שתה מים מבורך ונזלים מתוך בארך

May 15, 2016

Waschbecken Synagoge Nürnberg

basin at Nuremberg Synagogue

שתה מים מבורך ונזלים מתוך בארך

drink water from your own cistern, flowing water from your own well

proverbs 5.15

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Erinnerung an die große Synagoge in Nürnberg

August 14, 2012

postcard ca.1920 and situation today

Am 21. Elul 5634 (= 8 September 1874) wurde der 1870 begonnene Synagogenbau zwischen Pegnitz-Ufer und Hans-Sachs-Platz in Nürnberg eingeweiht. Es war nicht die einzige Synagoge in der Geschichte Nürnbergs und in jener Zeit, doch es war sicher die imposanteste und am meisten fotografierte. Wohl von keiner anderen deutschen Synagoge erschienen so viele unterschiedliche Postkarten (von Augsburg bis heute keine), von Photographien und Malereien ganz zu schweigen. Julius Streicher (geb. in Fleinhausen/Dinkelscherben bei Augsburg) war dies ein Dorn im Auge, vielleicht auch ein Busch. Seiner Ansicht nach passte sie nicht in das Stadtbild der „deutschesten aller deutschen Städte“ und so kam es, dass die Synagoge bereits am 10. August 1938, ein Vierteljahr vor der sog. „Reichskristallnacht“ zerstört und binnen kurzer Zeit beseitigt wurde. Die Überreste und Erinnerungen an den früheren Prachtbau wurden durch eine völlige bauliche Umgestaltung in der Nachkriegszeit entsorgt, auch begünstigt durch eine gewisse Amtskontinuität.

"Hans sucks ..."

Memorial of Hans Sachs (1494-1576), German “Mastersinger” and playwriter, who became famous because of the “Meistersinger” opera by Richard Wagner. The monument at former Spitalplatz (now Hans-Sachs-Platz), planned in 1872, was established in June 1874, severeal weeks before the almost completed synagogue (groundbreaking 1870) was inaugurated. Note the homophone “alternative” spelling of the name sprayed on the left of the official dedication: “Hans sucks …”

Modell der Großen Synagoge am Hans-Sachs-Platz (im Adolf-Hamburger Seniorenheim der IKG Nürnberg)

Heute erinnert am Hans-Sachs-Platz gar nichts mehr an die frühere Existenz der Synagoge. Erst seit 1971 gibt es auf der früheren Rückseite bei der Heubrücke an der Pegnitz eine sog. “Gedenkstätte”, die seitdem aus mehreren deutschen und hebräischen Inschriften und Steinen mit einem Relief der Synagoge und zuletzt im November 2001 um eine Tafel erweitert wurde, die an den früheren Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Nürnberg Leo Katzenberger, der von den Nazis ermordet wurde, erinnern will:

Zum Gedenken an LEO KATZENBERGER Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg 25.11.1873 – 3.6.1942 – verhaftet und angeklagt aufgrund der „Nürnberger Gesetze“, in einem Schauprozess des Sondergerichts Nürnberg ohne Schuld verurteilt und hingerichtet als Opfer der NS-Rassenjustiz.“

(Translation: In Memory of LEO KATZENBERGER head of the Jewish community of Nuremberg 1873 – 1942, arrested and accused on the basis of the “Nuremberg Laws” in a tribunal of the special court Nuremberg sentenced without guilt and executed as victim of the Nazi racial justice)

Leo Katzenberger war von 1939 bis 1942 der letzte Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Nürnberg. Er wurde beschuldigt ein sexuelles Verhältnis mit der „Arierin“ Irene Seiler, die in einer seiner Mietwohnungen lebte, gehabt zu haben und wurde deshalb wegen Verstoßes gegen die sog. „Volksschädlingsverordnung“ (VVO) von einem Nürnberger Gericht zum Tode verurteilt und am 3. Juni 1942 in München geköpft. Irene Sailer wurde wegen „Rassenschande“ zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Tatsächlich bestand zwischen beiden jedoch nur ein Mietverhältnis. Im 1961 gedrehten US-Spielfilm „Das Urteil von Nürnberg“ mit Spencer Tracey, Richard Widmark, Montgomery Clift, Burt Lancaster, William Shatner u.a. der sich mit den Nürnberger Prozessen gegen NS-Juristen beschäftigt, wird Irene Seiler von Judy Garland gespielt.

