In Hainsfarth – בהיינספרת

July 15, 2019

בבית הכנסת אני לשעבר נואם בפני קהל יהודי פיקטיבי בהיינספרת ‘, שוואביה

מאי 2019

שצולמה על ידי מרגיט הומל

 


Ansbach Synagogue

July 25, 2016

Former Synagogue of Ansbach (Franconia, near Nuremberg)

Ansbach (17)בתוך בית הכנסת לשעבר באנסבך


שבטים רובן ויהודה – les tribus d’Israël de Ruven et Yehuda

June 5, 2016

Représentation des tribus d’Israël de Ruven et Yehuda à la synagogue d’Augsbourg, conçu par Heinrich Lömpl (1877-1951) pour Fritz Landauer, en l’an 1916, peint par Chana Tausendfels en 2010

Augsburg Synagoge Yehuda Ruvenשבטי יהודה ורובן של בית הכנסת באוגסבורג


Nuremberg Synagogue place 1915 and 2015

December 29, 2015

At the shore of river Pegnitz until 1938 was the Great Synagogue of Nuremberg. As landmark it was one of the most often depicted synagogue sites in Europe on dozens of different postcards, photographed as well as painted – quite different from synagogues in other towns in the very region, such as Munich with just one or two synagogue postcards or Augsburg, with no prewar postcard.

Nuremberg Synagogue place at Pegnitz river 1915 and 2015

The very same perspective today has no indication to the synagogue. How there is a memorial site at the bridge, suggesting the synagogue was exactly there .. and way smaller (“An dieser Stelle stand …”) …:

Nürnberg Synagoge Denkmal Pegnitz

  לזכור את בית הכנסת לשעבר נירנברג

Synagoge Ingolstadt

August 27, 2015

Ingolstadt alte Synagoge Illuminati  אינגולשטדט

בית הכנסת משנת 1907 עד 1938
synagogue-ingolstadt-memorial plate

In Theresienstr. 23 in Ingolstadt from 1907 until 1938 as well as some time after the Nazi defeat there was a synagogue in the same building previously used from 1782 until 1785 as temple of the Illuminati Order of Adam Weishaupt.

Ingolstadt Synagoge

 


Alte Synagoge Kriegshaber Augsburg

March 21, 2014

Alte Synagoge Kriegshaber Yehuda Shenef 5772Old Synagogue Kriegshaber

Ulmer Str. 228, prev. Haupstr. 3,

painting by Yehuda Shenef 5772

בית הכנסת גריסהבר אוגסבורג

יהודה דוד שנף


Erinnerung an die große Synagoge in Nürnberg

August 14, 2012

postcard ca.1920 and situation today

Am 21. Elul 5634 (= 8 September 1874) wurde der 1870 begonnene Synagogenbau zwischen Pegnitz-Ufer und Hans-Sachs-Platz in Nürnberg eingeweiht. Es war nicht die einzige Synagoge in der Geschichte Nürnbergs und in jener Zeit, doch es war sicher die imposanteste und am meisten fotografierte. Wohl von keiner anderen deutschen Synagoge erschienen so viele unterschiedliche Postkarten (von Augsburg bis heute keine), von Photographien und Malereien ganz zu schweigen. Julius Streicher (geb. in Fleinhausen/Dinkelscherben bei Augsburg) war dies ein Dorn im Auge, vielleicht auch ein Busch. Seiner Ansicht nach passte sie nicht in das Stadtbild der „deutschesten aller deutschen Städte“ und so kam es, dass die Synagoge bereits am 10. August 1938, ein Vierteljahr vor der sog. „Reichskristallnacht“ zerstört und binnen kurzer Zeit beseitigt wurde. Die Überreste und Erinnerungen an den früheren Prachtbau wurden durch eine völlige bauliche Umgestaltung in der Nachkriegszeit entsorgt, auch begünstigt durch eine gewisse Amtskontinuität.

"Hans sucks ..."

