Neuauflage: Mord am Lech

August 15, 2017

Mord 2. Auflage: Mord am Lech

NEU

ein jüdisch-bayerischer Kriminalfall aus dem Jahr 1862

Paperback

264 Seiten, 16 Euro

ISBN: 978-3-7448-9364-0

Erscheinungsdatum: 11.08.2017

 

The brutal murder case of young Jewish jeweller Ludwig Bach from Kriegshaber near Augsburg in 1862 in historical documents. The books dips into the complex almost inescapable circumstances of the victim and the perpetrator who tried to save his skin with crude antisemitism.


Jahrzeit für Rabbi Samson Wertheimer

August 11, 2017

Rabbi Samson Wertheimer  Jahrzeit 17. Aw (= Todestag, Gedenktag)

Der erstgeborene Sohn von Samson (Schimschon) Wertheimer war Schimon Wolf Wertheimer, der als Gesandter des polnischen Königs in Pfersee und Augsburg lebte und Hoffaktor in München war, wo aus seiner Familie die moderne jüdische Gemeinde  Münchens hervorging. Schimon Wolf Wertheimer ist am jüdischen Friedhof von Pfersee/Kriegshaber begraben, wie zahlreiche Angehörige der Wertheimer-Familie.

Mehr Info: https://www.bod.de/buchshop/das-haus-der-drei-sterne-yehuda-shenef-9783743100695

 

http://www.ojm.at/wertheimerhaus/bild01/

 

Rabbi Samson Wertheimer

 Jahrzeit 17. Aw (= Todestag, Gedenktag)

Rav Samson Wertheimer wurde 1658 in Worms geboren. Er lernte in den Jeschiwot von Worms und Frankfurt und heiratete 1684 eine Tochter des Rabbiners von Mannheim. Durch deren Verwandten Samuel Oppenheimer (1630-1703), des einflussreichsten Hofjuden am Wiener Hof, kam Rav Wertheimer nach Wien, das nach der Vertreibung der Juden aus Wien im Jahr 1670 nur Juden das Wohnrecht gestattete, an denen der Staat großes Interesse hatte. Er wurde bei Hof als Mitarbeiter Oppenheimers eingeführt und führte in dessen Abwesenheit die Geschäfte als Finanzier und finanzieller Berater des Kaisers Leopold I. Der Kaiser hielt so große Stücke auf Rav Wertheimer, dass sie eine enge Beziehung entwickelten, von der beide immens profitierten. Rav Wertheimer war von 1694-1709 der de facto Finanzminister der Kaiser Leopold I, Joseph I und Karl VI und wurde von Leopold I auch auf diplomatische Missionen entsandt. Er unterstützte die österreich-ungarischen Habsburger im Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714).

Sein Organisations- und Verwaltungstalent erweiterten u.a. den Salzhandel für den Kaiser und Rav Wertheimer wurde zu einem der reichsten Juden seiner Zeit. 1712-1722 finanzierte er den Druck des Talmuds in Frankfurt unter der Aufsicht seines Schwiegersohnes Moses Kann und nutzte seinen Einfluss, die Verbreitung des antisemitischen Werkes Johann Eisenmengers anfänglich zu unterdrücken.

Es wurde ihm trotz allem verwehrt, in Wien eine jüdische Gemeinde zu gründen und er wurde Rabbiner im 60 km entfernten Eisenstadt, wo sein Palais, in dem auch die Synagoge war, noch heute zu sehen ist. Er nahm den Titel „Landesrabbiner von Ungarn“ an, doch es wurden ihm viele andere rabbinische Ehren angeboten, die er ablehnte. Er hatte den Ruf eines Talmid Chacham (Toragelehrter), dem halachische Fragen angetragen wurden und dessen Schriften zu Tora, Midrasch und Kabbala als Handschriften erhalten sind.

Er starb 1724 in Wien.

