähnt als „mal’ach“ (מאלך), wörtlich „Arbeiter“. Im deutschen werden sie aber nicht als solche, sondern als „Engel“ übersetzt, was sich vom griechischen ἄγγελος angelos = Bote, Gesandter ableitet. Schließlich verwendete die frühe zionistische Bewegung noch den Ausdruck des פועל (po’el) für den Arbeiter, heute durch zahlreiche Sportvereine wie  ‏הפועל תל-אביב‎ (Hapoel Tel Aviv) geläufig.

Wie dem auch sei, ist wenig hinterfragt worden, warum deutsche Bergarbeiter ihre Schufterei denn nun ausgerechnet mit einem hebräischen (bzw. jiddischen) Begriff bezeichneten, wo das Klischee „den“ Juden fast durchweg Geldgeschäfte ohne körperlicher Anstrengung unterstellte. Die Antwort darauf ist, dass es zahlreiche jüdische Bergarbeiter in Ostpreußen und im Ruhgebiet gab. Über ihre sehr schlechten Arbeitsbedingungen schrieb vor hundert Jahren der Münchner, jedoch in Bamberg geborene  Sexualforscher und Dermatologe Felix Aaron Theilhaber (1884-1956), der auch als politischer, zionistischer Journalist und Schriftsteller arbeitete, in der „Welt am Montag“. Sein Artikel „Jüdische Arbeiter in preußischen Bergwerken“ wurde am 5. Juli 1912 von der in Berlin erschienenen „Allgemeine Zeitung des Judentums“ (76. Jahrgang, Nummer 27) zitiert, als Anklage gegen den recht- und schutzlosen Status „armer russischer Einwanderer jüdischen Glaubens“, die von ihren nur nach Profit strebenden deutschen Arbeitgebern ausgebeutet werden konnten:

Dieses Arbeitsherr von Ausländern ist natürlich völlig recht- und schutzlos und muss es immer bleiben. Als Ausländer ist jeder der Gefahr ausgesetzt, bei der geringsten Veranlassung ausgewiesen zu werden. Wehe dem, der als „rot“ nur verschrien ist. Man kennt eine Menge von Fällen, wo Fremde trotz jahrzehntelanger unbescholtener Führung und Arbeit in Deutschland bei der geringsten Regung für das Koalitionsrecht sofort in die ihnen inzwischen fremdgewordene „Heimat“ gehetzt wurden. Bei Streiks ist der Ausländer der geborene Streikbrecher. Er kann nicht feiern und Streikunterstützung annehmen, da er sonst sofort zurücktransportiert wird, was der unglückliche Jude, der einmal Russland verlassen hat, unter allen Umständen zu vermeiden sucht.

Der russische Jude ist aber auch, wenn er krank oder altersschwach ist, keine Belastung für die Krankenkasse der Bergwerke. Wir wissen, dass die größte Krankheits- und Sterblichkeitszahl bei den Bergleuten vorkommt, dass sie ganz besonders der Hilfe und hygienischen Fürsorge bedürfen. Statt dessen bietet sich nun billiges Schachtfutter: wenn ihre Knochen mürbe geworden sind, lässt man sie in Polen verfaulen. Sobald so ein „Kaftanjude“ über die Grenze geschafft worden ist, kräht kein Hahn nach ihm. Menschen die Jahr und Tag unter deutschen Verhältnissen gelebt haben, sollen dann plötzlich wieder zu Russengestempelt werden. Selbst Kinder, die in Schlesien geboren wurden, die deutsche Sprache sprechen, sind dann verdammt, mit in das dunkelste Selbstherrscherreich geschleppt zu werden, wo das Bekenntnis zum Judentum völlig entrechtet.

Die Juden werden heute von den Russen nach dem Ausspruch eines russischen Ministers zu einem Drittel ausgehungert, zu einem Drittel zu Tode gehetzt (in Gefängnissen, in Sibirien, usw.), zu einem Drittel verjagt. Die Wertschätzung des polnischen Juden in Deutschland ist nicht viel größer. In Amerika hat er sich zwar bewährt, wie Roosevelt, Taft u.a. bestätigen, wie z.B. auch jüngst der Münchner Schulmann Kerschensteiner in längeren Auslassungen ausführte. Dass die preußische Regierung aber keine Sympathien für die östlichen Juden hat, ist bekannt. Trotzdem will sie die jüdischen Weber von Balutz und Lodz kommen lassen, um billige und willfährigere Arbeitermassen der Großindustrie zuzuführen.