Memorial of Hans Sachs (1494-1576), German “Mastersinger” and playwriter, who became famous because of the “Meistersinger” opera by Richard Wagner. The monument at former Spitalplatz (now Hans-Sachs-Platz), planned in 1872, was established in June 1874, severeal weeks before the almost completed synagogue (groundbreaking 1870) was inaugurated. Note the homophone “alternative” spelling of the name sprayed on the left of the official dedication: “Hans sucks …”

Modell der Großen Synagoge am Hans-Sachs-Platz (im Adolf-Hamburger Seniorenheim der IKG Nürnberg)

Heute erinnert am Hans-Sachs-Platz gar nichts mehr an die frühere Existenz der Synagoge. Erst seit 1971 gibt es auf der früheren Rückseite bei der Heubrücke an der Pegnitz eine sog. “Gedenkstätte”, die seitdem aus mehreren deutschen und hebräischen Inschriften und Steinen mit einem Relief der Synagoge und zuletzt im November 2001 um eine Tafel erweitert wurde, die an den früheren Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Nürnberg Leo Katzenberger, der von den Nazis ermordet wurde, erinnern will:

Zum Gedenken an LEO KATZENBERGER Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg 25.11.1873 – 3.6.1942 – verhaftet und angeklagt aufgrund der „Nürnberger Gesetze“, in einem Schauprozess des Sondergerichts Nürnberg ohne Schuld verurteilt und hingerichtet als Opfer der NS-Rassenjustiz.“

(Translation: In Memory of LEO KATZENBERGER head of the Jewish community of Nuremberg 1873 – 1942, arrested and accused on the basis of the “Nuremberg Laws” in a tribunal of the special court Nuremberg sentenced without guilt and executed as victim of the Nazi racial justice)

Leo Katzenberger war von 1939 bis 1942 der letzte Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Nürnberg. Er wurde beschuldigt ein sexuelles Verhältnis mit der „Arierin“ Irene Seiler, die in einer seiner Mietwohnungen lebte, gehabt zu haben und wurde deshalb wegen Verstoßes gegen die sog. „Volksschädlingsverordnung“ (VVO) von einem Nürnberger Gericht zum Tode verurteilt und am 3. Juni 1942 in München geköpft. Irene Sailer wurde wegen „Rassenschande“ zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Tatsächlich bestand zwischen beiden jedoch nur ein Mietverhältnis. Im 1961 gedrehten US-Spielfilm „Das Urteil von Nürnberg“ mit Spencer Tracey, Richard Widmark, Montgomery Clift, Burt Lancaster, William Shatner u.a. der sich mit den Nürnberger Prozessen gegen NS-Juristen beschäftigt, wird Irene Seiler von Judy Garland gespielt.

Judy Garland interview on the importance of the Nuremberg movie and her role (5044)

Pultähnliche Stele mit der Aufschrift:

An dieser Stelle stand die im Jahre 1874  fertig gestellte und im maurischen Stil erbaute Nürnberger Hauptsynagoge. Noch vor der Kristallnacht wurde sie am 10.8.1938 von den NS-Machthabern zerstört und abgetragen.“

Man braucht keine historischen Photographien, an denen es wie bereits erwähnt nicht mangeln würde, um festzustellen, dass, anders als der Text behauptet, die Synagoge nicht nur an “an dieser Stelle” stand, sondern durchaus “etwas” größer war. Der Stil der Synagoge war auch nicht “maurisch”, allenfalls wies die Fassade einige orientalisch anmutende Ornamente auf und es waren auch nicht die “Machthaber” des NS-Regimes, die das Bauwerk zerstörten (dafür waren Leute wie Hitler, Streicher, Goebbels persönlich wohl zu kränklich), sondern junge Nürnberger Nazis und auch an denen bestand kein Mangel. Anstelle lapidar darauf hinzuweisen, dass die Synagoge “abgetragen” wurde (womöglich durch den Wind?), hätte der Text auch dazu Bezug nehmen können, warum der Platz in der Nachkriegszeit nicht wieder für den Neubau oder gar die Rekonstruktion der Synagoge benutzt wurde. Platz wäre dafür gewesen, für die weitere Inschrift und für entsprechende Baumaßnahmen.