 

Text vom aktuellen “Daf Paraschat HaSchawua

zum Dwar Tora der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland http://www.ordonline.de


Schönheitskönigin von Schneizlreuth

June 19, 2017

באלי פרעל המלכת היופי של שנייצלרויט

Agnes Pauline “Bally” Prell (1922-1982)

Schneizlreuth

באלי פרעל המלכת היופי של שנייצלרויט


Mark Twain: “Münchens beste Zeitung kommt aus Augsburg”

September 22, 2016

mark-twain-1871-wikipedia

Wenn man einen Münchner Bürger fragt, welches die beste Münchner Tageszeitung sei, wir er einem unweigerlich antworten, dass es nur eine einzige gute Münchner Tageszeitung gäbe, und dass sie in Augsburg erscheine. Das ist ungefähr so, als würde man sagen, die beste New Yorker Zeitung erscheine irgendwo draußen in New Jersey.“

(Mark Twain in München 1879, zitiert aus Michael Klein – Mark Twain in Bayern, Erzählungen, Reiseberichte, Briefe)

According to Mark Twain, who live some months in Munich, the best Munich paper was from Augsburg.


Das NS Dokumentationszentrum in München

April 13, 2016

NS Dokumentationszentrum Münchenהמרכז לתיעוד ההיסטוריה של הנאציזם במינכן

Jede Geschichte hat ihre Vorgeschichte. Dieser Merksatz ist ebenso simpel wie grundlegend. Ein recht gutes Beispiel dafür ist auch das im letzten Jahr nach langen Diskussionen und Planungen eröffnete Museum zur Münchner Nazi-Geschichte in der Brienner Straße 34 (früher 45). Der Neubau fußt auf der früheren Parteizentrale der Nationalsozialisten, dem von ihnen selbst sog. „Braunen Haus“.  Eine Perspektive die zwar vielen Zeitgenossen genügt, unseren Blick auf die Unwegsamkeit der Geschichte aber nicht verbaut.

Obelisk Karolinenplatz München NS Dokuzentrum

Wdimung Obelisk Karolinenplatz München

Die Brienner Straße in der Maxvorstadt, benannt nach der Schlacht bei Brienne le Château vom 1. Februar 1814 verläuft vorbei an Karolinenplatz und Königsplatz und ist noch heute von seinen klassizistischen Monumentalbauten beherrscht. Am augenfälligsten ist gewiss der aus vielen Richtungen schon von weitem sichtbare, weil fast dreißig Meter hohe dunkle Obelisk, den König Ludwig I. 1833 errichten ließ.  Zum Andenken an die „dreißigtausend Bayern die im russischen Krieg den Tod fanden“, denn wie es in einer der Inschriften heißt:  „Auch sie starben für des Vaterlandes Befreyung“. Offenbar davon inspiriert bauten die Nazi 1935 vor ihrer Parteizentrale zwei als „Ehrentempel“ titulierte Leichenhallen, in welchem sie die Überreste von 16 exhumierten „Helden“ beisetzten, die zwölf Jahre zuvor beim missglückten „Hitler-Putsch“ ums Leben kamen. Aus der Sicht der nun herrschenden Nazis starben auch jene Vorkämpfer für die „Befreiung des Vaterlandes“. 1833 – 1933. Jede Geschichte hat ihre Vorgeschichte.

Brienner Str München NS Dokumentationszentrum Torההיסטוריה היהודית הנשכחת של הבית לרחוב

Das „Braune Haus“ selbst hat mehrere davon. Dass aber ausgerechnet dieses Gebäude keine Eigenleistung der Nazi ist, die für doch für ihre „Bauwut“ bekannt waren, wissen wenige. Das herrschaftliche Palais wurde nämlich bereits 1828 errichtet, von dem aus Frankreich stammenden, stadtbekannten königlich-bayerischen Baurat Jean Baptist Métivier (1781-1853). Zwei Jahre zuvor hatte er die von ihm im Auftrag der Münchner Juden entworfene prächtige Synagoge in der Westenriederstraße fertiggestellt. Anstatt selbst darin zu wohnen überließ Métivier das Palais nun aber dem Tabakfabrikanten Carl Freiherr von Lotzbeck (1786-1873). Der hatte 1811 in Augsburg die insolvente Schüle’sche Kattunfabrik übernommen und 1819 bei der St. Anna-Kirche eine neues, noch größeres Werk errichtet, die „Lotzbeck’sche Toback Fabrik“, später „Lotzbeck & Compagnie“, die von seinem Schwiegersohn Ludwig Sander (1790-1877) geleitet wurde, dessen weitere Maschinenfabrik als Vorläufer der späteren MAN gilt. Heute befindet sich der Augsburger Stadtmarkt auf dem Gelände der früheren Tabakfabrik.