Die deutsche Arbeiterschaft hat einen seiner Hauptkämpfe gerade in der Bergwerkindustrie auszufechten. Eine bodenständige, einheitliche, deutsche Arbeitermasse wird sich ganz anders in den Lohnkämpfen halten können als ein Proletariat aus allerlei religiös, kulturell und politisch differenzierten Gliedern, die nebenher noch völlig abhängig von jedem Schutzmann, von der Regierung und dem Winken eines Bergwerkdirektors sind.

http://www.migrationsroute.nrw.de/themen.php?thema_id=36&erinnerungsort=bochum

Natürlich geschieht dies ganze finstere Unternehmen unter dem Segen etwelcher Juden, ja gebärden sich einige in jüdischen Zeitungen, als ob die Judenfrage gelöst wäre. Vor allem sind es die Veranstalter einer Zusammenkunft, die Pfingsten zu Kattowitz stattfand, wo der Handel sanktioniert wurde.

Auf diese Tatsachen, die noch nicht allgemein bekannt sind, eine Auge zu haben, wird gut sein. Denn es ist vielleicht noch möglich, sowohl die Freunde des arbeitenden deutschen Volkes wie auch die wirklichen, echten Vertreter der Judenheit auf Vorgänge aufmerksam zu machen, die nur der Dividendenpolitik der Bergwerkes Vorteile zu bringen imstande sind. Den jüdischen Arbeitermassen wird durch solche Machenschaften weder der Friede des eigenen Herdes, noch die Sicherheit für die Zukunft und die Freiheit gegeben.“

Felix Aaron Theilhaber gründete in Berlin die „Gesellschaft zur Sexualreform (Gesex)“ und war mit Magnus Hirschfeld führend als Sexualforscher. Er kämpfte engagiert für die Abschaffung der Paragraphen die Schwangerschaftsabbruch und Homosexualität unter Strafe stellten und warb für Geburtenkontrolle, jedoch sollte noch mehr als ein halbes Jahrhundert vergehen, ehe diese Positionen in Deutschland breitere Akzeptanz finden konnten. Im Jahr 1911 verfasste er eine bemerkenswerte Schrift mit dem Titel „Der Untergang der deutschen Juden“, in welcher er konstatierte, dass das deutsche Judentum mittels Assimilierung, Säkularisierung, Verstädterung, Mischehen und Kinderlosigkeit dem Untergang geweiht und in wenigen Jahrzehnten nur noch sporadisch in größeren Städten vorzufinden sei, während es in seinen traditionellen ländlichen Hochburgen, fast gänzlich verschwinden werde. Eine Prognose, die auch ohne den „Holocaust“ zum heutigen (2012) Istzustand geführt hätte, diesen jedenfalls relativ gut beschreibt …

Im selben Jahr 1911 begann er seine Arbeit in den Diensten der Organisation des türkischen Roten Halbmonds als Militärarzt, u.a. im Türkisch-Italienischen Krieg in Libyen und im Balkan-Krieg oder als türkischer Gesandter im von den Engländern bald “Palästina” genannten Teil des endenden Osmanischen Reiches. Im ersten Weltkrieg wurde er als deutscher Pilot mit dem „Eisernen Kreuz“ ausgezeichnet, später 1933 jedoch von der „Gestapo“ verhaftet und zwei Monate festgehalten. 1935 gelang es ihm dennoch nach Israel auszureisen, wo er während des Krieges 1941 die Makkabi Krankenkasse gründete, die 1949 bereits 250 Versicherte im Raum Tel Aviv betreute und heute mit 1.9 Millionen Mitgliedern die größte Krankenversicherung Israels ist. Felix Theilhaber starb 1956 in Tel Aviv. Sein 1921 geborener Sohn Michal Adin Talbar war 1966 Unterhändler des deutsch-israelischen Wirtschaftsabkommens und erhielt 1985 das Großkreuz erster Klasse für seine auf Aussöhnung und Verständigung zwischen Deutschen und Israelis bedachtes Engagement, insbesondere im Bereich des Sports.