(At this spot was the main synagogue of Nuremberg which in 1874 was established in Moorish style. Still before the Kristallnacht on 10th of August 1938 it was destroyed by the Nazi rulers and “carried away” – Of course the place of the synagogue was a little bit bigger than the small desk-like memorial. The style of the synagogue of course was not “Moorish” as maintained also by the Nazi who argued this way against the building as inappropriate in “the most German of all German cities”. The building just had some ornaments at the facade. The same way you can say every bulbous tower of countless churches especially in Southern Germany were “Moorish”)

An beiden Seiten des Pult-Denkmals steht in deutscher und hebräischer Sprache  geschrieben ein halber Vers aus dem Buch des jüdischen Profeten Chagai (חגי):

מי בכם הנשאר אשר ראה את־הבית הזה בכבודו

Was übersetzt wurde mit: “„Wer ist unter euch noch übrig, der dieses Haus in seiner Herrlichkeit gesehen hat?“”

(Chagai 2.3: Who is left among you that saw this house in its honor?)

Der Vers vollständig zitiert würde so weiterghen:

מה אתם ראים אתו עתה הלוא כמהו כאין בעיניכם

Und was seht Ihr jetzt? Hat es irgendeinen Wert in Euren Augen ..?“ (And what are you seeing now? Has it any value in your eyes?)

Man kommt doch ein wenig ins Grübeln, warum der zweite Teil des Verses weggelassen wurde. Vielleicht weil die Anspielung reichte, vielleicht weil 1971 aber noch immer eine Zeit war, in der man es bei solchen Anspielungen belassen musste. 2012 jedenfalls ist auch das vergessen.

Auf der rechten und linken Seite des Pult-Denkmals befindet sich nun an den Mauern ebenfalls in deutscher und hebräischer Sprache ein weiteres Zitat aus der jüdischen Bibel, nun aus dem Buch der “Sprüche” (Proverbs):

כי־תאמר הן לא־ידענו זה הלא־תכן לבות הוא־יבין ונצר נפשך הוא ידע והשיב לאדם כפעלו

(in order to read the Hebrew text it was neccessary to remove some foliage first)

… was auf der gegenüberliegenden Seite übersetzt wurde als „Wenn man sagt: Sieh, wir wussten nichts davon! Glaubst Du nicht, dass er, der das Herz des Menschen kennt, ihn durchschaut? Er vergilt dem Menschen nach seinen Taten

במקום בית הכנסת שעבר נירנברג יש זיכרון אשר מנציח הבניין וראש האחרון של הקהילה היהודית אשר נהרג על ידי הנאצים

(wikipedia)

(כל טקסט ותמונות על ידי יהודה שנף, אם לא צוין אחרת)


בית הכנסת אוגסבורג

June 25, 2012

la synagogue d’Augsbourg

 


Die “Alte Synagoge” von Erfurt

May 21, 2012

Als große Attraktion und Kernpunkt der Bewerbung Erfurts um eine Auszeichnung als „Weltkultur-Erbe“ der UNESCO präsentiert die Stadt seit einigen Jahren die sog. „Alte Synagoge“ als“ älteste erhaltene Synagoge Europas“, in welchem heute ein jüdisches Museum untergebracht ist. Dort sind die Exponate des sog. „Erfurter Judenschatz“ ausgestellt, die 1998 unweit in der Michalistr. 43 unterhalb einer Kellermauer gefunden wurde, sowie Faksimile mittelalterlicher hebräischer Bücher aus Erfurt, deren Originale sich in der Berliner Staatbibliothek befinden. Im Hof des Museums befinden sich unter Glas drei mittelalterliche Grabsteinfragmente. Mit inbegriffen sind zahlreiche touristische Angebote, etwa eine (sachlich und altersgerechte?) Führung für Kinder im Alter von 5 bis 12 Jahren mit dem vielsagenden Titel „Taharah – von kalten Füßen, nackten Frauen und Geistern“ (http://alte-synagoge.erfurt.de/jle/de/altesynagoge/service/).