Judy Garland interview on the importance of the Nuremberg movie and her role (5044)

Pultähnliche Stele mit der Aufschrift:

An dieser Stelle stand die im Jahre 1874  fertig gestellte und im maurischen Stil erbaute Nürnberger Hauptsynagoge. Noch vor der Kristallnacht wurde sie am 10.8.1938 von den NS-Machthabern zerstört und abgetragen.“

Man braucht keine historischen Photographien, an denen es wie bereits erwähnt nicht mangeln würde, um festzustellen, dass, anders als der Text behauptet, die Synagoge nicht nur an “an dieser Stelle” stand, sondern durchaus “etwas” größer war. Der Stil der Synagoge war auch nicht “maurisch”, allenfalls wies die Fassade einige orientalisch anmutende Ornamente auf und es waren auch nicht die “Machthaber” des NS-Regimes, die das Bauwerk zerstörten (dafür waren Leute wie Hitler, Streicher, Goebbels persönlich wohl zu kränklich), sondern junge Nürnberger Nazis und auch an denen bestand kein Mangel. Anstelle lapidar darauf hinzuweisen, dass die Synagoge “abgetragen” wurde (womöglich durch den Wind?), hätte der Text auch dazu Bezug nehmen können, warum der Platz in der Nachkriegszeit nicht wieder für den Neubau oder gar die Rekonstruktion der Synagoge benutzt wurde. Platz wäre dafür gewesen, für die weitere Inschrift und für entsprechende Baumaßnahmen.

(At this spot was the main synagogue of Nuremberg which in 1874 was established in Moorish style. Still before the Kristallnacht on 10th of August 1938 it was destroyed by the Nazi rulers and “carried away” – Of course the place of the synagogue was a little bit bigger than the small desk-like memorial. The style of the synagogue of course was not “Moorish” as maintained also by the Nazi who argued this way against the building as inappropriate in “the most German of all German cities”. The building just had some ornaments at the facade. The same way you can say every bulbous tower of countless churches especially in Southern Germany were “Moorish”)

An beiden Seiten des Pult-Denkmals steht in deutscher und hebräischer Sprache  geschrieben ein halber Vers aus dem Buch des jüdischen Profeten Chagai (חגי):

מי בכם הנשאר אשר ראה את־הבית הזה בכבודו

Was übersetzt wurde mit: “„Wer ist unter euch noch übrig, der dieses Haus in seiner Herrlichkeit gesehen hat?“”

(Chagai 2.3: Who is left among you that saw this house in its honor?)

Der Vers vollständig zitiert würde so weiterghen:

מה אתם ראים אתו עתה הלוא כמהו כאין בעיניכם

Und was seht Ihr jetzt? Hat es irgendeinen Wert in Euren Augen ..?“ (And what are you seeing now? Has it any value in your eyes?)

Man kommt doch ein wenig ins Grübeln, warum der zweite Teil des Verses weggelassen wurde. Vielleicht weil die Anspielung reichte, vielleicht weil 1971 aber noch immer eine Zeit war, in der man es bei solchen Anspielungen belassen musste. 2012 jedenfalls ist auch das vergessen.

Auf der rechten und linken Seite des Pult-Denkmals befindet sich nun an den Mauern ebenfalls in deutscher und hebräischer Sprache ein weiteres Zitat aus der jüdischen Bibel, nun aus dem Buch der “Sprüche” (Proverbs):

כי־תאמר הן לא־ידענו זה הלא־תכן לבות הוא־יבין ונצר נפשך הוא ידע והשיב לאדם כפעלו

(in order to read the Hebrew text it was neccessary to remove some foliage first)

… was auf der gegenüberliegenden Seite übersetzt wurde als „Wenn man sagt: Sieh, wir wussten nichts davon! Glaubst Du nicht, dass er, der das Herz des Menschen kennt, ihn durchschaut? Er vergilt dem Menschen nach seinen Taten

במקום בית הכנסת שעבר נירנברג יש זיכרון אשר מנציח הבניין וראש האחרון של הקהילה היהודית אשר נהרג על ידי הנאצים

(wikipedia)

(כל טקסט ותמונות על ידי יהודה שנף, אם לא צוין אחרת)


Zur Geschichte der Juden in Nürnberg

February 18, 2011

Nach sichtbaren Anzeichen des Judentums in Deutschland zu suchen, ist generell nicht ganz einfach, da seine lange, über 1500 Jahre Geschichte in gängiger Weise entweder auf 12 passive Nazi-Opfer-Jahre beschränkt, oder gelegentlich mit älteren Hinweisen auf frühere Verfolgungen, „Pogrome“ die im Mittelalter schon „typisch“ gewesen sein sollen, dekoriert wird. Von der Nordsee bis zu den Alpen kann man dies in allen Regionen und zahllosen Städten und Dörfern im Rahmen standardisierter Grund(er)Kenntnisse mit wenigen lokalen Schattierungen nachvollziehen.

In Nürnberg, das oft und gerne als „deutscheste aller deutschen Städte“ beworben wurde, ist das freilich nicht anders, wenngleich die spezielle Geschichte der Stadt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wie auch in der Bewältigung dieser Vergangenheit ganz eigene Varianten (und mehr) zu bieten hat.