http://he.wikipedia.org/wiki/%D7%A7%D7%95%D7%91%D7%A5:Maccabi_Health_Care_Services_2011_logo.svg

One hundred years ago zionist journalist and writer Felix Aaron Theilhaber who also was sexual researcher, military surgeon, advocate for gay rights as well as founder of Israel’s today largest health care service Maccabi, wrote an article on Jewish immigrants from Russia who were exploited as cheap mineworker without rights in Germany, at any time to be blackmailed because of their fear to be deported back again to Russia where they fled persecutions.

Although Jewish mine workers in Germany are anything but common knowledge – it jus is known that there were many workers from “Poland” … – the term for toiling (very hard work) common among miners in German is “malokhen” which actually derives from Hebrew “malakha” and Yiddish Taytsh מאַלאָכען. Until today the term in German is frequent not only for mine workers but widely known as synonym for hard and cheap labor.


שרידים של תרבות יהודית במברג

April 13, 2011

explanation at Synagogen Platz in Bamberg, where contrary to the name of course today is no synagogue, but some memorials

 

בך ה’ חסיתי


Die Synagoge von Bamberg

March 31, 2011

Die neue im Juni 2005 an der Willy-Lessing-Strasse eingeweihte Synagoge in der ehemaligen Nähseidenfabrik wurde bereits bei der Grundsteinlegung als „7. Synagoge“ in Bamberg bezeichnet, was auf einer eigentümlichen Zählung und Einschätzung der Ortsgeschichte beruht. Zusammen mit dem Gemeindezentrum und Lehrhaus „or chaim“, zu der auch Unterrichtsräume und eine freilich nur selten benutzte Mikwe gehören, ist sie jedoch das Zentrum der etwa 900 Mitglieder umfassenden “lebendigen Gemeinde“. Diese hat mit der Urologin Dr. Antje Deusel eine zum Judentum konvertierte angehende Reform-Rabbinerin und “Mohelet” (Beschneiderin), die als zweite “deutsche” Rabbinerin nach Regina Jonas (1902-1944) aufgefasst wird, was jedoch mittelalterliche und pre-reformerische Rabbinerinnen ignoriert. Das Verhältnis zur auch in Bamberg überwiegend von russischen Zuwanderern bestehenden jüdischen Gemeinde, ist dem Anschein nach aber eher distanziert. Das mag auch daran liegen, dass die zwischen post-sowjetischen Exil-Juden und post-nazistischen Ex-Christen unvermeidlichen Missverständnisse in Taschenbüchern nicht erklärt finden und artiger Beifall von (zu Selbstgesprächen bereiten) Christen dabei nichts nutzt. Aber vielleicht klappt das in Bamberg ja besser, als zuletzt in Fürth. Andernfalls muss man eben die realen Juden durch Konvertiten ganz ersetzen, um den Antisemitismus (und andere “Komplikationen”) schlussendlich zu bewältigen.

Die Inschrift אור חיים (or chaim) über der Eingangstür im Innenhof übersetzt sich als “Lebenslicht”, bezieht sich im Kontext einer neuen liberal ausgerichteten fränkischen Gemeinde nicht auf חיים אבן עטר der zu den Lehrern des  חיד”אgehörte.

Der Betraum der neuen Synagoge im Inneren des Gebäudes ist durch ein Tor zu erreichen, welches aus aus der bis 1910 genutzten vorletzten Synagoge stammte, an welche heute am “Synagogenplatz” Gedenksteine erinnern.

Die Einrichtung des Betsaals ist von einer etwas nordisch, protestantischen wirkenden Schlichtheit bestimmt, die von einigen Lichtblicken und Kontrasten aufgehellt und akzentuiert wird.

תפילות לכל שנה

Der “blaue” Segen des einen Fensters kontrastiert mit dem “roten” Licht des anderen. Blaulicht freilich wäre auch nicht verheißungsvoller.