Nach allgemeiner Auffassung soll das im Laufe von Jahrhunderten in mehreren Bauphasen immer wieder veränderte Gebäude auf eine auf das Jahr 1094 datierte Synagoge zurückgehen, wovon ein sieben Meter langes und bis zu ca. zwei Meter hohes Mauerstück noch erhalten sein soll. Zu den historischen Begebenheiten nimmt Adolph Jaraczewsky (1829-1911), von 1862 bis 1879 Rabbiner in Erfurt, in seiner 1868 veröffentlichten „Geschichte der Juden in Erfurt“ ausführlicher Bezug. Am 21. März 1349 kam es im Erfurt zum sog. „Judensturm“. Da es andernorts schon zu Ausschreitungen gegen Juden gekommen war, rechneten die Erfurter Juden mit einem Angriff und sollen sich massiv bewaffnet haben: „“Diesen Überfall fürchteten sie in der Zeit, da sie im Gotteshause versammelt waren … und dachten an Gegenwehr. Denn man fand in der Synagoge treffliche Rüstungen an Armbrüsten, Spießen und Pfeilen, so dass man nicht wenig überrascht war, in dem Gotteshaus auch ein Zeughaus zu entdecken.“ (Jaraczewsky, S. 26). In einem an selber Stelle zitierten christlichen Bericht des Petersklosters heißt es: „In Erfurt fiel die Bürgerschaft wie ein ergrimmter Tiger über seinen Raub her.  Hundert fielen in ihre Dolche, oder wurden unter ihrem Streithammer zerschmettert. Die Entkommenen retteten sich in ihre Häuser, verriegelten Tür und Fenster, besetzten alle Eingänge und machten sich zur Gegenwehr bereit. Die Wut stieg mit dem Widerstand. Man warf Feuerbrände, und hoch loderte die Flamme über den Opfern der Unschuld. Mehr als 5000, wovon sich ein Teil selbst ins Feuer stürzte, fanden hier, auf eine, die Menschheit empörende Weise den Tod.“

In Wilhelm Horns äußerst interessanten „Charakterisierung der Stadt Erfurt – ein medizinisch-statistischer Beitrag“ aus dem Jahr 1843 (S. 228) liest sich das dort freilich auf 1346 (!) datierte Geschehen kurz gefasst so: „Einige Junker trachteten nicht nur, die Juden zu erschlagen, sondern wollten auch bei einem solchen Tumult das Stadt-Regiment an sich ziehen. Sie vereinigten sich heimlich mit einigen übelgesinnten Ratsherren und irregeleiteten Gewerken. Als dies der Rat erfuhr, schickte er seine Diener den Juden zur Hilfe; allein der Auflauf war schon zu groß, als dass der Rat hätte gehört werden können. Gegentausend Juden wurden erschlagen, die übrigen aber, welche sich verloren glaubten, liefen in einige Häuser zusammen, zündeten sie an, und verbrannten sich mit Allem, was sie bei sich hatten. Es sollen damals 6000, nach Anderen sogar 9000 Juden in Erfurt gewesen sein, welche alle umkamen. Man fand in der Judenschule Rüstungen, Armbrüste, Spieße und Pfeile, deren Zweck man nicht einsah. Der Kurfürst Gerlach war über dieses Benehmen der Bürgerschaft höchlich erzürnt, die Stadt gab als Ursache der Verfolgung den Verdacht der Brunnenvergiftung an; da dieses jedoch keineswegs erwiesen war, und der wahre Grund vielmehr deutlich hervorleuchtete, so wurde die Stadt verurteilt, jährlich 100 Mark Silbers als Strafe zu geben; – eine Strafe die aber nicht lange gezahlt wurde.“

