Dayenu – es hätte uns gereicht, … דיינו בוואריה

April 18, 2016

dayenu maccabeat bavarian styleLederhosen version of the classic Passover song

there are different ways to celebrate

it

over & over

again

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Mal wieder ein Kurzaufhalt in Thannhausen

April 1, 2016

Stadionkapelle Thannhausen Synagoge– remains of Jewish history  –

Die heutige „Stadionkapelle“ (die nichts mit einem Sport-Stadion zu tun hat) im schwäbischen Thannhausen (nahe Krumbach/Hürben) geht auf das Jahr 1720 zurück und basiert auf einer urkundlich erstmals 1627 erwähnten Synagoge, die sich am selben Platz befand oder im späteren Umbau integriert wurde. 1718 jedenfalls verwies der christliche Ortsherr der Familie Stadion die wenigen verbliebenen Juden aus Thannhausen, wo sie schon seit zwei Jahrhunderten gelebt hatten.

Stadionkapelle Thannhausen former synagogue טאנהויסן    تانهاوزن

Die Kapelle, so berichtet die Info-Tafel an der Kirche, werde im Volksmund heute noch „Judenkapelle“ genannt, was sich während eines Kurzaufenthalts freilich weder bei den Anwohnern, noch im gegenüberliegenden Straßencafe (orta şekerli bir fincan, lütfen!) verifizieren ließ, da man dort nur Türkisch hörte, … wo „es“ sodann dann auch “Yahudiler şapel” oder so ähnlich heißen müsste. Das klänge aber nur entfernt ähnlich …, falls es denn überhaupt wen interessieren sollte. Ben şüpheliyim.

Thannhausen Straßenszene mit Stadionkapelle SynagogeStadion-Atmosphäre in Thannhausen


Zur jüdischen Geschichte in Osterberg

July 23, 2014

 

Karte Osterberg map Jewish

 Jewish settlement (blue), cemetery (green) at Kolbenweg, few yards away

Osterberg Schloss

Schloss Osterberg castle

Osterberg sheep next to Jewish cemetery

Osterberg sheep

In Osterberg einer c. 20 km nördlich von Memmingen und zwischen Babenhausen und Altenstadt gelegenen kleinen Gemeinde im Landkreis Neu-Ulm an der Grenze von Bayern und Württemberg, gab es etwa hundert Jahre lang ein jüdische Gemeinde. Heute erinnern daran nur noch das Straßenschild “Judengasse” und der etwas versteckte, umwaldete kleine jüdische Friedhof.

Judengasse Osterberg

 part of the Judengasse in Swabian Osterberg

Osterberg Judengassen Siedlung

Osterberg selbst war eine für die Region recht typische Dorfsiedlung unterhalb eines Schlosses und von diesem völlig abhängig und darauf ausgerichtet. Auch die Nähe zum nur etwa 6 km entfernten Fugger-Sitz Babenhausen (wo es zeitweilig ebenfalls eine jüdische Gemeinde gab und auch dort erinnert heute namentlich nur der erhaltene Straßenname „Judengasse“ daran) spielte dabei eine Rolle.

Osterberg Judengasse

Einzelne Nachrichten über Juden am Ort in  finden sich ab dem 16. Jahrhundert. Doch erst um das Jahr 1800 entstand eine jüdische Siedlung für die der Freiherr von Osterberg geworben hatte. Als etwas zwielichtiger Kommissar in den Ermittlungen der Papiernoten – Vorwürfe gegen die schwäbischen Juden im Herbst 1803 ist er uns gut vertraut aus dem Bericht des Ber Ulmo aus Pfersee. Angeworben wurden auch Juden aus Steppach, Kriegshaber und Pfersee. Zu den Bewohnern zählte 1835 deshalb auch der Lederer und Gerber Abraham Steppacher in Haus 8 oder die Familie der Binswanger in der Judengasse 22. 1820 wurde ein jüdisches Schulhaus und hernach ein (neues) Tauchbad (Dauche) gebaut, welche die bisherigen Provisorien ersetzten. Die genauen Standorte zu lokalisieren war eine knappe halbe Stunde vor dem Anpfiff des FIFA-WM-Endspiels zwischen Deutschland und Argentinien nicht möglich – und letztlich auch egal.

Jüdischer Friedof Osterberg Eingang Entrance Jewish cemetery

steiler Aufgang/Eingang des etwas versteckt liegenden Friedhofs

Jüdischer Friedhof Osterberg

abandoned Jewish cemetery of Osterberg

Jüdischer Friedhof Osterberg Jewish Cemetery

בית קברות יהודי באוסטערבערג

Es gab drei zusammenhängende Judengassen in Osterberg. Knapp hundert Meter Luftlinie von der Judengasse entfernt (siehe Karte oben), am steil aufsteigenden Waldrand erlangte die Gemeinde im Juli 1802 auch einen eigenen, „40 Quadratschuh“ (ein bayerischer Schuh maß 29.72 cm) großen, ursprünglich umzäunten, jetzt aber ummauerten Begräbnisplatz. Es sind nur wenige Grabsteine erhalten geblieben und von diesen haben nur einige noch identifizierbare hebräische Inschriften. Am bekanntesten ist der offenkundig in der Nachkriegszeit restaurierte Stein der Blimle Binswanger (geb. Götze), deren Gatte Moses Binswanger am jüdischen Friedhof von Kriegshaber/Pfersee begraben liegt.