Im Hintergebäude befindet sich für den Nachwuchs der Gemeinde Gelegenheit sich mit einem Trampolin fit zu halten. Die Glasfenster wurden aus den vorherigen Gebetsräumen integriert. Es gibt jedoch auch Unterrichtsräume etwa für das Lernen hebräischer Buchstaben:

Der kleine Betsaal, für Wochentage vorgesehen, aber abseits von besuchenden Schulklassen kaum benutzt, finden sich neben dem Aron der früheren Gebetstätte auch Talmud-Bände und einige weitere des Schulchan Aruch, in einer reformierten mehrheitlich russisch-sprachigen Gemeinde hoffentlich nicht nur Ausstellungstück ist.

The synagogue of Bamberg, inaugurated in 2005 in a former textile manufactory, is regarded as 7th synagogue in the history of the town (what of course is a rather disputable view) and is located in the backyard of the Willy – Lessing – Str. named after the last head of the Jewish community of Bamberg, who perished as a defender of the former synagogues Tora scrolls during the so calledKristallnacht 10th of November 1938.

The synagogue and community center has a kosher kitchen, run by the non-Jewish janitor couple, a hardly used mikvah (without direct runoff), but also with class rooms and others for recreation and so on. Almost recently the community also has a new female reform Rabbi (actually a convert, who apparently has only little understanding for real Jews from Russia), but is considered as the second German one after pre war Regina Jonas – what of course ignores all medieval and pre-“refom” women who were rabbis.

Becken der Mikwe mit Wasserzufluss. Einen Abfluss gibt es nicht. Das Wasser wird stattdessen mit einer Wasserpumpe abgepumpt. Da die Mikwe “nur sehr sporadisch genutzt” wird, enthält sie “meist kein Wasser”. Das wird man wohl im Voraus beim Bademeister beantragen müssen.

Unser herzlicher Dank gilt dem Hausmeister Herrn Juergen Trager, der uns, wie bereits am Vortag am Friedhof liebenswürdig und ausführlich zahlreiche Details und Hintergründe, recht humorvoll erläuterte.

בית הכנסת החדש של במברג, נחנך בקיץ 2005


Der jüdische Friedhof von Bamberg

March 28, 2011

Der jüdische Friedhof an der Siechenstr. 102, südöstlich vom heutigen Gewerbegebiet, wurde am Tag nach Suckot des Jahres 5612 (1851) eingeweiht. Bis zu dieser Zeit bestatteten Bamberger Juden ihre Toten in umliegenden Friedhöfen etwa in Walsdorf oder Zeckendorf. Für den ersten neuzeitlichen Friedhof in Bamberg hatte sich der Gemeindevorsitzende Jakob Dessauer stark gemacht, der späte selbst hier bestattet wurde.

Im Bereich hinter der heutigen Unteren Sandstr. 29 soll sich der Friedhof der mittelalterlichen, 1478 endenden jüdischen Gemeinde befunden haben. Die dort bei Bauarbeiten in den 1960er Jahren gefundenen  Grabsteine und Überreste wurden am Friedhof in der Siechenstr. aufgestellt. Freilich sind die gezeigten Steine weit jüngeren Datums, keinesfalls mittelalterlich, sondern tragen Daten aus den 1850ern.

Vermutete Grabsteine aus  Untere Sandstr., jedoch datieren sie aus den späten 1850ern, wie problemlos zu erkennen etwa auf den beiden rötlichen Grabsteinen des Sohns und der Tochter Gitl des Henoch Strauss um 1858. Im Hintergrund über der Mauer ist ein überragendes Kreuz vom angrenzenden christlichen Friedhof zu sehen.

Grabmal des einjährig verstorbenen Alfred Buxbaum (1904 – 1905)

Das heutige Tahara- und Friedhofswächterhaus wurde 1890 errichtet. In der stattlichen Halle befinden sich eine Reihe von Gedenktafeln für die in der „Nazi-Zeit“ ermordeten Bamberger Juden. Eine weitere, ältere Tafel erinnert an die Gefallenen der jüdischen Gemeinde aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Sie ist von einem kunstvollen steinernen Podium umrandet, das aus der früheren Synagoge stammt.

Außen am Tahara-Haus hängt eine Tafel mit dem punktierten אתה גיבור לעולם aus dem Amida. In früheren Zeiten soll es noch eine zweite Tafel gegeben haben, deren Inschrift offenbar nicht überliefert ist.