Jaraczewsky zweiter Nachfolger im Amt des Erfurter Rabbiners Theodor Kroner formulierte in seiner Festschrift zur Einweihung der neuen Erfurter Synagoge am 4. September 1884, sich weitgehend auf die Peterschronik stützend: „Mit Dolch und Streithammer tötete man dieselben, stürmte ihre Häuser und als sie sich in den selben zur Wehr setzten, zündete man die Häuser an. In Wirklichkeit wohl nur 100, der Sage nach 5000, nach Anderen 6000 oder gar 9000 Juden, wovon sich ein Teil selbst ins Feuer stürzte, fanden hier auf eine die Menschheit empörende Art ihr Grab.

Die genannten möglichst hohen Zahlen tausender getöteter Juden in Erfurt sind sicher eine maßlose Übertreibung seitens der christlichen Chronisten (oder Wunschdenken), da die gesamte Einwohnerschaft Erfurts zur Mitte des 14. Jahrhunderts kaum über 10.000 Einwohner hinausgekommen sein wird. Vielleicht werden deshalb allgemein wohl auch die gleichwohl genannte Zahl der “hundert” zitiert. Doch bereits bei der Rückkehr der Juden im Jahr 1350/51 sind 33 Hausbesitzer verzeichnet. Jaraczewsky schätzt die Anzahl der Hausbesitzer auf ein Drittel und deshalb die Anzahl der Juden auf etwas über 500, was sicher eher konservative Werte sein dürften. Die Erfurter Juden waren vor dem „Sturm“ wohl in benachbarte Städte geflüchtet, etwa nach Arnstadt 15 km südlich von Erfurt, oder ins 20 km westlich gelegene Gotha oder ins gleichweit entfernte östliche Weimar.

Wie anderer zurückgelassener Besitz wurde die Synagoge in Abwesenheit beschlagnahmt und gelangte so in „Privatbesitz“. Dazu passt nun offenbar der durch dendro-chronologische Verfahren ermittelte Befund, der erhaltene Holzbalkenreste auf das Jahr 1351 datiert, welche nun aus der Zeit des Umbaus stammen sollen. Daraus folgte dann jedoch, dass die neuen Besitzer sich rasch um einen Umbau bemühten. Sollten tatsächlich Brände gelegt worden sein, müssten in einer eng bebauten mittelalterlichen Altstadt erhebliche Schäden angerichtet worden sein. Kaum vorstellbar, dass ggf. beschädigte oder gar ausgebrannte Häuser hernach einfach so „in Privatbesitz“ übergegangen sein konnten. Den nach Erfurt zurückkehrenden Juden soll 1357 auf städtische Kosten der Bau einer neuen Synagoge bewilligt worden sein, welche später in der handschriftlichen Chronik von Samuel Fritz abgebildet wurde. Die Überreste dieser neuen mittelalterlichen Synagoge wurden nach dem großen Brand von 1736 abgetragen.

Ob es sich wirklich um eine ganz neue Synagoge handelte oder ob der durch Feuer oder anderweitig Zerstörungen beeinträchtigte alte Bau erneuert wurde, ist etwas unklar. Einer Variante der Geschichte gemäß, wurde tatsächlich keine neue Synagoge gebaut, sondern bisherige wieder von den zurückgekehrten Juden genutzt. Demnach kamen im Jahr 1357 Abraham von Fulda, Cassel von Arnstadt, Adelkind von Dornburg mit Rabbi Feudlin und anderen nach Erfurt zurück und „mieteten vom Rat die Judenschule welche dieser in den Sturmjahren an sich gebracht hatte und die jetzt wüst lag, um etliche Mark.“ (Jaraczewsky, S. 33). Demnach wurde die Synagoge beim sog. „Judensturm“ wohl stärker beschädigt und lag noch acht Jahre später „wüst“. Dies widerspricht natürlich einer zwischenzeitlichen „privaten“ Nutzung und hinterfragt ein wenig auch die Datierung von Holzstücken auf den Winter 1350/51. Berichten gemäß wurde die „neue“ Synagoge 1479 zur Kirche geweiht, rund zwanzig Jahre nachdem 1458 die mittelalterliche Geschichte der Juden in Erfurt mit der Ausweisung endet. Das ehemalige Synagogengebäude soll 1736 beim Stadtbrand völlig ausgebrannt sein.