Die mittelalterliche Geschichte der Juden ist, wie an vielen anderen süddeutschen Orten von den Daten 1298 (das Nürnberger Memorbuch nennt 628 Opfer) und 1349 bestimmt, der das spezifische Datum der „endgültigen“ Ausweisung im März 1499 folgt, ehe um 1840 eine neue Gemeinde besteht, zunächst mit einer Gebetsstädte, dann mit raschen Wachstum mit eigenem Friedhof (während zunächst der im benachbarten Fürth benutzt wurde) an der Bärenschanzstr.  Schließlich wurde 1874 am Hans-Sachs-Platz eine moderne Synagoge eingeweiht und als diese sich der „Reform“ verschrieb, um 1902 eine weitere orthodoxe des Adas Israel – Vereins in der Essenweinstr.  Kurz darauf wurde in der Schnieglinger Str. ein zweiter neuzeitlicher Friedhof eingeweiht, der auch heute noch belegt wird und auf dem sich auch Überreste mittelalterliche Grabsteine befinden.  Das verwundert nicht weiter, da sich in Nürnberg eine stattliche Gemeinde entwickelt hatte, die zu Beginn der 1920er Jahre fast 10.000 Mitglieder hatte. Fast unnötig zu erwähnen, dass beide Synagogen 1938 zerstört wurden, gäbe es nicht die Besonderheit, dass die Hauptsynagoge bereits im August 1938 auf Betreiben des fränkischen NS-Provinzfürsten Julius Streicher demoliert wurde.

Es ist sodann auch unnötig zu erklären, dass Nürnberg als Stadt der nationalsozialistischen Reichsparteitage mit dafür geschaffenen und geplanten Monumentalbauten, zahlreichen Aufmärschen aber auch nach der vernichtenden Niederlage Deutschlands als Schauplatz der Nürnberger Prozesse und Nachfolgeprozesse (wenig schmeichelhaften) Weltruhm erlangt hat. Beeindruckende Gedenkstätten wie das Dokumentationszentrum am Dutzendteich oder das neugeschaffene Museum zur Erinnerung an die Nuremberg Trials schaffen (sicher etwas spät) eine Erinnerung an viele vergessene, oft verdrängte Zusammenhänge – wenngleich diese zwar viel über den Umgang mit Juden, aber im Kern nichts über das Judentum aussagen.

Wie die Vorkriegssynagogen sind auch die beiden mittelalterlichen Synagogen im Bereich von Obstmarkt, Hauptmarkt, Frauenkirche oder Wunderburggasse verschwunden oder möglicherweise von Kirchen überbaut, woran ein im Altarraum am Boden eingelassener David-Stern erinnern soll.

(Ausstellungs-Tafel in der Frauenkirche die den dort im Altarraum am Boden eingelassenen David-Stern zeigt, der an die am Platz der Kirch vermutete frühere Synagoge erinnern will. Dazu heißt es etwas merkwürdig: „Am Anfang ist das Pogrom – am 5. Dezember 1349 wird das Judenviertel (heute Hauptmarkt) zerstört. 562 Juden werden ermordet.“ – In the beginning is the pogrom …)

Am älteren der beiden erhaltenen jüdischen Friedhöfe im Stadtteil Gostenhof, der sich in derselben Straße wie der Justizpalast und seiner Gefängnisse befindet, finden gerade archäologische Ausgrabungen statt, die eine benachbarte Kaserne rekonstruieren soll, wahrscheinlich, weil wie gegenüberliegend Neubauten wie das Seniorenzentrum errichten werden sollen. Im 30jährigen Krieg war die Bärenschanze als Artilleriebastion entstanden und in der Folgezeit zur Kaserne ausgebaut worden. Im 19. Jahrhundert war hier auch der Standort der Reiterei des 1. Chevaulegers-Regiments (in Augsburg war das 4. stationiert).

Der Friedhof erstreckt sich etwa in 200 m Länge zwischen der Bärenschanzstr. und der Reutersbrunnerstr., ist dabei etwa 33 m breit und umfasst zweimal 5 Grabreihen mit insgesamt wohl etwa 1700 Gräbern (von außen und mittels Google Earth von oben geschätzt). Die Grabmonumente sind typisch für die Zeit des mittleren und ausgehenden 19. Jahrhunderts und sind hoffentlich gut dokumentiert worden.

Children grave markers at the old Jewish cemetery of Nuremberg, in front the Hebrew memorial stones of two Nuremberg boys: the one of Yitzchak ben Naftali who died on Yom Kipur in 1870s (last digit is unclear) and the one of Yehuda ben Meir who died on 23rd of Shwat in 5636 (i.e. 18th of February 1876).

Nuremberg, as it is said, is regarded by some as the „most German among German cities“, and famous for its historical City,  the Burg, Albrecht Duerer , … as well as for the Nazi history, the “Reichsparteitag” area and the following “Nurenberg Trials” …. But Nuremberg also has a long and rich Jewish history dating back at least to the early 12th century.  Two supposed medieval synagogues in the old city near the Hauptmarkt (main market) were known. Surprisingly Nuremberg shares at least four famous rabbis with Augsburg, among them Raw Koppelman and Rabbi Yakov Weil. Just 350 m from the Justizpalast, where some of the Nazi leaders were prosecuted, actually is the older of the two still preserved Jewish cemeteries along the former military area Baerenschanze (mil. sconce or redoubt) which traces back to the 30 years war.