NS Dokumentationszentrum München und der Nationalsozialismus

1876 wurde das auch als Lotzbeck-Palais bekannt gewordene Gebäude an den englischen Textilfabrikanten Richard Barlow verkauft. 1911 erbte dessen Sohn Dr. phil. Willy E. Barlow (1869-1928) das Haus. Während des ersten Weltkriegs hatte er freilich Deutschland verlassen und nach 1919 das Haus gewerblich vermietet. Hauptmieter war nun Otto Neubauer, der im Erdgeschoss des Hauses die von seinem Vater Moritz gegründete Möbelfabrikation M. Neubauer betrieb (mit Werkstatt und Laden), das zuvor seinen Sitz in der Löwengrube 13 hatte, desweiteren die Bayerische Aluminium AG. Zu den privaten Mietern gehörte seit Mitte der 1920er auch Wilhelm Engelhardt, Stadtbauverwalter der Stadt München.

München Braunes Haus Info NS Dokumentationszentrumבירת התנועה של הנאצים

1928 starb Willy Barlow, der in Münchner Adressbüchern als „Rentner“ bezeichnet ist, in Ansbach. Seine Witwe kam zurück nach München, um das mittlerweile als „Barlow-Palais“ bezeichnete Haus zu veräußern. Die Stadt München war daran interessiert, es zu erwerben, um dort eine kommunale Musikschule einzurichten. Doch wegen knapper Haushaltmittel wollte sich die Stadt den prestigeträchtigen Erwerb nicht leisten. Die Tatsache, dass seit Ende 1929 bereits acht Mitglieder der NSDAP dem Münchner Stadtrat abgehörten, spielte für den weiteren Verlauf durchaus eine Rolle. Unter ihnen war auch der aus Braunschweig stammende Sohn eines Baptistenpredigers Karl Fiehler (1895-1969), der damals Obersekretär in der Münchner Stadtverwaltung war. Schon 1920 war er Mitglied der NSDAP geworden und am Putschversuch von 1923 beteiligt, wofür er zu einer 15monatigen Haftstrafe in Landsberg verurteilt wurde. 1933 bis 1945 war er Münchner Oberbürgermeister. Auf Fiehler geht wahrscheinlich sogar das Schlagwort von München als „Hauptstadt der Bewegung“ zurück. Dass die NSDAP-Stadträte mit dem Kauf des teuren Palais zu hatten, liegt auf der Hand, ist aber deshalb in den Details auch nicht weiter relevant, steht doch fest, dass Palais an die NSDAP verkauft wurde. Dass die kaum zehn Jahre alte Partei die Finanzierung des üppigen Kaufpreises von über achthunderttausend Goldmark stemmen konnte, soll an Krediten und Bürgschaften der Großindustriellen Thyssen und Flick gelegen haben. Das hätte damals schon zu denken geben sollen. Die bisherigen Mieter mussten nun, 1930, die Brienner Straße 45 umgehend räumen. Das Palais wurde umgebaut und 1931 von Hitler und seinen Schergen lauthals als „Braunes Haus“ propagiert. Den Vormieter der Nazis, Otto Neubauer, den Inhaber der bis dahin im Palais beherbergten Möbelfabrik ließ man später verhaften, weil er Jude war, und bereits im August 1938 im Konzentrationslager Sachsenhausens ermorden. An ihn könnte vor dem Haus einer jener Stolpersteine erinnern, die anderswo überall zu sehen sind. In München nicht.

 Arisierung in München Wertheimer Optik Linder Neuhauserstr 53 Ettstr sog. “Arisierung” in München, Optik Wertheimer (NS Dokuzentrum)

München Brienner Str 45 im Adressbuch 1926 Barlow Neubauer MöbelfabrikAuszug aus dem Münchner Adressbuch von 1926

Weniger Jahre später laute der Eintrag für das selbe Haus:

München Brienner Str 45 im Adressbuch 1935 als Braunes HausFür den “Verein” hatte damals unterschrieben “Adolf Hitler, Kunstmaler”