Bluemle Binswanger Grabstein jüdischer Friedhof Osterberg

מצבה של בלימלא בינסוונגר בבית הקברות יהודי בכפר הבווארי אוסטערבערג

Osterberg jüdischer Friedhof Grabstein Schimschon haKohen

Hebräischer Grabstein Osterberg jüdischer Friedhof

Osterberg Jewish cemetery

Osterberg jüdischer Friedhof Grabstein

Hebrew gravemarker Jewish cemetery Osterberg Bavaria


Kriegshaber Gieseckestrasse

June 16, 2014

Kriegshaber GieseckestrFormer Jewish house in Kriegshaber, Giesecke Str.

בית יהודי עתיק בגריסהבר אוגסבורג


Mering

March 10, 2014

Mering is a small townlet of some 14.000 people in the Landkreis-district of Aichach-Friedberg and about 10 miles south from the old city of Augsburg, where next to Rote Tor was the first train station in 1837. Also Mering was one train stop on the way to Munich, when the Augsburg – Munich railway had been the first overland railroad. Since  rails as well as the engines were brought by Augsburgs Jewish banker Isidor Obermayer from England there of course are  a number of more in depth relationships and connections.

MeringSt. Michael church with Torhaus in Mering

Mering coat of arms Wappenschildcoat of arms at former benefice house

Mering altes Hausבית ישן במערינג בדרום אוגסבורג


Schwäbische Tracht um 1840

June 10, 2013

Yehuda Shenef Krumbach Schwaben

Traditional Jewish garment in Huerben/Krumbach, June 2013

(Augsburg and Bavarian, former Austrian Swabia, ca. mid 19th century)

Auch wenn eher in seltenen Fällen historische Vorlagen zugrunde liegen, erleben Trachten seit einigen Jahren eine Art Renaissance. Dirndl und Lederhose sind gewissermaßen bayerische Markenzeichen geworden und als solche verstanden, gleich ob es sich bei der einen Tracht überhaupt um eine bayrische handelt oder in China hergestellt wurde. Ähnlich wie beim Karneval, zu Weihnachten oder im Fußball-Stadion handelt es sich auch hier eher um eine Art von „Event-bezogener“ Ausstattung: der Pirat, der Araber,  der Weihnachtsmann, das Schweinsteiger-Trikot, die Dante-Perücke, sie vermitteln temporäre Identitäten, die man an- und ausziehen kann. Genauso verhält es sich mit Dirndl und Lederhosen zum Besuch am Oktoberfest oder bei jeder beliebigen Kirmes. Eher selten hat Tracht etwas mit Geschichte im engeren Sinne zu tun und so gut wie nie etwas mit Juden, die als schwäbische Nachbarn ja über ein Jahrtausend lang mit den Christen Tür an Tür mit den Christen lebten und nicht nur in Bezug auf Speisen, Musik, Baustilen, Literatur und vielem anderen den gleichen Moden unterworfen waren, sondern eben auch in Bezug auf die Kleidung. Natürlich unterließen es weder Juden noch Christen bei Bedarf spezifische Akzente zu setzen. Das gute Gewand des Christen diente natürlich dem Kirchgang, während der Jude seine beste Kleidung für den Besuch der Synagoge am Schabbes vorbehielt und entsprechend gestaltete sich die Ornamentik, wo sie nicht neutrale, natürliche Motive aufgriff, der eigenen Symbolik.

hebräisch Initialien schwäbisch tracht hemd

Yehuda Shenef Jewish Swabian garb Schwäbische Tracht

Jüdisch schwäbische Tracht, Juni 2013

 Mitte 19. Jahrhundert, bayrisch, vormals österreichisch Schwaben

PS: Um keine Verwirrung aufkommen zu lassen über “bayrische ” Lederhosen bei Juden: die ältesten Belege für den Gebrauch von Lederhosen als solchen, stammen aus Persien, dort dienten sie bereits vor über 2500 Jahren als Werkshosen für Land- und Bergwerksarbeiter. Gut möglich dass bereits Mordechai (Nehemia) aus der biblischen Ester-Geschichte Lederhosen trug, jedenfalls ist das rein gar nichts originär bayrisch.

Schwäbische Tracht Lederhose Yehuda Shenef

Jews wearing Lederhosen? Yes, of course.  The earliest documentation on leather trousers come from Persia. About 2500 years ago it was the working cloths of miners and rural worker. So you can imagine Mordechai in the biblical book of Esther wearing Lederhosen.