Es ist nun fraglich, ob jener Bau, der als „Alte Synagoge“ rekonstruiert oder gar nur konstruiert wurde tatsächlich auf eine mittelalterliche Synagoge zurückgeht.

Die „Entdeckung“ der Synagoge vor etwa zwanzig Jahren wurde als „Wunder“ aufgefasst, da man angeblich nicht ahnen konnte, um was für einen Bau es sich handelte.  Die Unklarheit darüber ist jedoch eigenartig da schon im Jahre 1862 der Erfurter Lokalhistoriker Bernhard Hartung im selben Gebäude „die alte Synagoge der ehemals berühmten Erfurter Judengemeinde“ vermutete und dies nicht geheim hielt. Ausführlicher noch setzte sich der Erfurter Jaraczewsky in seinem 1868 publizierten Buch zur Geschichte der Juden in Erfurt damit auseinander, wobei er verständlicher Weise bereits geläufige Auffassungen aufgriff:

Ihre Hauptsynagoge (denn eine zweite lag auf ihrem Friedhof), welche noch jetzt in ihren Umfassungsmauern vorhanden ist, scheint mit ihrer Fronte nicht an der Straße gelegen zu haben und bildet gegenwärtig das Hintergebäude eines öffentlichen Lokals (eines sog. Kaffeehauses) Hausnummer 2545. Es ist ein mächtiges, beinahe viereckiges, drei Stock hohes Gebäude, in dessen oberen Geschoss, an der Ost- und Westseite, sich größere Fenster im ältesten Spitzbogenstil, und neben diesen Fenstern am westlichen Giebel noch zwei runde Fenster befinden. Leider haben die mannigfachen Bauten, welche im Laufe von Jahrhunderten im Innern des Gebäudes vorgenommen wurden, dasselbe so verändert, dass sich nicht mehr erkennen lässt, welche Einteilung es damals gehabt haben mag, als es gottesdienstlichen Zwecken diente.“

Auch die modernen Interpreten des Baus kommen nicht umhin, einzugestehen: „Der Grundriss (der Synagoge) in Erfurt weicht jedoch in ungewöhnlicher Weise von den übrigen (zeitgenössischen) Synagogen ab“ und „Der Grund für diese Abweichung … ist bisher unklar“ (Alte Synagoge und Mikwe zu Erfurt, S. 38/39). Trotz aller Rekonstruktionsversuche in den letzten zwanzig Jahren deutet kaum etwas auf eine frühere Synagoge hin.

Der Grundriss des heutigen Baus hat eine Fläche von ca. 18 auf 12 m. Die Orientierung der Längsseite ist einigermaßen südöstlich, ist dabei jedoch anders als erforderlich und zu erwarten nicht nach Jerusalem ausgerichtet, sondern nach Laibach, Brindisi in Süditalien, Ost-Libyen, schließlich Sudan und Kampala in Uganda. Auch wenn neuzeitliche Reformgemeinden es in der Regel bei einer vereinfachten Ost-Ausrichtung belassen, die der Talmud in Vermeidung einer vorstellbaren Sonnenanbetung untersagt, nahmen antike und mittelalterliche Juden die genaue Ausrichtung nach Jerusalem in aller Regel doch sehr genau. Dies gilt umso mehr, wenn Gelegenheit dazu bestand, einen Neubau vorzunehmen. Wie auch immer, wäre beim Erfurter Bau der Aron Kodesch an der schmalen etwa 12 m langen Südost-Mauer zu erwarten gewesen, jedoch deutet heute nichts auf eine entsprechende Nische hin. Die Hauptfassaden verlaufen entlang der ca. 18 m langen Seiten mit eigenartigen Fensteranordnungen auf mehreren Etagen, die zum einem erst  wieder freigelegt, ein möglichst hohes Alter anzeigen, andererseits aber kaum besagen können, dass die mittelalterliche Synagoge bereits entsprechend eingeteilt war und über vier (unterschiedlich belegte) Fenster-Etagen verfügt haben soll.