Die jüdische Vorgeschichte des „Braunen Hauses“ ist heute vergessen und wird im heutigen Museum (wo das “Schicksal” der Juden in München durchaus thematisiert wird)  nicht weiter groß thematisiert, auch nicht, dass die meisten Privathäuser der Nachbarschaft ebenfalls jüdisches Eigentum waren, wie eben die beiden direkten Nachbarhäuser, von denen heute nur eines noch steht. Haus 43 gehörte bis zur „Enteignung“ durch die Nazi, dem aus Wittelshofen bei Ansbach stammenden Julius Freundlich (1853-1937), der mit seinem Bruder Moritz eine erfolgreiche Holzgroßhandlung betrieb, für die er als  königlicher Kommerzienrat ausgezeichnet wurde. Auf der anderen Seite war Haus 47, das dem königlichen Hofantiquar Jacques Rosenthal gehörte. Er selbst wohnte im dritten Stock seines Hauses, direkt über der Wohnung seines Sohnes Erwin, der Kunsthistoriker war. Im Parterre befand sich das Buch- und Kunstantiquariat der Rosenthals, während im ersten Stock der Reichsfinanzrat Dr. Klemens Busch wohnte. Ganz oben, im vierten Stock war das Atelier des Kunstmaler Ludwig Butz. Das Haus Brienner Straße 51 gehörte den Lämmles, die im Erdgeschoss ebenfalls ein Antiquitätengeschäft betrieben, Haus 48 auf der anderen Straßenseite gehörte bis Mitte der 1930er dem gleichfalls jüdischen Industriellen Franz Hesselberger (aus der fränkischen, auch in Augsburg präsenten Hopfen-Familie) und bot auch dem Kunsthändler Heilbronner Räumlichkeiten. Haus 52 war im Besitz der aus Augsburg zugezogenen Familie Wortsmann, die dort ein weiteres Möbelgeschäfts betrieben und einen zweiten Laden für das Damenmodegeschäft der Rothschilds ermöglichten. Die Liste ist erheblich erweiterbar, aber es dürfte klar geworden sein, dass die Münchner Nazihochburg bis dahin eine jüdische Domäne war, in der Kunst und Antiquitäten vorherrschten. Dass es Hitler, den “Kunstmaler” gerade hier hin zog, scheint kein Zufall, auch wenn sein Kunstverständnis und das seiner Genossen offenkundig ein anderes war.

Haus der Deutschen Kunst München Ausstellung 1937 homoerotische Skulptureneigenartige Nazi-Kunst (München, Haus der Deutschen Kunst, 1937)

Das „Braune Haus“ wurde 1945 zerstört, die beiden „Tempel“ zwei Jahre später von Amerikanern gesprengt, ob die jahrelang verehrten Nazigräber erneut exhumiert wurden oder heute noch bestehen, ist den Angaben vor Ort nicht zu entnehmen, lediglich, dass die Fundamente der „Tempel“ noch vorhanden sind. Bei der zeitgenössischen, „historischen“ Betrachtung, die heute insbesondere auf den Kontrast zwischen klassischer und nazistischer Inszenierung abzielt – im Eckhaus an der Arcisstraße, von Hitler als „Führerbau“ verwendet, gibt es mittlerweile übrigens die Ende der 1920er gewollte Kunstschule – spielt die jüdische Vergangenheit der noblen Nachbarschaft keine Rolle.

München NS Dokumentationszentrum Ehrentempel Sockel ÜberrestÜberrest eines der “Ehrentempel” – Fundamente beim NS Dokuzentrum

NS Dokumentationszentrum Treppebewusste Anspielung auf die Nazi-Ästhetik ..?

Nach langen Jahren strittiger Debatten darüber, wie und ob man mit dem „Erbe“ und der „Geschichte“ umgehen wollte, entstand das im Sommer 2015 eröffnete (eingeweihte?) neue „NS-Dokumentationszentrum“, mit der „Dauerausstellung: München und der Nationalsozialismus“ und wechselnden Sonderausstellungen, aktuell gerade „erfasst, verfolgt, vernichtet – Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus“. Im Gebäude inbegriffen sind ein Lernforum, ein Auditorium mit Cafe und ein schmaler Buchladen, eine weitere Filiale der  „Literaturhandlung“ (die man von jüdischen Museen in München, Fürth, Augsburg, usw., oder früher noch von der Fürstenstraße her kennt). Instruktionen sind auch in Blindenschrift vorhanden (sogar mehrsprachig), es gibt Audioguides und mehrsprachige Türbeschriftungen, ab und an sogar auch auf Hebräisch (הו, כמה יפה).