Margit Hummel Friedberg schwäbische Tracht Herren

 garbs were designed and taylored by master-tailoress

Entworfen und geschneidert von Margit Hummel of Friedberg/Bayern:

http://trachtenschneider.wordpress.com/

hats by courtesy of / Hüte mit freundlicher Unterstützung von

Mrs. Monika Höde, Trachtenberatungsstelle im Landauerhaus, Hürben/ Krumbach

http://www.bezirk-schwaben.de/trachten/

Pictures were shot yesterday 9th of June 2013 at “Schwabentag” in Krumbach, were we also joined the fashion parade as well as the folk dancing.


Der jüdische Friedhof im Bayrischen Neu-Ulm

February 8, 2013

 

Neu-Ulm Friedhof (70)Fountain at municipal cemetery Neu-Ulm

Neu-Ulm entstand um 1810 nachdem die Donau zum Grenzfluss wurde, die Königreiche Bayern und Baden-Württemberg trennte und Ulm letzterem zugeschlagen wurde. Auch in der bayerischen Neustadt gründete sich eine jüdische Gemeinde, die zur Jahrhundertwende etwa einhundert Menschen umfasste. Im Laufe der Zeit besaß sie verschiedene Bethäuser, jedoch war die Gemeinde, die dem Rabbinat von Ichenhausen zugeordnet war, zu klein, um sich den Bau eines eigenen Synagogengebäude leisten zu können. Der städtische Friedhof an der Reuttier Straße (/Zypressenweg) wurde zwar bereits 1861 eingeweiht, jedoch stammen die ältesten (noch lesbaren) Grabinschriften der jüdischen Abteilung beim Leichenhaus aus den Jahren 1881 und 1882. Das mit Hecken eingegrenzte Areal umfasst mittels Google Earth gemessen etwa 22 mal 15 m, also ca. 330 m². Die letzten drei Begräbnisse stammen aus den Jahren 1995 (Schaja Nowak), 2000 (Oskar Fürsetzer) und 2003 (Chaim Weinberg).

Neu-Ulm Friedhof (19)

Jüdischer Friedhof Neu-Ulm Jewish Cemetery

Am Eingang des jüdischen Friedhofs gibt es eine weiße Säule mit der dreizeiligen Inschrift “RUHESTÄTTE JÜDISCHER MITBÜRGER” in Großbuchstaben. Daneben befand sich beim Besuch am 6. Februar, eine wahrscheinlich anlässlich des sog. “Holocaust-Gedenktags” am 27. Januar aufgestellter grüner Kranz mit rötlichen Blumen. Auf dem blau-weißen Band wurden zur Widmung goldfarbene Buchstaben aufgesteckt: „Stadt Neu Um – Der Oberbürgermeister“. Wohl in der Aufregung muss den Machern entgangen sein, dass die Stadt eigentlich „Neu ULM“ heißt, bzw. dass das L ausgelassen wurde. Das bekannte Sprichwort wird damit jedenfalls auch nicht einfacher:

Oberbürgermeister Neu-Ulm Kranz Jüdischer FriedhofIn Um, um Um, um Um herum …“

Belegt sind nur etwa zwei Drittel der Fläche, im wesentlichen in fünf Grabreihen, die nordöstlich, bzw. südwestlich nach Dillingen, Prag und Warschau, bzw. Bern und Madrid ausgerichtet sind. Insgesamt gibt es etwa 40 erkennbare Grabstätten, wovon 37 Personen namentlich lesbar sind. Vier oder fünf Grabplatten sind vollständig mit Moos und/oder Gestrüpp überwachsen und konnten bei Schneetreiben und Dauerfrost nicht identifiziert werden.

Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts schlossen sich viele Neu-Ulmer Juden der jüdischen Gemeinde in Ulm an. 1933 lebten noch etwa dreißig Juden in Neu-Ulm. Der Grabsteininschrift nach starb Berta Bauland (geb. Levi) im Alter von 74 Jahren am 10. November 1938 – was womöglich kein zufälliges Datum sein wird. Ihr Ehemann Max Bauland war bereits elf Jahre zuvor am 13. Juli 1927 gestorben. Berta Bauland ist wahrscheinlich die letzte Jüdin, die vor dem Weltkrieg hier bestattet wurde. Erst in den letzten Jahrzehnten gab es wieder drei Bestattungen: 1995 (Schaja Nowak), 2000 (Oskar Fürsetzer) und 2003 (Chaim Weinberg).

Jüdischer Friedhof Neu-Ulm

Jewish Cemetery Neu-Ulm

Abgesehen von der jüdischen Abteilung am städtischen Friedhof erinnert heute nichts an die Geschichte der Juden in Ulm.

Eine ausführlichere Beschreibung des Friedhofs folgt demnächst.