מחיה מתים ברחמים רבים

Der mehrfach aufgeteilte, auch aktuell von der inzwischen überwiegend russisch-sprachigen Gemeinde noch benutzte Friedhof in Bamberg wird seit Jahrzehnten durch das Ehepaar Trager gepflegt und zeigt sich in einem ausgezeichneten Zustand, freilich sind auch hier zahlreiche Monumente von der Witterung in Mitleidenschaft gezogen worden. Eine absichtliche Vernachlässigung wie an vielen anderen Friedhöfen ist nicht zu beobachten.

Grabstein des Benedikt Oesterlein (1816 – 1888). Die Inschrift bezeichnet ihn als “Polizeichirurg”. Unter dem seltenen erstmals 1827 belegten Begriff verstand man eine Art forensischen oder Gerichtsmedizinier (Coroner) der im Polizeidienst Obduktionen an Leichen vornahm, um eine natürliche oder gewaltsame Todesursache zu attestieren. In früheren Zeiten bezeichnete man den Beruf noch als “Hofbader”. Interessant wäre natürlich in Erfahrung zu bringen mit welchen (Mord)Fällen sich Herr Oesterlein in Bamberg oder Umgebung zu befassen hatte.

Memorial der Familie Wassermann am jüdischen Friedhof in Bamberg. Die hebräische Inschrift verwiest über die großgestellten Anfangsbuchstaben auf Izchak ben Elia (Julius) Wassermann (1873-1939), der zudem als parnas vemanhig kahal bezeichnet wird, also als Gemeindeführer. Zur Bamberger Familie Wassermann gehörte auch Oskar Wassermann (1869 – 1934), der von 1912 bis 1933 dem Vorstand der “Deutschen Bank” angehörte und in den letzten zehn Jahren sogar deren Sprecher in Deutschland war. Als die Nazis an die Macht kamen wurde er “natürlich” aus dem Amt verdrängt. Schon im Jahr darauf verstarb er in Garmisch, eines “natürlichen Todes” wie es heißt.

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Unser Dank gilt dem Ehepaar Trager für die ausführliche Führung und zahlreiche Erläuterungen zur Geschichte und Gegenwart.


Das jüdische Bamberg

March 17, 2011

Kehila kodesch Bamberg (Heilige Gemeinde Bamberg) – Inschrift am Grabmal des Josef Gross, R. ABD

Es ist kaum möglich, die Geschichte der Juden in Bamberg – die so alt ist wie die Ortsgeschichte selbst – in Kürze zusammenzufassen, wenngleich dies mit Begriffen wie “Rintfleisch” und “Holocaust” mitunter geschehen mag, aber wir wollen dies erst gar nicht versuchen, sondern uns den vielfältigen Aspekten nach und nach widmen. Die heutige Synagoge fasst sich als die siebte in der Geschichte Bambergs aus, während als erste eine ehemalige (durch eine) Marienkirche (überbaute vorherige) gilt. Ehemalige Synagogenplätze, Häuser jüdischer Hopfenhändler und Brauereien, würdige und weniger stilvolle Denkmäler und -tafeln, Stolpersteine, tausend Jahre Stadtgeschichte und eine Fülle von Sehenswürdigkeiten in einer (Alt)Stadt, die nicht grundlos als Weltkulturerbe ausgezeichnet wurde, bieten viele Facetten.  Aber es gibt über die generellen Faktoren hinaus auch weitere Bamberger Besonderheiten, wie etwa die stilisierte Figur der “Synagoga” am Portal und im Dom oder der oft anzutreffende mit dem David-Stern identische “Bierzeiger” der in manchen Fällen auch für das süffige Bamberger Rauchbier wirbt.

golden Star of David as guild symbol of beer brewer

The Golden Star of David is also the “Beer pointer” (zoigl) as guild symbol of Beer Brewers

One many places in Bamberg you can find “Stolpersteine” (stumbling blocks) which remind of Jews murdered by Nazi.

The new Synagogue of Bamberg

Boettinger – house at (medieval) Jewish Street in Bamberg. The house however was established about 1713.