NS Dokumentationszentrum München Fenster

Der Stil des Museum genügt selbstverständlich den Ansprüchen und Prämissen der modernen Museumspädagogik und setzt dabei auf karge, sachliche Distanz und Raumwirkung, verbunden mit Beleuchtungs- und Medieneffekten. Ob gewollt oder nicht, entspricht dies durchaus der Ästhetik der Nationalsozialisten, wie man in der Ausstellung anhand diverser Ausstellungsobjekte auch wiederum unschwer nachvollziehen kann, etwa in der Ausstellung „Deutscher Kunst“ in München im Jahre 1937. Offenbar sollen sie dann aber doch schon eher imposant und monströs wirken und nicht unbedingt kleingeistig und spießig, diese Nazis. Ob das den “historischen Kern” wirklich trifft und ob man damit nicht eher dem Propagandaeffekt aufsitzt und weiter tradiert, lässt sich fragen, aber nicht objektiv beantworten.

NS Dokumentationszentrum Luftkrieg AusstellungstafelDurchaus gelungen sind Darstellungen wie diese, die vor dem Hintergrund einer zerbombten deutschen Straßenszene (ob sie tatsächlich München zeigt, kann man nur erahnen) den Kontext zu vorhergehenden Freudennachrichten über deutsche Bombardements im Ausland einblendet, wodurch auch dem dümmsten Betrachter der Zusammenhang ersichtlich werden müsste.

American Soldier carry away Hauptstadt der Bewegung Munich MünchenOn the spot of the former “Brown House”, the headquarter of Hitler’s Munich based Nazi Party last year opened a museum which depicts (not only) the local Nazi history, but misses somehow to point out that the building proper as well as most of the other private houses in the Brienner Str. had a Jewish past, not far from the “American House” at Karolinenplatz, where now are restorations works underway as well.

America House Munich restoration workshistory always has a previous history


Deutschland 1936: Verbot jüdischer Künstlernamen

January 7, 2016

Verbot jüdischer Künstlernamen
„Die Behörden haben jüdischen Künstlern die Führung von Künstlernamen untersagt, sowohl in Ausübung ihres Berufes als auch im privaten Gebrauch. Da wir künftig sämtliche Künstler nur noch mit ihrem bürgerlichen Namen ankündigen dürfen, teilen wir unseren Mitgliedern diejenigen Münchener jüdischen Künstler mit, bei welchen diese Änderung erforderlich ist:
Kapellmeister Erich Eisner, früher Künstlername Erck
Marieluise Kohn, früher Knstlername Luiko
Ida Kraft, früher Künstlername Gordon
Oberspielleiter Hugo Magnus, früher Künstlername Magnus Groß
Bernhard Renkazischok, früher Künstlername Renka

Bayerische Israelitische Gemeindezeitung, 1. Januar 1936, S. 11

Neandertaler Augsburg Israel Carmel NaturkundemuseumNaturkundemuseum Augsburg: Abguß vom Schädel eines sog. “Neanderthalers” (Künstlername), gefunden bei Mt. Carmel in Israel: Klarname unbekannt

  • * * *

At the end of 1935 German government prohibited the use of of any artist names (Künstlername, such as stage, screen, showbiz, pen, etc.), pseudonym or nom de plume by Jews. The article of the Bavarian Jewry noted the names of Munich artists who would be effected by the new law.

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בסוף 1935 ממשלה הגרמנית אסר על השימוש בכל אחד משמות בדויים על ידי יהודים


Denkmal für Juden in Weilheim

October 1, 2015

Nach dreijähriger Planung wurde 2010 am städtischen Friedhof von Weilheim in Oberbayern ein zweiteiliges Denkmal aus rotem Sandstein errichtet, das an die Weilheimer Juden erinnern soll und das lokalpolitische Befürworter des Denkmals sich explizit einen Platz im Zentrum Weilheims wünschten. Geschaffen wurde es von dem aus Kaufbeuren stammenden und für seine einfachen geometrischen Formen bekannten Bildhauer Egon Stöckle (geb. 1936), der mit den beiden Teilen auch an den damaligen „Zivilisationsbruch“ erinnern wollte.