Die überlieferte Abbildung der alten Synagoge in Erfurt, die wahrscheinlich irrtümlich einem Neubau zugeschrieben wird, zeigt keine wesentlichen Übereinstimmungen mit dem heutigen Museumsbau. Auch das für das äußere Erscheinungsbild der freigelegten Südwest-Fassade charakteristische asymmetrische hölzerne Giebeldreieck der Synagoge ist keineswegs einmalig in Erfurt, sondern findet sich in Varianten im Bereich der Erfurter Altstadt, beispielsweise an der Barfüßer Kirche oder weit weniger hochragend an einem Haus in der Marstallstraße / Lange Brücke.

Die auf einer alten Karte zu sehende zugespitzte Form findet sich wieder auf der restaurierten Fassade der Synagoge:

Zusammengefasst deutet trotz aller Rekonstruktionsversuche in den letzten zwanzig Jahren nichts darauf hin, dass es sich bei der beworbenen „Alten Synagoge“ in Erfurt tatsächlich um den auf den Fundamenten einer mittelalterlichen Synagoge errichteten Nachfolgebau oder gar um die älteste erhaltene Synagoge, ob nun der Stadt, Deutschlands oder Europas handelt.

Dass es bis ins 15. Jahrhundert eine bedeutende mittelalterliche jüdische Gemeinde gab, steht außer Zweifel ebenso wie die Notwendigkeit diese im Kontext der Fakten zur Stadtgeschichte angemessen zu würdigen. Ohne Zweifel wäre es durchaus wünschenswert, könnte man möglichst viele originale Zeugnisse mittelalterlichen Judentums entdecken und bewahren.

Im Abstand von 660 Jahren ist es fragwürdig, ein ohne Zweifel mehrfach erheblich umgebautes Gebäude, das nur phasenweise originale Bausubstanz, dafür aber jede Menge Spuren seiner weiteren Geschichte enthält, „pars pro toto“ umzudeuten, als gelte es im Sinne von Aristoteles ein „Ergon“ zu finden, um auf „auf gut Glück“ an eine Ortsgeschichte zu erinnern, die nun aber am gezeigten Schauplatz in dieser Form sehr wahrscheinlich nie bestanden hat.

Auch wenn die Intention anhand der eigenen Stadtgeschichte mehr als nur Allgemeinplätze  des Judentums (das 1350 ein anderes ist als heute) zu vermitteln (wozu eine Edition „Erfurter“ hebräischer Schriften durchaus geeigneter wäre)„positiv“ zu werten ist, ist dies im Grunde doch bloße Science Fiction. Daran ändert weder die (mehrfach) ausgezeichnete Präsentation (etwa eine Auszeichnung für das einheitliche Design der Bücher und Prospekte zu den jüdischen Orten der Stadt oder ein „European Tourism Award“ der British Guild of Travel Writers, …), noch eine Bewerbung als „Weltkulturerbe“.

