Schimon Peres, der gute Hirte


Schimon Peres ist tot. Er starb im Alter von 93 Jahren, gut zwei Jahre nachdem er Ende Juli 2014 sein höchstes Staatsamt als Präsident Israel verlassen hatte. Das erste hatte er bereits 1959 als stellvertretende Verteidigungsminister im Kabinett von David Ben Gurion, des 1973 verstorbenen ersten Regierungschefs des modernen Israel, dessen Zeitgenossen mittlerweile sehr rar geworden sind. In den folgenden Jahrzehnten war der Sozialdemokrat Peres Minister für Einwanderung und Integration, für Verkehr und Kommunikation, Verteidigungs- und mehrfach Außenminister, schließlich auch drei Mal Premierminister, davon zweimal als Nachfolger seines langjährigen parteiinternen Rivalen Jitzchak Rabins, zuletzt Staatspräsident.

schimon-peres-der-gute-hirte-yehuda-shenef-euro-journal-2016(original published at http://eurojournal.info/)

Im Abgeordnetenbuch des israelischen Parlaments ist als Beruf Schimon Peres Schäfer genannt, was auf seine jugendliche Beschäftigung in einem Kibbuz zurückgeht, in welches er 1934 als Schimon Perski im Alter von 11 Jahren mit seiner Familie aus dem damaligen Polen gekommen war. Seine Cousine Betty Perski machte hingegen als Lauran Bacall Karriere in Hollywood und drehte Filme mit Humphrey Bogart und anderen Größen. Peres war sich bewusst, dass schon andere Größen des Volkes Israel den Beruf des Schäfers ausgeübt hatten, bevor sie zu wichtigerem Berufen wurden: Abrham, Moses, David, Rabbi Akiwa. Als Schäfer verstand er sich zeitlebens und pflegte einen entsprechenden, leicht hintergründigen Humor.

 

Außerhalb Israels ist Schimon Peres am besten bekannt für die Oslo-Abkommen mit der PLO von Yassir Arafat, für die er zusammen mit diesem und Jitzchak Rabin 1994 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. Wegen dem zeitgleichen Terror in Israels Straßen durch die von Arafat geduldeten islamistischen Hamas wurde der dieser „Frieden“ in Israel immer unpopulärer und sorgte 1996 für Peres‘ letzte Abwahl als Ministerpräsident. Historisch weitreichender ist aber wohl der Umstand, dass Peres als Vater des israelischen Atomprogramms galt – zu einer Zeit als sein deutscher Gegenpart noch Franz-Josef Strauß hieß.

 

Trotz der vielen Staatsämter die Peres über Jahrzehnte mit wechselndem Erfolg ausfüllte, gewann er eigentümlicher Weise niemals eine Wahl. Erst spät, am Ende seiner politischen Karriere, nachdem er die Arbeiterpartei verlassen hatte und ins konservative Lager von Ariel Scharon gewechselt war, fand er allgemeine Anerkennung im Volk und man verzieh ihm schließlich sogar lebenslang beibehaltenem starken polnischen Akzent. Als letzten Vertreter der Gründergeneration des Staates Israel wurde Peres zuletzt eine Figur von fast biblischer Größe und sein Tod ist eine Zäsur. Wir werden in seinem Sinne für das Wohl des jüdischen Volkes und die Sicherheit des Staates Israel weiter wirken.

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