Jewish Memorial at Cemetery Weilheim Oberbayern Jüdisches Denkmal Friedhof

Die Inschrift des größeren Teils lautet „Die Stadt Weilheim gedenkt aller jüdischer Mitbürger die unter der NS-Herrschaft 1933-1945 gequält und verfolgt, vertrieben und beraubt wurden.“ (“The City of Weilheim remembers all Jewish fellow citizens who under the rule of Nazi 1933-1945 were pained, persecuted, expelled an bereaved.”)

Stadt Weilheim Denkmal jüdische Mitbürger 1933 - 1945

Auf dem schrägen, kleineren Monument sind acht Namen von Weilheimer Juden erwähnt:

Emil Buxbaum, Hedwig Buxbaum, Johanna Buxbaum, Ernst Buxbaum, Richard Grünwald, Johanna Schmidt, Bernhard Schmidt und Sabina Schmidt – sie wurden verschleppt und ermordet.“ (… they were kidnapped and murdered)

Juden Weilheim Denkmal Friedhof Buxbaum Schmidt Grünwald

Da weitere Angeben zu den namentlich genannten fehlen, ist es auf Anhieb nicht möglich, sich einen Reim darauf zu machen. Sucht man mit der Ortsangabe Weilheim im Register von Yad & Schem in Jerusalem, so stößt man lediglich auf Bernhard Schmidt, Johanna Schmidt und Sabina Schmidt. Über sie Zeugnis abgelegt hat Drora Jakobi (geb. Schmidt), ihre in Israel (Cholon, חולון) lebende Schwester, die 1955 auf Hebräisch und 1985 nochmals auf Deutsch Angaben  machte. Demnach hießen die Eltern, zu denen es in der Datenbank keine Einträge gibt und die sich auch nicht auf dem Weilheimer Denkmal finden, Abraham und Franziska (Fanny) Schmidt. 1955 in hebräischer Sprache trug Drora Jakobi nur zwei Geschwister ein. Bruder Bernhard war demnach am 17. Dezember 1930 in Weilheim geboren worden, von Beruf „Schüler“ (תלמיד) und endete dem Zeugnis gemäß 1943 im Krematorium von Auschwitz, bestenfalls 13 Jahre alt. Seine jüngere Schwester  Chana, mit dem Spitznamen „Heni“ (am Gedenkstein als Johanna erwähnt) war am 12. August 1933 geboren worden und war von Beruf „Schulkind“ (ילדה בבית ספר). Im März 1943 starb auch sie in Auschwitz, im Alter von 9 Jahren. Nur im zweiten, deutsch-sprachigen Zeugnis erwähnt ist  die älteste Tochter von Abraham und Fani Schmidt, die am 11. Oktober 1920 geborene Sabina, als deren Geburtsort jedoch nicht Weilheim, sondern „Polen“ genannt ist. Das deutet daraufhin, dass die Schmidts trotz des deutschen Namens ursprünglich aus Polen stammten. Die Identität zu ermitteln wird damit freilich auch nicht einfacher, da sich in der Datenbank von Yad & Shem in den denkbaren (deutsch, polnisch, englisch und jüdischen) Schreibvarianten immerhin 76 Einträge zu (wegen abweichender Geburtsdaten und Herkunftsorten überwiegend unterschiedlichen) „Abraham Schmidt“ finden, von denen die meisten aus Polen stammen. Man könnte allenfalls raten. Die Angabe, dass die Familie von Weilheim nach München gezogen war, hilft ebenfalls nicht weiter, da in den Münchner Adressbüchern jener Jahre wiederum kein Eintrage zu Abraham Schmidt sind. Aufschluss (ggf. auch über den Verbleib der Eltern) können wohl nur Melderegister in Weilheim geben. Im Adressbuch von 1936 ist Abraham Schmidt als “Arbeiter” unter der Adresse Herrenfeldstr. 9 eingetragen.

Jews Cemetery Memorial Weilheim Juden Denkmal Friedhof

זיכרון ליהודים שנרצחו בעיר העליונה-בוואריה של ויילהיים

למשפחות שמידט בוקסבאום גרוענוואלד

Gleichfalls unergiebig sind die Informationen zu den am Denkmal erwähnten Buxbaum, die sich im Koblenzer Gedenkbuch*) als Münchner finden lassen. Man kann vermuten, ob sie im familiären Zusammenhang mit der Augsburger Buxbaum stehen, die eine weithin bekannte Fabrik für landwirtschaftliche Maschinen besaßen. Immerhin findet sich im “Weilheimer Tagblatt” bereits 1874, eine entsprechende Werbeanzeige von “E. Buxbaum“(daneben eine Anzeige des Bankiers E. Landauer). Auch könnten die jeweils mit E beginnenden Namen der Weilheimer Brüder darauf verweisen.