* * *

Although the British Guild of Travel Writers in 2011 has awarded the Old Synagogue of Erfurt with its “European Tourism Award” it most likely rather refers to a successful tourism concept than to historical facts. The building is regarded and promoted as “oldest synagogue of Europe”, but of course was not used as synagogue during the last 663 years and is no synagogue today. Furthermore there hardly is anything what may indicate that it was an ancient synagogue at all. The orientation of an ancient synagogue in medieval times was toward Jerusalem. Only in more recent times, mistaken by a North African “Mizrakh”, a mere eastern orientation was regarded as sufficient, altough it made no sense in Central or Northern Europe. The building in Erfurt however only to some degree orientates towards south-eastern direction, but clearly not towards Jerusalem, but only towards Laibach, south Italian Brindisi or finally towards East Libya, Sudan and finally Kampala, capital of Uganda. Although the building unquestionable is pretty old it also was converted, rebuilt and reconstructed time and again, so that already in 1868 Mr. Adolph Jaraczewsky, rabbi of Erfurt from 1862 until 1879, said in his “History of the Jews in Erfurt”: “unfortunately the manifold constructions at the interior of the building in the course of centuries have varied so much so that it is not possible to see which sections it may had in the times it was used for (religious) services. Also the new promoters of the building as synagogue admit that the outline (of the building) in Erfurt differs exceptionally from all other known (contemporary) synagogue buildings and that the reason for this until now is still “unclear”. According to the law of parsimony one rather simple reason to answer the question maybe was that it never was a synagogue.

Local tradition examined more closely shows a number of contradictions. The popular version has it that in spring 1349 a mob attacked the Jews in Erfurt and killed all or at least most of them. With that the old synagogue ceased to be the center of Erfurt’s Jewry. When a couple of years later they returned to Erfurt the municipality financed a new synagogue for the Jews, while the old one passed into “private” ownership, whatever this could have meant in mid-fourteenth century. However, the newly built second synagogue was depicted in a handwritten chronicle and was used by the Jewish community of Erfurt until their expulsion from the city in 1458. Some twenty years later, the building was converted into a church. After the conflagration of 1736 the remnants of the church were pulled down, so that there is no leftover from the second synagogue.

Another version says that the Jews resisted the attackers so that they set the Jewish houses on fire. However in 1357 a number of Jewish leaders returned to Erfurt from neighboring towns like Arnstadt and rehired their former property within the city, thus also the old synagogue which laid waste for some years. The synagogue in this version was refurbished.

Since there is no reasonable indication for a synagogue in this building, it is entirely possible that the old synagogue of Erfurt damaged in 1349 and afterwards was used until 1458 and converted into a church in 1479 was a quite different building than the one which today is promoted as “oldest synagogue” of Europe. Since the building however wasn’t used as a synagogue for 660 years anyway it would not matter anyway, but if the intention is to provide some pieces of genuine history it of course is appropriate to go better without science fiction or wishful thinking.        

בארפורט יש בית הכנסת העתיק ביותר באירופה. זה מה שהם אומרים

אבל יש רק הוכחה קטנה והרבה וחשיבה חיובית

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A Erfurt, nella capitale est-tedesca della Turingia, si trova la più antica sinagoga europea. Questo è ciò che si dice. Anche se vi è solo una prova molto poco, hanno un sacco di pensiero positivo e concetti di marketing buoni. Forse sufficienti per guadagnare Patrimonio dell’umanità premio di UNESCO …


תמונות של בית הכנסת לשעבר קריגסהבר

November 20, 2011

 


 הוקם על 1680, שוחזר בשנת 1862, שימש עד 1941

 שימוש לרעה על ידי הנאצים, לאחר מלחמת העולם השנייה שימשה הכנסייה הנוצרית וכן מחסן

 ההזנחה הארוכה גרמה נזקים קשים

 עכשיו, עבודות בנייה לשיקום המבנה נמצאים בעיצומם

בעתיד בבניין יהיה עוד הממלכתי מוזיאון היהודי

 

Currently the building of the former Synagogue of Kriegshaber (Augsburg) is restored. After decades of neglect there now is the aim to establish another stately “Jewish Museum”. 

Die Restaurierungsarbeiten in der ehemaligen Synagoge von Kriegshaber sind nun voll im Gange, werden aber wohl noch über ein Jahr andauern. Am Ende soll im dann sanierten Gebäude eine Filiale (bzw. “dépandance”) des staatlichen “Jüdischen” Museums untergebracht werden.