E. Buxbaum Augsburg Maschinen und E. Landauer Bankier Weilheimer Tagblatt Inserat 1874

Emil Buxbaum, der seit 1920 am Weilheimer Marienplatz (im Weilheimer Adressbuch von 1936 lautet seine Anschrift “Adolf Hitler Platz 6″) ein Bekleidungsgeschäft besaß

(Abbildung: http://www.primolo.de/archiv/Weilheim/hp_innen4.htm),

war demnach am 17. September 1887 geboren und starb 1943 im lettischen Riga, wohin er wie seine Familie verschleppt worden war, so auch seine Frau Hedwig (geb. am 7. Juni 1899). Ebenso ihr am 30. April 1925 geborenes Kind Johanna Buxbaum – sie kam 1943 in Riga ums Leben. Der 1897 geborene Ernst Buxbaum (wohl der Bruder von Emil) beging bereits 19. April 1940 Suizid. Nähere Angaben zu welchen Umständen auch immer gibt es nicht in den Gedenkbüchern, die offenbar auch Grundlage für die am Denkmal überhaupt genannten Namen sind, findet sich dort auch Richard Grunwald. Von ihm ist lediglich dort nur erwähnt, dass er am 25. November 1884 geboren wurde, in Auschwitz landete und 1955 als vermisst galt.

Im Adressbuch von 1936 findet sich aber auch Richard Grunwald und zwar als Sägewerkbesitzer (“Deinhaus-Werk” arisiert als “WeHoBa”) am Trithofweg 19, unter derselben Anschrift genannt sind noch Arnold und Bernd Grunwald, jeweils mit dem Zusatz Kaufmann. Es ist anzunehmen, dass sie verwandt waren, Frauen und Kinder hatten. Was aus ihnen wurde lässt sich schwer sagen, da Yad & Shem auch zu Arnold Grunwald 45 Treffer hätte, die meisten von ihnen aus Böhmen.

Wenn man bedenkt, dass wohl kaum jemand beim bloßen Lesen im Adressbuch einen Richard Grunwald oder Bernd Schmidt als Jude in Betracht ziehen würde und viele einen solche Vermutung oder Zusammenhang gewiss in Abrede stellen würden, stünden diese Namen nicht eben auf dem offiziellen Denkmal … und berücksichtigt man zudem, dass mit ihnen verwandte Personen, deren Existenz sich schon aus einem bloßen Blick ins damalige Adressbuch von Weilheim ergibt, … von amtlichen Melderegistern ganz zu schweigen … ist es klar, dass die bloß acht Namen am Denkmal derer man sich recht ungenau “erinnern” will, offensichtlich damit einhergehen, viele andere für immer zu vergessen. There is a Gschmackle as the Swabian saying goes.

urbs caelestis hevenly city himmlische stadt Weilheim Jerusalem

?עיר שמיימית – ירושלים או ויילהיים

Four members of the Buxbaum family are mentioned on the memorial at the municipal cemetery of Weilheim, three of the Schmidt siblings whose sister Drora (married Jacoby in Cholon, Israel) managed to survive and gave testimony in 1955 and 1985 on behalf of her murdered sisters and brother and Richard Gruenwald.

The memorial, which is hidden in the rear part of the cemetery next to large soldier memorial however hall has no dates or other information on the names. So it is left to your own effort to find out what was their relation, age or whatever.

Since the names of the parents of the Schmidt siblings are not mentioned as well as a number of relatives of the Buxbaums and other Weilheim Jews, it is rather unlikely that there were just eight of them who were murdered and adressed as “all Jewish fellow citizens” …

Richard Grunwald for instance, as a cursory look into the Weilheim adressbook from 1936 reveals was the owner of a saw or lumber mill and in his house lived also Arnold and Bernd Grunwald, who maybe were his sons or brothers, but or not mentioned as well.

What one can figure out with a closer look on Weilheim?

We may come back on that later.

If you have further knowledge on the Jews of Weilheim, please let us know.